Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1617 (13.8.1923)
- Date
- 1923-08-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XIII. Zionistenkongress (Xongressausgabe) fifozelimiiuner K 700 Wies: Ztpn Abholern in der Expedition, IL,Tnbor str. 1-3, oder in einer Verscbleisstelle (Trafik) monatl. K 28.000 HfitPostversahd für Wien u. Oe&terr. monatl, K 28.000 Tsehecho-Slowakei: Mon. K17. Jugoslawien: Mon. Dinar40. Polen: Mon. Mk.45.0pÖ.D ent s chland: Mon. Mit; 150.000. F r ankr., Belgien: Monatl. Frcs.8 ■f N«ehaahl«tt?e& WMI bei Pfriterbohunsr« Vorbehalten 911.1617 Wiener Wien. Montag. 19. August 1923 Ts checho-Slowakei t tschoch. K 1.20 Italien: Monatl. 10 Lire, Rumänien Mon. 90 Lei, Bulgarien Moni 75 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Fres. 3 Redaktion u. Administration, Wien, II., Taborstrasse 1—31 Telephone: 44-0-38,43*3-19, ab 6Uhrabds.l9-483,16-301; Tel.« Adr.: ,Morgenzeitung*‘ Wien Oesterreichischtsa-Postspaf“ kassen-Konto Nr. 150.693 5. Jahrgang Ser 13. Ziomstenkongreß. (Spezialbericht der „Wiener Morgenzeitung".) Karlsbad, -12, August. Die Lage augenblicklich vollkommen ungeklärt. Präsident Weizman« sprach heute (Sonntag) vormittags in einer gemeinsamen Sitzung des Per in a- «enzausschusses und der politischen Kommission. Nach ihm hielt Ussischkin eine scharfe Oppvsitionsrede, die sich jedoch mehr gegen die englische Regierung als gegen Weizmann richtete. Es ist wenig wahrscheinlich, das; morgen nachmittags der Kongreß reif sein wird, um über die Vertrauensfrage abzustimmen. Heute die entscheidende Ätzung. Karlsbad, 13. Awmst. _ Heute nachmittags um halb 5 Uhr findet die entscheidende Sitzung des Kongresses statt. Wie Ihr Berichterstatter -erfahrt, wrvd über das Vertrauensvotum namentlich abgestimmt werden. Dann schließt sich eine Nachtsitzung an. Um die Zewish Agench. Karlsbad, 13. August. Die gestrige Koilgreßsitzung war mit der Debatte über das I e w i s h A g e n c y- R e f e rat S o l o w e i t s ch i k s ausgesüllt. Ein großer Teil der Delegierten war in den Ausschüssen festgehalten, die fieberhaft arbeiten, so daß der Saal stark gelichtet war. Hervorzuheben in diesem Borbericht ist die Rede des Delegierten Drb Daiches (England), der sich heftig gegen die Argumentation Grünbaums, wendete. Großen Eindruck machte wieder der Amerikaner! G o l d b e r g, der für die Erweiterung der. Iewrsh Agency sprach, während bezeichnenderweise Berl K a tz e n e l s o h n, der palästinensische Arbeiterführer, die Erweiterung der Iewish Agency unter demonstrativem Beifall der Linken a b l e h n t e. Die Krisenstimmunq kam in der Rede Doktor S ch w a r z b a r t s (Westgalizien) zum Ausdruck, der zur Einheit mahnte und sich gegen die ' leidenschaftliche Polemik, insbesondere der Oppositionsgruppe, wandte. Sonst waren die.Delegierten mehr daran interessiert, ob das Haus schon reif sei, die Vertrauensfrage zu behandeln. Keren Haiessod und Master. Karlsbad, 13. August. Die K e r e u H a j e s s o d- K o m m t f f t o n des Kongresses" : hielt gestern zwei Sitzungen-' ab, in welchen. vor allem -die M a a s s e rfrage behandelt wurde. Die große Majorität sprach . sich für die Beibehaltung des Maasscrs aus. Sie Sttnaüo« noch nicht gekört ist Regierungswechsel in “ Stnsemann, der neue Kanzler. — Sar neue Kabinett. — Mn Sozialdemokraten in der Regier««». — Generalstreik in Mitteidenttchland. Perlin, 13. August. (Del. der „Wiener Morgcuztg.".) Nun scheint es also doch zur innerpolitischen Klärung 51t kommen. Der von allen Seiten fallen gelassene Cuno ist spat nachts zurückgetreten und hat dadurch Platz'für eine neue Regierung gemacht. In dem Dcmissionsgesnch Cunos heißt es: „Aus der Entwicklung der letzten Tage habe ich die Ue'berzengung gewonnen, daß nach einer in weiten Kreisen der berufenen Vertretung des Volkes vorherrschenden Ansicht der entschlossene Wille zur Selbstbehauptung noch stärker und nachdrücklicher durch eine -Rgrerung verkörpert würde, die von einer K 0 a l i t i 0 n g r öfter Parteien gebildet und damit von einer starken, festen Mehrheit des Reichstages getragen ift Ich bitte daher, Herr Rüchpräsident, mein Amt und die Annter der Herren Reichsmmister in Ihre Hönde zurücklegen zu dürfen." Daraufhin hat Reichspräsident Ebcrt die Vertreter der bürgerlichen Parteien zu sich berufen und sie gebeten, die Persönlichkeit nanchast zu machen, die mit der Ka?