Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1712 (20.11.1923)
- Date
- 1923-11-20
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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1 V fetieS Dien, DlenSlag Wiener Morgenzeituns. 20. November 1923 Nr. 1718 Budavester Börse. Budapest. 19. November. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Die ErofsnuAt, der heutigen Börse )var wiederum fest und die erzielt",! Kursgewinne betrugen gegenüber den FreitagLkursen SO bis 25 Prozent. Die feste Haltung ging aber im weiteren Verlaufe verloren und, von der Kulisse ansaehmd, trat auf sämtlichen Marktgebleten eine ergiebige Abbröckelung ein, so baß bis zum Schluß die anfänglichen Kursgewinne fast gänzlich abgegeben werden mußten. Dor Schluß war flau und der Verkehr träge. .S chlußkurse: Nrip. .Kredit 682.000.—, Oesterr. ükredit 155.000.—, Britilch-Nnq. Bank 159.000.—. Scilgo Kohlen 645.000 Nimamuranyer 118.000.-. Südbalm 128.000.-. Staatsbabn 410.000.—, Gran-S-aSzvarer 425.000, Sberungariicbe Berg 775.000-, Trascke-Ziegel 300.000-. Ungarische Allg. Kohlen 2,765.000.—, Urikanv Kohlen 1,650.000. Adria 505.000- Clolilde chem. Fabrik 115.000. Una. Eisenbahnverkehr 200.000 Anglobank —, Verein. Holz —.—, Koburg 45.000, Spodmm 235.000.—. Sie Devisenkurse. SerIin, 19 November. (Devisenkurse.) Amsterdam (947.625/, Belgien 113.715 (115.710), Ebristiania 869.075 (363.090), Kovenbaoen 434.910 (428.925). Stockliolm 674.310 (664.335), Italienische 107.730 (107.730;. London 10,972.500 (10,972.500), New-Pork 2,513.700 <2,513.700), Paris 131.670 (137.655), Schwei, 444.885 (442.890), Svnnien 3°9175 (327.180), Wien 35.910 (35'9t0), Prag 73.815 (73 815/ atabflöeft 139.660 (149.625), Sofia 21.945 (21.945), Belgrad In Millionen von Mark. Berlin, 19 November. (Notenkmie. *) — Noten: Dollar 2,513.700 (2,513.700), Pfund 10,972.500 (10.972.500). Italienische 107.730 (107.730). Polnische 1,316.000 (1.120.000). tschechoslowakische 73.815 (73.850\ Cefttrr. aektemvette 35.910 '35.910» *) in Millionen Mark, ausgenommen polnische Mark. Budapest, 19. November. (Kurse der Tedllenzentrast.) — Amsterdam 7410 bis 785.0, Bukarest 106.- bis 119.—, Kovenhagen 3400 bis 3620, Chrtstiania 2920 bis 3140, London 87.100 bis 91.500, Berlin -.-bis —. Italien 870.- bis 925 — Paris 1075- bis 1141.-, Prag 580.- bis 624.- , Stockholm 5260 bis 559', Zürich 3440 bis 3660. Wien 0.2820 bis 0 3040 Sofia 160 - bis 171.—, Belgrad 225— bis 239. - New-^ork 20.150 bis 21.250, Warschau 1.— bis 1.30f), Brüssel 915.- bis 970. -. f) für 100 polnische Mark. Prag, 19. November. «Devisenkurse. — Miweteilt vom Bankamte des tlchecho-slowakischen TnranMlnWerinmk.) — Berlin*) 9.40 ' (9.90;. Zürich 600.75 (613.75), Paris 188.25 (191.—\ London 149.50 (153.-), Netv-Aork 34.60 (3-1.60), Belgrad 39.25 (40.25\ Bukarest —.— (— Wien 4.65 (4.65), Warschaus) 13.75 (17.25), Agram —Dudavest 17.62 (17.62), Jugoslawische 38.75 (39.87), Oesterreickikcke gestempelte Krone 4.70 (4.72) Polnisches) 12.25 (15.75). Una^riiche 10.37 (11.—). *) pro Billion, 1') pro Million. Belgrad, 19. November. (Devisenkurse.) London 387.50 bis —, Paris 480 bis —. New-Pork 90.90 bis —, Genf 1570 - bis —Saloniki -.— bis . Mailand 380.— bis —.—, Prag 258.— bis , Berlin —.— bis —, Wien 0.1270 bis —, Bukarest 45.— bis —, Sofia 72.— bis —, Budapest —.46 bis . Brüssel — .- bis —.—, Amsterdam 8310.— bis —.—, Warschau —bis Agram, 19. November. (Debilen.) Wien 0.1270 bis —, Berlin —bis —.—. Budapest 0.47 bis —, Bukarest 45.— bis , Italien 383.50 bis —, London 387.