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Wiener Morgenzeitung · 1923-08-21 · Heft 1625 (21.8.1923) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1625 (21.8.1923)
Date
1923-08-21
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite S Men, Dienstag Wiener Morgenzeitung. ,21. August 1923_ Nr. WM Nach dem Nonifteutonareß. Konstituierung des Mloaskomitees. Am 19. August hat sich in Karlsbad -aß vom Kongreß gewählte Aktionskomitee konstituiert. Zum Präsidenten wurde Oberrabbiner Dr. Chajes (Wien), zu Vizepräsidenten Ing. Stricker (Wien), Rabbiner Maier Berlin (New-Dork) und Dr. Katzenelson (Hitachduth) gewählt. In den Abendstunden hielt das Aktionskomitee eine Sitzung ab, in welcher wichtige Fragen des Keren Hajessod und des Nationalfonds behandelt wurden. Das Direktorium des Nationalfonds lvurde auf nenn Mitglieder erweitert. Zu neuen Direktoren lvurden bestellt: Van Briesland mW Struck. Aue Beratung der Landsmannschaften nach dem Kongreß. Karlsbad, 20. August. Unmittelbar nach dem Kongreß berief Dr. Felix Rosonblüth, unter dessen Präsidium jener Teil der Landsmannschaften, deren Mitglieds weder Fraktionen noch der ncugebildeten Oippositionsgruppe Grünbaums angehören, während des Kongresses zwecks gemeinsamer Stellungnahme getagt hatte, zu einer Aussprache ein. Es nahmen Vertreter der Landsmannschaften von England, Deutschland, Polen, Amerika, Frankreich, Transsylvanien, Rumänien, Gr-echenl-and, Litauen, Kanada und P a l ä st i n a teil. Rach längerer Debatte wurde beschlossen, in ständiger Fühlung zN bleiben und einen I n f o r in a t i o n s d i e n st einzurichten, Oin fünfgliedriges Komitee wurde mit der Durchführung betraut. Sesterreich. Dar Donauregime. Anfangs September wird in Wien die neunte Plenarsitzung der Donaukommission stattfinden. Zur Beratung steht die Regelung des D 0 uaur eg i mes und der Schiffahrt auf der mittleren Donau. Der österreichisch-polnische Handelsvertrag. Warschau, 20. August. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Der österreichische Gesandte in Warschau hat dem Unterstaatssekretär und früheren Hanftelsvizeminister Straßburger im Außenministerium einen Besuch abgestattet und mit ihm über die Erneuerung der Verhandlungen über den Abschluß eines Handelsvertrages zwischen Oesterreich und Polen konferiert. Wie wir erfahren, sollen die Verhandlungen, die in Warschau und Wien geführt werden sollen, bereits in den näch stenTagen beginn e n. Achecho-Slotmlei. Der Generalstreik der Bergarbeiter. Karlsbad, 20. August. Der Generalstreik der Arbeiter in den Kohlenbergwerken der - Tschecho-Slolvaker hat h e u t e f r ü h eingesetzt. Er umfaßt 110.000 K 0 h l c nbergleute und 5000 K0ksmänuer; auf Befehl der Streikleitung werden jedoch die Wasser- und Maschinenarbeiten von etwa 10.000 Mann lveiter versehen. Nach Dieldungen aus Mährisch-Ost rau, Brünn, Pilsen, K l a d n 0, K 0 m 0 t a u, B r ü x. S ch l a n, Karlsbad und K u t t e n b e r g ist in diesen Gebieten der A u s st a n d der Bergarbeiter allgemein. Neberall herrscht Ruhe. Die zur Instandhaltung der Gruben notwendigen Arbeiten werden ordnungsgemäß durchgeführt. Aus Kriegerhaj (Slowakei) sind noch keine Meldungen eingelaufen. Prag, 20. August. (Tschecho-flowakisches Preßbureau.) Nach den bisher vorliegenden Berichten wurde der Bergarbeiterftreik im Mähr.