Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1691 (29.10.1923)
- Date
- 1923-10-29
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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jiSSeeae Hi" i~T 1 nwrTiiiiiiiiMiiiiiiiiiipiiiipiiiiii^iiSijp UM | Wien, Montag ■"'' ■■ —-■ -—-— «OHk» Mckr „Aufdeckung staatsgefährlicher Tätigkeit" ange- I ordnet ist. Die RevffioniMiTde auch in der peinlichsten Form I dnrchgsfichrt. Man. riß die Büchereinbände auf, betastete olle Tapeten. üs wüxdx aber nichts weiter als antik ommnnistische Ausrufe gefunden. Trondein wurde das Lokal wieder versiegelt. Für zchlveiche jüdische Organisationen bedeutet die Mt« eigmmg ihrer. Lokalitäten eine gslatte 8 i q ui da t i ö n, da angesichts der herrschenden Wcchmingsnvt neue Lokalitäten unmöglich beschafft werden können. Tagesbericht. ras neue Sstrrrelchtsche Hartgeld. Die Vorbereitungen zur Herstellung des geplanten nSvett Hartgeldes, sind bereits im vollen Gange. Es werden Stücke.zu 100 und 200 Kronen aus Münzbronze undsolche zu 1000 und 2000 Kronen aus Kupfernickel ausgegeben werden. -Bei. den Vorstudien, die diesem Entschlüsse dev Finanzverwaltnng vorausgingen, wurde natürlich auch die Frage einer eventuellen Gefahr der Abwanderung ins Aus--« land oder Hamsterei der neuen Münzen im Jnlande ins Kalkül gezogen. Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß die Vor einigen Tagen von einem Spätnachmittagülatt gebrachte Notiz betreffs Vernachlässigung von 1000-Kronen-Zifsern im .Bank- und Kassenverkehre sowie die in Verbindung damit erwähnten Kombinationen wegen neuer Papiergeldzeichen an - kompetenter Stelle als unzutreffend bezeichnet werden. _____ Sie AutounWe einet Zaget. Das fünfjährige Söhnchen Gregor des Kriminalbeamten Krammer wurde Samstag nachmittags von einem Automobil, das dem Fabrikanten Oskar Bäudler gehörte und von dem Chauffeur Georg Wiesinger gelenkt wurde, überfahren. Das Kind erlitt so schwere Verletzungen, daß es auf der' Unfallstation, wohin es von der Rettungsgesellschast gebracht worden war, starb. Wiesinger beschuldigt feinen Mitfahrer, dm Autotaxibesitzer und Chaufftur Gustav Schirmer, das Unglück verschuldet zu haben. Schirmer wurde in Haft genommen. Wiesinger hält sich verborgen und konnte noch nicht ausgeforscht werden. Beide Chauffeure waren, als das Unglück geschah, angeheitert. Samstag nachmittags wurde auch der elfjährige Bürgerschüler Franz Kürtnerin der Nahe der elterlichen Wohnung von einem Automobil, Eigentum des Bankdirektors Richard Kästner, der auch im Auto saß, das vom Chauffeur Karl Hirsch! gelenkt wurde, überfahren und schwerverletzt. ' Gestern gegen mittags fuhr der Private Viktor Straffer in dem von ihm gelenkten Kraftwagen durch die Prinzenallee. Plötzlich versagte, anscheinend infolge Bruchs der Steuerung, die Lenkung und der Kraftwagen fuhr mit voller Wucht an einen der Alleebäume an. Straffer erlttt einen offenen Bruch des Jochbeines und eine Quetschung im Gesicht. Er wurde nach ärztlicher Hilfeleistung in das Rochusspital gebracht. Bitte notwendige Sache. Das Damen-Autorennev. Um einem offenbar sehr dringendem Bedürfnis der Wiener Bevölkerung abzuhelfen, wurde gestern die Hauptallee zum Schauplatz einer quasi sportlichen Veranstaltung. Eine ziemliche Anzahl von Damen produzierten sich am Steuer ihrer Automoblle, wobei es hauptsächlich darauf ankam, daß jede der Konkurrentinnen an dem sogenannten Damenrennen in ihrer von einem ersten Modesalon gelieferten Autodreß „reizend aussah", wie die stehende Redensart der Zeitungsberichte bei solchen weltbewegenden Ereignissen lautet. Zu diesem Zwecke wurde die herbstlich-schöne Hauptallee, die sonst dem-Automobilverkehr ängstlich verschlossen bleibt, mit Benzingestank