— bis —, New-Iork 89.50 bis —.—, Paris 475.— bis —, Prag 261.— bis —.—, Sofia —bis , Schweiz 1570.— bis —. Brüste! 420.— bis —, ' arschau —bis —, Llmsterdam 3365.— bis —.—, Stockholm —bis —.—. War chau, 19. November. (Devisen.) Berlin —.—, London 9,110.000. New-Pork 2,155.000, Prag 61.950, Wien 28.95. New'Dork, 17. November. (Devisen.) London 428.75 Paris 524.—, Berlin 0.18 für 1 Billion, Mailand 419.-, Zürich 1727.—, Kbvenbaaen 1687.—, Stockholm 2618.— Ebristiania 1445.—, Amsterdam 3699.—, Prag 288.75, Wien 0.14125, Budapest 0.54, Bukarest 52.—, Warschau 0.0005, adrid 1287.50, Helsingfors 266.50, Brüssel 447.—, Kanada 1.25 Aster pari, Brasilien 108.50, Argentinien 30.93, Belgrad 110.50. Fußball. Vom letzten Hakoah-Spiel. Die Hakoah errang am Sonntag einen ziffernmäßig hohen Sieg, der uns «aber darüber nicht hinwcgtäuschen darf, daß die jüdische Mannschaft derzeit von ihrer Höchstform weit entfernt ist. Der Sieg entsprach in diesem Ausmaße auch nicht dem int Felde gezeigten Kraftverhältnis. Die Krieaner waren aber in der lebten Zeit derart vom Pech verfolgt. daß ihnen einmal auch das Glück zu gönnen ist. Durch di"sen Erfolg haben sie wieder Anschluß an die. Spitzengruppe gefunden und es dürfte Wohl tM niemandem bestritten werden, daß ihnen diese Stellung auf Grund ihres tatsächlichen Könnens gebührt. Eine ganz hervorragende Leistung ' bot Grünfeld. Im Anfang wurde er von Listopad zwar einige Male überspielt, dann ober übernahm Ing. Sluzky die Bewachung des ausgezeichneten Flngclstürmers und diese Arbeitsteilung bewährte sich aufs beste. Grnnfeld wurde von Minute zu Minute besser und lief nach der Panse zu einer ganz ausgezeichneten Form auf. Pollak verfügt über die für den Posten eines Verteidigers nötigen Eigenschaften. Er ist kräftig, hat einen reinen, ausgiebigen Stoß und erspart sich durch sein überlegtes SteÜnngsspiel scden unnötigen Schritt. Trotzdem ging ihm bald nach der Pause der Atem aus. Gold, der als Half weit weniger leistete als auf seinem angestammten Verteidigevposten. sprang Pollak in der Zeit der Not öfters helfend zur Seite. Duldig hatte diesmal verhältnismäßig wenig zu tun. Die geringe Arbeit, die ihm auferlegt wurde, leistete er fehlerfrei. Das gwe Spiel des jungen Tormannes kam für die Oeff'ntlichkeit überraschend, doch waren seine außerordentlichen Fähigkeiten im Verein selbst schon lange bekannt. Duldig ha"e das Pech, daß der in vielen Schlachten erprobte vorzügliche Ehrenkapitön Holpern in der ersten Mannschaf' tätig war. Hauern zeigte ständig eine derart ausgezeichnete Form, daß die V?reinsleistrng nicht daran dachte, auf die Mitwirkung dieses als Mensch und Svieler gleich twchgesckäbten Spor'smannes zu verzichten. Selbstverständlich wird Holpern auch nach seiner Genesung in Hinkunft in der ersten Mannschaft zu finden sein, da er vermutlich mit Duldig abwechselnd dm Torwächterposten innehaben wird. Die Hakoah' kann sich auf alle Fälle gratulieren, zwei derart vorzüaliche Tormänner zu besitzen. Wortmann führ'e sich in der ersten Mannschaft vielversprechend ein. Dieser snnoe Spieler Hot die wichtigste Voraussetzung für einen erstklassigen Innenstürmer: die angeborene Ruhe und Uebwsicht. Die Art. wie er seine Nachbarn freispielte. war mustergültig. Dennoch glauben wir. daß er in die erste Mannschaft noch nicht ständig eingestellt werden soll, da die körperlichen Anforderungen für ihn noch zu groß sind und er auch technisch noch zu lernen hat.