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Wiener Morgenzeitung · 1923-08-13 · Heft 1617 (13.8.1923) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1617 (13.8.1923)
Date
1923-08-13
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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\ 1 ' . Me«, Montag Meuer MovgvnizeLtung. Englands Antwort an Belgien. London, 13. August. (Tel. d. „Wr. MorqengÜttttfl".) Kurz nach Bekatintgabc des Znl,altes der Antwort an Frankreich wurde auch die Antwort- «ote an Belgien veröffentlicht. Diese ist darum interessanter, weil sie den englischen Standpunkt noch deutlicher zum Ausdruck bringt. In der Note wird betont, daß auch (Emittmb der Ansicht fei, daß Deutsch; a n d bis zur Grenze seiner Zahlungsfähigkeit bezahlen müsse, doch sei es uitn ü tz, ctuett fixen Betr a g fe stzu setzen, ehe die Zahlungsfähigkeit Deutschlands durch Sachverständige fastgestellt sei. Deutschland könne nur bezahlen, wenn seine Finanzen wieder heracstellt lmtrbcn, und dies könne nur dann eintreten. wenn das deutsche Budget einen U e b e r s ch u ß ausweise. Jede Interventiou aber, die das W irtschaftsleben Deutschlands nur weiter erschüttere, müsse vermieden werden, auch wenn Deutschlands Handlungen aus den ersten Blick hin nicht mit dem Versailler Vertrag übereinstimmeu. Der Hinweis auf die deutsche Besetzung vom Jahre 1871 ist nicht am Platze, da die damalige Besetzung französischen Gebietes mit den Friedenspräliminarien in Einklang starken. In der Frage der K r i e g s s ch u l d c n der Alliierten wiederholt die Note den englischen Standpunkt, diese Frage erst dann behandeln wollen, wenn die Reparatio nsfrage gelöst sei. Buchdmckerftrett in München. Wegen des Bnvoles der „Mümhener Post". München. 12. August. Änläßliches des Verbotes der „Münchener Post" haben gestern die Buchdrucker beschlossen, irr einen Streik einzutreten, beziehungsweise den Streik auszudehnen, bis das Verbot der „Münchener Post" wieder aufgehoben ist. Das Verbot der „Münchener Post" wurde mit Wirkung vom Dienstag an aufgehoben. Ob morgen die Blätter erscheinen können, stecht noch nicht fest. NatWerung des Sattfetmet Friede«» durch Griechenland. Athen, 12 August. (Havas.) Wie die Blätter melden, wird der Vertrag von Lausanne gleichzeitig in Angora und Athen durch Gesetzesdekret ratifiziert werden. Amerika und Rußland. London, 13. August. (Tel. d. „Wr. Mvrgenzertung".) Me aus Moskau gemeldet wird, ist der amerikanische Senator. Mac K e l e r zürn Stubium der russischen Verhältnisse in Moskau e i n g e i t o f* ftn. Tagesbericht. Sie österreichische Ausstellung in Lyon abgebrannt. Paris, 12. August. (Wolfs.) Wie die MorgenblAter aus Lyon melden, ist in der vergangenen Nacht durch ein Fever das Gebäude zerstört worden, in dem sich die aus der Lyoner Ausstellung vom Jahre M4 stammenden österreichischen und deutschen Gegenstände von hohem Wert befanden. Das Feuer soll durch Kurzschluß entstanden sein. Bom r-S«g gestürzt. Vor einigen Tagen ist der Preßburgcr "Arzt Tr. Paul Lenart das Opfer eines Eisenbahmutsalics geworden. Doktat Senatt ist im Pollervs - Tunne l auf drnr Scmnreting aus dem Speisewagen des D-Zuges gestürzt. Die 'Erhebungen übet diesen llirglücksfall ergaben, daß Dr. Leucin aus dem Speisewagen in seinen Wagen znrückkehren wollte And dabei infolge Nachgebe ns der B erb ludtt 1tg zwischen zwei Waggons aus das Geleise gestürzt ist. Nähere Einzelheiten sind bisher nicht sestgestellt. kt« Kind in Bade» verschwunden. In Baden erregt das Verschwinden eines zehnjährigen Knaben lebhaftes "Aufsehen. Es handelt sich nur den einzigen Sohn einer Näherin, die ihren Knaben letzten Donnerstag eine Kleinigkeit besorgen ließ. Er ist seither nicht mehr zurückgekehrt, und all? Nachforschungen nach seinem Verbleib find bisher ergebnislos geblieben. Die Möglichkeit eines Verbrechens ' dem er zum Opfer gefallen ist, erscheint nicht.ausgeschlossen, doch ist es 'wahrscheinlich, daß der Knabe,- der mit einer Kinderaktion in Holland'weilte und gerade iw letzter. Zelt wiederholt den Wunsch äußerte, wieder nach Holland zu fahren, auf die . Idee verfallen ist,-die Reise ans eigene Fgust zu unternehmen, obwohl er nur über einen sehr kleinen Geldbetrag verfügte. Ae AntounsMe des Sonntags. Der gestrige Sonntag hat wieder eine ganze Reihe ' von Autounfällen sowohl in Wien als auch außerhalb der Möbelfabrik J. Spira Feine 'm M.!