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Wiener Morgenzeitung · 1923-08-16 · Heft 1620 (16.8.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1620 (16.8.1923)
Date
1923-08-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XIII. Zionistenigongress (Kongressausgabe). EUzslnanunerKIOOO Wien: Zum Abholen in der Expedition, lI.,Taborstr.l*3, oder in einer Verschlefsstelle (Trafik) monatl, K 28.000 Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 28.000 Tschecho-Sbowäkei: Mon. K17, Jugoslawien: Mon. Dinar40. Polen: Mon. Mk.45.000.D eutschland: Mon. Mk. 150.000. K r a n k r., Belgien: Monatl. Pres. 8 BV N achxiihluogen "Ml bei. Prciierhöhunjjen vorbehaUeo T scticcho ■SlowakiH tsch«ch. K 1.30 Italien: Monatl, 10Lire, Rumänien Mon.90Lei, Bulgarien Mon.75 Lewa, S c hw ein und das übrige Ausland monatlich Free. 3 Redaktion n. Administration Wien, II., Taborstrasse 1—3 Telephone: 44*0*88,4$-5-19, ab 6 Uhr abds.19-483,25-283 TeL- Adr.: .Morgenzeitung*1 2 3 Wien Oesterrrichisches Postspar kassen-Konto Nr, 150.693 Nr. 1620 SBien, Sonnerstog. 16. August 1920 5. gahrgau» ZeM Agency und WWer Weltkongreß. - —y. K arlsbad, 18. August. Tags Arbeit, abends Referate und Abstimmungen! Die großen Reden haben,aufgehört. Der Kongreß arbeitet. Seine Zeit ist nur mehr ganz kurz bemessen und Donnerstag nachts soll alles zu Ende gehen. In die Tätigkeit des Kongresses ist ein scharfes Tempo gekommen. Me vielen Kommissionen mit ihren Unterausschüssen und Experten-Vernehmungen sind in Permanenz. Der Permanenzausschuß hat sich schlafen und essen abgewohnt. Die Pflichttreue der Konimissionsmitglieder ist vorbildlich. Trotzdem steht aber der Kongreß noch vor schwerenSorge n. Er hat die neue Leitungzu wählen, der er die Aufgabe stellt, die I e w i s h Agency gemäß den Mandatsbestimmungen zusammenzusetzen. In dieser Hinsicht war die Anlage des Kongresses ganz verfehlt. W e i z m a n n oder vielmehr seine Umgebung macht über die Pläne des Präsidenten nur höchst vage und verschwommene Mitteilungen. Der Kongreß, der sich nach einer scharfen und klaren Richtlinie sehnt, wäre in seiner übergroßen Mehrheit zur Unterstsitzung Weizmanns bereit, aber feine komplizierte, ans prinzipiellen und persönlichen Momenten zusannnenaesctzte Ausgabe kann er nur lösen, wenn Weizmann klar und deutlich spricht. Alle Reden Weizm(ti! u s handeln davon, daß der Kongreß zw i schen z w e i S Y st e me n w ä h I e n muß. Das scheint JPoTitiM) ciubeutiq.. Slbcx: t>a Systeme immer nur von Perflnesi' MNMIKMsiWNWso utfl» i frag c-n, und man weiß, daß diese immer die schwierigsten sind. W e i zun a nn und Soko l o w ans der einen Seile — aber auch diese Alliance ist ziemlich locker —, Ussi s chkin auf der anderen Seite mit Personen, die sonst noch in Frage kommen oder sich in diese Formel cinfügen. Freilich wird darauf Rücksicht - genommen werden müssen/ daß die Homogenität der Exekutive tatsächlich erreicht werde. So beschämende und traurige Erscheinungen, daß Mitglieder des Kabinetts ganz offen gegen den Führer anstreten, dessen Verantwortlichkeit doch weit über den Kongreß hinansreicht, dürfen sich nicht mehr. Imebct? holen. Die ,I e w i s h A g c n c Y soll auf Korporationen nichtzionislfchen