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Wiener Morgenzeitung · 1923-09-11 · Heft 1645 (11.9.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1645 (11.9.1923)
Date
1923-09-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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ElnzelnmnmerKffiOT Wien: Zum Abholen in der Expedition, TI.,Taborstr. 1-3, oder in einer Verschleissielle (Trafik) monatl. K 28.000 Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 28.000 Tscbeeho-SIowalcei: Mon. K 17. Jugoslawien: Mon. Dinar40. Polen: Mon. Mk.70.000,0 eilt sch land: Mon. Mk.3,000000. Franlcr., Belgien: Monatl. Pros. 8 Uavliraklunxeo "MW bei PretBorhShunfen vorWehglteo ■MMMnMBIMH Morgemeilung Dir. 1645 Wen. Dkenrtag. 11. September 1923 Tscheche •6lewili«l i tschech. K 1.30 Italien: Monatl. 10 Lire, Rumänien Mon. 90 Lei, Bulgarien Mon. 75 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Pres. 3 Redaktion u. Administration Wien, II.,Taborstrassei—3 f'elephonc: 44-0-38,43-3-19. ab 6 Uhr abds. 19-483,25*282 TeL-Adr,: .Morgenzeitung" Wien Oesterreichiaches Postspar* fassen- Konto Nr. 150.693 5. Jahrgang Deutsch-ftanzSsische Verhandlungen bevorstehend? Berlin, 10. Septriniber. (Del. der ,Mr. Morgenzeitung".) Die Nachrichten von bevorstehenden irekten Verhandlungen zwischen Deutschland und Frankreich verdichten sich immer nrehr. Me eS heißt, wird demnächst Stresemann zu Poineares letzter Sonntags rede öffentlich Stellung nehmen. Man weist darauf hm, daß nach der vorige Woche stattgefundenen Beratung von Vertretern des Rheinlandes mit dem Reichskanzler die rh ei «ländische Presse von der Politik des passiven Widerstandes mmer deutlicher abzurücken beginnt. Die Vorwürfe, daß der Marffturz der letzten - Zeit durch die Machenschaften kapitalistischer und industrieller Kreise des besetzten Gebietes stark gefördert wurde, werden immer allgemeiner. Auch das Stinnes- H a u p t o r g a u, die „Deutsche allgemeine Zeitung", kann nicht umhin, zu erklären, daß die arbeitende Bevölkerung im Ruhrgebiet durch die monatelange Entwöhnung von der Arbeit immer stärker demoralisiert tvevde. Dem soeben veröffentlichten Reichsbankausweis vom 28. August ist zu entnehmen, daß sich der Notenumlauf gegenüber der Vorwoche verdoppelt hat. Es wird mit Bestimmtheit behauptet, daß seit einige» Tagen in aller Stille eine Diskussion zwischen Deutschland und Frankreich stattfindet, > was auch aus den Meldungen etlicher Pa r i s e r Blätter hervorzugehen scheint. Der Minister des Innern hat gegenüber einer Frauonde-putation erklärt, daß die letzte Rede Strefemamrs auf eine entschiedene Wendung in der Außenpolitik Hinweise und daß Deutsch land bereit sein werde, jede Vereinbarung oinzugehen, welche die Gewähr biete, daß das R u h r g e b i * t und die Rheinland« in absehbarer Zeit wieder unter deutsche B e r s ü g u n g s g e w a l t gestellt werden koimen. Ae krNSrung der deutschen Fnneumiusster«. Berlin, 10. September. (Wolfs.) Eine Deputation des Vorstandes der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit wurde vom Reichsnrimster des Innern empfangen. Im Lause der Unterredung machte Reichsmmister Sollmann A«sfichru.ngen, die, wie er sagte, auch die Ansicht des Reichskanzlers und Ministers des Aeußern Stresemann wiedevgeüen. Reichsministor AollyMm sagte unter anderem: Der Kernpunkt der augenblicklichen Sage ist eine Verständigung zivkrschen Frankreich und Deutschland, fevbsworstä'Mich unter Mitwissen der übrigen Gntentvstoaten. Die Kundgebungen der ReichSrogieMMg, besonders des Reichskanzlers Stresemann, haben der Welt gezeigt, daß in der Außenpolitik eine aktive Wendung ««getreten ist. Wir sind bereit rnÄ gewillt, jede Vereinbarung mit dm Entente, und besonders mit Frankreich, emzuychen, die rmS die Sicherheit gibt, daß das Ruhrgebiet und die Rheinland« nicht nur nicht von Deutschland loSgetrennt würden, sondern demnächst wieder vollkommen der deutschen Verfügungsgewalt zu Gebote stehen. Wir sind u«S bewußt, daß dies nicht durch Reden und Vorträge, sondern nur durch eine große Anspannung der deutschen Wirtschaft gefchchen kann. Wir sind bereit, dieses zu tum, aber nicht — nnd keine deutsche Regierung kann das — aus irgendeine Bedingung einzugehen, die eine Zerstückelung deS Reiches bedeutet. Wir wollen Frankreich neben