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Wiener Morgenzeitung · 1923-10-05 · Heft 1667 (5.10.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1667 (5.10.1923)
Date
1923-10-05
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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We. amt Men, Fvertag Wiener Morgenzeitung. kinigung zwischen Frankreich und Italien. Jas PaMirm-Mandat in voller Genf, 4. Oktober. Wie der I. C. B- Vertreter erfährt, haben Frankreich «ndJtaliendemBölkerbundoffizielt bekannt gegeben, dah die beiden Staaten in der Frage der italienischen Rechte in Syrien ein gegenseitiges Uebereinko«ruhen getroffen haben. Dieses Uebereinkommen betrifft die Frage der italienischen Bürger in Yen ehemaligen türkischen Prodinzen, die sich gegenlvärtig unter französischem oder englischem Mandat befinden, und ist die unmittelbare Folge der Untersertigung des Friedensvertrages der Mächte mit der Türkei. Infolge dieses Abkommens treten nunmehr die Mandate für Syrien und Palästina in volle Kraft. (Das Palästina- Mandat wurde bekanntlich seinerzeit mit dem Vorbehalt ratifiziert, daß Frankreich und Italien in einer Reihe von schwebenden Fragen zu einer Einigung kommen.) Ar Alfred Morid und die amerikanische Palästina-Bank. Aus New-Do-rk mcPbet I. C. SB.: S i r Alfr ed Mond hat aus Einladung von Mr. Morris Rochenberg die B-egrüßuorgsanspvache auf der Konferenz der Zionisten und der Keren Hajessod-iMttgli«der gehalten Sir Alfred Mond dankte für die «ihm zuteil gewordene Ehre, diese Versammlung begrüßen zu dürfen, sowie für den Empfang. Wre devlan-ret, ist er erne der Aufgaben Dir Alfred Monds gewesen, nvvl Mr. Louis Marshall wegen der Jnvestmam Bank für Palästina, deren Gründung von einer Gruppe amerrkcmifcher Juden wahrend des letzten Besuches Dr. Weizman» s in Amerika geplant war, zu verhandeln. Sir Alfred Mond sprach ferner in einem großen zionistische« Massenmeeting, dessen Vorsitz der Präsident des amerikanischen Keren Hajessod Mr. S. Untermeher führte. Die Ansprache Sir Monds wurde mit -großem Enthusiasmus ausgenommen. Hierauf sprach der amerikanische Exminister und gewesene Botschaft« m Konstantinopel Oskar Strauß, der dem Werk de« Wiederaufbaues Palästinas seine die »eberuahme der Fondskrankenanstakteu darch die Gemeinde Wie«. Der Hanptausschuß des Vereins deutscher Aerzte in Oesterreich hat an die Regierung und an die bürgerlichen Parteien einen Protest gerichtet, in dem es u. a. heißt: „Die immer wieder auftauchenden Nachrichten über angebliche Uebergabe ver öffentlichen Fondskrankenanstalten in Wien in die Verwaltung der Gemeinde Wien veranlassen den Hauptausschuß des Vereins deutscher Aerzte, ernstlich Verwahrung gegen diesen Plan zu erheben. Die Uebergabe wäre gleichbedeutend mit der Politisierung dieser, dem allgemeinen Wohle und der medizinischen Fortbildung und Forschung gewidmeten Stätten. Sie würde zu einer Entrechtung des bodenständigen Aerzte st andes und insbesondere des jungen Nachwuchses führen und seine Ausbildungsmöglichkeit wesentlich erschweren." Die Sorge um das allgemeine Wohl und die medizinische Fortbildung und Forschung wird es wohl nicht sein, die den Verein der deutschen Aerzte zu diesen Schritt veranlaßt hat. Es handelt sich den Herrn nur um die Stellen in den Fondsspitälern, um die ein geradezu widerwärtiges Wettkriechen geht. Um jede freiwerdende Sekundararztstelle werden jetzt schon die Nationalräte, ja die Minister bemüht und es ist gar nicht selten vorgekommen, daß wegen eines Primariats der Bundeskanzler Dr. Seipel angerufen wurde, um zu entscheiden, wem dieses Amt zugewiesen werden soll, wenn sich gerade zwei deutsche Aerzte, die beide von einflußreichen christlichsozialen