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Wiener Morgenzeitung · 1923-10-18 · Heft 1680 (18.10.1923) · p. [Seite]

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1680 (18.10.1923)
Date
1923-10-18
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Vergesset nicht, ein aUU'llchsZ JldenLU-atsdokurnent zur Legitimiert:iw der Wahlbehörde mitzunehmen! Ein jüdischer Wähler, der nicht jüdisch wählt oder sich der Stimmenabgabe enthält, unterstützt unsere Feinde und gefährde^ unseren Sieg! Wenn jeder rübische Wähler und jede jüdische Wählerin am Sonntag jüdisch wählen, ist unser Sieg sicher! Cs kommt auf jede Stimme an! Alte jüdischen Wähler und Wählerinnen haben aber noch die Pflicht, alle ihre Angehörigen, Freunde und Bekannten aufzusuchen und sie zu verhalten,' daß sie nnterschiedslos und einheitlich zur Wahl gehen und ausnahmslos ihre Stimmen für die Jüdische W«rlilgemeinschast abgeben. ms in Deutschland. Kahr löst alle Walisttschen Schutzderbönde auf. - MMSrhmschaft in — bin Kommunist im thüringischen Ministerium. — Borlöustg Ruhe in Berlin. —y. i c «V 18. Oktober. . Es wird so getan, als ob die jüdische WählerWft willenloses Stimnwiech wäre. Mit.'ärgerlichem Erstaunen hat man die' ^MchhungJrex»Müschen Wahlgemeinschaft. zur Kenntnis^ genoMnen. Ich' Reden,'. ZeWngSaüfsähkn^ und FluMättern kommt der, Zorn/da rüber Mm,. Aus-'' druck, daß sich die Juden nnterftchen, einen eigenen, politischen Willen zu zeigen, daß sie ihre Forderungen anmelden und daß sie die Wahrung und Vertretung ihrer, Interessen nur Personen anvertrauen wollen, bei denen, sie Verständnis'für ihre 'Sorgen vo'raussetzen. Am stärk- - sten zeigt sich die Enttüslung bei denSozialdemokraten, die so tun, als ob ihnen ein fester,^berechtigter Besitz -ab* gejagt werden soll. Tic Jude:!, die absolut nur jüdisch wählen wollen, werden von dieser Partei und insbesondere von den jüdischen Renegaten, die in dieser Partei zur Meinungsmachung bestimmt sind, als Störer eines Besitzstandes behandelt., Daß cs jüdische Forderungen gibt, wird von ihnen inGrund und Boden abgeleugnet und es wich bei den nichtjüdischcn Anhängern der Eindruck befestigt, daß der proletarische Klassenkampf am Erfolg behindert sei, wenn es jüdische Vertreter der jüdischen Wähler gebe. Der Sieg über die Reaktion ist gefährdet, weil' sich die Juden zu einer eigenen Gemeinschaft zusammengeschlossen haben! Das Vertrauen der sozialdemokratischen Führung in die Sicherheit ihrer Sache muß ans recht schwachen Füßen ruhen, wenn sie ob der jüdischen Widerspenstigkeit einen solchen Lärm erhebt. Im Jahre 1921 war es gelungen, dert einzigen jüdischnationalen Abgeordneten aus dem Nationalrat hinauszuwählen. Nichts hätte die sozialdemokratische Fraktion hindern können, ihr Programm der allgemeinen Rechtsgleichheit und der völkerversöhnenden Freiheit auch aus die Juden auszudehnen und sich zumindest, wenn schon durchaus Klassenkampf, der jüdischen Massen anzunehmen, die ihr durch Beruf' und Schicksal nahestehen. Sie hätte die Schikanierung der jüdischen Proletarier durch die Austveisimgs- und Optionsbehörden abwehren müssen, sie hätte die freche Lüge vom jüdischen Wohnungswucher bekämpfen müssen, die ja hauptsächlich die jüdischen Arbeiter und Kleingewerbetreibenden betrifft, sic hätte etwas Ernstes gegen die Numerus elausus-Verordnungen an den Hochschulen unternehmen müssen, unter deren Wirkung ja nur die jüdischen Studenten leiden. Selbst wenn'es unpopulär gewesen, wäre,, hätte die Sozialdemokratische Partei ' die Abstellung dieser Schändlichkeiten auf sich nehmen müssen. Anerkennt die Sozialdemokratie die Juden als - Menschen, nicht als konfessionelle oder nationale , Gemeinschaft, so müßte sie sich aus allen Krähen gegen den exzedierenden und exerzierenden Antisemitismus stemmen. Sie will aber keine Judenschutztruppe sein. Gut. Aber dann kann und darf sie doch nichts dagegen einzuwenden hüben, wenn sich die Juden selbst schützen wollen und diest Absicht auf dem Boden des Gesetzes, nämlich des von den