||„ MmlWMi 1—3 Wohnungseinrichtungen. (Ecke Karl Schweighofergasse Stadt gebracht. In der Nähe von Enns hat sich ein Autvunsall ereignet, bei dom eine Wiener .Dame den Tod erlitt. Eide Wiener Gesellschaft, .bestehend ans dem Fabrikanten Harry Schnabel, Frau Ria Brüll und Karl S m r c k a fuhr mit einem Autotaxi, das der Besitzer Anton Skala lenkte, von Wien nach Ischl. Angeblich infolge Platzens der Pneumatik verlor der Führer die Herrschaft über den Wagen und fuhr an eine Telegraphen st ange an. Der Mast wurde umgebrochen und Frau Brüll mit voller Wucht an die Stange geschleudert. Sie hatte so schwere Verletzungen erlitten, daß sic innerhalb weniger Minuten infolge innerer B l u tu u g e n st a r b. Auch Herr Schnabel hat leichtere Verletzungen erlitten. An der Ecke der Auerspergstraße und der Iosefstädterstraße fuhr gestern abends ein Automobil an die Planken, die sich vor einem in Reparatur stehenden Geschäftslokal befinden. Eine im Wagen sitzende Dame erlitt mehrfache Verletzungen. — Bei einer Probefahrt, die der Chauffeur Färber ans der Simmeringcc Hauptstraße mit einem Auto unternahm, fuhr der Wagen gegen zwei Bäume und einen Randstein. Einer der Insassen des Wagens erlitt eine Gehirnerschütterung. — Auf dem Wiedner Gürtel ivurde der Beamte Ludwig S ch in i d t beim Uebersetzen des Fahrdammes von einem Auto niedergestoßen und überfahren. Er erlitt mehrfache Verletzungen. Jer verschwundene Pensionist. Wie berichtet, ist der pensionierte Postbeamte Georg Baumgartner, Laaerstraße 62, seit dem 9. d. M. , ans feinem Wohnhause verschwunden. Er hatte am kritischen Abend lm Gasthaus Spira am Viktor Adler-Platz in Begleitung zweier Bekannten geweilt. hatte sich dann bei in Verlassen des Gasthauses von diesen getrennt und war in der Richtung des in der Nähe liegenden ZiegeleitcichcS gegen sein Wohnhaus gegangen und ist seither verschwunden. Im Sicherheitsbureau befaßt sich nun seit dem Bekanntwcrden dieses rätselhaften Verschwindens des Pensionisten Polizeirat We gl unter der Leitung des Regierung^ rates Dr. Weybora mit der Aufklärung dieses überaus rätselhaften Falles. Die Angehörigen des Vermißten ver- . muten, daß er vrellcicht auf dem Heimwege in der Dunkcl«- hcit in den Zicgeleiteich gestürzt rst, doch sind dafür noch keine Anhaltspunkte vorhanden. Gestern früh haben sich nun zwei Zeugen gemeldet, die im Sicherheitsbuveau die Mitteilung machten, daß sie in der Nähe des Wohnhauses des Baumgartner sowie an einer Stelle am Rande des Ziegeleiteiches Blutspuren gesehen hätten. Regierungsrat Weybora ließ sofort Kriminalbeamte an die Stellen entsenden und sie fanden tatsächlich im Grase an beiden bozeichneten Stellen c in g e tr o ckne t e Blutspuren. Nunmehr begab sich Polizeirat Wegl mit zwei Polizei? Hunden an du Stellen und ließ die beiden Hunde Witterung nehmen. Beide Hunde, führten gegen den Teich, sprangen hinein und schwammen dann, im Wasser suchend, umher, was also daraus schließen ließe, daß der Mann in den Teich gefallen ist. Auch als Polizelral Wegl die Polizeihunde an einem Kleidungsstück des Vermißten Witterung nehmen ließ, führten sie wieder in den Ziege rer t e r ch hinem. Ta die Vermutung bestärkt wurde, daß sich vielleicht die Leiche des Vermißten in - dem Teich befinden könnte, cuwirkie