Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1686 (24.10.1923)
- Date
- 1923-10-24
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1686 Mm, MWo'H Truges schuldig, ^n Verhör erzählt der AngeLlagte, daß ec, al8 er noch iw Tafe Cap na beschäftigt war, die Bekanntschaft des Herrn Ferber gemacht habe und durch die Permittttmg des Sekretärs des Herrn Ferber am 1. Juli 1922 ins Cafe Atlantis gekommen sei. Er habe Freiwirth als seinen Chef betrachtet. Er sollte als Vertrauensmann ynbers int Cafe Atlantis fungieren. Als ein neuer Chef kommen sollte, meinte Freftvirth, daß die Regien die Zalstung der ganzen Abgaben nicht vertragen. Bors.: Sind Sie nun mit Herrn Frei« tvivth darauf zu sprechen gekommen, wie die Sache gemacht werden soll? - Augekl.: Ja, er sagte, man müsse 20 bis Zy Prozent weniger satteren von der Losung, und ich habe dann gemeint, dann müsse man Mi Kassabogen machen und zweierlei Bücher führen. — Bors.: Wann haben Sie mit dieser Manipulation begonnen? — Angekl.: Ende September 1026. Der Angeklagte schildert die geschäfMche Gebarung int Kaffeehaufe selbst und bemerkt, daß die richtige Buchführung NS zu dom Augenblicke fortgesetzt wurde, da das Stemrbekenntnis fällig war. Erst dann wurden in dem zweiten Buch die unrichtigen Eintragungen konstruiert. — Bors.: Wie tonnten Sie als alter Buchhalter zugeben, daß das Kassabuch mit dein tatsächlichen Kassastand nie übereinstimmte? — Angekl.: Ich halbe mich ja dagegen gewehrt und endlich eim'S Tages erklärt, daß ich nicht mehr unrichtige Eintragungen vor-! nehmen wolle. Aber der Herr Freiwirth erklärte darauf, man könne auf die unrichtigen Eintragungeil nicht verzichten, das gehe unter keinen Umständen, weil das Geschäft sonst zu wenig abwerse. Unter großer Spannung wird als Zeuge der städtische Finanzreferent Hugo Brcitner aufgerufen und gibt an: Am 16. März erschien bei mix Dr. Zeisel in Begleitung eines ziveiten Rechtsantvaltes und machte mir die Mitteilung, ein Unternehmen, das der Luxussteuer unterliege urtb bei dem ihr Klient, dessen Name nicht genannt wurde, als Konzessionär beteiliigt sei, habe sich ohne Borwisscn dieses Konzessionärs große Hinterziehungen zu schulden kommen lassen. Es wurde das Ersuchen gestellt, daß die Gemeinde keim Schritte unternehme, die diesern Konzessimmr zum Schaden gereichen. Das wunde unter der Voraussetzung zugesagt, daß erstens bisher keim Anzeige der Untersuchung vorliege und zweitens, daß der Auftraggeber in feiltet* Weise an diesen Manipulationen beteiligt sei, oder von ihnen auch nur gewußt habe. Daraufhin wurde der Name des Unternehmens, das Cafe Atlantis, genannt. Herr Aczel hat auf das Eindringlichste immer wieder erklärt, daß alles korrekt sei. Fuchshulber ^hat ausdrücklich erklärt, daß es über Veranlassung des Herrn Freirvirth geschehen sei, der Vertrauensmann des Ferber im Betriebe war. -Sodann wird der Angeklagte Buchhalter Fnchshnber vcrnonnnen. — Vors.: Bekennen Sie sich schuldig? — A ng e kl.: Ich bekenne .mich der TathaMung schuldig, aber nicht -des Betruges. Der Angeklagte schildert die geschäftliche Gebarung im Kaffeehaus seklibst und bemerkt, daß die richtige Duchführnng bis zu dem Augenblick betrieben wnvde, als das S t u e r b e k e n n t n i s f ä >l I i g war. Erst dann wurden in einem zweiten Buch die unrichtigen Eintragungen konstruiert. — Bors.: Wenn eine Revision gekommen ist, wer hat die Bücher vorgelegt? — Angekl.: Ich habe die Kassattsten. vorgelegt. 