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Wiener Morgenzeitung · 1923-11-11 · Heft 1704 (11.11.1923) · p. Seite 12

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1704 (11.11.1923)
Date
1923-11-11
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Wiener Mr r. Lnzeitung. 11. ^ictik'. Sette 12 Dien, Sonntag des Damiaer Zwilcheuauildsns übrrrraarn worden ist. cife \ ihren ersten hailbmonattgvn Ausweis heraus. Danach sind bis-- I her 5,9/4.878.73 DauziMr Zwisch-errguldcu im Werte von ' 238.987^ engl. Pfund in Umlauf gefetzt worden. Die Deckung für di« Dantziger J)visck)e-ngtt1den ist in englischer Währung in vollem lllmfange vorhanden. Die deutsch« Zuckeraussuhr. Aus Deutschland wird gemeldet, das; die Absicht besteht, ein Quau-tum von 2 Millionen Meterzentner Raffinade zur Ausfuhr fteizngoben. Da mau mit einer Konkurrenz Deutschlands am Raffinadümarkte nicht gerechnet hat, zumal die heurig« Ernte Deutschlands ans 12,5 DiiiHkimm Lack vercmMagl >oird, während der Konsum im letzten Jahr 13,5 Millionen Meterzentner betragen Hai. würde dies den Absatz der übrigen kontinentalen Exportländer beein- :rächrigcn. Mil der Freigabe des Zuckers für den Export wird beabsichtigt, die aus der Ausfuhr erffeltcn fremden Devisen zur Anschaffung von Nahrungsmitteln für Dauvschland zn benützen. Ter ungarische Bankausweis vom 7. d. zeig: eine Zunahme des Ltaatslloterwerkehres um 9,3 auf 75ti Milliarden Kronen. Das Wechselpartcifeuille weist eine Erhöhung um 6 auf 480,7 Milliarden Kronen aus. Auch die Giroguthaben crbi'bien üch um 16,3 Milliarden Kronen. Vereinfachung des Scheckverkehres mit ungarischen Banken. Berichten aus Budapest zufolge haben die Budapester Graßbau-ken den i>eruch'.«oenen ausländischen Bankeil den BorschÜag gemacht, dass sie die von ausländischen Danken a-usgeftollten Schecks von nun an nicht mehr brieflich avisiereil werden, sondern^ auf Schecks, die ans größere Beträge lauten, den im Depescheuverkehr mit der betreffenden Bank üblichen Düpefchen- Wüssel auführen, werden. Wie verlaute:, baben bereits di« meisten ausläuldischen Banken ihre Zusttmmmlq .zu dieser Ncnevung und Vereinfachung des Scheckverkähres erteilt. Das Esfektenschecksysrcnr. 2lu der Blldapestcr Börse wird '.u> 16. November versuchsweise das Eff e k tan schock sv st« m eingeführt, wodurch der Austausch von Effekleir im Börsengebaude selbst sich abwickeln wird. Verpachtung der Eisenwerke von Diosghör. Rach einer Blldapestcr Meldung unterhandelt die ungarische Regierung mir einer französischen FinanMuvpe wegen der Ber'pach ung der staatlichen Eisenwerke von Diosghör und der ^zugehörig ll B eralverke. Ungarisch - rumänische Wirischastsverhandluttgen. Ende dieses Monats Lrisi eine rumänische Haildelsdelegarion .zur Anknüpfung von ungarisch-rumänischen 'Wirtsckafrsbeziebnngen in Budapest ein. Dü: Regelung des Devisenverkchres in Ungarn. In ben letzten Tag-.,« erschienen in der Presse Nachrichten, die be-sagten, baß ber Drei sc:: verkehr in Ungarn freigegcben weiden wird. Diese Nachrichlen sind voUkomrue-n nnrichrig. Es wird eine artige Maßnahme in Ungarn überhaupt nicht geplant. Die