Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1661 (29.9.1923)
- Date
- 1923-09-29
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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«HfUWJJUijJ 1 rrr ) ■ - 4-,. y y,fV:i ,i|iwi..|fr.Bgl appapi velie 6 . Mm, SamZiag Wiener Morgenzeitung. Vereine, Vorträge und Versammlungen. E h u g I w r i. 20. Bez., Karl Mcißlftraße 6. Heute um 7 Uhr Mitgliederversammlung. Herr Kühn. Gäste willkommen. — Lllter H-erren-Berband des I. A. Jurist ende rer ns. Im Anschlüsse an den Verein soll als Mer Herren- Verband desselben eine Gesamtvereinigung der in der kommerziellen und engeren Justizberufen tätigen Juristen geschaffen werden. Heute. 6 Uhr abends, Vorbesprechung in Dcit Kanzleiräumcn Dr. Grünbergs, 1. Bez., Schwarzenbergstratze 8. — Zion. Bez.-Sektion Wieden-Margareten. Heute, 8 Uhr, im Sitzungssaals des Tempelvercins, 5. Bez., Siebenbrunnengasse 1 a, Generalversammlung. -Tagesordnung: 1. Bericht über den Kongreß. Referent Dr. I. Schnlit. 2. Tätigkeitsbericht. Z. Neuwahlen. 4. Eventuelles. — Verein Erez Israel, 2. Bez., Zirkusgasse 32. Heute, halb 7 Uhr abends, odentliche Generalversammlung. — Zeire Misrachi, 2. Bez., Praterstraße 43, Tür 11. Sämtliche Mitglieder werden ersucht, am Sonntag, Hoschana Rabba, um 10 Uhr im Lokal der Machsike Hadaß, 2. Bez.. Schiffamtsgasse 20, zwecks gemeinsamen Mfseins zu erscheinen. — Hitachdu 1 h. Heute, halb 6 .Uhr, Taborstraße 20 a, dringende Waad-Sibung. — Jüdischer Elternvercin 2llsergrund. Hebräischkurse. für Anfänger und Fortgeschrittene. Beginn 16. Oktober. Schriftliche Anmeldungen an den Mischen Elternverein Alsergrund. 3. Bez., Liechtensteinstraße 11. (Bezirksftktion.) Außerdem wird ein Lunsigüverblicher Kurs errichtet. (Batik, Filet, Nähen usw.) — Hebräischer Klub, 2. Bez., Glockengüsse 30.. Heute, 7 Uhr. Vortrag S. Auerbach: „Der Karlsbader Kongreß". Ergänz. Res. Ungerfeld. Dann Besprechung über den Hebräertag. Zlusschuß. Gäste willkommen. — Zion. K u lturgruppe. 20. Bez., Karl Meißlstraße 6. Heute, 3 Uhr, Vortrag Dr. Heinrich Glanz. Simchas Thora um 9 Uhr früh, Minjan in der Wohnung des Koll. Fidcrer, 20. Bez., Traunfelsgasse 7, Tür 17. Erscheinen aller Mitglieder Pflicht! — Zion. Sektion Zwischcnbrücken, Allerheiligenplatz Nr. 17. Heute, halb zwei Uhr nachmittags, hebräischer Kurs, Z Uhr Versammlung der Mitglieder der Sportsektion Reim. Am 3. Oktober Simchas Thora-Feier, 7 Uhr abends, in Mosers Gasthaus. Dresdnerstraße 61. — Poale Z i o n. Heute, halb 8 Uhr abends. 2. Bez.. Blumauergasse 1, Mitgliederversammlung. Leopoldstädter Volksheim, 2. Bez., Zirkusgasse 48. Heute, 7 Uhr: Englisch 3, Italienisch 1, Tschechisch 1. 8 Uhr: Italienisch 2. Tschechisch 2. Urania. Heute, Großer Saal, halb 3 Uhr: Schülervortrag: Unser Freund, der Hund. — Aschenbrödel. 6 Uhr: Tiergeschichten. — Elfenzauber. Halb 8 Uhr: Humor in der Musik. Kleiner Saal, halb 6 Uhr: Dr. Ing. Friedrich Gebers: Aus der Werkstatt des Schiffsversuches. Halb 8 Uhr: Univ.