Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1923-08-20 · Heft 1624 (20.8.1923) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1624 (20.8.1923)
Date
1923-08-20
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2979076-2980477-2980705--15865-3002726
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

MMS mm, Mont«g Wiener Morgenzeitung. 4 ♦ ♦ näurn der fumrömben Aattvort Für eine Verständigung. — . am Aemtas.--Ae Redawtiovs- Amerikar. Paris, IS. Augusts In der Rede, die P o i n c a r e '«i der Enthüllung des Kriegerdenkmals in Charlesille Mt, erklärte er: Die Verbündeten hahen gemeinsam an der Ausarbeitung der Verträge gearbeitet, die Europa wieder aufgebaut haben. Indes ist es leichter, die Notwendigkeit der> Einigkeit in Zeiten der Gefahr zu begreifen, während nach dem Gkurm eine noch so geheiligte Freundschaft manchmal, ein wenig vernachlässigt wird. Gegen solche blinde Versuchungen des Egoismus, die den ivahren ständigen Interessen verhängnisvoll sind, Muß die öffentliche Meinung der Völker sich wenden. Frankreich wiivde jede ha Munch jedes Wort, düs diese Einigkeit zu stören oder auch nur zu lockern versuchte, verbrecherisch finden. Es ist stets bereit, mit seinen Verbündeten nach jenen Erleichterungen zu suchen, die eine allgemeine Aktion für ihre' Leiden hcrbeiführcn könnte. Wir meinen, daß die britische Regierung sich täusche, wenn sie sagt, daß die Besetzung des Rnhrgebictes die 'mittelbare oder unmittelbare Ursache der Arbeitslosigkeit in England sei. Er (Pmucare) sage nicht, daß E it g l a n d aus der Besetzung d e s Ruhr g e b i c t e s Nutzen gezogen habe, aber er halte sich berechtigt, zu sagen, daß General D e g o u t t c nicht die Ursache der Arbeitslosigkeit in England sei. Anstatt sich in eine Kontroverse über die Gesetzmäßigkeit unserer Pfandnahme einzülassen, lväre cs besser, daß der eine wie der andere nach praktischen Lösungen der uns alle angehenden Proble-me ausschaut. Nur ein auf festen Grundlagen aufgebanter Friede, der die Herrschaft der Gerechtigkeit sichert, ist imstande, Europa das wirtschaftliche und moralische Gleichgewicht wiederzugeben. Dieser Friede aber erfordert die legale Durchführung der Unterzeichneten Vertrage. Frankreich will nichts anderes; England kann auch nicht anders wollen. Kommen wir also zu Ende, indem wir uns verstäMgM. Strefemann hat uns vor seiner Ernennung zum Reichskanzler vorgeworfen, daß wir Napoleon nachahnten, daß wir die deutsche Seele nicht kennen und sie durch impetstmstische Provokationen erregen. Aber sind von uns die Herausforderungen ansgegangen? Wer hat sich alle Mühe gegeben, um sich zahlungsunfähig zu machetz und feine Schulden nicht Mutragen? Poincare schloß: Mögen unsere Freunde jene, die an inserer Seite gekämpft haben, sich die Lehre der Geschichte vor Augen halten: Ein ans Ungerechtigkeit gegründeter Friede ist immer etwas Unsicheres Und Gebrechliches. Ein Friede, den man auf Gerechtigkeit aufbauen wollte, und der sich allmählich aus seinen Grundlagen entfernen ließe, wäre noch erschreckender. Rühren wir'also nicht an dem Vertrag! Wen wir den einzigen Entschluß, der klug, veruünftig und friedlich ist, nämlich, die übernommenen Verpflichtungen zu achten und ihnen Achtung zu verschaffen. Abänderung der amerikanischen Sin« «andernngsgesetze. DmWsejhims