Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1637 (2.9.1923)
- Date
- 1923-09-02
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Sonntag Nr. 1637 1 Berte 12 Wiener Morgenzeitung. 2. September 1923 immmmmmmmmmmmmmmmBrnammBammm i Auf nach London! Von Artur Baar. Börsen-Kommlsslonsgeschäft und Wechselstube MAGID & Co. Wien, l., Hohenstaufengasse 11 E simre 85°/, um 200 K. auf 14.800 K. transit Wien, Bleiweiß chemiscli rein um 600 M'. auf 13.800 K., Ehromkali um 500 K. auf 20.500 K., . Ammoniaksoda 96/98 um 100 K. auf 2650 K. Die übrigen Llrtikel blieben auf vorwöchentlichem Staude. Börse für landwirtschaftliche Produfte. (Eigenbericht der „Wiener Morgeirzeituna".) Der Mehlabsatz hat sich weiter gebessert und damit zeigt sich auch besser^ Kaufnachfrage für Getreide. Das Geschäft in Jugoweizen. hat infolge Steigerung des Dinars eine Unterbrechung erfahren, der Konsum versorgt sich in heimischen Provenienzen zu ziemlich __ unveränderten Preisen. Wesentlich fester tendierte dessen Ansaebot sich nicht als bcdarssdeckend erwies. Abschlüsse; in heimischen Provenienzen erfolgten zn 2100 bis 2200 K., slowakischer fand gleichfalls Aufnahme zn 22OO K. Wien. In Braugerste " war reiches Angebot im Markte, das seitens des Konsums nur in bescheidenen Mengen ausgenommen wurde. Slowakische Gerste erzielte 2300 bis 2400 K., mährische 1,05 bis 1,06 tschech. K., ab Grenze, eine Prima-Partie soll zn 1,185" tschech. K. ab Grußbach gehandelt worden sein. Atais teirdiert gleichfalls freundlicher, doch ist der Verkehr ziemlich belanglos. ' Bon Abschlüssen wären' zu erwähnen zu 1,25 und zn 1/29 tschech. K. Ein ziemlich lebhaftes Geschäft hatte in den letzten Tagen böhmischer und mährischer Hafer, welcher vielfach für Rechnung der Schweiz ausgenommen^ wurde. Die Abschlüsse erfolgten angeblich zn einer Preisbasis von 19,50 bis 20,50 Schweizer Franken. In Bobnen fanden gleichfalls bedeutende Umsätze statt in Prima-Iugobohnen zu 6,25 Dollar nnd in rumänischen zu 5,5 bis 6 Dollar ab Wien, ungarische Bohnen blieben ohne Offert. Die gute Nachfrage für ungarisches doppelgriffiges Mehl hält an und ist auch eine stärkere Betätigung des Lokalkonsnms zu bemerken. Auch die Stimmung für Brotnnd Roggenmehle wird eine Nuance freundlicher beurtellt. Es notieren vro Kilogramm ab Wien (exklusive der Pauschalwarenumsatzsteuer): Weizen inländischer 2900 bis 3000 K., jugoslawischer 3200 bis 3300 K., Roggen inländischer 2150 bis 2250 K., Gerste inländische 2000 bis 2200 K., tschecho-slowakische 2200 bis 2500 K. (1.- bis 1.20 tschech. K.) ab Marchegg, Mais 2600 bis 2750 K., Hafer inländischer 2000 bis 2100 K., ungarischer oder rumänischer 2100 bis 2200 K., Reis italienischer 2.05 bis 2.10 Lire ab Tarvis, Burma 13 Schilling 4,5 Pence waggonftei Hamburg, Hirse 2450 bis 2550 K.. Hirsebrein 4600 bis 4800 K., Mohn 11.000 bis 12.000 K., Weißbohnen inländische 3800 bis 4000 K., ungarische 4200 bis 4600 K., Kartoffeln inländische 450 bis 950 K., Zwiebeln Makkoer 1250 bis 1350 K., Nüsse rumänische 16 bis 20 Lei, Pflaumen bosnische und serbische in Säcken 80/85 4600 K., 95/100 4400 K.. 110/120 4200 K., etuviert in Asten a 25 Kilogramm 80/85 5200 K., 95/100 5000 K., Pflaumenmus 4800 K., Heu österreichisches gepreßt 1300 E bis 1350 K., lose 1000 bis 1100 K., Stroh Bundstroh gepreßt 1100 bis 1150 K. ab Stationen, Esparsette 4300 bis 4400 K., Hanfsaat 4000 bis 4200 K., Reps 2.20 bis 225 tschech. K. ab Marchegg. Weizengrieß inländischer 5700 bis 5800 K., Weizenmehl inländisches 5200 bis 5300 5k., ungarisches 4900 bis 5200 K. (2.30 bis 2.40 tschech. K.), Broimehl inländisches!a 4100 bis 4200 K., Futtermehl Ia 2000 bis 2050 K., Sekunda 1500 bis 1600 K., Roggenmehl inländisches Ia 3500 bis 3600 K.. Weizenkleie inländische 1200 bis 1250 K., ausländische 1175 bis 1225 K.., Roggenkleie 1200 bis 1250 K. 2ie Devisenkurse. Dudapefk, 1. September. /Kurse der Debisenzentrale.) — Amsterdam 7510 bis 7710, Bukarest 88.