-Assisteut Dr. L. Franz: Ter Mensch der Borzeit. Knrssaal, 5 Uhr: Robert Friedmann: Die Apokalyptik. Halb 7 Uhr: Pros. Dr. Gertrud Herzog-Hauser: Märchen der Weltliteratur. (3.) 8 Uhr: Priv.-Doz. Dr. K. Schnarf: Geschlechtlichkeit im Pflanzenreich. (3.) Klubsaal, 6 Uhr: Nniv.-Lektor Ferd. Matras: Rednerknrs. <3.) Halb 8 Uhr: Brldungsftagen der Gegenwart. (2.) Prof. Dr. Alfrä» Laßmann: Das Problem der Bücherei. k Orig. Pariser Modelle II t* KLEIDER KOSTÜME MÄNTEL B zeigt « Fritz Harburg lt!.,Opernring Nr. » Wr. Pelzmoden-Werkstätte Heinrich. Weininger n Bühne und Kunst. Sleouore Luses Abschiedsabend. (Rem Wiener Bühne.) Der Sohn leidet runter der Vers ährten Schuld der Mauer. tl war aber Lerne Sunde, daß Bianka nicht ihren windigen, wesenlosen Gatten, sondern den wertvollen feinen Freund in s Hauses vor 20 Jahren zrvm Vater ihres Sohnes machte. Um so tragischer, daß der junge Mensch in arge Verwirrung kommt, da er erfährt, daß er ein Bastard ist. Den leiblichen Vater nimmt er mit in die werte Welt, die Mutter aber läßt x zurück neben dem Ehegatte«, der ihr wildfremd geblieben ist. Er, der Sohn, begreift, achtet, Wbt diese Mutter — aber er überliefert sie dem furchtbaren Schicksal der Vereinsamung, der unverdienten für sie wohl tviMchen Strafe, von dem einzig geliebten Sohne getrennt leben zu -müssen. Diese Frau gestaltete Eleonore Düse an ihrem Zlbschiedsofciib. ,-Komödie" nennt sich das schwermütige, twftcaurige SGrck „La Porta chinse" („Die verschlossene Tür") von Marco Praga. Frau Düse spiait wahrlich nicht „Komödie". Mi' erlauchtestem Adel, mit vdefster Erschütterung, die sich scheu im Mantel der Vornehmheit birgt, zeigt sie den Kummer dieser Mutter. Scham -des keuschen Mädchens durchbebt diese Frau mit dom weißen Scheitel, wenn sie erkennt, daß der zwanzigjährige Sohn um das Gchoimnis weiß. Bangen 'im sein Geschick, hält ihre Ssolengual nieder und wenn sie chtteßlich allein zurückbleibt, sieht man eine hohe Frau, die nichis mehr hat, als die Erinnerung und das Verlangen nach der kühlen Erde. Zwei unvergeff.-iche Eindrücke des Abschiedsabends (an dessen Ehren auch -das Ensemble, vor allem der begabte, semnervige " " ~ B nass i teAncchm): Wenn der Vorhang a,sgeht, sitzt Eleonore Duft an einem schönen geschnitzten Tisch, rings um die Tischplatte ranken sich grüne Gewinde, von Blüten gekrönt, bleich wie die Stirne dieser Frau. Es sind noch gutgckleidste Familienangchörige in diesem Gesellschaftszimmer. > Ich glaube. es beduvM Loiner Regieanwois-ung, daß sie alle lei-'cr, vorsichtiger, daß sie auf den Fußspitzen gehen, Mim sie mit dieser Frau zu sprechen haben, daß sich -ihre Stimme ^ämvst und iyr Kopf e'hreMet-ig neigt, wem, ihrielt verftattet ist, die Frau des Hauses auMpvechen. —Und drr andere Eindruck war die Geste, mit der sie die Dant.'skundgebrmgel, des Publiku-rns quill >crte. Ganz leise nur wehrte sie mit bedeutsamer Hand. bewegung ab, als wollte sie sagen: ,^Ich kann nichts