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Wiener Morgenzeitung · 1923-08-14 · Heft 1618 (14.8.1923) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1618 (14.8.1923)
Date
1923-08-14
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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s. Mi I ' Men, Dienstag ~~ Polem Sie Senatrfesfio». WVgekjnMsochm Mid Vermögensabgabe. — Wie innere Anleihe. Warschau, 13. August. (Tel. der ,,.Wr. Morgertztg.") Der Senat hält eine kurze Session ab, welche bereits heute schließen soll. UeLerdies wird am 2ö. August eine Sitzung der Frnanzwmmission des Senates und auch eine Plenarsitzung stattfinden. In Behandlung steht das B u d g e t Provisorium und die Vermögensabgabe. Der minister Linde legte im Senat die Grun-züge seiner Finanzpolitik dar, welche - Vergrößerung der Einnahmen und Verringerung der Ausgaben lauten. Die Rede unterschied sich nicht von der blassen Sejmrede des Finanzministers. Hervorznheben ist itur, daß nach den Erklärungen Lindes die Regierung eine innere Anleihe von tausend Milliarden Mark in Form von firnfProzen tigen Finanzbons plant. Ueb^rdies will sie eine neu« Serie von Goldguldenbons ansgeben, gegen welche die alten Bons eingetanscht werden sollen. Tie Besitzer der neuen Bons sollen das Recht haben, ihre Realisierung in Bargeld zu verlangen. lieber diese Ausführungen des Finanzministers führte der Senat eine lange Debatte ab, in welcher als Vertreter der Juben Senator Körner das Wort ergriff. Im Verlauf« seiner Rede kam er auch auf die Frage der S o n n - tagsruhe zu sprechen, welche in einem die Juden wirtschaftlich schädigenden Sinn gelöst wurde. Für das Schn lwesen. der nationalen Minderheiten habe der Staat keinen Groschen übrig. Die jüdischen Handwerker würden überall in ihren Gewerben geschädigt. Der Redner verwies auch auf die merkwürdige Tatsache, daß die Beamtinnen in den Telephonzentralen aus eigener Machtvollkommenheit Gespräche in jüdischer und hebräischer Sprache verbieten, obwohl die Verfassiing jedem Bürger Las Recht gibt, seine Umgangssprache zu benützen, und die Regierung durch eine eigene Verordnung an die Telephonämter darauf hingewiesen habe. Die wirtschaftliche und soziale Politik gegenüber der jüdischen Minderheit mache es den jüdischen Senatoren unmöglich, für das Budgetprovisorium der Regierung zu stimmen. Bei der Abstimmung nahm der Senat das Gesetz über das B u d g e t p r o v iforium obre Aenderung an. Das Gesetz über die Vermögensabgabe wird noch im Finanzausschuß des Senats beraten, welcher an dem von Sejm beschlossenen Entwurf einige ÄenLerungen vornehmen will; vor allem die, daß die unterste Grenze für die Vermögensabgabe ein Vermögen von 1Z.0 00 Goldsfranken sei. Tagesbericht. kine Sehenswürdigkeit des Kongrrffes. Aus Karlsbad schreibt mau uns: Der fei,re und mutige A b r a h a. m Schwadron hat in der Vorhalle des Schützenhauses einen Teil seiner Sammlung von.Origmalbriefen berühmter Juden ausgestellt, die er dem Jüdischen-Nationalmusemn in Jerusalem widmen wird. Die Ankündigung — zugleich ein Aufruf, das Unternehmen Lurch Spenden von Handschriften, Porträts und Medaillen zu fördern — ist von Abraham Schwadron selbst verfaßt und es ist angebracht, sie zu hören: „Wie jeder EÜPef««cktsch, dem das Gefühl unzeremonieller nicht fremd ist, wohl gerne das Bild und die Gchriftziige einer ihm werten, lieben Person fixiert und erhalten wjssen will, so muß es für jeden, der zu den Größen. seines Volkes ein Verhältnis von herzlich-intimer Verehrung hat, von Reiz und Wert sein, die Gesichts- und Schristznge dieser Menschen — das Intimste und Persönlichste, das' von