Charakters ausgedehnt werden. Hier stockt man schon. Es besteht keine Klarheit über die Auswahl der Korporationen und ihrer Vertreter, aber auch nicht über die technische Durchführung des Planes. Die Zionistische Organisation ist bisher 26 Jahre lang allein ihren Weg gegangen, uub es besteht im Judentum keine einzige Körverschaft, die sich mit ihr an Zielsicherheit, politischer Energie und sozialem Erfassen des Siedlnnasproblems messen kann. Es ist ja immerhin möglich, daß Weizniann Persönlichkeiten bereithält, die uns in dieser Hinsicht Vertrauen einflößen. Die Möglichkeit ist aber keine Gewißheit, und man kann es begreifen, daß der Kongreß keine Bia n k ovoll m a ch t ausstelleu will, sondern danach trachtet, den nationalen uub demokratischen Inhalt der Ralästina-Arbeit mit aller Sicherheit zu umschreiben. Solche Garantien könnet! wieder auch nur in Personen liegen. Exekutive in Lolrdon — Exekutive in Palästina — das sind nur andere Worte für die Formel: Weizmann gegen Ussischkin. Einstweilen sucht man einen Ausweg. Es sind zunächst B e r h a n d l u n g e n zwischen den Körperschaften und der Misrachi eingeleitet, um wenigstens bezüglich der Iewish Agency zu einer Eimgnng der bedeutendsten Gruppen zu gelangen. Die Aussichten hierfür sind günstig und man kann hoffen, daß hiedurch auch eine gute Stimmung für die Frage der- Exekutive geschaffen wird, was schon darum nötig wäre, weil die Linke sich nicht mehr an der Exekutive beteiligen will. Diese Verhandlungen haben eine Menge Rebllntionen zur Folge gehabt, als deren wichtigste die' folgende Koruproinißresvlution hier wiedergegeben sei, welche bereits der Permanenzausschuß angenommen hat: 1. Der Kongreß bestätigt den von früheren Zionisten- Konferenzen gefaßten Beschluß bezüglich Einberufung eines jüdischen Weltkongresses für den Ausbau Palästinas als jüdischnationale Heimstätte und erklärt, daß auf die von dein möglichst im Laufe der nächsten drei Jahve ein» zuberu senden Weltkongreß gew äh lte Iewish Das Referat Ruvvins. — Der Keren Hajefsod. — Weizmauns Progrnmmrede. (Spesialbericht der „Mener Morgeuzeitung".) Karlsbad, 15. August. Drettstas-Äw^rdsitzung. Vizepräsident Motzkrn eröffnet die Sitzung mrd erteilt Rltbasihow das' Wort zu. seinem Referat Über die He chaluz-Bewcgung (Hachschara). Der Referent führt aus: Keine von den Fragen, welche die Verwirklichung des Zionismus betreffen, ist so vernachlässigt worden, wie die Frage der Menschen, die nach -Palästina, gehen, um das Land aufzubauen. Man vertraute ^auf ein Wunder. Das Wunder ist wirklich geschehen. Ohne daß ein Plan da war, kamen Scharen von Chalnzim, überwanden alle Hindernisse und Schwierigkeiten, Kaum eine Bewegung im Ju-dentmn stand so sehr unter dem Einflüsse des furchtbaren Unheils, das in den letzten Jahren über das jüdische Volk hererngebrochcn ist, wie die HechLluz-Bewsg-ung. Die zweite Erscheinung, welche die Hechaluz-Bswognng gefördert hat, war die'Erschütterung der gesamten Welt. Der jüdischen Jugend wurde klar, daß ihr neues Leben auf andere Grundlagen gestM werden müsse. Ihre Sehnsucht -wurde Arbeit. ^>ie Erfahrung der Palästrna-Kolonisation zeigt ttnzweideutig, daß die Entwicklung Palästinas und 'des Jüschüw Mf devZ n A