dafür. Es ist mir aufgctragen." So wollen wir die greift Künstlerin im Gedächtnis behauen. O. Ä. Buruttzeuter. , Der neu inszenierte „Richard der Zweite". Gestern wurde im Burgcheater als erste Nenaussührung in diewr Spielzeit Sbakcspeares ,„König Richard der Zweite" aufgeführj. Die Vorstellung stand auf ungewöhnlicher Höhe. Sie war auf das Sorgfältigste vorbereitet, und man muß staunen, daß trotz der peinlichen Vorgänge hinter den Kulissen, trotz der ewiger, Krisen, eine so geschlossene, würdige Ausführung überhaupt zustande kommen kaitn. Vorlaute Zwischenrufer, die energisch niedergezischt wurden, sorgten dafür, ,daß das Publikum an die jüngsten PrimadonnenEämpft unliebsam erinnert wurde. Man rief von -der Galerie nach der ersten Szene, in Frau Wohlgemutb anstrat, „Hoch W o h l g e m u t h!" Wir können nicht annehmen, daß die Demonstration bestellt war. Sie dürfte der Künstlerin höchst unwillkommen gewesen sein. — Auls die schöne Ausführung kommen wir morgen näher zurück und stellen für heute nur fest, daß Raoul A s l a n in der Titelrolle hoch über sich hinauswuchs. Weitere Ehrungen in der Staatsoper bevorstehend. Offiziell wird mitgeteilt: Die Ernennung der Frau Kammersängerin Ieritza zum Ehrenmitglied der Staatsoper ist die erste :n einer Reihe gleichartiger A u s z e i ch n u ng g e n, die für die nächste Zeit bevorstehcn. Mit Rücksicht aus die Abreise der Frau Ieriha nach Amerika ist ihre Ernennung aus dem Zusammenhänge der übrigen bevorstehenden Auszeichnungen herausge,wurmen worden. Man sucht anscheinend aus diese Weiic gut zu machen, daß man verdiente in Wien wirkende Kräfte vernachlässigt, eine Primadonna hingegen, die nach Wrcn nur als seltener Gast kommt, mit den höchste,' Ehrungen bedenkt. Burgtheaterasfäre. Die neue Affäre des Burgtheaters, durch einen in Wiener Blättern veröffentlichten Wvokatenbrief akut geworden, betrifft die drei Künstlerinnen Bleib treu, Medelsky und W o h l g e m u t h. Ter Kern der Sache ist nach unseren, an einwandfreier Stelle eingeholten Informationen eine Gagenfrage. Frau Wohlgeniuth erhält eine höhere Gage als bisher, während die Gagen der Frauen Bleibtreu und Medelsky nicht oder nicht im gleichen Maße erhöht wurden. Diese neuest« Affäre, welche angeblich zu einem Austritt der Frauen Bleibtreu und Medelsky aus dem Burgtheater führen soll, hängt wohl mit der vorjährigen Burgthoaterkrift zusammen. welche mit dem Rücktritt des Direktors Paulsen endete. Der neue Direktor Herterich hat unter den schwierigsten Berhältnissen die Leitung des Burgtheatersübernommen und bei seinem Anitsantritt ersucht, ihm dabei behilflich zu fein, eine Atmosphäre der Ruhe und gedeihlichen Arbeit zu schaffen. Wir glauben auch, daß die Presse dem Burgtheater gegenüber, doch noch die Pflicht hat, nichts zu unternehmen, was unnützerweise die Situation verschärft. Wir unterlassen es daher, zu dieser Angelegenheit, welche Im Grunde eine Primadonnenaffäre ist, Stellung zu nehmen. Es wird