* Nenfeld befand sich in Höchstform und kam über Solil mühelos hinweg. Gegen Schluß des Spieles bezog er den Posten eines Mittelstürmers, .doch. leistete er als Außenstürmer entschieden mehr. Das Innentrio der Hertha besteht aus sehr schußkräftigen, körperlich starken Spielern, die aber zu lonasam und technisch schlecht ausg-ebildet sind. Hingegen gefielen die Flügel sehr gut, nur können diese wieder nickt schießen. Schönecker leitete das Spiel sehr gut und ließ sich auch durch eine zwar kleine, aber-sehr laute Gruppe von Hertha-Anhängern nicht aus der Ruhe bringen. Diese erhoben ihr Geschrei inmitten eine vielfachen Ueberzahl von Hakoah-Anhänaern, ohne irgendwie belästigt zu werden. Wie möchte es wohl Anhängern des jüdischen Vereins ergehen, falls sie sich in Favoriten ähnlich benehmen würden? Für jeden Fall machte diese besonnene Haltung des Hakoah-Pnblikums dem jüdischen Sp"'.'t alle Ehre. folgende interessante Mitteilungen: Der Makkabi in Antwerpen ist vorzüglich organisiert. Er besitzt in Herrn Gustav Maringer einen überaus tüchtigen Lenker. Die größten Erfolge errang bisher die Schachsektion. deren Mitglieder die besten Amateurspieler Belgiens sind. So errang das Makkabi-Mitglied Koltanowski erst kürzlich die Amateurmeisterschaft von Belgien. Der Verein Pflegt im wahrsten Sinne des Wortes Massensport. Ganz ausgezeichnet ist seine Turnabteilnng entwickelt, der der Vorteil einer aller: Anforderungen entsprechenden Turnhalle zu gute kommt. Makkabi besitzt dann Sektionen für Fußball, Korfball, Leichtathletik, Ringen, Boxen und Schwimmen. Die Fußball- und Leichtathletikabteilungen haben noch keine besondere sportliche Höhe erlangt, doch ist das Material sehr gut, so daß sich auch diese Sektionen zufriedenstellend entwickeln dürften. Ganz Hervorragendes leistet der Makkabi in kultureller Beziehung. Er erachtet derzeit seine Hauptaufgabe darin, das Vorurteil der Eltern, die noch wenig Shmpathie für den Sport zeigen, ans der Welt zu schaffen. Die Antwerpener jüdischen Sportler erregen allseits die größte Aufmerksamkeit,, wobei ihre Leistungen rückhaltslose Anerkennung finden. \ vr Beim Makkabi in Antwerpen. Fritz Molnar, der vornigliche ^lügelläufer der Hakoah, weifte durch vier Monate beim Makkabi in AnOverpen, er machte einem unserer Mitarbeiter über diesen jüdischen Verein Trifmler Beamte — Slovan-Senioren 3 :1. Die Goals schM.'n für Drifail: RofeAerg, Förster, Kchamvas; für Slvvaik: Gerste Die Generalversammlung des S. C. Hakoah findet am 1, Dtz^mlöer d. I. ab 4 U!hr nachneilta-g- und am 2. D zerNber ab 9 UIHr voumibags im Sitzundciaie des GeDoerbovereins, 1. Bgz., EscheN'nchamse 11. statt. Die der General ivenf.,m!mlung voiMlAgenden Anträge sind bis fäni^tenS Samstag den 24. d. dem Sekretariat, 1. Be,p, Micstna,erstmß: 11, eii neureichen. Jszo Gansl evsinckt uns \m die F.Wtelhung, daß er sich absolut nicht mit der M'icht tmat, dein W. A. F. beiziu treten. Er 'bstndet sich zurzeit n-nr ans Urlaub in Wien und kchrt zu Bogin-n Vr näckstrn W-ock- Makl-bi (Dzevnoniiv);nrück. Dev» W. A. F. wurde vorn W. F. V. eine Schuld von zehn Millionen Kronen bis Ende dieses Iabres gestundet. Der knappe 1:0- Sieg unseres Meisters Rapid in Mäbrisch-Ostran gereicht dmu Wiener Sport kaum zur Ehre, da der Geaner, der S. C. Slovan, nicht einmal der beste Ostrauer Verein ist. Die beste Mannschaft Oftraus ist nämlich die Moravska Ostrava, die erst vor 14 Tagen den S. C. S'avia 3-1 schlug. Das Meisterschaftsspiel Rapid—Slovan findet am komkomm^nden Sonntaa um 10 Uhr vormitt'aas in Hütteldorf statt. Hierländer erhält für das ani kommenden Sonntag stattfindende Cp'etl Sparta—Amateure