Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1683 (21.10.1923)
- Date
- 1923-10-21
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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«Trtt 1t» WM, SonMtz Wiener Morgenzeitung. 21. Oktober 1923 Nr. 1688 * Man steigt nach. Gestern abends erregte eine Straßen« fzene an der Ecke der Nußdorferstraße und Sechssckimmelgasse großes Aufsehen. Die Näherin Adele Riedel ersuchte den Rayonsposten, sie vor den Zudringlichkeiten eines Mannes in Schutz zu nehmen, der sie fortgesetzt belästige. Der Sicherheitswacheöeamte forderte den Mann auf, sich auszuweisen, doch er weigerte, sich, weshalb er für arretiert erklärt wurde. In diesem Augenblick griff der Mann nach dem S übel des Wachebeamten und wollte ihm die Waffe entreißen. Dies konnte der Wachmann .verhindern, er vermochte aber nicht, den Arretierten vom Platze zu bringen. Nun kamen ein zweiter Wachmann nyd einige Pas. fanten chm zu Hilfe. Als ein Straßenbahnzug der Linie 38 ein» fuhr^ versetzt« der Mann dem Wachebeamten einen Schlag in die Seite, baß dieser zur Seite taumelte und sprang dann auf den Beiwagen, um zu flüchten. Er konnte aber mit Hilfe von Fahrgästen und Passanten vom Wagen und schließlich unter großem, Aufsehen zum Kommissariat gebracht werden. Der Mann ist der Schriftsetzer Viktor Spiegln, der bereits wegen eines großen Exzesses an der Roßauerlände mit 14 Tagen Ar. rest bestraft ist. * Erweiterung des Telephonverkehrs nach Ungarn. Vom 20. d. an wird der Fernsprechverkehr zwischen Wien und sol« genden ungarischen Orten zugelassen: Magyarovar, Moson, Hegyeshalom, Cseprog. Eszterhaza', Kapuvar und Bük (Sprech. gebühr für die Einheit des gewöhnlichen Gespräches derzeit 18.000 K.); Acs. Szent Gotthard und Körmend (21.600 K.). * Beginn der Ausgrabungen in der David-Stadt In der kommenden Woche sollen die Ausgrabungen in der David. Stadt auf dem Berge O p h e I beginnen. Die zu diesem Zwecke ausgerüstet« -wissenschaftliche Expedition ist von dem Palestine« Exploration-Fund (Forschungsfonds für Palästina) sowie von der Londoner Zeitung „Daily Telegraph" organisiert worden. Es, wird erwartet, daß die Ausgrabungen zur Auffindung der Gräber der alten jüdischen Könige führen sowie andere wichtige Entdeckungen aus der Epoche der Könige David und Salomo bringen werden. Als Leiter der Ausgrabungsarbeiten ist in Jerusalem Prof. Moralisier,' ein Dublin er Archäologe, eingotroffen. (I. C. B.) Kleine Chronik. ,— Die jüdische Gemeinde in Alexandrien. Dem soeben erschienenen Jahresbericht der jüdischen Gemeinde in Alexandrien, (Aegypten) ist zu entnehmen, daß die dortige Judengemeinde in den letzten Jahren eine erfreuliche Entwicklung ourchaemacht hat. Jeder Jude in Alexandrien, der das 21. Lebensjahr erreicht hat ist verpflichtet, einen Jahresbeitrag von zumindest 100 Piaster zu entrichten, wodurch er Mitglied der jüdischen Gemeinde geworden ist. Diese Jahresbeitrage sowie die Ergebnisse verschiedener Sammlungen, Spenden und Widmungen werden gemeinsam verwaltet und dienen zur Errichtung und Erhaltung von jüdischen Krankenhäusern, Freischulen, Friedhof, der Kostenbedeüung der Kinderdas daraus entstanden ist, daß in dem.genannten Jahr infolge der verworrenen Zustände im neuen Orient und der gesteigerten Durch