Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1923-08-15 · Heft 1619 (15.8.1923) · p. Seite 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1619 (15.8.1923)
Date
1923-08-15
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2979076-2980477-2980700--15810-3002666
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

7 entity mentions

Vette M Wien, Mittwoch außerhalb des Kartells stehenden Fabriken ausgefordert. >^egen das Kartell energisch aufzutreten. Es wurden auch bet der Regierung Schritte unternommen, damit gegen das Kartell vor- Gute ungarische Ernteaussichteu. Aus Budapest wird 5.83 und bei Hafer 3.81 Millionen Doppelftntncr. Die Maisfaaten sind - infolge der Dürre zucückgMicdeil, versprechen aber eine gut mittelmäßige Ernte. Bon den Weingärten ist eine mittelmäßige FeWuvg zu erwarten. Bei den übugen Kategorien, wie ^rtoffeln, Zucker- und Futterrüben, sind die Aussichten wegen - der anhaltende,: Dii-rre etwas zu rückgegangen. Der Ernteftand Deutschlands. Aus Berlin wird uns gemeldet: Der naßkalten Witterung im Juni folgten in der ersten JnIHälfte trockene Tage mit hochsommerlicher Hitze. Zahlreiche Gewitter um di-c Mitte des Monats brachten teilweise recht erhebliche Regenfälle und Abkühlung. Während cs sich in Süddentschland und arideren Gebieten Mitteldeutschlands bald wieder aufllärte und größtenteils warm und trocken blieb, herrschte im übrigen Deutschland bis zum Mo-natsende veränderliches, vorwiegend windiges Wetter mit vielen Regenschauern. Auf die Entwick/knng der Feldfrüchte wirkte die Jnliwitternng günstig ein, so daß sich die Eruteaussichten gegen den Vormonat wesentlich gebessert haben. Der Stand der Halmfrüchte war Anfang August durchwegs recht zufriedenstellend. Allgemein wird hervorgehoben, daß beim Winterwie beim Sommergetreide die Halme hoch und kräftig stehen und und daß die Aehren guten Körneransatz zeigen. Wenn keine Störungen durch Untoettet eintreten, rechnet man hinsichtlich des Strohertrages mit einer guten Ernte, bezüglich des Körnerertrages mit einer guten Mittelernte. Unter Zugrundelegung der Zcchlenbewertung 1 gleich schr gut. 2 gleich gut, 3 gleich mittel. 4 gleich gering. 5 gleich schr gering, ergibt sich für Winterweizen 2,4 (im Vormonat 2,4), Sommerweizen 2,6 (2,6), Winterspelz 2,5 (2,5s, Winterroggen 2,6 (2,5), Sommerroggen 2,6 (2,7), Wintergerste 2.6 (2,5). Sommergerste 2,3 (2.3), Hafer 2,5 (2,8). Die Hackfrüchte. Kartoffeln wie Rüben, haben sich nach ^den schädigenden Einflüssen der.naßkalten Juniwitterung zwar gut erholt, doch leiden sie in Süddeutschland bereits unter der anhaltenden Trockenheit, im übrigen Deutschland vielfach unter zu großer Nässe. Die Beurteilung der Kartoffeln lautet verschieden. Nek«n dicht bestandenen und gut aussehenden Schlägen zeigen sich häufig lückenhafte Bestände. Die Frühkartoffeln sind teilweise klein geblieben und liejfern keine besonders große Ausbeute. Im Reichsmittel stellen sich Kartoffeln auf 3,1 (3,1), Zuckerrüben 2,9 (3,3), Runkelrüben 2,9 (3,2). Der erste Schnitt der Futterpflanzen und Wiesen ist