Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1923-08-18 · Heft 1622 (18.8.1923) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1622 (18.8.1923)
Date
1923-08-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2979076-2980477-2980703--15836-3002695
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

XIII. Zionistenlgongress (Koncfressausgabe). Wien: Zum Abholen in der Expedition, II.»Tab orstr. 1-3, oder in einer VeracMeisstelle (Trafik) monatl. K 28.000 MifcPostveraand für Wien n. Oesterr. monatl. K 28.000 Ta checho-Slowakei: Mon. K17. Jugoslawien: Mon. Dinar40. Polen: Mon. Mk.45.000.D eutschland: Mon. Mk. 150.000. F rankr., Belgien: Monatl. Pres. 8 MF* NaetiEahluugee IM bei Prei*erhohunjren Vorbehalten Tscheche»-Slowakati tschech. K 1-20 . Italien: Monat!. 10 Lir^ Rumänien Mon. 90 Le» Bulgarien Mon. 75 Lewa, Schweiz und das übrig/' Ausland monatlich Pres. 5 Redaktion u. Adminiatratiol Wien, H»,Taborstrassei—f Telephone: 44-0-38,43-3-19 ab 6 Uhr abds. 19-483,25-28$ Tel* Adr.: »Morgeazeitung* Wien Oesterreichisches Postspar kassen-Konto Nr. 150.691 91t. 1622 Mm. eamstOB, 18. AuguftlM 5. gchtgmg Der 13. Junistenkongreß. Set Kompromißanttag übet die 3ewW Agency angenommen. — Bst einer tziniguns der Leitungsfrage. — Das Budget. Amerika und die Revarationen. p. Wien, 18. August. Der Nachfoher Hardings hat den Vertretern der Presse die Richtlinien seiner Politik bekanntgegeben. Es soll keine Aenderung der Politik Hardings erfolgen und Amerika verharrt weiter 'beim Programm der Splendid Isolation. Wohl seien die Bereinigten Staaten bereit, helfend einzugreifen, aber nur, wenn eine solche Hilfe von allen Beteiligten erbeten-würde; mit anderen Worten: Europa muß sich erst geeinigt haben, um auf die Hilfsbereitschaft Amerikas rechnen zu können. Auch in der Frage der alliierten Schulden läßt Coolrdges Erklärung an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Amerika denkt nicht dmmn, etwas von seinen Forderungen nachzulassen und besteht durchaus auf seinem Schein. .Die Politik der Vereinigten Staaten, nach denen die Staatsmänner der Westmächte immer wieder ihre Augen richten, erscheint solchermaßen bis auf Iveiteves uuverrüMw. Amerika lehnt es ab, sich mehr als nötig in die peinliche Händel Europas einzumengen; es wehrt seine Rechte und behorrt auf seinen Ansprüchen, im übrigen soll das.alte Prinzip der Nichteinmischung seine durch die gegenwärtigen Mnftände modifizierte Geltung behalten. Die Kriegsschubdenftage ist nüt England in positivem Sinne geregelt, England hat bereits ernst gemacht mit seinen Verpflichtungen und Frankreich und Italien gegenüber übt man Zuwarten, weil an der Zahlu Unfähigkeit der beiden Mächte OE im Augenblick begründete Zweifel bestehen. Fast wäre mit dieser; Aeußerung Eoolidges die Nachricht in Zusammenhang' M bringe«, welche das Rautevsche Bureau gestern VfL-, breitet hat. Es heißt darin, daß in 'gutünterrichWn.' Kreisen ein Gefühl der Zuversicht bestehe und es werde angenommen, daß ernstliche Bestrebungen im Gange seien, um die Grundlage für ein Uebereinkommen in der Ruhr- und der Reparaüonsftage zu treffen, obgleich in der Reparationsfrage keine neuen Gesichtspunkte zu verzeichnen seien. Poincare, so melden wieder ftanzösische Stintmen, werde demnächst eine politrfthe Rede halten, in der er sich mit der beschle-unigten Regelung des Reparationsproblems befassen wolle und angMich solle