Wanderung nach Palästina die Budgetpost für Wohllätigkeitswesen und soziale Fürsorge in höherem Maße belastet wurde, als der Vorstand angenommen hatte. Laut dem Bericht hat es im Jahre 1922 in Alexandrien 26 000 Juden gegeben, hingegen hat die Bevölkerungsbewegung in diesem Jahr ein starkes Defizit auszuweisen. Es wurden 153 Geburten, hingegen 384 Todesfälle und 244 Eheschließungen registriert. Im jüdischen Spital wurden in derselben Zeit 694 Fälle behandelt. Die jüdische Gemeinde hat auch eine Pro-Palästina-Kommission gegründet, deren Aufgabe es ist, Fonds zur Förderung der Kolonisation m Palastma zu sammeln. Das Mische gesellschaftliche Leben hat sich in den letzten Jahren m Alexandrien sehr vertieft, was auch auf das jüdische Leben in den übrigen Teilen Aegyptens nicht ohne Wirkung geblieben ist. (Die Gemeinde ist durch das vor kurzem erfolgte Ableben ihres Rabbiners, Profd eIIa Pergola, welcher in blühendem Alter einem tückischen Leiden in seiner Heimat Florenz erlegen ist, betroffen worden) — Eine neue Krankheit. In Amerika ist eine neue Krank, heit ausaetauchl, die den Aerzten nicht geringes Kopfzerbrechen verursacht. Man hat ihr den Nomen „T e u f e l s g r r p p e" (Tevil's grippe) aeoel-en, obwohl sie mit der echten Grippe nichts zu tun hock. Der Haupthcrd der Seuche ist 'Washing'.'n, Sie überfällt den gesunden Menschen blitzschnell und zeigt vom ersten Augenblick an Symptome, die sofort eine einwandfreie Diagnoiie gestatten. Sie setzt mit Appetitlosigkeit und Schüttelfrost ein, dem sich bald heftig!: Kopfschmerzen, Schwindelanfalle und Erstickungserscheinungen zugesellen. Bemerkenswert ist dabei, daß die' Muskelstrange des Unterleibes steif werden, fo. daß die Reflexe ausgeschaltet sind. An sich ist die Krankheit von geringer. Bedeutung; sie verläuft nie tödlich, hinterläßt keine Nachwirkungen und ist in drei, höchstens vier Tagen überwunden. Sie befällt fast ausnahmslos Personen unter zwanzig Jahren, und man hat an alten Leuten Krankheitsfälle bisher nicht beobachtet. Die Aerzte behandeln die Patienten ohne Medikamente und beschränken sich darauf, sie auf eine strenge Diät zu setzen. — Ei« Volk, das nicht bis drei zahlen kann. Es gibt ein Volk auf der Erde, das im wahrsten Sinne des Wortes nicht bis drei zählen kann. Es sind dies die, B o t o k u d e n, das auf tieffter Kulturstufe stehende südameMamsche Jndianervolk. Die Botokuden besitzen tatsächlich nur zwei Zahlwörter, nämlich m o k e n a m für die Zahl eins und muhu für jede über eins, gleichviel wie groß sie fft. Während es vielleicht sehr schwer sein möchte, Kants .Kritik der reinen Vernunft" ins Botokudische zu übersetzen, hat es hiernach kein« Schwierigkeit, unser Einmaleins von „einmal eins ist eins" an bis hundertmal hundert ist zehntausend" oder noch weiter ins Botokudische zu übersetzen. Die Uebersetzung würde mit „mokenam mal mokenam ist mokenam, mokenam mal muhu ist muhu" beginnen, und daraus würde eine fortschreitende Wiederholung der inhaltschweren Regel „muhu mal muhu ist muhu" das heißt „viel mal viel, ist viel" folgen müssen. Ob nickt unsere Kinder, die das Einmaleins lernen, die botokudischen Kinder benecken werden, wenn sie hören, oaß das Einmaleins nur aus drei Gedächtnisregeln besteht? — Originelles Notgeld. Einen originellen