überall gut und fast restlos geborgen. Er lieferte durchwegs gute, teilweise sehr gute Erträge. Der Nachwuchs zeigt teils guten, teils mäßi^n Ansatz. Im südlichen Teile des Reiches hat er mangels genügender Niederschläge gelrtlem Im ganzen dürfte der zweite Schnitt nicht so reiche Erträge bringen als der erste. Klee 2,5 (2,4), Luzerne 2,4 (2,3), Böwäsierungswiesen 2,2 (2,0), andere Wiesen 8.7 (2.3). Eröffnung der Börse in Laibach. Am 6. August fand in La-bach dre koniskttuierende GenewilversaMiMlung der neuen Waren- und Effektenbörse statt, wobei die vom' Minister tum geneihllmyten Statuten einstummig angenommen wurden. Zum Dovf:tzem»en des neugswählten Börlfenrates wurde der Präsident der Kratner Spavkasie geüvähLt. _ Die Reichenberger Messe. Reichenberg, 13. August. Dschecho-slvwaL-ifches Preßbureau.) Mt Rücksicht auf die allgemein beobachtete Kauflust meldete sich noch am dritten Messetag sine große Anzahl von Ausstellern beim Messeamt an. Unter den zahlreichen Ausstellern tvaren die ffchechischen und die slowakischen stark vertreten. Gute Abschlüsse wurden nr Leinen, Seide und Tapisserien e^ielt, Wellers « Automobilen, Motorrädern, Apothekereinrichtungen und landwirtschaftlichen Maschinen. Eine russische Einkaussorganisaiion für Farben. In Moskau wurde kürzlich eine zentrale FavbeneiÄau-ssorga^isallion gegründet, welche die früheren staatlichen E'nkäussovgane in dieser Branche ersehen sollte. Die Nachfrage nach Farben nimmt in Rußland ständig zu, sa es werden auch große Anstrengungen für die Favbenerzeugung im Inland _ Wiener Niorgerrzeitung. _ gemacht. Doch haben diese B-emühuuMN. vorläufig wenig Erfolg, da Deutschland sich bisher geweigert hat, die hieofür notwendigen sstvi-schenprodull-e zu liefern. Man glaubt mm, daß die neu gebildete Organisation einen stärkeren Druck auf die ausländischen Lieferanten werde ansüben können. Bor dem Kriege war Rußland eines der tvichtigsteu Absatzgebiete für deutsche Farben._, ., _ Wiener Warenbörse. (Eigenbericht der „Wiener Morgenzeitung".) Der Verkehr an der gestrigen Warenbörse war. etwas lebhafter, namhaftes Ansgebot machte sich in Chemikalien geltend und einige Abschlüsse kamen zu letzten Preisen zustande. Hievon gelangten zur Kenntnisnahme Schellak T. N. or. zu K. 100.000 ab Wien sowie Ammoniaksoda (2000 Kilogramm) zu K. 2650 (exekutiv). A u s g e b o t e n wurden: Aetznatron 128/130 zu K. 5900 trnnsit Budapest, Alaun in Stücken zu K. 4000 Wien und zu K. 3600 transit, Blriweiß zu 13,000 K., Chlorkalk zu K. 9400 transit, Chromkali zu K. 21.000, Kupfervitriol zu K. 7800, Oxalsäure zu K. 15.000 transit Wien und zu K. 16200 verzollt, Paraffin 50/52 in Tafeln transp. zu Dollar 7.30 rollend ab Petrovic pro 100 Kilogramm, Weinsteinsäure zu K. 45.800, Salmiaksalz zu 8000 K, Soda bic. M. B. B. zu K. 5600 transit Linz. Kristallsoda ab Lustenau zu K. 1200, exklusive. Cs lag auch ein Offert von Schwefelsäure-Glasballons zu K. 50.000 ab Liesing vor, des hohen Preises halber blieb jedoch dasselbe unbeachtet. O e l e u n d F e t t e vermochten den Preisstand