er noch früher in einer öffentlichen Kundgebung eine Antwort auf Stresemauns Antrittsrede erteilen und darin namentlich die Modalitäten berühxen, unter welchen Frankreichan den allmählichen Abbau der RuhMsetzung zu schreiten bereit wäre. Die Ereignisse haben gelehrt, solche Meldungen mit großer Skepsis zu behandeln. Die Rede Stresemanns hat nicht die nötige Deutlichkeit enthalten, die Frankreich zu erkennen geben könnte, daß der Kanzler gewillt wäre, in außenpolitischer Hinsicht vom Progrannn Cunos abzugehen. Aber es ist in die Augen springend, daß Stresernann in Paris eine bessere Presse hat als dies bei Cuno der Fall war und angesichts der Beziehungen der maßgebenden Pariser Blätter zur Regierung, wenn es sich um Fragen der äußeren Politik handelt, könnte man in dieser Haltung leicht einen Wink von Men vermuten. In Paris bemüht man sich, in Stresemanns Rede alles mögliche hineiuzulesen'und nimmt an, daß dieser den Passiben Widerstand zu mildern bereit wäre, falls Frankreich den Willen zeigt, seinerseits unter der Voraussetzung entsprechender deutscher Garantien den Ring um das Ruhrgebiet zu lockern. Alle diese Nachrichten aber sind noch viel zu vage, um aus ihnen sichere Schlüsse ziehen zu können. Sicher ist nur; daß inan in Paris wartet, daß Deutschland das erste Wort spreche. Wie die Dinge nun einmal liegen, kann es noch lange dauern, bevor der Notenwechsel ein Ende nimmt,' der zwischen Frankreich und England gegenwärtig auf dem Umwege über die Presse geführt wird. Und es fragt sich, ob Deutschland trotz - dem Abflauen der Streikwelle >glt daran.täte oder Zeit hat, lange zuzuwarten. Die Gesetze zur Auftechterhaltung der deutschen Staatswirtschaft, welche gleichzeitig der verheerenden Not der Massen ein Ende bereiten sollen, sind wohl-beschlossene. Sache, aber die Hetze, welche die rechtsradikale Presse auf Geheiß der Stinnes-Loute gegen Stresomann beginnt, der bald neben den Verrätern' Erzberger und Ratheliau rangieren wird, beweist, daß die innere Sabotage in Deutschland ans Werk zu gehen beginnt. Man muß abwarten, ob Poincare sprechen wird'und ob er eüvas neues zu sagen hat; aber es ist nicht notwendig, zuzuwavten bis Poincare spricht, wenn Slreselnann wirklich positive Vorschläge machen will. Donnerstas-Nachtfttzrudg. (Schluß.) Karlsbad, 17. August. Nach der Begründung des Antrages des Permanenzausfchusses über die Iewish Agency (den wir in unserer vorgestrigen Nummer bereits mrtgeteilt haben) durch Abgeordneten Dr. Thon folgt die Begründung des Minderheitsvotums der zionistischen Demokratie durch Abgeordneten Grünbaum. Die Grünbaumschen Ausführungen gipfeln in folgendem Antrag: 1. Die Gesamtheit der Rechte und Wichten, welche das Palöstinamandat der Zionistischen £)r$auif<rtion zuer-kennt, kann nur an die legitime gewählte Vertretung des Mischen Volkes übertragen werden, das heißt, an den Mischen Weltkongreß, der einberufen wird, um den Ausbau des Mischen nationalen Hermes in Erez Israel zu verwirklichen. 2. Um die Schaffung dieser legitimen Vertretung des jüdischen Belkes vorzrwererten und,um noch vor ihrer Entstchung die Mitarbeit aller jener Juden zu ermöglichen, welche' sich an der Wiedererrichtung des Mischen nationaler; Heims in Crez Israel beteiligen wollen, beschließt der 16. Zionistenkongreß, die Iewish Agency in der Weise zu erweitern.' daß" die gewählten Vertreter dieser Mischen Schichten in sie eintreten können. Zn.