— bis 95.—. Kopenhagen 3560 bis 3680, Ehristiania 3115 bis 3235, London 87.000 bis 89.400, Berlin 0.0020 bis 0.0040, Italien 810 — bis 845 — Paris 1078.- bis 1114.—, Prag 565.— bis 589.—, Stockholm 5091 bis 5271, Zürich 3440 bis 3560, Wien 0.2720 bis 0.2860, Sofia 180.— bis 187.—, Belgrad 210.— bi? 218.—, New-Aork 19.100 bis 19.700, Warschau 0.0800 bis 0.0900, Brüssel 885.— bis 920.—. Warschau, 1. September. (Devisen.) Berlin 0.0225, London 1,124.000, New-York 246.500.-, Prag 7340-, Wien 3.48. Am Mittwoch um dreiviertel 7 Uhr früh setzte sich der Zng in Bewegung. Biele, die das Frühaufstehen nicht gewöhnt sind, holten den Nachtschlaf im Coupe nach, was um so leichter möglich war, als wir sehr gut untergebracht wurden. Diejenigen, die tveniger müde waren, trafen sich im Speisewagen. Das Zauberwort „Fußballer" half uns wieder in Gntiind iiber alle Unannehmlichkeiten der Grenzrevision. Der lange andauernde Aufenthalt gab Sludsky Gelegenheit zn zahlreichen Gruppenaufnahmen. Vorerst photographierte er die ganze Reisegesellschaft, dann die mitsahrenden Damen nnd znm Schluß die Kampfmannschaft. Große Heiterkeit rief dann die Bekanntgabe der Taffache hervor, daß die Aufnahmen nur fingiert waren. In Tabor verließ uns der Präsident des Sportklubs Slovan, Herr Ing. Grunor, der die Reise bisher mitgemacht hatte. Er wünschte uns zu unserem Unternehmen viel Erfolg. Auf der Strecke nach Prag äußerte sich Trümmer abfällig über die Schlagkraft unserer Mannschaft. An Ort und Stelle wurde er sofort eines besseren belehrt, ioeshalb er in Hinkunft seiner Meinung etwas vorsichtiger Ausdruck verleihen dürfte. Um halb 3 Uhr mittags kamen wir in Prag an, wo uns Redakteur Lauser im Namen von Slavia und ein Vertreter des D. F. C. bgrüßten und uns viel Gluck wünschten. 2lnch die Grenziiberschreitung in Tctschen wurde uns sehr leicht gemacht. Die Fahrt durch die Sächsische Schweiz war wundervoll. Die schroff abfallenden Hänge des Elbesandsteingcbirges bildeten ein wildromantisches Äild. Anläßlich des kurzen Aufenthaltes in Dresden wurden wir znm ersten Male vom deutschen Millionentaumei erfaßt. Eine Tafel Schokolade kostete 1,200.000 Mark. Eine Zeitung verschlang 150.000 Mark. Die Hakoahner stellten den Einkauf sofort ein, da sie die Ziffern erschreckten. Nur Ansichtskarten fanden Gnade vor unseren Augen, doch konnten wir dazu keine Marken erhalten, da letztere erst in acht Tagen fertiggestellt sein werden. Die Aufgabe erfolgte deshalb beim Postamt, wo das Porto in Papiergeld erlegt werden mußte. Bei dieser Gelegenheit wurde Guttmann schwer gekränkt. Er befragte nämlich das Fräulein beim Schalter, wieviel Geld er für eine Karte, die nach Ungarn adressiert ist, zurucklassen müsse. Die Postbeamtin blätterte in einem dicken Buch, dann gab sie sagende Weisheit zum besten: „Nach Afrika kostet es 70.000 Mark, da wird es nach Ungarn das gleiche kosten." Auf der Weiterreise nach Berlin wurde von uns eine komische Oper inszeniert, wobei Grünfeld als Königstochter einen großen Erfolg hatte. Die Chorgesänge lockten