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Wiener Morgenzeitung · 1923-08-26 · Heft 1630 (26.8.1923) · p. Seite 9

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1630 (26.8.1923)
Date
1923-08-26
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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9tT. MM Men, Sonntag Wiener Morgenzettung. 26. August 1923 Seite - Bühne.. Sie nette Spielzeit des Burgtheaters. Das Burgthenter eröffnet seine neue Spielzeit am 1 September in beiden Häuser n mit folgendem Repertoire: Samstag den 1. September: „Inlins Cäsar"; Akademliecheater: „Die Fran von vierzig Jahren". — Sonntag den 8., Burgtheater: Mona Vanna"; Akademietheater: „Der gute König". _ Montag den 3., Burgtheater: „Der Graf von Charolais"; Akademietheater: „Der Bibliothekar". — Dienstag deir, 4., Bnrgtheater: „Einen Jux will er sich machen"; Akademietheater: „Der Kreis". — Mittwoch den 5., Bnrgthea-ter: „Die Jungfrau von Orleans"; Akademietheater: „Quality Street". — Donnerstag den 6., Burgtheater: „Anna Karem'na"; Akademiethcater: „Die Iran von vierzig Jahren". — Freitag den 7., Bnrgtheater: „Nathan, der Weise"; Akademietheater: „Die Lokalbahn".- — Samstag den 8., Bnrgtheater: „Der Bauer als Millionär"; Akademietheater: „Der gute König". Während die anderen Wiener Sprechbühnen, die irgendeinen Anspruch aus künstlerische Geltung erheben, das Novitätenprogramnr ihrer nächsten Saison bereits vor Wochen bekanntgeben konnten, weiß die Leitung des Burgtheaters bloß zu berichten, daß als erste Neueinstudierung Ende September Shakespeares „Richard der Zweite" unter Heines Regie in Szene gehen und als erste Novität anfangs Oktober Kleists „P e n t h e s i t e n", von Hertcrich inszeniert,' zur Aufführung gelangen wird; im Akademietheater ist ein deutscher Lustspielzyklns geplant, von dem uns nur das erste Stück, Kotzebues „Die deutschen Kleinstädter". verraten wird. Was sonst im Bnrgtheater und Akademietheater geplant ist, darüber liegt dichter Schleier der Ungewißheit. Das scheint davon abzuhängcn, was Herr Höbling plant. Soweit ist es mit dem Theater gekommen, das einmal als erste deutsche Bühne galt. Dem Ensemble der Volksoper wurden neu angegliedert die Altistin Frl. Margarete M i s n e r von der Bndapester Hofoper, die Sopranistinnen Edith B e r k o v i. fc, Paula Proksch und Lilly PreßÜnrger, ferner der erste Tenor der rumänischen Staatsoper Traimr G r o s a v e s c n, der jüngst hier sein Debüt gefeiert hat. und die Herren Dr. F e l l n e r, Dr. A d r i a n und Dr?Brandsch; endlich wurde der Baß-Buffo Rudolf B a n d l e r reengagiert. An Novitäten sind bisher in Aussicht genommen: Die Erstaufführung „L o u i s e" von Charpentier, Kienzls neueste Oper „Hassan, der Schwärmer" und Richard Wagners Jugendoper „Das Liebesverbo t". Im Laufe der heurigen Spielzeit wird zum ersten Male Mozarts „C o s i f a n t u 11 e" in der Volksoper aufgeführt werden, dann CherubiniS „Der Wasserträger" und Offenbachs komische Oper „Die Groß Herzogin von Gerold st ein" mit Frl. Käthe Rantzau in der Titelrolle. Neu einstudiert gelangen Humperdincks „Königsk i n d e r", Adams „W e n n i ch K ö n i g w ä r'", MeyerbeerS „D i e H u g e n o t t e