Hunderttausendmarkschein hat die Stadtgemeinde Vöhrenoach in Baden ausgegeben. Dem Schein ziert die Ansicht vom Linacher Kraftwerk, die von folgendein zeitgemäßen 1 Spruch umrahmt ist: „Einst knauserten wir mit Mennigen uiid waren reich im Haus, jetzt Wersen wir mit Millionen um und sind arm wi>e eine Kirchenmaus." — Eine praktische Einrichtung. In Brüssel Ist jetzt eine originelle Einrichtung getroffen worden. Dort kann sich nämlich gegen einen geringen Betrag jeder Belgier in eine Gesellschaft aufnehmen lassen, die überall in den Tabakaeschäften Schirme zur Benützung der Mitglieder hinterlegt. Wenn es regnet, begibt sich der Abonnent in den nächsten Zigarrenladen, wo ihm gegen eine Marke ein Schirm ansgehändigt wird, den er nt jedem beliebigen Zigarrengeschäst wieder zurückgebcn kann. - Eröffnung des jüdischen Röntgeninstituts in Warschau. i;n Warschau fand dieser Tag« di« feierliche Eröffnung des auS den Mitteln des Joint und unter Mitwirkung der jüdischpolnisch^nwdizini-schen Gesellschaft „Tos errichteten Röntgeninstituts statt. Das Joint hat für die Führung des Instituts über 100.000 Dollar zur Verfügung gestellt. Im Verlauf« seiner dreijährigen medczinisch.sanitären Arbeit in Polen hat das Joint in bar und in Medizinalien weit über eine Million Dollar verausgabt. <J. C. B.) — Zwei' Halbe machen ein Ganzes. Wie Londoner Blätter melden, haben sich zjwei Spengler, von denen einer im Kriege den rechten, der andere den linken Arm verloren hat. zwecks gemeinsamer Ausübung ihres Handwerks zu einer Arbeitsgemeinschaft verbunden. Die eigenartige Form dieser Arbeitsgemeinschaft hat sich auch durchaus bowährt und funktioniert zu gegenseitiger Befriedigung der Teilnehmer so ausgezeichnet, daß die Spenglerfirma als eine lebendige Bestätigung des Satzes gelten darf, daß zwei Hälften ein Ganzes bilden. — Ein eigenartiger Aberglaube ist in Japan zu Hauke. Dort meidet jeder ängstlich, sich auf den noch warmen Stuhl eines anderen zu setzen. Derartig „angewärmte" Sitzplätze sind ja auch in Europa nicht beliebt, allein in Japan aus einem anderen Grunde: Man glaubt nämlich, daß man allen Kummer und alle Sorgen se'.neS Vorgängers, eigentlich Vorsitzers, übernehme, wenn man den noch warmen Stuhl eines anderen benützt. Und da auch in Japan jeder an seinen Sorgen genug zu tragen hat, so hütet man sich davor und klopft zur größeren Sicherheit erst mit dem Fuß an den Sitz, womit der Zauber unwirksam und der noch warme Sitzplatz unschädlich ge. macht wird. (Nachfolgende Notizen bis zu der Rubrik „Vereine" sind entgeltlich.) * Teppichhau» Weitzner» Vi.# Mariahilferstraße 105, kommt bei Einkauf von Teppichen, Decken, Vorhängen usw. in allererster Linie in Betracht. Vorzügl. 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Bez., Wallgäffe 4, und äußerte sich über den modernst eingerichteten und großartig funktionierenden Betrieb besonders lobend. * Alle Hausfrauen rufen im Chor: „Die beste Seife ist Kagor." DOROTHEUM Versteigerungs-Einteilung fUr 14 Tage Feder wühle im eigenen Interesse bei (Hnliiitfeu Dos Warenhaus Brüder Schlffmann. Infolge Vergrößerung der Geschäftsräume gelangen im Kaufhaus Brüder Schiffmann, 2. Bez., Taborstraße 48, Waschwarev, Damen- und Herrenwäsche, ferner Leinenwaren, Bettwäsche, Regenmäntel sowie original englische erreicht billigen Preisen zum Verkauf. Nachstehend einige Beispiele: 8.800 K. Prima Webe. pro Meter 11.000 K. „ Chiffon. 