r he.it e. r scha ft Muht. Die WousiKion, mich vor allememe A rbei ke r'ko lo n isa ii öN fein:Mie aus N-ichtarbeitern bestehende. Jugend, die nach Palästina strebte, schuf den Anfang einer Arbeiterklasse, die sich berufen fühlte, die Gesamtheit des Ausbanwerkes auf sich zu laden. Sie besitzen Führer, deren Lebensweise als Vorbild dient, nämlich die - Arbeiterschaft in Palästina. Das Größe, das dort geschaffen wurde, hat die Hachschara in Deutschland, Litauen, .Polen und Rußland beherrscht. Daher der umwälzende Eindruck der Ereignisse von Tel-Chäi. An der Spitze dieser Helden stand der Führer und Begründer der neuen Hachschara-Bewegung T r u m p e l d o r, der Führer der neuen Einwanderung. Die Prüfung'war also bestanden und das wirkte als Mahnruf und Sieg. Ein Gefühl der Unruhe erfiillte aber die Ehaluzim, ob ihre Arbeit Früchte bringen wird, ob sie den Ansprüchen entsprechen werden, die an sie gestellt werden. So wurde die .Hechaluz-Bswegung auch zur Hachschara-Belvegung. Wir verhehlen uns nicht, daß dieser Hechaluz vorläufig auch auf dilettantischen! Wege genmcht wird, daß keine gehörigen Leiter am Werke sind und daß ihr kein richtiger Plan zugrunde. liegt. Der Weltverband des Hechaluz zählt bis heute ru O st- und M i t t e l e \t t o a 24 l andwir tschaftliche G ruppen und 30 Gruppen, die ihre Mitglieder in städtischen industriellen Bernsen heranbilden. Diese Arbeit müßte das lebhafteste Interesse aller Organe Hervorrufen, die für die Bevwirklichung des Palästina-Aufbaues tätig sind. Es wird vielfach die Frage aufgeworfen, ob diese Vovbeveitnngsa-vbeiten nicht besser in Palästina getan werden sollen. Dies ist nur zum Teil richtig. Bei den Kwuzoth darf , man nicht nur die landwirtschaftliche Seite r» Rech« mmg stellen, fonidevn mau muß auch die Vorbereitungs« arbeiten berücksichtigen', Welche die Kwugoch für die Ar« beiter geleistet haben. Für die Finanzierung der Chaluzarbeit müssen ne>ben den zioniftischrn auch Archtzionistische Mittel verwendet werden, und' zwar ditz Mittel jener Gesellschaften, welche sich mit der Produkt!« Vierung der Wischen Massen befassen. Es entsteht auch di< Frage, ob für die AusMduug der Ghaluzim spezielle An« stalten Vovzuzvchen sind oder ob die Cha'luzrm in den allgemeinen Institutionen ihre Ausbildung erhalten solleZL Meiner Ansicht nach sind, trotz einzelner guter Erstchmn« gen speziell iu Deutschland, den allgemeinen Betrieben Spezialinftitute vorzuzichen, da nur dort jene Atmosphäre geschaffen wird, welche für die berufliche und seelische Bor« bereitung geeignet ist. Die Erfahrungen in.Palästina haben gezeigt, daß die Arbeiten in jenen Betrieiben den besten Erfolg haben, die sie allein führen ‘ und für deviv Leistung sie allein verantwortlich sind. Wir brauchen in Palästina, qualifiztexte Kraft e, die besonders m einem Fach ausgebildet sind: Diese haben in Palästina die Aufgcbbe zu erfLillÄl, bot. 