ihnen zurückbleibt — zu kennen und für die Dauer und kommende Generationen aufbewahrt zu wissen. Abgesehen davon bildet di« Iuisammettfosfung' und Schaustellung einer solchen — natürlich: möglichst vollständigen — Sammlung gleichsam einen nach außen und innen wirkenden Pantheon der bedeutenden Persönlichkeiten der betreffenden Nation: sehet, diese haben wir hervorgebracht! Und neben dem Tempel der Verehrung findet sich eine Ecke — eine Schandecke, wenn einer will, und eine recht geräumige —, worin das Andenken jener gewahrt werden soll, welche die Gemeinschaft ihres Volkes verlassen haben. Auch sie gehören unserer Geschichte an und zu unserem Anteil an der Kultur der Welt. ' Manche Kostbarkeiten birgt dieser Glaskasten. Das letzte Notizbuch Grätzens und einen Brief Börnes, die Handschriften P«rezSmolenskis und Ben Jehudas, man begegnet der Rachel und der Henriette Herz, dem Nikolsburger Juden Sonnenfels, der Minister der Kaiserin Maria Theresia wurde, und nicht nur das Kasperl erfolgreich bekämpfte, sondern auch das hochnotpeinliche Verfahren und die Folter abschaffte. Kompert, Adolf Fischhof, L. A. Frantkel, Gustav Mahler, Otto Meininger, Sonnenthal, Schnitzler und noch eine ganze Zahl von Stücken respräsentieren das jüdische Wien von einst und jetzt. Abraham Schwadron ist selbst Führer durch den Schatz seiner Kostbarkeiten. Er hütet ihn mit treuer Sorgfalt, mit bestem Verständnis. Wer hier' mit ihm in Fühlung trat, wird seine Sammlung vergrößern, und wer diese Zeilen liest, möge eS ebenfalls tun. Seine Adresse lautet: Dr. Abraham Schwadron, Zloczow, Polen. Wiener MorgenzeitunA. —_.ryw,7 14. MWP M8 die amerikanisch-jüdischen HUfsgelder der Slowakei verwendet wurden. 8tve mtzsteriöse AffSre. Aus Karlsbad wird uns gemeldet: Seit längerer Zeit sind in der Slowakei und in Karst a t h o r u st l a n d Bedenken über die Art und Weise laut geworden, wie die vom American Central- JcwsRelies Committee für das jüdische Hilfs- und Aufbauwerk bestimmten Gelder verwendet werden. Die zu diesem Zwecke einem trennungsorthodoreu Komitee in Preßburg überwiesenen ansehnlichen Beträge sind zum großen Teil von amerikanischen Zionisten und M i s r a ch i gesammelt, ohne daß das Preßburger Komitee eine zionistische oder u'.isrochische Organisation irgendwie bedacht hätte. Der Hintergrund dieser Angelegenheit ist eingeweihi»» Kreisen kein Geheimnis mehr und hat vor Einigen Tagcn eine klare Beleuchtung in einem Interview erfahren, das der Prager Oberrabbiner 4 Dr. Heinrich Brody einem Vertreter de? International News Service (New-Pork) gewährt hat. Herr Oberrabbinsr Dr. B r o d h, welcher Präsident der Misrachiorganisation in der Tschecho-Slowakei ist, erklärte in dieser Unterredung, daß er, obzwar er von dem amerikanischen Hilfs-Zentralkomitee zum Mitgl-iede des Verteilungskomitees in Preßbnrg bestimmt worden war, nie in Kenntnis gefetzt wurde, daß eine Verteilung vorgenommen werde. Nun geht aus den öffentlichen Ausweisen hervor, daß die Ver- Zer Mdaveßer gentrsWedhof in Nammen. Budapest, 13. August. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Ein Teil des Bndcchester Zentralfriedhofes, und zwar jener, wo die Häftlinge des Budapcster Zuchthauses begraben sind, steht seit zwei Tagen in Brand. Das Feuer wurde durch eine vorbeisah^irde Lokomotive verursacht. Der Friedhaf brennt in einer Breite von zwei Onadratkilometern. Militär und Pioniere arbeiten mit der Feuerwehr an der Lokalisierung des Brandes. Großer Brand in Brest-LitowÄ. Aus B-r e st - 2 i t o w s f wird uns gemeldet: Samstag nachts brach cuu hiesigen Frachienbahnhos aus bisher unbekannter Ursache ein