Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1629 (25.8.1923)
- Date
- 1923-08-25
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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tttfc s NS«, Gcnvstüy Wkener Moeskff-eMm«. Bühne und Kunst. -ke Staatrtheatrr. Bmgthoater imd StaatSoper eröffnen ihre Spielzeit am Samstag den 1. September. Der Direktor der Staatsoper Franz Schalk ist bereits aus Südamerika zurückgekchrt und hat die Divektionsgeschäfte übernommen. Die Eröffnungsdorstellung der Staatsoper ist ,Aie Meistersinger von Nürnberg, als zweite Vorstellung ist für Sonntag den 2. September „Aida" angesetzt. Nicht so glatt scheint sich trotz aller Dementis die Repertoirebildung im Burgtheater zu vollzichen. Das Wochenrepertoire ist noch nicht ausgegeben worden. Bemerkenswert ist die von einer lokalen Korrespondenz ausgegebene Nachricht, daß sich verschiedene Persönlichkeiten aus der Kunst- und LiteratuvwÄt mit dem Gedanken trügen, einen Verein zur Rettung des Burgtheaters zu gründen, der es den verschiedenen Einflüssen der letzten Zeit entrücken und fernen Bestand sichern soll. Hier scheint der Wunsch «ach G'schastelhnbevei oder einem Geschäft der Vater des Gedankens zu sein. Vom Ronachertheater. Die Direktoren der „Femina", Artur und Emil Schwarz, haben Ronacher und Parisien übernommen und werden es am 1. September mit einem erstklassigen Barieteprogramm eröffnen, in dem unter anderem das Ballettkorps des kaiserlichen Theaters in Moskau mit dei Pantomime „Der Schwanensee" figuriert. Die Trsfilova und Herr Wladimiroff. den man in Wien als Partner der Karsawina bereits kennt, sind die Stars des Ballettensembles. Vornehmlich wird die neue Direktion die große Ausstattungsrevue pflegen. Aus de« Theatern. Volksoper. Heute „Tosco". Morgen »Da »send und eine Nacht". (Sonntag) ^^?..^^^lschen Bolkstheater beginnt Alexander M o i s s i Samstag den 1. September ein etwa zweiwochentliches Gastspiel in Leo Tolstois Drama „Und das Licht scheinet in der Finsternis" und setzt es Sonntag den 2. September als Posa in Schillers „Don Carlos" fort. Wochen spielplan des Deutschen Volksprater Sonntag: „Der Fremde". Montag: Vclkstuncklcher Zyklus: „Mutter Sorge". Dienstag: „Faust". Mrttwoch: „Die Bruder von St. Bernhard Donnersmg: „D e r F r e m d e". Freitag: Volkstümlicher Zyklus. Neu emstudeert: „Sttmu t". Serichtssaal. Sa» Hockeymeisterschoftsspiel Hakoah-FSns. Hasser SporMub. Bei einem MeisterfchastshoSeyffnel zwischen der Hakoah ' und dem Fünfhauser Sportklub am 20. April, in dessen Verlass zwischen den Spielern beider Klubs wiederholt Reibereien vorgefallen waren, kam es nach dem mit 3:1 Trefffern erlangten Siege der Hakoah zu schweren Ausschreitungen auf dem Sportplatz, die in der Oeffentlichkeit viel erörtert wurden und im Straf- und Meldeausschuß des Hockehverbandes zur lebenslänglichen Disqualifikation zweier Spieler des seither nicht mehr bestehenden Fünfhauser Sportklubs, des Johann Löschner und N. Grassel, führten. Diese Affäre gelangte nun durch Anzeige der Beteiligten vor das Strafbezirksgericht Innere Stadt, vor dem sich Johann Löschner wegen vorsätzlicher leichter Körperverletzung und tätlicher Ehrenbelerdigung, der Hakoahner Erwin Landesmann wogen des gleichen Deliktes und der .Hakoahner Alfred Nossig über Klage des Löschner wegen Ehrenbeleidigung zu verantworten hatte. Bei den Ausschreitungen war nämlich der Hakoahner Alfred Roffig durch einen Schlag mit einem Hockeyschläger gegen den Kops schwer verletzt worden, Web blutüberströmt auf dem Spielplätze liegen und mußte durch die Rettungs gesell scha ft ins Spital gebracht werden. Nach Angabe mehrerer Spieler der Hakoah hatte Johann Löschner den Schlag gegen Noffig absichtlich geführt, nachdem er ihm einen Fußtritt in die Magengegend versetzt