Devis-eil-.rrltraile ist bestoevt. di: DevNrnversor.gn".lg des Handels lind der Industrie zu regeln und es wurden daher die Firmen aufgerufen, ihre Dev-isenansordcrnngen, die sie bis zum 1. Juli d. I. amnieldeten und denen nichr' envjiprocheu tvurde, neuerlich ganz anzu-geben. Die D-evisenzentrale wird dies« Anforderungen setzt erledigen nud die gewünschten Devisen voll' zuwsifen, wobei der Jnlandskwnenku'rs als UmrechnrmasbasiS ansenounnen wird. Wer die seinerzeitigen Anforderungen jetzt nicht erneuert, rcjip. n-ich-t angibt, ob er' ans die volle oder teilrveffe Zuweisung des seinerzeit geforderten Betrages reflektiert, dessen in Evidenz geführten Vormerkungen werden eestrichell. Diese Maßnahme der Devisenzentralc wird eine bedeutende Erleichterung für die ungarischen Importeure bedouien. da sie ..inen großen Teil ihrer alten Schirlden werden bezahlen Wunen. Aenderuna der Bestimmungen über die Ausfuhr von Geld und Wertsachen aus Ungarn. Die Ha-tS^sSammer c$h bkannr. daß die -ungarische Regievmrg nvir Verorditnug Z. 7M0-1923 (vsel-a-uAa-rt vm umgavWen Auttsölat-l Nr. SÄ vvtn 6. d.) verfügt hat. daß an Stelle der Bertunnmngen des § 8 der- Verordnung Z. 6709-1922 die Misfuhr von Geld nno Wer-rsach-en die .ibigLnde Nau-rdgMng cvfähr:. Die Ausfuhr k., Judenplab Kr. 6 Telephön 65-4-56 Telephon 63-4-56 Kulanteste Durchführung aller bankgeschäftlichen Transaktionen sowie Verwaltung von Geldern im Kontokorrent- Verkehr zu dem jeweils gehenden Reportzinsfuss. 37 von in- und ausländischem Gold (Geld Nlld Danknoien, Schecks. Wechseln, GeiidankweUniMn. Spartbüchem sowie GeDzäi-chen anderer An) aus Unaarn ist verböt-en nnld nur mit schriftlicher Bettvillie-ung des k>gl. nn-aar. staaA.ich.cn NorenilfftitiU'-s geista>'tet. Im Reisennld Gronlvovkchre dürfen solche Gclvräich.nl ohne besondere BewililMuna nur bis zu einbm Gagon'wcvt-e von 500.000 rmg. Krollen zur Ausfuhr gebracht werden, wobei zu brachten ist. daß dieser Beitrag cmf ungarische Kr-onnt s-suitcillde Noten. bosiMnismeffe Gc'biwert-zerchen nur bis zur Hohe von 200.000 nn-a, Kroii.'ir beinhaOten darf. Die Verovdil-nnia ist am Tcrwe dr-r Veriaudbaru'tta. das -ist am 6. d., in Krad getreten. Nähere Auskü-Me erteÄt das ZollbuwMl der Hand ci skaenimer. Betriebseinschränkung tschecho-slowakischer Spinnereien. Airs Praa wird gemeldet: Die anhaltende Steigerung der Bamniwollipr-eilie hat dazu geführt, daß infolge der Zit rück« Haltung des Konsums, insbesondere des »Ziwischeichandels, ^die Spinnerc'ien nur die natwei'.d-ige Baumilvollmenge ank-onfen, um -das ffirsifa z> v'rrin-a-rn. D''e Ei-lweckttiri b'wß m-p, den norwelldiMen Rohstoffen hat zur Folge, daß zahlreiche Splnilereien beabsichtig eil, ihre Betriebe einzuschränken. Da aber die Gariw gleichfalls eine Preiserhöhung erfahren halben unitz mit einer weiteren Prais-ste-i-genrno gerechnet wird, stehen auch dre Webereien vielfach vor der Frage, die Arbeit reduzieren z>u müssen. Schnittbolzexpaks lisch Frankreich. Dir HmGalskaarnler tei-ll mit, daß nuilmehr der franröüiche M-nviiNvalüzoM'atz allgomobn für Schni'?"hbfz österv-ickischer Hevkuinift aus OvlMd des neu