hoffentlich nichts unterlassen werden, alle drei Künstlerinnen dem Burgtheater zu erhalten, und es wird hoffentlich auch manches unternommen, um diesem Institut neue wertvolle junge Kräfte zu gewinnen, die es dringend nötig hat. * Homunkulus und Maschinenmensch. lieber dieses uralte Problem des künstlichen Menschen hält am Sonntag nachmittags um halb 6 Uhr der bekannte Publizist Dr. Desiderius Papp im Kurssaal der Urania einen Vortrag. Da dieses Problem in der Fachliteratur noch sehr wenig berücksichtigt ist, verspricht der Vortrag interessante, teilweise unbekannte Einzelheiten zu bringen. Herbstausstellung im Theseustempel. Die Vereinigung donauländischer .Künstler eröffnet Sonntag den 30. d. im Theseustempel im Volks garten ihre diesjährige Herbstausstellung. die täglich von 10 bis 6 Uhr nachmittags geöffnet sein 'wird. Die Ausstellung enthält nebst' Werken der Malerei hauptsächlich Arbeiten des Wiener Plastikers Proftsiors Anton G r a t h, des Ungarn Paul P a tz o und des Italieners Marin Petrucci. ' Aus den Theater«. Spielplan der Staatsoper. Sonntag (halb 0 Uhr. zu erhöhten Preisen): „Die M e i st e r s i n g e r von Nürnberg." Montag (7 Uhr, zu erhöhten Preisen): „Fidelio" (Leonore — Frau Kammersängerin Helene Wrld'brunn als Gast). Dienstag (7 Uhr, zu erhöhten Preisen): „Die tote Stadt." Mittwoch (halb 8 Uhr, zu erhöhten Preisen): „S alom e." Donnerstag (7 Uhr, zu besonderen Preisen): „Der Baj-azzo." — .Hansel und Gretel." Freitag (7 Uhr. zu erhöhten Preisen): ,Ara Diavolo." Samstag (7 Uhr, zu erhöhten Preisen): ,>Do n Juan." ßDonna Anna — Fra-u Kammersängerin Helene Wildbrunn als Gast). Spielplan des B-urfltheaters. Sonntag (zu erhöhten Preisen): „König Richard -d er Zweit e." Montag (zu erhöhten Preisen): „E v r a no v o n B e r g-c r a c Dienstag: „Der Graf von Charo-lais." Mittwoch (zu erhöhten Preisen): ,^K ö n i (j Richard der Zwei.t e." Donnerstag (zu erhöhten Preisen): ,^D ie Verschwörung des Fi eskozu Genua." Freitag: ,Ks lebe das Lehen." Samstag (zu erhöhten Preisen): Zum ersteu Male: „Penthesilea." Beginn aller Vorlstellungen 7 Uhr. Spielplan des A k a d e m i e t h e a t e r s. Sonntag (zu erhöhten Preisen): „Tageszeiten der Liebe". Montag: „Der güte König." Dienstag: „Der Bibliothekar." Mittwoch (zu erhöhten Preisen): „D i e d en t s ch e n Kleinst ä d t e r." Donners'.ag: .,B u n b -u r y." Freitag (zu erhöhten Preisen): „Die deutschen Kl:instädter." Samstag (zu erhöhten Preisen): „D er Raub der 'L-ab b ine r in n <mi." W-Minn aller Vorstelluua.'n . halb 8 'Um- 29. September 1923 Nr. rE In der Volksoper gelaugen heute unter der Leitung des Direktors Weingartner neu einstudiert Hugenotte u" zur Ausführung. Nächste Woche absolviert Kammersänger Karl Bur: an sein G-astspiel, am 2. Oktober als Tannhänser, am 6. Oktober als Tristan. Spielplan der Volksoper. Sonntag (2 Uhr, zu bedeutend ermäßigten Preisen): ,jD e r T r o u b a d o u r." 7 Uhr: .Louise." Montag (halb 8 Ubr): „Fid-elio." (Kein