n", Heubergers „D e r O p e r n b a l l" und Sullivans „M i k a d o" zur Aufführung. Ein mehrabondliches Gastspiel des berühmten B a l l e"t t- Ensembles derMailiinderSkala unter Leitung der ehemaligen Primaballerina der Hofoper Irene S i r o n i und des Direktors B a t t i o l i wird im Oktober stattfinden. In origineller Ausstattung und Inszenierung wird das Ensemble die Ballette „Cupido i n S ch 8 n b r u n n" und „Die T ut a n k h a m e n - L e g e n d e" zur Aufführung bringen. Endlich ist ein I o h a n n Strauß-Zyklus in Vorbereitung. mnfassen: Im Burgtheater im Falle eines Äiertelabonnements 23, eines halben 46, eines ganzen 92 Vorstellungen; im Operntheater im Falle eines Viertelabonnements 25, eines halben 50, eines ganzen 100 Vorstellungen. Anmeldungen bei der Hauptkaffe der Bundestheoter (1. Bez., Neitschulgasse Nr. 2) ab 28. d. von 10 bis 12 Uhr. Aus dm Theatern. VolkSoper. Heute „Tausendundeine Nacht". — Morgen „D i e Z a u b e r f l ö t e". Deutsches Volkstheater. Dienstag, 6 Uhr abends, geht Goethes „F a u st" mit der musikalischen Einrichtung von Leopold Neichwein in Szene. Raimund-Theater. Die Posse mit Gesang „V i e r z e h n T a g e A r r e st" -leibt bis inklusive Dienstag den 4. September auf dem Spielplau. — Donnerstag den 6. September wird die Dritte Winterfprelzeit dieses Theaters als Schauspielhaus mit der Erstaufführung des Schauspieles „Der l i e b e A N g u st i n" von Julius Bittner eröffnet. \ Carl-Äheater. Samstag den 1. September wird die neue Spielzeit mit der Leo Fall'schen Operette „M a d a m e Pomp a d u r" mit M i m i K ö t t in der Titelrolle eröffnet. Johann Strauß-Theater. Als Herbstnpvität wird die Operette „Ein Märchen aus Florenz," von Ralph Benatzky, Oskar Friedmann und Toni Schwartau, Musik von Ralph Benatzky vorbereitet. Renaissance-Bühne. Montag den 3. September wird die Winterspielzeit mit der Premiere des dreiaktigen Lustspiels „Die hoheSchulo derLiebe" von Kolomann Regenyi (für die deutsche Bühne bearbeitet von Alexander Engel) eröffnet. Die männliche Hauptrolle spielt Arnold Korff, der auch die Regie des Werkes fährt. Neue Wiener Bühne. Die Winterspielzeit wird Freitag den 7. September mit Gerhart Hauptmanns „D i e Ratten" eröffnet. Else Lehmann spielt ‘ die Frau John. Regie Karl Forest. Kammerspiele, Die erste Vorstellung der Winterspielzeit findet Dienstag den 4. September statt. An diesem Abend werden die Lustspiele „Allein I" (Seul) von Henri Duvernois (deutsche Bühnenbearbeitung von Robert Blum) und ,,D e r e r st e B e st e" von Francois de Croisset (deutsch bearbeitet von Otto Eisenschitz) zum erstenMale gegeben. In den männlichen Hauptrollen tritt Hermann Romberg sein Engagement an, die weibliche Hauptrolle spielt Traute Carlsen. Regie: Hermann Romberg. Apollo-Theater. Die Premiere von OSkar Straus' Operettennovität „Die törichte Jungfrau" findet am 1. September statt. Die ersten Vorstellungen wird Oskar Straus' persönlich dirigieren. Die Titelrolle spielt Lori Leux vom Metropoltheater in Berlin. Für die Partie des Buffo ist Hermann Thimig vom Großen Schauspielhaus in Berlin verpflichtet worden. Das Apollo-Theater ist seinen neuen Zwecken entsprechend vollständig nmgestaltet