abgeschlossen.'n sraw^sll!ch-ÄchechNchen, Hcmdetlsvertrages -nur für Berstnduingen nach den beifveücn Gebieten galt. Zunahme der Tabakindustrie in Palästina Aus Alexanrien wird berichtet: Die ani^'iichen LMNtr-ken für aavpla.chcn 102**1 füiici* toCOTPfcH'li*twt wördem' Interessani:' ist. daß die N-o^a über ZigarÄtemmiport ans 2le.rvn en nach Palästina i.nl I.rbre,1922 Men BetHLg von 185.318 Pif-nnd. während die Noii; für 1923 am-r 49.610 Pfund nenm. Dieser UmerMed erklärt sich durch,dw Ansbreil'!ung des Tabakanbaues und der Z'iMve.-ttenl.ndllstrt-c in Palästina selibst. _ Börse für landwirtschaftliche Produkte. «Eigenbericht der „Wiener Morgenzeitung".) Der gestrige Produktenmarkt wies etwas schwächeren Besuch bus/wie auch das Geschäft nach keiner Richtung hm befriedigte. In Weizell kvllnte mall in inländischen Provenrcnzen etwas billiger ankonl-men, dagegen war das jugoslawische Produkt behauptet infolge der festen Haltmlg des Dinars. Roggen wurde ül kleineren Mengen in heimischen uud^ stowaklschen -Proveliienzen zum Umsätze gebracht. Auch südrussischer RoMn gelangte per Novemberlieferung zum Verkaufe für den Bedarf der Älpenländer. In Mais ist der Verkehr lustlos, einzelne Maggonladungen fanden Allfnahme zu etwas, gedruckten Preiseil. In Hafer werdeli Wohl linveränoerte Preisforderungen dlirchgesetzt, alleill die Tendenz w.ird als ruhiger bezerchnet in Erwartllug besserer Zuschübe aus Ungarn und in Anbetracht des Umstandes, daß der Konsum in der letzten Woche bessere Käufe besorgte. In Braugerste bleiben Primasorten 1923_Nr. 1704 preishaltend. Juttergerstc fc:.b günstige Aufnahme für Rtzch« nung der Schweiz zu 1,10 tschech. K. ab Marchegg. Im Mehl« eschäft ist ketlre Aenderuna eingetveten, der Konsum ist zurück« altend, da er glaubt, daß den jetzt in Geltung stehenden illigen Preisell noch oiMgere folgen tverden. In Anbetracht der Geringfügigkeit der Umsätze wurden die Notierungen für Weizen und Roggenmehle auf unverändertem Stande belassen. Die Kleiepreise haben sich weiter vertieft. Es notieren vro Kilogramm ab Wien (exklusive der Pauschalsvarenumsatzsteue^: Weizen inländischer 9200 bis 8260 K., jugoslawischer 3450 bis 9550 K., Roggen inländischer 2600 bis 2650 fr, tschecko-flowakischer 2600 bis 2625 ft., 1.27 bis 1.80 tschech. K. ex Schlepp, Gerste inländische 2300 bis 2600 K., tschecho-slowakische 2500 bis 2800 K., Futtergerste 2100 bt» 2200 ft., Mais 2550 bis 2650 K., Safer inländischer 2060 bis 2150 K., ungarischer 2000 bis 2100 -K., Hirse 2400 LiS 2800 ft., Preßheu österreichisches 1300 bis 1350 K., Bundstroh 1050 bis 1100 K., Weizengrieß inländischer 6200 bis 6300 ft., Weizen« mebl Nuller inländisches 5700 bis 5866 K., ungarisches doppelgriffig 5400 bis 5600 K.. griffig 5100 bis 5200 K., Kochmehl inländisches ll 5000 bis 5100 K.. Brotmehl inländisches I» 4100 bis 4200 K., Futtermehl U 4200 bis.4300 ft., Roggenmehl la 4000 bis 4100 ft., tschecho-slowakstches 3600 b!S 8700 K., Reps 2.35 bis 2.45 tschech. K. ab Marcheggf Wicke 2400 bis 2800 K., Leinsaat 6000 dis 6200 K.. Sansiaat 7000 bis 8000 K., Revsknchen 2300 bis 2350 ft.. Malz inländisches 5000 bis 5200 K.. Malzkeime 1800 bis 1850 K., Biertreber 1500 bis 1600 K. Baumwollmarft. New-Bortr» 9. November, ^amuwollzusuhren in den attam. und Golfhäfen 40.000, im Innern 26.000, Ausstchr nach Großbritannien —. nach dem Konti' en 8000. Lokastnarkt midöline: 33.35 (letzt. Kurs 84.65). Tendenz: Ruhig. — Termine: November 33.57, Dezember 32.84, Jänner 32.40, Februar —. Marz 32.70, Avril —.