Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1650 (17.9.1923)
- Date
- 1923-09-17
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Gstke 3 Dien, Montag Sr. Seipel in Warschau. Watsch«, 16. September. Bundeskanzler Dr. Seipel ttuft Aichen-minister Dr. Grünbergcr find heute um haV 5 Uhr nachmittags in Warschau eingeiroffen. Mit chnim kamen außer den Herren der Begleitung der polnische Gesandte in Wien Graf L a s o e k i, der österreichische Gesandte in Warschau Nikolaus P o st und die Vertreter des polnischen MinistcrpräMmns, des Alchen- und des Innenministeriums an, die dem Kanzler an die Grenze errtgegengesahren waren. Im Bahnhof hatten sich Ztrm Empfang in Vertretung des erst morgen in Warschau ein treffenden Ministevpräsidellten W i t o s Vizctttinisterpräsidetrt und Kultusminister Dr. Glombinski, ferner Außenminister Dr. S e h d a eingefunddn. Warschau, 16. September. Die Begrüßung des österreichischen Bundeskanzlers in der heutigen Morgenpresse tvar ä u ß « r st herzlich. Alle Blätter heben hervor, daß zwischen Oesterreich und Polen k e i n e r l e i G e g e n s ä tz e bestehen, ein st a r k e s, u n a b h ä n g i g c s O e st e r r e i ch im I n t e r e s s e M i t t e l e u r o p a s und der Polnischen Republik liege itrtb die wirtschaftlichen Interessen der beiden Staaten in keinem Punkte auseinandergehen. 3500 Milliarden Mark von den Belgiern beschlagnahmt Brüssel, 16. September. In Knocke find an Bord eines deutschen Flugzeuges 3500 Milliarden, von denen man aml'immt, daß sie für den Widerstand im Ruhrgebiet bestimmt waren, ^beschlagnahmt worden. Tagesbericht. Kn neuer Wirbelsturm in Zapau. Osaka, 15. September. (Reuter.) Ein vom Meere kommender Wirbelsturm warf große Wassermassen am s Land, durch die die Stadt To ctori (?) * eilw eise üb ers ch w emmt wurde. Sie Schweizer Muftenneffe abgebrannt. Aus Basel wird gemeldet: Aus bisher unbekannter Ursache brach im Gebäude der Schweizer Mustermesse m Riehen-Ried ein Brand aus, der mit unheimlicher Geschwindigkeit um sich griff und alle Hallen vernichtete. . Das Gebäude barg zurzeit keine Ausstellung, doch waren darin Vorbereitungen für das im Oktober stattfindende Fest der Künstlerschaft des Stadttheaters im Gange. «n Ksenbahmnglllck im Westbahnhof. Heute früh gegen 8 Uhr ist ein Lokalzug auf der Westbahnstrecke bei der Einfahrt in den Wiener Westbahnhof anscheinend infolge Versagens der Bremsen mit solcher Wucht gegen einen Prellbock in der Bcchnhofshalle angefahren, daß sich einige Waggons des Zuges, der gut besetzt war, fast ineinander schachtelten. Gellende Hilferufe drangen aus dem Innern der Waggons, und während man sich bemühte, den Bedrängten Hilfe zu bringen und sie aus ihrer gefahrvollen Lage zu befreien, wurde die Rettungsgesellschaft verständigt. Alsbald erschienen zwei Ambulanzen ain Unfallsplatze. 15 Personen haben mehrfache Verletzungen erlitten. Wim ohne Mo. Die in. der Technischen Union organisierten Kinoangestellten sind im Laufe des vergangenen Samstags ganz nnerwartet an die Kinobesitzer mit Lohnforderungen herangetreten. Di« Operateure, die bei drei- bis fünfstündiger Arbeitszeit einen Wochenlohn von 520.000 Kronen erhalten, fordern für den siebenten Tag eine Erhöhung um 50 Prozent. Ti: Billeteure verlangen bei erhöhtem Lohn eine Verkürzung der Arbeitszeit. Sie beziehen bisher für sechs Tage einen Wo chenlohn von '168.000 Kronnen und ein Nebeneinkonrmen von mindestens 30.000 bis 80.000 .Kronen. Die Arbeitszeit beträgt 5,5 Stunden pro Tag, sie verlangen eine Verkürzung auf insgesamt 30 Wochenstuuden. Alle Angestellten fordern für jede Arbeitsleistung, die sich auf eine Zeit nach zehn Uhr abends erstreckt, einen vollen Stundcnlohn mit einen». lOOprozentigen Zuschlag. Die Verhandlungen, die Samstag nachmittags zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern geführt wurden, führten dazu, daß die Vertreter der Union über dreißig Wiener Kino betr iebe den Teilstreik verhängten. Die Unternehmerschaft beantwortete diesen Schritt mit einer Aussperrung des Personals aus den übrigen 150 Wiener Kinobetrieben. Gestern vormittags hatte der Bund der österreichischen Lichtspieltheater unter dem Vorsitz des Generaldirektors Preß, burger eine Vollversammlung einberufen, der auch Ver^ treter der Kinoangestellten beiwohnten. In der Versammlung erklärten die Unternehmer, sie seien bereit, dem Kollektivvertrag zuzustimmen und auch die Sperrklausel anzuerkennen,' die sie verpflichtet, das Personal im Falle einer Betriebseinstellung einen Monat lang zu bezahlen. Für die Kinoangestellten erklärte Sekretär Hermann, daß er dieses Angebot dem Lohnkomitee vorlegen werde, das dazu Stellung nehmen und der Vollversammlung des Personals referieren werde. Das Lohnkomitee faßte in einer Beratung den Beschluß, die Forderung nach einer allgemeinen lOProzentigen Erhöhung fallen zu lassen, an der Forderung der 50prozentigen Erhöhung für den siebenten Arbeitstag jedoch unbedingt festzrchalten. Dieser Beschluß wurde den Unternehmern mitgeteilt, die daraufhin diese Forderung nicht nur glatt cibllhnteii, sondern Wiener Morgenzeitung._ Mitteilungen ans dem Publikum. Weisse Tempel-Ornate in schönster Ausführung vorrätig and nach Maas beim Spezialisten RUDOLF GOLDSTEIN Wien, II. Taborstr. 54. Tel. 45-6-29 Zivil- und Uniformachnelder Qegr. 1866 auch die bereits zugestandenen Begünstigungen wieder zurückzogen. Daraufhin wurden die Verhandlungen ergebnislos abgebrochen. Die Vertreter des Lohnkomitces referierten den versammelten Kinoangestellten noch Sonntag abends über den Verlauf der Verhandlungen, worauf die Vcrsammnng den Beschluß faßte, weiter im Lohnkampf auszuharren. Von dem Streik, beziehungsweise der Aussperrung sind 800 Kinoangestcllte und außerdem 500 Musiker betroffen. Zwischenfall bei der Rückkehr eines Kinderzuges. Ein Mädchen stürzt aus dem Zuge« Dem gestern nachmittags im Westbahnhof eingelangten zweiten Kindertransport aus Dänemark traf während seiner Fahrt durch Deutschland ein Unglücksfall, der glücklicherweise aber glimpflich abgelaufen ist. Als der Zug Leipzig verlassen hatte und sich auf der Fahrt zur Station Hof befand, erhob sich in einem Mädchenwaggon die zehnjährige Erna Pürch, Wien, 16. Bezirk, Mattersdorferstraße wohnhaft, und schritt dem Ausgange zu. Die im Waggon befindliche Aufsichtsdame rief das Mädchen an, wohin es gehe. „Hinaus," antwortete das Mädchen. Die Dame folgte dem Kinde, das sich in das Waggonklosett begab. Als es auffallend lange ausblieb, öffnete die Dame die Türe und fand zu ihrem Entsetzen den Raum leer. Kurz darauf wurde der Zug in der Station Hof angehalten, ein Telegramm von der Strecke sagte, daß das Kind aus dem Zuge gestürzt sei. Die Kleine ist i n f o nt n a m b u I e nt Z u st ande d u r ch das offene Klosettfenster aus dem fahrenden Z u g e h i n a tr s g e st i e g e n. Durch den Sturz aus dem Traumzustand erwacht, stieß es gellende Hilferufe ans, die von einem Weichenwächter gehört wurden. Dieser brachte dem Kinde Hilfe und übergab es dem Personal eines kurz darauf in derselben Richtung fahrenden Lastzuges. In Hof wurde das Mädchen sofort im Kinderzuge von: dem Zugsarzte Dr. Egon Müller untersucht und ihm erste Hilfe geleistet. Die Verletzungen, die sich hauptsächlich am Kopfe, am Rücken und an den Händen fanden, sind glücklicherweise nicht schweren Grades. In Wien angekommen erwartete der Leiter der dänischen Kinderaktion Obermedizinalrat Dr. Löwenstein, der bereits von dem Unglücksfall in Kenntnis gesetzt war, das Kind, untersuchte es und brachte es im Automobil in die elterliche Wohnung, wo es in Behandlung genommen