'Arbeitsuive!au.zu heben und W sich einen KtÄs von Schülern zu' schaffen. Diese. FiM Wort . wichtigste i! ProÄeuren. Die AonPrsche Organisütiov und der Keren .HafesW^Dßflett ih-M-ihre doÜste Aust incrksanckeit widni-en. (Deb^fter 'B«Wl.) Der folgende -Redner'. Dr. Schachtel (BreWau) begründet den Antrag der Nationalfoudskommisirou. Der Antrag lautet: . Der Keren Kajemech l'Jsrael ist das Instrument d» Zionistischen Weltorganisation zur Durchführung i-hretz Bodenpolitik im Dienste des Mischen Voltes. Er hat zu> sanunen mit dem Keren Hajessod die Grund lagert für den Ausbau eines Mischen Nationalheims in Erez Israel zu sichern. - Der Kongreß konstatiert mit großem Bedauern, daß innerhalb der Zionistischen Organisation dem Kevert Kajemech l'Jsrael nicht je ne sJn te re sse entgegen« gebracht wurde, ans das, er nach seinen bisherigen Leistmlgen, nach seinen! Ziel und Zweck Anspruch hat. Der Kongwß verpflichtet alle Zionisten, besonders die Landesmrd Sondervevbände, die Arbeit für den Keren Kajemech l'Jsrael im gesamten Judentum auf jede' Weise zu fördern und sich für das Gelingen dieser Arbeit verantwortlich zu halten. . Die übrigen Anträge der NabionalsondskommiNrou wurden z u r ü ck g e st e l l t. Es folgen Berichte der U n i v e r s i t ä t S k o nrm i ss i o n und hierauf die Erklärung des O b e r r a bbi n e r s -Agency die Rechte, die das vom Völkerbund bestätigte Palästina-Mandat der Zionistischen Organisation zuerkannt hat, übertragen werden sollen. 2. Um. aber, schon jetzt breiten Schichten der jüdischen Bevölkerung die Möglichkeit der Teilnahme am Aufbau Erez Israels.zu geben, soll die Iewish Agenct). durch die baldmöglichste Heranziehung der Vertretungen derjenigen jüdischen O r g a n is a t i o n e n und Gesellschafte n, die auf dem Boden des P ak äst in a-Mandat es sichen, erweitert werden. 3. Zu diesem Zwecke soll die Exekutive ermächtigt werden, im.Einvernehmen mit dem Aktionsk o m i t e e, einen aus Vertretern jüdischer.Organisationen und Repräsentanten der Jndenheiten der - verschiedenen' Länder, sofern sie auf dem Boden der Balsour-De-! klaration und es Mandates stehen, zusammengesetz-- ten Council zu ^bilden, der mit dem zionistischen Aktionskormtee zusainmenarbeiten soll. Der Council soll für die Zusammenarbeit der Zionistischeil Exekutive als der Leitung der Iewish Agency aus seiner Mitte einen Ausschuß bilden» dessen Funktion im Einvernehnton mit dem Aktionskomitee geregelt werden soll. SSSS! IIIIII llll IIIIIIIIII1IS >,«>!>!!!»!!« «MI«!»»!! IIII" imSIHIM SineBilllSil— 4. Die Zionistische Exekutive wird iu Ber- . bindung mit denr genannten Council Bertveter jüdischer Or- . ganiscrtioneu, Körperschaften und Judenherten der verschio2enen Länder zu einer gemeinsamen K o n f e r e n z einberufen, in der die Modalitäten ihrer Beteiligung an der Iewish Agency, die bis zum Zusammentritt des .Weltkongresses zu fungieren hat, vereinbart werden > sollen. Die Vereinbavugen bedürfen der Zustimmung der! Jahreskonfieronz. 1 , 5. Die Exekutive wird zuis-ammeu.mit dem Aktionskomitee beauftragt, alle Schritte zu unternehmen, um den jüdischen Weltkongreß zum genannten Termine einMbemfen. Eines ist sicher:' Wird Weizmann wiedergewählt — und das scheint un Ailgenblick bereits festzustehen —, so übernimmt er eine sehr schwere Verantwortung. Die -Organisation aber wird und rnuß im Interesse ihres Prestiges und im Interesse der Kontinuität der Arbeit dafür sorgendaß der gewählte Führer auch wirklich der Führer sei.

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