—. Mai 32.68, Juni Juli 33.90, August 34.07, September 33.68, Oktober 34.—. Ne Sebtfeittorfe. Berlin, 10. November. (Devisenkurse.) Amsterdam 243.390 (243.390;, Belgien 30.923 (30.923), Chrlstiania 93.765 (93.765), Kopenhagen 107.730 (107.730), Stockholm 165.586 (165.585), Italienische 27.930 (27.930), London 2,793.000 (2,793.000), New-Aork 628.425 f628.425), Pari» 95.910 (35.910), Schweiz 111.720 (111.720), Spanien 83.790 (83.790), Wien 8977 (8977), Drag 18.354 (18.854) Budapest 33.915 (33.915), Sofia 5785 (5785), Belgrad 7381 (7381). In Millionen von Mark. Berlin, 10. November. (Notenkurse.)*) — Noten: Dollar 628.425 (628.425), Pfund 2,793.000 (2.793.000), Italienische 27.930 (27.930), Polnische (-.-), Tschechoslowakische 18.354 (18.354), Oesterr. gestempelte 8 978 <8'978). *) in Millionen Mark, ausgenommen polnische Mark. Budapest. 10. November. (Kurse der Devisenzentrale.) — Amsterdam 7520 bis 7960, Bukarest 101.—bis 114.—, Kopenhagen 3220 bis 3440, Chrlstiania 2840 bis 3060, London 87.700 bis 92.100, Berlin -.-bis—.-, Italien 850.- bis 985.-, Paris 1135.- bis 1201.-, Prag 679.- bis 617.-, Stockholm 5140 bis 6470, Zürich 3440 bis 3680, Wien 0.2765 bis 0.2975, Sofia 170.— bis 181.—, Belgrad 227.— bis 241.—, New-Aork 19.600 bis 20.700, Warschau 1.- bis 1.90s-), Brüssel 980.- bis 1035.-. f) für 100 polnische Mark. Warschau» 10. November. (Devisen.) Berlin —, London 7,820.000, New-Aork 1,778.000, Prag 51.750, Me» 24.76. New'Norü» 9. November. (Devisen.) London 440.48, Pari» 566, Berlin 0.0000000040, Mailand437.60,Zürich 1764.-.Kopen- Hagen 1669.- Stockholm 2633.—, Christiania 1439.—, Amsterdam 3816.—, Prag 290.—, Wien 0.14126, Budapest 0.54, Bukarest 49.57, Warschau 0.0005, Madrid 1314.-, HelfingforS 268,-, Brüssel 460.—, Kanada 1.94 unter pari, Brasilien 108.69, Argentwien 31.54, Belgrad 118.25. Allgemeine Depositen-Bank Gegründet 1871 :: Aktienkapital u. Reserven: Rund 82 Milliarden Kronen ^anptatBstaflt; M,m SehoUenaasee 2. Telephon JTr.: „Serio 62520“. an Sonn--und Feiertagen nnr G3476 üM-ii.vlllisellim, Sc&warzeobergplatz, U/ieo,!. Rolowratrisg 14 - ZentralweGöselstiöe I., Freyung 6 Wechselstuben: I. Rotenturmstraße 29 I. Franz Josef-Kai 37 II. Heinestraße 34 II. Taborstraße 7 III. Hauptstraße 10 IV. Suttnerplatz 2 IV. Wiednereilrtel 10 V.Reinprcchtsdorferstr.62 VII. Mariahilferstr. 74b VII. Kirchengasse 1 VII. Neubaugasse 44 VIU. Josefstädterstraße 64 X. Favoritenstraße 103 XI. Hauptstraße 50 XII. Koppreitergasse 2 XIII. Hauptstraße 3 XIII. Breitenseerstraße 6 Flllaleiti Bad Aussee, Bad Ischl, Baden bei XIV. Mariahilferstr. 196 Wien, Bleiburg, Bregenz, Czernowltz, Eisea- XIV. Sparkasseplatz 1 Stadt, Graz, Innsbruck, Inaenburg, Knittelfeld, XVII. Ottakringerstr. 