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Wiener Morgenzeitung · 1923-08-11 · Heft 1615 (11.8.1923) · p. Seite 9

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1615 (11.8.1923)
Date
1923-08-11
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Ar. 1616 Wien. Sam8lag Wiener Morgenzeitung. 11. August 1923 Seite 9 gegen waren Banlvereiii ichwächer und büßk'it 11.000 K. ein. Uuionbcmk verloren 3-j.OOO St In de» anderen Kulissewerten war namentlich das Geschäft in den A'»dbcchmvert.»t 'ehr rege. Juli-SW sind um 20.000 St, SudOahn um 20.000 ,\t höher gvwesen. Von den IndUistriowerten.profitierte» Km PP 7000 K., Felten 14.800 K., Waa-gner 10.700 K., Steine»S 5100 K. Auch Daimler war mit Nücksicht ans Aachrichteir liber de;' 0:jjcrcn Geschäftsgang des UtltentehmenL besser und Projiii'rle» 0000 Krone». Auf Prager Abgaben ln,film Poldihütte 40.000 ein, wahrend Skoda auf Stachfragen ans Prag n», 70.000 .4 höher waren. Im Schranken Mgte sich ebenfalls ein ver!yä'.tl«i8:-.iäßig geringes Geschäft. Die Umstande, iue.lche für die. Kuliist maßgebcnd waren, wirkten auch hier -mit, Trotzdem aber haben einzelne Schrankcnwerte erhebliche Besserungen anfzn weisen, wähvcnd andere größere Adschlvijchnngen ersnhren. Cs kann hier von einer einheitlichen Bewegung nicht die Rede sein. Bon den Peirolottlinünerten verloren Apollo 48.01)0 K., Ga lipo 4,000,000 K., Lumen 0000 .1k. Dafür gewannen.Karpathen 37.000 K.. Naphtha OOQO K. und Floridsdorfer 13.000 K. Bo» den Koh'lelrwerten erhöhte» sich galizische Montan nrn 2.0.000 K., Mitlerberger nur 10.000 K., Oberungarische n,n 128.000 K. und Silosia um 14.000 St Es verloren steirische Magnesit 0000 Kwnen, Uvikaui 160.000 St, Grait-Szaszvarer 14.000 K. Bon den M e lall)ver ten büßten Bechert 76.000, Bleckmanu 15.000, Hutter 15.000 ein. Es stiegen Szalay nm 3000, Z'.nkwalz „in 100.000 ttnd Ettlzesfelder um 25.000 K. Bon der, Maschinenwerten waren Brmmer Maschinen gesucht und gewannen 100.000. Nordbahnaktkeii waren um 1,880.000 ans Prager .Käufe höher. Banwerte. wie KviügZhoser Ieirleiu, stiegen gm 126.000, Wienerberger um 200.000 und Wienec Ziegel nur 140.000 K. BozuBrechte: Bndapestcr Bodenlredit 86.000. Wiener Battgesellschaft 67.000 Geld, Honte 1000, Gran-Lzas;varer 260.000, galizische 'Montan 132.000. Ans dem Anlagen,-arlte waren besonders ischecho-slowakische Papiere. auf Prager 'Käufe ans dein Markt genommen worden. Von ft>cu Exoten notierten: Erdöl 66.000 bis 70.000, Holzveriband 26.000 dis 30.00, Jriag 365.000 bis 375.060, Mrazniea 295.000 bis 380.000, Wiener Waffen 20.000 bis 30,000.. Wiener Warenbörse. . (Eigenbericht der „Wiener Morgeugeitung".') Dtwch zahlreichen Besuch gab sich an der gestrigen Warenbörse ein beachtenswertes Interesse kund und mehrere 'Artikel in Chemikalien waren gesucht,, wie z. B. Montanwachs transit, Chlorkalk 110/115 transit Wien, Brannkohlenteer, Nohnaphthalin, Steinkohlenteer, Natrinmsnlfit, Bleiweis; chemisch rein, Perlnatrou «nd Zinkvitriol. A n 8 g e b o t e n w n r d e n : Lletzkali 88/90 zu 12.600 K., Aetznatron 129/180 zu 3 tschech. K. transit Passau, Antichlor kristallisiert