Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1673 (11.10.1923)
- Date
- 1923-10-11
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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«tiftll Wiener Morgenzeitung. 11. Oktober 1928 Nr. MS Sesterrelch. 1 Der bestellte Krawall. von der Mener Skandal-Universität. Di< „Deutsche Hochschnlzcitung" kündigt neue Krawalle ent der Unibcritfat Ml. Sie behauptet, daß die Profess o reu die Wähl von zw ei Dekanen „Mischen Blutes" und die Berufung eiMs Juden, des Professors K a p p e l m a ch e r, an die philosophische Fakultät zagelassen haben. In gemachter Aufregung, hinter der man sofort die Hetze der Konkurrente« erkennt, wird über die Getehrteuweishosi gewettert, die für VoHeswillen kein DevständniS hat. Dang heißt es Wörter: „Ader »venu das verhandeln nicht half, wenn es mit Ruhe und Ovdnuna nicht ging, wenn uns die berufenen $mi« mit leeren Versprechuuoen avizuspeisen vermeinten,, »venu sie uns aleichsan: für Narren gehalten Md grfovpt hoben, so zeiat ihnen nun, daß die deutsche Studentenschafr keinen Spaß kennt, wenn es «m Fragen des Bottes geht, daß sie es sehr ichmerblich em'vfnnden bat, daß deutsche Professoren sie genasführt haben. Jetzt hat die deutsche Studentenschaft das Vertrauen verloren, fetzt glaubt sie keinem deutschen Professor mehr, wenn er ihr für die Zukunft schöne Versprechungen gibt. Jetzt ist auch ihre Geduld <$« Ende. Kampf wird gefordert, auf Provokationen weiß sie zu anttporteu. Wenn alles die Studentenschaft verrät, wenn alles sie verläßt, sie selbst verrät ihr Volk nicht, sie läßt es nicht im Stiche. Deutsche Studenten, laßt euch nichts mehr versprechen, forderte Gesetze und ruht nicht eher, als bis ihr den Sieg errung.n habt. Wenn es sein muß, so greis: -um letzten Auskunftsmittel: dem offenen Kamps, Die Verantwortung kommt nicht über euch. Die Verantwortung sollen jene auf sich nehmen, die euch verraten haben!" Es wird also wieder mit den widerlichen Szenen an den Hochschulen gedroht und es wird wieder der Regierung Gelegenheit gegeben werden, sich auszuschweigen. Und alle Kultnrbeflissenen von den Demokraten bis zu den SaziaLdemoßraten werden mitschweigen. Tschecho-Slowaker. Auslandsreise Ir. Benesch'. Prag, 10. Oktober. Außenminister Dr. Benesch begibt sich Montag nach Montreux, wo sich Präsident M g s aryk derzeit befindet. Hierauf bereitet der Außenminister den Präsidenten auf seiner Reise nach Paris und London. Zugoslawieu. Zufolge Umbaues der GeschüftsrSume Großer Das Budget. Graz, 10. Oktober. Die „Tagespost" meldet aus Belgrad: Das vom Finanzministerium der Sflupscht: na unterbreitete Budget M> 1963-24 woist an ordentlichen Ausgabe« &080,2f7O4378 Dinar, an ordentlichen Einnahmen 8.707,691.905 Dinar ans. Die außerordentlichen Ausgaben betragen 4.310,729.724 Dinar, die außerordentlichen Einnahmen 1.606,805.095 Dinar. _ Ungarn Lohnbewegung der Kohlenarbetter. Budapest, 10. Oktober. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Unter den Kohlenarbeitern ist eine Bewegung wegen einer Lohnerhöhung im Zuge. Die Kohlenarbeiter der Ganz- Tanubia-Bergwerke fordern ihren Lohn aus Grund der Kohlen Pari tat, was einer Erhöhung von 150 Prozent gseichkommcn würde. Erwachende Vandalen in der Fudenstadt von Bondhab. Budapest, 10. Oktober. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".