viele Reisegefährten herbei, die mit Beifall nicht kargten. Um 11 Uhr nachts trafen wir in Berlin im Anhaller Bahnhof ein. Große Freude bereitete uns der Empfang, den uns in Berlin weilende Hakoahner bereiteten. Die Noblen unter uns benützten Autos, um ins Zentralhotel zu gelangen. Die sparsamen Reiseleiter ließen eine Anzahl Koffer und Taschen auf einen Karren verladen, den dann ein Dienstmann ins Hotel führte. Die Funktionäre folgten zn Fuß, was in Anbetracht der 16stündig:n Eisenbahnfahrt nicht zu den Annehmlichkeiten zählte. Nach 20 Minuten Fußmarsch waren wir am Ziel. Der Dienstmann forderte als Entlohnung 7 Millionen Mark. Wir hatten das Umrechnen bereits aufgegeben, weshalb wir uns beim Hotelportier erkundigten, ob die Forderung berechtigt sei. Erst dann händigten wir dem Tienstmann die gewünschte Summe cm. Nach einer Generalreinigung nahmen wir ein bescheidenes Nachtmahl ein. Für ein Gedeck mußten wir 4 Millionen Mark bezahlen. Am Donnerstag war um halb 8 Uhr früh Tagwache. Berlin machte auf uns einen niederschmetternden Eindruck. Die Menschen sehen gequält aus, aus Schritt nnd Tritt begegneten wir lebenden Zeugen des hier herrschenden Hungers. Manche Geschäftsleute kennen im Preistaumel keine Grenzen. Eine Flasche Kölnisches Wasser kostete um halb 8 Uhr früh 5 Millionen Mark und eine Stunde spater verlangte der gleiche Verkäufer für das gleiche Duaitütm 8 Millionen Mark. Wo man hinhorcht, hört man den Schrei nach Rache. Rache rufen aber nicht nur diejenigen, die leiden, sondern auch die Nutznießer der Verhältnisse! Hundert Schnitte vom Hotel entfernt liegt der Bahnhof Fricdrichstraße. Da eitrige hoffet bei der Abfahrt sohlten, herrschte helle Aufregung. Znm Glück war um 9 Uhr bei Abfahrt des Zuges das ganze Gepäck beisammen. Nun ging die Fahrt über Hannover und Osnabrück der holländischen Grenze zu. Der Millionentaumel begleitete uns weiter. Der Reisekassier, Herr Herbst, mußte ununterbrochen Mark erstehen, da 100 Millionen im Nu verbraucht waren. In Berlin variierte der Kurs fine einen Dollar zwischen 6 und 6,5 Millionen Mark, obwohl man auf Grund des offiziellen Kurses viel mehr erhalten sollte. Das Mittagsessen im Speisewagen kostete für die ganze Reisegesellschaft 125 Millionen Mark. Wahrlich, die Buchführung gestaltete sich nicht einfach, da wir nach Bentheim bereits die vierte Valuta hatten. Nun beschäftigten sich die Hakoahner fast ausschließlich mit der be-- vorstehenden Moersahrt. da viele vor der Seekrankheit Angst hatten. Einige Erfahrene prahlten mit ihren Kenntnissen, wobei sie sich ständig desavouierten. Baltaxe hatte von einem Rotterdams Geschäftsfreund telephonisch ein Mittel gegen Seekrankheit bestellt, das ihm bei seiner letzten Neberfahrt gute Dienste leistete. Alle Reiseteilnehmer lugten nach dem Wetter aus, wobei viele sich besorgt zeigten, da eine kräftige Brise wehte. Sludsky hielt nun über den Einfluß von Voll- und Neumond auf den Wasserstand wissensüwftliche Vorträge, wofür man ihn an die Luft setzte. Obwohl allgemein faule Witze genlacht wurden, wäre es allen lieber, tvenn sie schon englischen Boden unter den Füßen hätten. Um 5 Uhr nachmittags träfe« wir in der deutschen Grenzstation Bentheim ein. wo dieser Brief verfaßt wnride. Kreis Oesterreich der jüdischen Turn- und Sportvereine. Nach langer Panse findet morgen amt halb 8 Uhr abends im Klubheim der Hakocch eine Kreisleftnngs- und Vorstandssitznng statt, für die folgende Tagesordnung festgesetzt wurde: 1. Bericht über die Karlsbader Tagung. 