Kartenvorverkaus.) Dienstag (7 Uhr): „T a n u h ä u s e r." Mittwoch (halb 8 Uhr): „Cavalleria rnsticana." — „Der Bajazzo." Donnerstag (7 Uhr): „Don Juan." Freitag (7 Uhr): „Louise." Samstag (hallb 7 Uhr): „Tristan und Isolde." Spiclplan des Deutschen V o l k s th e a t e r s. Sonntag (3 Uhr nachm.): „Großstadtluft." (Dr. Enffius — Dr. Rudolf Tyrolt.) Halb 8 Uhr: „F a -m i l i e S ch i m e k." (Zawadil — Dr. Rudolf Tyrolt.) Montag (7 Uhr): „Der Fremde." Dienstag (7 Uhr): „Die große Katharina." — „Blanco Pos net s Erweckung." Mittwoch (7 Uhr): „L o l o s V a : e r." (Briefträger Kleinnc — Dr. Rudolf Tyrolt.) Donnerstag (7 Uhr): Neu einlstudiert: „Der Privatdozent." (Proi. Prutz — Dr. Rudolf Tyrolt.) Freitag (7 Uhr): „Familie Schi me k." (Zawadil — Dr. Rudolf Tyrolt.) Samstag (7 Uhr): Zum ersten Male: „Man kann nie wissen." Komödie.in 3 Mten von Bernavd Shaw. Raimund-Theater. Sonntag (halb 3 Uhr): Wiener Kammeroper: „Mignon." 7 Uhr: „Der liebe Augustin." Montag und Dienstag (7 Uhr): ,L)ie Komödie der Irrungen." — Zeitvertreib." Mittwoch und Donnerstag (7 Uhr): „Der liebe Augustin." Freitag (7 Uhr): „Die Komödie der Irrungen." — ,^Z e i l ve r t re i b." Samstag (7 Uhr): „D i e W b e r". — Leopoldine Konstantiu bogirmt am 11. Oktober ihr Gastspiel. Spielplan der Neuen W i e n e r B ü h n e. Täglich bis inklusive Donnerstag den 4 .Oktober (7 Uhr): „Der Mustergatte." Freitag den 6. Oktober (7 Uhr): Zum evsten Male: ,M. U. R." Utopisches Kollektivdrama in 3 Akten von Karel Capek (deutsche Uebersetzung von Otto Pick), mit Ernst S t a h l - N a ch b a n r und Karl G o e tz als Gaste. Samstag und die folgenden Tage (7 Uhr): ,M. U. R." Spielplan der R c n a i s s a n c e b ü h ne. T-äglich bis einschließlich Montag den 1. Oktober (halb 8 Uhr): Gastspiel Tlrnold K o r s f: „Die hohe S ch u l e d e r Lieb e." Dienstag (halb 8 Uhr): Gastspiel Maria Karsten — Oskar Beregi: Zum ersten Male: „Carneval," englisches Drama in 3 Akten von H. C. H. Ha rd in ge und Machesone Lang. (Bearbeitet von Enrmerich Fazekas.) Mittwoch und die folgenden Tage (halb 8 Uhr): Gastspiel Karrste»- Ber eg i: „Carneval." Gerichtssaal. Re HÄmkreuzlerplakate unter dem Schutz des Gesetzes. Der 17jährige Salo Sil berstein wurde eines Abend^- dabei betreten, wie ereinHetzblattderHakenkreuzler abriß. Der Revierinspektor Josef Steiner, der ihn bei dieser Handlung überraschte, glaubte sich ein besonderes Verdienst um den Staat zu erwerben und brachte den Jungen auf das Polizikommissariat Ottakring. (Gegen die Plakcttierung der Mordplakate haben die Behörden weitaus nicht jene Schneidigkeit gezeigt wie gegen die Abreißer der Pamphlete.) Gestern stand der junge Silberstein vor dem Bezirksgericht Fünfhaus (Obcrlandesgerichtsrat Dr. Nehoda) unter der Anklage der boshaften Sachbeschädigung. Es war die Fortsetzung einer bereits früher stattgefundenen Verhandlung gegen Silberftynt, in welcher dieser angegeben hatte, daß das Plakat, das zu Haß und zu