Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1640 (5.9.1923)
- Date
- 1923-09-05
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2979076-2980477-2980721--16037-3002914- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 6 Men, MitNövH tlt eröffnet worden. Im Rühmen der Messe fand gestern ein Kongreß der VrremMng der Ischechofflowa'kischen Städte Mt, sei welchem Fragen nröderner Gememdeverwaltungen . vor Vertretern Frankreichs, Italiens und Jugoslawiens verhandelt wurden. Die Messe ist besonders in der Textilltnb DäscheLranche. in der Konfektions- und Glasindustrie reichlich beschickt. Bemerkenswert ist, das; diesmal die französischen Firmen geschloffen auftreten und eine eigene Sektion besitzen. Bei einer Zusammenkunft von Abgesandten der Wiener und Reichenbcrger Messe, verschiedener Handelskaminern und Delegierten der Prager Ministerien wurde unter anderem über die Errichtung einer tschechoslowakischen Handelskammer in Berlin eine unverbindliche Rücksprache gepflogen. Sie sott den Zweck haben, die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und der Tschecho-Slowakei mit Ausschaltung jeder Politik Wörter auszugestalteu. _ Glearingkurse der Österreichischen Nationalbank vom 4. September 1923. Devisen (Schecks und Aus Zahlungen) Amsterdam f. 1 holl. Gulden Agram 1 jug. Kronen . . . Be'gnd 1 Dinar . Berlin 1 deutsche Reichsmark Brüssel 1 belgische Francs Budapest 1 ungarische Kronen Bukarest 1 Lei. Christiania 1 norweg. Kronen Kopenhagen 1 dänische Kronor London l Pfund Sterling . . Madrid 1 Pesetas ..... Mailand 1 Lire ......?iew York 1 Dollar. Paris 1 Francs. Prag 1 tschecho-slow. Kronen Sofia 1 Lewa . Stockholm 1 schwedischeKronor Warschau 1 polnische Mark . äurlch I schweizerische Francs Noten Zins* fuß Oelä Kurs vom 3. Sept, Ware Geld Ware 4 27925_ 28025,- 27910.- 28010.- ß 745.— 749.— 758.- 762.- 6 745.— 749.- 758.- 762.- 8 0.51 0.61 0.60 0.70 4'/. 324t.- 3856.- 3234.- 3246.- ß 3.75 3.85 3.75 3.85 6 314.- 316.- 311.— 313.- 5 11430.- 11470.- 11430.- 11470.- 5 12620.— 12720.- 13080.- 13120— 3 321700,—322700.—322400.— 32340P— 5V, 9355.- 9395.- 9380.- 9420— - 2996.- 2974.— 2986.- 71185,- 70935.- 71185.— 40C6,— 3982.- 3998— 2119.— 2093.- 2103,- 677.- 658.- 662— A'f, 18670.— 18730.- 18670.- 18739— R 0.27*/» 0.28*/, 0.274 0.284 3 12775.- 12825.- 12795.- 12845.- 6 2984_ 4 70935.- 5 5930.— 2109— 7«/, 673— Amerikan, Noten v. 5 Dollar aufw. „ » . » kleinere . . . Belgische Noten 100 Francs . . Bulgarische Noten zu 1000 Leva . __ , » „ kleinere. . Dänische Noten 100 Kroner . Deutsche Noten zu 1000 Mark. - . . 100 . . ■ , kleinere. . . tngl. Noten von 5 Llvrest. aul _» » kleinere . . . . Französische Noten 100 Francs Holländische Noten 100 Gulden Italienische Noten v. 100 Lire auf » , kleinere . . . «ugosl. Noten ungest. zu 1000 Dinar . . . . 