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Wiener Morgenzeitung · 1923-11-05 · Heft 1698 (5.11.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1698 (5.11.1923)
Date
1923-11-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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HnzelnmnniOT K Vflö Wien: Zorn Abholen In der Expedition,Il„Taborstr.l.S, oder in einer Verschleisstelle (Trafik) monatl K 28.000 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschraiedt, l, 8ezn Wollzeile 11. * Mit Postveraand für Wien n. Oesterr. roonatl. K 28.000 Tscheeh o-S 1 owakel» Monu K17. Jugoslawien: Mon. Dinar40. Polen: Mon. Bst*K 22.000, Deutschl: Mon. ost.K 28000. Fr an kr., Belgien: Monatl. Frcs. 8 MT NachzablaBfeB "Mi bei Preiserhöhunsrea vorbeaaltes lener Tscti*ctta<"älowak<al t tschech. K1.— Italien: Monatl. 10 Lire, Rü mänien Mon. 90 Lei, Bulgarien Mon.75 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 3 Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1 —3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab6Ubrabds.l9-483,25-282 T eL» Ädr.:, .Morgenzeitung*1 Wien Uesterreichisches Postapar* leassen-Konto Nr. 150.693 Ar. 1698 Wien. Montag, 9. November 1923 Stresemann ist zuversichtlich. Ser Reichskanzler glaubt an keinen bewaffneten Ansstand Aatzerns. — Und ln München halten Rumecht und Hitler eine MMürvamde ab. Wert droht mit seiner Demission. 9. Jahrgang London, 4. November. (Sß.oüff.) „Manchester Guardian" veröffentlicht heute eine Unterredung seines Berichterstatters mit Dr. Strese m a n n, worin dieser mit Bezug auf Bayern erklärt, er gebe die Hoffnung nicht auf, daß mit der bayrischen Regierung auf Grund einer allgemeinen Erörterung des Verhältnisses zwischen Reich und Bundesstaaten eine Lösung der gegenwärtigen Differenzen erzielt werden könne, die dann wohl von selbst die Erledigung der Personalfragen bringen dürfte, die nach außen hin am meisten hervorgetreten seien. An eine bewaffnete Erhebung Bayerns gegen das Reich, von der in manchen ausländischen Kreisen die 9kede ist, glaube in Deutschland kein Mensch, und ebensowenig an die Absicht der verantwortlichen bayrischen Staatsmänner, Bayern vom Reich loszulösen. Dagegen seien in Bayern , politische Strömungen vorhanden, die Deutschland die nach rechts gerichtete EinstellungB ayerns aufgwingerr wollen und sich zu diesem Zwecke der sogenannten vaterländischen Verbände und der rechtsstehenden Parteien bedienen. Ihnen komme dabei zugute, daß in Deutschland ge gen war tig die politischen Strömungen weit nach rechts gehen. Dr. Stresemann glaube aber nicht, daß sie stark genug seien, um diö gegrüwgrtigen JeHqltmsse zu-anhery ^ovev 'sich im "Fülle eincZ'-S'icAI ü'nftdiö Daurr . zu. behaupten. Sitte Heerschau in M8«chr:r. " München, 4. Novenlber. Heute fand unter massenhafter Beteiligung di e Trauerfeier für die gefallenen Münchener statt. Ter Feier wohnten als Ehrengäste Kronprinz R u p p r e ch t, mehrere Prinzen und Prinzessinnen des ehemaligen Königshauses, Ministerpräsident K n i l l i n g und Generalstaatskommissär von Kahr bei. Ans dein Platze hatte eine Ehrenkompagnie der Reichswehr, Soldatcnvereme, vaterländische Verbände und die Hitlerischen K a m p f v c r b ä n d e Ausstellung genommen. Ein katholischer und ein Protestantischer Festgottesdicnst leiteten den Tranerakt ein. Die Grundsteinlegung für das Kriegerdenkmal auf dem Platze vor dem Arureemuseum, wo die Studentenschaft sich versammelt hatte, nahm Kronprinz R u p p r e ch t vor. Nach dem Festakte defilierten die Reichs Wehrkompagnie, die Krieg er Vereine und die Kampsverbände vor dem Kronprinzen. Der Vorbeimarsch dauerte fast eineinhalb Stunden. Sodann formierten sich die Kampfverbände zu einem Vorbeimarsch vor H i t l e r. Zwischenfälle haben sich nicht cidcr.ci. Sie Vorbereitungen Her KechtsiMWett. Ehrhardt soll Militärdittator werden. Berlin, 5. November. (Tel. d. „Wiener Morgenzettung".) Ueber die Vorgänge an der bayrisch-thüringischen Grenze berichtet die „Montagspost": Es scheint, daß sich die Reichsregierung nunmehr zu energischeren Gegenaktionen gegen die Rechtsradikalen aufgerafft hat. Sie will den Schutz der thüringischen Grenze nicht mehr nur der Landespolizei überlassen. Im Gebiete