Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1638 (3.9.1923)
- Date
- 1923-09-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelnummer K7VD Wien: Zum Abboten in der Expedition, IL.Taborstr. 1-S, oder In einer Vetschleisstelle (Trafik) monatl. K 28.000 Hit Postversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 28.000 Tscheeho-Slowakei: Mon. K17. Jugoslawien: Hon. Dinar40. Polen: Mon. Mk.70.000.Deutschland: Mon. Mk.l ,000000. Fr an kr., Belgien: Monatl. Frcs. 8 WM* Naebaabtun jf«n *Pi bei Prwifcrhohunjren Vorbehalten Wiener Morgenjeilung tschech. K 1.20 Italien: Monatl. 10 Lire, Rumänien Mon. 90 Lei, Bulgarien Mon. 75 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 3 Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab6Uhrabds.l9-483,25-282 Tel.-Adr.: .Morgenzeitung“ Wien Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 Nr. 1638 Wien, Montag. 3. September 1923 Jahrgang Aalien mobilisiert. Griechenland hat den Böllerbund angerufen. — Italien bestreitet die RechtmStzigkeit der griechischen Regierung. Deutschland will Wer bringen. Skefemarm über außen- und lnnerpolittsche Fragen. Stuttgart, 2. September. Dr. Stress mann traf heuide früh hier ein und wurde im Bahnhof vom Staatspräsidenten Dr. Hieber begrüßt. Bei dem Empfang der Vertreter von Handel und Industrie ergriff der Reichskanzler das Wort zu einer Rede Wer die grundlegenden Fragen der Außen« und Innenpolitik. Er entwarf ein Bild des starken anßenpolitifchen Druckes, der gegentzvärtig durch die Besetzung des größten deutschen Wirtschaftgeb ietes am Rhein und an der Ruhr über Deutschland laste. Jede Außenpolitik des Deutsche» Reiches, erklärte der Reichskanzler, kann nur das Ziel haben, Deutschland die Souveränität und die Wiederverfügung über die Gebiete am Rhein und Ruhr zu geben. Wir find bereit, auch die schwersten materiellen Lasten auf uns zu nehmen, um zu diesem Ziele zu kommen. Wir sind bereit, auf den Boden der Stellung produktiver Pfänder zu treten. Wir haben Rerchsbvsitz und Privatwirtschaft als Pfänder zur Grundlage unserer faktischen Reparationsleistungen dar geboten. Gewiß sind mit den Grundlagen des deutschen Memorandums dir Lösungsmöglichkeiten nicht erschöpft. Jede Fortführung der Diskussion wird die Reichsregierung dankbar begrüßen. 'Der Gegensatz zwischen Forderung und Leistungsfähigkeit wird nur überbrückt werden können durch eine wirtschaftliche Verbundenheit der Völker, die in dem Verhältnis ihrer Industrien auf einander angewiesen und. Diese wirtschaftliche Verbundcnheit ist vielleicht auch eine bessere Ueberbrückung politischer Gegensätze, als es politische Formulierungen zu sein vermögen. Deutschland braucht ein Moratorium für ferne Leistungen, um seine Reparationsverpflichtnngen zunächst als Zinsenlverpfliktungen Parationsverpflichtungen zunächst als Zinsenvevpflichtinngen kapitalisieren, so kann dies nur aus Grundlage einer int er» nationale n A ule: b e r.eschehen, für die die deutschen produktiven Pfänder haften. Deutschland wird in seinem wirtschaftlichen Verfalle eine solche Anleihe kaum in nennenswertem Werte erreichen. Erst tvenn die Welt darüber klar sein wird, daß die Beendigung des Rnhrkon« sliltes gleichzeitig der Anfang einer neuen Frivdensära ist, werden die Miierten im Verein mit Deutschland die Frage einer Anleihe lösen können. Bei Besprechung der von Frankreich geforderten politischen S i ch e r h e i t eit sagte der Reichskanzler: Daß Deutschland bereit ist, auf die Frage der Sicherheiten einzugehen, hat es bereits zum Ausdruck gebracht. Wenn die am Rhein intievessierten Staaten sich vereinigen werden, um die Unversehrtheit des gegenwärtigen Gebietsftandrs auf eine zu bestimmende Zeit sich gegenseitig zu versichern, so wird Deutschland jederzeit bereit sein, einem solchen Bündnisse beizutreten. Ein wirtschaftlich mit Frankreich verbündetes Deutschland wird für die Durchführung solcher Ideen die denkbar größte Friedenss i ch c r f) c i t b i e t c tt. Der passive Widerstand war niemals Ucoernmt oder Selbstzweck, sondern sollte dazu