und großdeutschen Politikern protegiert wurden, um dieselbe Stelle beivarben. Alle Bundesländer haben bereits die Fondsspitäler in die eigene Verwaltung übernommen. Für Wien wollen die Deutschnationalen und Christlichsozialen dies nicht Atlassen, wohl aus Furcht davor, daß sie dann Schwierigkeiten bei der Unterbringung ihrer ärztlichen Protektionskinder hätten, Polen. Re Staatsbeamtenfrage. Warschau, 3. Oktober, (Tel, de« „Wr. Morg-iqeltuug",) Ministerpräsident Witos empfing eine Deputation der Vertreter aller Staatsbeamtenorganisationen, die wegen einer Gehaltsaufbesserung vorsprach. Der Kabinettschef äußerte sich sehr pessimistisch über die Erfüllungsaussichten der borgebrachten Wünsche. Auf die Bemerkung eines Audienzteilnehmers, was die Beamten anfangen sollen, um den Winter durchhalten zu können, sagte Witos: „Der Staat ist in diesem Augenblick ganz außerstande, den Wünschen der Beamten auch nur volle Unterstützung züsagte. Sir Mond hatte eine Konferenz mit Louis Marshall bezüglich der Etablierung der amerikanisch-jüdischen I n v e st me n t b a n k für Paläst i n a, welche eine Gruppe reicher amerikanischer Juden schaffen soll. Es'wird mitgeteilt, daß sich die Aktivierung der Bank auf gutem Wege befindet. Weiters wird berichtet, daß Präsident Werzmann in Kürze nach Amerika kommen soll, um die Keren Hajessod-Arbeit wieder auszunehmen. Baron kdmoad de Rothschild über seine Arbeit in Paläftina. In einer Unterredung mit dem amerikanischen Zionisten A. Goldberg sprach sich SBaron Gdmond de Rothschild über, ein ge seine Arbeit in, Palästina berührende Fragen, insbesondere über die , Gründung der neuen Gesellschaft „Pica", aus. Baron Rothschild führte ans: „Bis jetzt war ich der einzige reiche Jude, der der Mistinenssschen Kolonisation bedeutende Kapitalien gewidmet hat. Meine Absicht ist nun, auch andere jüdische Kapitalisten .diesem Ziele näherzubringen: Zu diesem Zwecke ist die Gesellschaft „Pica" ins Leben gerufen worden, die keineswegs mit dem Keren Hajessod konkurrieren will, sondern sich an Einzelpersonen wendet. Die Personen, die Kapitalien in palästinensische Unternehmungen investieren würden,, werden .das'unter ihrem eigenen Namen tun. H ngegen nehme'Baron Rothschild alle Organisationskosten dieser Arbeit aus sich. Baron Rothschild würde gern sehen, wenn vor allem in Palästina eine große Industrie zur Entwicklung käme; er halte dafür, daß die bisherigen Versuche nach dieser Richtung ermunternd seien. Mit Bezug , aus den Palästina- Hasen hatte er anfänglich gehofft, daß der Bau in die Kompetenz der Regierung falle. Nun da die Regierung außer der Erteilung der Konzess'on nichts unternehmen wolle, halte er dafür, daß in Amerika der A n f a n g .gemacht werden müsse, um den Bau finanziell sicherzustellen. E r selbst wolle sich gern an der Unternehmung beteiligen. Baron Rothschild sprach die Hoffnung aus,, daß die Juden in F r i e d e n nrrt den Arabern zusammenarbeiten werden. Er selbst sei ei« achtzigjähriger Greis, doch wisse er, daß sein Sohn James nicht, nur die Arbeit seines Vaters fvrtsetzen, sondern.sie noch übertreffen werde. (I. E. D.) «*$5 als der FmomMnssW' BerblePU' im "AMte^äMngig machst:. Wenn, sich die Staatsfinanzen bessern, dann tvrrd man Wer die Art, den Beämten zü helfen, Nachdenken können." Re Erwachende« Badern. Ans dem Königreich Kahr. Aus München meldet I. C. B.: Der amerikanische Handelsreisende Leo Koral^kam voreinigen Tagen nach Hirschhaid ^Bayern)' zwecks geschäftlicher Unterhandlungen mit.einer Firma, mit der er aus der letzten Leipziger Messe Verbindungen angekuüpft hatte: - Im - Restaurant seines Hotels geriet er in einen Redestreit mit einem einheimischen Herrn, der aus