^ Bonyhad ist eine Stadt im Komitat Tolna, deren Einwohner zu eirwm Dritteil aus Juden besteht und in welcher die Bevölkerung selbst in der Blütezeit des Weißen Terrors miteinander friedlich lebte. Erst vor wenigen Wochen ist es den Agitatoren der Erwachenden Ungarn gelungen, auch in dieser Stadt eine Pogromatmosphäre zu erzeuge»:, in tvelcher bereits die ersten größeren Ausschreitungen gegen die Juden von Bonyhad möglich wurden. Ortsfremde Agitatoren erschienen anfangs September in Bonyhad, provozierten zunächst nach bekannten antisemitischen Rezepten in öffentlichen Lokalen Schlägereien, die, sich gegen jüdische Gäste richteten, gingen dann zn nächtlichen Attacken mw „Ausweisleistungen" jüdischer Passanten über, um schließlich die aus der Umgebung tu die Stadt gekommenen Gymnasiasten für einen sogenannten Pogromzug durch die Stadt zu präparieren. In jeder dieser Etappen tvurden die Juden nüßhandelt, wurden die Einrichtungen jüdischer Gast- und Kasseehausbesitzer zertrümmert. Erst als etwa 100 Gynouafiasten, mit Gummikuüttelu versehen, durch die Judenstadt zogen, die Fenster einschlugen, Frauen, alte Leute und Kinder, verprügelten, stellte sich ihnen die numerisch unzulängliche Polizei entgegen. Anl anderen Morgen wurde sestgestellt, aus welch niederträchtige, vandalische Art sich die Erwachenden Lausbuben dafür gerächt haben, daß sie daran verhindert wurden, in der Judenstadt von Bonyhad ein Blutbad anzurichten. Die Bande zog nämlich auf den jüdischen orthodoxen Friedhof, wühlte dort etwa 30 Grabhügel»: auf und zerschmetterte zehn Grabsteine. Diese Schandtat hat in allen .Kreisen der Stadt die größte Empörung hervorgerrrfen. Die Juden wagen es seither kaum, die Straße zu betreten, denn die Erwachenden kündigten eineit regelrechtest Judenpogrom an, durch den sie, wie sie sagen, ihre Ehre rehabilitieren wollen, die bisher in de»: Augen ihrer Gesinnungsgenossen in anderen Teilen Ungarns deshalb gelitten hat, weil Bonyhad bisher noch keinen Judenpogrom zu verzeichnen hatte. Mäntel Kostüme Kleider Blusen \ zn tief herabgesetzten Preisen ■ nach Original Pariser Modelle» s : im Konsettionshans S I Leopold Ascher L Bruder j s 70. «arlahilferftraße 8st ] »UNS,UWNW»MWW«MWW»VWWW»WA0WMWU,V»«W»»»» Polen. Set Mische Klub und die Regierung. Warschau, 10. Oktober. (Tes. der „Wr. Morgenzeitung".) In der festen Sitzung des Jüdischen Klubs hielt der Vorsitzende Abgeordneter Reich dem verstorbenen Dr. Joses Bloch einen »varmen Nachruf. Sodann schilderte er in einem genauen Bericht die gegenwärtige politische Situation iu Polen. In der Debatte sprachen sich sämtliche Redner in schärfster Weise gegen d i e a n t ij ü d i sch e Politik der Regierung aus. Besonders schays wurde die bekannte Verordnung des llnterrichtsministers Glombinski in Angelegenheit des „Numerus clausus" kritisiert. Der Klub beschloß, bei der ersten Sojmsitzung in Form, eines Dringlichkeitsantrages einen scharfen Protest gegen die antistzMtischei: Methoden der gegenwäktigen Regierung einzubringen. In einem Interview mit Pressevertretern erklärte Doktor Reich, daß der Jüdische Klub nach wie vor in Opposition verbleiben werde. Die von den linken Parteien verbreiteten Gerüchte, als ob. der Jüdische Klick in Viesen Fällen indirekt die gegenwärtige Regierung unterstütze, seien grundfalsch und böwillig. Er stellte fest, daß der Jüdische Klub in sämtlichen Angelegenheiten, die das Verhältnis zur Regierung betreffen, stets mit.der Linken gegen die Mehrheit gestimmt habe. Die linken Parteien mühten ebenfalls einsehen, daß die Juden eine selbständige Politik, die nur von ihre»» eigenen Interessen diktiert werde, führen. Jnsolange die linken Parteien dies nicht