worden. Der Kartenverkauf für die am 1. September, 7 Uhr abends, stattsindende Premiere beginnt an den Kaffen des Apollo-Theaters und in allen Karten bnreaus am M o n t a g d o n 27. d. Stadttheater. Leo Aschers Operette „Ein Jahr ohne Liebe" beging das Fest ihrer hundertsten Aufführung. Die populären Schlager wie das „Frühlingsterzctt" und das „Haremsquartett" haben ihre Wirkung durchaus nicht eingebüßt, das flotte Spiel von Polin Bauer und das lustige Extemlporieren der Herren M ü l l c r und Sachs fanben den stürmischen Beifall des ebenso anspruchslosen als dankbaren Publikums. Es gab die üblichen-' Ovationen und kostbare Bln» menspenden. Gastspiel des Berliner Neue» Theaters im Bürgertheater. Das Bürgertheater eröffnet die neue Saison am 1. September mit einem Gastspiel des Berliner Neuen Theaters (Direktor Gnstav-Charle), welches das dreiaktige Lustspiel mit Musik „Dorina und der Zufall" mit Oskar Sabo und Lea Seidl in den Hauptrollen zur Erstausführung in Wien bringt. Die Wilnaer Truppe in London. Die WilnaÄc Truppe (ntit Fran Alomis, den Herren Schneuer, Nachbusch, Asro und anderen), welche setzt mit außerordentlichem Erfolg in Holland gastiert, trifft in den nächsten Tagen in London ein, wo sie im neu adaptierten Pavillontheater ein längeres Gastspiel absolvieren wird. Sarah Bernhardts Denkmal. Dank der Opferfreudixffeit der Pariser Schauspieler im allgemeiner! und Sascha Grrrtry im besonderen wird Sarah Bernhardt ein Denkmal auf einem Platz von Paris erhalten. Mit der Ausführung ist Antoine Bourdelle betraut. Bonrdelle äußerte die Absicht. Sarah Bernhardt nach dem Beispiel des Berühmten Balzac von Rodin in voller Figur darzustellen. Ihm schwebt eine Art Phantom vor, das weder Arrne noch Beine sehen läßt und das sich als ein- Zwischending zwischen Erscheinung und körperloser Wesen- Heftigkeit zu erkennen geben soll. Bourdelle gab ferner seinen Wunsch zu erkennen, daß Sarah Bernhardt nicht auf ein Piedestal gestellt rverdc. Sie soll tvic eine Pflanze aus dem Boden her'vorwachsen. Ein neues Riefentheater in New-Aork. Die Größe eines stattlichen kleinen Ortes hat das Theater von 37 Stockwerke n, das jetzt in New-Nork in Bau ist. Untergrund- Hahn und Straßenbahnen durchqueren seine Fundamente. 64 Fahrstühle sind eingebaut. Im zweiten Stockwerk wird es eine richtige Straße geben, Boulevard der Künstler genannt, mit Musik- und Buchläden. Ein Postamt, eine Bibliothek, Gästehäuser und eine Rettungswache sind in dem Theaterbau untergebracht. Staafscheakerabonnemenk. . Mit 1. September beginnt : im Burg- und Operntheater ein neues A b o n n em e «>1 auf Lose« und Parkettsitze. DinseS Abonnement wird N. M, Gelber: „Die Juden und der polnische Aufstand 1863." Verlag R. Löwit. Wien und Leipzig» 1923, 235 Seiten 60 Jahre nach jenen denkwürdigen Dagen der polnisch-jüdischen Verbrüderung hat Dr. Gelber, der sich schon lange mit diesem Thema befaßt hat, auf Grund eingehender Archivstudien eine ausführliche Darstellung des Verhältnisses der wlnrschen Nationalbewegnng zu der Judenfrage gegeben. Wenn wir seinen Ausführungen folgen, so ergibt sich zunächst die Frage, wie kam es. daß die Polen, di« noch während des Aufstandes 1830 bis 