und sportlicher Gschaftelhuberei erfüllt Das Rennen, das in erster Linie dem Reklamebedürfnis einiger Automobilfirmen und Schneiderateliers sowie dem Betätigungsdrang verschiedener „Macher" dienen sollte, nahm Programmäßig einen glänzenden Verlauf. Mehrere der Fahrerinnen bekamen sogar Preise. Zweimalhunderttausend Menschen, die mit ihrer Zeit nichts Befferes anzufangen wußten, ließen es sich nicht nehmen, gestern mit dabei zu sein, teils um den Rummel zu sehen, teils in der stillen Hoffnung, im Zeitungsbericht unter der Rubrik „unter anderen bemerkte man auch" genannt zu werden. Gegen die Dertenernng des Zelephons. Der Verein der Telephon-Interessenten hielt gestern ekne Protestversammlung ab, zu der u. a. Generalpostdirektor Ho Hersel und der Präsident der Handelskammer Dr. Q u i d e n u s erschienen waren. In dem Referate des Vorstandsamtgliedes Dr. Eugelmann, das eine äußerst scharfe Kritik der Zustände in unserem Tsleiphoniweisen enthielt, für welche die Telephonverwaltung allein verantwortlich fei, wurde beantragt, da der Staat sich als unfähig erwiesen habe, den Telephonbetrieb kaufmännisch zu führen, denselben in die Privatwirtschaft zu überführen. Es wurde eine Resolution angenommen, in der diesem Wunsche Ausdruck gegeben wurde. Ferner wurde in der Resolutton darauf hingewiesen, daß eS ein schwerer Fehler sei, aus Gebührenerhöhungen die Wiener Morgenzeitung. 89. Oktober 1983 Nr. 1691 Mitteilnugen aus dem Publikum. Billige Teppiche Handknüpfer, wenig gebrauchte tadellose Tepplohe, sowie* auoh neue, verkauft MAX ROTHOLZ VIII., LERCHENFBLDBROTRASSB 48 .... 35 erforderlichen Investitionen zn bestreiten, statt durch zielbewußte Reorganisation die Leistungen und damit auch die Ein rach men zu erhöhen, die Ausgaben aber zu verhindern. Die Gebühvenerhöhung . allein beinhalte nur em neistreiberisches Moment und werde aus den angeführten Gründen entschieden abgelehnt. Generalpostdirektor Hohe i s e l wollte hierauf in seinen Ausführungen die Vorwürfe gegen die Telephonverwaltung und die Beamtenschaft entkräften und schob alle Schuld aUf ben Beamte.. ablau, der dem Telephon-betvisb das erforderliche Personal genommen habe. Er zählte die im laufenden Jahre durchgeführten Automatisierungen und Neuanschlüsse aus und erklärte, daß die Postverwaltung mit allem Ernst bemüht sei, das Telephonwesen bestens auszugestalten. An Rknrtan von Schrlo« Asch beginnt am 1. Novemher in unserem Blatte zu erscheinen. In dem Bestreben, unseren Lesern die Kenntnis der lebendigen Werte des jüdischen Schaffens zu vermitteln, haben wir weder Mühe noch Kosten gescheut, um eines der jüngsten Werke des berühmtesten Erzählers der heutigen Generation in der jüdischen Literatur zum Abdruck in der „Wiener Morgenzeitung" zu erwerben. Es ist uns möglich geworden, die autorisierte. Uebersetzung von Schalom Asch' populären Roman „Sittel Moses" unfeven Lesern darzubieten, noch bevor er in Buchform erscheint. „Onkel Moses" ist der Typus de§ kleinen jüdischen Fabrikanten, des Kleiderkonfektionärs in New-Aork, bei dem die aus ihrer alten Heimat ausgewanderten, noch „grünen" .Juden ihren Lebensunterhalt finderr. Die Konfektionswerkstätte ist ihre neue Heimat geworden und doch bleiben sie mit der alten Heimat verbunden. Ihr Brotherr ist ihr „Onkel"; ein patriarchalisches Verhältnis, in den kapitalistischen Unternehmergeist eingeordnet, herrscht zwischen dem Arbeitgeber und denen, die für ihn arbeiten. Und beide leben eigentlich noch immer in der alten Heimat, ihre glücklichen Stunden sind von Erinnerungen an ihr früheres Leben ausgeMt. Bis dann das Schicksal, das Amerika, heißt, sie erfaßt, bis d.ie Kluft zwischen der alten und der neuen Heimat, welche durch die Illusion der Sehnsucht