einsehen »vollen, könne von einem einheitlichen Zusammengehen des Klubs mit den linken Parteien keine Rede sein. Es sei möglich, daß angesichts der b e o o' "r h e n d e n Kabinettskrise die linken Parteien ihr Verhältnis znni Jüdischen Klub »vie auch deu zu den übrigen nationalen Minderheiten einer Revision unterziehen werden. Die Stellung des gegenwärtigen Kabinetts sei zweifellos erschüttert. Man dsixsse jedoch nicht den Optimismus eines Großteils der linken Parteien testen, die da glauben, daß eine einzige starke Attacke genügen würde, um das gegenwärtige Kabinett zu stürzen'. Eine Regierung der linken Parteien könne nur dann auf die Unterstützung des Jüdischen Klubs rechnen, »venm sie »sicht die Politik der früheren Regierung Sikorski sortsetze urch gewillt sein werde, die Jude ns rage nach anderen Gesichtspunkten als die Nationaldemokralen zu lösen. Es genüge »licht, den Juden eine Gleichberechtigung am Papier ztt gewähren. Die linken Parteien haben bisher in der Judenfpage stets mit Waffen aus bent ant isemitischen Arsenal operiert, sie müßten aber endlich die berechtigten Forderungen der jüdischen Bevölkerung anerkennen. Nur durch die Erfüllung der Forderunge»: der nationalen Minderheiten werde eine Konsolidierung aller Kräfte, die für die Mitarbeit am Wiederaulfbau des Staates notwendig sind, erfolgen können. Französisch-englischer Gegensatz in der polnischen Finanzsrage. Warschau, 10. Oktober. (Tel. der ,-Wteuer Morgen- Zeitung".) In hiesigen, gut unterrichteten diplomatiiischeu Kreisen verlautet, daß die Mission des englischen Finanzexperten H i lton'Aoung in französische»! politischen Kreisen große 'Beunruhigung hervorgsruferr habe. Alls französischer Seite befürchtet man, daß im Falle des Zustandekommens einer neue»: polnischen Emissionsbank vor allem die englischen Interessen befriedigt würden. Frankreich ist ohnehin mit der Lösung der Währuilgssrage in Danzig unzufrieden, »veil es darineine Begünstigung der englischen. Interessen erblickt. In französischen Kreisen betont' man,-daß der größte Gläubiger Polens F rav kr eich sei, das nicht gestatten könne, daß sich in Polen der Einfluß Englands etabliere. Mon betont, daß nur infolge der Berufung Uou-ngs als Finanzexperten nach Polen die Mission des Finanzministers Knchgrski »« Paris in AMlWWit der polnischen Anleihe erfolglos Verlaufes: sei. Warschau, 10. Oktober. Der finanzielle Sachverständige Hilto« N o N N g erklärte gegenüber Vertretern der Presse, seine Reise nach Warschau habe keinen östlichen Charakter und stehe auch nicht mit Verhandlungen über die Aufnahme einer Ausländsanleihe seitens Polens in Zusamrnenhang. Aoung gab , eisten Ueberblick über die Arbeitsmethode die Mzuschlagen gedenke, und erNärte schließlich, er könne auf Grund seiner bisherigen Informationen feststellen, daß die wirtschaftliche Grundlage Polens eine gesunde fei, daß «8 aber noch großer Anstrengungen bedürfen werde, um auf dieser Grundlage den Wiederaufhau des Landes zu vollenden »Mtvenn auch unter gelvissen Opfer»:, »vieder zu nationalem Wol». stand zn gelangen. Balorisation der Steuern. Warschau, 10. Oktober, Fjumiziniitstter Kucharsfli hielt Mer»; «:H den Brrtreleri '-M'ittitSparteien eine lSnigew Beraj»t-Ng Mer die P a! o ",'r Steuern und her staatlichen WMen ah um Kvnfewnheute fort- KtzM- Sie Deviseuzeutrale vird nett errichtet. Warschau, 10. Oktober. In polnischen Abgeordnetenkveifen Vetvlautet, daß im Zufam-merchan-g mit den letzten Poogängen auf den: Geldmarkt die neuerliche Errichtung