9ki' einmal hat der Beamte in die Bücher selbst Einblick genommen. — Bors.: Natürlich in die gefälschten. — Der Angeklagte Max Aegel bekennt sich weder des Betruges, noch der Steuerhinterziehung schuldig. In gebrochenem Deutsch schildert er den Abschluß des Kontraktes mit Ferber. Im Kontrakt war die Einsetzung eines Vertrauensmannes ausbednngrn und für die nächsten drei Monate Freiwirth als solcher bestellt. Weinend erklärt der Angeklagte, er halbe im Geschäft 60 Millionen investiert in der Erwartung, es werde ihm, wie einige Male in Budapest, gelingen, ein damederliegend^'S Unternehmen in die Höhe zu bringen. In den Büchern habe er sich nicht ausgekannt. Einen Auftrag zu ihrer Fälschung habe er nicht gegeben. Der Angeklagte Freiwirth erklärt sich ebenso wie der Angeklagte Ferber für nicht schuldig. Sie hätten keinerlei Dispositionen getroGen. Am Nachmittag wurde zunächst der Magistratsoiberkommissär vernommen, der die erst een Verhöre in der Ste-uersache .geführt hat. Auf die Frage eines Verteidigers, llva-vum di« Sache nicht im Magistrate behandelt wuöde, beantwortete der Zeuge, weil der Verdacht eines Betruges nahe lag. Die Frage, ob das die Ansicht des Rathauses sei, daß dieser spezielle Fall einen. Betrug beinhalten könne, schnitt der Vorsitzende mit der Boinerckung ob, darüber zu urteilen sind nur die Gerichte kompetent. Die Verhandlung wird heute zu Ende geführt. . Ein säumiger Zahler. Der Privatbeamte Max F. hatte sich denn Strafbezirksaericht 1 auf Grund einer Anzeige des Augen» arzteZ Dr. Teich gegen eine eigenartige Betrngsanzeige zu rechtfertigen. Der Beschuldigte war an einem Feiertage in der Privatordination des Dr. Teich erschienen, um sich einen Splitter aus dem Auge entfernen zu lassen. Er versprach dem Arzt, das verlangte Honorar von 40.000 K. binnen 24 Stunden zu überbringen, da er momentan kein Gold bei sich habe. Der Arzt entfernte den Splitter aus dem Auge, Ivartete jedoch vergeblich auf die Bezahlung des Honorars. Nachdem mehrerer: Wochen verstrichen waren, ohne daß Dr. Deich sein Honorar bekomnten hatte, erstattete er.gegen den Patienten bei. der Polizei die An« rcige, die zur Erhebung der Betrugsankläge gegen den säumigen Patienten führte. In seiner Anzeige erklärte Dr. Teich, daß er int Interesse seines Standes die Anzeige erstatten müsse und es nicht einsehe, warum Aerzte anders behandelt iverden sollen als Wirte, denen ern Gast die Zeche schuldig bleibt. Der Angeklagte erklärte vor Gericht, daß er oem Arzt das Honorar bereits zwei Tage nach der Bisitc brieflich eingesendet habe, daß aber der Brief, den er leider nicht rekommandiert, habe, verloren ge« gangen sein müsse. Er habe dann sofort, nachdem er von der Anzeige Kenntnis erlangt habe, den Betrag von 40.000 K. dem Dr. Teich mittels Postanweisung geschickt. Der Richter sprach den Angeklagten mit der Begründung frei, daß seine Verantwortung, er habe dem Arzt das Honorar brieflich geschickt, zwar nicht recht glaubhaft, aber immerhin nickt wrderleat sei. Menee Morsenzeitrmtz. »ollswirt. Eeftempelte Krone — 0.0079 Centime«. Auszahlung Wien ----- 0.0078°/. Centimes.; In Zürich notierte bse österreichische Krone . ' . 28./10. o,bo78»/4 22./10. 0.0078'/. die österr. gestempelte Krone , * . . 0.0079 0i0079. die tschechisch^ Krone . . . , . . . 16 B7VS 16.62'/, die Mark. . . . . gestrichen gestrichen Holland >»»«»»»« , . . *11.8.50 218.75 New-Nork. , , . . 861.- 560.25 London.. . . . . 25.21 25.26 Pari- ........ . . . 32.25 32.92 Mailand ........ . . . . 24.85 25.12 Belgrad.. , , . . 6.87'/, 6.86 Bukarest . . . . . .V. . . . . 2.67 2.60 Sofia > » » » . .... .. . . . 6.35 5.35 Budapest.* , . . 0.0805 0.0806 Warschau ...... . . . . . 