zu 3700 K., Bittersalz zu 600 K. transit Wien, Glaubersalz kristallisiert zu 1000 K. ab Wien, Glyzerin 28 Bä chemisch rem zu 28.000 K. ab Wien, Gummi cord, zu 23.000 K. Wien, Harz W. W. zu 106 stanz. Franken eik. Hamburg, Kali geMlausaureS zu 60,000 5k., Kupfervitriol zu 7800 K., Milchsäure zn 18.000 K. technisch und 30.000 K. zu Genußzwecken, Minium Bleiberger zu 11.000 K., Paraffin 60/53 transparent zu 6400 K., 50/52 Opak zu 5800 K., Salmiaksalz zu 8900 K., Schellack T. N. or. zu 100.000 K., Sodaammoniak 96/98 zu 2600 K., inländisches Terpentinöl zu 24.000 K., Montanwachs zu 3690 K., Weinsteinsäure kristallisiert spießig zu 47.000 K., gelbblausaures Natron zn 38.000 K. transit, ferner , Schwefel Block au 8100 K., Stangen zu 3200 K., pulverisiert zu 2900 K., Blüte snbl.;u 3600 K., alles erzollt. Technische Oele un d Fette wurden zu gedrückten Preisen ausgeboten, und zwar Ntiböl doppelt raffiniert zn 15.900 K. (- 700 K.), Elain sap. 87/98 zu 18.000 K. (- 400 K.), Nindertalg 48/44° In nt 14.800 K. (- 100 K.) und Nohivollfelt zu 4900 K. (— 900 K.), feruev war Tafelspeiseöl «m 200 K. billiger zu 16.500 K. anSgeboten. Schweinefett blieb unverändert. K o l o u { a I tu a t c n w nrbe rt gleichfalls au ermäßigten Preisen ausgeboten, uub zwar Kaffee Santos PrimeS zu 88.000 K. (— 1000 K.), SaittoS snperior ztt 36.000 K. (- 1000 K.), Sul de MinaS zu 34.000 K. (- 300 t.), inländischer Kakao zu 28.500 K. (— 600 K.), Pfeffer Singapore schwarz zn 29.500 K. (260 K.), Piment zn 25.400 K. (- 100 K.),, Burma II Reis neue Ernte 26 Prozent Bruch zn 4850 K. (- 50 K.), italienischer I Qualität zu 7500 K. - (- 100 K.), Zucker zu 4.10 tschech. K. prompt und zu 2.90 tschech. K. (Kristall) sowie 3.05 tschech. K. (Würfel) pro Oktober-Dezember ab Grenze. Ab Lager Wien sind die Preise um 200 K. billiger, sowohl Kristall als aucf> Würfel notieren 11,500 K. Sonst waren noch erhältlich Tee Moning zu 73.600 K. inib ungezuckerte Kondensmilch pro Dose (16 ttnzen-Dosen) zn 8000 K. Znnt öffentlichen Verkauf gelangen am 14. d. mn halb 11 Uhr Blei, um v4ll Uhr i^ußmessing, Zink, tun 11 Mir Kupfer, Aluminium, am 16. d. um 10 Uhr Drahtstiftmaschiue und unt 12 Uhr Holzbearbeitungsmaschinen. Atzbitragepapieren Umreit mir wenige höher. Transport unter» nehnnn lagen ungleichmäßig. Der A>n!agemarkt war eher schwächer. Zn Exoten konzentrierte sich das Interesse auf Bulgaren und Schönpriescner. Tie SchlusstendeN:) war fest. S ch l u h k n r s e: Türk. Eisenbahn-Anleihe 400 Franken Lit. A'570.—, Lit. B 217.-, Ferdmands-Nordbahn 9950.-, Prag-Dnxer 200.—, Anlsig-Teplitzer Eisenbahn- Nestomilzer Znckerindnstrie 1686.—, Bereinigte Elektrizität Wien Aew-Dork» 0. August. Bamnwollznfuhren in beu atlant. nnd Golfhäfen 5000, im Innern 3000, Ausfuhr nach Großbritannien -, «ach dem Kontinent 3000. Lokalmarkt miäälincr: 24.25 (gestern 25.65). Tendenz: kaum stetig. — Ternnne r Anglist 29.80, September 23.80, Oktober 28.03, November 22.97, Dezember 22.96, Jänner 22.72, Februar März 22.78, April Mai 22.78 Juni Juli 22.58. Berliner Börse. Berlin, 10. August. Tic starke Beunruhigung ivegcn der gespannten Zage, der