Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1701 (8.11.1923)
- Date
- 1923-11-08
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1701 Mm, Douuerstag Wiener Morgenzeitung. 8. November 1923 Seite 8 Der Leiter des Werkes i» Me«. Sine Unterredung mit Dr. AM» Ruppin. Das Mitglied 3>er Zionistischen Exekutive in Patästilta, Dr. Artur Ruppi u, ist auf der Durchreise in Wien eingctroffen und wird die Gelegenheit feines Aitisenthältes benützen, um aulf dem bevorstehenden Z i o n i st i s ch e n Parteitag ein informatives Referat Mt erst«rtten sowie mit verschiedenen, am palästinensischen AufbauLvevk interessierten MnanZkreisen in Berührltng zu treten. Herr Dr. Ruppin hatte die Freundlichkeit, einem Vertreter unseres Blattes seine Anschauungen über die Situation in Palästina daMlogen. Dr. Ruppin ist gewissermaßen der Aufbamninffter des Mischen Volkes in seiner historischen Heimat, er ist einer der bedeutendsten Kenner der palästinensischen Verhältnisse nnd V-edürsnisse, und alle »Schöpfungen des Zionismus in Palästina sind in hohem Matze mit seinem Namen verknüpft. Was ihn interessiert, das ist die praktische Aufbauarbeit, und gleich eingangs unserer Unterredung erklärt er: „Politik ist nicht meine Sache, das fällt nicht in mein Ressort". Unsere Frage gilt zunächst den augenblicklichen Arbeit sverhältni ssen in Palästina. Zurzeit, erklärt Dr. Ruppin, gibt es ungefähr 2000 arbeitslose Juden im Lande. Diese Ziffer ist an sich nicht gerade erschreckend, wenn man sie mit den Verhältnissen irr anderen Ländern vergleicht, wo der Prozentsatz der Arbeitslosigkeit viel größer ist, aber dieser Umstand lastet dennoch schwor aulf dem noch recht begrenzten Wirtschaftsleben des Landes. Mlerdings wird es auch in Zukunft eine gewisse Zahl von Arbeitslosen gelben, weil der stetigen Einwanderung noch keine entsprechend organisierte Wirtschaft in Palästina gegenübersteht, die dem Envwanderer eine sofortige Arbeit ermöglichen könnte. Eine Arbeitslosenizifser von 600 bis 800 wäre beim gegenwärtigen Bwölkeriungsstand als normal zu betrachten, d. h. wenn die Ziffer der Arbeitslosen so groß wäre wie die Zahl der monatlichere Einwanderer; aber die Ziffer von 2000 ist zu hoch und es wird nötig sein, hier durch Straßen. und Häusevbau Wandel zu schaffen. Die Bautätigkeit im Lande, erklärt Dr. Ruppin aus unsere Frage, hat in letzter Zeit leider nachgelassen, weil die beiden Hypothekavbanken irr diesem Jahre nur wenig neue Kredite bewilligt haben. Die von der Zionistischen Organisation gegründete General Mortgate Bank hatte bei der Herausgabe ihre Pfandbriefe zahlreiche rechtliche Schwierigkeiten zu bestehen; erst fetzt konnten diese überwunden werden, so daß nunmehr mit der Allsgabe der Pfandbriefe zu rechnen ist. Diese sollen mit 6,5 Prozent verzinst werden, während das Kapital in zwanzig Jahren rückzahlbar ist; die Pfandbriefe stellen ein gutes Anlagepapier dar, das hoffentlich von begüterten Palästina-Freunden der gallizen Welt gekauft werden wird. Wie verhält es sich mit der Auswanderung aus Palästina?" In der letzten Zeit sind diesbezüglich stark übertriebene Gerüchte ausgetaucht. Eine staiistische Erhebung hat ergeben,, daß in einem Zeitraum, in welche»» etwa 13.000 Jude u e in gewandert sind, ungefähr 3600 das Land verlassen