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Wiener Morgenzeitung · 1923-09-01 · Heft 1636 (1.9.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1636 (1.9.1923)
Date
1923-09-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Elnzelmnniner K1000 Wien: Zum Abholen in der Expedition,II.,Taborstr.1-3, oder meiner Verschleißteile (Trafik) monatl. K 28.000 Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 28.000 Ts chech o-S1owak ei: Mon. K17. Jugoslawien: Mon. Dinar 40. r o len: Mon. Mk.70.000.D e u t s c h 1 a n d: Mon. Mk.l,000000. Frankr., Belgien: Monatl. Frcs.8 iencr DM- Nachzahlungen^ , hei PreiaerJiohünjren Vorbehalten 91t. 1636 Wir«. Samstag. 1. September 1923 rscneetio-siowak«! i tschoch. K 1.20 Italien: Monatl. 10 Lire» Ru nt ni e n Mon. 90 Lei, Bulgarien 75 Lewa, S c h w e i 2 vnd das übrig« Ausland monatlich Frcs. 3 Redaktion u. Administration Wien, II.,Täborstrassel—3 T elepbone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhrabds. 19-483,25-28? Tel.-Adr.: .Morgenzeitung'' Wien Oesterreichischcs Po stapfet* kassen- Konto Nr. 150.693 8. Jahrgang RWus-IWomatte. F. W i e n, 1. September. Das treffende Wort zur Charakterisierung des stalienrschen Vorgehens gegenüber Griechenland ist von einem englisä-en Blatte geprägt worden, und es kennzeichnet am besten die politische Atmosphäre, welcher Mussolinis Ultimatum an Griechenland entsprungen ist. Kein berechtigtes Mitgefühl mit den Opfern ber. Mordtat auf griechischem Boden vermag den Inhalt jener Note in milderem Lichte erscheinen zu lassen, welche die Toten nicht wieder zu erwecken vermag, aber anscheinend vom Verlangen diktiert ist, auf dem noch immer unruhigen Balkan ein neues Gemetzel zu entfesseln. Glücklicherweise darf man, ohne eines übertriebenen Optimismus geziehen zu werden, die Hoffnung aussprechen, daß das Aeußerste vermieden werden und dem kranken Europa eine neue Kriegswelle erspart bleiben wird. Die Verurteilung des Vorgehens Mussolinis, welches, insofern es an das berüchtigte Ultimatum Berchtholds an Serbien erinnert, eine historische Ironie sondergleichen darstellt/ ist nicht nur in England, sondern auch in Frankreich allgemein, und man wird es sich in Rom wohl überlegen,. sich in Affären einzulassen, welche, mit einer völligen Isolierung Italiens enden könnten. Die griechische Regierung hat isich beeilt, das Ultimatum, welches einen beabsichtigten Eingriff in die griechischen Souveränitätsrechte bezweckt, in entgegenkommender Weise zu beantworten, und sie sucht sichtlich jedem Konflikt auszuweichen. Daß sie ein Diktat ablehnt, welches für jedensouveränen - Staat unannehmbar' ist, ist durchaus selbstverständlich. . > .• - Für eine richtige Beurteilung der Situation, welcher der Akt Mußotlms entspringt. ist es notwendig, sich -ItlÄM Stellung zu dep Balkanfragen m vergegen wartigen E ist Italien, welches, wichldem ihm ut seinem Bestreben, sich an der slawrsctM Adriakuste fest* zusehen. ent Strich durch die Rechnung gemacht-wurde, bemüht ist, seine Position in Awamen auszuweuen, Griecheilland zil schwächen, dgs man in Rom seit langem mit scheelen Augen ansieht, ilnd Jugoslawien von allen Seiteii einzukreisen. Darum sucht-man in Rom die Freundschaft mit dem gesinnungsverwandten Budapester System warni zii Hallen, und darum war man darauf erpicht, alle jene Bestrebungen in Bulgarien zu Falle zri bringen, welche