Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1619 (15.8.1923)
- Date
- 1923-08-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XIII. Zionistenk:onqress (Konqressausgabe). flnzelnummB* K100Q Wien: ZumAbhclen in der Expedition,II.,Taboratr.1*3, oder in einer Verschleisstelle (Trafik) monatl. K 28.000 Mit Portversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 28.000 Tschecho-SIowakei: Mon. K17. Jugoslawien: Mon. Dinar40. P o I e n: Mon. Mk.45.000. D e u t s cVi 1 a n d: Mon. Mk. 150.000. F r a n k r., Belgien: Monatl. Frcs. 8 Pf Nachzahlungen "WU bei Preiserhöhung« vorbehalteB ♦ Tsch«(hp-8lowik«l > tschech. K W Italien: Monatl. 10 J^re, Rumänien Mon, 90 Lei, Bulgarien Mon. 75 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 3 Redaktion u. Administration Wien, 11., T ahorstr asse 1 —3 Telepbone: 44-0-38,43-3-19» ab 6 vbr abds. 19-483.25-282 Tel.-Adr.: .Morgenzeitung" Wien Oesterreiohisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 Nr. 1619 Me«. MUwoK. 14. A«g«ft 1923 4. Jahrgang Der 13. WWenkongreß. Ae brlliirungen der Fraktionen bei der Mttmmuns. — Bertrauenskundgebung für Weizmann. (Spezialbericht dex „Wiener Morgenzeitung".) Karlsbad, 14. August. Vor der Abstimmung über die Decharge wurden in der Montag-Nachmittagssitzung 'von den verschiedenen Fraktionen ' und Gruppen Erklärungen abgeg eben. Die Erklärung des Misrächi lautet: Der Misrachi spricht der Exekutive seinen Dank aus für die hingebungsvolle Arbeit zugunsten des K er en Ha je sso d.. Gleichzeitig sieht er sich gezwungen, die E r s o l g l o s i g-k e i t der seit der Maudatserklärung geleisteten Politischen Arbeit festzustellen, der es. nicht, gelungen ist, die Mandatarmacht über den der Balfour-Deklamtion und dem Mandat widersprechenden Geist der Verwaltung von Erez Israel äufzuklären. . Im Hinblick darauf, daß die Leitung den vom 12. Kongreß angenommenen Beschluß über di: Einhaltung des Religionsgesetzes im öffentlichen Leben in keiner Weise durchgeführt hat, erklärt Per Misrachi, daß er der Exekuti-ve der Zionistischen Organisation sein B e rtrauen nicht aussprechen,.kann.. Namens der Fraktion, der Z i o n i st i s ch e n D e nt okt a te n verlas Abgeordneter I. G r ün bau m folgende Erklärung: Wir an e r k e n n en die a u ß e r o r d e n tlicheyAnstrengungen und Le i st u n ge\\ der sichen-M\ 1 {e-l-Mrden Aushau vch^M-Jsrael. Wir. hpdauevn jedoch^ daß der der ExekumG aP/dem Organ der Jewish Agency gegebene Auftrag, -den - jüdischen W.e l tko ngreß für' den Aufbau von Erez Israel vorzubereiten, nicht ausgeführt wurde. Wir bedauern auch die Art, in der die Propaganda für die Erweiterung der Jewish Agency geführt wurde,- weil durch die Argumentation und Formulierung des Problems die ideeellen, nationalen und demokratischen Prinzipien des Zionismus in Frage gestellt und dadurch die zionistischen Reihen selbst demoralisiert wurden. Wir billigen nicht die politische Tätigkeit der Exekutive als. ausführendes Organ der Jewish Agency, die sich auf der Karlsbader Jahreskonf-erenz konstituierte,v und stellen mit Erstaunen fest, daß sie bei der Verteidigung der dem jüdischen Volke auf Grund des Völkerrechtes gege« benen Rechte eine Nachgiebigkeit gezeigt hat, welche diese Rechte und ihre Lage in