haben. Diese.Auswanderer sind in der Mehrzahl nicht Chalugim, sondern es handelt sich um Leute des sogenannten alten Jischuw, die schgn lange Jahre in Palästilla wohnen und zn Verwandten nach Amerika gegangen sind. Etwa 10 bis 15 Prozellt sind allerdings Chäluzim. Dies ist sicher bedauerlich, aber in dieser Erscheinung liegt nichts Erschreckendes, es liegt vielmehr in der Natur der Sache,, daß ein gewisser Teil der Einwanderer für das Land nicht geeignet ist und wieder ausscheidet. Was unser K o l o n i s a «t i onsw e r ,k anlaugt, so beisindet sich gcgettwärtig der Professor der Universität Berkely in Kalifornien, Elwood Mead, der als größter Sachverständiger auf dem Gebiete der landwirtschaftlichen Kolonisation in Amerika gilt, im Lande, wohin er von Dr. Ruppin bei dessen letzten Aufenthalt in Amerika eingeladell worden ist. Prof. Mead ist aus seiner Rückreise von Australien, wohin ihn die australische Regierung als Experten bcrusell hatte, nach Palästina gekomliren rmd wird einen Monat im Lande bleiben, um die K olo ni sations fra g e n zu stud i c reu. Das Gutachten, welches -er über seine Eindrücke erstatten soll, wird für die jüdische Kolonisationsarbeit sehr wichtig sein, weil cs sich hier um das Urteil der bedeutendstell Autorität ans diesem Gebiet handelt. Es ist zu bedauern, daß wir in der letzten Zeit keinen neuen Boden erworben haben. Der Jüdische Nationalsonds hat sein Geld bei den letzten großell Bodenkänfen im Emek Jesreel ifestgelegt und muß erst nenc Mittel sammeln, um zn neuen Bodenkäufen schreiten i$u können. Man muß es beklagen,, daß w\ r nur laugsam vorwärts gehen, denn der Boden ist nufer stärkster Rückhalt int Lande. Es ist unbedingt notwendig, dem Nationalsonds. größere Mittel zuzuführen. Wer auch privater Boden kauf ist erwünscht, und zwar von Leuten, welche später übevsiedclu wollen, was durch die Pa lest in e Land Dtzvelopment Com- Patdy aufs beste durchgeführt werden kann. Auf solche Weise kanll städtischer sowie landwirtschaftlicher Boden erworben Prozent Zinsen bringen lind deren Erwerber Jahre das Recht zusteht, diese Scheiile bei Bodenkaus nt volle Zahlung zu geben, 'im anderen Falle erhält er nach sieben Jahren beit vollen Geldbetrag zubück. i>lüf diese Weist kann män in Palästina schon jetzt Geld für Boden anlegen, ohne sich für einen bestimmten Boden entscheiden zu müssen. Die Obligationen, auf 600 und 1000 Dollar lautend, die Übrigens nicht ans einmal eingezahlt werden müssen, sind keine Spende, sondern eine rein geschäftliche Sache, die cklle Sicherheiten gewährt, und mit allen Garantien ausgestattet ist. Aus industriellem Gebiete ist in letzter Zeit eine Reihe kleinerer Unternehmungen entstanden. Eilt großes Unternehmen soll die eben von eitrigen Kapitalisten unter Führung des bekannten Oelindustriellen Michael Polak bei Haifa gegründete große Zementfäbrik werden, an der auch Baron Rothschild beteiligt 'ist. Die Wichtigkeit des Unternehmens ist daraus ersichtlich, daß jetzt jährlich mehrere hunderttausend Pfund zum Ankauf von Zement ins Ausland gehen. Dr. Ruppin befindet sich ans der Durchreise in Wien, er geht mit Professor Weigmann nach Amerika, um die dortigen Mischen Kreise über die Notwendigkeiten in Palästina anfzuklären und speziell für die Invest me nt bank