1831 und nachher die Juden schmähten und beschimpften, plötzlich ihr Hers für sie entdeckten? Trieften diese Polenherzen wirklich von Gerechtigkeit und Menschenliebe? Nichts von alledem. Wohl mögen die polnischen Emigranten mit einigen Tropfen liberalen Oels gesalbt gewesen sein, die Begeisterung für die jüdische AMwÄcrt.iou und die „Verbrüderung" entsprang einem nüchternen politischen Kalkül, reinem Utilitarismus. Die Motive ans jüdischer Seite tvaren auch verschieden, von wahrhaft überzeugtem AffimilantismuL bis zum reinsten Zweckmäßigkartsst-andpnnkt. Und die fiihcenden Persönlichkeiten spiegeln diese Motive wieder: Der orthodoxe Rabbiner Dow . Der M eisels, halb überzeugter Phantast, daß die Polen die Inden, aus idealen Grünen mit offenen Armen aufnohmen werden, halb zweideutig in seiner jüdischen Anschauung, der' Prediger Jastrow, ein- Stück Konservativer und Nühlichkeitsfanat-iLer zugleich, sein Kollege Kram st ü c z, eine Assirnilant von reinstem Wasser, Matthias Rosen, ‘beri eilte gemäßigte, jedenfalls weniger plötzliche ‘. bi schildern, daß sic lebendig werden. Einige Gcsellschaftstypen ind unheimlich scharf getroffen. Dichterisch wertvoll die Frauenschild.erung in diesem Buch, mit einer bei schaffenden Kranen nicht sehr häufigen Offenherzigkeit. Die Sprache ist manchmal ungelenk, manchmal wieder zu behende; Ihr haftet Publizistik an. Aber das Buch, zu den wertvolleren der Gattung Judenromane zählend, ist interessant mtd mit einem Schuß Nachdenklichkeit unterhaltend. Was dankbar festgestellt wird. ) 0. S. Oskar Ne»mann: „Ruth". Ein Menschheitsspiel ln drei en. 1923, Verlag S. Steiner, Bratislava. Im Schicksal von vier Menschen wird hier versucht, die Dreiheit Jndentum- Christentum-Heidentum zu einem Dreiklang zu verbinden und harmonisch aufzulösen. Der Dichter dieses Spieles läßt seinen Grundgedanken durch ein jüdisches Mädchen also sprechen: „Dann kann es sein, daß einmal sie am Wege Sich rauschend finden zum Zusammcnklang, Zur Harmonie, zu einem heil'gcn Liede. Das gotterfüllr über die Weite.! droh''.!: Dein Volk ist meins, wir alle sind ein Volk Bon Menschen mit dem heiligen Glück des SchreitenS Und einer ew'gen SonnenheimaL — Weil." Dieser Gedanke ist in einer einfachen Handlung mehr breit als tief, mehr grübelnd als einheitlich ansgesponnen. Eine an Klängen reiche, sehr saubere, wenn auch nicht allzu fest geoantc Sprache hilft denn Leser zn ruhigem Sichverlsenkcn in das ewige Mysterium des Gottesliedes der Menschheit. Manches in diesem Spiele tönt wirklich Harfe. Syrinx und Glocken, die Symbole' der dreifach, vergotteten Menschheit, wieder. Diese Dichtung kann -ein Anfang werden. Gutes und Klargereiftes folgen rann. S. S. S. I. Agnon: „Der Verstoßene". 