-diesem Zweck werden die-zionGischen Lundeszen t r a le n - cmfMordert, Mt. W a h l e n - dieser Vertreter zu oMn-isieren, ,enj.sprechtznd-den Bcdingun-gen der einzelnen . ' Ä8MK U nd Mt^ der AM der,ye-' ^tbWen^^Bertt^r'-dek-'eimelmn^LüMr'Mß der jew-eil-igeN' Größe ( der jüdischen Bovöuerüüg pioportioneÜ sein. Die Gesanrtzahlper Vertreter bestimmt Las A. C. 3. Sobald die Wahlen der Vertreter der Judenheiten in den Ländern, durchgeführt sein werden, in denen sich die Zentren des Mischen Lebens befinden, tritt das A. C. ulit den gewählten Vertretern zu einer gemeinsamen Konf e re uz. zusammen, die sich als der Council der I e w i s h Ag e n c h konstituiert und das ausführende Organ der Iewish Agencywählt, - welches vor ihm solidarisch . verantwortlich fe;nt wird. .. ■ _ ■ . ■ Bis zu diesem Zeitpunkt verbleibt' die Zionistische Organisation die Trägerin aller Rechte und Pflichten der Iewish Agency. Nach der Verlesung - einer Resolution der Zeire Zion soll um 11 Uhr 30 Atinuten die Mstinmiung beginnen. Heber deren Zulässigkeit erhebt sie eine langwierige Geschäftsordnungsdebatte, der ■. endlich der angenommene Antrag auf Schluß der Debatte, ein Ende bereitet. Ein Antrag der Hitachduth, Zeire Zion und Poale Zion auf Verschiebung der Abstimmung über die' Ieüvish Agency wird abgelehnt und mit einer Mehrheit von 90 Stimmen beschlossen, die Sitzung auf eine Stunde zu unterbrechen. Nach der um 12 Uhr 15 Minuten erfolgten Unterbrechung der Sitzung trat eine mehr als einstündige Panse ein, in der die Fraktionen und Landsmannschaften berieten. Um 1 U h r 3 0 M i n u t e n wurde die Sitzung wieder aufgenommen. Es begann die A bsti in mutt g. Die Mehr he it s r es o l n t i o n über die Iewish Agency wurde in deutscher, hebräischer und englischer Sprache: nochinals verlesen. Grü n b a u m (demokratische Fraktion) beantragt, über die Resolution nicht en block abzustimmen, um die Möglichkeit für Amendements offen-zu lassen. Dr. Katzene?son (Hitachduth). beantragt, alle Anträge zur Wstimnmng zu stellen, damit jeder Delegierter-die Möglichkeit habe, kundzutun, für welche Resolution er stimme. Vorsitzender Motzkin erklärte den Antrag Kühenelson für unzulässig und stellt die Vorfrage, über die en block-Abstimmung. Dos Haus entscheidet sich mit g r o ß e r M e h r h < i t d a f ü r. > Unter großer. Spannung des Kongresses beginnt : der N '<i; nt en sau f.c u.f durch den Kongrehsekretär, Dr.'Löwensteiü. DieE namentliche Abstiinmung ist un-' gemein zeitraubend. Es wäre praktischer gewesen, das- Beispiel anderer Parlamente nachzuahmen, in denen die Delegierten mit verschiedenfarbigen Karten, auf denen die' Namen stehen, abstimmen. Die Abstimmung : dauerte fünf - Viertelstunden. Die Delegierten mußten sich beim-Namensaufruf erheben und mit ja oder nein, oder Stimmenenthaltung stimmen. Tie Pr»^dur verlief ohne jodelt Zwischenfüll. Für den Mehrheitsantrag stimmten die bereinigte! Landsmannschaften und die Misrachi. Gegen den Antvag^ die Linke uüd die d e m o k r cv tische Fraktion. Sok olow verließ vor der Ab stimmung den Saal. Werzmann stimmte mit F a, U s s i f ch k i n mit N e i n. Der Vorsitzende Motzkin verkündete, daß der Mehr heitsantrag mit 164 gegen 87 Stimmen, Le? drei StimmeMhaltungen, angenommen sei. Es folgte eine Geschäftsordnungsdebatte, worauf die Sitzung um 3 Uhr morgens geschlossen wurde * Die Situation. Der Kongreß steht knapp