wurde. reklamiert Euer Wahlrecht! Staatsbürger und Staatsbürgerinnen, die ant 1. Jänner 1923 das 20. Lebensjahr erreicht haben, sind wahlberechtigt/ In der .Hausliste, welche in -jedem Hausflur angebracht sein muß, sind die bereits in die Wählerlisten Aufgenom menen ersichtlich. Wahlberechtigte, welche in dieser .HauÄiste nicht enthalten sind, melden sich unter Mitbringung ihrer und ihrer Angehörigen Doatmenic (Hei matschein, Geburtsschein, Meldeschein, Paß, Arbeitsbuch usw.) in einem der Rekiamationslokaie: 1. Bez., Wiesingerstraße 11, 2. Bez., Taborstraße 1 („Wiener Morgenzeitung"), 2. Bez., Täborstraße 20 a, 2. Bez., Zirkusgaffe 33, 2. Bez., Prater, Stuwerstraße 1 (Cafe Winkler), 9. Bez., Liechtensteinstraße 11, 1. Zionist. Bez.- Sektton, täglich von 6 bis 8 Uhr abends für den 9., 18. und 19. Bezirk, 20. Bez., Karl Meitzlstraße. 5. Täglich von 9 bis 12 und von 2 bis 6 Uhr. Sonntag von 9 bis 12 Uhr. Die Wahllisten liegen im Lokale, 1. Bez., W i e s i n g e r st r a ß e 11, täglich bis 9 Uhr abends zur Einsicht auf. 17. September 1923 Nr. '168 Wistlichsoziale Kandidaturen. Die ^Wiener Nachrichten" melden: Der christlich« soziale Bezirksvolksrat Baden hat den Badener Bürgermeister Abgeordneten Kollmann und den Professot Leutgeb einstimmig als Kandidaten des Bezirkes füt den Nationalrat aufgestellt. ' Auf einem Sonntag in'Baden abgehaltenen Ge. werbetag des Schneidergewerbes machte der Bundes- Präsident des FachverbandeS der Kleidermacher Oester, reichs Josef Wodka (St. Pölten) die Mitteilung, bei Landesverband Niederösterreich habe beschlossen, für dar Viertel ober dem Wienerwald den früheren Vertretet Staatssekretär a. D. Zerdik für die Neuwahl nicht mehr vorzuschlagen, da dieser durch seine Scver-Eh« die Frauen und den Glauben beleidigt habe sondern den Schneidermeister Zehetgruber au' P u r g st a l l. _ Reue Forderungen der Bundesangestellten. Dem geschäftsführenden Ausschuß des Reichsverban« des der öffentlichen Angestellten kam nach einer Mitteilung des Vizepräsidenten Fröhlich in einer Pensionistenversammlitng der Gemeindean ge st eckll. ten der Antrag zu, sich der Forderung einer zehn pro. zentigen Erhöhung des Gehaltes und Ortszuschlages anzuschließen. Die bereits bewillig, ten 50.000 K. müssen natürlich aufrecht bleiben. In den nächsten Tagen sollen bereits diesbezügliche Besprechungen der Organisationen stattfinden. * Zwei Selbstmorde in der Sonnlagnacht. Um 11 Uhr nachts wurde die Rettungsgesellschaft in den 20. Bezirk Kaschlgasse 6, berufen, wo sie auf dem Bürgersteige den im genannten Hause wohnhaften 22jährigen Skontisten Josef Hoff, b a u e r mit zertrümmertem Schädel und inneren Verletzungen tot auffand. Er hatte sich in selbstmörderischer Absicht aus seiner im vierten Stocke gelegenen Wohnung aus dem Fenster gestürzt. — Der 28 jährige Oberwachmann Johann Dvorak hat sich heute Nacht in seiner Wohnung, Engelsplatz 15, Ms seinem Dienstrevolver eine Kugel ins Herz geschosst und war sofort tot. Die Ursache der Tat ist unbekannt * Unter dem Verdachte des Mädchenhandels wurde der Kaufmann Mois K. aus Argentinien verhaftet. Er hatte im Jahre 1920 mehrere Wienerinnen unter dem Vorwände, sie seiner Damenkapelle anzugliedern, nach Amerika mitgenommen und dort der Prostitution zugeführt. Trotzdenr er leugnet und behauptet, seit zwei Jahren in dem Schlosse See-- selb, das er aus kaiserlichem Besitz erworben haben will, zu wohnen, wurde er wegen Ktrppclei und versuchter Notzucht dem Landesgerichte übergeben. * Zwei gewissenlose Gauner sprechen seit einigen Wochen kleine Kinder auf der Straße an, betrauen sie ntit. Botengängen und nehmen ihnen ihre Ueberröcke und Kleider, als Pfand ab. Wenn die Kinder zurückkommen, sind die beiden Burschen mit den Kleidern verschwunden. Der eine von ihnen trägt an der rechten Hand eine