100 . .» . . kleinere . . Norwegische Noten 100 Kroner . Polnische Noten v. 500 Mark aufw. _ » , kleinere. . . . Rumänische Noten zu1000 u. 500Lei „ . . kleinere . . . Russ. Noten (Roman.) zu 500 Rubel » » » , 100 , _ » . , . kleinm . . Schwedische Noten 100 Kronor . Schweizerische Noten 100 Francs. Spanische Noten 100 Pesetas . . Tschecho-slow. Not. v.1000 aufw. .. ■ , kleinere Ungar. Noten (neue Eni.) zu WOOKr. . . zu 10.000 Kr. . .'. , kleinere. 7C560.— 70960.- 70560.- 70960.- 70460.— 70860.- 70460.- 70860.- 3205.- 3235.- 3195— 3225.— 651.— 659.- 636.— 644.— 63l!- 639!- 616!- 624!- 12510.— 12610.- 12930.- 13010.- 0.50*/, 0.60«/. 0.57 0.67 319900— 321500.- 32o690— 322200— 319700— 321300— 320400— 322000— 3950— 3989— 3940— 3970— 27725— 27925— 27700— 27900— 2960— 2980— 2950— 2970— 2940— 2960— 2930— 2950— 736.- 742.- 749— 755— 728!- 734!- 741 — 747!- 11290— 11370.- 11290— 11370— 0.26'/, 0.23*/. 0.26 0.28 0.23*/. 0.25«/. 0.23 n.25 293.— 297— 290— 294— 273.- 277— 270— 274— 18460.- 18569— 1846t/— 18560— 12860.- 12740— 12680— 12760— 9240.— 9320— 9260— 9340— 2092.— 2kS— 2075— 2091 — 2087.- ■2103— 2Ü70— 2086— 2.— 2.20 2.— 2.20 s!l5 r.95 2A5 Wiener Börse. Im Ge-gensatze zu ihrer Vorgängerin eröffne:e die gestrige Börse in ruhiger Haltung, da es an privaten Orders fehlre und überdies sowohl vom Budapester als auch vom Prager Markte niedrigere Notierungen Vorgelegen sind. Wenn die Stimmung im Ansangsstadium dennoch ziemlich zuversichtlich blieb, so war dies den größeren Käufen, welche in beiden Hof« herr-Mrien stattgefunden haben, zuzuschreiben. Im weiteren Verkehr nahm die Geschäftslosigkeit übechand, die Spekulation ' Copyright 1923 Nachdruck verboten. VylLLöwit-Verlag, Wien-Leipzig. (82. Fortsetzung.) 8n Polens Wäldern. ' Roman vstl I. Opatosch«. Lutorinerte Uebertragung aus dem Indischen von S i e g f r i e d Schmitz. Die'plötzliche Stille tat in den Ohren weh und machte daS eintönige Klingen der Kirchenglocken noch deutlicher; Schreck mit Neugier gemischt wogte in den Herzen. Niemand bemerkte, daß aus dem Walde Kosaken auf kleinen flinken Pferden heransprengten. Plötzlich ertönte Trommelwirbel. Die Kosaken sprengten heran mit funkelnden Bajonetten und schußbereiten Karabinern. Statt zu fliehen, drängte sich die Menge noch mehr aneinander, Schulter au Schulter, verfloß in eins, in eine unendlich lange Mauer; über dieser Mauer stand Mordechai, wie aus mattem Marmor gemeißelt, eine Hand an das Muttergottesbild gelehnt, und blickte auf die Menge. Die Masse gab sich einen Ruck! sie wollte in die Kirche, war aber so zusammengepreßt, daß keiner sich loslösen konnte. So blieb sie in der Luft hängen, als hätte sich ihr eine Faust in den .Hals gebohrt, und blickte mit glotzenden Augen auf den bleichen Juden. Die Trommeln schwiegen, die heisere Stimme eines Offiziers ertönte: „Auseinander, sonst jagt man euch mit< dem Gewehr auseinander!" Alles stand unbeweglich. Ein junger Priester erhob ein Kreuz und stimmte an: „Swiety Boze . . ." Die Menge fiel ein. „Swiety Boze, swiety mocny, swiety a niesmiertelny, zmiluj sie nad nami." Alle nähme die Hüte ab; der Gesang wurde stärker. Trotzig schauten sie auf die glitzernden Bajonette, auf die Mündungen der angelegten Karabiner, wie die Kräfte gegeneinander zu messen. Leichter Trommelschlag, der klang wie wenn man Erbsen schüttelt, ließ die Luft erzittern. Er wurde stärker und ging in ein Heulen über, daß kalte Schauer über die Leiber liefen. Ein Knall übertäubte für einen Augenblick den stillen Gesang. Der ausgernergelte Priester ließ das _Wiener; MoegenzeKttns. schritt zu Entlastungsabgaben, die einen mächtigen Kursdruck zur Folge hatteir. Vorübergehend standen nebst den beiden Hosherr-Aktien auch die ElektrrMtsweüte im Vordergrund des Interesses, dagegen blieben Alpine nnd die Bankenwerte vernachlässigt. Gegen Schluß machte sich ans sämtlichen Gebieten eine Abschwächung geltend, hevvovgevusen durch die iinkonkrolttierbaren Gerüchte politischer Natur. Hemmend wirkte, auch der Ausfall der heutigen Börse, so, daß das Endergebnis in der Kulisse negativ blieb. Im Schranken, -bestand erhöhtes Interesse für lDpiritusaktien und einzelne Petroleumwerte. So gewannen Ju-ngbunzlauer Spiritus drei Millionen Kronen und Naphtha 350.000 K. Auch einzelne Brauerei« und Banwerte wiesen Bc'serungcu aus. Der Gesamtverkehr blieb ruhig. Bezugsrechte: Poster Kommerzbank 660.000 K., A. E. G. Union 9500 bis 10.600 K., Dynamo 4000 K., Stern und Hafferl 10.000 K., Ungar. Waggon 28.000 K. und Waldheim 1400 K. Auf dem A n l a g e m arkt waren ungarische Renten und teschechoffloiwakrschc EisenbahnMigat-ionen begehrt und höher. ’ Von den Exoten notierten: Apollo-Film 18.000 bis 20.000, Anzeigen-Ges. 220.000 bis 240.000, Eos 3200, Erdöl 69.000 bis 72.000, Jriag 300.000 bis 322.000, Holzverband 25.000 bis 26.000, Mrazniea 275.000 bis 282.000, MraMea B. Rt. 57.000 bis 62.000, Oleum 80.000 bis 90.000, Schubert u. Ko. 16.000 bis 16.800, Universale 41.000 bis 46.000, Wiener Waffen 25.000 bis 26.000. Der Hakocch-Sieg an der gestrigen Börse. Um 11 Uhr wurde durch die Extraausgabe der „Wiener Morgenzeitung" der Sieg der Hakoah tu London bekannt. Die Meldung erregte gewaltige gs Aussehen. Die Extraausgaben wunderten rasch von Hand zu Hand und bald wurden sie sichtbar im Saale au einer Wand befestigt, worauf forttvährend Massen von Börsenbosuchern zur Affiche eilten, sich dort in Gruppen stauten und das Ereignis erregt besprachen. Es kann ruhig behauptet werden, daß die größte Sensation des gestrigen Börsengvspräches, trotz der Gerüchte von einem englischen Ultimatum an Italien, der Sieg der Hakoah war. Der Börsenwitz bemächtigte sich natürlich gar bald ebenfalls dieses Ereignisses und kolportierte sofort diese Tatsache als Begründung für das sonst schwer motivrerbarc Steigen der Hofherr-Aktien. Prager Börse. Prag, 4. September. Die Festigkeit der Wiener Börse veranlaßte Rückkäufe vou Arbitragewerten, von denen emzclne erhebliche Steigerungen erzielten. Für einzelne Werte wurde höheres Geld gelegt. Auf dni IndustrieEienniarkte war die Kursbildung küine einheitliche. Transportwerte waren kaum behauptet. Nordbahn-Äktien büßten 300 K. ein. Heimische Banken und Wiener Banken blieben bei behaupteten Kursen vernachlässigt. Ans dem Anlagemarkte war die Stimmung unter Bevorzugung von Staatspapieren fest. Exoten verkehrten freundlich. Ter Schluß war feist. Schl.ußkurse: Türk. Eisenbahn-Anleihe 400 Franken —, Böhm. Unionbank 461.—, Böhm. Eskomvtebank 441.—, Böhm. Industrialbank 455.—, Zivnostenska Banka 449.50, Anglobank —.—, Oesterr. Kredit 163.—, Wiener Unionbank 185.—, Wiener Bankverein 111.—, Buschtiehrader Eisenbahn Lit. A 570.—, Lit. B 219.—, Ferdinands-Nordbahn 9850.—, Prag-Duxer 248.—, Aussig-Teplitzer Eisenbahn 1410.—, Nestomitzer Zuckerindustrie 1595.—, Vereinigte Elektrizität Wien 223.—, Brosche 1860.—, Koliner Spiritus 1445.—, Äönigshofer Zement 1450.—, Breitfeld-Danek 548.—, Ninghoffer 900.—, 5. Septdm'bep 1923 ' 9k, 1340 Simmeriuger 197.—, Rothkosteletzer Textil 425.—, Alpin» Montan 397.—, Poldihütto 675.—. Prager Eisen 1868.—, Oester Berg u. Hütten 3440.—, Skoda 660.—, Jnwald 646.—. Budapester Börse. Budapest, 4. September. Di!e Börse eröffuete in ausgesprochen flauer Haltung, wobei der Verkehr in der erstes Zeit einen recht lebhaften Ehavakter annahm. Die Kurs» zeigten gegenüber dem letzten Schlußstand bedeutende Rückgänge. Nur einzelne bevorzugte Werte blieben gut behauptel und erzielten zum Teil sogar Besserungen. Im allgemeinen betrugen die Einbußen 16 'E>i§ 20 Prozent. Zum Schluß kam eine freundlichere Auffassung zum Durchbruche und der Per. kehr gewann an Lebilialftigkeit. Einige Eisen- und Montan Papiere stellten sich höher. Der Schluß war freundlich. Wochen, geld für den Kassetag vom 13. d. wurde mit 12 bis 14 Prozent gehandelt. Schlußkurs e: Ung. Kredit 928.000.—, Oesterr. Kredit 170.000.-,Britisch-Ung. Bank 196.000.-, Salgo Kohlen 750.000.-! Rimamuranyer 185.000.—, Südbahn 135.000.—, Staatsbaht 490.000.—, Gran-Szaszvarer 500.000.—, Oberungarische Bera 975.000.—, Drasche-Ziegel 420.000.—, Ungarische Allg. Kohlen , UrikanyZ Kohlen 1,250.000, Adria 750.000.— Clotilde chem. Fabrik 160.000—, Ung. Eisenbahnverkehr 195.000— Anglobank —, Verein. Holz 40.000, Koburg 70.000.— Spodium 380.000. Ae Devisenkurse. Derlin, 4. September. (Devisenkurse.) — Amsterdan» 6,087.250.- (3,790.500.—), Belgien 608.475.- (448.875.-), Chri« stiania 2,094.450.— (1,596.000.—), Kopenhagen 2,394.000.- (1,797.500.-), Stockholm 3,491.259.- (2,593.500.-), Italienisch, 558.600.- (418.960.-), London 68,363.760.- (43,890.000.-1 Netv-Vork 12,967.500.- (9,675.750.-), Paris 738.150.- (548.625.-), Schweiz 2,344.125.- (1,745.625.-), Spanien 1.745.625.- (1,296.750.-), Wien 18.154.- (13.665.-), Prag 384.037.- (284.287.-), Budapest 69.826 (62.867), Sofia 121.695.- (91.770.—), Belgrad 139.650.- (104.737.-). Berlin, 4. September. (Notenknrse.) — Noten: Dollar 12,967.5 00.- (9,675.750.-), Pfund 58,553.750.- (43,890.000.-). Italienische 558.600.- (418.950.-), Polnische 6500.- (4200.-), Tschecho-slowakische 384.037.— (284.287.—), Oesterr. gestempelt« 18.154.- (13.665.-). Prag» 4. September. (Devisenkurse. — Mitgeteilt vom Bankamte des tschecho-slowakische» Finanzministeriums.) —■ Berlin 0.0275 (0.0305), Zürich 617.50 (617.50), Paris 193.75 (194.-), London 154.75 (155.-), New-Aorl 33.95 (33.95), Belgrad 36.37 (36.62), Bukarest —.- (-,-). Wien 4.65 (4.65), Warschau 1.441/, (1.44'/«), Agram (-.-), Budapest 17.50 (17.50), Jugoslawisch« 35.87 (36.37), Oesterreichische gestempelte Krone 4.62'/, (4.64'/,), Polnische 1.34',. (1.35'/.), Ungarische (10.50). Buüapesl, 4. September. (Kurse der Devisenzentrale.) — Amsterdam 7515 bis 7955, Bukarest 90.— bis 102,10 Kopenhagen 3500 bis 3720, Christiania 3115 bis 3335, London 87.000 bis 91.400. Berlin 0.0015 bis 0.0026, Italien 815.- bis 870.- Paris 1080.— bis 1146.—, Prag 575.— bis 619.—, Stockholm 5090 bis 5420, Zürich 3440 bis 3560, Wien 0.2730 bis 0.2950/ Sofia 182.— bis 193.-, Belgrad 208.— bis 221.—, New-Äori 19.200 bis 20.300, Warschau 0.0800 bis 0.0965, Brüssel 890.-' bis 945.—. Agram. 4. September. (Devisen.) Wien 0.1337'/, bis —, Berlin 0.000850 bis —, Budapest —.— bis —— Bukarest —bis —, Italien 406.—bis —, London 433.— bis —, New-Aork 9400.— M§j—.—, Paris 540.— bis —.—, Prag 281.50 bis —, Sofia —bis —, Schweiz 1716.— bis —, Brüssel —- bis —.—, Warschau —- bis —. Amsterdam 3720.- bis —.—, Stockholm —. Belgrad» 4. September. (Devisenkurse.) London 430.26 bis —Paris 538.- bis —New-York 9400.- bis Genf 1700.- bis Saloniki bis Mailand 403.60 bis —.—, Prag 280.— bis —, Berlin 0.0009 bis Wien 0.1332 bis Bukarest 43.-bis-.-/Sofia 87- bis Budapest 0.55 bis —.—, Brüssel bis —Amsterdam —bis —.—, Warschau —- bis —. Warschau» 4. September. (Devisen.) Berlin 0.02, London 1,120.000, New-York 246.500.-, Prag 7370.-. Wien 3..50 I—WHiljmj j lll,W ——Bap«g|CCffgrmiTl^|i|>'^iS|T Kreuz fallen, ein ziveiter hob es auf, fiel aber sofort, von einer Kugel durchbohrt, nieder; Mordechai fing 'das Kreuz auf. Tie zusammengepreßte Menschenmauer gab nach. Sie sprang über die stöhnenden Gefallenen, doch o^ne zu weichen und mit erhobenen Stöcken, mit geballten Fäusten, mit Steinen warf sie sich dem Feind entgegen! Mordechai lief voraus. Das zerissene Hemd, aus dem der weiße Körper frei 'hervorleuchtete, die schmerzlich zusammengeprcßten Lippen, die flammenden Augen schienen dem Feinde entgegenzuschreien: „Schieße! Morde unschuldige Menschen!" Jemand faßte Mordechai bei der -Hand. Er sah einen Knaben, der sich an ihn klammerte, ein stummes erschrecktes Augenpaar war auf ihn gerichtet; Blut rann dem Knaben aus dem Munde. Mordechai legte ihm das Kreuz auf die Lippen und sofort riß ihn der Strom weiter. Er lief wie im Fieber, fühlte, wie seine Hände glühten und brannten, wollte sich von den weißglühenden Eisenstücken befreien, die er zwischen den Fingern hielt, und taufend Ereignisse leuchteten in ihm in einem Augenblick auf. Er blieb stehen. War er stehen geblieben, als die Masse wie eine rohe Kraft alles niederwarf und niederriß, was ihr im Wege stand? Ja, er blieb stehen und nahm einen Faden nach dem andern auf; er hielt das Geheinmis der