ziemlich zu behaupten; zu Markte kamen: Sesamöl l. Pressung zu K. 18.000, Tafelspeiseöl zu K.. 16.500, Schweinefett pure lard zu K. 21.500 und KokoSspeisefett zu K. 18.000. Von Kolonialwaren wurden ousgeboten: Cassia lignea zu 42.000 K. (— 500 K.), Kümmel zu 44.000 K. (- 4000 K.), italienischer Reis zu 7400 K. l- 100 K.), Kristall¬ und Würfelzucker zu 4.50 tschech. K. prompt ab Grenze und zu 11.400 K. ab Lager Wien. Zum L f f e n t l i ch e n Verkaufe gelaugten laut Art. 343 des H.-G.-B. 11.846.35 Kilogramm Blei zu 7750 K., Gußmessing zu 11.000 K., Altblei zu 5000 K.. Altbleilegierung zu 3200 K., Zink mit Messing zu 3250 K., Zink mit Eisen zu 1550 K., Messing zu 5000 K., Kupfer zu 17.100 K., ausgebrannte Patronenhülsen zu 6000 K., Altaluminium zu 5000 K., Deltametall zu 8000 K. Alles pro Kilogramm. Börse ffit landwirtschaftliche Produtte. (Eigenbericht der „Wiener Morgenzeitunq") Angesichts der fortdauernd günstigen Erntemeldungen bleibt oie Tendenz des Marktes matt, da allgemein Kaufunlust herrscht. Der Verkehr hielt sich heute wieder in allerengsten Grenzen, wobei Preise zugunsten der Käufer neigten. Weizen fand Unterkunst zu 3000 bis 3100 K., Roggen zu 2050 bis 2150 K. Für Braugerste ist Konsuminteresse im Markte, ohne daß beffere Abschlüsse zu verzeichnen waren. Inländische Braugerste wertet 2255 bis 240« K., tschecho-slowakische 2350 bis 2660 K., bezw. 1.- bis 1.25 tschech. K. ab Marchegg. Mährische Braugerste wurde zu 2450 K. Wien ausgenommen. Ju Futterstoffen war der Absatz außerordentlich schleppend und unbefriedigend. Mais notiert 2700 bis 2800 K., Hafer 2200 bis 2300 K. Von Hülsenfrüchten sind Feldlinsen gut gefragt, kleine fanden Unterkunft zu 4800 bis 5000 K., große zu 10.000 bis 11.500 K. Mehle sind gegenüber der letzten Samstagbörse in den Preisen unverändert, das Geschäft ist belanglos, da sich der Konsum. fortgesetzt auf Deckung allerdringendsten Bedarfes beschränkt. Die Notierungen lauten r Weizengrieß inländischer 5800 bis 5900 K., Maisgrieß 3900 bis 4000 K., Weizenmehl Nuller inländisches 5200 bis 5300 K., ungarisches doppelgriffig 4700 bis 4800 K.. 2.25 bis 2.30 tschech. K., griffig 4500 bis 4800 K., 2.20 bis 2.25 tschech. K., Kochmehl inländisches Ha 4700 bis 4800, Brotmehl inländisches Ia 4200 bis 4300 K., Futtermesl Ia 2000 bis 2050 K., Noggemnehl inländisches Ia 3400 bis 3500 K.s Kleie 1225 bis 1275 K. BaumwollmaM. Dew-Aerst, 13. August. Banmwollzufuhren in den atlant. und Golfhafen 7000, im Innern-, Ausfuhr nach Großbritannien -, nach dem Kontinent-. Lokalmarkt middling: 25.15 (gestern 25.25). Tendenz: stetig. — Termine: August 24.70, September 24.70, Oktober 16. August 1928 Nr. 1819 28.92, November 23.90, Dezember 23.91, Zäune: 23.8H Februar März 23.73, April Mai 23.6 5 Juni Juli 23.42. Prager Börse. Prag. 14. August. Die Börse crclffn-etc imbcv Erwart«» in behaupteter Stimmung, illur in ganz i>cveiu^cilleu Falle» zeigten sichleichte Mckgange. B-abd nach Beginn stell'« sich , wieder Kauflust ein. die besonders Industri^oeoteii zu Kurssteigennngen verhalf, so daß diese