Regierungsral Dr. Weybora bei der Zentrale der ftätdlschen B c r u f s s c u e r w c T) r, daß ein Feuerwehrauto mit Mannschaft im Laufe des Sonntagnachmittags zum. Zregeikiteich fuhr und das User im weiten Um" kreis bis zum Grunde a b s n ck t e, ohne jedoch zu einem positiven Resirliate ju kommen. Im Lause des gestrigen Sonntages meldete mm "N IZjähnges Kind, daß es vor einigen Tagen an der kritischen Stelle eur anderes Kind gesehen habe, da^s an s d e r N as e blutete und sich deshalb an den Rand des ilsers des Teiches begab, um mit Hilfe des Wassers diw Blut zu stillen. Es wäre daher t>ou Wichtigkeit, wenn sich dieses Krnd im Sicherheitsbureau melden würde. * Dmckfeplcr--Perich-ttgu»st. In unseren, gestrigen „K o n g r e ß t a g e b i, eh" hat sich ein siunstörendcr Druckfehler ein ge sch liehe». Im letzte». Absatz soll cs nicht heißen: „gleich zu Beginn seiner herrlichen und taktischen Rede..." sondern es soll richtig heißen: „Gleich zil Beginn seiner herrlich u » i a l t i s ch e n Rede..." * Ein Restaurant als Bölkermnseum. Das intcriiationcile Restaurant ist das „Eabareteria" in der Filuchauptstadt der Welt Universal City in Kalifornien. Es ist ideal gelegen: freier Ausblick auf den Strand, wo der Stille Ozean weiszkämiirige Wellenberge gegen die Felsen wirst, und im Rücket, die Prachtcntfaltnng Kaliforniens. Alles, was die Natur. zu bieten hat, Gärteil und Wüste, Gebirge und Urwald, breiten sich hier aus. Eine Stätte, wie sie kaum besser für Fikncmfnahmen zu s'mbett ist. .Hier erstehen die Werke des großen ameManischen Filmkonzerns der Universal Pictures Corporation. Das „Cabareteria"" ist ein.Restaurant großen Stils. Mehr als 1209 Diners tverden hier in einer Stunde zur Mittagszeit serviert. Alle Völker und Nationen sind da zusammengewürfelt: Weiße, Gelbe, Rote und^ Schwarte aus allen Weltteilen finden sich in diefemRestaurarit friedlich zusammen, nachdem sie vielleicht wenige Minuten zuvor sich vor der Kamera' bekämpft haben, viels noch geschminkt und kostümiert. Trachten Vevschiedcner Zertailter tauchen in. buntem Durcheinander vor den Augen des Beschauers auf, und so ist dieises Restaurant nicht nur der Tummelplatz aller Böller und Sprachen., solchem auch eine Schaustellung hochinteressanter Kostümsammlungen. Dazwischen sieht man berühmte amerikanische Filmstars und Regisseure. Wie schon 'der Name „Cabaveter-ia" sagt, ist dieser Ort nicht GsSiTmSRäumungiverltauf 18 . MHH 1923 Nr. 1617 nur ein Wirtschaftsbetrieb, sondern dient auch der Unterhaltung.' Eine gute Küche dient dem leiblichen Wohl. Dieses Kabarett gehört zu den Sehenswürdigkeiten Kaliforniens. Der Hausarzt. Redigiert van Dr. Sanel Beer. Neue Behandlungsmethoden bei Tuberkulose. Die Behandlung der Lungentuberkulose beschränkte sich bisher im allgemeinen auf die Heilstätten- Und Freiluftbehandlung. Aehnlich wie man einett gebrochenen Arm etwa in einer Schlinge ruhig stellt, .versucht matt, durch dauernde Liegekur in frischer, reiner Luft die Ruhigstellung der erkrankten Lungen und erwartet durch eine Schonungskur die Heilung. Tatsächlich wird durch diese Rnhekur die Lüftung der Lungen beschränkt, die' Atmungen werden 'oberflächlicher.und weniger ausgiebig, was auch irt einem geringeren Sauerstoffverbranch zum Ausdruck kommt. Während einzelne Aerzte diese Behandlungsmethode der fahret angcn Ausschaltung aus'dem Berufsleben möglichst hinausschieben, treten einzelne. Autoren für eine gewisse Uebuug und Stt nlmig der Lungen ein, wenn die schweren Erscheine o('geklungen sind, und verfahren hier ähnlich wie bei einem Knochcnbruch, bei dem sie Nach anfänglicher Ruhigstelluug Arbeitstherapie anwenden,' um der Erschlaffung vorzubengen. Nach Entdeckung des die Tuberkulose verursachenden Erregers, des Tnberkelbazillus, ging man zur sogenannten spezifischen Therapie über, indem man die verschiedenst