Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1662 (30.9.1923)
- Date
- 1923-09-30
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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T T" ^1 r 1 1*2Ä32CT^T!^'; Seite 4 Wien. Sonntag ‘ Ausländer Exporteure kaufen am v o; t e i i li a f t ss t e n ä% ■ »ei erstklassiger Qualität und Ausführung bei Repann, Gummi mäntelfabrlk, Wien M lll, Beatrixgasse 26 Tel. 585 III., Heumarkt 7 Im Notfälle seien ihr auch jüdische Stimmen zuzufirhren. Doch niemals dürften Inden au die Spitze der Partei iretcit; denn dies wäre der Ruin für die Partei u n d f ü r die Jude u." So kam es denn vor etwa 30 Jahren zur Gründung der I ü d i f ch e n V o l k s p a r t e i, iu welcher ich sämtliche Juden zur Befestigung ihrer staatsbürgerlichen Rechte zusammenzusühren bestrebt war. Der Versuch scheiterte, nicht zuletzt au dem Widerstand der jungen Zionistischen Partei. Heute ist die jüdische Wahlgemeinschast zustande gekommen, welche wohl nur der Beginn einer Parteigründung sein dürfte, zum Wohte der Juden und aller Par:eien, welche ihnen ein mehr oder minder leicht kündbares Gastrecht gewährt hatten. Heute ist sogar die römisch-katholische Ehe löslich; warum sollte es ein so freies Verhältnis nicht sein, wie es die zeitweilige Interessengemeinschaft zwischen den Juden und der Sozialdemokratie gewesen ist? Drr Wahlaufruf der Großdeutschen. Die Großdenischeu, deren Wahtchaneen durch den gestern erfolgten Bruch mir dent Landbuud, namentlich in den Bundeslärldern, sehr gesunken sind, versenden ihren Wahlaufruf. Er ist ein Sammelsurium von Versprechungen an die verschiedenen Bevolkernngsschichten und leistet sich unter anderein die Kühnheit, die O-enfer Aktion für die Groszdeutschen als Erfolg zu reklamieren, nachdem die Herren Waber und Konsorten doch bekanntlich durch ihr sinnloses Wüten gegen den Vertrag von Sana den Sturz der Regierung Schober und damit die entsetzliche Geldentwertung im Vorjahre verschuldet haben. Im übrigen wird der übliche „antisemitische P h r a s e n k o h l serviert, der Zusammenbruch der Zentralmächte den jüdischen Führern der Sogialdentotratie in die Schuhe geschoben und mit der Zerstörung der Geschäftsmoral die jüdische Zuwanderung aus dem Osten belastet. Die Grogdeutsche Volkspartei werde alles daransetzen, den Einflug des jüdischen Bankenkapitals zu brechen nsw. Natürlich klamme«», sich Herr Dr. Frank und Genossen an ihre Portefeuilles und sie versprechen, an der bisherigen Arbeitsgemeinschaft mit den Christi ichsoziäten festzuhcrlten. Etwas kleinlaut klingt schließlich die Beteuerung, daß die Partei nach wie vor den Anschluß an das Derrtsche Reich anstrebt. Wie oben erwähnt, sind die Wahlaussichten der Großdeutschen schlechter geworden. Sie haben in Wien kaum daiuit zu rechnen, beim ersten Ermittlungsverfahren auch nur einen Kandidaten durchzubringen. Im ganzen Bundesgebiet ist nur das Mandat des Handelsministers Dr. S ch ü r f f gesichert. Ter Landbund, mit dem die Großdeutschen vor einigen Monaten in ein Verbandsverhältnis getreten waren, hat vorgestern dieses Verhältnis aufgekündigt und die beiden nationalantifemitrschen Parteien werden mit Ausnahme von Wien und Kärnten mit separaten Liften vor die Wähler treten. Der Landbund hofft, auf diese Weise den Großdeutschen einige Mandate abnehmen zu können. Ile Wiener Gememderatswahlen. Das vereitelte Wahlbündnis zwischen Dr. Seipel und den Czernin-Leulen. Bundeskanzler Tr. Seipel hat bis in die letzten Tage mir dem Parteiobmann der Großdeutschen, Kandl, Berhan-dlu-ngLN geführt, um die Großdeutschen