-Ostrauer und im Pilsener Revier gemäß dem Beschlusie der Reichskonferenz im vollen Umfange eröffnet. In Rossitz wurde auf dem Schacht Kukla bereits Samstag die Arbeit eingestellt. Die' Ruhe ist bisher nirgends gestört worden. Im Ostrauer Revier allein streiken ungefähr 40.000 Arbeiter. Die Notstandsarbeiten werden verrichtet. Im Ostrauer Revier hat die Polizei den Verkauf von Spirituosen verboten, die Polizeistunde eingeschränkt und 'größere Versammlungen auf öffentlichen Plätzen verboten. Auf den Braunkohlen-Gruben in Südmahren wird gearbeitet. Auf eine vom Ministerium für öffentliche Arbeiten ergangene Einladung sprachen gestern nachmittags die Mitglieder des Zentralstreikausschusses im Ministerium für öffentliche Arbeiten vor. Es wurde erklärt, daß die Bereitwilligkeit zu Verhandlungen bestehe, falls diese auf Grund der Entschließung der Reviere mit allen Revieren geführt würden. Der Zentralstreikausschuß fordert, daß ihm der Standpunkt der Grubenbesitzer betreffend die Regelung der Löhne und der Standpunkt der Regierung betreffend die Regelung der Kohlenabgabe in allen Revieren sowie der Verkehrstarif für Kohlen mitgeteilt werden. Polen. Portefeuillesorgen. Warschau, 20. August. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Von gut unterrichteter Seite wird dem „Moment" berichtet, daß zwei Konferenzen zwischen dem gegenwärtigen Finanzminister Linde und dem Handelsminister K uch a r s k i, der als ein Nachfolger Lindes gilt, sowie zwischen Kucharski und dem Deputierten K 0 r f a n t y, der das Handelsministerium übernehmen soll, stattfanden. Die Konferenzen befaßten sich mit der bevorstehenden neuen Portefeuilleverteilung im Kabinett. 'Handelsminister .Kucharski hat überdies in einem engeren Minifterrate, der unter dem Vovsitz W i t 0 s' stattfand, über feine Pariser Reise berichtet. Der Beratung wohnten auch Vertreter der Regierungsparteien bei. Sie betraf die Ergebnisse der Pariser Anleiheverhandlungen Kucharskis. Ministerpräsident Wit 0 2, welcher in den letzten Tagen sich auch in Krakau an einer Krcistonserenz seiner Partei beteiligte, hat eine kurze Reise, die Parteiangelegenhe-iten dienen soll, angetreten. Der Senat und die Teuerung. Warschau, 20. August. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) In seiner letzten Sitzung vor Sessionsschluß erledigte der Senat einige kleinere Vorlagen, darunter das Patentgefetz und das Gesetz über s 0 z ialeu Schutz. In dieser Sitzung brachten die /Sozialdemokraten und der Klub „W y z w 0 l e n i e" eine Interpellation über die Lebensmittelteueruirg ein, in welcher sie insbesondere auf die Lebensmittelausführpolitik der Regierung hinwiesen. In Beantwortung dieser Interpellation ergriff der außerordentliche T e u c r u u g s k 0 m m i s f ä r B a j d a das Wort, welcher energische Maßnahmen, insbesondere gegen die Zuckerfpekulation, aukündigte. Der Senat vertagte sich hierauf bis Ende September. Palöfttm versität in Jerusalem gründen. Die Vorbereitungsklassen werden noch in diesem Jahre eröffnet. Die Verlesungen werden in Englisch und A r a bisch stattfinden. Der Leiter der Universität wird ein Arabe r sein. Rn Anpfaug zu Fhrrn des Richters Mack in Ferusalem. . Aus Jerusalem meldet I. E. B.: Zn Ehren des Vorsitzenden des Palestine Development Council, Richter I ulianMack, der gegenwärtig in Palästina weilt, wurde im Hause des Richters F r u m k i n ein feierlicher Empfang veranstaltet. Sir Gilbert Clayton, der Stellvertreter des Oberkommissärs, und mehrere höhe Regierungsbeamte wohnten dem Empfang bei. Es ivareu ferner anwesend der Patriarch der orthodoxen Kirche, der a r m « u i s ch e Patriarch sowie Vertreter der jüdischen und arabischen Gesellschaft in Jerusalem. 