vor dem Abschluß. Das Äa beitstempo hat sich gesteigert und mit ihm das Jnteresst drr Delegierten, die in einem förmlichen Regen von Aw trägen und Resolrttioneu stchetr. Obzwar jeder einzeln« im Verlause dieser zwei Wochen im Plenuin oder in irgenh einer Kommission eingehend durchgefprochen wurde, komnu es doch im Saale nach Verlesung jed:s Berichtes zu eines Spezialdebatte. Es ist sicherlich eine wundervolle Sache, ' wenn die Delegierten aus der ganzen Welt von der Tri. Lüne des, jüdischen Parlaments 'herab ihre Erfahrungen,; Beschwerden und Wünsche vortragen. Es ist auch verstand« - lich, daß . die. Fraktionsvertreter von rechts und links vom Budget so viel als möglich für ParheizweLe erwischeL .wollen nnd jedes neue^Verlangen als Angelegenheit dov höchstent nationalen oder lültürellen Werte behandeln. Aber urwerständlich ist' die Redeflut, unverständlich für Zm schauer, wie für den armen Chronisten, der den Dingen berufsmäßig folgen muß. 1 Der Präsident — es ist immer Motzkin — sieht oft verzweifelt da. Sein Hammer tanzt unaufhörlich aus dem Pult. Seine Stimme ist brüchig rmd heiser geworden, aber sein Humor, hat nicht gelltien. .Motzkin steht immer in irgend einer lustigen Fehde mit den ums Wort Bittendeit. Eine Sitzung schließt um 12 Uhr nachts, die nächste beginnt um halb 2 Uhr früh und endet um 3 Uhr. Aut fol. genden Tage gehts mittags weiter. Frisch und -lebendig sin! irur die Delegierten und die Galerie.' Unverdrossen Halter die Führer Bespvechungett ab. Ein Teil der Delegierten, nnd zwar hauptsächlich vom Zentrum, das von den Landsmannschaften gebildet wird, ist schon abgereist. Man uterkt dies an den Abstimmungen, bei denen sich schon das Ueöer. gewicht von rechts und links zu zeigen beginnt. Immerhin wimmelt das -Schntzetthaus von Adenscheu Drinnen int Saale rauft Motzkin mit dem Arrangentenl der Geschäftsordnung, draußen im Cafe sind alle Tisch« ^besetzt. Ans denr Permanenzausschuß, der sich in einem Zimmer im Büchueittrakt hittter steileg Treppen verbar. rikadiert hat, kommen alle fünf Minuten Bruchstücke de» -Beratungen. Alan kolportiert sie, dreht und wendet sie, arrangiert sie im Nu zu wundersamen Historien: Weiz. mann fährt weg! sagt jemand, und sofort weiß der ganze Kongreß, daß der Präsident den Kongreß verläßt. Eine; Liste der' neuen Exeftltive wird an jedem Tisch fabriziert, i nur an-einent nicht, an dem Dr. Schmarjahu Levin sein» Schachpartie pflegt. Dort ist jede Politik verboten. * ' Der Kongreß dauert fort. Heute erledigte er eine , Menge Resolutionen und das Budget. Dann trat um. sechs Uhr die Sabbatpause ein. Vielleicht wird man morgen in der Nachtsitzung die Wahlen und Schluß Zeremonien absolvieren, vielleicht über erst Sonntag. Fm Augenblick steht die Sache so, daß zwischen Weizm.a.nu und Sokolow eine U c b e r e i n st i m m u n g erzielt Ivurde und daß das vort Weizmann festgehaltene Prinzip der h o m o« geneu- Leitnmg und 2 u.fhebung der Pa^ l ä st i n g - E x e k u t i v e von der M c h r h e i t a b zeptiert wird.. Die Misrachi haben sich der Mehrheit genähert, fordern Mach unbedingt« Respektierung der religiösen Vorschriften in dem aul Organ isationsmitteln erhaltenen Institutionen. Dri Garantie lierstir soll durch zwei Sitze in'der Exo kulive geboten werden. Die Ostposition der Grü w b a u m -Fra kti o u ist vollständig isoliert. Sic ha

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.