dienen, uns den Zustand der Freiheit des Ruhrge'bietes wieder zu vevbürgen. Wir sind bereit zu schweren materiellen Opfern, aber wir sind nicht bereit, die Freiheit deutschen Bodens herzugeben. Den i n n e r p o I i t i s ch e n Teil seiner Rede begann der Reichskanzler mit dem Hinweis auf den Zustand höchster wirtschaftlicher Not Deutschlands, aus dent er weder dem Inland noch dem Ausland gegenüber ein Hehl machen wolle. Die Ausfuhr sei in wenigen Monaten von 600 Millionen auf 105 Millionen Gold mark zu r ü ck ge ga nge n, während Deutschland vor dem Kriege eine Ausfuhr von 10 Milliarden Goldmark hatte. Dies zeige deutlich, das; ein Deutschland ohne Rhein und Ruhr nicht l c b c n s f ä h i g und ohne die Verfügung über diese Gebiete zu irgend welchen Reparationsleistungen außerstande sei. Der Reichskanzler kam dann auf die Wehrpflicht des Besitzes zu sprechen, die auch in gleicher Weise für die Arbeiter- und Beamtenschaft gelte. Die verlangten Opfer seien in den heutigen anornialen Zeiten eine Notwendigkeit. Die Staatsautorität müsse gestärkt werden und die Regierung werde die Staatsautorität durchsetzen und sei nicht gesonnen, Schindender mit ihr treiben zu lassen. Die Gegenleistung für diese Wehrpflicht bestehe in der Schaffung von Sicherheit und Ordnung im Innern. Bezüglich des Markverfalles betonte der Kanzler, es sei dringend, rin wertbeständiges Geld zu schaffen, uni aus der Spekulation und Devisenhamsterei herauszukommeu. Wir werden, sagte Stresemann, die Goldmark wieder schaffen. Nach Schaffung einer wertbeständigen Anleihe gibt es kein R e ch 1. m c h r auf Devi s e nbesitz im deutschen Volke. Das Reich braucht die Devisen für t':: LebeuSmittelzuftthr, die MarMütznng und die Fortführung des RuhrVainpfts. Paris, 2. September. Dem „Intransigeant" wir!/ aus London gemeldet: Nach einer römischen Depffche der „Daily Mail" werden Maßnahmen getroffen, um für den Bedarfsfall z wer Jahrgänge zw mobilisieren. Maßnahmen der italienischen MarlnebehSrden. Athen, 2. September. Der italienische Admiral Bellini hat die Durchfahrt griechischer Dampfer durch die Meerenge von Qtranto untersagt. Vier griechische Dampfer werden in italienischen Häsen zurückgehalten. Der Seeverkehr mit Italien ist eingestellt, obwohl Griechenland sämtlichen italienischen Schiffen noch gestattet, griechische Häfen anzulausen. Ein italienisches Unterseeboot hat den griechischen Dampfer „G e o rg i o s" in der Meerenge von Korfu gekapert. Italien gegen die griechische Regierung. Rom, 2. September. In italienischen Kreisen wird die Frage erörtert, ob die hellenische Regierung, die eine unregelmäßige und von den Großmächten, die mit ihr keine amtlichen Beziehungen unterhalten, nichtanerkannt ist, das Recht haben könne, sich an den Völkerbund zu wenden. Dieser müßte logischevweise das Verlangen Griechenlands zurückweisen. de» Mlkerbnnd. Athen, 2. September. Der italienische Gesandte hat sich Samstag abends zum Außenminister Alexandris begeben und erklärt, daß die italienische Regievnng die griechische Antwort als unannehmbar betrachte. Sie habe daher den Befchl gegeben, die Insel Korfu zu besetzen. Diese Maßnahme stelle aber keinen feindlichen Akt dar. Italien werde Korfu räumen, sobald feine Forderungen erfüllt seien. - U N'. 6 U h r i st i n A t h e n ein außerordentlicher Minister rat zuisammengetreten. Nach Schluß der Sitzung wurde erklärt, daß die griechische Regierung ihren Gesandten int Auslande den Auftrag gegeben habe, den Regierungen mitzuteilen, daß Griechenland den Streitfall dem Völkerbund unterbreitet habe. Wenn sich der Völkerbund aber als ohnmächtig erwiese, werde Griechenland mit den W a f f e n den italienischen Angriff abwehren. Auf der italienischen Gesandtschaft wurde den griechischen Journalisten, die sich Auskünfte holen sollten, erklärt, daß man feindlichen Zeitungen keine Informationen gebe. Heute wurde außerdem die Nachricht bekannt, daß die griechische Flotte mobilisiert worden sei. Athen, 2. September. Die Hellenische Völkerbund-Vereinigung hat an das Sekretariat des