Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1673 (11.10.1923)
- Date
- 1923-10-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ElBzelmmnirKnoo Wien: Zum Abholen in der Expedition» lI.,Tabor»tr. 1 -3, »der in einer Verafchleisstelle (Trafik) monatl. K 28.000 Mit Postversand für Wien n. Oesterr. monatl. K 28.000 Tschecho-Slottakei: Mon. K17. Jugoslawien: Mon. Dinar40. Polen: Mon. Mk. 100.000. Deutschi.: Mon. ost.K 28000. F r a n k r., Belgien: Monatl. Pres. 8 Hg* Nachzahlungen “W9 bei Preiierhöhunjjen Vorbehalten Wiener TschcchoeSiowakil: «schech. K 1.— Italien: Monatl. 10 Lire, Rumänien Mon. 90 Lei, Bulgarien Mon.75 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Pres. 3 Redaktion u. Administration Wien, II„ Taborstrasse 1—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab6Uhrabds.l9-483,25-282 TeL-Adr.: .Mergenzeitung“ Wien Oesterreichisches Postapar kassen- Konto Nr. 150.691 «k. 1673 Me«. Donnerstag, 11. Sttober 1333• 5. Jahrgang Berlin wird_' Frankreich verhandelt direkt mit den Rnhrindnitriellen und wünscht keine Einmischung der Reichsregiernna. — Kn Sieg Stinnes! - Die schwarze Schmach. -y. Wien, 11.Oktober. Die französische und die belgische Regierung haben sich über ihre Haltung zu den deutschen Vorschlägen geeinigt. Deutschland verlangt die Bildung einer gemischten Kommission, die die Avbeits- und Verkehrsordnnng int Ruhrgebiet wieder Herstellen soll. Die Okkupationsmächte lehnen dies ab, weil es sich um eine rem lokale Frage haMe, die mit den Industriellen und Arbeitern zu besprechen wäre. Erst nach Abschluß dieser Einzelabkommen würden die Reparationsverhandlungen wieder beginnen können, doch müßte Deutschland wieder die Neparationskommission als erste Instanz anerkennen. Der deutsch-französische Konflikt tritt somit wieder in die Situation zurück,> die im Jänner bestand, aber mit der Aenderung, daß die-fremden Truppen auf deutschem Boden > stehen und ein Pfandobjekt von unschätzbarem Wert sesthalten. Deutschland ist. in die Nachhand geraten und muß sich in allem und jedem dem Diktat fügen. Daß dieses sehr hart ausfallen wird, ist heute selbstverständlich geworden. Poincare kann die Vorteile, über die er gebietet, nach Gutdünken ausnützen. Er hat keine Einrede von England zu befürchten, dos den Bedingungen der militärischen Konstellation, seiner eigenen Wirtschaftskrise und der sehr stark auftreteckien Abneigung gegen alle europäischen ^Zwistigkeiten Rechnung tragen muß.. Die britische Reichskonferenz will es zwar versuchen, zu einer einheitlichen Auffassung des europäischen Problems zu gelangen. Aber Konferenzen arbeiten langsam,, und. M . es mygMM, ■ ihre Beschlüsse in feste Formen zü gießen, kann Fvank-ck reich nach Belieben schalten und walten. Herr Poincare hat M offene Bundesgenössenschast ' der deutschen Patrioten erhalten. Er kann die direkten Besprechungen mit dem deutschen Geschäftsträger in Paris dilatorisch behandeln, weil er - inzwischen mit Stinnes und dessen Kompatrioten handelseins werden kann. Die vertreten ja kein gesamtdeutsches Interesse, sondern wollen nur die Sicherheit schaffen, daß nicht ihr Stand, sondern das deutsche arbeitende Volk die Kosten der Reparationen trägt. Sie wollen nicht das Ruhrland für das deutsche Reich retten, sondern nur die Hilfe der französischen Bajonette, um den Achtstundentag zu beseitigen und die Fronsklaverei der Bergarbeiter zu befestigen. Dafür nehmen sie die schwarze Schmach, über die sie ihre Presse so viel schreien ließen, gerne in den Kauf. Wenn vor den Werkstätten, Schächten und Bahnhöfen Senegalneger stehen, um den Wünschen der Stinnes Respekt zu verschaffen, dann spielt das Prestige der deutschen Herrenrasse keine Rolle mehr. Das Prestige der Profite ist wichtiger. Die „Nacht am Rhein", das Kassenstück der reisenden Durchhaltekommis mit dem Hakenkreuz, ist wirklich das Symbol der Ehrlosigkeit geworden, aber ein Symbol,'an dem sich viel Geld verdienen läßt. Welche »Position hat unter solchen Umständen Herr Stresemann bei Verhandlungen mit Poincare?. Er weiß ja, daß infolge der Separataktion der Stinnes-Leute das Ruhr-, vielleicht auch das Rheingebiet für Deutschland als verloren gellen kann. Denn die Schwerindustrie hat