Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1923-09-21 · Heft 1653 (21.9.1923) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1653 (21.9.1923)
Date
1923-09-21
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2979076-2980477-2980734--16185-3003075
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Wlrmv MSrgrnzMuhtg. 21. September 1923 Seite 7 Die Windsbraut. „Sensationen über Sensationen," verkündet das Plakat am Kinoeingang. und man betritt mit gemischten Gefi'chlen den Saal, voreingenommen durch die Erwartung daß hier nervenspannende Sensationen über Mängel des Buches, der Regie und des Spiels hinweghelfen sollen, tzlber man wird angenehm enttäuscht. Gewiß, das Sujet hat reichlich diese gewissen Stellen, die darauf hinzielen, jene nervenkitzelnde Aufregung im Publikum zu erwecken, die es vergessen Iäf;l, das; es vor der Leinwand sitzt und nicht die Wirklichkeit sich Var ihm abspielt, aber diese sind hier derart geschickt in die Handlung eingeslochteu, das; man in Flugzeug, Taifun und Revolver nicht die Reqirisiten des mit aller Gewalt auf Sensation hinarbeitenden Regisseurs sieht, sondern sie einfach als zur Handlung unbedingt notwendige Dinge und Erscheinungen fühlt. Im Mittelpunkt der sehr flott ttnd spannend geführten Handlung steht Dorothy Philipp s.' Eine ganz eigentümliche Frau. Ohne eigentlich beit Anspruch auf die Bezeichnung „schön" erheben zu können, verbreitet sie etwas um sich, was viel wertvoller ist als das Fluidum, das von einer nur schönen Frau ausgeht. Man merkt es eigentlich erst später, was das ist; es ist nämlich die Kunst, ganz Ungekünstelt den Zuschauern Sympathie, volle ganze und widerspruchslose Sympathie abzuringen. eine Kunst, die bis jetzt int Film nur Monopol der Amerikaner ist. Ihr gegenüber steht eine andere Frau, die schöner und weiblicher ist. Aber, trotzdem sie die Handlung in eln günstigeres Licht stellt, ihr der Regisseur genügend Raum zur Entfaltung eines gewiß nicht unbedeutenden Könnens gibt, sympathischer, das Publikum fesselnder ist Dorothy Philipps. Woran das liegt, ist eigentlich nicht so leicht Ml erklären. Zunächst mus; in Betracht gezogen werden, daß der Film typisch amerikanisch ist. Nun ist es ja allgemein bekannt, daß der Amerikaner der Frau gegenüber in einem anderen Ber hältnis, als man cs bei uns hier gewohnt ist. Er steht ihr vstlkameradschaftlicher gegenüber, als es bei Uns der Fall ist, wo die stärker entwickelte Erotik in der Frau schließlich und endlich immer wieder nur das eine, das die Erotik betrifft, sieht. Nun ist die Philipps gewiß alles andere eher als geschlechtslos. Aber.sie gibt Momente, wo man bei ihr vollständig das Weib vergessen kann und nur den Menschen in ihr sieht und — man möchte sagen etwas ganz rein Platonisches — empfindet, das einen zu ihr hinzieht und durch das man sich von ihr widerstandslos fortreißen läßt. Vielleicht ist es dieser Frauentyp, der das Geheimnis birgt, warum die Amerikaner sich trotz nervenaufreibender Tätigkeit eine länger dauernde Jugend gesichert haben, als sie uns beschieden ist. Doch, um zu dem Film zurückzukehren. Um diese zwei Frauen gruppiert die Handlung eine Anzahl anderer Menschen, die dltrch die Kurürlichkeit und die dem Leben abgelauschtc Wahrheit ihres Spiels größtes künstlerisches Können beweisen. Dieses ganze ausgezeichnete Ensemble bringt die straffe Leitting eines routinierten Regisseurs zur vollen Geltung. Wun-. dcrbare Landschafts- und Meeresmotive bilden ein reizvolles Milieu -für diesen Film. Glänzend ist die klare und plastische Photographie, die besonders