Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1708 (16.11.1923)
- Date
- 1923-11-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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ElnzsInnmnerKiOOO Wien: Zum Abholen in der Expedition,II.,Taborstr.1-3, oder in einer Verschleisatelle § Trafik) monatl. K 28.000 trassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma GoIdschmiedt,I.Bez., Wollzeile 11. Mit Postversand für Wien n. Oesterr. monatl.. K 28.000 Tschecho-Slowakei: Mon. K17. lusroslawien: Mon. Dinar40. Polen: Mon. ost.K 22.000. Deutschi.: Mon. ost.K 28000. F r a n k r., Belgien: Monatl. Frcs. 8 MT NacheahIn n sren bei Preiierhohunren Vorbehalten Wiener Tschacho ■Sltwikfl tschech. Kl.- It a 1 i e n: Monatl. 10 Lire, Rumänien Mon. 90 Lei, Bulgarien Mon. 75 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 3 Redaktion n. Administration Wien, II., Tahorstrasse 1 —3 Telephone: 44-0-38.43-3*19, ab 6Uhrabds. 19-483,25-282 TeL- Adr.:„Morgenzeitung‘' Wien Oösterreichisches Postspar» kassen- Konto Nr. 150.693 Wien, Stettin». 16. November 1923 5. Sobrmna MMn gegen die Metten. England lärm nicht unbegrenzt seine Mitwirkung aufrechterhalten. Nr. 1798 Die Pflichten der Macht. Kr. W i e n. 16. November. Der Wiener Gemeinderat ist am gleichen Tage wie der Nationalrat gewählt worden. Während der Nationalrat erst, in den nächsten Tagen seine Tätigkeit wieder aufnimmt, hat die Arbeit im Wiener Gemeinde* rat bereits begonnen. Zum Bürgermeister von Wien wurde der ehemalige Lehrer Karl Seitz gewählt und wir begreifen es vollkommen, wenn Karl Seih mit Rührung im Herzen von der höchsten Stelle, die Wien zu vergeben hat, Besitz ergreift. Ging doch vor vielen Jahren von dieser Stelle der Verfolgungskampf gegen den kleinen Lehrer aus, ein Kampf, der zum politischen Aufstieg des verfolgten Lehrers nicht weniger beitrug als dessen persönliche Qualitäten. Es war sozusagen das völlige Auskosten des Triumphes der Sozialdemokratischen Partei, als sie auf den Sitz, den einst Karl Lueger mit unumschränkter Macht ausfüllte, Karl Seitz berief, dem Lueger seine Macht mit unerbittlichem Haß hatte fühlen lassen. Der Erfolg gibt nicht nur recht, sondern verpflichtet auch. Besonders wenn eine Partei oder eine politische Persönlichkeit zu einer Macht gelangt, die sie, solange sie der Gegner besaß, in so schwerem Maße zu fühlen bekam wie Seitz und die Sozialdemokraten unter der Herrschaft der Christlichsozialen. Die jüdischen Bürger dieser Stadt sind mit der Wahl Seitz' zum Bürgermeister zufrieden. Das hat auch ihr Vertreter dadurch bekundet, daß er bei der Wahl des Bürgermeisters seine Stimme für Seitz abgab. Die Sozialdemokraten haben sowohl während der Wahl als auch jetzt durch ihren neuen Bürgermeister ^verkünden lallen, daß in dem Wahlkampf die Demokratie über die Reaktion den Sieg davongetragen habe, und daß der Bürgermeister. und seine Partei die Macht, die ihnen die Stimmenmehrheit im Gemeinlderat und im Landtag einräumt, dazu benützen wollen, um. den Sieg der Demokratie über die Reaktion zu festigen, die Idee der demokratischen Republik zu vertiefen und jedem Versuch des Wiederauflebens der Reaktion mit allen ihren Machtmitteln entgegenzuarbeiten. Mit einem solchen Programm kann auch die jüdische Bevölkerung sich einverstanden erklären, vorausgesetzt, dah unter Demokratie die Wahrung der Rechte aller Bevölkerungsscknchien und die Anerkennung des Rechtes der freien Entwicklung der Minderheiten in Stadt und Land verstanden wird. Es wäre ein bedenklicher und verhängnisvoller Fehler, die Tatsache, daß die selbstbewußten Juden dieser Stadt im Gemeinderat nur durch einen einzigen Repräsentanten vertreten sind, dahin zu deuten, daß diese Einzahl der Vertretung der Maßstab für die Zahl und die Bedeutung dieser Bevölkerungsschicht sei, die auf eine eigene Vertretung im Gemeinderat Anspruch erhebt. Die herrschenden Sozialdemokraten wissen es, auch ohne daß es hier erst nochmals nachgewiesen werden müßte, daß die Jndenschaft Wiens infolge der