in den meisten Fallen oeu gestrigen Stand erreichten. Erheblicher zogen Diohin. Zucker-, BSHm. Handelsnud Känigshoscr-Aktien au. Dagegen hc-i klinideten Eisen-, Chemische- -und Branerei-Alktien -eit« schwache Haltung. Im wetteren Berlausc belebte sich 5tf8 Geschäft etwas. Transportpatziere verkehrten nicht glleechuratz'.g,- Heinnische und Wiener Banken vorwiegend schwächer. Auf dem Exvtenmarkte waren Schvnpriaseuer- und Bulgarische ZuckerEktien niedriger gehalten. Der Schluß war' fest bei ruhigem Verkehr. S ch l u ß k u r s e: Türk. Eisenbahn-Anleihe 46.0 Frankst —, Böhm. Uuionbauk 440—, Böhm. Eskomptevauk 406.—, Böhm. Jndustrialbank 438.—, Zivuoftrnska Banka 427.—, Anglobank 160.-, Oesterr. Kredit 147.-, Wiener UnioiibaH 207.—, Wiener Bankverein 104.50, Buschtichrader Eisenbcih, Lit. A 670.-, Sit. B 216.-, Ferdinands-Nordbahn 8900.— Prag-Duxer 195.—, Aussig-Teplitzer Eisenbahn 1635.—, Nestomitzer Zuckeriiitolstrie 1495.—, Vereinigte Elektrizität Wiet 202.—, Brosche 1425.—, Kolrner Spiritus 1180.—, KönigShofer Zement 1190.—, Breitfeld-Danek 495.—> Ringhoffer 780.—> Simmeringer 197.—, Rothkosteletzer Textil 323.—, Alpine Montan 376.-, Poldihütte 490.-, Prager Eisen 1215.-, Oesterr Berg u. Hütten 2980.—. Skoda 575.—. Jnwald 562.—. Sie Devisenkurse. Berlin, 14. August. (Devisenkurse.) Amsterdam 1,183.035.- (1,460.340.-), Belgien 137.655.- (165.585.-), CW stiania 494.760.- (564.485.-), Kopenhagen 552.616.- (682.290.—) Stockholm 799.995.- (987.525.-), Italienische 127.689.- (159.600.-), London 13,715.625.- (16,957.500.-), New-Yort 2,992.500.- (3,600.750.-), Paris 165.5855-(207.480.-), Schwell 542.640.— (674.310.-). Spanien 403.987.50 (508.725.—), Wi«v 4289.- (5286.50), Prag 88.777.- (109.725.-), Budapest 159.60 (204.48), Sofia 24 937.— (33.416.-), Belgrad 31.d20.-M (39.400.-). Berlin, 14. August. (Notenkurse.) — Noten: Dollai 2,992.500.- (3,690.750.-), Pfund 13,715.625 - (17,057.500.—V Jtalieuische 126.183- (158.602.-), Polnische 1400.- (1650.-), Tschecho-slowakische 87.580.— (109.625.—), Oesterr. gestempelte 4089.- (4987.-). Prag, 14. August. (Devisenkurse. — Mitgeteilt vorc Bmrkamte des tschecho-slowakischeu Finanzministeriums.) -♦ Berlin 0.14'/. (0.10"/,), Zürich 622.75 (624.75), Parik 190.25 (191.75), London 155.37 (155.37), Netv-Ydö 34.05 (34.05), Belgrad 36.62 (36.70), Bukarest — Wien 4.62‘A (4.61), Warschau 1.441/* (1.44V,), Agraff -.- (-.-), Budapest 17.50 (18.-), Jugoslawisch, 36.50 (36.60), Österreichische gestempelte Krone 4.62'A (4.651 Polnische 1.64'/. (1.39-,.), Ungarische 11.75 (12.75). Budapest» 14. August. (Kurse der Devisenzentrale.) — Amsterdam 7510 bis 7710, Bukarest 87.— bis 94.—, Kopenhagen 3492 bis 3612, Christiania 3115 bis 3236, London 87.205 bis 89.600, Berlin 0.0060 bis 0.0080, Italien 820.— bis 866.—, Paris 1080.-bis 1116.-, Prag 665.- bis 589.-. Stockholm 5057 bis 5237. Zürich 3440 bis 3560, Wien'' 0.2680 bis 0.2820; Sofia 136.- bis 173.-, Belgrad 202.- bis 210.—, New-Yorß 19.100 bis 19.700, Warschau 0.0630 bis 0.0930, Brüssel 878.w bis 918.