in den Aufnahmen tvährend des Taifuns in diesem Gebiete noch nicht Dagewesems bringt. —- Der Film muß in jeder Beziehung vollwertig genannt werden. Oliver Twist. Der beste Schttder-er des merry old England war Charles Dickens; aber nicht nur die fr-eun-d-lichen. alten Herren, die alle etwas Sonderliches an sich haben, zeichnete seine Feder getreu -dem damaligen Leben, die behäbigen Familien, die -immer etwas sonntäglich Feierliches an sich haben, die steifen Familienfeste und die betont solide Gcschäftsgebarung erbeingesessener Firmen. -sondern auch die Kehrseite des -damaligen Lebens. Habgierige Verwalter öffentlicher Gelder, schurkische Apmenpsleger und ekelerregende alte Weiber, die alle eigentlich nur da sind, um armen kleinen Kindern das Leben unerträglich zu machen, erstehen unter bcu kräftigen Strichen seines altmodischen Gänsekiels zu Figuren, die kräftig im Boden der AlltWichkeit wurzeln, und trotzdem sie genau bis ins kleinste Detail charcvkteri* * siertsi-n-d, haben sie -doch auch Io allgemeine Zuge, daß sie auch in einem modernen Gewände heute jedem auf der Straße begegnen 'können Die Amerikaner haben es voll und ganz verstanden, -den alten Roman des jovialen Engländers Ml verwirklichen und zu tvahrem Leben erstehen zu lassen. Die ganze Behäbigkeit des alten Britanniens, die in seinem unbegrenzten Sclbstbewußtscnl wurzelte, tritt plastisch vor das Äuge des Beschauers, läßt ihn -das Spiel vergessen und führt ihn zurück in das längst entschwundene Land der Kindheit, in der man noch wirkliche Tränen über einen Roman Dickens zu vergießen vermochte. Und da taucht ein .Kinderantlitz auf. Cs ist kein 'besonders schönes Kind, es scheint ein Kind zu sein, wie eS alle anderen Kinder sind. Aber namenloser Schmerz umgibt die Seele dieses kleinen, verlassenen, auf sich selbst angewiesenen Kindes, gibt seinen Zügen einen durchgeistigten Ausdruck und dcr kleine Märtyrer.der Unvernunft Erwachsener werdenden Menschen gegenüber läßt in diesen glatten Zügen den Spiegel der Kehvsette des Lebens entstehen. Zugegeben, Iackie Coogan ist ein Wunderkind. Aber ist er trotz allem imstande, das zu verstehe«, was er hier verkörpert? Probleme aus der Psychologie der Kinderseele werden hier in greifbarer Plastik von einem kaum fünfjährigen Knaben aufgerollt. Ist es möglich, daß das alles der Ausdruck des Verstehens ist? Cs ist dies wohl kaum anzunvhmen. Man kann dieses Wunder nur der nicht genug hevvorzuhebenden Silgg-estionskraft des ausgezeichneten -Regisseurs Frarck Lloyd zusprechen, die allerdings nur durch die ungeheure feine Sugstibilttät dieses wahren -Wunderkindes so kiesige Erfolge Her-Vorbringen konnte. , Dieser Film ist ein vollkommenes Knnsttverk. In jeder Beziehung brillant sind Regie, Spiel. Photographie und das Erfassen des Stiles bis in kleinste Detail hinein. Der Film ist vollkommen. Kann man sich lobender über einen Film ausdrücken? Der Roman Max Lindert. j . Die Heirat des vielgeseierten Schwerenöters Max Linder, der kürzlich zum Leidwesen seiner ungezählten Anbeterinnen in Paris einer siebzehnjährigen Schönen angetraut wurde, hat einen Roman zu glücklichem Ende geführt, dessen romantische Episoden förmlich nach dem Film schreien, zumal dadas Stück ja auch im eigentlichen Sinne seinem Helden auf den Leib geschrieben ist. Bor einigen Monaten brachten die Blätter den Bericht über' etiteit Automobilunfall, dessen Opfer der schöne Max während seines Aufenthalts in Nizza geworden war. Er hatte, wie stets Zeinen Wagen selbst gesteuert und mit so rasender Schnelligkeit die Promenade des Nnglais