hatte. Löschner will nach seiner Angabe durch Schläge mit dem Hockeyschläger ebenfalls verletzt worden sein und bezeichnte als den Täter den Hakoahner Erwin Landesmann; er gab überdies - an, Noffig hätte ihn gestoßen. Bei der gestern stattgefundenen Verhandlung stellte Löschner in Abrede, den Schlag gegen Nossig geführt zu haben. Das Spiel fei dadurch, daß vom Verbände kein Schiedsrichter erschienen sei, schr scharf vor sich gegangen. Knapp nach Schluß des Spieles sei es zwischen ihm (Löschner) und dem Hakoahner Landesmann zu einem Wortwechsel gekommen, in welchen sich Nossig eingemischt habe, wobei er ihm einen Schlag auf die Achsel versetzt«. Er (Löschner) habe den neuerlich aus ihn losgchenden Noffg mit dem Fuße abgewehrt, und ihn dabei in den Bauch getroffen, wodurch Nossig uiedergeffallen sei. In diesem Momente hätten Landesmann und andere Spieler der Hakoah auf ihn (Löschner) loögeschlagen. In der sich, nun entwickelnden Schlägerei habe Noffig einen Hieb mit dem Hockeyschläger von einem anderen erhalten, wohl geblutet, aber sich wieder erhoben und auf Löschner losgehen wollen. Diesen Angaben gegenüber bezeugte der als Mitglied des Straf- und Meldeausschuß des Hockeyverbandes bei dem Spiel anwesende Walter Neumann, daß während des Wortwechsels zwischen Löschner und Landesmann Noffig den Landesmaun habe wegzieheu wollen; plötzlich habe sich Löschner mngedecht, dem Noffig einen Staß m die Oßtuft versetzt und chm unvermittelt mit dem Hockeyschläger einen Hieb aus den Kopf gegeben, so daß das Blut in Strömen floß. Noffig sei — so erklärte - der Zeuge — bei dem ganzen Streite völlig unbeteiligt gewesen und habe bloß den Landesmann wegziehen wollen. Durch de» ganz unvermittelt geführten Schlag habe die Szene den Eindruck besonderer Roheit gemacht; .bis heute sei eine derartige Szene nicht einmal beim Fußballspiel vorgekomvren, wo doch das Hockeyspiol ein viel sanfteres Gesellschaftsspiel sei. Auch der Zeuge Hans Wald, Mitglied der Hakoah, gab an, daß Nossig, als er den Streit schlichten wollt«, unbermittekt von Löschner einen Hieb mit dem Hockeyschläger erhalten habe. Auf die Frage des Verteidigers des Löschner, ob bei hem Exzeß Löschner auch geprügelt worden sei, erwidert der Zeuge, er habe davon nichts bemerkt. Oskar Schauer, Mitglied der Hakoah, gab als Zeuge an, er habe bloß gesehen, daß ein großer, blonder Herr mit hochechobenem Hockeyschläger auf den Kopff des Noffig losgeschlagen habe; er konnte jedoch Löschner (der übrigens groß und blond ist) nicht agnosziere». Diesen Aussagen, mit denen sich auch dieErwin N o s s ig s» des Bruders des Msred Noffig, deckte, fdlgt« eine ganz neue Darstellung eines 'Mitgliedes des Fünfhauser Sportklubs, Max Tischler, der an dom Spiele beteiligt war. Danach habe Nossig dem Löschner, welcher ein Rencontre mit Äandesman» hatte, einen Stoß gegeben, Löschner habe zurückgrstoßen, und als Nossig mit dem Hockeyschläger auf ihn losging, den Fuß vorgestreckt, so daß Noffig stürzte. Nun sei Landesmann mit dem Schläger auf Löschner losgegangen, und da habe der Fünfhauser Spieler Grassel, um den gefährdeten Löschner zu schützen, den Hockeyschläger gehoben, jedoch in diesem Momente einen Schlag auf die Hand bekommen, so daß der Schläger abgliü. Dadurch sei Noffig unabsichtlich auf den Kopf getroffen und verletzt worden. Eine Reihe anderer Zeugen, die von Löschner geführt wurden, bestätigten diese Darstellung, insbesondere gab der ebenso wie Löschner vom Hockehverband disziplinierte Grassel als Zeuge an, daß er es war, der unabsichtlich den Nossig durch das Abgletten des Hockeyschlägers am Kopfe getroffen habe. Er und ein zweiter Zeuge demonstrierten mit den aus dem Gerichtstische befindlichen Hockeyschlägern eingehend die Art und Weif«, in welcher Nossig getroffen wurde. Die hierauf