Beschaffenheit des Wahlgesetzes nicht durch die ihrer Zahl, ihrer politischen und wirtschaftlichen Bedeutung entsprechende Anzahl von Mandaten vertreten erscheint. Es hat sich infolge der Anomalie des Wahlgesekes der gleichfalls abnormale Zustand eraeben, daß im Wiener Gemeinderat eine Gruppe von Wählern, die auf eine numerisch-ansehnliche Vertretung Anspruch hätte, durch einen einzigen Mann repräsentiert wird. Diese Tatsache legt auf der einen Seite diesem einzigen jüdischen Vertreter größere Verantwortung auf, macht es jedoch ans der anderen Seite dem Bürgermeister und seiner Partei zur moralischen Pflicht, die Rechte und die berechtigten Ansprüche der Wiener Judenschaft nicht nach der Zahl ihrer Vertreter zu beurteilen und zu behandeln. Der zu Beginn dieser Woche in Wien stattgesimdene Delegrertentag der Zionisten Oesterreichs hat sich mit voller Einmütigkeit und ohne jeden Hintergedanken 'u>' Republik und ihren demokratischen Einrichtungen l-ekaunt. Diesem Bekenntnis schließen sich die Juden Wiens und des ganzen Bundesstaates vorbehaltlos au. In diesem Sinne wird auch der einzige jüdische Mandatar im Gemeinderat namens der gesamten Judenschaft tätig zu sein haben. Aber dieser. Delegiertentag hat ferner — auch hier in völliger Uebereinstimmung mit allen Juden dieser Stadt und der Republik — ausgesprochen, daß die Juden entschlossen sind, gegen jeden Versuch einer Rechtsbeschränkung, sei es im Wege des Gesetzes oder durch ' administrative Maßnahmen, mit allett zu Gebote stehenden Mitteln anzukämpfen. Gemeinderat Dr. Klaschkes wird auch in diejern London, 15. November. Im Unterhause erklärte Baldwin. er habe den Alliierten milgeteilt, daß die Mitwirkung Großbritanniens nicht unbegrenzte Zeit bestehen bleiben könne, wenn die gegenwärtige Lage andauere. Es könne schwierig sein, Unbegrenzte Zeit die Bemühunaen aufrecht zu erhalten, mit den Alliierten zusammenzuarbeiten, „die dies so schwierig machen". Die Verhandlungen mit Amerika sind durch öas Vorgehen zweier (!)unsererVerb ü n d e t e n zum Scheitern gebracht worden. Die erste Pflicht der neuen Regierung wird sein, die Gesamt situativ» in bezug auf die Neparationssraae erneut zu prüfen und über die notwendigen Schritte zu entscheiden. Der Premierminister erklärte ferner, die Regierung werde unter keinen Umständen Zölle für Weizen, Mehl. Fleisch. Butter und Eier einsühren. Für alles übrige behalte sie sich freie Hand vor. Lord Gray über die englische Politik. 8in neuer Borüob gegen die Weimarer Verfassung. München, 15. November. In der Nacht vom 18. auf den 14. b. wurde das Generalstaatskommissariat Kahrs ans dem Kasino des 19. Reichswehrinfanteriereaiments aus Oberwiesenfeld nach dem Gebäude der Regierung von Oberbayern z u r ü ck v e r l e g t. Dies wird als Anzeichen dafür aufgefaßt. >daß sich infolae des Verhaltens der Verbände und aller vaterländischen Kreise die allgemeine Festigkeit der Verhältnisse in München wieder einstellt. An dem Regierungsgebäude in der. Maximilianstraße wurde die Flagge schwarzweiß-rot gehißt. Truppen sperren den Platz ab und es sind zur Sicherung D r a h t v e r h a u e gelegt. - kin Aufruf der vaterländischen Verbände. München, 15. November. Die Vereinigten Vaterländischen Verbände Bayerns veröffentlichen einen Aufruf, worin es unter anderem heißt: Der Fluch des Meineides von 1918 lastet auf unserem Volke. Deutschland ringt nach Freiheit, die ihm die inneren und äußeren Feinde genomnren haben und die nur erkämpft werden kann, wenn das Volk seine sittliche Freibeit erringt. Erschüttert blicken wir auf die letzten Geschehnisse zurück. Unsere Feinde in Versailles und Moskau, die Internationale und das Judentum triumphieren. Deutsche haben die Hoffnungen der Feinde übertrosfen. Deutsches Blut ist geflossen. Durch rücksichtslosen Einsatz seiner Person hat ein Mann, v. Kahr, den Staat gerettet. Nunes, das Vaterland M retten. Es gibt nur eine Parole: Einigung und Sammlung. Die Vereinigten Vaterländischen Verbände wollen dieses Ziel weiter verfolgen und rufen alle