Gefahr bringt. Daher sind wir nicht in der Lage, für das Vertrauen zu stimmen und tvevden uns an der Abstimmung nicht beteiligen.; . Delegierter Meremeusky (Zxiro Zion) verlas namens seiner Fraktion eine Erklärung in jüdischer Sprache, die sich im Wesen weniger gegen die Zionistische Exekutive als vielmehr gegen die englische Politik in Palästina wendet. In dieser Erklärung wird festgestellt, daß die Leitung versucht, hat, die Lage zu bessern, doch wird die Form und Viethode ihrer Politik verurteilt. Die Leitung habe keinen genügenden Widerstand gegen die Angriffe der Paläftma-Regierung, ihrer antrtüdischen Beamten und der .einseitigen Politik des High. Co miss io ner s gezeigt. Eine Erklärung im ähnlichen Sinne gab. sodann namens der P o alle Z i o n Delegierter B e r t L o ck e r ab. Diese Fraktion ließ jedoch erklären, daß sie bereit' sei, an der Abstimmung über die Resolution der Hitachduth teilzunehmen, , wenn diese geteilt werde. (Dieser Antrag wurde, wie wir.bereits beichteten, angenommen und die Abstimmung geteilt durchgeführt.) Die Schlußerklärung wurde von der neuen Fraktion D r o r durch den Delegierten L o k s ch e n abgegeben, In dieser Erklärung wird gleichfalls gegen die Politik der Exekutive Stellung genommen und u. a. gesagt, daß sie den Weg schädlicher Illusionen betreten habe,' die gegenwärtig keine reale Basis haben,, was einen Verstoß gegen die demokratischen Prinzipien der Bewegung bedeute. Nach der Annahme der Resolution der Hitachduth, über welche wir bereits berichtet haben, hielt Dr. Artur Nuppiu sein Referat: „DieKolonisationsmöglichkeitenin Palästina", sodann wurde,um 12 U-hr nachts die Sitzung geschlossen. ' Nächste Sitzung Dienstag, 8 Uhr abends. Die Dienstagfttzung. Der ganze Tag war heute von Kommission §- sitz unge u cmsgesüllt. Ter Permanenzausschuß war uns unterbrochen versammelt. In den Delegiertenkreisen zirkulierten :im Laufe des Tages die mannigfaltigsten Gerüchte.' Es hieß, daß Präsident W e i z ma n n von der vom Kongveßl beschlossenen 'De r t r a ue n s re solut i o n nicht b e s r i e d i g t sei und daraus die politischen. K o n s e» q ue n z e n z i e h e n wolle. Infolgedessen' fänden zwischen -Mr iiüfa demdbübann des^«WMHaWHWAsHWtz^^ UnunteÄHchene^Beratnäigeir . sUtt? denen äuch ' VtzrtrÄer der Ländsmannschasi^N beigezogcn wurden. Dal Resultat dieser BesPrechüWtt'' Wardeine Vertrauen 8* kundg e-L-ü-ng'd esK ong resse die am Abend statt» fand. . Um halb' 9 Uhr abends' eröffnete der.Bizepräsidew Dr. Motzkin die Sitzung, wonach zunächst Ru bas ch o w sein Referat über die C h a l u.z - B e w e g atli § hielt. Weiters referierte Schachtel (Breslau) über den N a t i o n a l f o n d s. .Nach . ihn: referierte Dr. Jakol Weiner (Wien) Wer den Keren Hajessod u-nL Pros. Dr. Marburg (Berlin) über die h e b r ä i f ch i Universität in'Jernsalem. ' Hierauf erteilte der Vizepräsident das Wort den OberrabLiner von Wien und Präsidenten dcj Mionskomitees, Dr. CHajes, der nn Namen der vev einigten Landsmannschaften von Amerika, O e st e v ' reich, Deutschland, Rumänien, Ostun- Westgalizien, England, der Tschecho-Slo« wakei/ Kanada und den angeschlossenen kleinen Lands« Mannschaften folgeM Erklärungen abgab: Bor der Neuwahl der Exekutive halten die