vernommenen Angeklagten Landes mann und Nossig stellten in Abrede, absichtlich den Löschner mißhandelt zu haben, und erklärten, daß sie nur Abwehrhandlungen vorgenommen hätten. Nach fünfstündiger Dauer der Verhandlung, der eine zahlreiches sportliches Publikum besgewohnt hatte, beschloß der Richter, zur Vorladung eines Sachverständigen aus des Hockeyspieffache und zur Einvernahme der Aerzte-, welche die verletzten Spieler behandelt hatte«, die Verhandlung zu vertage«. An unsere P. T. Abormeuteu! Am 1. September 1923 beginnt ein neues Abonnement auf die „Wiener Morgenzeitung". Mr ersuchen, die Bezugsgebühren rechtzeitig einzuzahlen, beziehungsweise das Trafllabannement recht» zettig zu erneuern, damit die Zustellung des Blattes keine Unterbrechung erleide. Bezugrgebühreu ob 1. September 1828: Abonnement für Wien (zum Abholen im Expeötk ober in den Derfchleiststellen) «onnüich.A. 28.000.— Soun- und Wvcherrlagsnmnmer.K. 1.000.— Monlagsuummer. ....... 700.— DaS Abonnement wolle gefälligst rechtzeitig in der Nächstliegenden Verschleißstelle erneuert rrud die BezugSg^bühr gleichfalls dortselbst erlegt werde». Oesterreich mvuailich.£. 28.000.— Tscheche-Slowakei monatlich.. . tfchech. St. 17.— Pole« monatlich.pol». Mark 70.000.— Jugoslawien monatlich.Dinar 40.— Deutschland «onaUich.. . Mark 900.000.— Rumiinie» monatlich ..Lei 90.— Lolland monatlich.. holl. fl. 1.90 Italien monatlich ..Lire 10.— Schweiz monatlich .... Schweizer Franken 3.— Frankreich monatlich.Franke» 8*— Belgien monatlich.kelg« Franke« 8.— England monatlich...... Schilling 3.— Amerika monatlich.. . Dollar 1.— Zahlstellen: Oesterreichisches Postsparkastenkonto 150.009. Tschecho-slowakisches Postsparkaffenkonto (Prag) 90.991. Polnisches Postsparkaffenkonto (Warschau) 180.227. Deuffches Postschetkkonto (Berlin W 7) 108.722. Bnmilniev und Lnkowina: Ostbank fL 09. und deren Filiale«. Schweiz: Schweizer Volksbank in St. Galle». Jugoslawien r Postsparkaffenkonto (Zagreb) 40.009. Italien r Sozieta di Credito Lommereiale Teieste» Via Aa-zini 90. Die Derwattang der „Wiener Morgenzeiturtg" Wie«, II., Laborstraße 1—8 Telephon 44.098. 49.91g. W. Attgust KSS ‘ M. LM Volkswirt. \ Gestempelte Krone 0.0078 Sentfmes. Auszahlung Men -°- 8.8877'/« Centimes. In Zürich notierte 24./8L 28./8. die österreichische Krone ... . . 0.0077V, 0.0077*/* die österr. gestempelte Krone . . . . 0.0078 0.0078 die tschechische Krone .... . . . 16.20 16.20 die Mark 0.00010k Holland . 918.- . 553.25 London.......... . . . 25.22 25.21 Paris. 81.- Mailand . . . ... . . . . ... 38.80 - 28.80 Belgrad.. ... 5.80 6.80 Bukarest.v * 2.60 Sofia ».»...».»» . >. . 4.70 4.89' Budapest . .. . 0.08 V» 0.03V, Warschau ......... 0t002ß »udapefter Mrtschaftsbericht. Budapest, Mtte August 1838. Ungar» hat Heuer, wie man bereits seit zwei Monaten aus Schritt und Tritt zu Höven bekommt, eine ausgezeichnet^ Fechsung, wo sind aber die greifbaren Erfolge für das V o l k? Der Fruchtexport müßte bereits im vollen Zuge sein, damik der Wert der ungarischen Valuta steige (Pardon, sie ist wirklich von 2,76, bei welcher Tiefe sie schon angelangt war, auf 3,12$ „gestiegen^. Wäre die Lage — speziell für die Konsumentercklaff' — nicht tragisch ernst, man könnte sich angesichts der Zirkus, szenen, die sich hier vor jedermanns Angen abspielen, schier zu tof lachen: Monatelang versuchen Mühlenkonzentration im- AgvarEreise hinsichtlich der Ausfuhr ihren Einfluß bei dei Regierung zur Geltung zu bringen, die eine Kategorie will Mahlprodnkte, die andere Kaste Getreide exportieren; wäh, rend die Unterhandlungen vor sich gehen, wird das Ausland da die Ernte auch in anderen Staaten gut ausfiel, den Be-' . darf — nicht in Ungarn decken. Wird aber die Ausfuhr zuge< lassen, kommt ein anderes Nebel in Betracht: Der Exportierend^ soll die