hergestellten Tuberkuline (die Gegengiftstofie enthalten) den Patienten einsprihte. Trotz gelegentlicher'Erfolge^'mit dieser Methode ist der wirkl-iche Heilstoff auf diesem Wege bisher nicht gefunden worden. - Die während und nach dem Kriege stark in.der Zunahme begriffene Tuberkulose, die hauptsächlich das Jugend- und Greiseualter befiel, lässt die Tuberkuloseforscher nicht ruhen, Fast täglich hört, man von neuen Heilmitteln, die sich leider meist als irrig Herausstellen. Die neuesten BLstrebnngcn gehen dahin, ein Heilmittel zur Einatmung in die Lungen zu entdeckest. Bor vielen Jahren hat gerade in Wien ein Arzt. Dr. Hjigo Bayer, einen Apparat konstruiert, der die Ber-sprahung eines flüchtigen Medikamentes bis tief in die Litngen ermöglicht. Die angewenvetön Medikamente scheinen aber keine Zerstörung der Bazillen zu bewirken. Vielleicht hat das neuere Inhalationsmittel von Professor Weninger in Berliu, überchds kürzlich berichtet wurde, mehr Erfolg. Es beruht ebenfalls auf denc Prinzipe der chemischen Aibtötilng der Bazillen. Indessen hat ein anderes Heilverfahren bei der Behandlung der Lungentuberkulose vielversprechende Erfolge aufzuweisen. Es ist dieö die Anlegung des sogenannten „künstlichen Pneumothorax:^, der künstlichen Gasansanrnrlnng im Brustsellraume. Dieses neue Verfahren wurde zum ersten Male vom italienischen Arzte Förlamnr im Jahre 1986 angewendet, indem durch eine Lücke in dem Zwischenrippenraume m die Brusthöhle ein Gas eingelassen wird, wodurch der diesen Na um ansfüllende Lungeufiügel zusammenfüllt und van der Atmung ausgeschaltet wird. Die kranke Lunge,, die zum Zusammen klappen" gebracht wird, wird so künstlich ruhig' gestellt, indes die andere Lungenhälfte kompensatorisch die Arbeit übernimmt. Mit der Nuhigsjellnng der erkrankten Partie wird auch die Ansbreitnng des Prozesses verhindert, die etwa vorhandenen Höhlen fallen zusammen, es tritt durch Wegfall von Fieber irud Verringerung des AuslvurfeS eine Bessenmg des AllgemeinbefiudeilS ein. Durch die Anlegung des künstlichen Pnenmothvrar wird die ganze Blntverteifimg in der erkrankten Partie geändert, die Lunge wird zu einem festen Organ, es bildet sich Narbellgewebe. Der Prozeß kapselt sich ab llnd verkalkt'rafch. Ist die Heilung'eingetreten, läßt man de'.r Pneuinothorax eiugehen, das heisst, mail füllt das ursprünglich eingelassene Gas, das sich ja beständig verbraucht, nicht mehr nad), der gesunde Teil der ausgeschalteten Lungcupartie kann sich wieder entfalten. Mit dieser scheinbar einfachen Methode könnte man alle Lungenkranken heilen. Es ist aber die künstliche Gasanfüllnng nltr dann möglich, lucitu die Erkrankung einseitig ist uub die andere Lungenhälfte praktisch als gesulrd zu bezeichnen ist, weil diese doch auch die Arbeit für die kranke Hälfte zil überuehmeu hat. Äian sollls also glauben, daß bei beginnender einseitiger Erkrankung sogleich mit dieser Methode behandelt werden sollte ~ in Wirklichkeit gehen aber die erfahrensten Lungenävzte anders vor. Da,der Pneumothorax immerhin mit gewissen Gefahren und Unannehmlichkeiten verbunden ist, so wird 2d zuerst mit der üblichen physikalisch-klimatischen Behandlung nebst guter Ernährung versucht. Wenn dieser Versuch die Heilung nicht herbeiführt, entschließt man sich bei hauptsächlich einseitiger Erkrankung zur Äasanfüllung. Der Patient bedarf aber nachher^ noch ein- bis ziveijähriger Beobachtung und Schonung» weshalb sich für diese Methode nur ernste, ruhige Naturen eignen. Kranke, die sich nicht besondere Schonung arrfevlegen können, leichtsinnig veranlagt, dern Nikotin- und Alkoholmißbvauch verfallen sind und allen Vergnügungen trotz ihrer Krankheit nachlaufen, müssen^ üm vorhinein ausgeschlossen iverden. Denn rminer II., Taborstraße 48 Tolaphon 47-1-70 En gros En detail

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