herzförmige Tätowierung. * Wetteres Ansteigen der Teuerung in Polen. AuS Warschau wird berichtet: Eben wurde der Teuerungskoefsrzient für die erste Hälfte des Monats September von der Teuerungskommisston des statistischen Hauptamtes festgesetzt. Die Teuerung ist in der ersten Hälfte des Monats September um 24,45 Prozent gestiegen. * Eine Dauernotstandsaktion für KarpatlhoMßland. Mit Rücksicht auf den in Karpathornßland stets wiederkehrcnden Mangel an Nahrungsmitteln und die damit drohende Hungersnot hat das tschecho-slowakische Verpflegsministerium den Entschluß gefaßt, eine Dauernotstandsaktion für die in Karpathorußland alljährlich von der Hungersnot betroffnen Gebiete einzuleitcn. Zu diesem Zwecke wird der Proger Nationalversammlung in der '.Herbstsefsion ein Regierungsentwnrf unterbreitet werden, in dem das Verpslegs-- ministerium "Anträge zur dauernden Regelung der Approvisionierimgsvcrhältnissc in den Hungergebieten stellen wird. In verschiedenen von der Bahn» und Straßentotmnuuikation entfernten Ortschaften sollen Lebe u s in i t t elmagazi n c errichtet werden, aus denen an die Bevölkerung periodische Dotationen erfolgen sollen, sobald die Verhältnisse Zuteilungen wünschenswert erscheinen lassen. Außerdem wird eine Permanente Verteilung von Nahrungsmitteln durch die Schulküchen vorgesehen, denen alle zur Schule kommenden Kinder -zur Ausspeisung überwiesen werden sollen. Die Durchführung der Daucrnotstandsaktion soll bei entsprechender finanzieller Dotierung dem tschechoslowakischen Roten Kreuz übertragen werdeti. * Lissabon—Rio de Janeiro in 35 Stunden. In der Zeitschrift „Lustfahrt" macht der ehemalige Mitarbeiter Zeppelins, Walter Scherz, interessante Mitteilungen über die geplante Luftschiffverbindung Lissabon—Rio de Janeiro. Für die Fahrten sollen drei Zeppelinluftschiffe von 350 Meter Länge und 135.000 Kubikmeter Volumen verwendet werden. 'Als Fluglinie ist Lissabon—Cap Verde—Sao Panto—Pertrainbuco— Rio de Janeiro, eine Strecke von insgesamt 7800 Kilometer Länge, in Aussicht genonmren. Zwischenlandungen solle» nicht erlfolgen. Die Post wird, wo es nötig ist, mittels Fallschirmes herabgelassen werden. Die Maximalgefchwindigkeit wird, wenn alle Motoren lausen, 132 Kilometer, die Reisegeschwindigkeit 110 Kilonteter in der Stunde betragen. Die gesamte Strecke soll in lder Richtung Rio de Janeiro, wo die Luftschiffe vom Nordostpassat begünstigt werdet:, in 35 Stunden, in entgegengesetzter Richtung sin 52 Stunden zurückgelegt werden. Jedes Luftschiff wird 10 Passagiere nrit ihrenc Gepäck und. abgesehen von HeWnaterial, Proviant ufw.,-13 Tonnett Post »nd Fracht nrrtMren können. Der Fahrpreis dürfte sich auf 1000 bis 2000 Dollar für eine Person stellen. * Besttirzung über die Joint-Liquidation in Rußlaick. Der Sonderberichterstatter des I. C. B. in der Ukraine teilt: mit: In Berditschow ist dieser Tage der Direktor der Ruß-, landsarbeit des Joint Dr. Bogen eingeiroffen. Die Mitteilung Dr. Bogens. daß Joint seine Hilfsarbeit zu liquidieret: beginnt, hat in Mischen Kreisen große Bestürzung hcrvorgerufetl, indem durch die Liquidation etwa 35.000 unterstützungsbedürftige Kinder sowie zahlreiche medizinische Anstalten in eine schwere Notlage geraten. Die jüdischen Aerzte fordern eine Fortsetzung der Joint-Arbeit in Rußland. Brieftaften der Redaktion. Relly. Das betreffende Blatt gehört den Hakeulrcuzlerh und ist auf keinen Fall zu empfehlen. — Vitus. Oest. Bodenkredit Ser. 6716, Nr. 23, 2. Em. 1889, gezogen 1. August 1923, K. 200; Ung. Notes Kreuzlos 1882, Ser. 7761, Nr. 53, gezogen 1. Oktober 1923, K. 18. — 123. Die gewünschten Adressen sind uns nicht bekannt. Schreiben Sie an die Zion. Org. nach London, W. C., Gr. Ruffel Street 77. — F. F. Brief erhalten. Wir tverden Informationen einziehen nnd Sie dann verständigen.