ßo-üridtmwkvattn gemeinsam mit der Hakenkreuzkoali- Mnrichen, 17. Oktober. (Wolff.) Die Korrespondenz Hosfmärtn. meldet amtlich: Durch Verordnung des Generalstaatskommlssariats vom 16. Oktober wird allen Personen, die in Bayern ihren Wohnsitz oder Aufenthalt haben, die Zugehörigkeit zu einem Sicherheits¬ oder S e l b st s ch u tz v e r L a n d oder ähnlichen Einrichtungen der vereinigten sozialdemokratischen Parteien oder der Kommunistische n Partei, auch außerhalb Bayerns, verboten und die Teilnahme an Hebungen, Veranstaltungen oder Zusammenkünften , solcher Verbände oder Einrichtungen untersagt. Zuwiderhandelnde werden mit Gefängnis bestraft. Daneben' kann auf Geldstrafe in unbeschränkter Höhe erkannt werden. De« sächsische Konflikt. Berlin, 17. Oktober. Ein Konflikt zwischen der Reichsrsgierung und der sächsischen Regierung, an deren Spitze bekanntlich der radikale Sozialist Dr. Zeigner steht, bereitet .sich vor. Er ist hervorgerusen durch die , Verfügung des Militärlbefchlshabers in Sachsen,, der die proletarischen Hu'NÄertschasten verbietet, deren Bildung die sächsische Regierung begonnen hat. Diese scheint sich um dieses Verbot nicht künmnern zu wollen und fährt in der Bildung der Hundertschaften .fort. Wie aus Dresden gemeldet, wird, ist durch, eine Vevordmr-ng des militärischen .'Befehlshabers die.,gesämt.e Po.lizei und Gendarmer-ie vem Befehl WeHrE?eWoMmandiH, .W,terftellxmit der Begründung, > daß, die Pollizei , zur, Ueöcbwindu'wg etwaiger ,Widerstände gegen die, Aufhebung der proletarischen Hundertschaften 'und AktionsauZfchüsse verwendet werden soll. Widersetzliche Beamte werden mit Dienstentlassung bedroht. Die Reichsregierung kündigt an,; daß sie u nt er allen N m st ä n d e n für die Durchführung der, verfassuugs- und gesetzmäßigen Zustände in Sachsen Sorge tragen werde. Die Debatte über die Negierungsevllärung Dr. Zeigners im sächsischen Parlament brachte heute Zusammenstöße zwischen den Bürgerlichen und den beiden die Regierung bildenden Linksparteien. Vertreter der Sozialdemokraten brachten Proteste gegen dvn AusnahmszUlstand und das Regime des Militärbefthls'habers vor und forderten, daß das Verbot der Arbeitsorganisationen ausgehoben werde. Ein kommunistischer Abg-eordneter erklärte, iu diesem Verbot ist bereits eine Exekutive de.s Re i ches gegen Sachsen zu erblicken und die Unterstellung der sächsischen Partei unter das Kommaubo des Militärbesehlsihabers bedeute die Absetzung der sächsischen Negierung. Der Redner forderte, durch Generalstreik und K a m p f mit a l! e n Mittel n gegen das Verbot vorzugehen. Nachdem die bürgerlichen Parteien scharfe Oppositionserklärungen abgegeben hatten, nahm der Ministerpräsident -das Wort zu einer Polemik gegen die Innenpolitik der Reichsregierung. Wenn Doktor Zeigner auch nicht mit der gleichen Offenheit sprach wie der kommunistische Redner, so ging doch aus seinen Worten hervor, daß die sächsische Regierung sich in schärfster Kampfstellung ’ gegen den vom Reiche eingesetzten MiNärbefehlshaber befinde. Die thüringische Regierung. Weimar, 17. Oktober. (Wolff.) Im thürin-ch scheu Landtage gab Mg. Knauer folgende Ministerliste be-. iwnurwniwiMMmM tion verschlechterten Gesetzes, zu verwirklichen trachten. Nur die Arroganz und seelische Krüppelhaftigkeit jüdischer Deserteure kann darin ein Attentat auf die Position des kämpfenden, Proletariats erblicken. Alle moralischen Kräfte hat Otto Bauer gegen die Genfer Sanierung,.gegen den Verkauf Oesterreichs an das Husland mobilisieren wollen. Was . ist aus dieser Absicht * geworden?'Eine ewig lange Reihe von Artikeln gegen die jüdischen Börsen- und Bankmagnaten, gegen das jüdische Kapital, und dein Genossen auf der Straße und in den Fabrikssälen wird weisgemacht, daß der Kapitalismus jüdisch ist und daß er als Ausfluß jüdischen Wesens zu hassen und zu verachten sei. Aus der Hamburger Konferenz der Wiener Internationale ist in einer einstimmig beschlossenen Resolution ans, den Antisemitismus als den Schrittmacher des .Faszismus