DeutschlarÄ finanziell entwaffnet. Sie hat seine Währung vernichtet und ihm alle Anleihemöglichkeiten verschlossen. Eine Steuerreform können sie im Reichstag hintertreiben und die einzige Partei, die ihnen Schach bieten könnte, die sozialdemokratische, ist so ohnmächtig, daß Herr Hilferding in einer Berliner BezirkÄonferenz ausrufen mußte, er wisse' nicht, ob die Partei in Bälde sich noch werde betfautmelu können. Die Ernährung und die Kohlenversorgung halten die Junker und die verbündeten Schlotbarone unter schärfster Kontrolle. Was dem Reich droht, wenn dieser Zustand fortsauert und wenn. Stresemann nicht die Verbindung zwischen der bürgerlichen Demokratie und der Arbeiterschaft herstellt, das beweist ein Brief des Herrn Stinnes an die Deutsche Volkspartei, deren Mitglied der Kanzler ist. Dieser Brief wurde im Reichstag verlesen.-und' als. echt authentifiziert. Stinnes verlangt die Aufhebung der, Kohlen- und Betriebssteuer, den Verkauf der öffentlichen Unternehmungen und die Einrichtung der Diktatur. Das ist schön der Bürgerkrieg, und. der . Deutsche Kampsbund in München, den Hitler leitet, 'wird nicht mehr lange mit seinen Aktionen auf sich warten lassen. Zn diesem Kampsbund gehören auch die österreichischen Nationalsozialisten, die mit'Bewilligung der Regierung Frank ihre Revolverschießereien veranstalten inch sich schon fleißig für die ihnen zugewicsene Ausgabe vorbereiten. Paris, 10. Oktober. Zum deutschen Schritt in Brüssel und Paris teilt „Petit Parisien" mit, daß Poincare heute vormittags den deutschen Geschäftsträger empfangen habe. Das Blatt macht folgende Mitteilungen über die erteilte Antwort an die deutsche Regierung: , Gestern hatzwischen Paris und BrüfseleinMeinungsa u s t a u's ch stattgefunden und man ist in der A u ffassung einig. Die französische und die belgische Regierung sind immer der Ansicht gewesen, daß die Wieder-- ausnahme. der Wirtschaftstätigkeit im Ruhrgebiet me lokale Frage sei, die die Besatzungsbehörden mit 'den Industriellen und Arbeitern des Ruhrgebietes erledigen müssen. Paris und Brussel wollen keine Einmischung von Berlin. Sie wollen direkt mit den Industriellen verhandeln,- weil sie ihnen gegenüber Ernwirkungsmittel haben, die ihnen dem Reiche gegenüber fchlen. Das Reich muß sich daraus beschränken, die Wiederaufnahme Ve.r Arbeit effektiv zu gestalten, auch bei den Eisenbahnen. Wen»- das der Fall ist und SonderaLkommen der alliierten Behörden mit allen Jndustriegruppen zustande ge kommen sind, wird man bereit sein, deutsche. Vorschläge Über Re-» parafioms"lerstunüchH-ttgegenzuuehmLN, und zwar durch die. Repa r a t i o n s k o m m r s s.r 0 n. . De« Vertrag mit Wolfs. Paris, 10. Oktober. Die französische Regierung hat den Text des ersten Abkommens über die Sachlieseruügen, das zwischen der Ingenieurkommission im Ruhvgebiet und der Gruppe Wolfs abgeschlossen worden ist, der Repamtionskommission unterbreitet. Deutsche« Reichstag. Berlin, 10. Oktober. (Wolff.) Der Reichstag nahm in allen drei Lesungen den vierten Nachtragsetat für 1923 an, der durch Anleihen und Neichsfchatzanweisuugen 578.000 Billionen flüssig machen will, wovon 30.000 Billionen zur Beschaffung der notwendigen B r o tgetreidevo rräte bestimmt sind. Desgleichen wurde ein Zentrumsantrag angenommen, wonach die Zahlungen auf öffentliche Arbeits- und Lieserungsverträge in wertbeständigen Zahlungsmitteln, GoHaiiMhe oder Tollarschatzauweisungen oder durch Einzahlung auf ein wertbeständiges Konto geleistet iverden sollen. Nach Erledigung weiterer kleinerer Vorlagen vertagte sich das Haus auf morgen, wo die dritte Beratung 'des E r m ächtigungsgcsetzes vorgenonrmen - ft-ll. Ein Auslandskredit? Berlin, 10. Oktober. Wie der ,Kokalanzeiger" berichtet, ist den: Reich ein A u s l a n d s k r e d i t gewährt worden, der zwar nicht ü b ermäßig hoch, trotzdem aber so b eträ ch tlich ist, daß utan daraus den Schluß aus Deutschlands steigende Kreditfähigkeit zu ziehen geneigt., ist. . Regelung der Handelsbeziehungen mit Amerika. Berlin, 10. Oktober. Die Regierung der V ereinigten Staaten von Amerika hat der deutschen Regierung den Ent w u r f eines /vorläufigen H a ndels- und Kwusula tsv e r trag es überreicht. Dieser wird jetzt einer Prüfung im Ausivärtigen Amt unterzogen. - -• " * Bülow Botschafter in'Paris? London, 10. Oktober. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Der Korrespondent der „Daily News" in Berlin ' glaubt zu wissen, daß der frühere Reichskanzler Fürst- Bülow zum neuen Boffchaster in Paris ernannt werden ivird. Streik in der oberschlesischen Montanindustrie. Katlowitz, 10. Oktober. Honte vormittags traten die Belegschaften und die übrigen Angestellten der gesamten oberschlesischen Montanindustrie in den Streik, nachdem der Betriebsrat eine Lohnerhöhung um 130 Prozent abgelehnt hatte. Alle auf elektrischen Strom angewiesenen Werke ruhen. Kattowitz, Königshütte, Mysy *n i tz und Umgebuna sind oL n e L i ch t. Die Kattowi^or Garnison befindet sich. tu Alarmbereitschaft. Mor» gen finden neue Verhandlungen statt. 1v9,1milliorrenfache Teuerung! Berlin, 10. Oktober. Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten (Nahrung, Wohnung, Beheizung, Beleuchtung uach Kleidung) belauft sich nach den Feststellungen des statistischen Reichsamtes für den 8. d. auf das 109,1millionenfache der Vorkriegszeit. Die Steigerung gegenüber der Vorwoche betrügt 170 vom Hundert. Wie die Blätter melden, zogen die Lebensmittelpreise in. den Markthallen und Warenhäusern Berlins heute neuerlich stark an. Fettwaren Wurden heute um 100 M illione «teurer. Das markenfreie Brot kostet ab morgen bereits 110 Mill! onen Mark. Den Am laß dazu gab der M e h l p r e i s, der gestern um mehr als 3 M i I liarden Mark pro Zentner stieg. Die Eisenbahn-Verteuerung. Berlin, 10. Oktober. Vom 13. d, angösangen, wird die SchlüssÄzahl für dieMenbahntarift im P ersonenverkehr mit'120, im Güterverkehr mit 3Ä Milli dieser Erhöhung ist die letzte deträchÄrche-Äld^twertung noch nicht berücksichtigt, 243 Millionen Mark Goldparität. Berlin, 10. Oktober. Für die Zeit vom 13. bis Iß. v. einschließlich beträgt das Goldzollaüfgeld 24.299,999.900 vom Hundert. Eine Golbzollmark 'beträgt demnach 243,000.000 Päpicrmark.' 1VV Milliarden-Noten! Berlin, 10. Oktober. (Tel. der „Wr. Morgenzeituug".) Infolge der., rapid fortschreitenden Noteninflalion werden in der nächsten Zeit 5 und 10-MMarden-Scheine ausgegeben werden. Gleichzeitig sind noch weit höhere Werte in Vorbereitung. Zunächst 20 und 50 Milliarden-Scheine. denen dann 100 Mlliarden-Scheine folgen sollen. Eine sozialistisch-kommunistische Regierung in Thüringen. Weimar, 10. Oktober., Die heutigen Verhandlungen über die Bildung der Regierung in Thüringen haben zu einer weitgehenden Ueibereinstimmung in der Richtung der Bildung einer soziallstisch-kowmunistif ch e n R e g i e r u n g geführt. Die Verhandlungen werden ' am Montag fortgesetzt. Die „Rote Fahne" verboten. Berlin, 10. Oktober. Der Reichs-Wehrminister Hai die Herstellung und den Vertrieb der ,/Roten Fahne" bis auf weiteres verboten, da taä Blatt zur Vorbereitung des Generalstreikes aufgerufen und die Reichswehrso ldaten zu politischer Betätigung und zum Ungehorsam atrsgesordert habe. * Kommnnistenverhaftnngen in Breslau. Breslau, 10. Oktober. Heute wurde hier eine groß« Anzahl von Kommunisten' verhaftet, darunter Mitglieder der Bezirksleitung Schlesien dev K. P. , D. sowie das Bureaupersoual und Angestellte ^der ,-Dchlesi- : scheu Arbeiterzeitung". Die Festnahme steht in Zusannnenhang mit der kommunistischen Propaganda zmn ZchÄke der Einsetzung einer ArbeiterundBauern- ' regte ru ng in Deutschland. Hitler bleibt Führer des Kampsbundes. München, 10.' Oktober. Der „Deuffche Kampfbuud^ teilt mit:,Die im „Fränkischen Kurier" erschienene Mittesinng, Adolf Hitler ha^be die. ihm vor einigen Tagen übertragene Leitung „Deutschen Kampsbundes" nicherl gelegt, ist unrichtig. Kahr gegen die bayrischen Banken. München, 10. Oktober. Die wirtschaftlichen Besprechung gen beim GenevalstaatKkommisiär v. Kahr ergeÄn, daß die Säumigkeit d e r B ank e n in 'der Gutschrift der bci ihnen eingezahlten Beträge und der hohe Bautzmsfuß eine wesentliche Mitschuld an den sich ü b e rst ü r z e n den P r e i s st e i g e r tt it g e n trage. Wie verlautet, beabsichtigt Kahr, scharfe M a ß n a he.> gegen die Banken 'KU ergreifen, wenn sie nickt ans freien- Stücken Zugeständnisse machen wellet: