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Wiener Morgenzeitung · 1923-08-17 · Heft 1621 (17.8.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1621 (17.8.1923)
Date
1923-08-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XIII. Zionistenkoxurress (Konaressansgabe). einzelDommer K1Ö00 Wien: Zum Abholern in der Expedition,II.,Tnborsfr.1-3, oder in einer Verschleisstelle (Trafik) monatl. K 28.000 Mit Postversand für Wien n. Oesterr. monatl.- K 28.000 Ts ch e c h o-S 1 owa k e i: Mon. K17. Jujroslawien: Mon. Dinar40. Polen: Mon. Mk.45.000.D eut sc hl a n d: Mon. Mk. 150.000. F r an k r., Belgien: Monatl. Frcs. 8 BtF Naoh*ahluP*«B “Wl be! Preiserhchunsfen Yorbehalten rener T schecho -Slowakei tschech. K 1.20 Italien: Monatl., 10 Lirq Rumänien Mont. 90 Lei Bulgarien Mon.75 Lewa Schweiz und das übrig« Ausland monatlich Frcs. 3 Redaktion n. Administration Wien, II.,Taborstrassei—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19. ab6Uhrabds.l9-483,25-282 Tel- Adr.:, Morgenzeitung*1 Wien Cesterreichisehes Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 ■ Sit. 1621 Wien, Frettas. 17. August 1923 9. Zahrgmg Las deutsche Maos in Permanenz. Ausbreitung -er anarchischen Zustände. — Fortdauer -er planmäßigen Bandendiebstähle. — Schwere Ausschreitungen im Ruhrgebiet. Berlin, 16. August. Kel. der „Wr. Movgenztg.") Wenngleich auch die Kommunisten ihre General-- streikparole im ganzen Reich zurückgezogen haben, so daß in den meisten Städten die Fabriksarbeit wieder normal vor sich geht, schüren sie dennoch durch besondere Agitatoren das einmal entsachte Feuex weiter an, und dies um so mehr, als sie das erlittene Fiasko l*****" ' des Genevalstreis vor ihren Leuten wettma'chen loollen. Sie bedienen sich in diesem Kampfe der überall herrschenden Lebensmittelnot -xWW und organisieren die Bevölkerung systematisch zu gewaltsamen Requirierungen aus dem Lande, solcherart den Gegensatz zwischen Städtern und Bauern künstlich fördernd. In ganzen Scharen ziehen Männer und Frauen vielfach auf das Land, fordern von den Bauern a l l e vorhandenen Lebensmittel, durchsuchen im Weigerungsfall die G e- Höfte und nehmen an sich, was sie erreichen. Da si'ch die Bauern naturgemäß sehr oft wide r setzen, sa mit Waffen ' " ' verteidi geu, kommt es in Violen Städten zu L l u t i g e n Z u s a m in e n st ö ß e n, die dürch das - Eingreifen vom Schutzpolizei manchmal zu. förmlichen Schlachten ausarten. Dadurch' wird aber die Belieferung der Städte nicht bester, da sich die anderen Bauern weigern, ihre Waren in die Städte zu bringen; sie fürchten, mit ihren Wagen, wie dies schon öfters vovgekommen ist, auf ge halten, verprügelt und ihrer Waren beraub t zu werden. Heute kamen solche Ausschreitung e it,ganz besonders in Sachse n vor; die Reichswehr mußte wiederholt eingreifen. Noch schwieriger gestaltete sich die Situation im R u h r g e b i e t. In der Stärke von 5000 bis 6000 Mann zogen k o m m uuistische Elemente vor das Rathaus in Datteln, umzingelten und stürmten es, woraus sie einen Gemeinderat schm er mißhandelten. Die zum Entsatz des Amtshauses herbeigeholtrn Polizei b eamten, die gegen Zusicherung freien Geleites ihre Waffen abgeliesert hatten, wurden schwer mißhandelt. Von Recklinghausen sind zur Wiederherstellung der Ruhe Verst ä rk u n g e n cmgekommen. Die Besatz wn g sbeh'örden haben ein Eingreifen gegen die Ruhestörer a b g c l e h n t. Auch in Berghei m und G r e v e n b r o ich greifen die Bandendiebstähle um sich. Die E i g e nt ü m e r sind dagegen machtlos, ustd auch die Orts- Polizei sowie die Landjäger können gegen die plündernden Banden nicht a u f k o m m e n. Die Rädelsführer, die die m a r o k k a n i s ch e Besatzung auf ihre Seite zu ziehen verstanden hatten, haben die Gefangenen w i e d e r b e f r e i t. Aus der Gegend von Glessen und B ü s d o r s wird berichtet, daß beim Schichtwechsel der Brannkohlengruben Züge von 500 bis 600 Mann von den benachbarten Feldern Hunderte v o n G a r b e n wegschleppten. Als die Bauern ihnen mit . Flinten entgegentraten, schickten die Arbeiter Frauen und Kinder vor, um sich zu schützen. Aehnliche Vorfälle werden aus