die- I ude n schimpft e. Koral kannte sich selbst als Jude und verbat sich die Schimpferei. * In der Nacht darauf wurde die Türe des Hotelzimme r s, ' in welchem Herr Koral schlief, mit Gewalt aufgesprengt' und zwanzig Bewaffnete drangen mit dem Ruf ein:' ,Heraus mit dem Juden!" Herr Koral wurde mit dem Tode bedroht. Bald ixwanf trat Polizei ein, verjagte die Eindringlinge, nahm jedoch gleichzeitig i«n amerikanischen Juden in H a f t und sperrte ihn in einen kleinen Raum' 'ohne ^Wasser, Licht und Lager, wo er-die ganze Nacht verbringen mußte. Am Morgen darauf würde er dem Amtsrichter unter der' Beschädigung vorgeführt, er halbe im Gespräch ntttdem einheimischen Hotelgast den b a y r i s ch e n Ministerpräsidenten beleidigt. Koral soll nun dem Staatsgerichtshof in Leipzig zugeführt werden. " Inzwischen wurde Koral gegen Zahlung einer Kaution freigelassen. Verbot des ,F8SMs«Hen Beobachters" durch Kahr. München, 4. Okoder^ Der völkische Beobachter" ist hqute vom GenerafftaaMcmEissariat bis ein- MieMch 14. Oktober verboten worden, well er, n-nd -war trotz ausdrücklicher Warnung vor dem AbÄuck derartiger schon von ihm gebrachter Anfrufe, einen in der Wirkung an Landesverrat grenzenden Aufrnf mit der UeborschvHK Artilleristen, macht feinerbereit!" veröffentlicht hat.,Dieser Ausruf bedeute eine schwere außenpobitrsche Gefährdung des deutschen BoKeS.'' - ' 5. Oktober 1923 Sche » Tagesbericht. Das Leichenbegängnis Dr. Sofef S. BioM. Gestern fand das Leichenbegängnis des ehenmligen Reichsratsabgeordneten und Herausgebers der „Oeste/creichischen Wochenschrift", Dr. S. Bloch, statt. An der Bahr« standen als nächste Leidtragende die Tochter, Frau Rabbiner Dr. Grunwald, ihr Gatte, und der Bruder d«S Verblichenen, Herr Morris Bloch aus New-Dork, der 'nach Wien gekommen tvar, um mit seinem Bruder die schon seit Kriegs abschluß geführte Hilfsaktton in Galizien weiter, zu führen, und eine Reise nach Palästina zu unternehnvrn, wo Her» Morris Bloch gemeinsam mit dem Verblichenen eine grdß« Fabriksunternehmnng ins Leben rief. Er fand seinen Brüder nicht mehr am Leben vor. Außer diesen Fa/nil ienmitgliedern hatte sich eine Trauergemeindr zusammenp.efun.den, die wohl an Zahl nicht überwältigend groß war, die aber so rechtl bewies, in welchen Kressen heute in Wien die öffentlich« Tätigkeit im Interesse des Judentums noch Wertschätzung und Anerkennung findet. Bon den sogenannten großen. Juden, von den jüdischen Journal!/,ten und Schriftstellern der „Judenblätter", die in der „Oesterreichischen Wochenschrift" ihre ersten Aufsätze unterkrachten, von der „Concordia", deren Mitglied Dr. Bloch war, von allen jenen Kreisen, für die und um derentwillen Dr. Bloch jahrzehnte^ lang geschrieben, gesprochen ur^d gekämpft hat, war keiner erschienen, um dem Verstorbenen wenigstens diese letztä Anstandsvisite abzustatten. Es. waren Jüdischnationale, Zionisten, die mit Dr. Bloch l^nge Zeit im Kampfe gestanden waren, ohne seine historische Bedeutung zu unterschätzen', es waren Ostjuden, aus deren Mitte er gekommen war, unk für die Rechte der Westjttden zu streiten, es waren Delegierte von Wohltätigkeitsansta/.ten, Abordnungen der „Union", des Ferienheimes und anderer Organisationen, deren Mitbegründer Bloch war, erschienen. Deshalb klang es so betrübend, als Dr. Grunwald, der zuerst den Nachruf hielt, feststelltt, daß Dr. Bloch iml Auslande und vornehmlich in Amerika jene' Anerkennung gefunden habe, die ihm hierzulande versagt blieb. Dr. Grunwald erwähnte auch, daß Dr. Bloch in den letzten Stunden seines Lebens firner Freude darüber Ausdruck gab,' daß eine jüdische Wa hlgemeinschaft zustande kam, und.dich er den Wunsch äußerte, daß diese Einheit von Dauer