0.0005 0.0006 Mrlschoftsnachrichte« aus Polen. Bösel und die Warschauer Kreditbank. Warschau, 20. Oktober. (Polnische Stimmen.) Polnischen Blättern zufolge verhandelt Bosol in Warschau wegen Erwerbung der Majorität der Aktien der Warschauer Kreditbank. Die Aktion wird von Korfanth unterstützt. Beratungen der Vertreter des polnischen Bankenverbandes. Warschau, 23. Oktober. (Polnische Stimmen.) Die Vertreter des polnischen Bankenvevbandes berieten in einer Inferenz über die gögenwärtige finanzielle Situation in Polen und die durch sie verursachten Schwierigkeiten in Industrie und Handel. Die Ergebnisse der Konferenz iverden in Form einer Denkschrift dem Finanzminister und dun Handelsmmister überreicht werden. Konferenzen der polnischen Textilindustrie mit der Regierung. Lodz, 23. Oktober. (Polnische Stintmen.) Die Vertreter sämtlicher Textilverbande in Polen verhandelten gestern mit dem Handelsminister in Sachen der Kredit erteilung für die polnische Textilindustrie und einer den Bedürfnissen dieser Industrie angemessenen Zuweisung von Devisen. Der Minister versprach, den Wünschen der Delegierten Rechnung tragen und eine Revision der Kreditpolitik des Handelsministeriums vornehmen zu wollen. Die Regierung müsse aber andererseits die Aufvechterhattlmg der vollen Betriebe in den Fabriken fordern. Kredite für staatliche Getreideernkaufe in Polen. Warschau, 23. Oktober. (Polnische Stimmen.) Der. Fmantzminister KucharSki hat angeovdmt, daß hem Er-- , nährungsamt in Posen ein weiterer Kredit von 60 Milliarden Mar? flüssig gemacht werde. Der Kredit ist für Ankauf von Getrieidevorräten' beftimint. Mrtschaftsnachrichte« aus Rußland. Russisches Getreide für England. 8*. Oktober 1923 Zahlungsmittelknappheit in Sowjetrußland. Im Zusammenhang mit dem erhöhten ZahlungSmitKr« bedarf für die Realisierung der neuen Ernte in Sowjetrutzland ntacht sich in der Provinz wieder eine starke Zahlungsmittelknappheit bemerkbar. So wird gleichzeitig aus dem Gouderm« ment Orjel, dem Ural und ans den mittleren Wolgagebieten gemeldet, daß für den Handelsverkehr infolge Mangels an Zahlungsmitteln große Schwierigkeiten entstehen. Aus Ssamara wird u. a. gemeldet, daß die Tscherwoneznoten der Staatsbank nur mit Mühe und gegen besondere Zahlung in Sowjetrubel eingewechselt werden. Der Umstand, daß in etwa der.Hälfte des Sowjetgebietes die Landwirtschaftssteuer nicht mehr in natura, sondern, zur Hälfte in Geld zu zahlen ist, erhöht den Bedarf an Zahlungsmitteln ganz «erheblich. Die sich im Umlauf befindliche Zahlnngsmittelmenge, die ihrem realen Werte nach nur einen geringen Teil des BorkriegsgeldumlaufeS darstellt, wird von der russischen Wirtschaftspvesse als unzureichend bezeichnet. Clearlngfeme der Österreichischen Natlonalbank vom 23. Oktober 1928. Devisen (Scheck* und Auszahlungen) Amsterdam f. 1 holl, dulden . Agram 1 just. Kronen .... Belgrad I Dinar . Berlin* 1 deutsche Reichsmark , Brüssel. 1 belgische Francs . . Budapest 1 ungarische Kronen . Bukarest t Lei. Christlania 1 norweg. Kronen , Kopenhagen I dänische Kronor . London 1 Pfund Sterling . . , Madrid t Pesetas ...... Mailand 1 Lire . . . . ,,, New York 1 Dollar Paris 1 Francs Prag 1 tsehecho-slow. Kronen , Sofia 1 Lewa . , Stockholm 1 sehwedlscheKronor . Warschau«4 1 polnische Mark. , Zürich 1 schweizerische Francs , Noten Amerika». Noten v. S Dollar aufw, „ . kleinere . . , Belgische Noten 100 Francs . . Bulgarische Noten tu 1000 Leva . » , 100 , , » . kleinere. , . Dänische Noten 100 Kroner . . Deutsche Noten xu 1000 Mark. . ■ » » 100 » . . , . kleinere.... Engl. Noten von 5 Livrest. aufw, „ * kleinere . . . . . Französische Noten 100 Franca . Holländische Noten 100 dulden . Italienische Noten v. 100 Lire aufw, » kleinere . . . Jogosl, Noten ungest. zu 1000 Dinar > » . 