Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1923-10-15 · Heft 1677 (15.10.1923) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1677 (15.10.1923)
Date
1923-10-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2979076-2980477-2980758--16441-3003355
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Einzelnummer K7ms Wien: Zum Abholen in der Expedition,II.,Taborstr.1-3, oder in einer Verschleisstelle (Trafik) monatl. K 28.000 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma GoldschmiedtJ.Bez., Wollzeile 11. Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 28.000 Ts ehe eho-L lowak ei: Mon. K17. Jugoslawien: Mon. Dinar40. Polen: Mon. Mk. 800.000. Deutschi.: Mon. ost.K 28000. F r a n k r., Belgien: Monatl. Frcs. 8 GM' NteliuhluBfei/MV bei Preiterhohtragfeo torbeliawB teuer Tschadio-SlowaMI tschech. K 1.- Ft alten: Monatl. 10 Un Rumänien Mon. 90Le Bulgarien Mon. 75 Lew: Schweiz und das Bbm Ausland monatlich Fresst Redaktion u. Adnunistraticf Wien, 11^ Taborstrasse 1—i Telephone: 44-0-38,43-S-t« ab 6 Uhr abda.19-483,25-28 T ei.- Adr.:„Morgenzf»tung Wien O esterreichisches P ostspa» kassen-Konto Nr. 150.69. Nr. 1677 Me». Montag. 15. Svober ISA 5. Jahrgang Etrefemanns Sieg. Re Reichsregierung und die Berbandlmsen der Rheinindustriellen Stimmen der Berliner Presse. Berlin, 14. Oktober. Zur Annahme des Ermächtigungsgesetzes im Reichstag schreibt der Vorsitzende des Vorstandes der Demokratischen Partei Reichstagsabgeordneter Erkelenz im „Berliner Tageblatt", danttt habe die Demokratie bewiesen, -atz sie beweglich genug sei, in außergewöhnlichen Zeiten dem Reich und dem Volk jedes Opfer zu bringen. Tief einschneidende Maßnahmen wurden und müßten die Folgen jener Ermächtigung sein. Wenn e? um Leven oder Sterben eines Volkes gehe, müßten alle Rücksichten schweigen. Der „Vorwärts" betont besonders, daß die Koaiitlonsparteie« die Zweidrittelprasenz aus eigener Kraft gepellt haben, und bemerkt, entscheidende Erfolge seien so lange nicht zu erhoffen, als nicht in der auswärtigen Lage Deutschlands eine sichtbare Erleichterung eintrete. Die „Germania" sagt: Die große Koalition hat eigentlich gestern zum ersten Male ihre volle parlamentarische Kraft auSgespielt. Insofern ist sie unter dem zweUen Kabinett Stresemann fester und schlagkräftiger geworden als unter dem ersten. Eine englische Stimme. London» 13. Oktober. (Wolfs.) Die Abendblätter ckesasfen sich iü ausführlicher Weise mit dem Erfolg Dr. Stresemanns im Reichstag. „Star" erklärt, dieser Erfolg sei ein großer persönlicher Sieg für den Rei chskanzler, -er jetzt in der Lage sein werde, seine Pläne für die WiederHerste HungderOrdnunginDeutschlanddurch-;u sehen. Stinnes und Stresemann. Berlin, 13. Oktober. (Wolfs.) Unter dem 7. d. hat Hugo Stinnes an den Reickskanzler ein Schreiben gerichtet, worin um eine grundsätzliche Entscheidung darüber gebeten wurde, ob die Regierung bei den mit Frankreich zu führenden Verhandlungen selbst die notwendigen Vereinbarungen für die westlichen Gebiete treffen oder ob sie es den Vertretern der rheinisch-westfälischen Kohlenindustrie überlaffen wolle, einen Modus vivendi mit den Besatzungsbehörden zu treffen. In dem Schreiben werden sodann die aus der Presse bereits bekanutgewordenen zehn Fragen gestellt. Der Reichskanzler erwiderte mit einem Schreiben vom 12. d. M., worin er in Beantwortung der Anfrage bezüglich der Bereitschaft, der Regierung zur Bezahlung der beschlagnahmten Kohle und zur Rückvergütung der von den Franzosen verlangten ä oonto-Zahlungen für die Kohlensteuer erklärt, daßdie Finanzlage des Reiches derartige Leistungen unmöglich mache. In dem Schreiben wird ferner darauf hingewiesen, daß die Reichsregierung sich zur Aufhebung der Kohlensteuer entschlossen habe, und in Erwiderung auf eine Anfrage erklärt, daß das Kohlensyndikat ermächtigt sei, die zur Durchführung der Lieferungsverträge mit den Besatzungs- Mächten erforderlichen Brennstoffe beiziistellen. Weiter wird das Einverständnis der ' Reichsregierung mit der Führung der Verhandlungen durch die wirtschaftlichen Organisationenerklärt, jedoch betont, daß dabei keine staatlichen Hoheitsrechte berührt werden dürfen. Die Neßierung glaubt nicht arr die bayrischen