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Wiener Morgenzeitung · 1923-10-27 · Heft 1689 (27.10.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1689 (27.10.1923)
Date
1923-10-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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SlnzsImmmsrKIOOO Wien: Zum Abholen in der Expedition, II.,Taborstr. 1-3, oder in einer Verschleisetelle (Trafik) monatl. K 28.000 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Finna Goldschmiedt; I. Be&, Wollzeile 11. Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 28.000 Tsch ech o-S lowakei: Mon. K17. Jugoslawien: Mon. Dinar40. Po 1 e n: Mon. Mk. 800.000, Deutsehl.: Mon. osjb.K 28000.Frankr., Belgien: Monatl. Frcs. 8 Tschccho-Siowakal t tschech.'K 1.~ ■ talien: Monatl. 10 |dre» Rumänien Mon, 90Le^ Bulgarien. Mon.75Xewe» S c h w e i i und das.übrige Ausland monatlich' FreL. 3 Redaktion u. Administration Wien, .II., Taborstr asse 1 Telephone: 44*0.38,43-3*19, ab,6phrabds.19-483,25-282 Tel.- Adr. :„Morgenw6ltnng" Wien pv N«ch»«hluo*en b«i PreUerKSKua?ei) Vorbehalten Oeaterreiehisches Ppßtßpar. kassen - Konto Nn 1 $<3.693 Nr. 1689 Wie». Samstag/ 27. Lttober 1923 Das Deutsche Reich. -y. Wien, 27,Oktober. Wie bekannt, Hat vor einigen Tagen der Vertreter Südafrikas auf der britischen Reichskonferenz, General Smuts, von dem Plane der englischen Regierung Mitteilung gemacht, alle Unterzeichner des Versailler Vertrages zu einer Reparationskonferenz einzüberufen. Der englische Ministerpräsident Baldwin Hat dies in einer Rede in Plymouth dahin eingeschränkt, daß vorerst die Teilnahme Amerikas an einer solchen Aussprache gesichert werden müsse, wobei es vor allem auf die Zustimmung Frankreichs ankomme. Ziur Information der öffentlichen Meinung veröffentlicht das englische. Auswärtige Amt die Dokumente des bezüglichen Gedankenaustausches -mit Amerika. Esergibt-sich daraus, daß Amerika an einer Repavationskonferenz teilnehmen würde, aber nicht durch einen offiziellen Vertreter und auch dies nur dann, wenn die Konferenz keine verbindlichen Beschlüsse fasse. Man erkennt aus dieser Darlegung, daß der ursprüngliche Gedanke Englands, zur Revision des Versailler Friedens schrittweise .vorzudringen und das furchtbare Friedensünglück ander Wurzel zu fassen, wieder einmal gescheitert ist und daß wieder einmal, eine sich leise regende Hoffnung aufgegeben werden muß. Es ist aber, nicht, uninteressant, die englische Frage urü> die amerikanische Antwort.mit. den' gleichzeitigen, Ereignissen in Deutschland zu vergleichen. Für die englische Regierung , hatte Lord Curzon am 12. Oktober in.einem Telegramm!an. / den britischen Geschäftsträger in.Hashmgton. seinen Plan entwickelt. An diesem Tage Waren die HrÄten. Verhandlungen zwischen dem General. Degoutte und den Stmnes-Jndustriellen in Gang gekommen, ugd Poincare fonnteuyter Ausnützung dieses Verrates demdeutschen Geschäftsträger erNären, daß er erst nach-AÄschllrß der Sonderabkommen Vorschläge der deutschen, Regierung entgegennehmen könne. Es hatte sich herausgestellt, daß die deutschen Schwerindustriellm ihre eigene Regierung nicht mehr anerkennen und daß sie . ihr den Abstimmungssieg im Reichstag Zur Durchbringung der Ermächtigungsgesetze. gönnen konnten. Sie standen ja mit Frankreich bereits in