-. Belgrad, 14. August. (Devisenkurse.) London 436.M bis Paris 532.- bis New-York 94(0.- bis -W Genf 1720.— bis —Saloniki —bis —, Mailand 406.- bis Prag 279.- bis Berlin 0.0280 bi?» Wien 0.1320 bis - Bukarest 41.50 bis —Sofi< 80- bis Budapest 0.50 bis Brüssel 425.- bis —, Amsterdam 3750.— bis —, Warschau —.— bis —, New-Pork, 13. August. (Devisen.) London 457, Pari- 554.75, Berlin 0.0633, Mailand 426.—, Zürich 1804.—, Kopenhagen 1837.—, Stockholm 2667.—, Christiania 1645, Amsterdam 3930.-, Prag 292-, Wien 0.14, Budapest 0,50, Bukarest 47.50, Warschau 0.0425, Madrid 1357.-, Helsingfors 278.-, Brüssel 457.—, Kanada 25/,„ u. p., Brasilien 101.86, Argen-« tinien 3383.-, Belgrad 107.-. * Copyright 1923 Nachdrnik verboten. R»L5wit*V0rlag,W(«a-Le!pzly» (64. Fortsetzung.) 3u Polens Wäldern. Roman von I. Opatofchn. Uutorisievte UebertraMng aus dem Jüdischen von S i e g f r i e L Schmitz. „Woher kommst du?" — der Rabbi wurde weicher. „Aus Ciechanolv, heiliger Rabbi." „Du hast doch dort einen Rabbi, Reb Awve-Ml ist Vichts wert?" ,Mb Awresinl, ex lebe lang, hat mir kernen Himstigen Bescheid gegeben." „Da willst du also, ich möge dir eine Crlauibnis geben, die er versagt hat?" Der JirÄe antwortete nicht; schuldbewußt Mug er die Augen nieder. „Affo laß hören!" „Seit dreißig Jahren, heiliger Rabbi, versorge ich ganz Eiechanow mit Wasser." „Du bist ein Wasserträger?" ,^Ja, heiliger Rabbi. Jetzt könnte ich heiraten: . . „Du bist ein Witwer?" ,^Jch bin noch Junggeselle, heiliger Rabbi! Die Stadt erlaubt mir aber nicht zu heiraten, sie sagt, ein Bastard dürfe in der Gemeinde keinen Haus-stand gründen." ,Haft du deine Eltern gekannt?" \ „Nein, heiliger Rabbi." .„Und bit könntest heiraten?" „Ja, heiliger Rabbi . . . eine Witwe mit Mechundert GuDen Mitgift..." „Nun, was sagst toi?" — der Rabbi wandte sich an Reh Jtsche, welcher die ganze Zeit dabei gestanden war und zuge'hört hatte —. ,Oin Jude soll heiraten!" „Es wäre aber gut", — warf Reb Jtsche ein —" wenn er in eine andere Stadt übersiedeln würde, mu den Leuten kein Aergeruis zu geben." „Fahr nach .Hause und heirate!" schrie der Rabbi den Wasserträger an — „Sage Reb Awrejml aus Ciechanow, daß ich, Mendel aus Kozk, es erlaube!" Reb Jtsche, welcher seinen schwarzen Bart Zwischen den Lippen hielt, ließ ihn los, als der Wasserträger das Zimmer verließ und begann: „Die Stelle in Kohelet'h „Ich saß und sah die Beraubten . . ." legt Rabbi Daniel Eha-jta aus, daß damit die Bastarde gemeint seien. Wenn sein Vater sündig war und zu einem sündigen Weib ging, was kann der avme Wasserträger dafür? Und wenn das Shrchedrion durch die Gerechtsame der Thora, die es sich selber schuf, die Bastarde aus der Gemeinschaft Israels ausschloß und keiner da ist,'der sie tröstete, so sagt der Herr der Welt: „Ich will sie trösten!" Wenn das Shvkhedrionsie vor der Welt erniedrigt hat, so werden sie vor mir auf jener Welt wie goldene Armleuchter erstrahlen." „Westen Deutung ist das?" — der Rabbi legte eine Hand ans Ohr, um bester zu hören. „Von Rabbi Daniel Chajita." „Ach was!" — Der Rabbi verzog Ärs Gesicht, als wäre