Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1923-09-29 · Heft 1661 (29.9.1923) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1661 (29.9.1923)
Date
1923-09-29
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2979076-2980477-2980742--16269-3003167
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

M. T66I Men, SamZ'tiag wenn uns unsere Anhänger alle erreichbaren A nschriften jener Juden bekanntgeben würden, die von ihrem Besitz Plakat ier u ngswände zur Verfügung gestellt haben. Wir versprechen uns von d i e s e r A rbeit außerordentlich viel rn:d wir bitten deshalb unsere Parteigenossen, uns in dieser Angelegenheit rasch und kräftig zu unterstützen. Es ist ganz klar, daß es sich hier urn den Versuch handelt, durch erpresserische Drohungen den jüdischen Hausbesitzern bange zu machen. Wir machen die Behörden aus diesen Unfug aufmerksam! Und solches Treiben genießt hierzulande den Schutz der Behörden! Jüdische Bahlgemeiuschaft. ( Jüdische Wühler u. Wählerinnen! Heute Samstag» 8 Uhr abends» im Cafö Fetzer, 2. Bez.» Praterftratze 8 Wöhler-Bersammlung - -; Re - uerr m Dr. JaKvb Ornsteiu» Präsident der Union deutschösterr. Inden. Ingenieur Robert Stricker. Gemeinberat Dr. Leopold PlaschKes. Siegfried Fleischer» Sekretär der Union deutschösterr. Juden. w Jüdische Wühler, erscheint in Massen! Die Krernin-Demokraten im 8. Bezirk. Der „b ü r g e r l i ch - d e m o k r a t i s ch t n A r- Deits Partei" gelang es, für gestern abeirds etwa hundert Personen zusammenzutvommeln, um eine Wählerversa-mnrluing im neunten Bezirk abzuhalten. In der Versammlung wurde viel geschimpft und wenig Neues gesagt. Der -demokratische Januskopf, der so oft auf die. unterschiedlichen Antisemiten schielt, sah sich mich diesmal veranlaßt, in der Person des Herrn Oberbanrates B a u e r eine Kanone gegen die neueiugebürgerten Ausländer iloszulafsen, die von dem Mieterschutz ausgenommen und so vogelfrei werden sollen. Um in der gleichen Tonart zu bleiben, nannte Herr Salzer die Sozialdemokratie «ine „a statisch e" Weltanschauung. .Herr Melzer, der hoffnungslose Gemeiuderatsafpirant, jammerte über seine alten Mißerfolge, die ihm die seinerzeitigL christlich-antisomitische Gemeinderatsmehrheit beigebracht hat. Die Lehre, daß es endlich mit 'der Liebäugelei mit den Chriftlichsozialen nach Art des Herrn Ezernin genug fei, zog He.rr M e l z e r nicht. Die ganze Art, wie sich diese Gvafenpartei demokratisch geberdet, ist so lächerlich, -daß man nicht recht ernst bleiben kann. Herr Melzer hat mit seinen bisherigen Politischen „Erfolgen" noch nicht genug; er will >um jeden Preis durchfallen, selbst um den, daß e.r die jüdische Einheit in sein e mBezir k wichtfertig zu stören sucht, was aber ein fruchtloses Beginnen bleiben wird. Wiener Morgenzertung. 29. September 192 in fe nster Qualität zu billigsten Preisen bei Heinrich Weinberger, I., Singerstrasse 6 beginnen, da der Oktober für die tschecho-slolrakisch-italienischen Handelsvertragsvechandlungen Vorbehalten ist. Nationalrat Hamislch gestorben. Im Alter von 57 Jahren ist gestern Nationalrat Ferdinand Hann sch einem Krebsleiden erlegen. Eine zweimalige Operation konnte ihm keine Rettung bringen, und sei,! Tagen waren seine Angehörigen und Freunde ans sein Ende vorbereitet. Hämisch, ein gebürtiger Schlesier, hat sich aus ganz kleinen Anfängen cmporgearbeitet. Im Jahre 1907 wurde er als sozialdemokratischer Abgeordneter in den Reichsrat gewählt. Nach dem Zusammenbruch wurde er zum Staatssekretär für soziale Fürsorge bestellt, im