darauf hinausliefen, eine Einigung der Balkanslawen zustande zu bringen. Der Diktator hat bisher in außenpolitischen Fragen die Rizinus-Methoben, die zu Hause seine Macht begründet haben, vermissen lassen, und weder die politischen Weltverhältnisse noch auch die innere Lage des dein Ailsland verschuldeten Italien waren dazu angetan, das Alala-Geschrei seiner Schwarzhemden an fremden Küsten ertönen zu lassen. Niin aber scheint die Gelegenheit günstig, dert starkeii Mann gegenüber dem durch einen unglücklichen Krieg gebrochenen Griechenland zu zeigen, ilnd der „Duce" hat so rasch zugegriffen, daß er ganz die Tatsache vergessen zu haben scheint, daß es einen Völkerbund gibt, dem sowohl Italien als Griechenland angehören, iiiid daß der Artikel 12 des Völkerbundes die Bestirmnung enthält, daß alle Mitglieder des Blindes sich verpflichten, eine zwischeii ihnerl sich ergebende ernste Streitfrage der Prüfung oder dem Schiedsspruch des Völkerbundrates zu unterbreiten, imb daß keinesfalls vor Ablauf von drei Monaten nach diesem Schiedsspruch oder itach erfolgtem Berichte des Völkerbundrates die Feilidseligkeiten eröffnet werden dürfen. Im Sinne des von Italien Unterzeichneten Bölkerbundstatntes genügte es, daß Griechenland sich offiziell an den Generalsekretär des Völkerbundes wende, damit der Völkerbundrat seine Tätigkeit als Vermittler eröffnen köntie. Herr Mussolini hat' vorgestern noch in einem Communigiie der offiziellen Agentur erklären lassen, es sei es in seinen Besprechungen mit Außenminister Doktor Benesch anerkannt worden, daß die gemeinsam zu befolgende Richtiing beider Länder auf dem Grundsatz des Zusammenarbeitens zur Aiifrechterhaltung des Friedens . in Mitteleuropa begründet sein müsse. Daß eine ernste Aktioii Italiens nicht allein den Frieden auf dein Balkan, sondern auch in Mitteleuropa stören könnte, das weiß niemand besser als Mussolini. Mer. er hat sich offenbar 'beeilt, um noch rasch vor dein Beginne der Verhandlungen der Völkerbundversammlung, irgendein Fait accompli zu schaffen; und obgleich er verlautbaren läßt, daß die griechische Antwort unannehmbar sei, daß die entsprechenden Entschlüsse gefaßt wordeil seien und daß die Minister für Marine und Krieg diesbezügliche Mitteilungen gemacht haben, darf.man damit rechnen, daß auch in Italien nicht so heiß geaeüen wie gekocht wird. Gens, 31. August. Die Vorbereitungen für die am nächsten Montag ' stattfindende Eröffnungder v i e r t e n Volk erb und Versammlunggehen ihrem Ende entgegen. Die Delegationen treffen eine nach der anderen in Gens ein. Der tschecho-slowakische Außenminister Dr. Ben.esch ist bereits angekommen. Moiren wird der Vorkämpfer des Völkerbundgedankens, Lord Robert Cecil, in der Aula der Universität einen öffentlichen Vortrag über das Thema „Zukunft des Völkerbundes" halten. Die Tagung des BStterbnndrates. Gestern fand unter dem Vorsitz vön Viscount I sh r i (Japan) die erste Sitzung der 26. Tagung des VMeribundrates statt. Der Rat nahm in öffentlicher Sitzung Kenntnis von der mnsangveichen Erklärung des Vertreters von Estland/Ministers Pufta, über den Schutz der Minderheiten in diesem Lande. , Sir Robert Cecil, der von den Ausführungen nicht vollkommen befriedigt war, beantragte, daß die Angelegen-, heit einen! Komitee des Rates zur Beschlußfassung unterbreitet werde, was auch geschah. Der Völkerbundrat sprach die