Owldknappheit nnd des Buchdruckerstroiks lähmte das Geschäft. Be: der allgenreinen UnstÄevbeit imiyin die Kursbewegung einett nttregelntäßigen, Verlaus. Tie Atifangsnotierultgen )v!estn im Ztlsaunnenihang mit der Ab-- schwächnnü. der' Devison-knrsevovlviegeud M allgenieinctr mäßige Nückgäuge auf; erhEicher iv-ar diese j-odoch bei dm chentischvir Werten. Späterhin vernwchten sich aber die Letztgenannten wieder zn erholen. Of,fettbar beruht eit die Kurs- Veränderungen vielfach gut behauptet und waren znnt. Teil auifgebessert. Das Geschäft trug einen sehr schlepp »wen Charakter. . (Alles in Tausenden von Mark.) S ch l u ß k n r s e: Türkische Lose —, Ccfterr. Staatsbahn 60.000, Nordd. Lloyd 3000, Ber. Elbeschiffahrt 2800, Berliner Handelsgesellschaft 15.000, Kommerz.-Privatbmk 2800, Darinstädter Bank —, Deutsche Bank 8000, Diskonto- Kommmtdit 17.000, Dresdner Bank 4400, Nationalbank für Deutschland —, Oesterr. Kredit 920, Oesterr. Länderbank —, Neichsbank 1800. Wiener Bankverein , Wiener Union- Lank —, Mg. Elektrizitäts-Gesellschaft 3400, Bochnmer Gnßstahl 88.000, Daimler Motoren 1100, Deutsch-Luxemburger 23.500, Deutsche Waffen n. Munition-, Dynamit Nobel 8000, Felten. u. Guilleaume 16.000, Gelseukirchener Berg. 30.000, Th. Goldschmidt 10.000, Harpen er Bergbmt 40.000, Hirsch Kupfer 17.000, Höchster Farben 4900, Hohenlohe-Werke 13.000, Laurahütte 10.000, MaitiieSrnannröhren 23.000, Phönix Bergbau 18.100, Schuckert u. Eo. 18.500, Siemens u. Halske 25.5(0, Telephon Berliner 1100. Prag, 10. Aeigust. Die heutige Börse erüffncte in freundlicher Stnnmung. Während heunische Banlkpapiere im Kurse nachgaben, komtten sich die Aktien der Wiener ^Banken etwas befestigen. Jndustri(werte litten unter Realisationen und unter dent Einfluß der schwachen Wiener Börse. . Die heimischen Spezialwerte setzten ihre Ste^i,gerungen fort. Bon Dsvlin, 10. Angnst. lTevisenknrse.) — Amsterdam 1,546.125.— (1,896.260.-1, Belgien 1697,76.— (216.460. -), Ehristiania 638.400.- (778.060.-h Kovcnhasicn? 18.200.- - (881.790.-), Stockholm 1,047.375.— (1,270,800..), Italienische 107.580.— (207.480.—), London 17,956.000.- (21,916.000.- ), New - Bork 9.800.250. — (4,847.850.-), Paris223.440.— (276.910.-), Schweiz 718.200.— (867.825.—), Spanien 538.050.— (673.312.50), Wien 5580.— <0982.50), M-ag 1.17.20(1— (149.625.—), Budapest 213.46 (249.37), Sofia 35 9lo.— (44.887.-), Belgrad 41.895.- (51.870.—). Berlin» 10. Augttst. lNoteuknrse.) — Noten: Dollar 3.890.250. - (4,8-17.850.-), Pfund 17,965.000.- (21,945.000.-),. Italienische 167.580.- (207.480.-), Polnische 1675.- (2150.-), Tsckiecho-slowakische 117.200.— (149.625.—), Oesterr. gestempelte 5886.- (6783.-). Prag» 10. Atlgnst. (Tevisenkttrse. — Mitgeteilt vom Bankamte des jschecho-slotvaktscheit Finanzutinistermms.) — Berlin 0.09'/, (0.07), Iiirich 626.75 (625.75), Paris 196.- (195.62)) London 155.37 (155.37), ' New-York 34.05 (34.05)J^ Belgrad 36.75 (37.—), Bukarest —(—.—), Wien 4,60 44.57 V2), Warschau 1.47 ‘/.t (1.49V4), Agram —(—.—), Budapest 18.— (18.—), Iugoslaivtsche 36.62 (36.87), Oesterreichische gestempelte Krone 4.60 (4.570.), Polnische 1.47'/« (1.49'/I, Ungarische 12.75 (12.26). Budapest» 10. 2ltlgust. (Kurse der Dcpiscnzenlralc.) — Amsterdam 7600 bis 7740, Bttkarest!)'>.— bis 102.—, Kopenhagen 3450 bis 3570, Ehristiauta 3055 bis 3175, London 86.250 bis 88.650. Berlin 0.0040 dis 0.0060, Italien 805 - bis 840.—, Paris 1071.— bis 1111.—, Prag 565.-bis 589-, Stockholm 5068 bis 5092, Zürich 3440 bis 3560. Wien 0.2650 bis 0.2790, Sofia 172.— bis 179.-, Belgrad 202 - bis 210-, Ylew-Pork 18.950 bis 19.550, Warschau 0.0860 bis 0.0960, Brüssel 820.- bis 855.—. Agram. 10. 'August. (Devisen.) Wien 0.1320 bis —, Berlin 0.0003 bis —, Budapest 0.50 bis —.—, Bukarest 44.— bis —, Italien 403.50 bis —, London 429.50 bis —, New-Pork 9350 — bis —, Paris 532.50 bis —. Prag 275.— bis —, Sofia —bis —, Schweiz 1.722.50 bis —, Brüssel —bis Warschau —bis Amsterdam 3650.— bis —, Stockholm. Belgrad» 10. August. (Devisenkurse.) London 429.50 bis —, Paris 536.— bis —, New-Z)ork 9375.— bis —, Genf 1715.— bis —, Saloniki bis —.—, Mailand 403.— bis —, Prag 276.50 bis —.—, Berlin 0.0019 bis —.—, Wien 0.1316 bis —.—, Bukarest 45.—bisSofia. —bis —, Budapest 0.55 bis —, Brüssel 435.— bis —, Amsterdam-bis —.—^Warschau —bis —. Warschau, 10. August. (Depisen.) Berlin 0.05, London 1,163.000, Netv-York 240.000.—, Prag 7195.-, Wien^ 3.45. New-Bork» 9. August. (Devisen.) London 457, Paris 567.-, Berlin 0.0030, Mailand 426.-,' Zürich 1829.-, Kopenhagen 1827—, Stockholm 2660.—, Christiania 1627, sttmsterdant 3934.-, Prag 203.50, Wien 0.14'/,. Budapest '/„, Bukarest 50.—, Warschau 0.043/8, Madrid 1378.—, Helsingsors 277.50, Brüssel 429.—, Kanada 2h/ia n. p., Brasilien 100.90, Argentiniett 3266.-, Belgrad 107.50. NHBssnaeimm Copyright 1933 R.LÖwit-Verlag, Wien-Leipzig, Nachdruck verdoten. (61. Fortsetzung.) Zn Polens Mldern. Roman von I. Ovatofchu. Autorisierte Uebertragung atks dent Jüdischen von Siegfried S ch tu i tz. Mordcchai zitterte am garizetr Laibe, er fühlte sein Blut fft Neu AÄeru kochen. Laug nuterdrücktes Verlairgen rumorte in ihm, I-tcif durch seinen ganzen Körper und heulte wie cm toller Hund. Er fühlte sich imstande, jeden zn-zerschmettern, >der ihm in den Weg käme imd ihn störte. Nein, er wollte sich nicht: beugen lassen, er durfte unr lvallen, die Hand ausftrecken, und alles, was fte erreicheu kann, wird ihm >gehöreu. Das Feuer :m ihnr schlug ihm in den -Hals und in das .Hiru; seine Gelüste ergossen sich sclMer über den ganzen Körper rntd zerschlagen blieb er liegen. Als Mardechai nicht mehr liegen konnte, sprattg er vom Bett, öffnete das Fenster und steckte iteit erhitzten Kopf hinaus. Feuchte Kälte ftchr ihn an. Es begann zu tagen. Da uud dort durchrissen Lichistreifeu die Finfterms, und als er länger hinschaute, merkte er, ivie die Finsternis sich in Falten legte, große Streifen Lichtes durchließ und dann verschwand'; an den Rändern, wo alles in Flammen stand, schälte sich tiefes Blau heraus. Die Lichtstreifen breiteten sich zitternd aus und hullteit allmählich alles ein; und alles, worauf das Licht fiel; äugte ihm entgegen, zog das Blau ein, wurde schöner und fnhltc sich als Teil des fchö-Nen Gartzen. Schritte