Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1663 (1.10.1923)
- Date
- 1923-10-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Im Verlaufe einer von 12 <dvv Sonderbündlern auf dem Hindenbnrgwall veranstalteten Kund- . gebung, zu der trotz der Aufforderung der politischen Parteien und der Gewerkschaften, nicht teilzimehmen, 40.000 Personen herbeigesirömt waren, wurden Schüsse abge-, geben, infolge deren es zu heftigen Zusammenstößen kam, die noch andauern. Es entstand eine unbeschreibliche Panik, wobei zahlreiche Personen verletzt wurden. « Düsseldorf, 80. September. (Wolfs.) einem bis in die Nachmittagsstunden ruhig verlaufenen Sonntag kam es z« Zusammenstößen, als schwer bewaffnete Sonderbiindlcrtrupps die Polizei angriffen. Es gelang der Polizei, die Sonderbündler auseinanderzutreiben. Als die Franzosen auf Verlangen der Sonderbündler mit Kavallerie und Panzer au tos Eingriffen, wurde die Polizei umzingelt «nd rntwaffnetj Die Sonderbündler überfielen und entwaffneten Polizdibeamte, nüß- Paris, 30. September. Ministerpräsident Poinea r<5 hat heute aus Anlaß der Enthüllung eines Kriegerdenkmals im Walde von Ailly eine Rede gehalten, in der er erklärte, Frankreich werde nicht a u f h ö r e n, seine Forderungen zu wiederholen und die Völker anzurufen bis zu dem Tage, an dem es verstanden worden sei. Deutschland habe jetzt erklärt, daß es gezwungen gewesen sei, den Widerstand, im Nuhrgebict einzustellen. Wenn die deutsche Regierung erkläre, daß die belgischen und französischen Truppen in die Ruhr gegen Recht und gegen die Verträge eingedrungen seien, wenn es ihnen vorwerfe, die Bevölkerung unterdrückt, die individuelle Freiheit beseitigt und Akte der Gewalt begangen zu haben, dann unterschiebe es Frankreich und Belgien Taten, die auf Befehl des vorausgegangenen Reichsministeriums seit acht Monaten gegen Frankreich in den legal besetzten Gebieten begangen worden seien. Poincare sagte zum Schlüsse: Die deutsche Regierung hat mit ein wenig Lärm der Welt angekündigt, daß sie oem passiven Widerstand im Ruhrgebiet ein Ende bereiten In der Nacht von Samstag aus Sonntag tont es in Spillern bei Korneubmg zu einem Zustmmrenstoß zwischen Arbeitern und Hakenkreuzlern, die eine Versammlung abgehalten hatten, wobei von den Hakenkreuzlevn eine große Anzahl von Schüffen abgegeben wurde, Em Arbeiter wurde getötet, andere leicht verletzt. Die Polizei gibt über diese unerhörten Vorfälle ein Commumque aus, das sich in merkwürdig vorsichtigen Aufdrucken bewegt und nicht recht mit der Wahrheit heraus will. Dieses amtliche Commumque besagt folgendes: Das Gendavmeriepoistenkommando Korneuburg hat in der Nacht zum 30. September der Polizeidirektion telephonisch bekannt gegeben, daß in Spillern Zusammenstöße zwischen Hakenkvcuzleru und Sozialdemokraten swttgesunden hatten bei d«wn SchW gefallen mrd handelten sie und schosse« einen Polizeibeamten nieder. Die Nieste der Polizeimannschaften, die sich im Polizeigebäude befanden, wurden von den Franzosen entwaffnet und von den Sonderbündlern unmenschlich mißhandelt. Die genaue Zahl der Toten und Verwundeten ist bisher noch nicht festgeftellt. Vier Polizisten und 12 Sonderbündler sollen getötet worden sein, eine große Anzahl Schwer- oder Leichtverwundeter ist in den Krankenhäusern eingchracht worden. Sanktionen — der Franzosen! Paris, 1. Oktober. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Tie französischen Militärbehörden in Düsseldorf haben, wie „Echo de Paris" berichtet, wegen der gestrigen Zusammenstöße folgende Sanktionen verfügt: Verbot des Verkehrs während der Nacht. Verhaftungen einig er höherer Beamten, insbesondere einer Anzahl von Beamten der. Schupo. Andere Maßnahmen seien noch vorgesehen. " Bei den Zusammenstößen ist ein französischer und ein belgischer Soldat verletzt worden. werde. Sie konnte nicht anders handeln. Sie wußte, daß sie nicht mehr imstande ist, den Widerstand zu finanzieren. Aber die verdrießliche Erklärung eines unvermeidlichen Waffenstillstandes bedeutet nichts. Von der Ausführung hängt alles ab. Wir beurteilen Deutschland nach seinen Taten. Es hat darauf verzichtet, Bedingungen zu stellen; das ist gut. Aber es muß uns jetzt zeigen, daß es wirklich geneigt ist, in den besetzten Gebieten die Ausbeutung der beschlagnahmten Pfärwer zu erleichtern. Wenn es verlangt, daß wir die getroffenen Maßnahmen zurücknehmen, die wir — sei es für unsere Sicherheit, sei es für unsere Reparationszahlungen — für unerläßlich betrachten, wenn es den Hintergedanken hat, von uns Vorteile einzutauschen gegen einfache Worte der Unterwerfung, dann würden wir keinen Schritt zur Entspannung getan haben. Der Augenblick ist also noch nicht gekommen, unsere Aufgabe für beendet zu betrachten. Die Arbeit von morgen ist viel schwieriger als die Arbeit, die wir vollbracht haben. angeblich Leute verletzt worben seien. Aus Grund dieser Mitteilung wurden die in Betracht kommenden SicherheitSlvachstuben verständigt, und tatsächlich ivurden i«r 21. Bezirk achtzehn Personen angehalten, die von Spillern zu Fuß nach Wien wollten. Sie wurden perlustriert und mit Rücksicht darauf, daß sie möglicherweise an den blutigen Vorfällen in Spillern beteiligt sein könnten, in Vevwahrungshaft genommen. Auf Ersuchen, frc3 Kreisgerichtes Korneuburg wurden die achtzehn Angehaltenen zur 'weiteren Amtshandlung digsem Gericht übergeben. Die näheren Details der Schießerei sind noch nicht völlig aufgeklärt. Es heißt, daß die Arbeiter die „Besprechung" der Nationalsozialisten zu sprengen versuchten und daß die Hakeirkveuzler, wie sie augeben, zur Abwehr ein Paar ,/SchvttkWAe" abgegeben Labe» ES sind SsieK wieder einmal die berühmten Schreckschüsse, die 'beim Birnecker Mord, beim Mord an den Eisenbahner Still und noch be anderen Gelegenheiten als Ausrede dienen mußten. Es scheint aber, daß es sich auch in Spillern nicht uv einen Mt der Notwehr Handel, sondern 'daß die Haken kreuzler mit den Arbeitern eine alte Differenz ausgleichei wollten. Daß dies nur mit der Waffe geschehen konnte, ij man von diesen Burschen schon gewöhnt. Deshalb habe: die Nationalsozialisten zu ihrer ,/Besprechung" in Kotter Gasthaus ihre Argumente, wie Revolver, Gmmniknüppe und Totschläger in großer Zahl nriägebracht und Ware) von vornherein gesonnen, diese „Beweisgründe" ins Treffe) zu führen . Die Vorfälle in -Spillern werden von verschiedener Personen rn folgender Weise geschildert: Am Samstag uv 7 Uhr abends kamen 25 Ottakringer Sturmtruppler in das Gasthaus „zur Weintraube" und sagten, sie hättet eine Besprechung mit ihren