Spielbewilligung, wenn er Nachweisen kann, daß er sich seinerzeit anläßlich seiner Abreise vom F. A. C. aibg,Meldet hat, oder wenn der F. A. E. dazu die Einiwillioung gibt. Der W. F. V. hatte nämlich seinerzeit den Beschluß gefaßt, daß Spieler, die ins Ausland „gg;o>gen" wurden, bei ihrer Rückkehr bei ihrem Stamm- Verein spielen müssen. Im kommenden Frühjahr dürfte der Länderkampf Nieidercsterreich—Südcentscklanw nickzur Austragung gelange)!, da die Wiener erstklasiigen Vereine keine freien Termine haben. Dem füddent'chen Fußballverband wunde der Vorschlag gemacht, den nächsten Länderkamps im Frühjahr 1925 aii'szutraoen. Das Meisterschaftsspiel Hertha—Vienna findet am kommden Samstag um 2 Uhr nachurittags aus dom Platze des ersteren Vereines statt. Falls Regenwetter herrscht, gelaugt das Spiel am Sonntag zur Austragung. Bei Hertha tvird der .neue Mittosstüriuer Schulze von Hertha-Cintrackt debütiere». Weiters werden die seinerzeit verletzten Spieler Sindelar und Neuhold wieder Mitwirken. Ein Ansuchen der Hakoah, de>n suspendierten Stürrner Häusler für dos am kommenden Sou wag in Prag stattsindeude Wettspiel Slavia—Hakoah Spie'Wewiltiaung;n erteilen, wurde vom W. F. V. befürwortend an den Oe. F. B. geleitet. Copyrieht 1924. J. Ladyschnikoff-Veria?, Berlin. SJindiDrurf verboten. (13. Fonletzung.». Snkel Males. Roman von Schalom Afch. Doch alle Frauen, die ihm vorgeschlagen wurden, mißf.cten ihm. Es waren Witwen, verlassene Frauen, Frauen mit Söhnen und mit Töchtern, mit Berufen und mit Geschäften. Aus Langeweile brachte er seinen alten Vater aus der kleinen Stadt Zu sich, forschte nach den entferntesten Gliedern seiner Verwandtschaft und brachte sie nach Auerika. Doch er liebte seine Verwandten nicht und 'machi" es ihnen zum Vorwurf, daß sie alle nur für die Schneiderei, für die Nähmaschine oder das Bügeleisen taugten. Kein einziger gebildeter Mensch war unter ihnen, kein einziger, der unabhängig gewesen wäre, der allein seinen Weg gemacht hätte, der ihm, Onkel Moses, gleich gewesen wäre, so daß er mit ihm ein vertrauliches Wort sprechen konnbe. Onkel^ Moses verachtete ihr Sklavemvcsen. das er selbst geschaffen hatte, verachtete ihre Schmeicheleien und ihre Demut vor ihm. Er wellte zwischen ihnen einen Menschen finden, der selbstbetvußt wäre, der zu ihm 'Präche wie zu seinesgleichen. Und als Mascha aus ihrem W'nkel ihn ansMng und ihm du? Schinrpsworte: „Biest". ,Hund" entgegenschleuderte, da machte das starken Eindruck auf ihn. Zum ersten Male hörte er. daß ihn jemand beschimpfte. Und wer war dis? Ein Mädchen, ein Kind, dessen Los ganz von ihm abhing. Sie wollte ja nichts von ihm — „?) ha Le you", lachte er ■ in sich hinein. — „Sie haßt mich, weil ich ihren Vater beleidigt habe." Und er beneidete Aaron Melnik um das Kind, das sich seiner annahm... Alles hätte er Aaron Melnik gegeben für das Kind, das sich seiner annahm . . . Onkel Moses hielt sich noch für einen jungen Mann. In seinem Innern fühlte er noch gar nicht das Alter, welches sein fettes Gesicht und^'ein schwerer Körper so schändlich auf Schritt und Tritt verrieten. Er sah nicht oft ui den Spicoel und überdies gingen die Veränderungen in seinem Gesicht und auf seinem Körper so langsam vor sich, daß er sie gar nicht bemerkte und meinte, sein Gesicht habe sich nicht geändert. In seinem Innern aber fühlte er noch die Kraft, ganz von neuem anzufangen. Jeder neue Gedanke entfesselte in ihm Ströme von Energie; und der Gedanke, welcher ihn jetzt plötzlich mit einem Schlage durchfuhr, schlug wie eine Flamme in ihm aus und weckte in ihm einen Strom von Leben. „. . . Ich muß sie erziehen . . . erziehen für mich... Sie soll rnein Kind sein und sich meiner annehmen." Ein neuer Energiestrom ergoß sich durch seine Adern... Mit der gleichen Stoßkraft, mit der Onkel Moses gewohnt war, einen Plan auszuführen, der ihm eingefallen war, ging er nun an die Ausführung dieses Planes . . . 