von Ko bürg bis südlich von Bamberg kampieren schwer bewaffnete Hitler- Truppen. An der Spitze derselben steht Kapitänleutnant Ehrhardt, der gestern einen K n r i e r nach B e r l i n gesendet hat, um seinen Gesinnungsgenossen die letzten Direktiven zur A u s r u f u n g eine r M i l i t ä rdiktatur zu geben. Die unter seiner Führung stehenden Truppen werden ans ungefähr zwei Friedensregimenter geschätzt. Die Pläne der Rechtsradikalen gehen dahin, Ehrhardt zum, Militärdittator für ganz Deutschland anszurufen. In den letzten Stunden erhalten die Rechtsradikalen fortwährend Zuzug. So sind gestern die Korpsstudenten aus Jena , plötzlich verschwunden. Man glaubt, daß sie sich an die Putschisten zentrale in Leipzig ange'schlossen haben. Auch der Jung deutsche Orden hat seine Mitglieder mobilisiert. Berlin, 6.-November. (Tel. d. „Wiener Morgenzeitung".) Der Reichspräsident hat gestern dem Reichskanzler Dr. Stresemann eine Mitteilung zutonrmen lassen, daß er seinen Rücktritt vornehmen werde, wenn Stresemann versuchen sollte, sein Kabinett durch Deutschn a t i o n a l e zu erweitern. Die D e u t s ch n a t i o n a l e Partei selbst hat Stresemann den s ch ä r f st e n K a m p s . angekündigt. Sie KommtmiftenbewesANg in Hamburg. Hamburg, 4. November. In einer Wirtschaft im Hafen ist gestern abends von der Polizei eine geheime Kvmmunistenversammlung überrascht worden. Dabei sind nach dem „Frcindenblatt" über 30 Kom-- munistenführer festgenommen worden. kxttonprittr Wilhelm ist noch in HMttd. Paris, 4. November. Wie die Agence Havas aus -em Haag meldet, befinde sich der ehemalige deutsche Kronprinz noch immer in Wieringen. Es wäre übrigens den Niederlanden unmöglich, sich einer eventuellen Abreise des Kronprinzen zu löidrrsetzen, da er sich freiwill'g im Lande anfhalte. _ Sie TachverftLndigenkollsrrern. Frankreich laßt keine Herabsetzung der deutschen Schuld zu. Paris, 4. November. Die Agence HavaS teilt mit: In der gestern nachmittags der englischen Botschaft überreichten Antwort der französischen Regierung auf die britische Note heißt eS: Für Frankreich kann das Sachverständigenkomitee keine ausgedehnteren Befugnisse besitzen als die Reparationskommission. deren Ausfluß es sein wird. Der Friedens- Vertrag setzt die Vollmachten der Neparationskommission fest. Keine Herabsetzung der deutschen Schuld ist möglich ohne die einhellige Zustimmung der in der Reparationskommission vertretenen Mächte. Frankreich wird eine Herabsetzung ablehnen. Es würde allenfalls Abänderungen annehmen in der Form von Fristerstreckungen im Zahlungspläne vom 5. Mai 1921, der die Modalitäten der Zahlung Deutschlands und das Ganze der Schuld festfetzt. Das Komitee könnte in ernstlicher Weise die Zahlungen Deutschlands nur für einen sehr beschränkten Zeitraum und nicht in endgültiger Weise festsetzen, da cs unmöglich ist, die wirtschaftliche Kraft Deutschlands auf einige Jahre vorauszusehen. Frankreich wird eine Herabsetzung seiner Forderung an Deutschland nicht annehmen, wenn seine eigenen Schulden an England und die Vereinigten Staaten nicht herabgesetzt werden. Frankreich ist der Ansicht, daß das Komitee in nützlicher Weise Vorgehen würde, wenn es die Gründe des Bankrottes Deutschlands bestimmen und dessen eigene Mittel zur Wiederherstellung seiner finanziellen Leistungsfähigkeit erwägen würde. Zrr Smmtagskedner Psitmrß. Vorwürfe gegen Deutschland. Ministerpräsident. Po in ca rä hat gestern wieder zwei Reden gehalten. In einer Ansprache anläßlich der Einweihung eines Kriegerdenkmales in Brire warf er Deutschland raffini erte Unaufrichtigkeit, unverschämte Propaganda und mangelnden Z a h l u ngswillen v o r. Dann sagte er: „Das R e i ch ruiniert s i ch mutwillig erweis e, läßt es aber zu, daß sich Private, namentlich Großindustrielle bereichern, ohne irgendwie ernstliche Anstrengung zu machen, von ihnen einen i angemessenen Beitrag zur staatlichen Wiederaufrichtung zu erlangen. Und doch hat man nach diesem freiwill i g e n B a n k r o t t aus verschiedenen Seiten die Idee gehabt, uns "zu einer Revision der deutschen Schuld einzuladen, als wenn sie nicht in Anwendung des Friedensvcrtrages endgültig festgelegt worden wäre. Wir mußten deshalb Vorsichtsmaßregeln ergreifen, damit