Kameraden. Vor dem Gast hause stellten sie Wachtposten aus, die mit den Arbeitern bei welchen die „Besprechung" der Hakenkreuzlerbuber sichtliches Mißfallen erregt hatte, in Konflikt gerieten Doch verhielten sich die Arbeiter ruhig. Mittlerweile Ware: die Kameraden aus Spillern, der großdeutsche Ge meinderat Karl K r a h l, der Eisenbahner S t u g g e r uni der Oekonomiepraktikant Hohlfeld er'eingetroffen. E scheint nun, daß es den Hakenkreuzlern weniger um d' Besprechung als um Stänkern zu tun war, denn sie versuchten im Gasthaust, von Kräh, aufgehetzt, den sozialdemokratischen Bür ge rmeister von Spillern mit ihren Gummikirüttelr zu mißhandeln. Während dieser Szene hatten sich vor den Gasthause etwa 50 Arbeiter angesammelt, die mi> Pfui-und Abzugrusen gegen die Häkenkreuzler demon strierten. Um 8 Uhr scheint den Sturmtrupplern doch des Mut ein wenig gefunken zu sein, denn sie entschlossen sich nach Wien zurückzukehren. In Marschformatior zogen sie zum Bahnhof. In einiger Entfernung folgtet ihnen die Arbeiter. Von ihrer Seite fielen Beschimpfunger und es sollen auch einige Steine geworfen worder sein. Dies wird jedoch nur von den Sturmtrupplern be hauptet. Was nun folgt, war das Werk weniger Minuten. Bo» dem Haust des Gendavmeriekommandos kommandierte de» Führer der Häkenkreuzler, ein gewiffer Strobl, der auch Mitglied der Ostara gewesen sein soll, also im Erschießen von wehrlosen Arbeitern bereits einige Hebung hat, plötzlich: „Halt! Kehrt euch! Feuer!" Aus dieses Kommando sielen gleichzeitig etwa fünfzehn Schüffe, und gleich ^daraus ging ein wahres Schnellfeuer loS. Auf dem Gebäude des Gendarmeriekommandos zahlte man allein 31.Kugelspuren. Gleich zu Anfang der Schießerei stürzte der 16 j ä hrige Hilfsarbeiter Franz Kovarik zu Boden. Ein Geschoß war ihm in den Mund gedrungen und anr Hinterhaupt wieder ausgetreten. Nach lvenigen Minuten starb der Verletzte. Außer ihm wurden mehrere Personen verletzt. Es ist bereits f e st g e st e l l t, daß nur von den Hakenkrouzlern geschossen wurde. Nach der ersten Salve stoben die Arbeiter auseinander und auch die Häkenkreuzler' wendeten sich zur Flucht gegen K or neu bürg. Drei von ihnen wurden schon in Spillern f e st g e n o m m e n. Es sind dies der 23jährige Franz Hohlfelder und die Eisenbahner Josef Kral und Franz S t u g g e r. Nachdem aus Stockeran und Korneuburg Gendarnieriesukkurs gekommen war, wurde sofort auf der nach Korneuburg führenden Landstraße eine Streifung vorgenommen, bei der folgende Häkenkreuzler verhaftet wurden: Karl B o i t s, 22 Jahre alt, Beamter. Viktor Gäng e r, 19 Jahre alt, Bäckergehllfe; Rudolf E i g e l, 21 Jahre alt, Maschinenschlvsstr; Rudolf Beer, 19 Jahre alt, Uhrmacher; Anton Mader, 18 Jahre alt , Hilfsarbeiter; Eduard Küngst,. 18 Jahre alt, Kommis; Leopold K ö b e I, 19 Jahre alt, Kommis. Alle diese jungen Burschen stammen aus Wien und gehören zu der von .HanS Strobl kommandierten Sturmtruppe. Sie wurden dem Kreisgericht Korneuburg eingeliefert. An der Grenze von Wien wurden laut einen: Auftrag der Wiener Polizei die zu Fuß nach Haust kehrenden Sturmtruppler, achtzehn an der Zahl, verbaftet. Es iü Mojti Frankm Meder eine Rnrdtnt der Häkenkreuzler! Ein blutiger Zusammenstoß zwischen Häkenkreuzler» «nd Sozialdemokraten in Spillern.