durchfahren, daß er, als ihm ein Insekt ins Auge flog, die Gewalt über das Steuer verlor, so daß das Auto auf den Bürgersteig rannte, sich hier überschlug und den Fahrer unter sich begrub Zum Glück für die Kinowelt kam Max Linder mit einer leichten Verletzung davon. Drei Wochen später las man in bim - Zeitungen eine neue Notiz, die vermeldete, daß Max Linder eine schöne junge Dame von siebzehn Jahren entführt hatte. Es handelte sich um ein junges Mädchen aus der besten Pariser Gesellschaft, namens Helene Peters, in die sich Linder sterblich verliebt hatte. Da die Familie, wie in jedem besseren Filmdrama, absolut nichts von einer ehelichen Verbindung der beiden lvissen wollte, so war der abgewiesene Freier des Lebens überdrüssig geworden. Die Geschichte mit dem Insekt, das thml ins Auge geflogen war, stellte sich als schämige Umschreibung der bitteren Wahrheit heraus, daß er in einem Augenblick der Verzweiflung sich auf diesem Wege aus der Welt stehlen wollte. Der Automobilunfall war demnach nichts weiter als ein Selbstmordversuch. Nachdem dieser vorbeigelüngett war, kam Max Linder auf den glücklichen Gedanken, die Schöne einfach zu entführen, ein Gedanke, der ihm freilich auch etwas eher hätte einfallen können. Da die Erkorene seines Herzens gegen die Entführung nichts eiuzuwenden hatte, ging die Sache programackhii vor sich. Aber nach wenigen Tagen schon wurde da- Pärchen in Lyon entdeckt und die junge Dame mußte trAttne den Auges den Rückweg ins Vaterhaus antreten. Aber ein Drama, dessen Held ein Max Linder ist, kann ja mb einen guten Ausgang nehmen. So geschah e8 auch hiikt; die Eltern gaben, wenn auch seufzend, schließlich ihre Einwilligung zur Verheiratung der beiden. Auder Wiener Produttionsiudustrie. Pan.Mm ho» unter der Regie Hans H-ommas de« G«tzfNm ,/Die des Maharadschas" fertiggeisteklt. — Der R«do-Wm hat tot dieser Saison drei Filme hergestellt, von dönm sich flttei mit dem Graphologen Raphael Schermann befassen, der auch in diesen selbst mitspielt. Die PressevorfichrmW» dieser Filme, die alle aus der Feder der begabten Autorin Rosa Wachtel stammen, dürfte demnächst erfolgen. — Max seid wird in nächster Zeit mit einem GrvMm beginne«. — Der Aufnahmstechniker Hans v. Pedal hat eine Reihe gut gelungener Aufnahmen aus dem Flugzeug hergestM. — Di« Vita- Film-A.«G. hat zwei sehr interessante Lehrfilm« Wetz die Wiener Polizei hergestellt. Gin belgischer Ruhrsilm. I-n Brüssel wird seit «tote» Tagen ein im Aufträge der „Belgischen Nationcvlvereinigüng der Frontkämpfer" hergestelltcr Film „Das R-Uhv- Problem gezeigt. Es handelt sich, wie un8 berichtet hntfo, um ein Machwerk schlimmster Sorte, das die Tatsachen geradezu auf den Kopf stellt. Endlich ein Kino für Kinder. Aus Tu r i n wrvd und gemeldet, daß sich dort eine AlksiengeseUchast zwecks Gründung eines Kinos gebildet hat, in dem anWmeDch für Kinder bestimmte Filme voraesührt werden sollen. Meich-eitig wie, ist dem Bericht nicht genau zu entnehmen sollen di« Kinder Aktionäre dieses Unternehmens werden könne«. Gastspiel eines Japaners in einem franMschen Film. Der bekannte Pariser Regisseur Aubert beginnt in nächster Zeit mit der Verfilmung des bekannten Romans Claude Fareres „La batallle" („Die Schlacht") und hat hierfür dm nt Japan berühmten Tragöden Sessue Hayakawa und seine Frau Tsuru A o k i engagiert. Sämtliche Pariser Fachblätter befassen sich eingehend mit dem exotischen Künstterpaar, an das außerordentliche Evtvartuugen geknüpft werden und für das eine Gesamtgage von 60.000 Dollar auSgÄvsrfe« wurde. Hayakawa absolvirte die japanische