100 , „ ■ . kleinere . , Norwegische Noten 100 Kroner . Polnische Noten v. 500 Mark aufw, , , kleinere.... Rumänische Noten zutOOOu, 500Lei , » kleinere . . . Russ. Noten (Roman.) zu S00 Rubel » m * i» 100 . . » , ' kleinere . . Schwedische Noten 100 Kronor » Schweizerische Noten 100 Franca, Spanische Noten IOO Pesetas . . Tschechp-slow. Not. v.lOOQaufvv. „ „ kleinere Ungar, Noten (neue Ern.) zu 1000Kr. . . zu 10.000 Kr, . . . . . kleinere. Geld Zinsfuß 4 27650— 6 860— 860— 0.0t2 3494— 3.80 339.- 10680.- 12280,- 6 8 4‘f« 6 6 5 Ware Geld Watt 27750— 21750.- 27850— ■ 884— 858— 862— 864— 858— 862.- 0.0146 3506.- 0.014 0.018 3594— 3006.— 3,90 341.- 3.80 343,- 10720.- 10780.- 12320.- 12180.- 3.90 345.- 10820,— 12220.- 5 „ __ 3 318204- 3i920Ö;-3jÄ- 320000.- 5*/. 9330.- 9370,- 9460,- 0500.- 6 3144.- 3156,- 3164— 3178.- 4 70935.- 71185.- 70935,- 71185,- 5 4042.- 4058.- 4152.- 4168— 5 2107— 2117— 2107— 2117— 7«A 082— 686,- 680— 684— 41/, 18470— 18530— 18520— 18530— 6 300— 400.—+ 430— 530— 3 12625— 12675— 12655— 12705— 70«0.> 76560— 70960— 8K 70460— 70860— 3450— 3480— 3550— 660— 668— 658— 640— 648— 638— 12130.- 12210— 12030— 0.010 0.014 0.013 0.0095 ojöiü 0.012 316400— 318000.- 317200— 316200.- 317800— 317000— 3995— 4025— 4105— 27450— 27650— 27550— 3110— 3130— 3130— 3090— 3110— 3110— 852— 858— 847— 842— 848— 837— 10550— 10630— 10650.- 300— 400— 430— 250— 350— 380— 333— 337— 337— 313— 317— 317— 18260— 18360— 18310— 12510— 12590— 12340— 9210— 9290— 9340— 2089— 2105— 2989— 2084— 2100— 2084— 2.35 2.55 2.35 "aS also 2*.30 0.019 0.018 2.55 2!S0 * Für 10.000 Mark, ** für 10.000 poln. Mark. § SpannungSÜßderung. •j- Aus AuSlcmdSabgaben nichts, von den übrigen bloß 70'/, übernommen. __ London, 22. Oktober. (Tel. der „Wr. Movgenzeitung".) In Londoner Finanzkreisen ist bekannt geworden, daß hier ein Syndikat gegründet wurde, an loelchem sich die russische Ge-, Werkschaftsunion und die sowjetstaatliche Getreideexportgesellschaft einerseits sowie englische Getreidehandelsfirmen, Schifistransportunternehmungen und Finanzinstitute andererseits beteiligen. Dieses Syndikat wird den von der Sowjetvegientng organisierten Export von Weizen oüs Rußland nach England vermitteln. Das als Zahlung für den WeiM erlegte Geld wird in Englandbleiben, da die russischen Gesellschaften dafür in England für Rußland nötige Bedarfsartikel einkanfen werdet!. Dieser Syndikatsbildnng, hinter der die finanzielle Stütze der meisten Londoner Bankiers steht, wird große Bedeutung beigemessen, da durch den Vertrag eine starke Belebung des Handels mit Rußland erloartet wird. Es wird auch behauptet, daß ein ähnlicher Syndikatsvertrag in Paris geschlosien werden soll,.,wo sich jetzt er russische wirtschaftliche Emissär Scherlrm a nm befindet. Dadurch würden die offenen Handelsbeziehungen der Alliierten mit Rußland angebahnt werden. Schwierigkeiten bei der russischen Holzausfuhr. Der. Leiter der zentralen Fvrstverwalttmg und des nördlichen Holztrusts Dagnischewski teilt in der ,Monornitsche8ka>ja Shisn" mit, der nördliche und der Petersburger Hölztrust („Sseweroljetz" und „Petrojeß") seien in den letzten zwei Monaten auf Schwierigkeiten beim Verkauf von Holz im Ausland gestoßen. Die gegenwärtig ungünstige Konjunktur für die russische Holzausfuhr sei einerseits durch einige Umstände von vorübergchender Wirkung bedingt, wie