Reparationen auch jede für unS erträgliche Sicherheit gege n eine« neue« Krieg am Rhein gswähren, nicht aber eine Separation in irgendeiner Form zulassen. Mr erkennen die militärische Niederlage Deutschlands als eine historische Tatsache des Sommers 1918 an und ziehen die Konsequenzen aus ihr. Ausgabe der französischen Regierung ist es, diese Tatsache, aus der unser Wille zu großen Reparationen entspringt, dem deutschen Volke nicht durch unnütze Demütigungen unerträglich zu machen. Die deutsche Regierung ist einmütig entschlossen, diese Politik nach außen fortMsetzen, aber alle Energien müssen scheitcru, wenn in Deutschland durch Zerfall >der Wirtschaft die Massen verzweifeln. tzrrichtsng einer Goldnotenbank in Deutschland. Berlin, 10. September. (Wolfs.) Das Reichskobmett beis-chäftigte sich in seiner gestrigen Sitzung mit der Währungösrage. Einstimmig wurde beschlossen, die Lösung dieser Frage aus dem Wege einer Goldnotenbank z« suchen, die bei voller rechtlicher Selbständigkeit und unbedingter Unabhängigkeit von den Reissinanzen in organischer Verbindung mit der Roichsbänk ihre Tätigkeit ausüben soll. Die Arbeiten zur Errichtung der Goldnobenkxmk werden sofort in Angriff genvrmnen werden, damit die Bank sobald als möglich praktisch in Tätigkeit treten Varm. griauv im Völkerbund. Gens, 10. September. (Tel.-'Komp.) Der Schweizer Preß» telegraph meldet: Nach dem Bericht des lettischen Delegierten M-aserovic üb« die Verhandlungen in der sechsten K»mmission wurde der Freistaat Irland entsprechend dem Antrag der Kommission nach ersolligtier Abstimmung einstimmig als 68. Mitglied in den VöLkerbund ausgenommen. Die irische Delegation nahm sofort ihren Platz in de? Versammlung ein. Gosgrave hielt eine kurze Rede, in der er der Hoffnung Ausdruck gab. daß die Aufnahme Irlands m den VMovbund den friedlichen Zweck des Bundes dienen und daß die irischen Wirren künftig nn och historisches Interesse haben mögen. Sine «e«e itslienffch-griechische..AMre". Rom, 10. Se-ptembrv. Die Agenzia Stefcmi meldet aus Achen vom 9. d.: Der Äakienische Militä'rattache Oberst Perrone befand sich mit dem! Marineattache Matteucci und dom Obersten Gandini, alle in Zivil, in einem Restaurant, als sie von einer Gesellschaft am Mchbartisch eine beleidigende Aeußevung hörten. Zur Rede gestellt, erwiderte der Betreffende sehr arrogant, indem er die beleidigende Aeußerung wiederholte, woraus Oberst Perrone ihn ohrfeigte.. Der Man« wollte sich zur Wehre setzen und schickte sich an, eine Flasche gegen den Oberst zu werfe«, wurde jedoch vom Marineattache, der ihn mit seinem Stock auf den Kops schlug, daran verhindert. Die übrigen Personen der Tischgesellschaft bewahrten eine korrekte Haltung, ja sie sprachen sogar ihr Bedauern über das herausfordernde Benehmen chres Tischge-nossen und ferne gegen die Italiener geäußerten Worte aus. Me italienischen Offiziere verließen sodann das Lokal. Der italienische Gesandte hat beim griechischen Minister des Aeußern wegen des herausfordernden Benehmens des Griechen gegen die Mitglieder einer fremdländischen Mission Protest erhoben. Der Minister des Aeußern hat sein Bedauern Über den Zwischenfall ausgesprochen, den er lebhaft beklage. Wische Wähler und Wählerinnen reklamiert Euer Wahlrecht! Staatsbürger und Staatsbürgerinnen, die am 1. Jänner 1923 das 20. Lebensjahr erwicht haben, sind wahlberechtigt/ In der Hauslifte, welche in jedem Hausflur angebracht fein muß, find die bereits in die Wählerlisten Aufgenommenen ersichtlich. Wahlberechtigte, welche in dieser Hausliste nicht enthalten sind, melden sich unter Mitbringung ihrer und ihrer Angehörigen Dokumente (Heimatschein, .Geburtsschein, Meldeschein, Paß, Arbeitsbuch ufw.) in einem der Rrklamattonslokake: 1. Bez^ Wiesingerstratze 11, 2. Bez., Taborstratze 20a, 2. Bez., Zirkusgasie 33, 2. Bez., Prater, Stuwerstratze 1 (Cafe Winkler), 2. Bez., Schiffamtsgasse 20 (Machsike Hadath), 20. Bez., Karl Meitzlstratze 1, 20. Bez., Gautzplatz 3 (Cafe Holpern). Reklamation kostenlos! Täglich von 8 bis 12 und 2 bis 6 Uhr, mmmmmmmmmmammmmmmmmmmsmasrnm Zahresweude. Ernst und in getragener Stimmung werden die Festtage deS jüdischen Neujahrs begangen. Die Düsterst eines schweren Erlebens langer Jahrhunderte hat auf dieses Fest abßefärbt, dessen ursprünglicher Charakter