8iu Spital in Tel-Awiw auf den Rame« 8.8ß. Brenners. In Tel-Awiw -hat unter starker Beteiligung der jüdischen Arbeiterschaft und der Einwohner von Jaffa die feierliche Grundsteinlegung eines Krankenhauses stattgefunden, das von der Krankenkasse der H i st a d r u t h H a 0 w d i m (Arbeiterkrankenkasse) in Tel- Awiw erbaut wird. Die Arbeiter werden die Bauarbeiien unentgeltlich leisten, währenmehrere Fabrikanten das Baumaterial gespendet haben. Das Spital wird den Namen des ivährend des Jaffaer Pogroms ermordeten hebräischen Dichters I. Ch. Brenner tragen. (I. E. B.) Rundschau. Ar Marti« Conwatz über die PalSstiua-Frage. In seinem sechsten. Artikel im ,-Daily Telegraph" schreibt das Uinterhansmiitglied Sir Martin Eonway: Die Inden waren in der Lage, den Alliierten in der Zeit der Not wertvolle Dienste zu leisten. Sie taten das für die in der BaHour-Deklaration enthaltene Verpflichtung. Diese Verpflichtung ist nicht nur von Großbritannien übernonmieir, sondern auch von Frankreich, Italien und dem Präsidenten der Devc-inigten Staaten gutgchrißen. worden. Die ägyptische Regierung war damit einverstanden und König Faisnl hat im Namen König Husseins die Vorschläge der Zionistischen Organisation, die er als bescheiden und richtig bezeichnet«, angenommen. König Faisnl hat damals gesagt, „es ist Platz ffir uns beide in Syrien und ich glaube in der Tat, daß einer ohne den anderen keinen richtigen Evfölg haben kann". Ebenso wie unter den Arabern gibt es auch unter den Zionisten Extremisten und Gemäßigte. Die Extremisten hatten ihre Zeit beim Beginne der Einwanderung nach Palästina. Sie glaubten, die Mauern von Palästina tvären gefallen, ebenso wie die von Jericho, und sie brauchten nur hinzukommen und das Land ihrer Väter in Besitz zu nehmen. Mit dem Mandate in der einen und der Balsonr-Doklaration in der anderen Hand glaubten sie, daß alle Schwierigkeiten verschwinden werden. Sie wollten Palästina so jüdisch machen, wie England englisch und Kanada kanadisch. Die Zionistische Organisation betrachtete sich als einen Staat im Staate und glaubte, mit der Regierung als mit einer ihr gleichen Macht zu verhandeln. Aber die Juden lernen rasch. Ihre; Führer haben bald den Irrtum e-ingefehen und mäßigten ihre Politik. Sie haben däboi nicht für einen Moment die ihnen völkerrechtlich zugeisicherten und im Mandat ansge-drückteu Rechte fallen gelassen, aber sie haben sich mit einer Definition der Balfonr-Deklaration zufrieden gegeben, die die Araber nicht Abschrecken soll. Die Zionisten verlangten auch jetzt, daß die Regierung ihnen alle Evleichtevungen für den Aufbau der nationalen Heimstätte geben soll, zu denen sie verpflichtet ist. Ueber die jüdischen Immigranteil schreibt Sir Martin: diese Märmer, zumeist junge Leute, kommen nicht nach Palästina wie Immigranten nach Australien oder Kanada, um ihre materielle Lage zu verbessern; im Gegenteil, viel? von ihnen sind aus besseren Verhältnissen in schlechtere geko nmen. Sie kommen, um einem hohen Zweck, dem Wiederanfbau ihres Landes zu dienen. Die Danziger Frage. Ein offizieller englischer Bericht. London, 20. August. (Tel. der „Wr. MorgenKeitnug".) Der Vertreter Englands im Völkerbund, Lord Röders Ce eil, legte dem Parlament einen Bericht über die letzte Sitzung des Volk erb undrates vor, die hauptsächlich der Erledigung des Danziger Problems gewidmet war. Ueber dftses sagt der Bericht folgendes: Der wichtigste Fragenkomplex -er letzte,' Sitzung des Völkerbundrates waren die Probleme, welche sich mit der Verwaltung des Freistaates Danzig, den Ereignissen dortsclbst und dem Verhältnis zwischen Danzig und der polnischen Regierung, das in den letzten Monaten nW befrredigend war, zu befassen hatte. Es gab eine Reihe von Mei« nungsverschiedenheiten, welche auch durch die Intervention oes Oberkommissärs Macdonald nicht beseitigt werden konnten, und es bestand die Gefahr separater Aktiven von einer oder der anderen Seite, wodurch starke Beunruhigung bei verschiedenen