Gewalttätigkeiten gegen die Juden aufforderte, ihn in große Erregung versetzt habe, denn der Inhalt des Plakates war eine einzige Lüge. Nach durchgeführtem Beweisverfahreu erkannte der Richter den Angeklagten schuldig und verurteilte ihn bedingt zu 60.000 K. Geldstrafe. Es ist recht nett' von Herrn Dr. Nehoda, -daß er in der Begründung immerhin zugab, daß ein Jude durch den Inhalt solcher Plakate in eine gewisse Erregung versetzt werden könne. Dazu ist zu sagen, daß die Mord- und Hetzplakate der Hakenkreuzler nicht nur Juden, sondern alle anständig d?nkenden Menschen in Erregung versetzen müssen! Em Kavalier. Eines Tages bekam die Bankbeau,tin A. S. eine offene Karte ins Bureau, auf der stand: „Liebes Herzerl!' Ich erwarte Dich, da es mir nicht möglich ist, zu Dir zu kommen, im Hotel Hernalserhof, Zimmer Nr. 140. Dein Dich liebender Artur." Als der „liebende Artur" wurde der 66jährige Zuckerbäcker Anton G. ermittelt, von dem die Klägerin behauptete, er belästige sie mit Anträgen und habe gedroht, ihre Existenz zu ver nichten, weil sie ihn abgewiesen habe, Bei der gestrigen Gerichtsverhandluna stellte der Angeklagte in Abrede, dre Karte geschrieben zu haben, und behauptete, die Klägerin, ein junges, hübsches Mädchen, laufe ihm nach. Dann zählte er alle Wohltaten auf, die er dem Mädchen und ihrer Familie angeblich erwiesen habe, kurz — ein Kavalier vom Scheitel bis zur Sohle. Da es der Klägerin im Wesen nur darauf ankam, von dem liebestollen Alten Ruhe zu bekommen, gab sie sich damit zufrieden, daß er versprechen mußte, albe seine Nachstellungen und Nachogelüstie endgültig aufzugeben. Darauf wurde der „liebende Artur" fveigesprochen. Die verwechselten Medikamente. Wegen einer unter eigenartigen Umständen begangene,: Uebertretung gegen die körperliche Sicherheit hatten sich gestern zwei Krankenpflegerinnen zu verantworten. Im März d. I. wurde Frau Batista Doskocil mit einem Blasenleiden ins Nudolfinerhaus ausgenommen. In der Nacht nahm die Kranke von der auf ihrem Nachtkästchcn stehenden Medizin und wurde bald darauf von schwerem Unwohlsein befallen. Es wurde festgestellt, daß sie statt der Medizin Essigsäure getrunken hatte. Die Erhebungen ergaben, daß die Säure kurz vorher als Mittel gegen Ungeziefer angeschafft worden war, daß die Flasche genau so wie die richtige Medizin eine grüne Etikette trug. Die Patientin st a r b etwa drei Wochen später, und da es nicht ausgeschlossen war, daß der Tod mit der Verwechslung der Medikamente in Zusammenhang stand, wurde gegen die beiden Pflegerinnen d,e Anklage erhoben. Die Obduktion der Leiche ergab, daß der Tod mit der Verwechslung der Medikamente M keinem Zusammenhang stand. Den Angeklagten wurde) insbesondere zur Last gelegt, daß sie wissen mußten, daß Medb«: kamente mit grüner Signatur rm Spital nicht zur innerliche«:, Verwendung standen. Nach durchgeführten, Beweisverfahren fand der Richter beide Angeklagten schuldia und verurteilte sie b-Ungt zu drei Tagen Arrest.