Exporwaluta zu fiktiven Kursen abgeben, die nicht ein? mal die Devisenzentrale selber respektiert, sondern die, wentz es einem Reflektanten zur Frachtzahlung oder Auslandsreise mit schwerer Mühe doch gelingt, Valuta zugewiesey zu bsk kommen, mit 60 Prozent überzahlt werden müssen. Und deM noch werden ungeheure Mengen von Viktualien hinaus geführt^ die Preise von Butter, Eier, Fleifch haben bereits ein* schwindedide Höhe erreicht — von Weizen gar nicht M sprechen. Da hilft der Staat mit, damit dieses wichtigste, nur entbehrlichste Lebensmittel recht teuer werde. Die „Jutura? (christliche Auflage der Krjegsprodukten-Gesellschast) hat de( Auftrag, von den Landwirten Getreide aufzukaufen und ihne( waggonweise eine Million vorzustrecken, der Preis wird abs( nicht bedungen, sondern das Bestimmen desselben wird den Land/ wirten überlassen, ebenso cmch der Zeitpunkt der LieferunA die sie erst, wenn ihnen der Marktpreis zchagt, vornehme^ werden, natürlich steigen da die Preise. Die Agrarier sind ab» — während des Essens kommt der Appetit — auch damtt nichk zufrieden, sondern fordern den vollen Kaufpreis, der zur Zeik des Abschlusses in Kraft ist, und außerdem, wenn sie sich zu» Lieferung herbeilassatz werden, Nachzahlung der Differenz zwi( schen dem Kaufpreis und dem.Preise, der am Tage'der Effekt tuierung gelten wird. Daß das Agrariertum auch sonst allend' halben Begünstigung genießt, braucht Wohl nicht besonders hervorgehoben zu werden; abgesehen davon, daß die Landwirts weniger Steuerlasten zu tragen haben als Handel, Jndustris und die arbeitende Klasse — bekanntlich bezahlt der Landwirt keine Verkehrssteuer —, wird ihnen cmch Kredit in erhöhte^ Maße entgegengcbracht. Der Landes-Zentralkreditgenoffenschafi, einer Agrarier, Institution, die im Jahve 1898 mit einer Staats anleihe von 1,000.000 K. ins Leben gerufen wurde und 1920 weitere 25 Millionen erhielt, tmfrfocn jüngst weitere 974 Mib lionen zugesprochen, so daß sie jetzt mit einer Milliarde staat« lichem Kapital arbeitet. In ähnlicher Weise wird auch dis „Hangya" (Ameise) Korffurngenoffenschaften-Zentrale verhätschelt. Andere Gesellschaftsklaflen, hauptsächlich die vom fixe» Lohn lebende Schichte, werden als Prügelknaben behandelk- Sozusagen stöMich frische Lasten: Die sich seit einiger Zeis periodisch wiederholenden Post- und Gisenbahntarif- und Zollaufgelderhöhungen, die stets eine allgemeine Teuerung^ lawine ins Rollen bringen, das in letzter Zeit zum Systew gewordene Steigen der Preise von Zucker, Zündhölzchen weiters Saccharin, Eigsäure, Spiritus, durchwegs Artikel, a» denen der Staat „beteiligt" ist, außerdem das Steigen der Gebühren für städtische ,Leistungen", wie Gasbeleuchtung, elektrischer Strom, Wasser, die fast monatlich teuerer werden. Natürlich darf auch die. elektrische Bahn nicht fehlen, wo die Fahrt seit 6. d. 400 K. kostet; hier darf nicht unerwähnt bleiben, wie sinnreich die Direktion! sich der Last, anläßlich jeder Tariferhöhung frische Fahrscheine drucken zu lassen, entledigt. Sie hat den vorletzten Fahrpreis einfach mit einem großen Punkt überdruckt; wozu soll sie, wenn die Fahrpreise wieder erhöht werden, was mit Gottes Hilfe^ bald allwöchentlich der Fall sein! dürfte, mit Anfertigung frischer Karten die Zett verliere«? Alle diese Daten beweisen, daß das Leben hier überaus schwer ist, dabei keine Hoffnung auf eine Besserung; es Mt hier nur gering in die Wagschale, daß der Finanzminister mit. 1. Juli das erwevbsteuerfreie Einkommemninimmn auf 90.000 K. pro Monat erhöhte und in der Erwerbsteuersiala im allge^ meinen eine Ermäßigung eintveten ließ. Auf der anderen Seite sind die Lebensmittelpveiso unerschwinglich, dies gilt hauptsächlich für Fleisch; heuer wird wahrscheinlich auch sehr wenig Wild aut de» Markt kommeu. den», nachhM Mtroueu »ch