2. Die laufenden Angelegenheiten und die kommende Arbeit. 3. Der Kreistag. Unsere Vertreter fafccn bei der Karlsbader Konferenz wertvolle Anregltngen erhalten. Wir sind nun neugierig, tme sie sich die Befolgung der erhaltenen Direktiven vorstellen. Folgende Herren werden ersucht, pünktlich zu erscheinen: Direktor Spiegler, Dr. SHilfftnonn. Dr. Friedmann, Wolfensohn. Dr. Menkes, Dr. Spitzer. Tysser, Horowitz. Norbert .Höchstmann. Lauser, Ernst Weiß. Stengel, Dr. Wolfmann. Zimmer. Földes, Frankl nnd Fritz Baar. Fußball. Die gestrigen Spiele. Von den beiden gestern zur Anslragung gebrachten Spielen kam der Sieg der Cvicketer über Cechie Kcrrlin sehr» überraschend. Amateure—Drmmemna 3:1 (3:0). Uebeckegener Sieg bet Amateure, der noch höher ausgefallen wäre, wenn der Sin**. mcringer Tormann Aigner keinen derart hervorragenden Tag gehabt hätte. Wieser nnd Ienö Konrad befanden sich tat Höchstform. Häusl ge!hört nichts mehr in die Mannschaft. Bei den Simmeringevn zeichnete sich der Mittelstürmer Horvat Copyright 1923 Nachdruck verboten, by EU Löwit-Verlag, Wien-Leipzig. (80. Fortsetzung.) Zn Polens Wäldern. Roman von I. Opatoschn. Autorisierte Uebertragung aus dem Jüdischen von Siegfried Schmitz. Mordechai war entzückt über Jelenskis Worte; er betrachtete den stolzen Grafen und suchte eine Beziehung zwischen ihm und den „Mahjnfeß"-Juden, in deren Namen er sprach. Er sah Molcho vor sich, als er nach Negensburg geritten kam, um am kaiserlichen Hofe empfangen zu werden, überzeugt, den Kaiser für sich zu gewinnen. Mordechai war es immer ein Problem gewesen, warum Molcho feilten ersten Besuch dem Hofjuden. Reb Josselmann abgestattet hatte, mit dem er sich nicht einmal verständigen konnte. Reb Josselmann, ein bedrückter deutscher Jude, mit dem gelben Fleck auf der Schulter, vor jedem vorübergehenden Christen sich tief zur Erde neigend, und Molcho — ein stolzer Ritter, am Königshof erzogen! Als er jetzt Jelenski betrachtete, wurde es Mordechai klar, warum Salomo Molcho- Verbindung mit dem Hofjuden Josselmann gesucht hatte. „Mit dir ist ja nicht zn reden", unterbrach Komarowski Jelenski einige Male. „iWllst du noch etwas hören?" Jelenskis Augen leuchteten. ,^Jch habe ein kleines anonym erschienenes Buch liegen, in dem beschrieben wird, wie mein Vater zum Christen gemacht wurde. So oft ich dieses Büchlein lese, Mt mir ein, daß der Pole mehr nach der .Herrschaft seiner Rasse SHnsiucht hat als nach einem polnischen Maat." „Nicht richtig, nicht richtig " Ka'hane machte eine ärgerliche .Handbewegung. „Der Autor des Büchleins" Jelenski ließ sich durch KaHanes ärgerliche Handbewegung nicht aus dem Konzept bringen, „beklagt es, daß man nicht durch die Straßen van Warschau gehen könne, ohne einem Neophyten zu begegnen.. Die Neophyten befassen sich nicht mit Arbeit, jeder von ihnen hat Kwanzig SchanWuser, sie loben ganz abgesondert, verheiraten sich nie mit einem wirklichen Katholiken, kurz, sie sind dieselben Juden geblieben wie früher, ha, ha, ha, wie gefällt dir das?" „Sonderbar, sonderbar," Ka'hane ließ seine Finger knacken, „kann man das Buch von dir bekommen?" ,/Gewiß, ich habe sogar herausbekommen, wer das anonyme Büchlein geschrieben hat, es ist ein Psafs mit Namen Hogortowski; aber hört weiter zu: Bei der Tausmahlzeit, so erKhlt er, waren etwa dreißig Neophyten zugegen, aber kein einziger wirklicher Katholik. Das Essen war genau so wie bei Juden, gefüllte Fische, weißer Kuchen, das Reden mit den Händen, die furchffamen