bleibe. Nach Dr. Grunwald sprach der Präsident der Wiener KultuSgemeinde, Professor Dr.Pi.ck, der die Kämpfi des Ver-- storbenen gegen die antisemitischen Verleumdungen würdigte. Hierauf nahm Obervabiiner Dr. Chajes als Historiker Abschied von Dr. Bloch, dessen Leben mit seinen SSow zügen und Fehlern er als die Lebenswirkungen einer Nomadenseele kennzeichnete, die überall dort, wo sie frei war» von Hemmungen und Bindungen, zur höchsten Stufe auf- - stieg. u«d^ Bleibendes leistete. Der Präsident der „'Union", Dr. O r n st eindankte dem Verblichenen dafür, daß er die Gründung der „Union" zum Schutze der Rechte der Juden anregte und Jahrzehnte hindurch an ihren Arbeitenmit Rat und Tat teilnahm. . Namens der Zionistischen Partei mch der jüdischen Mandatare'wies Ge* meinderat Dr. P laschkes in seinem Nachruf, auf die Tatsache hin, daß Dr. Bloch der erste jüdische Mandatar war, der zu einer Zeit, als hierzu viel Mut nötig war, im Parlament nichks als Jude war und unter den schwierigsten Umständen die Rechte des Judentums mit Temperament und in rücksichtslosem Kampfe gegen die Angreifer verteidigte. Nachdem noch Dr. S. Rappaport (Baden) namens der persönlichen Freunde und Verehrer des Heimgegangenen Worte des Abschiedes gesprochen hatte, wurde der Sarg in der Familiengruft beigesetzt. Die kantoralen Funktionen versahen Oberkantor Sch leiser und erster Kantor Funke mit Chor. Zur Bestattung hatten sich außer den angeführten Persön lichkekten noch eingefimdenr Kultusvorsteher I. Schwarz, die Rabbiner Dr. Rosenmann, Dr. Feuchtwan-g, für den BethauSvorstand Dr. E. Münz, Dir. A. L S f k oö i e z, Siegmund Ernst, Dir. A. LandeSberger und Gustav Planer, Sekretär'S. Fleischer von der „Union", für die Zionistische Organisatton Oberbaurat R. Stricker, als Vertreter der „Wiener Morgenzeitung" war Redakteur Jakob Krauß anwesend, für die „Jüdische Morgenpost" Redakteur Racker, für den Orden B'nai B'rith Notar Dr. B e r m a n n, Prof. O. E h r m a n » und Prof. K S n i g st e i n, für die Adas Jssroel Kommerzialrat S. B o u d y und Kultusvorsteher Wolf Pappeuhetm, für die Tempelvereine im 2. Bezirk Redakteur Ludwig H i r s chfeldundA. Knopf, im 3. Bezirk Eduard Engel, Mavgareten Ghrenprästdent Adolf Hofmann, für den Oesterreichsschen Kantorenverein Präsident I. L ö w i t »nd die Oberkanwren Margulies und Müller, für den Frauenvereiu Frau Dir. U l l m a n n, für den Frauenverein Floridsdorf Fra« Rabb. Dr. R o s e » m a n n, Margarete» Frau Präs. Kathattna H o f m a n n, für den Verein „Alte Frauen" Frau Marie Steiner, für die Vereine „Müchstke HadaS" Jakob März, „Kurfürsorge" OLman« Dr. I. B r a u n und Verwalter Max Schwager, . „Montefiore" Restaurateur S. G r ü » e r, Verein der Duklaer Apotheker Berger, für die Beamtenschaft der Kultusgemeinde die Sekretäre Dr. Emil Adler, Guido F u ch s g e l b und Amtsleiter F r e i st a d t, für den Verein „Ferienheim" Frau" Dozent G r ü » f e l d. für die Baron Hirsch-Sttfttmg Dr. Arnold A s ch e r, für das Jiidifche Museum Prof. Dr. Jakob B r o n u e r, für die Alliance Jsraelite Sekretär Dr. K a m i n k a, für die Chewra Kadtscha Währing Obmann Rassig, Floridsdorf Ob»um« Gabriel D u k e S, für de» Verein der Kleingewerbetteibenden Obmann G. Klausner und Kassier Rudolf G o l d st e i n, jüx den Verein bei Tempelfreunde S. Meister und Jakob Schaffer. »«veränderter Brotpreis. Der Brotpveis für die kommende Woche hat sich nicht geändert. Jeder WÄHLE Wintersaison: Damen- und Herrenwäsche, Bett- und Hauswäsche, Strickwaren, Teppichen, Vorhängen etc, nur das bekannt verlässliche tt. billige lüiSchiffmann H*Taborstra8e 48 Telephon 47-1-70 Bit gres Rn deta^

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