Konversation. Dies konnte auf die amerikanische Regierung nicht ohne ungünstige Wirkung bleiben. Es folgte dann die Loslösung Bayerns vom Reich und die Affäre des Generals Lossow, der der Zentralregievung öffentlich den Gehorsam verweigerte. Bayern nahm die Reichswehrtruppen in Eid und. die Berliner Regierung wandte sofort ihr bißchen Energie — gegen Sachsen. Der Aüflösüngprozeß begann sich abzurollen. In Berlin begannen 'Hungerunruhen, in Sachsen gab es Konflikte zwischen der Regierung und dem Mkitärbesehlshaber, der. in einer Verfügung sich die gesamte Exekutive.unterordnete. Dies geschah am 16. Oktober. Zwei Tage später erfolgte die Antwort Amerikas an England. Man erkennt aus diesem zeitlichen Zusammenhang, wo die Schuld dafür liegt, daß die Revision, des Versailler Friedens, wieder ins Wasser fiel. Damit ist wieder eine Gelegenheit verloren, das deutsche Problem zu meistern und dem so schwer leidenden deutschen Volk einen Lichtstrahl in seine Not zu senden. Ter unaufhaltsame Zerfall. Neuer Eturmlaufen gegen Stresemann. — Sie Eeparatistenbewegung gewmnt m Boden. — Hungerrevolten und Deutschnationales KessettreLben gegen Stresemann. Berlin^ 26. Oktober. (Tel. b. „Wr. Morgenzesiu-ng".) Gegen Reichskanzler Dr. Strese m.a n n hat von seitender D.eutschnationalen unter Beteiligung des.re ä) te n Flügels der . Deutschen. Po.lkspartei ' ein neues, scharfes Ke s.s eltreiben eingesetzt.- Die gestrige Rade., des Reichskanzlers wird äußerst scharf kritisiert .und .es wird ihm vorgeworfen, daß sein Versuch,, durch eine freundlichere Tonart die ftarrzMihe. Politik zll äwdevn, aus bloßer Illusion beruht habe. Dies "habe das deutsche .Volk ni'cht nur Zeit gekostet/, sondern es' in seiner gaichen politischen. Stellung' zurückgaworsen. ,- Hie Aktion der Sonderbündler. Frankfurt, 26. Oktober.- (Tel. der „Wr. Morgenzeitüng".) Imgesamten Rheinland ist die . Lage heute ' genau die gleichewie an den vorhergehenden Tagen. Wo es den Separatisten gelungen ist, sich-in einzelnen öffentlichen Gebäuden festzusetzen wie in Bonn, Trier, Krefeld und neuerdings in Koblenzsind sie vollständig auf sich selbst angewiesen. Nur der Schutz-der - fr ä n z ö fisch e n und b cXg •if che n Waffen ermöglicht, hen Separatisten, ' sich zu halten, da-ihnen die FdiüdschäfteMetzsnbnngt. Jede Wg^ , VerjMtWig^. ,taWD'äuszmthsn, ist äuSgeMosstn.-- --- 'de- Paris" -Meildeh aus Mai nz, der Advokat ■ R ody,' der vorgestern von 'den' Separatisten zum R eg'i e r u n g s pr ä s i d e wt e n ernannt worden war, sei gestern von'seinen Kollegen,' die -seine Handlungsweise mißbilligten, v e r P r ü g e l t worden und abends seinen Berletzüng'en erlegen. ' IN-Neuß .-wurde der Oberbefehlshaber der- Rheinärmee" L eit.ne r föstgeuommen. In seinem Besitz fand man umfangreiches Material, das ihn des Landesverrates und anderer Straftaten überführt.. Hungerrevolten im Ruhrgebiet. Berlin,. 26., Oktober. , Aus. dem Ruhrgebiet wird gc- Jst das deutsche Problem heute überhaupt noch politisch von außen her zu fassen? Gibt es noch ein Deutsches Reich? Die Los-Vom-Reich-Bewegung hat in den letzten Stunden neue Fortschritte gemacht, die sich aber heute als.Gegenwehr der verzweifelten Bevölkerung gegen die völkische Ueberhebung darstellen. In der Pfalz ist als Reaktion gegen die Kahrsche Diktatur eine Abfallspropaganda von sozialdemokvatffcher Seite eingeleilet worden. In Oberschlesien, dessen Bevölkerung von antisemitischem Hakenkreuzgesindel in Schrecken ^halten wird, trägt man sich mit der Idee, einen Freistaat zu bilden und sich unter polnischen Schutz zu stellen. In Sachsen Md hart an der tschechischen Grenze Kämpfe Mischen dem Militär und der Arbeiterbevölkerung ausgebrochen, in Koburg stehen Hitlersche Kontingente mit einem fertigen Genevafftab, in Ostpreußen sind Banden .aufgetaucht, und die - strategische Einschließung Berlins scheint sich bereits zu vollziehen. Der rheinische Sonderstaat, den Frankreich unter Schutz genommen hat, reicht bereits brs hart an Köln heran, und auch in dieser Stadt zeigen sich Äbfönderüngstendenzen. Scheint es nicht, als ob da jedes politische Mittel bereits versagt und daß der blutige Bürgerkrieg unanAveichlich getvowerr M i meldet: 'Dos Ruhrgebiet befindet sich jetzt infolge der durch die MrWnapPheit entstandenen Hungersnot in vollem Aufrühr. Hun gar revölten werden aus fast allen Orten gemeldet. Di« Geschäfte kaufen nicht-mehr ein, weil ihnen -däsv Risiko zu groß ist. Dadurch wird die Not noch großer. Bei -den Feldplünderungen läßt sich eine Orgäm- .lsation.großen Stils feststellen. Nicht nur^ die Felder, sondern auch einzeln Liegende Bauerngüter werden überfallen- und die-Besitzer-bei Gegenwehr mißhandelt. - In Bochum erschienen am Mittwoch abends verdächtige Elemente von auswärts, die offenbar gekommen waren, um Unruhen he-vvorzurufen. . Das ist ihnen auch gelungen. Mehrere. Lebensmitte-lgeschäfte iüt den auf dorn Marktplatz mündenden Straßen wurden g e p l ü nder t. Die -Pok-iziei wurde mitSchüsien empfangen. Sie gab -Gegenfeuer, wobei.einige: Personen verletzt.-wurden. Donnerstag vormittags wurde ein planmäßckiges Vorgehengegen die Polizei feftgestelft. Mehrere PoNzeiibeamte wurden -überfallen und . zum Teil schwer verletzt. Da die Polizei immer stärker bedroht wurde, machte sie von der S ch u ßtottff« Gebrauch. Die Folge waren wei Tote und neunzchn Verletzte. . . . Konfliktherd Sachsen. Dresden, 26. Oktober. (Tel. d. „Wr. Movgenzeitung.") Zwischen dem W e h r k r e i s k o m m a n d o und dem Z-ivillommisfär ist eS zu Differenzen gekommen,, da das erstere-auf dem Standpunkt stcht, daß die. in letzter 'Zeit erfolgten Vecha-ftemgen als allgemeine Maßnahmen nicht zur Kenntnis des Gemvalkommissärs gebracht stxrden müssen. Der ZiviÜommissär wird sich um eme Entscheidung 'indieser Frage an' die R e i ch s r e y i e r u n g wenden. B a he r n. Es wurde einmütig der Standpunkt 've.rspetm, daß die Wahrung der StaatsaÜto.ri.tät''^ d-ert und daß'seitens der einzelnen Länder auch, die .Au-torität der Reichsregierung ^und. die,.Rei^sverfassung vesp-ektiert werde.' - - . ,\V '" Kahr verhandelt auch weiterhin nicht mit .- Berlin. 7 " Berlin, 26. Oktober. Äie die BRfter ans München -melden, teilt' bas 'bayrische 'StaatskomMssaviät^ MtC} 'Die vielfach umlaufenden Gerüchte, daß der'Konflikt zwischen Bayern und dei Reichs'regi'e'ru.ng durch V-ermittlung -beseitigt -werden soll,. «werden-von -Kahr dahin beantwortet, daß -er jedes B e r h a n dein ist dieser Sache -mit der gegenwärtigen Reichsrcgieru ng a'blehne... .. Die Zudenausweisungen aus Baherv. München, 25. Oktober. (Südd.. Korv.