- binettsbildimg betraut werden soll. Man nannte hierauf -den Führer der Deutschen Volkspartei, Abgeordneten Dr. S t r e s e nt 0 it it, der sofort vom Reichspräsidenten empfangen wurde und den Auftrag zur N e u b i ld n. n g des Kabinetts erhielt. Dr. S t r -2 s t m a n n n a h nl den Auftrag a u uitb' empfing unmittelbar darauf die Führer der Sozialdemokratischen Partei. Man hofft, daß es Stresemanngelingen wird, bis heute 3 Uhr nachmittags die neue Miuisterliste sertig-zustellen und im Reichstag da§ P r 0 g r a m nt der neuen Regierung zu verlese n. . Das neue Kabinett. ■ Rach den bisher vorliegenden Meldungen wird bekannt, daß bte' Sozialdemokraten vier Ministe rsi tz e beanspruchen und auf Ernemmng Dr. Hils e r d i n g s WM Reich s^ n an zm i n i st e r .und Abgeordneten Sol l m a n n zum Reichst n n e n m i n ister bestehen. Ferner Ümdidiert das Zentru m den bisherigen Re ichsarberts minist er Dr.. Braun,, die Demokrat e'n Dr. Gehler und die Bah risch e Volkspartei Abgeordneten Stiyiöl, die - alle, im Kabinett Carno Mmüsierpo-sten KeUerdet hatten. DaK Archenressort. In politischen Kreiselt verlautet, dal- Doltor S i r c s e m a n n vorübergeheitd auch das A u ß e ua uit verwältetr werde. Doch wird.erzählt, daß er die Absicht habe, dem gegenwärtigen d e u t s ch e n B 0 ts ch öfter itt R 0 m, N e u r a t h, zum Außenminister zu gewinnen. Generalstreik in Mitteldeutschland. Während in Berlin die kommunistische Gcueralstreikparole nur zum Teil befolgt wird und die sozialdemokratischen Arbeiter laut der ihnen von der Gewerkschaften erteilten Weisung weiter arbeiten, Hallen die K 0 mmunisten im mitteldeutschen Industriegebiet Ober h a n b gewonnen. In H alle hat eitle Konferenz der mitteldeutschen Betriebsräte stattgesunden, die ebenfalls unter dem Einfluß der K 0 min u n i st e n die General st r e i k p a r 0 l e ausgegebetl' hat. Es soll ab morgen tut gesamten mitteldeutschen In-- duftriegebiet der Generalstreik proklamiert werden. Die Lage -in Berlin. Berlin, 12. August. Streikende Kotnmuttisten habet: gestern ttnd heute mehrfach versucht, detr".Personettverkchr auf beit Berliner Bahtthöfett zum Stillstand zu bringen. und die Angestellten der Hoch- und der Untergrundbahn zur Niederlegung der Arbeit zu bewegen. Zu ernstereil Z u s a Nl m e n st ö ß e u kam es nur gestern ans dem Hermanuplatz in N e u - C ö l l u, wo' die Demonstranten Omnibusse anhieltett und umzuwerfen versuchten. Der Polizei gelang es, überall die Ordnung wieder herzustellen. - Während in den städtischen Gaswerken der Streik v ollständ ig du r chg eführt wird, wurde m - den; Elektrizitätswerken■ die Arbeit nur zum Te.rl eing e- - st e l l t. -Der Versuch, die E r s e n bahn e,n stillzulegen, ist miß ln n gen. Der Fernverkehr geht oh ne Störung von ftattcu, nur in den Vorortebahnhöfen sind Teilftreiks ansgebrochen. . Eine wesentliche Verschärfung :der Lage ist - jedoch dadurch eingetreten, daß es den Kommunisten; gelang, die Arbeiter' der R e i chis d r trck e r e i neuerdings für den St r-e i k zu gewinnen, sn daß'die N 0 te n p r e sse abermals still gelegt ist. Die Schwierigkeiten, die seit einigen Tagen in' den Lohnauszahlungen entstanden. .sind, durften daher noch mehrere Tage andanern. Die Leitung der Reichsdruckerer verhandelt augenblicklich mit der t e 'churschen