1923, Jüdischer Verlag. Berlin. Ter wertvollen deutschen Ausgabe der Erzählung „Und das Krumme wird gerade" ist nun eine deutsche Ucbertragnng einer neuen Erzählung des bekannten hebräischen »lellers Agnon gefolgt. Agnon erzählt wieder eure einolksgeschichte, die sich an dem Zaddik Rabbi Urtel knüpft, der einst von einem Gegner der Chassidnth atrs einem Assimilation verteidigte. Trotz - aller Verschi>ck>enheit in ihren Ausgangspunkten stimmten, diese Führer der -jüdischen Intelligenz darin überein, daß die Inden sich ohne Rücksicht auf die Folgen für das Judentum assimifteren müßten. Man kann diesen Männern, die große Persönliche Opfer für ihre Ueber- Ketlgungen brachten, hohe Achtung nicht versagen. Aber sie ermangelten doch des Weitblicks, und.die zahlreichen jüdischen Mitkämpfer, die in bent Aufstande ihr Herzblut für die polnische Sache dar^ebracht hätten, waren' für ein Phantom ins Feld gezogen. Mit den: Zusammenbruch des Aufstandes war. nicht nur der DerbvüdevungAtaumol, sondern das gan-e Reformwerk Wiekopolskis. sowie. die Emanzipation dahin. Vielleicht hatte die Furcht vor den Folgen der Assimilation nicht mürber wie ein gesunder politischer Instinkt dre Massen der Juden davon abgchalten, den Bogeisterungsaumel der Intellektuellen u«d Ideologen mitzmnachen. Rußland rächte sich an den Rebellen, und die Juden hatten natürlich am weiften KN leiden. Gelber hat von allen diesen nur andeutungsweise gekettnzeichneten Ereignissen eür ungemein anschauliches, aus zahllosen sorgfältig gesammelten Details komponiertes Bild entworfen. Besonders wertvoll sind die Beilagen, die das urkundliche'Material enthalten, Berichte des österreichischen GettevaMonfuls in Warschau, einen hebräischen Aufruf, Proben ' - - .. ' i. Am Schluffe gibt Materialiensammlurrg. sondern auch für den Mußreicher Mitrag zu den poln' * wi-chtige ein auf- Begiehnngen. I. M. Wilma von Bukelich: „Die Heimatlosen".. Ein Roma». 1923, Deutsch-Oesterreichischcr Verlag, Wien-Leipzig. Eif. Oueyschnitt durch die ungavisch-)üdi!sche Gesellischast vor dem Kriegch u der Zeit, da das jüdische Ungartum, berauscht von den ragwürdiaett Erfolgen ferner Assimilation, rricht das ferne Grollen horte, welches nach dem Hcioge ein, so furchtbares Gewitter brachte. Ein Querschnitt: in die Tiefe Witt) nicht gegangctr; auch die Gegenüberstellung des nationalen Judentums ist schematisch. Wa8 aber an diesem Erstlingswerk (däs als solcyes deutlich kenntlich ist) anzieht, ist die überall deutlich hervortvetmche BvrcLmrg. KestÄteu ocht vmtgen striche» so zu Erfüllung des Fluches wird sichtbar an dem Enkel des Gemeindevorstehers, dem jungen Ger schon, desseir Seele, 'nachdem sie das Licht des Zaddik in sich ausgenommen hat, ihrem Leib verläßt. Agnon erzählt im Stil des alten iüdischcn Volksbuches, rrur etwas kühler, manchmal auch etwas zu gekünstelt. Aber Stellen in der Erzählung, wie die,!vo es heißt: „Und vielmals am Tage kamen sie zu ihm und fragten ihn, wre spat rst es?, um ihn an seine Uhr zu erinnern, mit der seine Braut ihn geschmückt hatte", sind herrlichste dichterische Offenbarung. Leider unterscheidet sich die Uebcrtragnng dieser Erzählung sehr nachteilig von der meisterhaften Nachbildung des ersten in deutscher Spracheerschienenen Agnon-schen Buches. Es soll hier sprachlich etwas einfach wiodergegcben werdet:, was eitrfach erschemt und doch Außerordentliches in sich trägt. Die Aufgäbe ist gewiß nicht leicht. Aber ihre GrutrdLcdingung ist Vermeidung alles Ueberflüssigen und Leeren, zugleich Verwendung der einfachsten Sprachformen. deren Bedentüng immer stärker ist als die zusammengesetzter. In dieser Uebertragung ist genau das gogentMi-ge Verfahren