Erwartung aus, daß die litauische Regierung noch vor. Beendigung der Völkerbundversammlung ihre in. der. Frage des Schutzes der Minderheiten vor dem Rat bereits am 22. Mai 1922 abgegebene Erklärung durch das Parlament werde ratifizieren lassen. Der öffentlichen Sitzung folgte-eine v e r t ra u l i ch e, in der die'Tagesordnung 'der Session ' genehmigt wurde. Auf oer Tagesordnung stehen hauptsächlich folgende Fragen: Vorprüfung >der Aüfuahmsgesuche Irlands und Argentnüe^sMder-fiWÜzMeMiedechüfbM.: ^Herreichs«--Wallgemeine Finanzlage des MmsHe'zur"' Errichtung eines Gebäudes für das Internationale Aroensamt in Genf, die Ernennung eines neuen Mitgliedes der Saarregierung ait Stelle des zurückgetretenen kanadi- scheu Mitgliedes Waugh, die Beschränkung der Rüstungen und das britische Mandat in Palästina. Der Rat beschloß im Prinzip, jährlich vier ordentliche Tagungen abzuhalten, und zwar jeweilig ent Montag vor deni 10. Dezember, am Montag vor dem 10. März, am Montag vor dem 10. Juni und schließlich drei Tage vor dem Zusammentritt der Völkerbundversammlung. Er verwies hierauf die Aufnahmsgesuche Argentiniens und Irlands behufs Ueberprüfung der Frage, ob diese Staaten den Bestimmungen des Völkerbundpaktes betreffend ihr« militärischen und maritimen Rüstungen , gerecht wordev sind, an die militärische Studienkommiffion im Saargebiet Sie 5ntentötlonole 8»M«sete«r. Der Völkeribundvrt hat den ehemaligen Gouverneur der Südafrikanischen Union, Buxton, zum Präsidentev der am 16. Oktober in Genf zusammentvetenden int er« nationalen Zollkonferenz ernannt. Die Kalenderreform. Das V e r k e h r s k o m i t e e des Völkerbundrakejs hat heute in Anwesenheit von VertreteM des Heiligen Stuhles, des Oekumenischen Patriarchatl Und des Erzbischofs, von Cantevburh seine Arbeiten über die einheitliche Kalenderreform beendet. Das Kr> mitee stellte fest, daß eine Kalenderveform keineun überwin blichen religiösen Hindev nissen begegne. Es wurde ein SpeziMomitee eingesetzt dem die Vertreter der erwähnten Kirchen und der Präsi, dent der Internationalen. Handelskammer Willis BoaH angehören. Dieses Komitee soll die Regelinig dieser Fragin die Hand nehmen. Mische Beteiligung an dem 11. Kongreß der Internationalen Roten Kreuzes. Aus Genf meldet I. C. B.: AmM. August ist n Genf der Kongreß des Jnternationawn .Roten Kreuze! zusammengetreten.- Vertreter von 10 Roten Kreuz-Gesell schäften aus allen Ländern der Welt sowie zahlreicher Re>.; gierungen sind zur Tellnahme eingetroffen. Neben der großen^ Humanitären.Orgauifationen,. - wie zum. Beispiel Völkerbund lind IntÄttLll-MleÜttimrfurcKindechiLfe, rtz auch die Jüdische Welthrlfskonfereyz eingo laden worden, als.-deren Vertreter Herr Aberson am Kongreß teilnimmt. ' Es.ist das erstemal in der 60jährigen Geschichte des Internationalen Roten Kreuzes, daß eine jüdische Organisation zum Kongreß eingeladen worden ist. Aus dem Programm des 11. Roten Kreuz-Kongreffes sind die folgenden Punkte interessant: Plan einer internationaleir Abmachung über die Behandlung der Flüchtlinge in Kricgszeikn; Plan einer internationalen Hilfsaktion für besonders von': Unglück he-imgesuchte Bevölkerung^ sch'.chten. Die „Times" über die neue zionistische Exekutive für PaiWna. Wie der „Times"-Korrespondent aus I> rufalern nreldet, ist man in den dortigen jüdischen Kreisen mit der Aenderiing ht der Zusammensetzung