Proporzkabmett ivar er stellvertretender Besitzender. Im Nationalrat vertrat er den Wahlkreis Graz und Umgebung. Mit Hämisch verliert die Sozialdemokratie einen ihren besten Männer. Ungarn. Mr. Kahn hat die besten Mnbrüstr. .. Erst gestern berichteten wir, daß die Budapester Blätter der christlichen Opposition im Zusammenhang mit der Anwesenheit des New-Iorker Finanzmannes Otto H. Kahn klar und deutlich erklärten, daß, falls die internationale Anleihe für Ungarn nicht zustande kommt, „ohnehin kein Jude in Ungarn am Leben bleiben wird". Mr. Otto H. Kahn hat daraufhin Ungarn verlassen. In Budapest war man der Meinung, daß Kahn, der sicher wisse, daß die Anleihe unter den gegebenen Verhältnissen nicht Zustandekommen könne, nicht unter denen sein wollte, die „ohnehin usw. . . ." Nun versuchen die Negierungsblätter und die mehr linksstehende Presse die ungewisse öffentliche Meinung zu beruhigen. „Mr. Otto Kahn — so säuselt es durch diesen Blätterwald — wurde auch vom Reichs Verweser Horthh empfang e n. Seinen -Freunden, die ihn zur Bahn begleiteten, erklärte Herr Kahn wiederholt, daß er hier die besten Eindrücke gewonnen habe, über die er nach seiner Heimkebr in Amerika einen Vortrag halten werde." Wir sind auf diesen Vortrag wirklich gespannt! Der Sozialdemokrat Müller als Antisemit. Gestern hat der Bnndesrat alle vom Nationalrat in benutzten Tagen gefaßten Gesetzeseschlüsse genehmigt, darunter das Südbahnabkommen, die Verlängerung der Reklanrationsfrist für die Nationalrats Wahle,: usw. Gegen die Uebernähme der Bundeshaftung für ein Obligationsaulehen der st a a t l i ch e n H e i l m i t t e l st e l l e wendet.' sich der Großdeutsche Bierbaum er. Er verwies auf eine in der „Pharmazeutischen Post" geübt.' scharfe Kritik att der Bilanz der Heilmittelstelle mtb bemerkte, der größte Abnehmer der Anstalt, das Allgemeine Krankenhaus, habe atts Ersparungsgründen seinen Einkauf bei privaten Großfirmen besorgt und dadurch in einen: Vierteljahre eine Summe von einer Million Kronen erspart. Er beantragte auch gegen die Uebernähme der Haftung E i n s p r u ch zu erheben.' Der frzial-demokratische Berichterstatter M ü Iler leistete sich nun in seinem Schlußwort folgende G e m e i nhe it: Es werde Wohl selten Vorkommen, daß ein Vertreter des deutscher: Volkes, der das Wort deutsch bei jeder Gelegenheit unterstreicht, dem j ü d i s ch e n M e d i k a m e n t e uw u ch er das Wort redet. Würde die Heilmittelstelle von der Bildsläche verschwindet:, dann würde den: Wucher mit Medikamenten Dir und Tor geöffnet werden. Bundesrat Bier bar: Mer entschuldigte sich schließlich in einer tatsächlichen Berichtigung, daß er nicht für b t e Interessen des jüdis ch e r: M ed i k a n: e n t e n h a n d e l s, sondern für das Apothekergewerbe eingetreten sei. Das Apothekergewerbe sei aber kein jüdischer Wucherexpouent, sonderr: ihn: gehören zum größten Teile ehrenwerte a r i s ch e Elemente an. Der i Prag, 27. September. Wie die „Tribuna" erfährt, werden die Haudelsvertragsverhandlnngen zwischen der Tschecho-Slowakei und -Oesterreich erst im Nove m b q r Dör ungarische Auswandererzug. Aus Budapest wird uns berichtet: Auch bisher schon hat es in Ungarn des christlichnationalen Regimes eine starke Auswanderungsbewegung gegeben, doch hat sich diese sozusagen auf Schleichwegen durchgesetzt. Jetzt hat die Regierung selbst die Auswanderungssache in die Hand genommen, und gestern ist der erste Auswanderungszug mit 400 magyarischen Auswanderern — Bauern, Handwerker und Arbeiter — ans Budapest abgegangen. Der