Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1654 (22.9.1923)
- Date
- 1923-09-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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nzeinmnmerKlOau // i e n: Zum Abholen in der Expedition, II.,Taborstr. 1-3, oder in einer Verschleisstelle (Trafik) monatl. K 28.000 Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 28.000 Ts c h e c h o-S 1 owa k c i: Mon. K 17. Jugoslawien: Mon. Dinar40. P o 1 e n: Mon. Mk.70.000. Deutschland; Mon. Öst.K 28000. Frankr., Belgien: Monatl. Frcs. 8 fgUjgr Nachzahlungen >cl Preiierhohunjren Vorbehalten Nr. 1654 Wiener orgeuzeilung Wien, SamMg, 22. September 1923 Tschecho-Slowakei i tschech. K 1.2lf Italien: Monatl. 10 Lire, Rumänien Mon. 90 Lei, Bulgarien Mon. 75 Lewa, Schwei? und das übrige Ausland n onatl di Frcs. 3 RccU-' tionu Administration WI' n, II., aborstrassel*—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr abds. 19-483,25-282 Tel.-Adr.: .Morgenzeitung“ Wien Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 5. Jahrgang Sine »Mische Seite. F. Wien, 22. September. In der tschecho-slowakischen Republik haben vor einigen Tagen die Gemeindewahlen stattgesunden. Es ist das zweitemal, daß in dem Staate, der bald seinen fünfjährigen Bestand feiern wird, solche Wahlen vor sich gegangen' sind, und da die ersten Wahlen noch in der Atmosphäre der ersten Nachkriegszeit stattfanden, will man aus dem Ergebnis der gegenwärtigen Wahlen den politischen Kurs in der Nachbairrepublik ableiten. Die tschecho-slowakische Presse aller Richtungen und mit ihr auch die österreichische, hat sich beeilt, aus den Wahlresultaten ihre Folgerungen zu ziehen, und man konnte feststellen, daß eigentlich alle Richtungen zufrieden inib- Aber abgesehen davon, daß diese Auslassungen vielfach ganz falsch und unsachlich waren, sind die Epiloge viel zu früh gekommen, weil man kaum heute noch einen genauen Uoberblick über die Wahlergebnisse gewinnen kann. Die Wahlen, die in mehreren tausend Orten vorgenommen wurden, fanden auf Grund eines Gesetzes statt, welches bei einer Einigung der Gruppen auf die Listen den Wahlgang überflüssig macht, und in der Tat kamen an die fünfzig Prozent aller Orte in die Lage, von dieser Bestimniung Gebrauch zu machen. ^Was nun die Wahlergebnisse selbst anlangt, so unMliegt es heute keinem Zweifel, daß die tschechischen sowohl als auch die deutschen Sozialdemokraten in zahlreichen Gemeinden eine beträchtliche Einbuße erlitten und eine Verringerung ihrer Gesamtstimmenzahl zu verzeichnen haben. Die Erscheinung ist nicht überraschend und findet ihr Widerspiel in anderer' Staaten auch: die Mitläufer. die sogenannten Rovembevsozialisten, haben zu ihrem bürgerlichen Lager zurückgefunden, weil ihnen die Zwischenzeit Gelegenheit gab, ihre Position einigermaßen einzurenken und den Anschluß ans Bürgertum wieder zu finden, und der sozialistische Radikalismus ist ins kommunistische Lager abaeschwenkt, weil seine Hoffnungen unerfüllt geblieben sind. Auch in der Tschecho-Slowakei sind die sozialen Gegensätze hart aneinandergeprallt, die Wirtschaftskrise, an welcher das Land, eingeklemmt zwischen Staaten mit überaus schlechter oder völlig zerstörter Valuta, gerade infolge seines Reichtums und seiner Produktivität leidet, . hat die arbeitenden Massen stark in- Mitleidenschaft gezogen, und der offizielle tschechische Sozialismus, den die Regierungsfähigkeit recht kompromißlerisch in nationaler und sozialer Beziehung gemacht hat, hat unleugbar stark an Anhang verloren. Vom tschechischen Kommunismus ist in diesem Zusamenhange gw sagen, daß' er sich doch weniger wild geberdet, als es die Benedikt- Presse in Oesterreich glauben machen will, und weder ist er heute so weit, noch wird er es in absth'barer Zeit sein, um an eine Umwälzung im Staate denken zu können. Die stärksten Stimmenzahlen haben auf tschechischer Seite jene Parteien zu verzeichnen, welche das bürgerliche Fortschrittsprogramm, das sich bei den nationalen Sozialisten als Sozialismus geben möchte, mit einer kräftigen nationalistischen Note verknüpfen sowie die Agrarier, während in der Slowakei neben den die Republik in ihrer heutigen Form bejahenden Agrariern die klerikale, autonomistische und antisemitische Richtung, emporgerückt