airgewetrdet und es kommt eine gequälte, aufgeplusterte, stelletrweife geradezu geschmacklose Sprache heraus. Wendungen wie: „Die .Herrin des Hauses strich ihm zu Ehretr den Fußboden aus" sind geradezu ein Aergerms; leider gibt es solcher Stellen viele. Das Buchgewand ist schon. —tz. Wegen Verbrechens der Brandlegung hatte sich gestern vor den Geschwornen der trach dem Dorf Goberling im Burgenlande zuständige 21jährige Taglohner Franz Pley er zu verantworten. Die Atrklage lautet dahin, Pleher habe am 20. Mai um 10 Uhr nachts in Goberling das Anwesen seines Vormundes Samuel Gabriel atrgezütrdet, der Brand sei unter Umstärrden gelegt worden, daß Menschenleben gefährdet waren. Als das Feuer ansbrach, lagen die Hansbewohrrer bereits im Schlafe, sie konnten mrr das nackte Leben retten. Alle Baulichkeitetr tvaren binnen einer halben Stunde bis auf die Grundmauern eingeäschert. Pleyer bekannte, das Anwüsen Gabriels aus Rache angezündet ztr haben, weil sein Vormrrnd seine tviederholien Bitteir um Unterstützung abgewiesen habe. Gabriel tvar nur auf eine kleine Summe 'versichert, ist daher atr den Bettelstab gebracht. Der Angeklagte Mannte, sich schuldig; er sei arbeitslos und hungrig gewesen und habe den Vormund gehaßt, lveil er gegen ihtr so hart gewesen sei. Er bestreitet, arbeitsscheu und trunksüchtig zu sein rrnd erklärt, .in einer monrentanen Eingebung gehatrdelt zu haben. Die Geschwornen bejahten die Hatrptfrage atrs Bvandlegutrg einstimmig und verneinten die Znsatzfragen, ob der gestiftete Schaden ein erheblicher war, ob der Brand zur Nachtzeit gelegt wurde uud ob Menschenleben in Gefahr tvaren, mit 6 bis 12 Stimmen. Das Urteil lautete auf drei Jahren schweren Kerkers, verschärft durch Dunkelhaft an jedem Jahrestage der Tat. Eine noble ÄMrdschast. Bor -Ostern war ein Herr bei« Fvifvur. Heinrich Bort ih erschienetr, mn sich die Haare ichnei- -den und sich rasieren zu lassen. Als es zum Zahlen kam, wurde ibet Kunde, der sehr groß getan hatte und von seinem Auto gerodet hatte, etwas verlegen, griff „nach der Brieftasche, dte erangeblich verge>ssen hatte rmd erklärte, er gehe nur hrntrber tn seine Garage und bringe das Geld. Der Matrn verschwand ntrd ward nicht mehr gesehen. Nach drei Wockien traf derw«» senr den „Blitzer", dieser ging an-f ihn zu und sagte: „Ah. da sind Sie sa. Sie bekomnretr von mir noch tretrtftatrsend Kronen für das Frisieretr. Ich komnre schon zu Ihnen. Ich tvar nur mit deur Attache mit einem Auto in Bukarest. Woraus er verschwand. Nach ein Paar Wochen traf der Friseur den sämnigen Zahler wieder und mahnte ihn rrur die neuntauseud Kronen. Dieser tat -beleidigt, herrschte den Friseur, der ihm folgte, an und sagte: ,^Jch gehe schon mit Jlmen." Ms der Frtseur meinte, der Herr könne hingehetr, wohm er wolle, wenn er nur die 9000 K. bezahlt habe, rief dieser: „So, setzt zahle ich nicht, klagen Sie nvich!" Ein herbeigevusoner Wachmann führte den Mann Mr Polizei, tvo er als der wiederholt wegen Betruges und Eigentumsdelikten vorbestrafte Heinrich Rosenkranz agtroszieri rouvde. Der noble Gast wrrrde. obgleich er inzwischen bezahlt hotte. &, ö Dag»« > ßhxiest dvmchM,

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