MarineEadettenschule, studierte in Chicago und ging dann zum Theater Mer, wo er seine Frau kennen lernte, die bei einer Truppe als Kinderdavstellerin berühmt war. In dem Film wikd eine große Seeschlacht Vorkommen, zu der die Aufnahmen Var Toulon gemacht werden. Der Siegrszua des deutsche« Films. In Rom fand vor kurzem eine große kinematograschlsche Ausstellung statt, an brr sich die Filmfabriken aller Nationen beteiligten. Drei deutsche Filme wurden preisgekrönt; den ersten Preis erhielt umet ihnen der Hilm „Peter der Große" (Regie: Buchowehtt); den fleiten Preis „Die Flamme" (Regie; Lubttsch); de« dritten reis das FllmluWtet „Sv sind die Männer" (Rogier Jakobi). Einbürgerung des Films auf dem Lntck. In bat man Versuche gemacht, den Film als Richter bei Wettrennen zu. verwerten,, indem man die letzten entscheidenden 'Sekunden der Ankunft am Ziel kinematographisch festWt. Diese Aufnahmen haben sich bei dem letzten Rentieu in Mai» sons-Lafitte, Saint-Cloud und Le. Tremblay sv vortrefflich bewährt, daß man ben Film als entscheidenden Faktor in allen Streitigkeiten be-ibehaltdn wird. Der Aufnahmeäpparat ist mif dem Dach der Tribüne der Rennrichter ausgestellt; die Filme können in drei Minuten entwickelt werden und zeMu auf das klarste, welches Pferd gewonnen hat. In Le Lrembl-ay »Uttett zwei kinematographlsche Apparate verwendet, die zu beiden Seiten, des Endziels aufgestellt waren. Da Äveimckl Pferde nur um Kopflänge gewannen, so war das Ergebnis der Aufnahme außerordentlich wichtig. Dänische Zensur. Schadenfroh berichtet der Pariser Hebdo-Film, das; der dänische Zensor nicht gerade deutschfreundlich zu sein scheine, denn von fünf deutWwn Filme«, die Dänen in England-gekauft hätten» habe der Zensor ebenso viele -verboten. Drei dort diesen seien mit der berühmten Asta Nielsen gemacht worden. Copyright iö23 Nachdruck verboten. byR.Löwit-VerIag,Wien-Leipzig. (03. Fortsetzung.) Z« Polens Mlderu. Roman von I. Opatosch«. Autorisierte Uebertragung aus dem Jüdischen von Si c ftf r let) Schmitz. „Ihr seid ja heute der reinste Plaudersack, Schamai?" Mordechai lächelte. „Der Kummer spricht aus mir, Mordechai! Schon zweimal tvollte ich nach Hause fcchren und mußte umkehren! Man ist ja seines Lebens nicht sicher, man kann erschlagen werden! Der Pöbel ist wild geworden und will nicht mehr arbeiten. Die Welt steht auf den Kopf! Das erinnert mich an die Geschichte, wie die Hände aufgehört haben, -dem Kopf zu gehorchen, da -ist eine Wirtschaft herausgekommen! Und wir haben auch eine schöne Wirtschaft, was? Dcr Bauer tvill Herr werden! Und man erzählt noch," er dämpfte seine Stimme, „daß unsere Leute dabei auch die Hand im Spiel haben ... daß überall unsere Juden ... es ist ein Unglück, ich sage dir's! Wer von beiden auch siegt, es wird in jedem Falle an uns ausgehen. Der Bauer rebelliert, der Gutsherr rebelliert, aber wer leidet darunter?. Wir! Ich muß dringend zu Hause fein und sitze da . . . jetzt freilich würde ich ohnedies nicht fahren, nrit dem Rabbi steht es schlecht." ,/Er ist wieder krank geworden?" — fragte Mordechai. „Es steht sehr schlecht Mordechai... er hat keinen Bluts tropfen mehr in sich ... es ist sehr schlimnr . . ." Mordechai stand auf und -begann sofort -mit dom Zweck seines Besuches: „Scharnai, ich brauche funstansend Gulden . . „Wer hat h-entzntage eine solche Summe? — mrierbrach ihn Simon, stand auf und seßte sich sofort wieder auf das Bett. — „Ich will dir die Wahrheit sagen, aber lixmuu stehlt du. sitz doch! Ich habe ansgehört, Geld zu verleihen. sogar dom reichsten Gutsherrn borge ich nicht