zu. bewegen, iittr den Christlichst),zi-alen und der B ü r g e r t i ch e n ArbeitsPartei eine Wahlgenleinfchaft für die Wiener Gemeinderatsmahlen zu bilden. Die Anregung hiezu scheint von der Bürgerlichen Avbeitspartei ausgegangen zu sein, d'e.ren Wähler fast durchwegs Juden sind. Die Großdentschen wären bereit gewesen, mitznmachen, verlangten aber, daß die C z e r n i n - P a r te i keine j ü b t j ch,e u K a n d i da t e. n ausstelle. Das mußten die E;en:iu-^enie schon mit Rücksicht auf den ewigen Wiederc.oberer von Wien, Baumeister Melcher, ab- •ichucu, und so ist ans der jüdisch-antisemitischen E i n h e i t s l i ft e für den Gemeindevat Essig genwrden. — (Bei dieser Gelegenheit sei richtigggstellt, daß in der gestrigen Antrittsvorstellnng der Czernin-Lente im 9. Bezirk Herr Melcher und nicht, wie infolge eines Druckfehlers iu unserem Blatte zu lesen war, ein .Herr Metzer als hoffnungsloser Gemeinderatsaspirant über seine alten Mißerfolge jammerte, die ihm die seinerzeitige christlich-antisemitische tilemeinderatsnwhvheit gebracht hat.) Die chMichsozialen Gemeinderatskandidaten Für den Gemeinderat stellen die Christlichsozialen ineist die bisherigen Mandatare auf. Im. 3. Bezirk kandidiert ebenso wie für den Nationalrat der nuferen Lesern schon bekannte Landesgerichtsrat Tr. Otto Weinberge r aus Brünn, dem -die Aufgaibe Anfällen >dnrftie, den hüdisch-kacholischen Flügel der Pavter in dar RatsWbe m _Wiener Morgenzeitnng._ vertreten. J,n der Lüfte findet sich eine Rtzihe wenig bodenständig Mugenider Mnwtt, wie pm Beispiel: Farda, Rampak, Cernjavic, Simerskh, Wenzel Fanta, Sv ob o da, Hula, Cykanek, Huld ec, Panosch, Kazda, Kohout, Pokorny, Bl aha, Hajek, Netoliczka, Nep-nstil, Zvleil, Podiwinsky, Kripal, Wawerka, Mikuilitsch, Hroziuek, Kozak, Jirfchik, He mala, Ratka, Jedina, Zahradnik, Hanglu/fka, Ziomek, Petruschka, Machinek, Indra, Kol-owratek, Aujesky, T war och, Orel, Dworak, Karasek, Wanieek, Nowak, Swatosch, Paeky und Pult a r. Wenn nicht in der Lifte auch die wohMmgenden Flamen Moldaschl und Ohrfandl Vovkäm-en, wäre man versucht, zu glauben, daß eine Verwechslung mit den Kandidatenlisten für ben Prager Genreinderat vorliege. Die österreichisch-polnischen Verhandlungen. Die zum Zwecke der Ausgestaltung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Oesterreich und Polen von österreichischen Industriellen und Käufleuten unter Führung des Handelsministers unternommene Reise nach Polen hat wichtige Ergebnisse gehabt. Iu handelspolitischer Beziehung soll noch vor der Aufnahme der Verhandlungen über die Ausgestaltung des bestehenden Handelsvertrages eine teilweise Herabsetzung des besonders hohen Z o l l n i v e a n s in Polen erreicht werden. Hinsichtlich der wenigen in Polen bestehenden Einfuhrverbote wurde eine entgegenkommende Handhabung des Verbotes für Schokolade und Zuckcrwaren zugesagt. Bezüglich des K oh l cnb ezuges wurde eine Neuregelung der derzeit nach Produktionsgebieten differenzierten Kohlen st euer in sichere Aussicht gestellt, die vermutlich eine Verbilligung polnischer Kohle zur Folge haben wird. Die österreichische Abordnung intervenierte auch gegen die Beschlagnahme von Lebensmitteln- und Bedarfsartikeln, und es wurde die sofortige Aufhebung dieser den österreichischen Export schädigenden Maßnahrne zugesagt. Bezüglich des Z a h l u u g s v e r k e h r e s will man in Polen ans eine Beschleunigung des Ueberweisuugsverkehres hinwirken. Ferner ist Polen bereit, im Falle einer künftigen Acndernng der Devisenvorschriftelt den Bedürfnissen des Verkehres nach einem Ilebergang durch Festsetzung