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Wiener Morgenzeitung · 1923-08-26 · Heft 1630 (26.8.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1630 (26.8.1923)
Date
1923-08-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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HnzelmnsnerOM Wien: Zum Abholen in der Expedition,II.fTaborah,.l“3, oder m einerVerschleissteHi (Twröc$ monatl. K 28600 MHPosbrersand furWiearu. K' Oeeterr. monatl. K 28.000 Ta che c h o-S 1 ow« ked: Mon. K17. Jugoslawien: Mon.Dinar40.Polen:Mou. Mk.70600.Deutschland: Mon. Mk.500.000. F rankr., Belgien: Monatl. Firfcs. 8 Rr. 1630 rN««bzafa!un(ta Prei»erhöb«nzisn yo»beWt*» Wiener 'I^MRMNBIKmSVQWMM ttchichi K 1*80 Italien: Monti. 10Lh Rumänien Mon.90Ld Bulgarien Mon. 75 Lewa Schweiz und das ubrigj Ausland monatlich Fees, i Redaktion u. Adnrinistratiol Wien, n,,Taborstraaael—> Äne: 44-0-38,43*3-19 abds.19-483,25-281 TeL-Adr.: »Morgenzeitnng* Wien Oesterreichisches Poatapar Icassen-Konto Nr. 150.69? Me», Sonntag, SO. August 1023 5. Jahrgang M Ausnahme der Rede Ltresemamis. Paris: zurückhaltend. — London: LvtimWfch. — Frankreich kür der» Eintritt Seuifchlauds in den Völkerbund. Ar «unserem Benesch- Rusirlinl. 5. Wien, 26. August. Prag, 28. August. Außenminister Doktor Be ne sch begibt sich morgen früh nach Rom. Außenminister Benesch ist sicherlich einer der fähigsten und erfolgreichsten Diplomaten des gegenwärtigen Europa. Er verbindet einen scharfen und klaren Blick für die Bedürfnisse seines Staates mit einer auch bei Staatsmännern nicht gerade alltäglichen Einsicht in die europäischen Notwendigkeiten, und seine Politik war von Anbeginn daraus angelegt, die Beziehungen der Tschecho-Slowakei" zu den Zentren der europäischen Macht möglichst intensiv zu gestalten. Benesch hat klar erkannt, daß die europäische Gesamtsituation für seinen Staat die Schaffung einer vertragsmäßigen Rückendeckung erfordere, die angesichts der magyarischen Rankünen und des Mangels an politischer Stabilität in Mitteleuropa notwendig ist, und es ist ihm in der Form der kleinen Entente gelungen, einen Staatenbund zu .schaffen, der durch eine Reihe von wichtigen, parallel laufenden Interessen verknüpft wird. Die Reise des Ministers Benesch nach Rom, wo er mit Mussolini Beratungen eingeleitet hat und die unmittelbar vor dem Zusammentritt des Völkerbundes erfolgt, wird bei einer Beurteilung der gegenwärtigen europäischen Lage nicht überraschen. Italien ist jene Großmacht, welche die kleine Entente, bei ihren Beratungen am unmittelbarsten ins Kalkül ziehen muß und immer wieder stößt diese, mag es sich einmal um Jugoslawien, das anderem«! um Ungarn handeln, auf eine deutliche Stellungnahme Roms^ Es unterliegt keinem Zweifel, daß Italien in'Mitteleuropa eine Vormachtstellung anstrebt und als erster gehört sein will, wenn irgendwelche außenpolitische Maßnahmen getroffen werden sollen. Der Rührkonflikt hat Frankreichs Hauptinteresse in Anspruch genommen und ,bci einer längeren Dauer der gegenwärtigen Verhältnisse könnte Mussolini leicht den Moment, da Frankreich anderweitig okkupiert ist, benützen, um mit Nachdruck auf die Festigung der italienischen Position hinzuarbeiten. Abgesehen von dieser allgemeinen Konstellation, welche eine Fühlungnahme der kleinen Entente mit Italien notwendig erscheinen läßt, sind es Gründe besonderer Art, welche dieser Konferenz imgegebenen