ErleWerungen. Washkltzkvn, 20. August. (Tel. der „Wr. Morgenztg") verlautet, daß Präsident C o o l i d g e die Vorschläge dtzs Arbeitsministers über eine Neuordnung der E i U w a Nderungsgesetze gebilligt habe. Demnach soll künftighin die Ueberprüfung der Einwanderungsgesuche durch die amerikanischen Konsulate dahin erweitert werden, daß diese selbst das Visum geben oder verweigern dürfen. Eine in diesem Ginne gehaltene Gefetzesvorläge soll schon im September dem Kongreß unterbreitet werden. Diese Abänderung der EinwanderungsbestimMuttgen ist nicht zuletzt auf die' Aktion des englischen Botschafters in Washington zurüchuführen, der auf die ganz unleidlichen Verhältnisse auf Ellis-Jsland wiederholt hingewieseu hat. Äadkc in London. Löttdon, 20. August. (Tel. d. ,Mr. Morgettzeituttg".) Es bestätigt sich nunmehr, daß der Führer Ser radikalen kroattschrn Bauernpartei Radic in London e im getroffen ist. - . -xr.f Hrrrscherbesnche bei Malawi. Pafis. IS. August. Wie die „TriSuna" erfährt, dürfte Mk Besuch des rumänischen und des jugoslawischen Königspaares beim Präsidenten Masaryk auf .Schloß Topolcsan Ende September stattfinden. Konstantinopel vor der Räumung. Artgora, 19, August. Der Gesetzentwurf betreffend die Räumung Konstantinopels ist. genehmigt worden. Die requirierten Privatimmobilien werden zuerst Mn Tage nach Ratifizierung des Friedensvevtrnges) zu- Mckgegeben, sodann die staatlichen Immobilien, die Kriegsschiffe und die Radiostcktion. Morgen UebWNetchung der frrrNzöstschen Antwort. Paris, 19. August. Der „T e nr p s" glaubt -u wissen, daß die belgische Regierung gegen die sranzöstfche Antwort auf die letzte englische Note keinerleiEinwend u n gen erheben werde. Eine Mitteilung dieser Art werde noch heute aus Brüssel erwartet, so daß die französische Note Mo ntag .gedruckt und Dienstag in Löm d o n wird überreicht werden können. ~ Die belgische Antwort. Brüssel, 20. Attgust. (Tel. b. ,Mr. MorMKeittkng".) Theunis uird Jckspar haben gestern die französische Note geprüft und sind darauf zur Ansicht gelangt, die Note nicht dein Minist er rat'vorzulegen, da deren Text vollständig der belgischen Politik ents p x c ch e. Das belgische Kabinett wird erst am Mittwoch zusammentreten, um den Text der belgischen Antwort zu formulieren. In Politischen Kreisen wird erklärt, daß Belgien ebenso wie Frankreich die Höhe seiner Reparat ioussorderungen bekanntgeben wird. Ile Haltung Amerikas. London, 19. August. 'Die überlriebenett Hoffuungeil, die ntctu feit dem Präsidentenwechsel bezüglich einer Alt-« t e r v c u 11 o it Alnerikas in der Reparationsfrage gehegt ha tte, veranlaßten das amerikanische Kabrn e t t, zur Information der europäischen Presse eine Er-' klärung über die amerikanische Nepavationspolitik au' die amerikanischen Vertretungen int Ausland §u senden. Dieses Schriftstück, das weder in Amerika noch ans dem Kontinent int Wortlaut veröffentlicht werden soll, enthalt, wie Washingtoner Berichterstatter den englischen Zeitungen melden, drei Thesen: 1. Die amerikanische Regierung ist nach wie vor der Ansicht, daß eine Abschätzung der Leistungsfähigkeit Deutschlands durch Sachverständige der g e e i g n e t st e Weg ist, UM eine L ösung für die Re Parations frage zu finden. ' 2. Die Vereinigten Staaten sind bereis, einen Amerikaner zu ernennen, der an den Bevatungerr eines deutschen Sächberständigenausschusses teilnimmt, wenn die GnlaVung dazu von Mn beteiligten Mächteir ausgeht. Halbamtliche Kommentare in Washington stellen. dazu fest, daß es nach ihrer Ansicht keinen ’ Zweck, habe, ohne die grundsätzliche Zustimmung Frankreichs die Abschätzung der deutschen Leistungsfähigkeit vornehmen zu lassen. 