-Bur.) Miß der -^Völkische Beobachter" erfahrt, -sei mit' der AuH we isuug dex Ostjuden Ms Bayern begonnen worden. Gine ganze Anzahl von OZstj-U^y' .hgh.e bereits /dey -WS- .weisu-ntzsHefeht erhalten., Dets Blatt' fordert,- .daßdas Vermögen der Osijn-den restlos« be s ch Ha gn a h, m t tveptze. - Zu diesen Judena.u.sHei-sH-Meifc.'.! „München-Augsburger AbLndzeitupg", 8« AnAyMuug ha«be nicht nur Inden, son^rn a^ch aydere 'Isländer getroffen. Das Blatt erfährt, weiter,- dq.ß. für Pgyern sehr' drakonische MDmhmech darunter die T-odeÄstva'tz,. zur Bekämpfung des Wucher--Md 'SchiÄevweschS in. Ahrssicht genommen seien. . . , . .. Generalstreik in Oberschlesien. HindenSurg, 26. Oktober. Eine - gestern abends in Zabrze abgehaltene Betriebsräte- und Vertvauensmännerkonferenz der ob^rschlesischeu Gewerkschaften hat einstimrgig -den Generalstreik in den Gruben -beschlossen. Die Streikbewegung in Deutsch-Oberschlosien - hat be» ve-its - auf P o'l n i s ch D b e rs ch l e s i e n ü berge g r i f f e n; doch' ist eintgrößere Ausdehnung bisher durch die polnischen Behörden, die einen Teil der Gewe-rkschaftsführer verhaften ließen, verhindert worden. Der Streik in Mitteldeutschland wird ein» Die Koalitionsparteien gegen den bayrischen 'Separatismus. Berlin, 26. Oktober, Wie das „Berliner Tageblatt" meldet, hielten gestern die Führer der Regierungsparteien eine'- Besprechung^ über die innevpolitische Lage ab. Die Aussprache ergab die völlige Uebereinstimmung all e r K o,a 1i ti o n ß Pä y-s« i e n mit der H all u n g dar-8t*jch-regierang in dem Konflikt mit Berlin, 26. Oktober. Die ArbeitgeberveMnde und die. Gewerkschaften des mitteldeutschen Braunes h -l e n r e v i e r § haben über die strittigen. Lchnftägeu und den Abbruch -des Streiks teils durch Schiedsspruch, teils durch Vereinbarung cine Regelung getroffen. Die beteiligten Gowechchaften werden in ihren Bezivksvevsammlungen die WiederaufnahM der Arbeit empfehlen. Kein Streit in Frankfurt. Frankfurt am Main, 26. Oktober. In den heute gehaltenen Versammlungen haben sowohl die Gewertfchaftskartelle als auch' die sozialdemokratische Partei be- .fchlossen, jeden örtlichen Generalstreik ahzulehnen. Dagegen versuchten die Kmnmumsten, den Streik mit Gewaltdurcktzpführen. Sie habe gegen Mittag die Straßenbahnwagen angehalten und die Passagiere gezw«ungen, die Wagen zu verlassen. Ein BersuG in das B ö r s e n g e b ä n d e e i n z n d rin g e n, wurde von der Polizei veMtelt. Die G e s ch ä f t e sind fast durchwegs geschlossen. Berlin, 26. Oktober. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Die Börse in Frankfurt am Main ist-heute von K omm u niste n g e st ü r m t worden. Es' gelang ihnen zwar nicht, in die Börse eintzud^ingen, aber-sie marschierten dicht vor den-Eingang, so daß es unmöglich -war, in die Börse hinein- oder ans: ihr - hewuszukommen. Die Polizei bemüht sich, die Kommunisten vom Börsengebäude abzudrängen. Hundefleisch Zwei MiMavden. München, 26. Oktober. Nach der „Bayrischen Stqatszsitung" wurde heute in einem Geschäft am- Biktualieninarkt H u n de fl e i s ch das Pfund zu zw e i- M i l» liarde-n und ein Pfund Hundefett ju acht Milliarden angchoten. Cm Pfund Butter kostete zw e iundzwanzig Milliarden, zwei Eier >eine Milliarde.-

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