klugen Augen, sogar das zu häufige Kreuzschlagen„All das ließ mich fühlen," so sagt der Autor, „daß ich zwischen Juden sitze, daß sie mich scheel ansehen; sie haben jüdische Wörter in ihr Gespräch eingeflochten, die ich nicht verstand; sie schienen vor mir auf der Hut zu sein wie vor einem Fremden; so bin ich mitten im Festessen weggegangen." „Da sind wir schon," ries Kahane. Alle schwiegen eine Zeitlang und mieden Komarowskis Blick, als hätten Jelenskis Worte ihre jetzige Fahrt unnütz und unsinnig gemacht. Bergauf zogen sich sorgfältig gereinigte Pfade, zu deren Seiten tiefer Schnee lag. Lang gestreckte, weiß getünchte Gebäude ivaren im ganzen Umkreis verstreut; sie sahen vom weiten wie Kasernen ans. In der Mitte stand eine Kirche mit zwei Türmen, deren Kreuze, mit Pulverschnee bedeckt, sich scharf in der durchsichtigen Luft abhoben. Die Kirchentüren ivaren weit offen, die Flammen der Wachskerzen.leuchteten aus dem Schatten hervor, verschwanden und blinkten wieder aus. Von allen Seiten fuhren Bauernschlitten heran. Junge Burschen mit Knotenstöcken kamen in ganzen Trupps, Frauen in schwarzen Kleidern knieten vor der Kirche und verschwanden einzeln in den geöffneten Türen wie in einer tiefen, beleuchteten Höhle. Mönche in langen braunen Kutten, mit Gürteln, deren Troddeln zwischen ihren Füßen baumelten, wandelten gottessürchtig zwischen der Menge und taten %u Tagesarbeit, als wäre nichts Mtßerordentliches dorgesallen Der Schlitten hielt. Jelenski hob die Decke und alle stiegen aus. Es war schwer, zur Kirche durchzukommen. Die Menge drängte von allen Seiten. Immer neue Trupps kamen herbei. Einer trug ein Kreuz, ein anderer eütz Heiligenbild. Ringsum tönte Gesang. Da hörte er aus, dort begann er. dort wieder siel man mitten ein; der leise Gesang glitt über den Weißen Schnee lmfr brachte Trauer mit. Unaufhörlich bekreuzte sich das Volk und sang still mit wie 'beim Ablaß. Ein junger Priester trat grüßend näher. Er warf einen Seitenblick aus Mordechai. Als er ihm vorgestellt wurde, lvar cs Mordeck/ai unheimlich; er fühlte alle Blicke aus sich gerichtet. „Herr Kahane," zufrieden wies der Priester aus die unaufhörlich hinzuströmenden Menschen, „jetzt wird schon nienraud inehr sagen, das Volk sei gegen den Aufftand, was?' Mordechai hörte nicht zu. Er stand mit gesenktem Kopf nnd halbgeschlossenen Anger: und fühlte nicht, daß sich um ihn eine feste Mauer von Menschen erhob, die sich immer dichter zusammenpreßte und alles verdeckte, was ringsum verging. In Mordechais Hirn wurde es so hell, daß er sich über alle Köpfe erhob und sah, wie der Feind bewaffnet anrückte, die Gewehre in Anschlag brachte und drohte zu schießen, wenn man nicht auseinandergehe. Die Menge rührte sich nicht. Alle sielen gleichzeitig aus die Knie mit d'em sichenden Ruf: „Schieße!" Die Dkenge geriet in Bewegung; sie wollte näher zur .Kirche kommen und schob Mordechai vorwärts; er war eingeklemmt, wurde vom Strom getragen wie ein Stück Holz und fürchtete, Kahane könnte in der Masse zerquetscht werden. Als er sich umfah, erblickte er ringsum mißtrauische Gesichter und stechende Augen; er horte einen alten Mann, der eine Konfoderatka trug, erzählen, wie er in den dreißiger Jahren Marschau verteidigt hatte; aber niemand hörte ihm zu. Alle drängten mit offenen Mündern, gierigen Augen und vorstehenden Ellenbogen zur Kirche; Mordechai kam der Gedanke, ob diese gleiche Masse imstande >wäre, sich einem Feind, wer irmner er wäre, entaegeMistellen. ' Wortfetzuing jjoi^