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Wiener Morgenzeitung · 1923-10-18 · Heft 1680 (18.10.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1680 (18.10.1923)
Date
1923-10-18
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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H& lfflO Wien, D«merSkotz MettUe Möv-etztzMuns. 18. Oktober 1088 SG,» morgens bis 8 Uhr nachmittags statt.—Wählet Misch! Was hat der Mische Met am Wahltage zu tun? Ae Wahl ist geheim. — Niemand kann den WWer kontrollieren. — Kr wähle, wem er will «nd kann daher M Drohungen und Kinschllchternnge« zurLSweisen. kr braucht niemandem seinen Etimmrettel zu zeigen! eines Hm gestnuuugSvervMM WählerfLngersbe- . stcht? Jüdische Franm! Ihr, die traten Hüterinnen dcS Mischen Hauses, werdet sicher nicht eure Stimme den ChristNchsozialen geben, die hmte sich so iammfvomm gebärden und bis zur Wahl ihr antisemitisches. > Programm in die Rumpelkammer getan haben, um e§ sofort nach der Wahl hervor zu holen. Wenn eure Männer, von scheinbaren Existenzvorteilen geleitet, glauben, die Ehrvstüchsozialen würden so bleiben, wie sie zu Mahlzeiten sind, so warnet sie, jüdische Frauen, erinnert sie an die jüdische Ehre, die Ihr wahret. Ihr könnt und müßt, um das jüdische Haus zu erhalten, mn euren Männern und euren Kindern und euch selbst die Sorge um das wirtschaftliche und soziale Leben, die uns Juden in Oesterreich stetirmlmrert, zu bannen, nur der Partei eure Stimmen guwenden, welche offen und deutlich erklärt, daß ihre Sorge nicht bloß die Wahrung auch jüdischer Interessen, sondern ausschließlich die Wahrung der jüdischen Interessen ist. Und eine solche Partei kan nur eine rein jüdische sein. In dieser Erkenntnis haben sich säst alle Schichten des österreichischen Judentums vereinigt und eine Wahlgemeinschaft gebildet, die sich frei und offen Jüdische Wahlgemeinschaft nennt. Die Vertreter, die sie ins Parlament und in den Gomeinderat entsendet, .haben ausschließlich die Aufgabe, den , jüdischen Interessen der österreichischen , Juden zu dienen. Und die jüdischen Interessen sind die vitalsten der Juden in Oesterreich; denn als Juden werden sie in ihrer bürgerlichen Existenz, in. ihrer sozialen Gruppierung, in ihrem wirtschaftlichen Fortkommen und,, wie es euch, jüdische Frauen, leider allzu gut bekannt ist, manch-! mal auch an ihrem Leben bedroht. Darum, jüdische Frauen,! Hüterinnen des jüdischen .Hauses, müßt Ihr, um für euch und eure Familie den Frieden und die Ehre des jüdischen Hauses zu wahren, jüdisch Wahlen, und eure Männer, eure Söhne, eure Töchter, darüber aufllären. daß es für sie eine Notwendigkeit ist, jüdische Vertreter in die gesetzgebenden Körperschaften zu entsenden, die nur jüdische Vertreter find. Jüdische Frauen! Für die Erhaltung des jüdischen Hanfes Wählet die Jüdische Wahlgemeinschaft! Austritte aus dem llndeittum. Dr. Oskar Trebitsch, Advokaturskonzipient. Schlesinger. Nalionalrätin, geb. 6. Juni' 1888 m Wien. ’• ©ittelm Ellenbogen. Nationalrat. geb. 9. Juli . 