Augenblick ihre Bedeutung verleihen, zumal da Benesch offenbar Vorsorgen will, daß sich aus der bevorstehenden Bölkerbnndtagung die Stimme4 der kleinen Entente entsprechend Gehör verschaffe, wenn dort Dinge zur Sprache kommen sollten, welche deren nächste Interessen tangieren. Das Verhältnis zwischen Italien und Jugoslawien hat in den allerletzten Tagen durch das befristete Memorandum Mussolinis in der Fiume-Frage neuerlich eine Trübung erfahren. Die Bereinigung der schon so lange in" Verhandlung' stehenden Angelegenheit will nicht gedeihen und es scheint schwer zu sein, eine beide Seiten befriedigende Formel zu finden, während Jugoslawien schon mit Riicksicht auf seinen kroatischen Bevölkerungsteil auf seinen Rechten bestehen nmß und andererseits das Programm des italienischen Fiume ein Schlachtruf des Faszismus geworden ist, mit dessen Mentalität Mussolini am meisten rechnen muß, der alles getan hat, um die faszistische Flamme bis zu ihren Ausbrüchen anzublafen. Nunmehr erscheint es keineswegs als unwahrscheinlich, daß Benesch, der sich mehr als einmal als Vermittler versucht hat, and) hier versuchen wird, einen Mittellveg ausfindig zu machen, und ider Vertreter des Staates, dessen Abmachungen mit Italien dazu beitragen könnten, dem absterbenden Triester Hafen zu neuer Aktivität zu verhelfen, erscheint zu dieser Mittlerrolle sicherlich geeignet. Während aber die Fiume-Frage in erster Reihe ein jugoslawisches Problem ist, sind an einer anderen Fracke alle Mächte der kleinen Entente in gleicher Weise interessiert. Ungarn bemüht sich bekanntlich krampfhaft mn die Erlangung einer ausländischen Anleihe, welche über die drohende Krise hinweghelfen könnte, in welche die unerhörte Wirtschaft der Negierenden dieses Land gestürzt hat, das noch immer über genügende natürliche Ressourcen verfügt, nur sich bei einer vernünftigen Ordnung der Neparationsangelegenheiten aus eigenen Kräften empora'rbeiten zu können. Die Anstrengungen Betylens haben bisher ein Fiasko erlitten und die einstige französische Freundschaft hat einem sichtlich Wlerm Hü Platz gemM, Mx Me SarrLMM Ser kindruck in Pari». PMS, 25. Ungutst. (Havas.) In offiziellen Kreisen ist Man mit dem Urteil über den Eindruck, den die Rede des Reichskanzlers Dr. Stvesemawn hevvorgerufen hat, sehr zurückhaltend. Man beschränkt sich darauf, festzustellen, daß die Worte des Kanzlers in ihrem Tone verschieden sin!/ von denen feiner Vorgänger und keineswegs die Zu^ rückwoisung eines jeden VersöhMngsversuches bedeuten. Man bedauert, daß der Kanzler keine Anspielung auf die Einstellung des passiven Widerstandes gemacht habe, die eine wesentliche Bedingung für die Wiederaufnahme'von Verhandlungen sei. Man nimmt die Angebote von Garantien und positiven Pfändern zur Kenntnis, obwohl sie denen des früheren Reichskanzlers Dr. Cuno nichts hinzufügen. Die Ziffer der erfolgten Leistungen Deutschlands sei von der Reparationskommission unparteisich mit '7.800,000.000 Goldmark festgesetzt worden. Die deutschen und die amerikanischen Berechnungen könnten nur von einer UeVerschätzung der abgetretenen Güter, wie Schiffe, Eisen'bahnimatevial ufw., herrühren, denn die Buchführung über die Sachlieserungen könne für einen Irrtum nicht den geringsten Raum lassen. Die Sonntasttede» Posncares. Paris, 25. August. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) P o i n c a r e wird Sonntag itid)t nur eine, sondern zwei Reden halten. Bei dieser Gelegenheit wird-er wahrscheinlich auf die gestrige Rede Dr. S t r e s e m a n n s e i n g e h e n. Me „Sfwes" Wer Rresemamrs Rede. London, 25. AuMst. (Wolfs.) Die „Ti m c s" sehen in den Erklärungen des ReichÄ>anl>zers einen wichtigen Beitrag zur R.eget n n g der g-egeulwärtigen K r i s e. Seine sorgfältig gewählten Worte in der Re-pai a.tiES>srci-ge fcicit vorsichtig, aber endgültig gesprochen. Es sei be-zeichn-end, daß er bei der BciM'Mmhme ans dir letzte britische Note,die TÄvr für die' Möglichkeit von Berha.M'.tngen mit Frankreich keineswegs geschlossen, vielmehr die Bedeutung des letzten deutschen Angebots -erweitert habe. Das gestrige Angebot, produktive Pfänder zu gäben, verdiene sorgfältige Erwägung. Die Rede fei jedenfalls eine geschickte Aeußernng in der Absicht, Frank- 'reich zu versöhnen und die Verhandlungen zu fördern; sie sei deshalb zur Beilegung dergegenwärtigen Krise entschieden dienlich. ■ Die belgische Antwort in Paris eingetroffen. Paris, 25. August. (Havas.) Die belgische Antwort auf die britische Note ist heute dem Ministerium des Aenßern übermittelt worden. An vertrauliches Rmdschreibrn der franrSschen Regierung. Paris, 26. August.. (Tel. d.„Wr. Morgenzeitung".) Wie man in wohlunterrichteten Kreisen des Quai d'Orsay vernimmt, hat die französische Regierung ein vertrauliches R u n d f ch r e i b e n an ihre diplomatischen Vertreter durch das Ausland reichen die Sympathien nicht aus, welche die großzügige magyarische Auslandspropaganda dem christlichen Kurs in den Kreisen der reaktionären englischen Lords gewonnen hat. Mer in der kleinen Entente weiß man, daß die Frage der Anleihe früher oder später — für den Verfall der ungarischen Wirtschaft wird Budapest schon sorgen — aufs Tapei kommen wird,, und sie sucht sich rechtzeitig darauf einzustellen. Die letzte Marienbader Konferenz hat sich grundsätzlich für die Gewährung einer Anleihe an Ungarn ausgesprochen, aber sie hat gleichzeitig Forderungen erhoben, um zu verhüten, daß eine solckse Anleihe dazu diene, um den ungarischen Jrredentismus und Putschismus aufs neue zu speisen und zum -weiteren Ausbau des mitteleuropäischen Unruheherdes beizutragen. Die Budapester Presse hat mit scheinheiligem Proteste von einem Versuche der Einmischung in die inneren ungarischen Angelegenheiten gesprochen; aber sie weiß, daß nicht das beabsichtigt ist, sondern nur die Sicherungen, daß die Auslandsgelder nicht zu geheimen MtzvMW. und zur Kerabluug der Wrihlereien in den im Auslände gesandt, mit der Weisung, den Regierungen bei denen sie akkreditiert sind, mitzuteilen, daß Frank reich keine Einsprache erheben 'würde, fall! Deutschland im Verlaufe der Septembertagung de! Völkerbundes in Genf seinen Beitritt zum Volke» bund anmelden sollte. Voraussetzung hierfür wäre, daß Doutschlarck), wie alb Mitgliedsstaaten des Völkerbundes, gemäß Artikel 1 de! Völkerbundvettrages sich verpflichtet, allen seinen intev nationalen Verpflichtungen nachzukommen. Dieses Rundschreiben wurde in den letzten Tagen alle» Botschaftern und Gesandten der Republik im Ausland zw gestellt. . - London, 35. August. (Wolfs.) Der Präsident des HMdeW -amtes Lloyd-Greame legte gestern auf einem van bei Handelskammer von Aberdeen veraustMeten Frühstück du Politik der britischen Reg-t>•:rung hiutsichtlich der R -e p a r a t i o n s f r a g -e dar. Cr erklärte, es sei unsinnig <u>n4 beleidigend, anzunehmen, daß eine britische Regierung, deren Mitglieder, saweft sie jung' oder tauglich gewesen seien, selbst im Felde gestanden seien oder Angehörige 'm Felde gehabt hätten, eine deutschfreundliche Haltung einnchmen würde. Dü Ziele der britischen Politik feien: 1. Bon Deutschland den höchste« betrag an Repamtionen ans 'die' wirksamste und rascheste' Art zu erhalten. 