Zug wurde von drei Beamten der Cunardlinie begleitet, mit welcher die ungarische Regierung ein Abkommen wegen Abwicklung der legalen Auswanderung abgeschlossen hat. Sämtliche Auswanderer gehen nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika. „Christlicher Betharismus." Nicht wir prägen dieses Wort. Es stammt von einem guten, ehrlichen Ehristen, dem päpstlichen Prälaten und Mitglied der ungarischen Nationalversammlung, Dr. Alexander G ieß wein, der anläßlich seines Rechenschaftsberichtes in seinem Wahlkreis mit diesem gewiß scharfen Wort seinem christlichen Herzen Luft machte. Er versprach, bei aller seiner Liebe für die weitestgehende Freiheit, nach wie vor gerade im Interesse der Freiheitsidee, gegen jederlei bolschewikischen Terror den Kampf zu führen. Der Terror ist nun umso gcsährlicher — sagte er —, je mehr er in christlicher Maske auftritt und dadurch das Christentum kompromittiert. Schon jetzt sehen wir, daß dieser christliche Betharismus einen solchen Grad von Unduldsamkeit in die Masse,: getragen hat, daß dadurch auch der Friede unter den ch ristlichen Konlfessionen vom Grund auf zerstört wurde. Ich habe dieses Ergebnis vorausgesagt und ich verurteile die in christlichem Gewände auftretenden terroristischen Bestrebungen, die jedes politischen Gefühls und auch jeder christlichen Methodik entbehren. klamieren. Der Beginn des Ansstandes wurde bis Montag anfgeschoben, um das Ergebnis der Vermittlungsversuche einiger Abgeordneter abzuwarten. Kn politischer Mord. Warschau, 28. -September. Der ehemalige Sej,nabgeordnete S a d o w s k i ist gestern auf, seinem Landgute bei Minsk-Mazowiecki von unbekannten Tätern durch mehrere Revolverschüsse getötet worden. Den Mördern, die maskiert waren, gelang es, zu entfliehen. Es handelt sich wahrscheinlich um einen politischen Mord. Krakau, 28. September, Aus Dombrowa wird gemeldet, daß die seit einigen Tagen zwischen den Grubenbesitzern und der Bergarbeiterschaft geführten Lohuverhandlnngen an der ablehnenden Haltung der Unternehmer g e s ch e i t e r t sind. Die gestern ab gehaltene Konferenz der Bergarbeiterdelegiertei: beschloß, im gesa m ten Dombrowaer Revier den A u s st a n d zu pro- Krise in der FaszWchen Partei. Rom, 28. September. Gestern abends hat der Vollzugs» ausschuß der Faszistischen Partei Massimo Rocca, Mitglied des großfaszistischen Rates und Chef der Fach beträte, der in der letzten Zeit gegen einzelne Führer in der Provinz scharf polemisiert Haiti.', aus der Partei ausgeschlossen. Der Beschluß wurde von der Partcipresse mißbilligend zur Kenntnis genommen. Da auch Mussolini den Beschluß angeblich nicht gnthieß, gab der Voll; u gsanss ch n ß heute seine D emifsion. Die Blätter führen die Krise ans ein Ringen Mischen den Revisionisteu und. den Intransigenten innerhailb des Faszismus zurück, von drnen die einen, wie Rocca, die Partei der Oefsent-lichkeit näherüringen wollen, während sich die anderen verschlossen halten möchten. v Das sentierte Ksrsu. Mailand, 28. September. (Tel.