3. Die Vereinigten Staaten behalten sich' vor, zur Wahrung ihrer Rechte in der Schulde.nfrage, zur Deckung der amerikanischen Besatzungskosten imd zur Deckung eines etwaigen negativen Saldos amerikanischer Ersatzforderungen gegen Vereinbarungen zur Lösung der Rwmrattonsfrage, die unter europäischen Staaten abgeschlossen werden Mute, Einspruch zu erheben. Me Anerkennung Griechenlands. Eine Mckm der rumMWln Königin. PaM 2Q. August. ' (Tel. dev „Wv. Mörgettztg?) „Dk a t i u" teilt mit, büß die französische Regierung, die bisher die Neue griechische Regierung nicht anerkannt hat, nunmehr bereit ist, die Anerkennung unter der Bedingung ansznsprechen, daß die versassungsmäßigen Garantien in Griechenland wieder hergestellt würden. Poincare hat diese Zusicherung der rumänischen Königin gegeben, deren Tochter bekanntlich.Königin von Griechenland ist. Die Königin bött Rumänien wellt ^geMwärtig in Paris Und Wird demnächst nach London reisen, itm auch dort über diese Frage, zu verhandeln. Der Sohn de Balerar Wer die Republik SEt« laud. 20. U«Llist/(TcI. fee ,,Wr. MotWjtz.") Der 18jährige Sohn De Baleras, B i v i a n, hielt gestern in einer Versammlung in Dublin eine Rede, in der er unter anderem sagte, daß trotz der Verfolgung der Republikaner der republikanische Gtzist düs Irland nicht verschwinden werbe. Trotz aller Maßnahmen der Sklaven der Gewalt, das' heißt, der gegenwärtigen englischen Regierung, itctbe die grüne Insel eines Tages ihre vollkommene Freiheit haben. Am aller Welt. Z a m o r a, 19. August. Das alte Königsschloß ist infolge B l i tz s ch l a g o s in Brand geraten und zerstör t worden. Honkong, 19. August. Ein Taifun, der eine Stundenaeschwindigreit von 180 Meilen erreichte, warf mehrere Schiffe an die Küste. Der S a ch s ch a d en Und die Zahl der Opfer sind noch unbekannt; namentlich die zu Lande angerichteten Schäden sollen sehr beträchtlich feht; P a r i s, 19. August. Wie „Echo .de Paris" aus London erfährt, hat die Bank von England Griechenland einen Vorschuß voneiner Million Pfund Sterling gewahrt. , __ ao, Ät-ugust jLWfts . sek x&k' Der bekannte Publizist und 3ehrlltSfel!6r &8&AUA BSüBLBChefredakteur des „Jiid. Tngblätt*', Hö\V Yötk, über „Misrafehi“ KengressdeiejIeHef ADOkP PINKAU, kine Millio«eninsolv«nz. Mehrere hiesige Firmen crstatieien kürzlich im SichLV» beitsburcau gegen die beideil Gesellschafter der Textilwarensirma Münz u. Müller, Wien, I. Bez., Salgtorgüsse 8, die Anzeige wegen betrügerischer Kridq. Die Ge« sellschafter hatten sich vor kurzer Zeit insolvent erklär und eine 26proz en tigse Änsgletchsquoto beantragt. Die Firmen beschuldigert nun die beiden, daß sie ihnev unter uuwahren Vorspiegelungen über ihre Kfeditjähigkeii Waren heränsgelockt nnd diese zum Teil itadj Galiz i o n und Ungarn verschleppt haben. Dü Passiven der Gesellschafter belaufen sich auf zirka 606 Millionen Krone n, die Aktiven ans 300> M i llionen Kronen.. M ü n 3, der seit dem Jahre IM Ms Oesterreich abgei schafft ist, und