84 Kufslein, Lambach, Leoben, Lienz, Linz,Mistel XVII. Hauptstraße 155 dach^tvdlg.Nelinkfrchen 0berhol1abr.Med 8aIÄ» XVIII. Währingeretraße 84 bürg, StQflgen St.Pölten.St Velt a.U.OL, Steyr, XXI. Hauptstraße 45 Tulln,Villach,Vöcklabruck,Wels, Wr.-Neustaat.* Exposltarem Badgastein, Rottenmann, St. Johann im Pongau Besorgt simti. Benkgeschlfte u. Industriell« TranHktloHM. 2008 Copyright 1924. Dladibrud verboten. J. Ladyschnlkoff-Verlag, Berlin. <8. Fortsetzung.) Svkel Moses. Roman von Schalom Asch. Die Gruppen in der asten Schul wurden schütterer, ganze Familien devschwan-den. Der Dajan, welcher am Sabbat nach denn Abendgebet die Bi-bel «Märte, hatte, immer weniger Zuhörer. Und bald sah nran im Städtchen mehr Frauen als Männer, und es gab bald nur Greise uwd kleine Kinder, jedoch keine, erwachsenen Leute. Me waren zum „Amerikaner gefahren. Sogar der aste Grießmülle.r schloß seinen Laden — das Weinen der Mühlsteine auf dem Alten Rkarkt zur Nachtzeit hörte aus — und fuhr nach Amerika, mn feine Kinder noch vor seinem Sterben zu sehen. So strhr das ganze. Städtchen dem Amerikaner nach, als zöge er sie mit einem Zauber lhrn — und das -dauert bis auf den heutigen Tag. . . In Amerika fanden die Bewohner des Städtchens einander wieder. Auf der Boverh stand ein drei- Stock hohes Haus, ständig und schmutzig vom Ruß der Hochbahn und vom Straßenftaub. In seinein obersten SbockweK saß die ganze Stadl Kusmin . . . und nähte Kleider beim Amerikaner. Alle saßen sie auf der Bovery! Die Gelehrten des Städtchens, die Leute von vornehmer Abkunft zusammen mit den Handwerkern und den andern unteren Schichten und unwissenden Leuten der Heimat — alle saßen sie im obersten Stockwerk des Hauses in der Bovery und -nähten, nähten, nahten. Die, welche einmal hmkamen, blieben dort ihr Leben lang. Sie kannten nur einen Weg: des Morgens aus die Bove.ry, des Abends von der Bovery nach Hause. Und am Tore des Hauses auf der Bovery war ein kleines verstaubtes Schild angebracht, welches >den Namen des Amerikaners trug: „Moses Melnik." 6. Der „Amerikaner" in Amerika. .'.tu Kleidevmagazin stand der „Amerikaner", Onkel Mojes, ohne.Rock und schnitt mit einer großen Schneidertö»m jeiflg NsamMl. Das w*. SM mUm i&üm lange, breite Tische, auf denen bis zur halben Höhe des Raunies Haufen von Kleidern aller Art lagen: Röcke, Blusen, Hosen, Westen.^. Zwischen den Tischen liefen geschäfttg kräftige junge Leute umher, groß gewachsen, breitschultrig, mit steifgetvölbter Hemdbrust. Sie arbeiteten lautlos aus Furcht vor dem ,/Dukel". Nur von Zeit zu Zeit gab einer dem anderen einen Wink mit den Augen. Es war noch schr früh am Morgen, die Schneider kamen erst allmählich zur Arbeit. ,MtsMrn kriecht, schau' nur, wie Kusmin kriecht." Onkel Moses deutete mit der großen Schere aus die Jitden, die eintraten; ein Teil von ihnen trug noch den Bart, ein anderer war bereits rasiert, viele waren alt und gekrümmt, zum Teil waren es jüngere Leute und solche in mittleren Jahren, welche mit einer gewissen Faulheit eintraten rrn-d die Treppen zum obersten Stockwerk ompovklom-men, wo die Arbeitsstühle standen. „Sieh' nur, sieh', wie Kusmin kriecht — he, du grüner Nute! Wie >hat er doch -daheim gcheißen? Nute. ButtevMch." Onkel Moses hielt mit di-vssm Ruf einen von den Arbeitern an, einen Mann in nnttleren Jahren, in dessen Augen noch der Schlaf lag und dessen Schläfenlocken naß vom Waschen waren; er ging faul vorwärts. „Warum kriechst du so? — Wir sind nicht in Kusmin! — In Kusmin wird gekrochen, in Amerika wird gelaufen. Verstanden? — Heb' nur besser die Füße, du grüne Gurke!" Die Juden an den Kleidertischen lachten 'laut auf, «s schien ihnen daran zu liegen, dadurch des Onkels Zufriedenheit zu eriwertben — aber voll Ivagte sich ihr Lachen nicht hervor. Der Onkel hob feine Augen, die schütteren gelben Brauen versteckten sich in den Fettwülsten des Gesichtes; als die Leute 'des Onkels „mckte Augen" sahen, die in seinem breiten, fetten Gösicht saßen, da brach ihr Lachen jäh ab. ,He, junger Mann, komm' nur her." Der Onkel winkte einem jungen Menschen zu, desseu rundlicher, gestutzter Bart Zeugnis dafür ablegte, daß fern Besitzer fromm war; er kam viel später als alle anderen. Das erlaubte er sich zunächst deshalb, weil er ein Vetter des Onkels war und zweitens, weil er erst vor kurzem geheiratet hatte; auf seinen Weichen I MWwq. ditz &£ SÄlaj geformt hatte, war «och der $uft der Küsse zu spüren, die der junge Ehemann des nachts genossen hatte . . . „Junger Mann, «das erledigt man am Sabbath, da kostet es kein Geld — nicht au Wochentagen; denn mitten in der Woche, da Löstet es m e i n Geild — verstanden?" Der junge Mann, welcher sich eine besondere Stellung unter den Arbeitern zuschrieb, weil er ein Vetter des Enkels" war, sah diesen verständnislos an. Dann erlaubte er sich zu fragen: „Was meiut der Onkels „Das Schlafen mit der Fmu." Eine Blutwelle schoß in das Antlitz des jungen Man-- nes, er wußte nicht, wohin er seine Augen wenden sollte. Die jungen Deute bei den Tischen platzten mit einem Gelächter los, welches der Onkel wieder mit einem Blick seiner Augen und dem Emporzichen seiner dünnen Brauen dampfte. ,Harry, nimm ihn m die Arbeit", rief ein Butsche von draußen herein und schob einen riesenhaften Italiener und seine Frau in die Tür des Ladens. „Don't bh asraid, don't Ly asraid, all sell ym the best south." Und ehe der Italiener noch Zeit hatte, sich umzuschen, lhatten ihn schon zwei Burschen gefaßt, ihm die Hose abgezogen und eine andere angezogen, die ihm zu kurz und so eng war, daß die Nähte krachten. Dann zwängten sie. ihn in einen zu kurzen Rock, aus welchem der Riese zwei lang? Hände hervoustreckte, von denen er gar nicht wußte, tvohcr sie aus einmal zu ihm gekommen waren — ein Bursche zog an dom Rock von rückwärts, der andere, von vorne, sie rich teten ihm den Brustlatz, klopften ihm kräftig aus die Schultern und sofort sprang ein dritter mit einem Spiegel hinzu und ließ den Italiener sein Spiegelbild sehen: ' „Does not Hy look like y gentleman? Sam, sich' nu» her, schau dir den Goj an", rief der Bursche, welcher dem Italiener den Anzug aupvobiert hatte, einem anderen zu: „Does not bv look like Y geittleman?" (Foittelnmo foft&y A:.+:+$2-:2C

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