der Gegend von Elsdorf, Esch, Kirchherten und Pütz gemeldet. Ue'ber Aachen mußte heute der B ela get u ngsz u stand verhängt werden. . Girr Appell mt die Kommunisten. Berlin, 16. August. In der gestrigen Reichstagssitzung richtete Reichsnmnster des Innern Soll mann einen Appell an die Kommunisten, im Interesse der deutschen Volksernährung die Behinderung der Ernte durch Streiks und sinnlose Ausschreitungen zu unterlassen. . " Der 13. ziomstenkongreß. Die Anttage der Kommissionen. — llewish Agench und Leit««« (Spezialbericht der „Wiener Morgenzeitung".) Donnenstag-Nachmittägsitzüng. Die Mittwoch-Nachtsitzung. Euß.) Karlsbad, 16. August. - Nach der Programmrede Weidmanns echielt der Referent des sinangpolitischen Ausschusses Arlosoro ff (Hitachduth) Äas Wort. Der Referent leitet den Bericht ein und erklärt, der Ausschuß lege keine Beschlüsse vor, sondern nur Richtlinien. Diese Richtlinien besagen: In einem FinariZsystem für den Aufbau Palästinas sind aus absehbare Zeit S pendensonds unentbehrlich. Der' Ke reu Has essod und der Nationalsonds müssen nicht nur erhalten, sondern nach Kräften ausgebaui weriden. Andererseits muß betont werden, daß die Spendemnethode nicht die zentrale Finantzmethode des Kolonisationswerkes sein kann. Es muß mit der fortschreitenden Entwicklung der Kolonisation unser FmanMtem immer mehr von den aus SP endensonds fließenden Geldmitteln unabhängig gemacht werden. Unter Änn gegenwärtigen Verhältnissen ist es nicht möglich, den' Keren Hajessöd in seiner Verwendung auf bestimmte Zwecke zu beschränken. Sobald-und soweit aber die wirtschaftlichen Jnstit-üttonen in der Lage'sind, dem Keren Hajessyd die . Erfüllung Wirts chas tlicherAnfg.aben abzunehmen, muß 'diese AbbÄrd'N n g" effolgen- Iin übritzen'-sollen auch die aus SPendennicht den,. Wstaktev vÄtt Spendesttvagetr/^vreWohr müssen sie in wirtschäftlich'e.r'Äe'ts-e',v"e"rtü en det werden, insofern als in möglichst weitem Umfange statt Spenden Darlehen gegeben werden sollen. In fortschreitend -stärkerem Maße muß Kapital für Palästina mobilisiert werden. . Das kann geschehen: 1. Durch Ausbau unserer nationalen K r cd it o r ga n isa t i o n c n. . 2. Durch A it I c t h c n und 3. durch Enttvicklung der P r i v a t i n i a t i v e. Ueberall Va, wo die allgemeinen ökonomischen Voraussetzungen dafür gegeben sind, soll die Schaffung jüdischer Finanz t nsti tutione n (Banken, Sparkasien, genossenschaftliche Darlehenskassen) zum Zwecke dcr Zusammenfassung der Volksersparnisse durchgeführt werden. Unentbehrlich ist die Schaffung eines Marktes für Palästina-Wertpapiere. Dringend erwünscht wäre es, lvenn in möglichst weitem Maße die Belehnung solcher Papiere ermöglicht würde. Der Aufbau des palästinensischen Kreditwesens erfordert zunächst die Schaffung eines landwirtschaftlichen K re d i tfo nds und eines Kreditfonds für Indnst rie und Handwerk. Die palästinenfsiche Kolonial bankfiliale und unsere Palästina er Kreditinstitute sollen mit allen möglichen Kräften a u s g e b a u t und verstärkt werden. Solche nationale Kreditinstitute sollen sich bei Erteilung von Krediten durch Beiräte beraten lasten, die sie an ihrem Sitze bilden sollen. A n l e i h e n ohne Deckung dürfen nicht in Betracht gezogen werden. Die Aufnahme von Krediten und die Ausgabe von Pfandbriefen und Obligationen ist soweit möglich und wünschenswert, als die Zinsen und Amortisation gesichert sind. Eine Anleihe großen Stils kann besondere Bedeutung gewinnen, sofern eine'au sreiche n d e D e ck u ug vorhanden und der Zinse ndi enst und die Amortisation gesichert sind. A r l o s o r o f f s Anleihe-Projekt (das in der ,Miener Morgenzeitnng" ausführlich besprochen wurde) ist Gegenstand eines besonderen Gsdankenaustausches im finanzpolitischen Ausschnste gslvüsen. Ob dieses Projekt den Ausgangspunkt'für eine Anleihe bilden kann, muß in der Weise-festgestellt werden, daß der Finanz- und Wirtschastsrat das Gu ta ch te n fachlicher Autoritäten einholt und informative Verhandlungen mit B a n k i e r s aufnrmmt. - Die Wstinunung über diese Richtlinien ergab ihre Annahme, mit Ausnahme der Schlußresolution, die erst beim Budget Mr Abstimmung kommt