2. Geordnete und stalbile DerlMntsfe in Europa zu schaffe'»/ "dte-^den'Mrtianrir gepwtteter^ - zu arbeiten und Handel zu treiben. 3., die Erzielung der Reparationen durch wirksame GaÄiWn -zu sichern, - von denen dia wichtigste die Kontrolle der deutschen Finanzen sei, ohne die nach seiner Ansicht die deutsche Ää'hv>m-g nicht stalbilifiert u-nd eine angemessene Besteiieramg nicht erreicht werden könnte. Die Ablieferung von Devise» in Deutschland. Berlin, 25. August. Die Verordnung über die Ablieferung ausländischer Vermögens ge gen stände bestimmt, daß für je 10.000 Mark, die nach dem Gesetze zur Sicherung der Brotversorgung im Wirtschaftsjahr 1923-24 vom 23. Juni 1920 als erste Teil ab gäbe zu entrichten sind, E r w e r b s g e s e l l s ch a f t e n den Gegenwert von 2 M a r k Gold, alle übrigen natürlichen und juristischen Personen, Personenvereitligungen unb Bermögensmassen den Gegenwert von 1 Mark Gold in ausländischen Zahlungsmitteln, anderen ausländischen Werten oder diesen gleichgestellten Werten abznliefern haben, sobald ihnen iit der Zeit vom 10. bis 20. August ausländische Bermögensgrgenstände oder diesen .gleichgestellte Vernlögensgegenftande gehört haben. Eine Ablieferungspflicht besteht n i ch t, soferne der abzuliefernde Betrag 10 Mark Gold nicht übersteigt. Für Personen usw., die nach diesem Gesetze nicht ablieferungspflichtig sind, bleibt eine Regelung über die Art und beit Umfang ihrer Heranziehung Vorbehalten. Die Ablieferungspflicht ist durch Hingabe von ausländischen Zahlungsmitteln oder Wertpapieren zu erfüllen. Bei Abliefcrttng von ausländischen Zahlungsmitteln wird ein Dollar mit 4 Mark 20 Pfennig Gold nmgercchnet. Der Ablieferungspflichtige erhält für die von ihm abgelieferten Wert« Stücke der wertbeständigen Anleihe des Deutschen Reiches (Gold-Aitleihe) zu einem Kurse, der fünf Prozent unter dem ZeichnungskurS liegt, der am Tage der Ablieferung gilt. ehemals zu Ungarn gehörigen Gebieten dienen. Die kleine Entente weiß, daß Ungarn heute nicht verhaut lungsfähig ist, daß die Grenzen zwischen Verantwortlichen und.„unverantwortlichen Elementen" sich beständig verschieben, und daß die Augenauswischertakti! der Demagogen an der Futterkrippe nicht auf Treu und Glauben rechnen kann. Eine der Stützen dieses „christlichen Kurses" aber ist Italien gewesen, welches damit rechnete, Ungarn gegen Jugoslawien ausspielen zu können. Mussolinis Gestalt nun zeigt einen merkwürdigen Januskopf: er ist der faszistifche Diktator im Innern und in Außenfragen Realpolitiker. Als solcher aber wird er erkennen müssen, daß es eine zweifelhafte und für Italien keineswegs dauernden Gewinn versprechende Politik wäre, die ungarische politische Ranküne im Hinblick aus Jugoslawien aufzupulvern. Wenn es Herrn Benesch - gelingt, sich mit Mussolini in dieser Frage zu einigen, dann wird er sich um btt Stabilisierung der mitteleuropäischen Verhältnisse ein nmes VerdiMt eMorben habere

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