solange überbrückt war, offen klafft und nur denen nicht zum Abgrund wird, welche Kraft haben, sie zu überspringen. Die bis zunr Weltkrieg sich mit jedem neuen Einwamderungsstrv>rn erneuernden Anfänge des jüdischen Amerika sind es, welche der Dichter meisterhaft erfaßt und gestaltet hat. Der Roman „O n k e l M o s e s", ein dichterisches Abbild des jüdischen Ueberganges in der neuen Welt, wird, wie wir hoffen, unseren Lesern als wertvolle Bereicherung ihres Wissens um die Vielfältigkeiten deS jüdischen Löbens eine willkommene Gabe sein. Kn llniverfitätrsenat in der Sdnngoge. Der Numerus clausus au der Fi'mfkirchner Universität. Aus Fünfkirchen wird uns berichtet: Anläßlich der Eröffnung der Fünfkirchmr Universität erhielt der hiesige Oberrabbiner Dr. Zoltan Wallenste in ein Ersuchen des Rektorats, daß der Rabbiner in seiner nächsten Kanzelrede auch der Eröffnung der Universität gedenken möge. Dr. Wallenstein teilte hierauf dem Rektor miy* daß er seine Freitagabendpredikt der Universität widmen wolle. Vor dem Gottesdienst erschienen denauch der Rektor, der Prorektor und zwei Dekane der Universität in der Synagoge. Auf die Begrüßungsansprache des Präsidenten der Kultusgemeinde antwortete der Rektor Dr. Joses Nagy.u. a.:.„Wir sind.in Ihre Synagoge zu Ihrem Gottesdienst' gekommen,' um auch damit zu bekunden, daß die Fünflirchner Universität keinen Unterschied der Konfession kennt und anerkennt." Die von Dr. Wallcnstein gehaltene Festpredigt, behandelte beit Anteil der Juden an den wissenschaftlichen Arbeiten und an der Forderung der Nüssen, schaftlichen Forschung in Ungarn und in der ganzen Welt und schloß mit der Bitte an die Universität, vom Numerus clausus abzusehen. Nach dem Gottesdienst stattete der Senat dem Oberrabbiner in seiner Wohnung"eirien Besuch ab und dankte ihm für seine partwtische Rede. Die Bitte deS Fünfkirchner Oberrabbiners, an 'üeser Hochschule vom Numerus clausuS abzusehen, ist nicht in Erfüllung gegangen. Cr wurde hier genau so gehandhabt wie an ollen anderen ungarischen Hochschulen- Alle jüdischen Studenten, die im Rahmen des Numerus clausus keinen Vlatz fanden, wurden mit aller Strenge zurückgewiesen. Rektor Doktor Nagy soll wohl persönlich, wie in hiesigen jüdischen Kreisen behauptet wird, von liberaler Gesinnung sein, doch stehe er unter der schärfsten Kontrolle seiner Budapestei. Vorgesetzten, die ihn zwingen, die Bestimmungen des Gesetzes über dm Numerus clausuS in rigorosester Weise einzuhalteu. Dem gegenüber redet sich der Unterrichtsminister Gras Klebelsberg darauf aus, daß er den Numers clausus deshalb anfrcchi erhalten müsse, weil er „von unicn" von den Hochschulbeliordcu verlangt werde. Und deshalb müssen hunderte junge Juden entweder das Studium aufgcben oder zur Fortsetzung ihrer Studien ins Ausland wandern und dort unter den größten Entbehrungen ihren Studien obliegen. Mchereinians. S t f e t S ch'm u 8 I (zum Andenken an Rabbi Samuel Mohilewerj, hebräisch, redigiert von I. L. F i s ch tu a n n, Jerusalem, Verlag Misrachi. — Arnold H ö l l r i e g e l: Bimini. Ein Roman. Verlag Rudolf Masse, Berlin, SW. — Wilhelm v. K «j e l a e Nt Lebensvrinnerungen des alten Mannes. Verlag K. F. Koehler, Leipzig. — JS. K. Ginz 1 eyr Die Reise nach Komakuku. Rikola-Verlag, Wien. — Ludwig B r o s e r r Die Wahrheit wird euch ftei machen. In Kommission bei „Stern im - Öften. Verlag Andreas Pichl, Wien Vl. — Qabbal a, DaS Buch Bahir. Kritische Neuausgabe von Dr. Gerhard Schalem. Verlag W. Drugul i n, Leipzig. — Dr. Rudolf Köstler: DaS osterreichistde Eherecht. Rikola-Verlag, Wien. — Rudolf K a y s e r r Die Zeit ohne Mythos. Verlag „Die Schmiede", Berlin. — Henri G u i l b e a u x: Lenin. Verlag „Die Schmiede", Berlin. — F. W e i ß m a n nr Aus Urvätertagen. Verlag Jakob 83. Brandeis, Breslau. — Dr. R. M. G e l b e tt Aus zwei Jahrhunderten. Beittäge zur neueren Geschichte der Juden. Verlag R. Löwit, Wien-Leipzig. — Albert M a u rüber: Volk und Chaluz. Vertrieb: Hitachduth-Verlag, Berlin- Charlottenburg. — Dr. Bernhard A. Bauer: Wie bist du, Weib k Rikola-Verlag, Wien. Briefkasten der Redaktion. Eisig» Aokh» Truekawiec. Serbisches. 