einer K a r r e n z f r i st zu entsprechen. In der Frage der Verbesserung der Zugsberbindung von Warschau über Wien wurde volle Uebereinstimmung erzielt; die bezüglichen Fahrplanprojekte Werder: auf der im N o v e mber stattfindenden europäischen Fahrplankonserenz zur endgültigen Erledigung angemeldet werden. In Post-, Telegraphen- und Fernspr.echangelegenheiten wurden Abkommen geschlossen, die wesentliche Verbesserungen enthalten. Der Postanweisung s- und Nachttahmeverkehr soll möglichst bald ausgenommen werden. Zur Verbesserung des Fernsprechverkehres soll eine direkte Leitung Wien—Warschau in die Wege geleitet werden. Die Verwaltungen sind übereingekommen, die für das Publikttm wichtigen Neuerungen sobald als möglich, tunlichst schon mit 1. Jänner 1921 in Kraft treten zu lassen. Vethlen und Darnvsry in Wien. ,Fr«irag „achts ist der uiMrische Mnni'kchiSMnt Graf Bethlen aus der Durchreise von -Genf in Wien ein* getroffen. Gestern hat Bundeskanzler Dr. Seipel in Begleitung des BnudeÄini nisters für auswärtige Angelegenheiten Dr. Grün borg er dem ungarischen Minister des Aentzern DaruVary in der ungarischen Gosa-Mschaft einen längeren Besuch abgestattet. Es gelangten mehrere zwischen Oesterreich und Ungarn schwebende wirtschaftliche Angelegenheiten zur Erörterung. Die ungarischen Minister sind gestern nachmittags nach Budopest abge.reist. _1 Ungarn. Bethlen Mer die Genfer Verhandlungen. Budapest, 29. September. (Tel. der „Wiener Movgenzeitung".) Ministerpräsident Graf Bethlen ist heute abends nach Budapest zurückgekehrt. Die Ergebnisse seiner Reise bezcichnete er Pressevertretern gegenüber als sehr günstig. Die Schaffung normaler politischer Zustände mit den Nachbarstaaten sei durch wiederholte Besprechungen mit den Vertretern der kleinen Entente e i u g e l e i t e t worden. Wenn nicht neuerlich einzelne Faktoren des öffentlichen Löbens zwecklos und unbedacht störende Momente hervorzerren würdetr, böten die in Gens gepflogenen Verhandlungen Gelegenheit zur Entstehung einer günstigeren Situation Ungarns in internationaler Beziehung. Die Anleihefrage sei noch in Schwede, doch darf man erwarten, daß die kleine Entente vermitteln werde. Gegenwärtig werden noch weiter Bestimmungen vorgeärböitet, um im Moment der Entscheidung keine weiteren Verzögerungen cinirelen zu lassen. In der Kontrollfrage dürste ein Kompromiß erlangt werden. Polen. Die Anleihefrage. Warschau, 29. September. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Finanzminister Kncharski ist von seiner Auslandsreise heimgekchrt. Wie in ihru nahestehenden Kreisen verlautet, hat Kncharski mchrere -Anleiheprojekte mitgebracht, die den Mi- 30. Septenrbcr 1923 Nr. 1662 CBOJKO WIEN Orig. Pariser Modelle in Kostümen, Strassen- und Abendkleidern, Mänteln und Pelzen. I., KÄRNTNERSTRASSE NR. 34 Eingang Maysedergasse 3. * die Verhandlungen bezüglich der amerikanischen Anleihe erfolgreich sind. In den nächsten Tagen trifft hier der französische Sen» tvr Berauger ei», um die wirtschaftlichen Verhältnisse Polens zu studieren. Wie bekannt, hat Frankreich sckM irn Jahre 19 20 eine Anleihe .für Polen in der Höhe von 4 0 Mi l l i o n e n Fra nkieu bewilligt. Bis nun wurde dieser Beschlus; vom französkschen Senat noch nicht ratifiziert. Die oberwähnte Reisti steht im Zusammenhang mit dieser Anleihe und Senator Berauger soll auf Grund semer Studien^ reift dem Senate entsprechende Anträge unterbreiten. In politischen Kreisorr wird bicff-e Reise auch dahin kommentiert, daß Frankreid) Polen nicht den finatrziellen Einflüssetr Englands auslieferil wolle und twher Senator