Welt in der Hand, das blutige Geheimnis, ivollte es in die Masse schleudern wie ein wildes Tier, das; sie rasend werde und sich bei lebendigem Leibe auffresse. Er hob die Hand und sah, wie das Kreuz wuchs; es blieb zwisch-eu ihm und der Masse stehen wie eine eiserne Mauer. Rote Feuertropfen' jagten surrend vorbei. Mordechai war es, als würde er zurckgeschleudert — zerbrochen lag. das Kreuz zu seinen Füßen. Er sah Kahane über bem zerbrochenen Kreuz stehen mit ausgebreiteten Händen und schreien: „Rom ist gefallen, Rom ist gefallen." Die Masse hielt inne, dann wirbelte sie ins Blaue am Horizont hinein, mit den Füßen nach aufwärts, und verschwand. Mordechai wunderte sich, warum es plötzlich so still 'geworden ioar. Er rief, er lief auf das Blau M. Alles war erstorben, verschwunden. Kapitel 2. Blut und Feuer. Mordechai öffnete ein Auge, aber er konnte das Woiß des Schnees nicht ertragen und schloß es wieder. Er wunderte sich, warunr er sich nicht bewegen konnte. Sein ganzer Leib war starr. Der Schnee, welcher auf feinem offenen! Hemd lag, floß glühend über feinen Körper; er wurde nüchtern. Ein grauer Himrnel mit blassem Sternenabgla>nz hing über ihm. Die Stille der nahenden Nacht summte m den Ohren; Mordechai konnte sich ganz und gar nicht erinnern, wie lange er schon dalag. Er war sicher, er sei verwundet. Seine Füße warm schwer und sanken in den Schnee wie Klötze, die Wasser eingiesogenchaben. Er begann mit den Händen um sich zn tasten, berührte das zerbrochene Kreuz und erinnerte sich, daß der ausgemergelte Priester bei der Kirche liegen geblieben war. Dieser Priester ist für Polen gefallen, für seine Brüder — die Tausenide von Bauern, -welche von überall her gekourmeir waren —; und ich, Mordechai? Warum liege ich da? Eine Krähe schrie, eine ztveite, eine dritte fiel ein. Mit Geschrei stießen Krähen von allen Seiten nieder. Dort mußte wohl ein Mensch liegen. Mordechai spähte angestrengt hin; er sah die schwarzen Schnäbel über den Schn-ee streichen, länger und spitziger werden, aus und ab fallen, toie blinkende Klingen, niedevftoßen, wo der Mensch la-g. Eine Krähe hatte sich mit ausgeibreiteten Flügeln auf den Schädel des Toten gesetzt, stieß mit den: Schnabel wie ein Specht und hieb mit unheimlicher Genauigkeit auf den Schädel ein, tief und immer tiefer, als svollte sie ihn mit einer Axt spalten. Mordechai führ es plötzlich durch den Sinn, daß er ja gar nichts sah, sondern sich alles bloß vorftellt-e; er erbebte. Der Wunsch, zu leben, begann in ihm zu ivachsen, und je stärker und toller das Krächzen wurde, das die Stille der Nacht erzittern machte, desto stärker tvurde in Mordechai der Wunsch, zu leben. Er preßte seine Nägel in den Schnee und lag, sich in Krämpfen ivindend, in der schneidenden Luft. Und als der aufsteigende Mond für eine Weite die Sterne verlöschte und Mordechai mi-t mattem Lichte übergoß. da fühlte er sich durchsichtig und sah überall mn sich Augen, d.e ihn durchbohrten; erschrocken sprang er ans. (Fortsetzung folgte