-Komp.) Die plötzlichr Rückkehr eines' italienischen Geschwaders nach Korfu wird vom „Corriere della Sera" mit der Tatsache erklärt, daß die griechische Regierung noch nicht die nötigen Weisungen wegen der B e z a h l u n g der bei der Schweizer Nationalbank hinterlegten Lire an das italienische Schatzamt erteilt habe. Infolgedessen habe Mussolini das italienische Geschwader auf der Heimreise von Korfu wieder nach der Insel zurückbeordert. Dieses Geschwader hat den Befehl, solange im Hafen von Korfu zn verbleiben, bis die Ueberweisung erfolgt sei. Griechenland nimmt die Entscheid«»« der Botschafterkanferenz an. Athen, 28. September. Ter französische Gesandte hat ge» stern der griechischen Regierung die Note der Bolschafterkonfereuz übergeben. Die griechische Presse äußert lieberrcrjchung über die Entscheidung der Botschafterkonferenz, da nach dem Bericht der Untersuchnngskommission erwartet worden war, daß über Griechenland die Bezahlung von höchstens 20 Millionen Lire verhängt würde. Heute hat die griechische Regierung dem französischen Gesandten ihre Antwort überreicht, in der sie unter dem Ausdrucke des Bedauerns darüber, das; das Ende der Untersuchung nicht abgewartet worden sei, erklärt, die Entscheidung der Botschafterkonserenz anzunehmen. Athen, 28. September. Die griechische Nationalbani hat im Aufträge der Regierung die Schweizer Bank telegraphisch angewiesen, der Banca d'Jtalia unverzüglich die 50 Millionen Lire zu überweisen. , Die spanische MiMrdittatnr. Barcelona, 28. September. Vier Wochen*- schrifte n, die eine scharfe Sprache führten, sowie 47 n ationaliftische Vereinig ungen in der Provm sind eingestellt, beziehungsweise aufgelöst worden. Die neue türkische Verkostung. Angora, 28. September. DerBevfassungsausschuß der großen Nationalversammlung beschäftigt sich derzeit lebhaft mU der Schaffung einer neuen Verfassung des Türkischen Reiches. Es sind Aendernngen der gegenwärtig geiltMden Verfasst na geplant, doch ist bis jetzt -noch käme Entscheidung g-'-. " " worden. Tagesbericht. Fürst Radziwill und der ksrog. lEine Wilnaer Sukkotlegende von Jizchok Brandes.) Diese Geschichte begab sich vor hundertsiebenmtdsechzc Jahren, im Jahre 5516, währenddes siebenjährigen Krieges, den Friedrich der Große mit den Herrschern von Oesterreich, Rußland, -Frankreich und Sachsen führte. Jllfolgc des Krieges waren die Straßen lebensgefährlich, und aus Pole:: nach Erez Israel oder in ein anderes Land zu kommen, wo Esrogim zu bekommen waren, war unmöglich. Der' Sommer war bereits zu Ende und es kam die Elulzei^ Die Töne des Schosar erkLangen schm: und die Judenschaft von Wilna rüstete zu den hohen Feiertagen; man begaru: die Zeit der Buße vorzubereiten und im WillNaer Ghetto wurde die Düsterkeit der Gerichtstage fühlbar. Auch der Gaoa: von Wklna — seit: Andenken uns zum Segen hatte viel Kummer und Sorge. Er brauchte natürlich vor dem Tag des Gerichtes keine Frucht zu haben: beuni wer außer ihm könnte vor der: Richterstuhl' mit so viel guter: Werken und Wohlllater: treten? Des Gaons Kummer war ein ganz anderer. Er sah ein, in einen: so großen Kriege,' cd: dem die halbe Welt teilrmhm, rvürde es unmöglich sein, einen Esrog zu beschaffen;'wie konnte man da die Mizwahder vier Frnchtärten erfüllen? Es war bereits nach Rosch-Haschanah, der Jomkipur war'schm: vorüber, und in Wilna gab es >:och imrrrer tdueu Esrog; was konnte das für ein Sukkotfest sein ohne einen Esrog, und/ gar für der: Gaon von Mlna, der die Mizwah der vier Fruchtarten so hoch schätzte, daß er sich das ganze Sukko-tfest hindurch am Esrog erfreute; ihr wißt ja, als' er zur Snkkotzeit in: Jahre 5558 dahing mg, da starb er, der: Esrog und den Lillaiv ir: der Hand. JederW für den Einkauf von Stoffen für die Herbst- und Wintersaison: Damen- und Herrenwäsche, Bett- Wflfclr und Hauswäsche. Strickwaren, Teppichen, VorhniiA hängen etc. nur das bekannt verlässliche u. billige üSchiffmann II.. TaborstraBe 48 Telephon 47«1«79 En gros En detail ■i .... -'-Vf- :v“ . ,,s.,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.