Berauger entsendet habe, um der bevorsteheüoen Reise des englischen Finanzexperten D o n n g zuvorznkommen. Bevorstehende Reuorgmisatio« der Staat» bahnen. Aus Warschau wird gemeldet: Das Eisenbahnminiftctiunt hat dem Ministervatspräsidium ein Projekt für die 2k c it o vg (nt ii i a 11 o u der Statsbnhnein vorgelegt. Nach diesem Projekte sollen die Staatsbahtcen in ein k v nr m erziel l e s Uuie r. ui e h nt e n, das nach dem Muster dort Privatltltternehmuglten geführt werden soll, umgemandett werden. Kn PaßkonflM mit der Mecho-Slowalei. Alls Krakmt utelbct nt tut uns: Mit Rücksicht mtf die letzten Paßvorschristelt des Innenministeriums, wonach Ausländer für ihre Eiltreise nach Polen einer speziellen Bewilligung des Warschaus Außenministeriums bedürfett (über die wir bereits berichtet haben), hat das hjesige tschecho-slowakische Konsulat die Erteilung von Visen nach der Tschecho-Slowakei eingestellt, da das Prager Außenministerium polnischen Staatsbürgern nur nach vorheriger Einreiftböwilliguug die Erteilung von Visen ltach der Tschecho-Slvwaket gestattet. Die Juden im Staatsdienst. Aus Warschmt wird gemeldet: Jit >der letzten Sitzmtg des Senates wurde über das Gesetzes- Projekt betreffend die BeamtengehAter verhandelt. In der Debatte führw der jüdische Senator Bodek aus, daß das Projekt lückenhaft sei und gerechte Forderungen der Beamtenschaft Ultberücksichtigt lasst. Trotzdem werde der Jüdische Klub dafür stimmen. Redner führt Klage über dw gwßen Schwierigkeiteti, die bei der Aufnahme Volt jüdischen Beamten gemacht werden tutd erwähnt, daß zahlreiche jüdische Beamte ohne Grttnd entlassen werden, obzwar die jüdische Beamtenschaft sich stets durch besondereit Fleiß und loyale Pflichterfüllung ausgezeichnet hat. Die Rede wurde mit größter Aufmerksamkeit mtfgenonrnten. Die Teuerung. Aus Warschau wird gerneldet: Die T e u o r u n g s k o m rn i s s i o rt hat in ihrer letzten Sitzung festgeslellt, daß die Teuerung in der zweiten Hälfte September um 13,97 Prozent gestiegen ist. Die Erhaltmrgskosten im ganzen Monat September sind im Verhältnis zum August um zirka 12 Prozent gestiegen. Ein Maffenmeetrng des Abg. Grünbanm in Lemberg. Alts Lemberg wird uns geschrieben: Anläßlich der Anwesenheit des Abg. Grün bäum fand hier eine große Volksvcrfammlung statt, bei der dieser über den 13. Kongreß und die aktuelleit palästinensischen Probleme restrierte. Alt der Versalnmlttng nahm eilte tausendköpfige Menge, die den Abg. Grünbaum mit bratlsenden Ovationelt begrüßte, teil. In seinem Referat erörterte Abg. Grünbaum die Probleme des Kongresses und die prograrnntatischen Grundlagen der „zionistischen Demokratie". Nach der Versammlung fand ein von der Egesamten zionistischcu akademischen Jugend veranstaltetes Bankett statt. Rumamen. Die Wische Schulsrage. Wie ans Kischinew gemeldet wird, gelang es oen Dent 's ch e u Beßarabiens, die Beibehaltung ihrer Minderheitsschulen zu sichern, dagegen sind die jüdischelt Minoritätsschnleit, iltsbesonderic die hebräischen Tarbuthschulen in. Beßarabien, iu einer schlimmen Lage. Die Schulen sind noch immer geschlossen und man sieht keine Hoffnung, daß die Regierung ihre Verordnung gegM die jüdischen Schulen zurückzieht. In einer vom Czern o Witzex Verein Jüdisch c Schule einberufenen MässenversMMnlung Bukowinaer Juden wurde eine scharfe Protestresolution gegen die R o m a n i s i e r u n g der j n d i s ch e tt Schulen angemnmncii. Es wird erklärt, daß das Vvrgchen der Regierung nicht allein gegen die nationalen Rechte, sondern und) gegen nisterrat. LejcbäftMn werden. ^RäeutmsvoLta" Jäiä t 787668