Müller wurden verhaftet. Bei ihren Einvernahme im Sicherheitsbuvean erklärten sie sich für unschul«dig, da ste durch ganz unvokhergesehene Ereig. Nisse, wie die Juso'lvenz einiger größerer Schuldner uni auch durch die Entwertung der polnischen Nick ungarischen Valuta, in Zahlnngsfchwierigkeiter geraten seien. Münz wurde dem L a n d e s g e r i ch t ei», geliefert, Müller auf freiem Fuße belassen, jedoch der StgatsamMtMst angezeigt. . > wn r i •&*$ * Der Selbstmord nrn Nobenzl. Wie berichtet, hat Samstag vormittags die Kaufmauu^ gattin Szabo, Hernalsergürtel. 9, beim Kommissariat Döbling angezeigt, daß sich Freitags äbeitds ihr sSjährigcr Gatte in der Nähe des Kodenzls wegen schlechten Geschüftsganges durch einen Revvlverschuß getötet habe. Auch die Frau sollte sich,!vie die beiden Chegattci! vereinbart hatten, das Leben nehmen, doch habe ihr itt der letzten Minute der Mut dazu gefehlt. Durch die voiit Kommissariat DöbliUg eiilgeleitetelr Erhebuugeit gelang es. in den Abendstunden des Samstag die Leiche des Mannes in der Nähe des Kobenzls in einer Schlllcht, nnwtzit des Weges mit einer Schußwunde im Kopfe a u fznfinden./ Durch öle vom Sicherheitsburcan durchgeführte Hausdurchsuchung wurde nunmehr auch tatsächlich ein Äb sch iedsb rie f unter Wäschestücken verborgen aufgefunden, der von! dem Täter an die Polizeidirektion gerichtet ist, indem das Ehepaar bekanntgibtz daß es den Entschluß gefaßt hat, gemeinsam aus dem Leben zu scheiden. Dieses Schreiben ist auch von beiden eigenhändig uttter- Uriehen,, so. daß der Fall nunmehr restlos aufgeklärt ist. Kleine Malchronik. .Der in Liesing» wohnhafte Hilfsarbeiter A. P o i s ch!> zeigte dem PolizeikonMissariat Margareten an, daß er von drei Burschen überfallen und seiner.Brieftasche mit 300.000 K. deraubt worden sei. In der Nacht zum Sonntag wurde der Schlosser Ferdinand Kozurek Leim Brückenbau an der Schöttbrnnner Schloß- Me von einer Traverse derart getroffen, baß er eine fast Volk«« ständige Abtrennung des Unterschenkels erlitt. * MandafatvesprechUUg. Die Mandatare der LeopoWadt «unb BrlaittöttM, sowie die Ausschußmitalioder ' der BezirksisÄktioNcN 2 Md 20, VevsiaNtNrM sich einer wichtigen B rspriechnua am Diensiaa den 31. d. um 8 Uiht abends im Ease Reis. Dai'bonsttaße 19 DlnlGM.) * Unterbliebene Mottarchistendemonstration. Der von der Partei der schwarz-gelben Movarch>isten für den gestrigen Sonntag angekündilgte Demonstrationszug in den PVater ist Nttterblieben. Ob infolge der nUgnUsiigeN Wittemng oder wegen der.von den Sosialdemokratelt geplanten Gogende-moustration, ist nicht bekannt. ' Das Neueste ist ... Das Neueste ist nämlich, daß mm in Oesterreich ein ausgezeichnetes 'Mittel geftlndeil hat, die Einnahmen aus dem Tabakmonopol zu erhöhen. Wie alles wirklich Geniale ist es einfach, verblüffend einfach, und trägt alle Merkmale jener kindlichen Harmlosigkeit an sich, die alt den Maßnahmen österreichischer Behörden seit jeher entzückten.- Das geniale Mittel zur SteigerUrrg der Etullahmen besteht nänclich darin, daß Ulan die Preise erhöht. Wäre Kollnnbus nicht schon seit einiger Zeit ins bessere üKerlseits übersiedelt, er müßte sich aufhällgen oder noch viel eingedrückter werden als sein Ei. WaS bedeutet das Eingnetschen eines — hoffentlich 013101310201

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.