Separationsbeftvebungen. Berlin, 14. Oktober. Das Wolfssche Bureau teilt mit: In der letzten Reichstagssitzung ist Abg. Ledebour aus Ausführungen zurückgekommen, die von kommünistischer Seite in der vorletzten Sitzung des Reichstages ln der Richtung gemacht wurden, das; hochverräterische Besprechungen von mehr oder weniger im Namen einflußreicher bayrischer 5treise handelnden Persönlichkeiten mit Frankreich wegen L o s l ö s u n g Bayerns vom Reiche stattgefunden härten. Abg. Ledebour hatte die DrirlMegiermig gefragt, ob ihr diese bayrischen SBcMmnöcu bekannt sei«»* Die Reichsregierung muß es selbstverständlich ablehnen, solche Gerüchte zum Gegenstand von Untersuchungen zu machen, da dies eine Beleidigung Bayerns in sich schließen würde, an dessen deutscher Gesinnung kein Zweifel besteht. Aus diesem Grunde hat es auch der Reichskanzler in der gestrigen Reichstagssitzung unterlaffen, auf die Beschuldigung des Abg. Ledebour auch nur mit einem Wort einzugehen. Ein Konflikt zwischen der sächsischen Negierung und dem Militärkommando. Dresden, 15. Oktober. (Tel. d. ,Mr. Morgenzeiinng".) Der von den Kommunisten für den 15. d. einberufenie Betriebsrätekongreß Sachsen-Thüringens wurde von der Militärbehörde verboten. Auf dem Programm dieses Kongresses waren von kommunistischer Seite Beschlüsse zur Mobilisierung der Arbeiterschaft zum Generalstreik im Falle der JnstallieMug einer MrlrtäMktatur vorgesehen. ^k sächsische Rcg ieru ng hat gegen diesen Eingriff der Militärbehörde Protest eingelegt, desgleichen auch wegen der verfügten Auflösung der proletarischen Hundertschaften. Das Wehrkveiskömumndo hat in eine': Zuschrift an die Regierung die Zweifel an der Rich-- tigkeit der Berovdn-ungsgewalt bestritten und erklärt, daß das Verbot weiter iäüfrb'cht Aerbe^ Sie Lebensnüttelmmche«. Andauer der Plünderungen. Düsseldorf, 13. Oktober. Die Plünderungen in der Stadt dauerten den ganzen Tag fort. Die Demonstranten zerstreuten sich zlvar beim Heranuahen der Patrouillen, rotteten sich aber nach deren Abzug wieder zusammen Md plünderten weitere Geschäftsläden. Bei einer Kundgebung von Arbeitslosen in Neustadt gab die Polizei Feuer, wodurch mehrer e Persone n verwundet wurden. Panzerautos gegen Plünderer. Düsseldorf, 14. Oktober. Die Ausschreitungen haben Samstag vormittags größeren Umfang angenommen, so besonders in Oberbilk und rn der Altstadt, wo eine größere Anzahl von Konfektions-, Lebens mi ttelnnd' Schuhgeschäften geplündert wurde. Am HMdenlbnvgwall erschienen gegen Mittag Blaue Polizei sowie französische Militärabteil u n g e n und z tr^e i P a n z e r a u t o s, denen es gelang, den Plünderern den größten Teil der aus einen: großen Konfektionshause geraubten Sachen wieder abzunehmen. Es wurden mehrere Verhaftungen vorgeuommen. Alles deutet auf tnc aufhetzerische Tätigkeit von Agitatoren hin. , Irr den Nachmittagsslunden kam es erneut zu Plünd erungen, Breslau, 15. Oktober. (Tel. der „Wiener Morgenzeituug".) Ter Generalstreik in Polnisch-Oberschlesien-hat-eine wertere Ausdehnung genommen. Zwar ist der Post- und Telegraphen verkehr, wenn auch in 'verringertem Umfang, wieder ausgenommen worden, doch hat sich die Situation im Eisenbahnverkehr wesentlich oerschärft. Nur ausländische Transitzüge Derden durch gelassen. Tie polnische Negierung hat einen Ausruf au die streikenden Eisenbahner erlassen, wonach di>;se f r i st los entlasse n werden, falls sie nicht u m gehend die Arbeit wieder aus nehmen. Erhebung Angoras zur türkischen Hauptstadt. Konstantinopel. 15. Oktober. (Tel. d. „Wr. Morgen- £Üuitf|".) Die große ' Nationalversammlung von Angora tytt mit starker Mehrheit einen Vorschlag Jsmet Paschas angenommen, wonach Angora zur türkisch e n H'a u p t st a d t erhoben wird. In der diesbezüglichen Entschließung wird ausgeführt, daß die Erhebung Angoras keinen feindseligen Akt . ac gen üb er Konst an tinopel bedeute. Nu voMch-rusfischer GrenzzMcheusall. Moskau, 14. Oktober. (Ruff. Tek.-Ag.) Am 8. d. ist in Gvenzbezirk von Wolyn der Kommandant des Roten Grenz schutzes Gerzenstein von polnischen Gendarmei erschossen worden, als er irrtümlicherweise bei der Grenz reviston polnisches Gebiet betreten hatte. Die polnischen De .Hörden weigern sich, die Leiche Gerzensteins den Sowjet' behövden zu übergeben. Die Warschauer kx-losionskatastrotzhe. Berlin, 15. Oktober. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung^ Nach einer Warschauer Meldung der „Montagspost" hat der polnische M in i ft c rrat einen Aufruf an die Bevölke rnng erlassen, worin bestätigt wird, daß die E x P l o> sion der Warschauer Zitadelle auf einen Verbrechers schen Anschlag zurückzuführen sei. Dort, wo früher da? Pulvermagazin stand, hat sich ein großer Trichter gebildet, ft dem ein mehrstöckiges Haus Platz finden könnte.. Tagesbericht. Die Gschastelhuberei am Waschberg. Segelflugwoche ohne Flüge. Das, was die „Wr. Morgenzeiiung" gestern bereits o» gedeutet hat, scheint nun pünklich einzutreffen: Die Segel» sliegerei am Waschberg bei Stockeran entwickelt sich zu einem regelrechten Fiasko, sowohl in sportlicher als auch in finanzieller Beziehung. Auch der gestrige Tag der Se« gelflugwoche, die mit so großer Reklame angekündigt wurde, zu.deren Eröffnung man den Bundespräsidenten, drei Minister und noch eine ganze Reihe anderer hoher Funktionäre ard den kotigen Waschberg schleppte, ist ohne Flug verlaufen. Wenn man auch zugeben muß, daß die Ungunst der Witterung viel schuld daran trägt, daß es eine Segelflugwoche ohne Flüge wird, so spielen bei dem Mißerfolg der ganzen Veranstaltung gewiß auch andere Dkomerrte eine nicht unwesentliche Rolle. Zunächst einmal mutz festgestellt werden, daß die von den Arrangeuren gemachten Versprechungen zum großen Teil nicht eingchalten wurden. Von 16 Apparaten, die in der Segelflugwoche; konkurrieren sollten, waren am Tage vor der Eröffnung im ganzen zwei da, und auch jetzt noch sind weitaus nicht alle Maschinen im. Fluggelandc. Die deutschen Flieger kamen an und die Macher, der Segelflugwoche hatten offenbar 'die naive Vorstellung, daß die Flieger in Stockerau aussteigen, auf den Waschberg eilen und sofort flieMm würden. Natürlich fällt es den deutschen Meisterfliegern der Rhön ohne genügende Terrainkenntnis nicht im Schlafe ein, ihre Knochen zu riskieren. Ein weiterer Umstand ist, daß viele der österreichischen Apparate noch niemals geflogen sind und daß Ulan von diesen Konstruktionen Überhang gar nicht weiß, ob sie überhaupt fliegen können. So sind denn - alle' Voraussetzungen gegeben, damit die erste österreichische Segelflugwoche eine ausgesprochene Blamage werde. Aber nicht allein aus den oben angeführten sportlichen Gründen ist das Unternehmen, zum Mißerfolg verurteilt, sondern auch die ganze Art und Weise, wie die österreichische Segelsliegerei von „rührigen" Managern in Szene gesetzt wurde, stößt beim Publikum auf wenig Sympathie. Dafür, daß man nichts zu sehen bekommt, dreiviertel stundenlang auf den kotigen Waschberg hinaufsteigt, hat. man 20.000 K. zu Wahlen. Das ist, nicht viel, rechnet man aber Fahrt, Verpflegung und Nebenauslagen, so ist das Vergnügen, eventuell Flüge von ein paar hundert Meter sehen zu können, durchaus nicht billig, jedenfalls nicht so billig, um mit einem Massenbes u ch rechnen' zu können. ■ Schließlich hätten die wirklich ehrlich sportbegeisterten Flieger sich auch ohne eine rührige Konzcrtag'ntur <tuf dem Waschberg zusammensinden können, um dort ihre Versuche zu unternehmen. Wer sich sonst für den Segelslug genügend interessiert, dem wäre cs freigestandeu, ihnen dabei znzuschauen — ohne Eintritt, ohne Arrangement, ohne Svnderzüge und sonstigem Kliinbin geschäftstüchtiger Mache. Denn um eine Volksbelustigung handelt es sich hier nicht. Dazu gibt es beim Segelslug für die schaulustige Menge viel zu wenig zu sehen. Was über die Praktische Bedeutung und den Wert des . Segelfluges zu sagen wäre, haben wir ebenfalls bereits gestern gesagt, und unsere Ansicht ist ungefähr die gleiche, die Herr. Dr. N imführ heute in einem anderer: Blatte äußert. Die österreichische Segelfliegerei unter der Patronanz von Konzertaemuren mußte in eine leere Gschaficlhuberei ansarten. Und noch eines: Die Veranstalter der Oesteri^ichischen Segelflugwoche haben es nach echt aliösterreichischer Sitte unterlassen, außer der Bestimmung des Flugfeldes, über dessen Wert Fachkreise erstaunt den Kopf schütteln. auch eine

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.