8. Der neue Pharao. K-usmin diente treu seinem „Pharao". Kusmin saß eifrig bei der Arbeit und nähte Röcke, Hosen und Westen für Leute, von denen es nicht die geringste Ahnung hatte. Ganz.Kusmin saß oben in der Werkstätte bei Onkel Moses. Reb Joel Ehaim, der Vorsteher der Kusminer Schul, Jtsche, der Schustergeselle, Jankel, der Frauenfchneide^ Kusmins Elegant und Don Juan, welcher einst die Herzen der Kusminer Frauen gestoblen hatte und Chaim der Bader, welcher den Frauen ansetzte — was immer einer Frau in Kusmin fehlte, er hieß sie das Hemd oblegen und setzte ihr Blutegel an, bis eines Tages seine Blutegel Verdacht erweckten und Chaim der Bader von einigen vornehmen Bürgern des Städtchens ordentlich verprügelt wurde; seither fehlen ihn: auch zwei Zähne. Chaim setzt keine Blutegel mehr, sondern sitzt bei Onkel Moses auf dem „Dachboden" und näht Hosen. Alle nähen Hosen. Onkel Moses hat ganz Kn5nün nivelliert. Es gibt keine vornehmen Bürger mehr, keine Vorsteher und k.'ine- Handwerker, keine Talmudgelehrten und keine Unwissenden. Es gibt keine Schuster mehr, keine Don Juans, keine Bäder, welche den Frauen Blutegel ausctzen, keine Schneider, welche die Frairen unter den Armen kitzeln, wenn sie ihnen die neuen Kleider zur Probe bringen — alle dienen einem Gotte, alle tuen die gleiche Arbeit — sie nähen Hosen... Doch Kusmin will noch nicht sterbvn. Bei Onkel Moses auf dem „Dachboden", bei der Nadel, da lebt das alle Kusmin mit allen seinen Merkwürdigkeiten wieder auf. Jeder alte Stein, jedes alte Haus, jeder alte Winkel wird mit Liebe und Sehnsucht voll den treuen Kinderlk des alten Kusmin wieder in Erinnerung gebracht, welche hier sitzen, die zugeschnittenen Hosen in der Hand und sich nach Kusmin sehnen; da und dort fällt eine Träne nieder, da und dort hebt sich der Seufzer eines alten Kusminers, der sich der Schönheit Kusmins erinnert . . . Nun, Leibl, warum schweigst du heute? Gib doch die „Keduscha" des alten Chasan zum Besten. Und Leibl, welcher das Vorbeterpult sein Leben lang geliebt und doch daheim nie Gelegenheit gehabt hatte, zu ihm hinzukommeli und seine Sangesgabe zu erweisen — er beweist sie setzt vor Kusmin bei der Nadel und beim Hosennähen. Die Melodie des alten Chasari entführt ganz Kusmin in die alte Schul und der herrliche Schewuoth-Sabbat steigt in der Erinnerung ans, da jeder Bürger im Tallis mit der goldenen Borte an seinem vornehmen Platz saß und die Melodien des Chasan freudig in sich e'msog; und jetzt sitzt Kusmin da mit Hofen in den Händen . . . Doch bald, verschwindet die alte Schul, verschivilidet der schöne Sabbatmvrgen und die Sehlisncht unb die Liebe nach Kusmin und übrig bleiben nur die Hosen und die Nadeln. Snm er/cheint in der Tür der Werkstatt und schreit: Na, sieh nur, Kusmin singt! So ist's recht! Ihr werdet euch eine schöne Suppe bei mir einbrocken! Ich rufe sofort den Onkel Moses zu euch herauf! Erschrocken raunt ein 5kusminer Bürger dem anderen zu: Schweig', schweig', der „Gouverneur" ist hier. Säm wird von Kusmin „Gouveru.ur" genannt und Onkel Moses „der Kaiser". * Die Furcht vor dem Gouverneur ist größer als die vor dsm Kaiser-' Fortsetzung folgt.) '.lanaftp iääk.