und besagt: Im.Buhget für.Palästina sollen die nnmitteibar Pro'dstktlvMMsgaben den Vorran g haben. Die . Sitzung wurde um 12 Uhr nachts geschlossen. . Nächste Aitzung DpMxStag 3 nachmittags. B'ginn 3 Uhr nachmittags. Eine ganze Reihe von Kommissionen warf heute bas Resultat' ihrer Arbeit m Form von Nesolutionsgchirgen ins Haus. Es gab stundenlange Abstimmungen und unruhige Geschäftsordnungsdebatten. Das Haus ist sichtlich überreizt. Die Vorgänge außerhalb des Saales in den überfüllten KorrÄoren lenkten das-Interesse von den Anträgen ab. Der P e r- Nl a n e n z a u s s ch u tz, der seit drei Tagen fast ununterbrochen versammelt ist, versuchte gestern bereits die Frage der künftigen Leitung äuszuscheiden. Er versammelte sich unmittelbar nach der Programmrede Weizmanns und es nahmen alle Mitglieder der Exekutive an den Beratungen teil. Bis 4 Uhr früh dauerte die Sitzung, ohne das; ein Rcsultat erreicht werden konnte. Es konnte zwischen W e i z m a n n, der seine eigene Liste präsentierte, und zwischen S o k o l o w, der unterstützt - durch M o tz- - k i n, st'ir U ssi s ch k i n Stellung nahm, .keine Einigung erzielt werden. Um 4 Uhr früh mußte der Vorsitzende Ing. Strick e r die Verhandlungen abbrechen, und sie bis Mittag vertagen. Die Beratungen gingen dann unaufhörlich weiter. Inuner wieder sam- .melten sich Zirkel der Unterhändler in. den' Ecken des .'Eafesaales, immer wieder wurden. neue.Formeln und Nauren genannt. Das Bild wechselte von Minute zu Attnnte und es wurden immer'neue Gerüchte ins Publikum geworfen.' Der' .Cou-Ioirtratsch kam in' schönste Blüte und vermehrte die Nervosität des -Plenums, wo wieder die Gegensätze von links und rechts aufeinänderstießen, am schärfsten bei der Behandlung der J m m igr atio nsfr a ge. Vorsitzender Motzt in. In der heutigen Sitzung gelaugten zunächst Anträge der K o l o u i s a t i o n s r o mmrs.ion zur Beratung und Abstinnuung. Referent Dr. Schmorak legtedar, daß sich düst Kommission in zwei Unterkom- Missionen getcilt habe, und zwar eine für -la n dw ir ts ch a f t l i ch e Kolonisttion und . eine für H a n d e l uud Industrie. Diese hat die Vovstadtsiedelnng irr ihre Beratungen einbezogen. Das Korreferat erstattete Dr. Rufeisen (Tfchecho-Slowakei). Die erste Kommission legte einen Antrag vor, der rmch der Erklärung Rnptms, welcher in die Debatte eingriff, die Zelle für eine künftige Agrarbank schaffen soll. Der Antrag lautet: D-r Kongreß genehmigt den Vorschlag der Palästina-Leitung, daß der Keren Hajessoeinen K o l o n i s a t i o n s f o n d s schafft, der, separat hevwaltet, seine Geschäfte. nach wirtschaftlichen Gesichts-. Punkten eines genleinnützigen Unternchmens führt und -über seine Gebarung dem Kongresse, Lezichungsweist dev Iahreskonferenz eine Bilanz vorlegen soll. Dieser Fonds soll die den Siedlern bis nun erteilten, und in Zukunft zUl gewährenden K o I o n i s a t i o n s v o r f ch ü s s e für p r o d u k t i v e Arl sga b en sMohl als auch die von der Exekutive in den bestehenden Siedlungen und Betrieben bereits geschaffenen Sachwerte umfassen. Die vörläufigen Richtlinien für die Verwaltung des Kolonisations-. sonds hat die Exekutive der Zionistischen Organisation zu bestimmen-und dem MionSkomitee zur Genehmigung vovzul-egeir. Das von der Exekutive im Einvernehmen mit dem Direktorium des Keren Hajestod auszuarbeitende endgAtige Statut ist dem nächsten Kongresse zur Beschlußfastung vorzulegen. Ferner wurde beschlossen: Es soll eine Bodenreserve geschaffen Werdenchssonders dadurch, daß eine vom K'e r e n H a j e s s o d an den Keren K a j e m e t h nachzuzahlende Schuld ausschließlich für A n k a u f v s> n neuem Boden verwendet wird. ' Die Anträge, welche erst nach Feststellung des Budgets behandelt werden können, wurden Zurückgestellt. Wertvoll ist auch der Antrag, der, wie Referent R u feisen anssührte, in der Kommission unabhängig von der Anregung beschlossen wurde, die Präsident Weizmann gestern in seiner Programmrede dem Plenum gab und die mit dieser Auregmrg vollkommen übereinstimmt. 'Der Antrag lautet: Zur Kerbsifuhvvtg eines engeren Kontakts

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