10 Dinar-Lod, Serie 6243, Nr. 92 mit 13,50 Frauken gezogen. Die anderen nicht! — »»Apolda". Solche Noten haben bereits jeden Wett verloren. Der Hausarzt. Redigiert von D«. Sanel Beer. Ein Merkblatt für Mundpflege. Die wirtschaftliche Vereinigung der Zahnärzte Wienhat die Initiative zu einer wohl vorbereiteten Aktion ergriffen, die zu einem hervorragenden Faktor in der allgemeinen öffentlichen Gesundheitspflege heranreisen und vorbildlich für ähnliche Aktionen aus anderen Gebieten und in anderen Ländern werden kann. Die zahnärztliche Bereinigung hat dm Vertrieb einwandfreier, dem jetzigen Stand der Wissenschaft entsprechend erzeugter Mundpfle^eapparate in eigener Regie übernommen, und erhofft sich von dieser Aktion, die mit Rücksicht aus die Mitarbeit aller Aerzte und die Güte der mundhhgienischen Präparate einen durchschlagenden Erfolg verbürgt, sowohl einem allgemeinen sanitären Uebelstande abzuhelfen, als auch finanzielle Mittel für die Unterstützung aller arbeitsunfähigen, ihrer Ersparnisse im Kriege beraubten Zahnärzte und deren mittellosen Witwen und Waisen bereitzustellen. Auf keinem Gebiete blüht die Quacksalberei und der Dilettantismus so üppig, wie auf dem der Kosmetik und Mundpflegepräparate. In schönster Aufmachung werden nicht allein die wertlosesten kosmetischen und hygienischen Präparate feilgeboten, sondern oft genug werden um teure Preise auch schädliche Mittel gekauft. Der Leie stand bisher diesen Präparaten machtlos gegenüber, er war einzig auf die marktschreierische Reklame angewiesen, selbst der Arzt, um Rat gefragt, konnte keine entsprechende Auskunft geben, da die meisten kosmetischen Mittel nicht genügend ärztlich überprüft und begutachtet sind. Diesem Uebelstande wenigstens auf dem Gebiete der Mundpflegemittel abgeholsen zu haben, ist der Verdienst der Wiener Vereinigung der Zahnärzte. Sie übergeben hiermit der Oeffentlichkeit ihre verläßlichen, den besten Erfolg gewährleistenden, absolut unschädlichen. Zahn- und Mundpflegeartikel, die als „Temi"-Zahnpulver, „Temi"- Zahnpasta und „Temi"-Mundwasser in den Handel kommen. Mit Rücksicht auf die Bedeutung der Mundpflege für die körperliche Wohlfahrt des Menschen hat das wissenschaftliche Komitee, bestehend aus Wiener zahnärztlichen Professoren und Dozenten eine Anweisung zur Mundpflege herausgegeben, die zur Erziehung und Erzielung einer wirklich einwandfreien Mundpflege besondere Beachtung verdient. Wir entnehmen dem^Merkblatte: Man reinige Mund und Zähne morgens, wie nach jeder Mahlzeit, unbedingt aber vor dem Schlafengehen, in folgender Weise: Zuerst entferne man mit einem gut gespitzten Zahnstocher aus Federkiel oder Galalith alle zwischen den Zähnen befindlichen groben Speisereste, eventuell mit Zuhilfenahme eines dünnen, aufgedrehten Seidenfadens, den man zwischen den Zähnen durchzieht.' Hierauf reinige man die Zähne und Zahnfleisch gründlichst außen und innen, auf der Kaufläche und dön seitlichen Partien mit einer nicht zu großen und tunlichst harten Bürste in anfänglich wagrechter und nachher senkrechter Richtung. Hiebei iL besonders auf die gründliche Reinigung der Zwischenzaynpärtten und der nahe dem Zahnfleische gelegenen Zahnteile zu achten. Am besten u. billigsten kaufen iDaien- Sie im haus Schiffmann II., Taborstraße 48 Telephon 47-1-70 En gros En detail