1868 m Lundenbura. ^^liuS Deutsch. Nationalrat. geb. 2. Februar 188t rn Lackenbach. Friedrich Austerlitz, Nationalral und Chefredakteur der „Arbeiter-Zeitung", geb. 25. April 1862 in Hochlieben. Dr. Robert Danneberg, Nationalrat und Gemeinde- * rat, geb. 23. Juli 1886. Dr. Arnold Eisler, Rechtsanwalt und Rotionalrat, «ib. 6. April 1879. Uebergetreten zur evangelischen Kirche. Aufforderungen zur Ehrlosigkeit. Verschiedene wirtschaftliche Korporationen, denen in Überwiegender Zahl Juden angehören, machen in den letzten ZÄgen noch krampfhafte Anstrengungen, ihre jüdischen Mitglieder zu bestimmen, christlichsozial au wählen. Die Scheinheiligkeit des in Wien verbreiteten christlichfozialen Wahlaufrufes, der diesmal die sonst üblichen antisemitischen Roheiten vermeidet, darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Christlichsozialen eingefleischte und programmatische Judengegner sind, die bald nach den Wahlen zu ihrer alten. Taktik zurückfinden werden. Kein jüdischer Wähler «nd keine jüdische Wählerin darf den verschiedenen Lockungen aufsttzen, auch wenn die Empfehlung, christlichsozial zu wählen, m einer sonst als judenliberal verschrienen Wiener Tageszeitung steht. Auch di« a n g e blich neutralen wirtschaftlichen Körperschaften, die ihren Mitgliedern die Wahl der christlichsozialen Liste anraten, verfolgen eine a ntijüdische Politik. In den Ländern machen die Seipel.Leute aus ihrem Antisemitismus keine Hehl, ja st« bestreiten ihre Agitation, in den Provinzblättern, in Wahlaufrufen und in den Wählerversammlungen zum größten Teil mit den blutrünstigsten antisemitischen Phrasen. Dort können sie eben keine jüdischen Stimmen erschleichen. In Men, wo nahezu fünfzehn Prozent jüdische Wähler sind, geht ihre Taktik darauf aus, unter vorläufiger Verschweigung ihres Antisemitismus auch jüdische Stimmen zu erlangen. Niemand laste sich durch die Tatsache irreführen, daß etwa der eine oder der andere christlichsozmle Kandidat ruhigen und sachlichen Erwägungen zugänglich ist. Jede jüdische Stimme, die für die christlichsoziale Liste abgegeben w erden würde, Hilst einen Jerzahek Wahlen, der die schmutzigsten Berleumdungey gegen das Judentum schleudert, st« würde die Wahl eines Kunschak erleichtern. der die Einspervung der Juden in Konzentrationslager verlangt hat: Ehrlos ist jeder Jude und jede Jüdin, die es über sich - nngen könnten, chrlstlichsozial z« Wahlen! Jeder jüdische Wähler und jede jüdische Wählerin sehe sofort in. der in seinem Wohnhaus angeschlagenen Kundmachung des Magistrats nach, in welchem Wahllokal und bei welcher Kommission er zur Stimmenabgabe eingeteilt ist (Amtslobal, Schul«)! ' Sonntag den 21. Oktober ist Wahltag! Die Stimmenabgabe findet von 7 Uhr früh bis 5 Uhr nachmittags statt. Es empfiehlt sich, möglichst zeitlich wählen zu gehen, weil erfahrungsgemäß in den Mittagsstunden ein großer Andrang in den Wahllokalen herrscht. Die Wähler erhalten keine amtlichen Wahllegitim». . und haben sich vor der Mahlkommission durch Personaldolumente auszuweisen. Zu diesem Zweck bereite man die j^rzu »orrvendigen Dokumente vor! . Als Urkunden oder amtliche Bescheinigungen zum Erweis -der Identität kommen in Betracht: Geburis- und Trauschein e, der H e i m a tschein, Staat 8 bü rger s chast serklär u n g, A nstellungsdekrete, Pässe und amtliche Legitimationen jeder Art, Arbeitsbücher, Dienstbotenbüchior, Dienstkarien, Jagdkarten, Eisenbahn- und Tramwaypermanenzkarten, Gewerbescheine, Lizenzen, Diplome, Jmmait r i kn l a t i o n s s ch e i n « und Meldu,ngsbüchvr einer Hochschule, Hoch- und Mittelschulzeug nisse, militärische Dokumente und dergleichen, überhaupt all« unter Bcidruck eines Amtsstempels ansgesertigten Urkunden, die den Personenstand des ' Wähler r erkennen lassen. Bon der WahlbelMde. irrst der. WWe^ pyp M,W^bMrde,-/dtzM Sitz,, er,Ms donr I amtlichen Anschlag Ä ftmem