zu interessieren, welche jene Unternehmungen Palästinas finanzieren soll, die schon für eine rein geschäftliche Führung reis sind. Die Bank ist eine Notwendigkeit, aber sie kann den Keren Hajessod nie ersetzen, sondern nur ergänzen. Der Keren Hajessod ist absolut unentbehrlich für einen großen Teil unlerer Arbeit, für je,ne, die nicht prositbriilgend ist, wie Erziehung und Sanität, aber auch für Arbeiten, die notwendig, aber noch nicht rentabel sind, wie landwirtschaftliche und industrielle Versuche. Aber es gibt schon eine Reihe von Tätigkeiten, die bereits eine sichere Anlage gewährleisten, und von diesen Ausgaben soll der Keren Hajessod eben durch die Jnvestmentbank entlastet werden. Zum Schlüsse fragen wir Dr. Ruppin nach seinen Wiener Eindrücketi. Ich sehe, sagt er, daß in Wien, das ich von früher her kenne, der Zionismus viel st ä r k e r e Wurzel gefaßt hat, als dies früher der Fall war. Sehr erfreulich ist auch, daß sich in nichtzionistischen Kreisen, und namentlich in den B'nai B'rith-Logen, welche eine so wichtige Rolle im jüdischen Lebert spielen, das Interesse für Palästina regt, und es ist zu hoffen, dag dieses vertiefte Interesse auch in einer größeren praktischen Betätigung an der P aläst i na - Arb ei t zum Ausdrucke kommen wird, sowohl was den Keren Hajessod betrifft, als auch aus dent Gebiete der privaten Jnvcstitionen. Die Keren Hajessod-Propaganda. Die Propaganda für die Bereitstellung der für den Ausbau eines jüdischen Palästina notwedigen Geldm titel soll in der. allernächsten Zeit in großzügiger Weise einsetzen. In zionistischen Kressen ist die Evkermkliis Allgemeingut geworden, daß die politische Situation: des Zionismus in erster Reihe von der materiellen Leistungsfähig k c i t äbhängt, welche das Judentum für Palästina beweist und erfreulicherweise ist auch in jenen jüdischen Kreisen, welche außerhalb der Zionistischen Organisation stehen, die Einsicht int Wachsen, daß die Opferleistnug für Palästina eine a l l j ü d i s ch ciutfr an Mit Parteiprogramm gebundene Pflicht ist. Wie dem offiziellen Ausweis des K c re» H a j e s s od - H a u p tb ur ea u s in London zu entnehmen ist, betrugen die Eingänge, für deit abgelansenen September i u s g e s a m t über 41.000 englische Pfund. Davon, entfallen an Leistungen aus die Vereinigten Staaten r u n N 35.400 Psund. Polen hat übe".862, L i t au e n 874, die Ts ch e ch o -S lo w a k e n 087. I u g o s l a tr; c n 271, die Bukowina 141, O e st erre i ch 164 Ostgalizie u 84 Pfund beigesteuert, Summen, die sich bei entsprechender Arbeit sicherlich unschwer v e r v - e l fache n lassen. Die Vorbereitungen fite die organisierten Keren Hajessbd-Mtiouen in verschiedenen Ländern stehen vor ihrem Abschluß. Wie oben gemeldet, lverd-en Dr. Weizmann und D r. R u p P i n. de-lten später Vertreterder palästinensifchen Arbeiterorganisation folgen sollen, Ende November werden. Um den Ankauf zu erleichtern, gibt die P. L. D. C. auch aus Dollar lautende Obligationen aus, wgilche sechs .. " ~ ’ :ch sieben zionistische BeziMettion Leopoldftadt ---v , Sprengel: Bollert Heute Donnerstag, 8 Uhr abends, in der Restauration „Zur alten Gulaschliütte“, II, Mühlfeldgasse 5 Jüdische Versammlung Referenten: Sberbaurat Stricker «nü G.R. Dr. PlaWer '■^SWWWW’.fB Renrenmodehaus ©ar/ciu Grosser (Serienverkauf! 