großer B r a-n d aus, der rasch um sich griff und in wenigen Stunden nahezu al le W a r e tt magazinc vernichtete. Der Schaden geht in die M i I l i a r d e n. Kongreß des Znternaüonale» Arbelterianen- Lundes in Mm. Heute wird in S chö nbr u nn unter dem Vorsitz von Mrs. R. Ro bi ns der z we i te K o ng re s; des Inter- 'nationalen A r b e i t e r i n n e n 'b n n d e s eröffnet, zu dem Delegierte aus allen Staaten Europas, ferner aus A m erika, S üdafri! a n nd A u st i a l i e n erschienen sind. Der Kongreß wird in seinem aus fünf Tage anberaumten Verhandlungen außer rein gewerkschaftlichen, auch Frauenfragen, behandeln. Zie deutsche Berfaffuugsfeier im Seitenstettentempel. Der Takt in der deutsch» n Gesandtschaft. Samstag den 11 d. fanden in Wien, auf Veranlassung der Wiener d-nitsciM Gesandtschaft, in den Gotteshäusern der einzelnen Kaufest innen aus Anlaß der Verfassungsfeier Fe st g a t t e sd i e n st e statt, lieber Ersuchen des deutschen Gesandten Dr. Pfeiffer wurde für die in Wien lebenden Juden aus dem Reiche im S t a d t i e m h e 1 ein Festgottesdienst veranstaltet. Während jedoch in der K a r l s k i r ch e Gesandter Dr. P f e i f l e r mit dem,Generalkonsul v. V iveitot, üu der enangelischen Kirche Gesandtschastsrat v. S ch a r s f e nll> e r o, Le.qätionsrat Saurntet und Legationsrar 3116 et ft an der kirchlichen Feier talnahmen, begnügt-- sich die deutsche Gesandtschaft, die Kultusgennirwe telephonisch um die Abhaltung des Gottesdienstes zu ersuchen, gleichzeitig telephonisch den für die Funktion beim Gottesdienste vorgesehenen Seelsorger zum Empfang bei der Gesandtschaft entladen zu lasten und gleichzeitig wieder telephonisch sich zu entch n l dige n, daß wegen der vielen Urlaube kein Vertreter der Gesandtschaft bei der synagogalen Feier antvesend jnn tonne. Die oben angeführte Lifte der Vertreter der deutschen Ges-andtschaf' her den anderen kirchlichen Veranstaltungen zeigt, daß es mit den. Urlauben nicht so schlimm bestellt ist, und daß höchstens das Taktgefühl der Gesandtschaft für die 'Zeit des jüdischen Festgottesdienstes auf Urlaub gegangen ist. Schließlich hat 'die deutsche Gesandtschaft in der Shuagoge das Gästrecht in Anspruch genommen und es war durchaus nicht notwendig. auch darin zu unterstreichen, daß man Juden gegenüber nicht einmal an die elementarsten Gesetze des Taktes gebunden erscheint. Herr Rabbiner Doktor Grunwald, der die Festprsdigt hielt, und dem also die telephonische Einladung gg.lt, hat jedenfalls mehr teilun.q durch das Preßburger Komitee, anÄefftznSWe! der Prsthaner R a d b irre r W e b er und der Rabbiner in Modra, Hir s chler. standen, auf höchst wMürliche! und mysteriöse Werse erfolgt ist. Im Ausweise des Re«! lief Committees, u. zw. in demselben Ausweise -und au' verschiedenen Stellen werden die gleichen Orte zweimal und dreimal, und zwar unter flow« ft schen, deutschen und» magyarischen Namen angeführt, was offenbar einen Berschleierctngsvcrsuch der Verwendung der Gel-! der darstellt. Außerdem werden im Ausweise Anstalten' angeführt, die nicht vorhanden sind, und Orte, die in' der Tschecho-Slowakei n i ch t e x i st i e r e n. Diese Enthüllungen des Prager Oberrabbiners > lassen eine strenge Revision der Sammelaktion als unerläßlich erscheinen. Bereits vor ein und zwei Jahren haben einzelne Rabbiner ans der Slowakei es verstanden, unter verschiedenen Titeln bedeutende Beträge ln! Amerika zu sammeln. ohr:e daß die O e f s e n t l i chkeit erfahren hätte, wofür diese Gelder verwendet werden. Alle diese Personen gebären der Agndah an. Die Enthüllung hat auf die in Karlsbad weilenden Mitglieder des