ist. Sichtliche Erfolge hat auf tschechischer Seite die nationalistische, die klerikale und die agrarische Richtung errungen, am unangenehmsten für den Prager Zentralismus dürsten die Gewinne des slowakischen Autonomismus sein, der durch eine stete magyarische Propaganda geschürt wird. Ueberflüssig zu sagen ist endlich, daß auch die deutschen Hakenkreuzler in einigen ihrer Nester vorgerückt sind, wo sie unter den: Einfluß der Grenze stehen, wofür die stete Hetze eines deutschen Nationalismus sorgt, dessen Ideologie noch an der „glorreichen Zeit" festhält. Im allgemeinen muß man sich davor hüten, von Wahlergebnissen in einer Unzahl von größeren und kleineren Gemeinden ohne weiteres auf die künftige politische Konstellation Schlüsse zu ziehen, schon darum, weil Parlamentswahlen unter anderen Bedingungen vor sich gehen und das lokale Monrent dalbei zurücktritt. Die Koalition, auf der das heutige Negierungssystem in der Nachbarrepublik ruht, wird durch das Ergebnis der Wahlen nickst tangiert- Besonders erfreulich ist der Aufmarsch der jüdischen Wählerschaft, der diesmal in 'imponierender Geschlossenheit erfolgt ist, fast überall dort, wo es eine beträchtlichere jüdische Bevölkerungsgruppe gibt. Die jüdistl^politische Aktivität in der Tfchecho-Slowakei hat zu sehr beachteuÄvcrlen Konsequenzen geführt. Der Äiriiw'.i'i.üsmns rn politischer «ob fapafago QK&eNtift Um das Prestige de» Völkerbundes. Sr. Benefch — Referent für die Abrüstungsfrage. Die Abriiftungsfrage. Genf, 21. September. (Tel. der „Wr. Morgenzektung".) In der heutigen Sitzung der Kommission für die Abrüstungsfrage wurde Dr. Benefch zum Berichterstatter für die Vollversammlung des Bundes bestellt. Der Garantievertrag. Die dritte Kommission des Völkerbundes für die A brüstungsfrage hat heute den Garantiedertrag in ersicr Lesung angenommen. Genf, 21. September. (Schweizerische Depeschenagentur.) In der Völkerbündsversammlung wies der schweizerische Delegierte Bundesrat Motta auf die große Bedeutung des internationalen ständigen Gerichtshofes im Haag hin und verlieh der Hoffnung Ausdruck, daß auch die Großmächte früher oder später die obligatorische Schiedsgerichtsbarkeit dieser Institution anerkennen würden. Er wolle auf den italienischgriechischen Konflikt nicht zu sprechen kommen, aber er möchte seiner Freude Ausdruck verleihen, daß durch die versöhnliche Haltung der beiden Parteien und durch das zielbewußte Eingreifen der Botschasterkonferenz und durch die wohltuende Mitwirkung des Völkerbundrates diese Angelegenheit zur Befriedigung aller geregelt werden konnte. Er möchte jedoch kurz einen Punkt dieser Angelegenheit berühren, nämlich die Verantwortlichkeit der Staaten für politische Verbrechen, die auf ihrem Gebiete begangen werden. Er hob hervor, daß die Staaten nicht für die. Verbrechen selbst verantwortlich gemacht werdenkönnten, sondern nur für deren Bestrafung. London (Holland) erinnerte daran, daß noch eine ganze Reihe prinzipieller Fragen in der Angelegenheit des italienisch-griechischen Konfliktes zu lösen bleibe, wie jene der Interpretierung des Paktes. Der Präsident des Völkerbundrates Jshii (Japan) stellte fest, daß der italienisch-griechische Konflikt endgültig gelöst sei. Es sei sicher, daß, was die Frage bezüglich der Interpretation des Paktes und der Befugnisse des Rates anbetreffe, der Rat einmütig d c r A u sicht war, daß diese Frage von großer Bedeutung sei und gelöst werden müsse. Die Versammlung werde aber anerkennen, daß es v e r f r ü h t und unklug wäre, eine endgültige Erklärung über das letzte Stadium dieser Angelegenheit abzugebeu. Im weiteren Verlaufe der Sitzung beglückwünschte Nansen (Norwegen) den Rat zur Lösung des italienischgriechischen Konfliktes. Er betonte, daß die kleinen S t a aten nicht die Absicht haben, in die Neparationsfrag.e ein zu greifen, deren Regelung m erster Linie Frankreich und Belgien zustehe. Eine V e r st ä n d i g u n g müsse aber gefunden werden, da sonst ganz Europa zugrunde gehe und die Zivilisation in einem Chaos versinke. Hierauf erklärte Zahle (Dänemark), die starke Kritik am Völkerbund müsse durch greifbare Resultate dcS Bundes entwaffnet werden. Persien will einen Sitz im Völkerbundrat. Wie die Schweizerische Depeschenagentur meldet, hat Pen ften seine Kandidatur für eiwen nichtständigen Sitz im Völkerbundrat als Vertreter der islamitischen Welt offiziell angemeldet. Mexiko will nicht in den Völkerbund. Genf, 21. September. (Tel.