Wrchnhaus. erfährt^ nennt seinen Namen, bezeichnst seine Wohnung und legt eim Urkunde oder e-me der obsn angeMrten amtlichen Bescheinigungen vor, aus - der seine Identität ersichtlich ist.. Hai der Wähler sich entsprechend ausgewiosen, so erhält'er von-dem Wahlleiter das undurchsichtige leere Wahlkuvert. Er hat-sich hieraus in die Wahlzelle zu begeben und legt nun dm '• Stimmzettel der Jüdischen Wahlgemeiuschast tot daS Kuvert. Obwohl am Sonntag di? Abgeordnetien zun: Nationalrat, di>? neuen Gemomderät« und die Bezirksverl retnngen für all« Bezirke zu wählen sind, wird bei dieser Wahl - nur ein Stimmzettel abgegeben. Der Stimmzettel der Jüdischen Wahl-; gemeinschaft wird allen jüdischen Wählern rechtzeitig zugestellt werden. Sollte ein jüdischer Wähler oder eine jüdische Wählerin keinen solchen Stimmzettel erhalten haben, so begebe man sich in das nächstgelegene Agrta« tionslokal der Jüdischen Wahlgemeinschaft und behebe einen Stimmzettel! Auch kann der aus dieser Seite unten stehende Stimmzettel ausgeschnitten «nd bei der Wahl abgegeben werden. Der Wähler oder die Wählerin kann auch von der-Wahlbehörde einen leeren Stimmzettel verlangen. Mit diesem begibt man sich | w i e oben in'die Wahlzelle und schreibt so-; wohl in die Rubrik Stimmzettel für die Wahl zum Nationalrat" als auch in die Rubrik „Stimmzettel für die Wahl zum Gemeinderat und Bezirksvertretung": Jüdische Wahlgemeinschast. Zusätze, wie zum Beispiel die eigene Unterschrift oder witzig sein sollende Bemerkungen und ähnliches, sind zu unterlassen, da sonst die Stimme für ungültig erklärt wird. Nach dem' Verlassen der Wahlzelle übergibt man das , Wählkuvert geschlossen dem WahlleÄer, der es in die UM« legt. Damit hat der indische Wähler und die jüdische Wählerin ihre Wahlpflicht erfüllt.___ PsMsche AnWMglett! Ein anständiger Mensch kann und wird me in eine Gesellschaft gehen, die sich seiner schämt. Er wird nicht mit Menschen verkehren, welche ihn nur geheim empfangen und vor Dritten so tun, als wenn sie ihn nicht kennen würden. Nur ein Mensch von bemakÄtem Ruse, nur «m Mensch, der Verfehlungen und Verebvechen auf dem Kerb- Holze hat, braucht sich solche entwürdigende Bedingungen diktieren zu lasten. Ein anständigeer Mensch nie nnd nimmer! Juden und Jüdinnen! Im politischen Leben hat man Mch bis nun so behandelt. Die haben wohl eure Stimmen gerne genommen, nachher haben sie aber jede Gemeinschaft mit euch abgelehnt. Die „bürgerlichen Demokraten", voran ihre Führer Czernin, Hoffmeister ustv. haben christlich-deutsch getan. Die Sozialdemokraten, welche während der Wohl den Juden in jüdischen Vevsammllungen Vorreden, daß die Sozialdemokratie erneu Hauptzweck darin sieht, die Inden zu schützen, arbeiten nach außen hin mit antisemitischen Plakaten und verwahren sich in der Oeffentlichkeit immer dagegen, als Judenschutztruppe zu gelten. Iudenund Jüdinnen! Gehet dorthin, wo man euch achtet. Gehet zu euresgleichen, gehet zu den Juden! Handelt im politischen Leben so, wie ihr im bürgerlichen Leben als anständige Menschen.handeln müßt! Euer Platz ist in der Jüdischen Wahlgemeinschast! 8 8 «■ft *** *+ =■§ *1 «'s ** « 'S** JO ts « « 52 »-Z VS « 8-s (9) w 8 »I m « lg || ® « LZ S 8 B ^SS Stimmzettel für den Nationalrat indische t flr äes' i! Msrat Wahlnemeinschaft s> S 8 rs | s 5. sr g Ä » S 8 « <o »f s K. 8 ä «Sc» 8t 8 » S§ 8 ® 8 taf r® sr ** S* «5< g,. A, e» o 8t 0118

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