Central Jews Relief Committee einen destvimi-erenden Eindruck gemacht. Es ist der Gedanke aufgetaucht, eine genaue Untersuchung der Auge-' legenhei! . unter eventueller Zuhilfenahme der G erichtsbeHörden vorzunehmen. Takt bewiesen, indem er unter solchen Umstäiwen vow dieser sonderbaren Einladung keinen Gebrauch machte.: Das Mitglied des KultnsvorstanÄes, B ö r s e r a t- I g n a 3 Glück, hat aus Anlaß der Versaffungsfeiev für die Kinder des R n h r g e b i e t e s 50 M i l-- lione.n Mark gespendet. Die leidenden Kinder des' Ruhrgebietes, die ganz unschuldig sino an den Folgen des französischere Imperialismus, der unglückseligen Politik und Taktik der deutschen Regierung, und der Takt-' losigkeit der deutschen Gesandtschaft, sollen all das tueftf büßen. '_ Der Ander. Heute tritt die paritätische Kommission zur Bostim». mung des Index für den Monat Juli zusammen. Mer Voraussicht nach, bürste der Index diefeö Monats ne so* t i v sein, da die zweimalige Ermäßigung des B t oU Preises, der Rückgang der Kohleupreise sowie dio Ermäßigung der Preise für verschiedene andere Lebensni i t tel, wie Fleisch und Gemüse, bei der Indcxberechnun^ ins Gewicht fallen: werden. Mit Rücksicht darauf, daß auh Grund der mit fou Bundesüngestellten. getroffenen Vereinbarungen, das Indexgesetz gegenwärtig außer Kraft ge-< setzt ist, wird sich der voraussichtliche-negative Index bei den Beamtengehältern nicht arrswirken. BersUechtemng des Wetters in Aussicht. Oesterreich hat wieder wolkenloses Wetter. In den west» lichen Alpenlündern ist es schon wieder warm. ^Innsbruck 'tll Grap), in den östlichen kühl Wien und Graz mittags 21 Grad). Von Island rückt ein barometrisches Mininnunt gegen Ettgland, das wahrscheinlich schon morgen bei uns das Wetter verMechtern wird. Voraussage: Schön Wetter nur mehr von kurzep Daner, zunächst rasche Tcmperaturzun-chime, vielleicht schon' heute nachmittags, wahrscheinlich aber erst morgen T r V butt fl, Gewitter u u-d Ab kühlnng. Die Lebemmittelmsirtte. In der Großmarkthatte war gestern nur schwacher Ver» kehr zu beobachten. Die Beschickung mit Fleischflattuugen aller Art war sehr gut ausgefallen, die Pveise blieben sowohl im Großhandel, als auch im Kleinverkcmf unverändert, doch ist mit eiuer.Berbilligung des Rindfleisches in der lausenden Woche zu rechnen? Aus den Gvünwarenmürkten sti-egett gelbe Bauernkartoffeln auf 1.AM K. pro Kilogramm, doch dürfte dieses Anziehen des Preises eine vorübergehende Erscheinung sein, da die Ernte sehr gut ist und große Sendurtgen tmterwegs sind. Sonst blieben die Preise im allgctneineu unverändert. Meine LokalchroM. Sonntag wurde nächst der Floridsdorfer Brücke die Leichs eines etwa 2yjährigetr mittelgroßen Mannes mit orientalischem. Typus, mit schwarzem stacheligen Haar dunklen Augen urtb bartlosem Gesicht gelandet. Das Gebiß im Unterkiefer ist mangelhaft.?lm 7. d. nachtnrttags ist in Krems der Gefreite des Infauteric-Meginlents Nr. 6 in Krems, Viktor K i e s w e t t e r/ beim Baden im offenen Donaustrom ertrunken. Gestertr vormittags wurde in der Klosterneuburgerstraße die Modistin Katharitra Katz von einem Auto niedergestoßen/ Sie e-rlitt schwere Verletzuttgen. Der Chauffeur, der Sonntag abends in angeheitert t em Zustande in der Josefstäoterstraße einen Zusammenstoß seims Autos mit der Straßenbahn herbeiführte, wobet zwei Personett verletzt wurden, konnte ermittelt werden. Cr heißt Karl Holzleit ner. Durch ein offcustehendes Fettster drang vorgestern nadjt&' ein Gauner in die Wohnung des Leopold Moser und stahl Gegenstände int Werte von lft Millirmen Kronen.

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