mehr! Bei diesen Zeiten, tver weiß, was morgen geschieht? Ich glaube. — besser, die paar Gulden nicht aus der Hand ztt geben... aber mit dir, siehst du, ist es natürlich ettvas anderes! Dem Sohne Nab Abrahams will ich gerne eine Gefälligkeit erweifert ... aber'nicht so viel, ich habe es wirklich nicht... mein ganzest Vermögen steckt bei den Gutsherren in lden Höfen . . . und das Getreide ist entweder verbrannt oder verfault -— natürlich, wenn der Baner nicht ärbeitvt! Eine schöne Wirtschaft herrscht jetzt in Polen; eine schöne Wirtschaft; ja, 'was wollte ich sagen? Ja — dreltaustnd kann ich dir geben." „Meinetwegen dreitausend." — Mordecha-i war sofort vinvevsta-nden. Schamai schrieb ein paar Worte aus ein Papier und reichte es Mordechai. „Sei so gut und unterschreibe -das. Es ist besser, wenn ein Schuldschein da ist ..." Mordechai las den Schein durch und zuckte lächelnd die Achseln. „Ihr gebet mir dreitausend und stellt einen Schein ans. sechs aus?" „Entschuldige, aber du sprichst wirklich nicht wie ein Kaufmann." — Schaft faßte Mordechai -beim Rockzipfel. ,-Hör' M, Schamai borgt dem Sohne des Reb Abrab.-nn dreitausend Gulden, nun -ist die Frage, woraus er sie ihm borgt, ich meine, auf welche Unterlage? Aus die Güter, die er besitzt, oder das Bargeld?" — Schaft zog nachdenklich an seinem knrzetr Bart als 'handelte es sich um ein schweres Problem. — „Und. 'daß Reb Abrahams Sohn erst in zwei Jahren volljährig wird, das -bedeu'tet gar nichts? ... Da , kann man es Schanrai doch nicht übet nehnlen,' -wenn er sich eine Sicherheit schaffen will ’— nun, was sagst dir? Aber -ich gebe dir mein Ehrenwort, daß. ich mehr als dreitausend Gulden von dir nicht nehmen werde . . Gleschgnlii-p unterschrieb Mordechai. Darm sah er zu, wie Schamai Streusand aus die Unierschrift schüttete. langsam eine lederne Brieftasche hervorzog sind mit de» sorgter Miene zu zählen begann; bsi jeder Ba-rrknvte stieß er einen Seufzer aus, als -wäre es ihm schwer, sich dvu den: Gelde zu trennen. Er traute seinen Händen nicht und zählte die Summ-e einige Mole durch; als Mordechai das Paket mit bent Gelde in die Tasche stecken -wollte, zwang er ihn, noch einntal nachz-uzähleu. Mordechai verabschiedete sich von Schamai; er hatte die Absicht, Kahane anszttsuchen und ihm zu sagStt, sie könntet morgen früh reisen. Da erinnerte er sich des Rabbi und ging dem Hof zu. * - Sott zwei Wochen hatte Rabbi Mndele da8 Bett nicht verlassen. Seine Kräfte schwanden immer mehr. Außer Reb Jtsche wollte er niemanden sehen üwb ließ sogar das Zimmer nicht räumen. Es hing voll Spinngewebe, aus dem Fitßboden sprangen Mäuse umher, u-nd sie wareit so zutraulich geworden, daß sie -beim Bette des Rabbi stehen blieben und ihre Köpfe daran rieben, als -bäten sie um etwas. Im Hof war malt -des festen Glatt'bens, es Mn sündige See-len, die der Erhebung bedürfen. Reb Jtsche legte in einemsort Holz i-m Ofen mich. Als das Feuer mächtig an-fflamntte, zog Rabbi Meudele einen Schlüssel irnter dem Kissen hervor und rief Reb Jtsche: „Da, nimm die Manuskripte aus mei-nem -Koster Und verbrenn-e sie! Was schaust du so? Verbrenne sie, hörst du! Der Buchdrucker hat schon genug gedruckt! Es ist niemand da, für den man schrei den könnte! Hör', Jtsche, ich ersticke, ... di-e Welt stiE mir... -mm 'woraus wachöst du-? Wirf alles ins Fetter!" R-eb Jtsche tvarf ein Maimskvipt imch dem Aitätettt iers Feuer; als er das letzte hinettrgeworfen -hatte, lachte Rabbi Mendele leis-e und trocken auf, daß es Reb Jtsche schauderte. (Foriieduuo /

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.