beifpielsweise der engftsch-russische Konflikt im-Frühjahr, der di« Holzinrporteure zu Angstkäufen in Schweden und Finnland veranlaßt habe, die Ruhrbesetzung, der Streik dex Do^karbeiter in England usw., andererseits aber auch durch die scharfe Konkurrenz von Lettland, Polen, der Tschecho-Slolvakei und Rumänien. Die letzten drei Lander seien in der Lage, auch beim Transport ihres Holzes auf den! Landivege das russische Holz zu unterbieten, da sie niedrige Eisenbahntarife und niedriges Stammgeld haben. Auch Finnland und Schiveden hätten ihre Holzpreise herabgesetzt. Es! sei daher möglich, daß die ungünstige Konjunktur für die russische Holzausfuhr sich noch weiter verschlimmern und die Lage der Holztrusts eine schwierige werden könnte. Ein Ausweg müsse indessen nicht auf dem Wege der Einschränkung der Produktion, sondern der Senkung der hohen Eisenbahn- und Flußschiffahrtstarife und des StommgeldeS gefunden werden. Auch müssen den Holztrusts größere Kredite als bisher zur Verfügung gestellt . werdeir. , Der Wiener Geldmarkt. Auf dem Wiener Geldmarkt ist auch gestern die Situation unverändert gewesen. Wochengeld für das laufende Arrangement wurde mit etwa 0,37 Prozent taxiert. Mißhelligkrtten zwischen der Bodenkreditanstalt und der Kreditanstalt? Gestern wurde an der Börse das Gerücht verbreitet, daß es anläßlich des Uebertrittes des Gencraldvrektors Weiner von der BodenkredHiianstalt zur Kreditanstalit zu tiefgehenden Differenzen zwischen beiden Instituten gekommen sei. Dieses Gerücht wurde trotz oMiellcr Dementis ununterbrochen aufrechterhatten. Allerdings ist es im Wiener Bankwesen nicht allzu oft vorgekomme-n, daß ein Würdenträger, der nach gewissen Differenzen von dem einen Institute scheidet, sofort in das andere Insti--. tut übernommen wird. Der Eindruck, daß es sich um eine Spitze handelt, kann dadurchleicht erweckt loerdcu. Ei« AufnahmSverweigemng der Wiener Börse. Aus Börsenkreisen wird uns geschrieben: Gestern wurde an der Wiener Börse eine Angelegenheit besprochen, die auch außerhalb derselben Beachtung verdient. Dem ungarischen Industriellen Matthias Lvbl, welcher vor einiger Zeit ein Bank' Haus in Wien errichtet hatte und um eine Börsenkartie einreichte, wurde die Aüftiahme in die Börse vom Kartenkomitve verweigert. Ms Ursache dieser GesuchsablchnuNg wurde angegeben, daß dies aus Reziprozitätsgründen geschehe, da Ungarn ebenfalls österreichischen Staatsbürgern die Aufnahme in die Budapest er Börse verweigere. Es ist merkwürdig, daß dieser Standpunkt jetzt gerade eingenommen wird, wo doch bisher zieinttch viele Ungarn Einlaß tu die Wiener Börse gefunden. Infolgedessen wurd^ van einzeluen Borseidmitgliedern eine andere Ursache vermutet. Der Gefuchstellcr hat sich in einzelnen Generalversammlungen, besonders des Wiener Bankveremes, »st in einer den Verwaltungen unangenehnien Weise bemerkbar gemacht. Er soll auch mit einem Würdenträ^ger der Börse manigfache Zusammenstöße gehabt haben. Es wird nun von einzelnen Börsianern erklärt, daß hier die Nnimosrtäl dieses Würdenträgers der Börse vorli-ego und man förmlich den oberivähnien Grund au den Haaren berbeigezogen habe. Ms dieser Würdenträger wird Präsident P o p p e r - A r t b e r g genannt. Die Afiär« des Länderbankprokuristen Wille. Bisher ist von den Gläubigern gegen Wilke, den fm-heren Börsendisponenten der Länderbank, keine Strafanzeige eingelaufen, weil keine der Gläubigerfirnum den Mut hat, sich offen zu deklarieren. Es wurde wohl von einer Seite versucht»' /den Fall Wilke zu beschönigen und so darzustellen, als ob'