vereinig« ten Landsmannschaften es für eine zionistische Notwendig» keit, dem Präsidenten Weizmann, dem Führet . der Bewegung, ihren Dank und ihre herzliche An» erkennung für seine unvergleichliches Leistungen im Dienste der zioniMchen Sache aus« zusprechen .Die vereinigten Landsmannschaften wolle« ihn in seiner Arbeit mit allen Kräften nniers stützen und sprechen ihm ihr vollas Ber 11aitcf aus. An diese Erklärung schloß sich eine großeOvation des Kongresses für den Präsidenten an, dem ei» Blumen st ra-uß überreicht wuroe. Dr. W e i z m a n n nahm diese Kundgebung wortloZ entgegen und. der Kongreß setzte seine Arbeiten Wieder fort. Der - Professor der Pariser Universität, Dr. S l o u sch z, erstattete sein Referat über die Ausgrabungen in Palästina. - Die Sitzung dauert fort. Wegen telephonischet Störung , müssen wir den Inhalt der Referate folgen lassen Reue Fomen. Karlsbad, 14. August. ÄNit dem in der vorgestrigen Sitzung erteilten Vertrauensvotum hat der Kongreß die beiden großen politischen Debatten unter Einem beendigt. .Die Vorbedingungen für die Jewish Agency, den der Palästina- Regierung zur Seite zu stellenden jüdischen Beirat, wurden in der Amtstätigkeit der abtretenden Leitung geschaffen. Die Erweiterung der Jewish Agency zu einem das gesamte jüdifche Volk repräsentierenoen Organ ist aber eine Frage, die äußerst vorsichtig angefaßt werden muß. Der Kongreß hat seine Willensmeinung deutlich formuliert. Die Grundlagen der zionistischen Auffassung von der Judenfrage dürfen keinen Augenblick in Fragg^kommen. Sokolow hat dies als Bmsewvahrheit bezeichnet, aber es ist doch nicht zu umgehen, daß diese Binsenwahrheit nach außenhin. recht kräftig unterstrichen wird. Die Zionistische Organisaüou muß die Verpflichtungen, die ihr aus Artikel 4 des Mandatsverirages erwachsen, ausführen. Sie appelliert an das jüdische Volk, an dessen Horizont Palästina in greifbarer Nähe erschienen ist. Es muß mit Menschen und Mitteln besetzt, in den tatsächlichen Besitz der jüdischen Nation überführt werden. Alle Kritik, die an der Tätigkeit der verantwortlichen Personen in so reichem und vielfach in unverdient reichem Maße geübt wurde, befreit uns nicht davon, daß wir uns s e l b st die Vertrauensfrage stellen müssen: Ist von seiten der Zionisten wirklich alles geschehen? Haben wir alle wirklich unsere Kraft, unsere Mittel im notwendigen Ausmaße angewendet? ^HaVpt wir alle das getan, was andere- Wlre-rwie die Tschechen und Griechen, zum.Aufbau ihrer Zukunft getan haben? Ein Blick auf die Debatten, dir auf dem Kongreß mit dem heißen jüdischen Temperament geführt wurden, zeigt, wie sehr wir hinter den Anforderungen der Notwendigkeit zurückgeblieben sind. Wie weit stünde es schon in Palästina, wenn' wir selbst schon unsere Schuldigkeit getan hätten, und wie leicht wäre es uns, die Intrigen des Antijudentums durch die reale Macht des festen Besitzes zu zerstören! Präsident Weizmann hat in seiner RÄe so vorsichtig als es die Pflicht seiner Stellung vorschreibt, den Kreis unserer Feinde bezeichnet. Das Judentum begegnet einem Widerstande, der seit der Bestätigung des Mandats offensiv geworden ist und der mit großem Geschick immer gerade dort austritt, wo die schwachen Punkte der langen, durch fünf Weltteile