N-othilfe, um den Betrieb wieder in Gang zu bringen. Blutige Unruhen in Lübeck. Bei einer gestern stattgef-undenen Dem 0 n st r a t i 0 n in Lübeck g e g e n d i e T e u e r n n g wurden mehrere Personen von der Polizei verhaftet. Daraufhin samm-rlte sich vor dem Wachlokal eine größere Menschenmenge an, die die Frerla-ssimg der Verbieten forderte. Plötzlich explodiertr aus bisher unaufgeklärten Gründen eine.H a n dgranate, worauf die Polizei eine Salve abgab, wobei 11 Personen mehr oder, minder schwere Verletzungen erlitten. Ueber Aufforderung der Arbeiterschaft zog der Senat die Polizei zurück und Arbeiter selbst übernahmen den Ordnungsdienst, der gegenwärtig von cmem dreiköpfigen sozialistischen Ausschuß geleitet wird. Die Arbrrterschast hat den Generalstreik pro k l a m r e r t und hiervon nur die lebeWlvrchtigswn Betriebe ausgenommen. Jer Reichsbankpräfident soll Mvcktketen. Berlin, 13. August. Die „Montagspoft" meldet: Sämtliche Parteien de.r großen Koalition hätten beschlossen, dem R e i ch s b a n k direkt orium den Wunsch nach einem Wechsel in der Leitung der. Reichsbank zu übermitteln. Ueberreichung der englischm Antwort. Das Haager Schiedsgericht soll Mer die Grsetzmätziglen der Ruhrbesetzung entscheiden... Paris, 12. August. Die Note Großbritalt’iti c ns ( wurde heute in Paris und Brüssel überreicht. In der britischen Note wird erklärt, daß die Autwortcll - Bebgiens und Frankreichs die britische Regierung ent-' tauscht haben, da sie den peinlichen Eindruck erhielt, zu sehen, daß die Alliierten die englischen Vorschläge nicht annehmen und das Anerbieten einer englischen Mitarbeit nicht wert erachten, in Erwägung Kezogen zu werden, lveun tlicht der Standpunkt Frankreichs und Belgiens zur Gätlze angenommen werde. Die britische Regierung halt cs für noweildig, daß eine tlnparteiische iuternatianale Unters n ch u n g die Gesamtzisfer der Reparationen sestsetze. Eng-' laitd ist geneigt, bloß die Rückzahlung des Wertes der eng-' lischen konsolidierten Schuld gegenüber den Vereinig-! t e n S t a a t e n durch die Alliierten und Deutschland zu verlangen, nämlich 14.020 Millionen Goldmark., Ter Haager itlternati0tlale Gerichtshof soll über die Gesetzmäßigkeit der Besetzung des Ruhrgebletes entscheiden, die die englische Regierung nicht als durch den Vertrag autorisiert oder sanktioniert betrachte. Großbritannien ist der Meinung, daß Deutschland die. Reparationen in dem ganzen Ausmaß^ feiner Fähigkeiten bezahlen s0ll. Das angesügte Meniorandtlm legt die Unmöglichkeit für England dar, Zugeständnisse bezüglich der interalliiertetl Schulden zu macheu. Ein Kommentar. London, 12. Mgust. In der „Su n da y i* t c t o r i a I* . schreibt Lord R o s e b e r h, daß die entzilische Rote ein ^Dokument sei, das die Entente in Gefahr bringe. Die englische Regievuug habe nicht nur die HMtttlg gegenüber Frankreich geändert, sondern sei so weit gegangen, die Rn>hrbesctzlmg als unrechtmäßig zu erklären. Diese Note werde Frankreich entmutigen und Deutschland Vergnügen bereiten.. „S11 n d a y E x p r e ß" schre-ibt, wenn die bisher'get: Miteilungen über die Note richtig sind, so -sei eitle neue «Sit u a t i on in der AußenpM^ Englands geschaffen worden. Dem Blatte zufolge enthält dke Mote folgende Putzte: 1. Die Ruh.rbesetzu-ng ist unrechtmäßig und läuft dom Versailler Vertrag Fllwider. 2. Bvtl diesem Gesichtspunkt aus hat Frankreich die Frage de-r Rechtmaßigkeit der Besetzung dem Ha-äger Schiedsgerichtshos zu unterbreiten. 3. Es ist unmöglich Und unvernünftig, zu vrykMen, daß die deutsche Regierung -den passiven Widerstand e'insiellt, solange sie nicht weiß, was Frankreich nachher zu unternehmen gedenkt. 4. Falls Frankreich die Fuage der Rechtmäßigkeit t.v Ruhvbesetzttng' im Haag vorzulegen bereit ist, soll Don.s./ü. als Vorbedingung seinen passiv«» Vidcrsttind cinstellou. 1817