hingewiesen und seine Bekämpfung als die Pflicht des Prokaunt: Inneres — Herrmann, Finanzen —Hartmans Justiz — Oberlandesgerichtsrat Dr. Korsch (Jena), Volksbildung — Greil, Wirtschaft — Tenner (K o m m u n i st). Im Namen der vier bürgerlichen Parteien protestierte Abg. Dr. Neu man n gegen die Mnistevliste. Abg. Fröhlich (Sozialdemokrat) begrüßte den Entschluß der Kommunisten, an der Regierung teilzynehmen. Die Mmisterliste wurde mit 28 geg-n 24 Stimmen angenommen. In der Erklärung der neuen thüringischen Staatsvegierung heißt es: Die Regierung Thüringens ist eine Negierung der republikanischen Verteidigung und des Kampfes gegen die Forderung „Nieder mit dem Marxismus". Der im Reiche erklärte Ausnahme-- zustand eichtet sich gegen die werktätige Bevölkerung/und besonders gegen die linksgerichteten Staaten Mitteldeutschlands.- Die thüringische Regierung wird beim Reiche dahin wirken, daß als erster Schritt zur Besserung der Lage die wirkliche Erfassung der Sachwerte, als zweiter das Handelsmonopol nach russischem Muster unternommen werde. In ihren Bestrebungen fühlt sich die thüringische Regierung eng verbunden mit der Regierung Sachsens. Keine neuen Ausschreitungen in Bertt«. Berlin, 17. Oktober, (Wolff.) Dank den städtischen Hilfsmaßnahmen ist der heutige Vormittag v o l l I o mme.n r u h i g verlaufen. Die Bargänge^des gestrigen Tages haben sich n ich t w i e d erholt. ' r Die gestrigen Kundgebungen der Arbeitslosen vor dem Berliner 'Ra Haufe führten zur polizeilichen Festnahme von 84 Personen. Jenlschlmdr Bittgang. Paris, 17. Oktober. (Havas.) Der deutsche Gsichaftsträger v. H o e s ch wurde heute vom Mimsterpräsidemen Poincare empfangen, der mit ihm sine 40 Minuten -danennde Unterredung hatte, lieber deren Inhalt wunde an die Presse kein Kommunique ausgegeben. Brüffel, 17. Oktober. (Tel. der „Wr. MovgeuzeÄung".) Der deutsche Geschäftsträger in Brüssel ist heute nachmittags vom Außenminister Ja spar empfangen worden. Die Unterredung dauerte eine halbe Stunde. * Die deutsche Regierung macht jetzt, da es zu spät ist, Mlau'fhörlich Versuche, um mit Fra,nk,reich zu Verhandlungsn Zu kommen, M-d es wird immer wieder von deutscher Solle über -die Bedingungen und dergjlioichen gesprochen. 2lber Fran^ich ist honte zu keinerlei Konzessionen bereit, da es die Frücht>e seines zwoite-n Sieges über Deutschland voll genießen! will. Wohl hat sich :die Reparationskommission mit dom b d* gischen Sa-chverständigenvorschlag über die Reparationen beschädigt (über ihre Stellungnahme ist noch nichis bekannt geworden), ober die Aussichten dafür, daß Dsutschland zrl einer Einigung mit Fvankreich konvmen könne, ohne sich einer strengen Finanzkontrolle zu nntenzichen, sind sehr gering. Achnlich wird ailch die Sachlage in Amerika beurteilt. N-ach Jnsor-matMlen aus Washington tritt die Regierung der Vereinigten Staaten für die Einsetzung einer interalliierten Kontroll« ko m miss-io n,für Deutschland ein, welche die Sanierung des Deutschen Reiches durch^üführen hätte und gleichzeitig die Äaistnng der Reparationen übertvachen soll. letariats bezeichnet worden. Die Sozialdemokratie zeige mir einen einzigen Akt, mit dem sie dieser Verpflichtung entsprochen hätte! Sie kann sich nur mit dem lächerlichen Krieg gegen den Rabbiner im Wiener Stadtschulrat legitimieren und, wenn es hoch kommt, mit der Hcimatrecbtspraxis des Stadtrates Richter und mit den Erlässen des Landeshauptmannes Sever. Das alles liegtkaum ans der Linie der Hanibnrger Resolutton und $nispricht auch nicht den movalischen Energien, die so hochgemnt aufgerufen werden sollten. Wir bestätigen: Die österreichische Sozialdemokratie ist keine Jndenschutztruppe, ihr ist das Judentum und tos Bekenntnis zum Judentum ein Greuel. Und darum Hai es die Sozialdemokratie nichts, cdber auch gar nichts zu kümni-ern, wenn wir jüdisch wählen. Und die Jndenschaft Wiens wird dies tnn, allen Feinden von rechts und links, allen Judenstämmlingen zum Trotz.' i

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