-Komp.) Mexiko hat die ihm von den südamerikanischen Mitgliedstaaten des Völkerbundes zngegangene Einladung, es möge um die Aufnahme in den Bund. ersuchen, abgelehnt. Motiviert wird die Ablehnung damit, daß bei der Gründung des Völkerbundes Mexiko als einziger neutraler Staat nicht zum Eintritt aufgefordcrt wurde. Ferner sitze im Rat des Völkerbundes ein Vertreter Englands, eines Staates, der die gegenwärtige mexikanische Regierung noch nicht anerkannt habe. Die Verringerung der Leerüftnugen. Tokio, 20. September. (Reuter). Gemäß dein Washington er Vertrag hat Japan neun isZcmzerschiffc ans seiner Flotte ausgeschieden. „fflto beim alten geblieben." Londoner Stimmen zur zusammenknnft Baldwin—Poinrare. London, 21. September. (Tel. d. „Wiener Morgenzeitung".) Weder die Presse noch die politischen Kreise stimmen in den zuversichtlichen Ton ein, welchen die Pariser offiziöse Presse aus Anlaß der Unterredung zwischen Baldwin und P o i n c a r e angeschlagen hat. In der Tatsache, daß die Unterredung in Paris stattfand, will man nicht eo ipso einen Sieg Poincares erblicken. Man weist darauf hin, daß alles beim alten geblieben sein dürste und erblickt den Beweis dafiir in dem farblosen C o mm u n i q u e, das nach Ansicht der englischen Kreise jederzeit bei der Pariser Konferenz hätte abgefaßt werden können. Der Gegensatz bestehe nach wie vor in den Methoden, Reparationen zu erlangen. Man hebt., immerhin als b e r u h i g e n d e s Z e i ch c n der gegenwärtigen Lage die Tatsache hervor, daß 'die Unterredung, der bekanntlich ein längerer Etiquettstreit vorangegangen war, überhaupt zustande gekommen und man hofft, daß der erste Kontakt den beiden hat wesentlich angenommen, und das offene Austreten der Juden unter einem jüdischen Programm hat bewirkt, daß man mit ihnen als mit einem politischen Faktor zu rechnen gelernt hat, um so mehr, als sie auch bisher zu beweisen verstanden haben, daß sie in der Gemeindestube ein für die Verwaltung kommunaler Angelegenheiten sehr wertvolles Element därstellön.. Die jüdische Politik auf jüdischer Plattform hat die Judenheit der Notwendigkeit einer politischen Mimikry enthoben und sie kommen nicht in die unangenehme Lage, in den streit der Parteien und Nationalitäten einzugreisen — ein Umstand, der das Ausflammen des Antisemitismus stark gefördert hat — und können dafür entschlossen ihre eigenen Interessen, ohne Seitenblick nach rechts oder links, wahrnehmen. Der jüdische Erfolg in Prag und in zahlreichen anderen Städten -Böhmens wfih SUdbenl. hk MHfTWiift «nadttMiidii iTdbifdM Staatsmännern Gelegenheit gegeben hat, sich kennen gelernt zu haben und in der gegenwärtigen Zusammenarbeit Vertrauen zu gewinnen. Paris, 21. September. (Tel.-Komp.) Baldwin ist heute von Paris abgereist. Poincare fand sich am Bahnhöfe ein und unterhielt sich kurze Zeit mit Baldwin. Erneuerter Marokkokrieg. Paris, 21. September. (Havas.) / „Journal" meldet aus Madrih: Das Direktorium hat die Marokko-Frage erörtert und entschieden, daß General Ai zp u ru sich heute nach M a r o k k o begibt. „Chicago Tribüne" meldet aus Madrid: Eine aus sechs Kreuzern uud zwölf Zerstörern bestehende spanische Flotte begann die Hügel bei A1 h ucc m a s zu b c- ,'d) ieße n. mütigkeit in der Slowakei und in Karpathorußland. stellen ein neues Aktivum in der gesamtjüdischon Bilanz dar, das fiir die Position des tschecho-slowakischen Judentums gute Perspektiven eröffnet. Die Haltung der Juden in der Tschecho-Slowakei ist geeignet, der jüdischen Wählerschaft Wiens als Muster zu dienen. Die Jndenheit Wiens stellt perzem tuell sowie in bezug auf ihre territoriale Geschlossenheit eine größere Kraft dar, als die nicht viel zahlreicheren Juden in der Nachbarrepublik, die über ein weites Ge-> biet zerstreut sind und einer fast dreimal so großen Be- Völkernngszahl gegenüberstehen. Jüdische Einmütigkeit und Einheit wird am Wahltag dafiir sorgen müssen, das; die zahlenmäßig, wirtschaftlich und kulturell so bedeutende jüdische Bevölkerung Wiens im National rät und Gemeiiiderat aufs bestmögliche, vertreten sei