der'paläftinenfischen zionistischen Exekutive als Folge der n e u e n P o l itik des Karlsbader Kongresses sehr zustiederi. Dies bezieht sich auf das A u s s ch e rd -e it Ussischki n s, der seit 1919 der Verantwortliche Leiter der Zionistischen Kommission in. Palästina war.. Es wird angenommen, schreibt der Korrespondent, daß Colonel F. H. K i s h, ein in der Diplomatie erfahrener Engläiider, die Leitung der palästinenisischell zionistischen Exekuckve übernehmen wird. Die Mische Welthilfskonferenz und die Internationale Union für Kinderhilfe. Airs Paris wird uns berichtet: Wie dem letzten Bulletin der Internationalen Union für Kinderhilfe zu eritnchnlen ist, hat das. Exekutiv- Koniitee dieser Orgänisation beschlossen, die Jüdische Welthilfskonferenz als Mitglied der Union aufzunchnten, ohne Rücksicht darauf, daß. die Union grundsätzlich ilur Kriegsorganisatlolieii aufnimnit. Die Exeklltive erklärt, daß die aktive und energische Tätigkeit der Welthilfskonferenz.schon bisher eine sehr günstige und erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Union gezeitigt hat und daß daher der Anschluß der Welthilsskonserenz im Jllteresse der weiteren Tätigkstt der Union große Wichtigkeit habe. Vorbereitungen zum amerikanisch-WWen Kongreß. Aus Boston berichtet I. C. B.: Die Vorbereitungen zum amerikanisch-jüdischen Kongreß, der entsprechen) den Beschlüssen des Exekutivkomitees am 14. Oktober d. I. eröffnet werden wird, sind in vollem Gange. Am ErösinnngstaIe wird in der Syniphonie-Hall ein Massemnee-ling stattfinden, bei welchem, wie berichtet, Israel Zangwill spreche« wird. Die Wahl Bostons' als Kongreßort erfolgte über Wunsch de? G o u v e r n e tl r s des Staates Massachusetts, der ein diesbezügliches Schreiben ■ an den Präsidenten des Kongresses. N ath an St ra uß, richtete. Die Rot der deutschen Wirtschaft. Programmatische Erklärungen des ReichswirtschaftK Ministers. Berlin, 31. August. In der heutigen Sitzung des Wirtschaftspolitischen Ausschusses des Reichswirtschaftsrates gab Reichswirtschaftsulinister Dr. v. Raumer eine p r o g ra mm a t i s ch e Erk Ifi t ung ab, worin er unter anderem ausführte, Arbeitgeber und Arbeitnehmer hätten das Bestreben, sich vor der Entwertung der deutschen Mark zu schützen. Infolge der zu hohen Löhne beginne der Absatz zu stocken. Außerdem sei eine Kapitalsnot ohne gleichen eingetreten. Seit Ende Juni seien die Löhne dre i- bis v i e rnt a l so .stark g e st i e g e n wie der Dollar. Mit dem Zurückgehen, der Ausfuhr nehme die Möglichkeit ab, Valuten ins Land zu briligen. Die Ausgaben des Reiches seien so gewaltig, daß sie ditrch Steuern allein nicht gedeckt Werden könnten. Von der finanziellen Seite sei die Sanierung der Mark nicht herbeizuführen, sondern nur durch die Wirtschaft. Die Wirtschaft ulüsse wieder in Ordnung gebracht werden. Daneben müßten selbstverständlich auch die Ausgaben so weit wie möglich Zurückgestellt werden. Der Redner warf schließlich den Gedanken der Gründung einer deutschen G ol d n o t e n b a nk auf, an der natürlich auch die Reichsbank maßgebend beteiligt sein müßte. Ohne i n t e r n a t i o n a l e Beteiligung würde sich aber dieser Plan k a u nt verwirklichen lassen. Rückkehr Lord Enrzom nach Englmd. London, 31. August. Lord Curzou kehrt nächste Woche nach L o n-d o u z u rü et

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