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Ein amerikanischer Senator für den Aufbau Palästinas. Vor kurzem wurde die Kampagne in Boston mit einem Bankett eröffnet, an dem Senator Spencer und Louis Lipsky die Hauptredner tvaven. Die Kampagne, an der svwohl die orthodoxen als auch die Resormjuden von Boston Mit vereinten Kräften teilnchmen, hat sich zum Ziel gesetzt, dem Keren Hajessod binnen kurzem 100.000 Dollar zuzusühren. Senator Spencer, dessen Rede mit großem Beifall von den zahlreichen Zuhörern ausgenommen Wurde, betonte immer wieder, daß die christliche Welt den Aufbau des jüdischen rtatioltdeit Heims durch die Juden gutheitze; er seW bezeichnete Palästina „als die den Juden gebotene goldene Gelege-nheit der Jahrhunderte". Zum Schluß wies er aus die prophetischen Worte der Bibel hin-, nach deneit Erez Israel den Juden versprochen sei; sie mögen sich voll Vertrauen an diese Vevherßimg hallten und stolz sein, dieser großen Rasse an-zugeihören. Eine Wiener Aktion für den Keren Hajefsed. Die österreichische Keren Hajessod-KommWon bereitet seit längerer Zeit neuerdings eine großzügige Propaganda-Aktion für den Palast in a-G r u n d fo nd s unter den Wiener Juden vor. Die Arbeit für dieses zentrale Finanzinstitut des Aufbaues der jüdischen Heimstätte in Palästina hatte zwar in Wien im letzten Jahre einige Erfolge. Die bisherigen Ergebnisse stn«d jedoch keineswegs der Leistungssähigikeit nnd der Bedeutung des Wiener Judenttims angemessen. In systematischer AuMrungsarbeit müssen alle Juden, ohne. Unterschied ihrer Einstelklng zur Judensrage, dazu erzogen werden, sich fiir das Palästiita--Wer>k freiwillig zu besteuern. Schon ist in weitesten Kreisen-die Erkenntnis .dnrchgedmngen, das; die systematis che B es iedl n n g P a l ä st i n a s seit der Balsour-Tetlaraiioit eine für alle Inden gleich wichtige und dringende Angelegenheit ist. Es haben sich Männer in den Dienst dieser Arbeit gestellt, die der Ztmtist'ischen Partei nicht angehören und, wie beispielsweise der Direktor der Deutschen Bank Wassermann, mir größtem Erfolg für das jüdische Palästina gearbeitet. Die diesmalige Aktion wird wieder unter der bewährten Mitwirkung Dr. Nahum Go ld man ns vor sich gehen und um die Mitte des Monats November eineetzen. Eine Anzahl hervorragender jüdischer Wiener Persönlichketten, davnnter einige Schriftsteller von Rang, haben sich itt den Dienst der Wiener Werbearbeit gestellt, und es ist in den letzten Tagen auch gelnngen, Dr. Artur R u p p i n, den hochverdienten Leiter des palästinensilschen KolonisationSwerkes und Verfasser des grundlegenden Buches „Die Juden der Gegenwart", für diese Mion zit gewrivneu, welche ungefähr drei Wochen währen wird. Alle Freunde des Palästina-Werkes, die an dieser Arbeit reilnehmen wollen, mögert sich mit dem Btrreau der Ocsterreichischelt' Keren .Hajefsoid-KomMission, 2. B-ez., Taborstraße 20a, in Vechrnduug fetzen.- mn 1 I ..... Am besten u. billigsten Keren Kajemeth l'Jsrael (Jüdischer Nationalsonds). Die israelitische Kultusgemeiltde I n n s b r u ck Hw an den Jüdischen Nationalfouds (Keren Kajemeth l'Jsrael) den Betrag von 1,700.000 K. abgeführt. ksuksn Ilim- §itz im dm II., Taborstraße 48 Telephon 47«1-79 Eli groit En detail;■ r. H