Chasita damit erledigt — „Sofort ist ein fertiger Spruch, ein Rezept vorhanden! . . . Wie kann ein Mensch alles aus sich stellen, in allem sicher sein? Ich halte es mit Schamar! Wenn zu mir ein Fremder käme mit der Bitte, ich möchte ihm die ganze Thora in einem Satz sichenden Fußes lehren, ich würde ihn hinaus jagen! Mir könnte gar nicht er-nifallen, daß der Satz ,Mebe tonnen Nächsten wie dich selbst!" Vas ganze Wesen des Judentums m sich entMt! Denn es ist nicht so und es wird nicht so sein! Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" — der Rabbi faßte sich Leim Bart —, „das ist vielleicht die höchste Stufe, die nur einzelne mit ihrem Geist begreifen können; aber ein gewöhnlicher Mensch ans Wersch und Blut, der nicht ruht tvie der Sanrbatjan, der. jeden Tag, jede Stunde stirbt, was hat der zu tun mit" — der Rabbi brach plötzlich ab, blieb müde sitzen und machte eine Handbewegung. „Unnützes Gerede! Läge das.ganze Wesen des Judentuurs wirklich in dem Satz „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst!" von uns .iväre keine Spur mehr übrig geblieben. Weißt du, ivaruim? Weil der Mensch schon von Natur ans keine Liebe zum Nächsten hat! Was sage ich? Eine viel niedrigere Stufe, wie zum Beispiel Mittel besitzt ft auch nicht! Es muß schon einem ein Fuß fehlen oder eine Hand oder er muß halb ver-< hungert sein, damit bei irns Mitleid für ihn entstehe. Und doch wimmelt cs um uns von tausenden Menschen mit Händen und Füßen und ihre Leihen sind ameudlich, tausend- •weil größer als bei einem, dem die Hand fchlt! Die Men^ schen lechz-en nach em bißchen Mitleid uutb vergehen danach vor unseren Augen, aber wir gehet: rrchig vorüber, als wäre nichts geschehen! Wie kann da die Rede sein von Nächstensiebe? Ich sage dir, ein Glück, daß in jedem vov uns ein Funke von Schamai steckt!" „Aber warum seid Ihr, Rabbi, so milde?" — fragte Rob Jtsche. „Bon mir sprich nicht! Ich und Gott..." Reb Jtsche deutete auf Mordechai. Der startd rnv offenem Munde da, das Leid in seinen Augen flammte, er^ war bereit, sich Rabbi Mendele zu Füßen zu werfen; plötzlich merkte er, daß er störte und ging langsam hinaus. Irr der Tür begegnete ihm ein älterer Manu miß eineim langen Bart und einem weißen Schafpelz ohn^ Ueberzug, wie ihn Bauern trugen. Er klopfte den Schnee von seinen Schuhen und fragte Mordechai furchtsam: „Wo ist der heilige Rabbi, er lebe lange?" Mordechai zeigte ihm den Rabbi. Der Mann trat sofort ans den Rabbi zu, nahm die Pelzmütze ab und ehe es jemand verhindern konnte, siel er nieder und begann derr Saunt des ioeißen seidenen Kastans ztt lüsten. In der Meiunug, er sei ein Dhrist, wollte der Rabbi den Schamlnes rufen, der polnisch sprach. Jnzwstchen hatte sich der Jude erhoben und mit dom Hute M der, Hand plaM er heraus: „Heiliger Rabbi!" ,Mn Jude?" — der Rabbi hob die langen Wimpern unld lächelte — „sie werden mich schon bald zu einem Pfaffen machen! Warum stehst du ohne Hut da?" Vevwirrt zog der Jude seiverr Hut m uuä) blickte verlegen umher.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.