Verbände zur Sammlung auf. Bayern und Deutschland müssen ihr Schicksal ^emeinsnin blüt'Mmm'.. Sinne als Beauftragter und Bevollmächtigter der geeinten Judenschaft auftreten, wenn die siegreiche Malorität des Wiener Gemeinderates in falscher Auslegung bet Demokratie sich, wie dieses leider im früheren Gemeinderat und Landtag in vielen Beziehungen der Fall war, eine Mißachtung der Rechte der Juden zuschulden kommen lassen oder nicht verhindern sollte. Auch in diesem Falle mögen Bürgermeister und Mehrheit sich vor Augen halten, daß jede Verwahrung des jüdischen Gemeinderates nicht bloß als eine Stimme in der AbsünununLsmaschinerie, sondern als die Stimme von er unter anderem erklärte: Auf dem Kontinent verschlecht tere sich die Lage zusehends und man gehe e inem neuen Krieg entgegen. Es werde der Augenblick kommen, wo. durch die Weigerung Frankreichs, sich mit uns zu verständigen, das englische Publikum begreifen wird, daß das Interesse Englands darin bestehe, sich außerhalb des Gemenges zu halten und die Fühlung mit dem Kontinent abzubrechen. Nach Ansicht Grays gibt es für England nur eine gute Politik, nämlich diejenige, die in der Unterstützung des Völkerbundes besteht. General Smuts Mer die Aufgaben der Lachderstandigenkonferenz. London, 15. November. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Die „Times" veröffentlichen einen Brief des Generals Smuts, worin dieser befürwortet, daß eine Sachverstand i g e n k 0 n s e r en z einberufen werden soll, die über die Gesamthöhe der Reparationsschul, den Erhebungen anznstellen batte. Außerdem hätte sich diese Konferenz mit der deutschen F i n a n z r e f 0 r m und mit der B e s ch a.f f u n g v 0 n K r-e d i t e n f ü r D e u t s chland zu befassen. Schließlick» hätte sie zu sagen, wie der F r.i e d e i nD e u t s ch l a n d garantiert werden könnte, so daß die deutsche Restaurierung, nicht mehr von außen bedroht werde. Die Nürnberger vaterlündischr« Verbände fordern die nationale Diktatur. München, 14. November. Die Arbeitsgemeinschaft der vaterländischen Verbände Nürnbergs erklärt, daß sie un» geachtet aller Ereignisse der letzten Tage auf streng völkischem Boden stehe. Sie richtet an die Reichsregierung erneut die Forderung, die Lösung der deutschen Frage der nationalen Dikta-tur zu überlassen. Nicht z« helfen! Eine Lndendorff-Demonstration in Berlin. Berlin, 15. November. Heute abends marschierte ein Demonstrationszug. an dom zirka 600 bis -600 Personen teilnahmen, vom Charlottenburger Knie unter Absingung des Denschland-Liedes und unter Hochrufen auf Ludendorff zum Kurfürstendamm, wo der Zug zerst r e u t werden konnte. Im ganzen wurden fünf P e rsonen festgenommen. Rayide Lebenovertenernng. , Berlin, 15. November. (Tal. der ^Wiener Morgen» zeitung".) Die neue ungebeure Steigerung des Dollarkurses hat auf die Preisentwicklung, namentlich für Lebensmittel. eine katastrovhale Wirkung gehabt. Trotzdem die Polizei der Preisbildung große Aufmerksamkeit zuwendet, konnte sie doch unter den obwaltenden Umständen die rapide Steigerung der Lebensmittel nicht verhindern. Ein Pfund Fleisch kostete heute über eine Billion und es ist zu befürchten, daß sich der Preis bei einer weiteren Markentwertung bis morgen verdoppelt. Auch die Verkehrs Unternehmungen erhöhen täglich ihre Tarife, so Kostet ab Freitag eine S t r a b e n b a l> n f a b r t 50 Milliarde n. Zehntausenden von jüdischest Wählern gewertet werden muß, die nur infolge der auf den Leib von zwei Parteien Angeschnittenen Wahlgeometrie nicht zu ihrem Rechte einer numerisch stärkeren Vertretung gelangen konnten. Genau so muß der moralische Wert der Stimme des jüdischen Gemeinderates geschätzt werden, wenn er im Sinne seiner Auftraggeber jede politische und wirtschaftliche Unternehmung der Majorat, die der Gesamtheit der Bevölkerung und dem weiteren Aufblühen unserer Stadt dienen kann, mit seinem Votum unterftrM London, 15. November. (Tel, d. „Wr. Moraenzeitung".) Lord G ra h hielt gestern abends in Bach eine Rede, worin ♦ beflaggt