schon 'zur Besinnung und Einkehr mahnt und keinerlei laute Festesfreude auskommen läßt. Das Neujahrsfest leitet die Tage ein, welche der Buße gewidmet sind; die sittliche Weltentscheidung des Individuums soll erst die moralische Vorbedingung bilden für die Hoffnung auf ein glückbringendes neues Jahr. Was der Jude von der Vorsehung für den beginnenden Zeitabschnitt des neuen Jahres erfleht, soll durch den eigenen Entschluß, durch die vollzogene Umkehr und Läuterung in der Brust des einzelnen verdient worden sein. Mer nicht dem Individuum allein gilt an diesen Tagen die fromme Sorge; die Scheu vor dem drohenden Walten eines ungewissen Schicksals weitet sich von der Sorge für das eigene und der Angehörigen Wohl zum Gedanken an die Zukunft der ganzen Gemeinschaft und so tritt auch an diesem Feste, das scheinbar den Charakter des Nur-Religiösen trägt, die von der jüdischreligiösen untrennbare Idee des ewigen Schicksalszusamnrenhangs der Gemeinschaft stark in den Vordergrund, bis auf deni Höhepunkt dieser Tage, am Versöhnungsfeste, der Jude sein eigenes Schuldbekenntnis zur Kollektivbeschuldigung der Gesamtheit steigert und über Taten Selbstanklage erhebt, die er allein nie begangen hat. Eine unzerreißbare Kette knüpft das Individuum an sein Voll, in dessen Geschick es hineingeboren ward, dessen Züge es trägt, dessen Blut, demütig vor der Unendlichkeit und trotzig einem grausamen Schicksal gegenüber, in seinen Adern rauscht, und an dessen Formung jeder einzelne seinen Anteil hat. Es ist gemeinsame Not und gemeinsames Hoffen und Fühlen, das uns zusammenschmiedet — diese Urwahrheit künden auch die Feste, welche in der jüdischen Tradition die Ehrfurchtstage genannt werden. An diesen Tagen erhebt sich das Gefühl, daß der Weg des Menschen durch ein dunkles Leben voll Gefahren führt, und daß der neue Zeitabschnitt, der sich nunmehr eröffnet, neue Gefahren und Sorgen bringen kann, zu schmerzlicher Klarheit. Mer wir sind das Volk des ewigen Optimismus und ein Rückblick auf unsere uralte Geschichte bedeutet für uns Erhebung und .Herzstärkung. Wir sind wie kein zweites Volk dieser Erde durch alle irdischen Höllen geschritten, unserer Geschichte ist der Tod in seinen schrecklichsten Formen vertraut und stets waren wir die ersten Opfer der bestialischen Haßinstinkte. Aber unser unzerstörbarer Lebenswille hat sich stark genug erwiesen, um jeglicher Verfolgung zu trotzen, unser Volk lebt und bringt immer neue Beweise seines Willens, weiter zu leben und sich auf dem Boden seiner Herkunft ein neues, reiches und seiner Bestimmung gemäßes Leben zu zimmern. Auch im ^abgelanfenen Jahre hat es an Rückschlägen und Schwierigkeiten mancher ernster Art an der Stätte, wo sich die jüdische Wiederaehurt PoMebt, nicht aekeW» Noch. ist das Weltjudentunr auf der Höhe seiner Aufgaben nicht angelcmgt, noch hat es an der vollen Aktivität gefehlt. Es mag der Gründe genug geben, um diese beklagenswerte Erscheinung zu erklären, und die Zerrüttung der Wirtschaft in den Ländern der jüdischen Maffensiedlung ist eine ernste Erscheinung, welche sich bei der Arbeit für die jüdische Renaissame sehr stark fühlbar macht. Mer jener jüdische Wille, welcher stets noch mit allen Widerständen fertig geworden ilt, wo es um das Ganze ging, muß sich auch diesmal mit seiner ganzen ungeteilten Kraft entfalte" Ter Augenblick ist ernst und die Gegner eines neuen, und starken Judentums werden nur durch die friedliche und produktioe indische Tat zum Schweigen gebracht werden können. Das neue JaÜL. das heute anhebt, nsufc tat Zeichen der ajlM* »WM»»I»»W»»Il^»W>iIII»W>Mias>MM»»WW»»W»»WSUWW>W»WWMW>M scheu Entschlossenheit stehen, dem Lande der jüdischen Zukunft all te zu geben, was sich aus jüdischem Enthusiasmus an Opfern herausholen läßt. Das jüdische Palästina, beglaubigt durch Unterschrift und Zusage der Mächte, hat aufgehört Phantom zu sein; es will Wirklichkeit werden und bannt dieses Stadium rasch und in vollem Maße erreicht werde, muß die Palästina-Sache zur jüdischen Volkssache werden. Der Anbruch deS neuen Jahres ruft alle, die an die Zukunft des Judentums glauben, ans Werk. Mt Rücksicht auf das Rosch-Haschnnah-Fest entfällt, unsere morgige Ausgabe. Unsere nächste «atifoiftt DüLNSvsÜN» fcrtifo äG&DO&Mttett

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