laufenden Front, liegen, die wir verteidigen und halten müssen. Das Wort von dem Bankrott der zionistischen Arbeit wird uns heute aus dem antisemitischen Lag-:r zugerusen. Die Meister dieser Hetze wissen, daß nichts eine so starke psychologische Wirkung ausübt als der Ruf aus der feindlichen Reihe. Was man aus der eigenen Schar hört, das prüft und erwägt man, aber was der Feind ruft, das nimmt man als Tatsache hin. Der Zionismus ist nicht schwächer geworden, er hat den Besitz in Palästina in zwei Jahren verfünffacht. Er hat die Kosten der Siedlungen aus der Kraft des jüdischen Volkes gedeckt.^ Die Tschechen konnten ihre Etappenpvlitik aus der Budgetkraft des österreichsschen Staates stützen. Jede Nation hat ftemdes Kapital für sich investieren können. Das Judentum zahlt alles, was. es braucht, seine sozialen und charitcrtiven Bvdürsnisft ans der eigenen Tasche und muß nun auch für die Kosten des nationalen Aufbaues sorgen. Der zionistiiche SteneraPParat ist schwach, das ist in einer Zeit, ln der sich wohlorganisierte Nationen und Staaten.trotz aller fiskalischen Machtmittel in Währungskränipfen winden, kein Bankrott. Unser Aufgabenkreis ist größer geworden und damit sind auch, die Lasten gewachsen. Halten wir doch fest, daß dieses PalMna, das..wir au-zubauen haben,, im englischen Jnteressenkreise liegt..rnd' daß trotzdem die finanziellen und wirtschaftlichen Lasten, von uns getragen werdenmüssen. Bei jeder Gelegenheit wird im - Londoner ' Parlament erklärt,, das' palästinensische Budget wird ' von. Palästina astein getragen —»Palästina, das sind in dieser Bedeutung die 'Juden —, in einer anderen, im politischen Sinne des' Wortes^ waren wir es. Das . ist aber in Vetgessenheit' geraten. Sicherlich sind die trigonometrischen Punkte der britischen' Auffassung heute andere als noch vor zwei. Fahren. Auch auf diesem GeWe' sind» wir'schwach geworden durch die Schuld d'es-'Jüdentu'ms, das den 'großen nationalen politischen 'Inhalt des. Mandatsbertrages nicht erkannt hat, Der -ZivMnms ist nur eine Mnorre tat i im/Judentum,, die Majorität blieb reserviert und kühl. Vielleicht haben die Zionisten es 'an propagandistischer Intensität. fehlen lassen, . vielleicht haben die inneren Streitigkeiten im palästinensischen Judentum zu -viel Kräfte der Organisation , gebunden. Die Tatsache besteht ünd wir müssen sie aus der Welt schäften. Auf Grund der Leistungen, die wir vollbrachi haben, .treten wir an, die Kreise des Judentums heran, die' uns . bisher aus. der Ferne beobachteten,. liitb unsere ' Arbeit,. wie'! sie' s^gtep, mit ihrer Shüipäthie' begleiteten. Wir sind uns oesseri bewußt, daß wir auch in der Zukunft den Hauptteil der. Arbeitslast' werden txagen müssen. Wir wollen uns auch nicht aus der Verant« wörtung fortstehlen,^ die wir freiwillig, nur unter dem Zwange unseres' eigenen nationalen Empfindens ach .uns genommenhaben. Mer> wir müssen alle Kräfte des Volkes mobil machen. Wir haben den Rechtstite? auf Palästina^ fiir das jüdische Voll gebracht und' vont Völkerbund die Bestätigung erhalten. Das gesamti jüdische-Volk muß Mitwirken, damit ihm dieser Rechts titel erhälten bleibe. Es muß die Arbeit in Palästin< aus-ein neues und sicheres Fundamvü stellen. Du Arbeit, selbst muß zionistisch bleiben.