einer Detzisenzen'trale in Warfchau bevorstcht. Rumänien. Lar FasMenlomplott. Bukarest, 10. Oktober. Dia bswlts Mwkdtzt« Untdecklmg eines Komplottes zur Evmordung mchrer-sr Ministrr, Fil».yr»zleute und PMizisterl ersolyle »»»: Laufe Vor: Harrsdurchsuchu»»gen, die die Poliz^l in den WchnmMn mehrerer Faßzisten vorn ahn». Hierbei fiele« ihr auch MrlnitionS. bestände iu die Hände. Der M"ordanfchl tzg hätte nock heute ansgefuhrt »vevden sollen. Rundschau. W britische Relchskonfereni beriit das europiilsche Shaos. London, 10. Oktober. D-e „Mies" schreiben, die Mit Mo«, tag gepflogenen vertraulichen Verhandlungen der Reichs! o n s e r e n z seien ohne Frage vo»: g r ö ß t e r - B e« deutu»»g"gewesen. Der Ernst der Latz« in Europa nrch seine Wirkung auf die Aktionen des britischen Gemein- WesMß seien Mr Erörterung qtiwwm. Es sei zumindest ein ko n k r e t e r Plan für eine Regelung außer verschiedenen PorschläßkN praAffchen Charakters vorgelegt worden. Auch eine allgemeine Erörterung der Stellung der Dominions mit bezug auf die auswärtige Pol:Hfl habe stattgefunden, und das Hauptmerkmal der BechanVlurvgen.fei der Versuch gewesen, das unmittelbare Problem des europäischen Chaos endgültig anzufassen- Ms F r e r t a g, wo, dem Ver-nchmen nach, Cnrzon die Debatte wiedex auf* nehmen wird, werde es möglich sein, die Ansichten von Sachverständigen über die verschiedenen Vorschläge einzulhole»;, die von den Premierministern der einzelnen Dominions unterbreitet worden fehlen. Ansteigen der Arbettslostgkeft ln Snglnnd. London, IQ. Oktober. (Tel. der ,Mr. Mopgenzeitung"h Am 1. Oktober zählte man in England 1,216-200 Arbeitslose, d. h. UN» 14468 me h r als in der Vorwoche. Seit einem Monat steigt die Axbeitslosigreit wiedev, während sie in den Aom« »nermonaten gesunke»: war. Ae BMerbnndttgen. Hagg, 10. Olktvber. Bei der gegensyLM hi-ex g'wgehalteptzn Tagnr:g per Union hex VMr'bu.»chpereirl»ßNWen wurde an Stelle des 'bisherigen Präsidenten, Pawn Atzte l swaerd (Schweden), Professox Trend (DentschlaM) getvä-htt. Barott Adelswaerd Wunde znm Ehrenv o r si tz e »rd e n ernannt. Zu Vizehväsröenten wunden gewählt: Graf B e r n st o x s f (Deutschland), Dickirffon Willough-by (England), Domhinsti (Pole»») und Apefll (Frankreich). Ae Vollmachten ssir Mnsioiini. Ro»n, 10. Oktober. (Tel. der^ „Wr. Morgenzeitung".) Das Parlarnent wird in seiner nächster: Sitzung vor die Frage gestellt »verde»:, ob es der. faszistischeu Regierung die Vollmachten un: »veitere sechs Monate bis zu einem Jahre verlängern »vill, -bamit Mussolini ungestört seine R e. formu»:d Wiederaufbaupläne zu Elche sichren kann, ohne durch die Debatte der Kamrner zu viel Zeit zu verlieren. Reform des Faszismus. Rom, 10. Oktober. (Tel. der „Wr. MoMtlzestung".) M»:s s olim\ hat eige»:händig einen Platt zur Ref o r n: der faszistischei: Partei vorbereitet, den ex a»n 12. d. dem große»: Faszistenrat »mterbreite»: wird. Die faszistische Zeitur»g „Jrnpero" spricht inuner »»och hon der Möglichkeit einer B eL f a s s u;: g s r e f o x;»», die die Befilgsiisfe des Parlaments ctnf d) vti »t ken soll. Die Preßfreiheit \n Italien. Mailand, 10, Oktober. (Tel. d, „Wr. MWuzeit»l»»g.) De»u Chefredakteur des „Ahant -- ist von der Polizei eine Warnung der Rtzstiernn(j wegen „tendwzWrmd lügenhafter Artiikel^. zugMngen, deren Wiederholung ernste Aaßmhuwn bis zum Vkscheimmgsverhpt nach sich zishen würde. Der Chefredakteur weigerte sich, eine Präveirbivtzer.si.: aUoUcvIci’n?u, bevor die Regierung nicht i' Fe»ch»r einsHüre.