Völkerbundes und die Schwestervereinigungen von Paris, London, Brüssel und New-Aork sin Telegramm gesendet, worin die Intervention des Völkerbundes gegen die dem Art. 11 des Völlerbundvertrages und dem Londoner Vertrag von >1864 betreffend die Neutralität von Korfu zuwidevlaufende Besetzung von Korfn erbeten und gegen die Beschießung und Tötung von Frauen, Kindern und Flüchtlingen protestiert wird. Italien lehnt die Entscheid««» des Böllerbundes schon letzt ab. London, 2. September. Reuter meldet aus Athen: Der italienische Gesandte in Athen hat der griechischen Regierung mitgeteilt, daß Italien es ablehne, eine Entscheidung des Völkerbundes im griechisch-italienischen Konflikt arGlertennen. Griechenlands Antwort. Paris, 2. September. Die Agence Havas meldet ans Achen: In der griechischen Antwort auf die Note der Bot-. schafterkonferenz wird vorgeschlagen, eine internationale Kommission möge eine Untersuchung über die Verantwortlichkeit anstellen. Weiters wird erklärt, Griechenland werde jede Entscheidung der Botschafterkonferenz annehmen. Ae ersten llntersnchmgsergebnlffe. Rom, 2. September. „Giornale d'Italra* schreibt, aus Grund seiner am Datort angestellten Sonderuntersuchung könne behauptet werden, daß die Verantwortlichlell für die Ermordung der Mitglieder de» italienischen Mission der griechischen Militärmission zufalle. Das Blatt erinnert an die Meinungsverschiedenheiten, die zwischen dem General Tellini und dem griechischen Obersten Botzaris bestanden hatten, und beschuldigt letzteren der Mitwissenschaft und Mittäterschaft an dem Verbrechen. Ein griechischer Offizier haben den albanischen Delegierten Beratti, der über das Nichteintreffen der italienischen Abordnung beunMhigt war, gehindert, in der Richtung nach Belviaki zu gehen. Ae Lage in Korfu. Athen, 2. September. Aus Korfu wird gemeldet, daß die Italiener die Stadtpolizei gefangengenommen haben. Die italienische Flagge ist auf dem Rathaus gehißt worden. Die griechische Mannschaft hat keinen Widerstand geleistet. ~ , Lord kurzon hofft auf den Mlkerbund. London, 30. September. <Tel. d. ,Mr. Morgenzeitung".^ Lord Curzon ist gestern abends von seinem Urlaub wiedev in London eingetroffeu und erklärte' Journalisten gegenüber, daß der griechisch-italienische Konflikt den Vblker'b und beschäftigen werde. Er hoffe, daß alle im Völkerbund vertretenen Regierungen ihr Bestreben dahin vereinen werden, um den drohenden Konflikt zu verhüten. Dies werde die beste Gelegenheit fein, um die Autorität und die Macht des Vö l k e r b n n d e s zu beweisen. Die Mbebenkataftrophe in Satyrn. Zokohmya vollstöndig zerstört. ~ Tokio brennt. — Gewaltige Menschen- und öachberlnste. San Franzrsko, 2. September. Die zuletzt aus Tokio eingetroffenen Meldungen besagen, daß I o k o h a m a durch ein E r d b c b c n m i t u n h c i m licher Geschwindigkeit in n erhalb sechs M i n uten dem E r db o d e n g l e i ch g e m a ch t w a r. New-Iork, 2. September. Associated Preß meldet, ans I o k o h a nt a, daß die g a n z e S t a d' t in F l a m m e n stehe. Biele Menschen seien i n d e'n F la m me u u nt <i e k o nt m c it. Mio in Flammen. San Franzisko, 2. Sepetem-ber. (Reut. Funkspr.) T o i o fr e y t i n F l a m nt e n. Eilte große Anzahl von G e b ä tt d c n i st e i n g e ft ii r z t. Das K a b e l s y st e nt Ä Wne LvotzeAnzahl vo n $ex\on e n i st v e r w u n d e t. Die Stadt von einem F l a nt m e m meer umgeben. In Jokohama ist 'eine Springflut anfgetrcien. Die Zeitungen von Osaka bestätigen, daß der kaiserliche Palast in Tokio in Flammcn a tt f g i tt g. Die Katastrophe hat f a st d i e g a n z e S t a d t betroffen, mit Ausnahme des Shtha-Biertels. Hunderte von Verwundeten liegen unge» borgen in den Straßen. Drahtloisen Mebdmtgen zufolge sind in einem U mk r e: 8 von etwa 100 englische n Meilen sämtliche n a ch Tokio f ü h r e n d e <\\ Eisenbah tt* I' tt: e N z e r st o r t worden. Z a h l r e i ch e auf der Fahrt nach Tokio befindliche Eiseubahnzüge wurden ans den Schienen g c r i s s e tt und voll >t ä ndig z e rtrümmerla