12.000 K. 8.800 „ „ Streifgradl...... 14.000 „ Bettzeuge.. . 12.000 K. 9.800 „ Bettücher, 1.40 Zentimeter breft 0 ' , 19.800 . Matratzengradl....... 0 ■ 28.000 „ Blaudruck .. 9.800 _ Etamine in allen Farben . . . n 7.900 „ Damenhemden. . . . 25.000 A. 19.800 . Damengarnituren (dreiteilig) . . . 98.000 . 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Halb 8 Uhr Meiner Saal): Franz Schubert und seine Freunde. Halb 8 Uhr (Kurssaal): Univ.-Prof. Doktor Wiktor Grafe: Die narkotischen Gifte. 2. Halb 8 Uhr (Klnbsaal): Heia Kosani: Rezitationsabend. * Sine bekannte Tatsache ist es, daß man Schafwollstofie, nur Qualitätsware, für Damen und Herren am besten und billigsten bei der soliden Tuchsirma Artur Baß, 1., Steindelgasse 3, einkaust. Kleinste Regie, kleiner Nutzen. Freie Besichtigung ohne Kaufzwang. * Nur wir allein bringen für den Herbst vorzügliche Herren- und Damenstoffe modernster Art, infolge kleiner Regien, zu den billigsten Preisen. Kann u. Fried, 6. Bez., Linke Wrenzeile 40, nn Hofe. * Brillen, Zwicker und optische Gläser aller Art kaufen Sie bestens im Spezialgeschäft A. Kohn, 20. Bez., Jägerstraß« 38. Fachmännische Behandlung. Mäßige Preise. Reparaturen sofort. * Jeder gute Jude wählt Schuhhaus Willy, 6. Bez., Pilgramgaffe 6. Straßenbahnlinie 9,13, 61, 63. * Gott sei Dank — Wissotzkh-Tee ist wieder da! W. 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Elisabeth Bergner am Bürgtheater? Ein« der wertvollsten jungen Bühnenkünstlerinnen, aus Wien stammen-, in Wien nicht genug gewürdigt und auf dem Umwege über Berlin berühmt geworden. Elisabeth Bergner, soll ans Burgtheater kommen. Di« Künstlerin hätte an das Deutsche Bolkstheater engagiert werden sollen, die Verhandlungen scheinen jedoch gescheitert zu sein und das Burgtheater könnte setzt die Künstlerin gewinnen. Fräulein Bergner ist für die Hauptrolle von Molnars „Himmlische und irdische Liebe" in Aussicht genommen. Schubert-Matinee der Urania. Sonntag den 28, d., vormittags. Streichquartett D-moll, Klaviertrio Es-dur. (Therese Neumann und Quartett Silving.) Ein hebräischer Liederabend. Myro Glas veranstaltet morgen im Kleinen Konzerthaussaal einen hebräischen Liederabend unter Mitwirkung des Violinvirtuosen. Mischa Stivelband. Max Mohr, der Verfasser des Stückes Improvisationen im Juni", das bekanntlich demnächst am Vu r g t h e a t e r zur Ausführung gelangt, ist der Autor eines neuen Buhiienwerkes „Das gelbe Zelt", welches dieser Tage m Dresden in Szene ging. Das überaus phantastische und dunkle Stuck behandelt das Schicksal einer Tänzerin, die halb Kmd, halb Hetäre ist, zwischen drei Männern steht und schließlich den Weg in die Welt des Reichtums und der Schwelgerei findet, in die sie gehört. Das schwierige, gewiß von einem Dichter geschaffene Werk nähert sich dem Film und ist allzu fchr mit Weltschmerz und Buddhismus dekoriert. Gustav Frenssen, der Verfasser des Romanes „Jörn Uhl", der eine ungeheure Verbreitung fand, ist dieser Tage oer Versal er ocs ÜICI ijeieiuieu «umhuiic» ,^uuguuii. Bekannt sind die Satyren Gustav Meyrincks, in denen, er. .sich mit Frenssens Werken beschäftigt, insbesondere die