man uns nicht vor der gänzlichen Bezahlung unserer Pfänder zu berauben trachte und damit man in der Sachverftändigenuntersuchung, die die Reparations- ^omw'ssiov üb-r die miaenblmliche Zahlungsfähigkeit Deutschlands vornehmen lasten wird, nickt auf Umwegen neuerlich zu einer Festsetzung dieser Schuld gelange. Selbst bei. einer Abschätzung der augenblicklichen Zahlungsfähigkeit Deutschlands wird.es wünschenswert sein, daß die Sachverständigen genau erforschen, was die ärmliche Hülle, unter der sich das Reich zu verstecken sucht, in Wirklichkeit birgt. Es ist augenscheinlich, daß Deutschland, bevor es regelmäßige Zahlungen leistet, .seine Finanzen reformieren, seine Währung sanieren und sich in' die Lage versetzen muß, um eine Ausländsanleihe aufnehmen zu können." In einer Bankettrede in Tülle befaßte sich Poinearä hauptsächlich mit Problemen der inneren Politik und betonte nur kurz den unbeugsamenWillen Frankreichs, Deutschland zur Einhaltung seiner Verpflichtungen zu zwingen. Amerika and der eurodAsche Wirrwarr. Paris, 4. November. (Havas.) Bei der Einweihung des Kriegerdenkmals von Ferme-Navarm, der auch General Gouraud beiwohnte, hielt der a m e r i k a n i s ch e Botschafter Myron Herrick eine Rede, worin er unter anderem aussührte: Die gegenwärtige Lage Europas berührt die Bereinigten Staaten ebenso tief wie die europäischen Ereignisse von 1914 bis 1917. Wenn wir uns von dem, was man den europäischen Wirrwarr nennt, abseits hielten. wo eS doch offensichtlich ist, daß das Gleichgewicht ohne unsere Hilfe nicht wiederhergestellt werden kann, warum waren wir 1917 in den Krieg eingetreten? Wenn das gegenwärtige Problem nicht rasch und gerecht gelöst wird, hätte Amerika tatsächlich vergeblich gekämpft, denn Deutschland hatte eine unhaltbare Lage nt. der Welt geschaffen und ein deutscher Sieg bedrohte nicht nur unsere eigene Würde, sondern auch unsere Wohlfahrt. Das Schicksal Amerikas ist jetzt mit jenem der anderen Nationen verknüpft. Wer immer es versuchen sollte, das gegenwärtige Problem zu Erzielung politischer Vorteile auszunützen, würde das Andenken unserer Toten beflecken. „ Aendenmg der belgischen AheiniattdsjMtik? Paris, 3. November. Der „Temps" befürchtet, daß der Aachener Zwischenfall eine Wendung in der belgischen Rheinlandspolitik bedeute, die das Einvernehmen mit' Frankreich aufgebe. Eine Aussprache sei dringlich, aber selbst dann würden noch Einzelheiten übrig bleiben, die für eine öffentliche Diskussion nicht geeignet seien. Das Blatt glaubt, daß Belgien ursprünglich dje Aachener Bewegung aus Furcht vor einer französischen Einkreisung begünstigt habe, um vielleicht ein belgisches oder ein englisch-belgisches Rheinland zu begründen, dann aber, als dieses Projekt sich als aussichtslos erwies, sich' gegen die unabhängigen Separatisten gewendet hat. An Erdbeben dt Mittelamenüt. Viktoria (Britisch-Kölmn'bien), 3. November. Hier ist ein starker Erdstoß in der Richtung der Inst! Guam verzeichnet worden, Wirtschaftlicher Beirat der siidischen Landtage« fraMm in Atmen. Kowno, 3. November: (Tel. der „Wr. Morgenzci» tung".) Zur nachdrücklicheren Vertretung der wirtschaftlichen Interessen der jüdischen Bevölkerung ist ein wirtschaftlicher Beirat des jüdischen Landtagklübs gebildet worden. In diesen Beirat, der seine Tätigkeit bereits begonnen hat, entsendeten je zwei Vertreter: der Verband der Kaufleute, der JndustriellenverbaNd, der Handwerkerverein, der Verband der Detailhändler und der Holzhändlervcrband. Ungünstige Lage der tzAMnenfischrn Ulfen« bahnarbeiter. Aus der in Haifa abgehaltenen Konferenz -der palästinensischen Eisenbähuarbalter wuvde deren s ch l e ch t e ö k o n omische und gesundheitliche Lage besprochen. Infolge der sehr schweren Arbeitsbvdrngungein ist der GesundheitsMand ungünstig, für eine Jnvalidenpension ist nicht gesorgt und die medifmische Hilfe ist sehr notdürftig. Außerdem sind die Arbe-itSlöhne niedrig und die Organisation der Eisen, bchnarbeiter offiziell nicht anerkannt. Unter diesen Zuständen leiden namentlich die. i ü d -i s ch e n Eisonbahnarbeiter, deren Zahl gegenwärtig nur 200 beiträgt. während sie vor einiger Zeit 9 00 ansmachte. (I. C. B.) m»XS

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