Regierungen entstand. Vor pem Völkerbundrat erhob der polnische Vertreter eine 9teihe von Beschwerden über das Verhalten der Danziger RHgwrung. Ueberdies stellte Polen zwei grundsätzliche ForderuNMM. Die erste Forderung Polens, in Danziger Angelegenheiten sich öhnc vorhergehende Entscheidung des Oberkommissärs an den Völkerbund lvcnden zu können, hätte der Autorität des Obevkommisiärs ein Ende bereitet, ..weshalb sie ab gelehnt wurde. Ferner forderte Polen, schon weniger kategorisch, daß das Verhältnis zwischen Polen und Danzig sich ausschließlich auf den Versailler Vertrag stützen müsse und daß spätere Abmachungen oder Konventionen, die sich mit den: Versailler Vertrag nicht decken, zu ignorieren seien. Auch diese polnische Forderung konnte nicht durchdringen, weil der Völkerbundrat der Ansicht war, daß nur in Fällen, wo die Konstruktion der späteren Abmachungen zweifelhaft ist, zu ihrer Aufklärung die Heranziehung des Versailler Vertrages notwendig sei. In einem Briefe des polnischen Vertreters in London, Skirmunt, an Lord Cccil wurde darauf hingewiesen, daß der Bericht Cecils den Eindruck erwecken könnte, als stien die Forderungen Polens abgelehnt worden. Lord Cecft beanttvovtete diesen Brief mit einem Schreiben an Skirwunt, in dem es heißt: „Nach Ihrer Meinung könnten einigt Stellen in meinem Parlamentsbericht den Eindruck machen, daß Polen im Völkerbundrat eine Art Durchfall erlitten habe. Muß ich Sie erst versichern, daß ich nicht die Absicht hatte, diesen Eindruck zu erwecken? Ich wollte bloß beweist»', das; in der Atmospäre von Genf alle. MeinnngsverschÜ-euhriten schnelle Lösung finden, unabhängig davon, lvelchc lokalen ^Verhältnisse zur Verschärfung der vorangegangenen Ochwier.gkeiten beigetragen haben." Gege« die Todesurteile in Bulgarien. Paris, 20. August. Mel. b. ,M. M»rg-iis«>tui><.> Der gewesene bulgarische Minister Daskal 0 w hat an die Regierungen von Frankreich, der Vereinigten Staaten, England, Italien, der Dschecho-Slowakei und Jugoslawien einen?lppell gerichtet, in dem der Terror der bu-Mrrschen Regierung gegen die Anhänger Stambnli-jskis dargelegt wird. Daskalow bittet die erwähnten Staaten, bei bulgarischen Regierung zu intervenieren, damit die gegenwärtigen Verfolgungen der Anhänger Stambülijskis e i n g estellt werden. Die Rum««« clausus-Frage in RumAieu. Aus Warschau wird unS berichtet: Der rumänische Deputierte Dr. C o z m a, welcher der rumänischen Bauernpartei angehört, hat während seines kurzen Aufenthaltes in Warschau, den er auf der Reise zur Konferenz d^r Interparlamentarischen Union in Kopenhagen nahm, Vertretern der jüdischen Presse ein Interview gegeben. Dabei kam auch die Frage der Agitation für den Numerus clausus in Rumänien zur Sprache. Datierter C 0 z m a äußert sich darüber wie folgt: „Die Agitation für den Numerus elaufus haben Kinder geführt, M P a rl a nr e n t denkt auch von der: unentwegtesten Reaktionären n jemand an die Einführung dieser Maßregeln Die Belvegung ist zur Ruhe gebracht worden und das kämmende Schuljahr wird lvohl ruhig sein. Einen Numerus clausus wird es in Rumänien nicht geben, wir sind zivilisierte Menschen. Die rusfischen GetreideUeserungen an Deutsch land. Berlin, 19. August. (Tel. der „Wr. Movgenizkg.") Dev >c rfte für Deulschkiuo bestimmte Getreidetransport im Qnantiu'nr von 1500 Tonnen ist bereits vor; Odessa aus 'dem Wasserwege nach Stettf« unteOvpgK, . 8ine arabische UniverMt in Ferusaiem? Jerusalem, 18. August. (I. C. B.) Wie der Jerusalemer I. C. B.-Bertreter 'erfährt, will der katholische Patriarch Msgr. Barla.ssina eine arabische Umr „Wiener Morgenreitnna"

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