nahten. Mit eurem Sprung war Mordechai aus dem Fenster/spitzte, die Ohren unv spähte mit geballten Fäusten nach allen Seiten. Es war still. Ein Hahn krähte und zerriß die Stille. Ein zweiter, ein dritter antwortete Gm, als führten sie eiir Gespräch. Die Feuchtigkeit des Grases durchzogiMordechais bloße Füße; steif vor Kälte, .schwang er sich wieder durchs Fenster ins Zimmer. Er wollte schlafen und zog Nie Decke bis über den Kopf; bald wurde ihm heiß, daß er meinte, ersticken zu müssen; er warf die Decke dort sich tmd glühte am ganzen Mbe^ i •* Was kümmert das mich? Meinetivegen können sie das Genick brechen! Was geht es noch an! Sie sündigt? Dafür gibt cs doch Sühne uit$ Vergeltung! ’ Er lächelte. Erst am Tage vorher hatte Rob Jossel mit ihnt über die Vorstellttngen voit Schuld inib Vergeltung bei den Juden gesprochen und t>cu Beweis geführt, daß Schuld und Vergeltung nicht aus dem Lebelt ansgestrichen werdm Vnucn; sündigt einer, so solgt sofort die Straft. Wies sicher doch der Alte war; er hat sich über Maimonides gclwnndert, der sagt, das seien „Dinge, welche der Mensch seiner Natur gemäß nicht sinnlich erfassen kann". Und. wer wsiß. Vielleicht ist eben jetzt, &i ich, Mor-- dechast nicht schlafen kann, leide, weil ein Berbrechett geschieht, über Schuld uub Strafe nachdenle, vielleicht ist zur selbetl. Zeit Kontarowskr bei ihr. Wo ist die Vergeltung? Komarowski wird am Morgert müde fortgehen und unausgeschlafen? Seine Knochen werden ihm Weh tun? Möglich. Und warum leide ich? Ich leide doch mehr als der Pole! Für meine sündhasten Gedanken? Und für -vessen Sünden 'hat Leiser der Schneider geslitten, der nrir einen Rock für die Feiertage genaht hat? Leiser hat mir geklagt, daß ihm der Tag zu kurz sei und er diei Nächte 'durchwachetr müsse; denn Der Kunde will, daß er ihm das Gewand zu den Feiertagen fertig imche. Er konnte sich katmt cvulf den Fußen halten, hat jedes Glied .gespürt, als würde sein ganzer Körper anseinandersallen . .. Mr wessen Sünden hat ev geMen? Für wesftn Sünden? . - Mordechai erschrak über seine eigenen Gedanken.' Ev merkte — hier riß das Gewebe. Mit offenen Augen lag -er auf dem Bett und blickte in den finsteren Abgrund, der sich vor ihm austat, er hatte Lust, hinüber zu springen, koste 'es auch sein LeVen. Alles in - ihtn beugte' sich vor Raibbi Mndsle und-begriff, wie groß das Leid des RaM hatte sein müssen; woher mochte ein Mensch so viel Kraft nehmen, um mit sich selbst Krieg ztt führen? Und als der Rabbi unter die Leute kam, da schlossen sie die Angert; sie kottnten fein Feuer nicht ver- - tragen, waren böse, daß er ihnett die Finsternis genommen -hatte, nnd ließetr nicht nach, bis sie ihn zttsammeit mit seinenr Feuer im Kerker Vevschlossett hattett. Wo liegt Rabbi Meudel-es Schuld? In Mordechai flammte etwas auf und erlosch wieder; er fühlte seinen ganzen Körper von Wünschen mnschuürt und riß an diesen Fesseln mit dett Nägeln und den Zähnen wie ein Verrückter. Das Gebäude, das in der Reihe dev Geschlechter ans ihn überkounnert ivar, begann zn wanken, zn zerfallen, und das^ Feuer in ihm ergriff die Trümmer» so daß sie zerbröselten wie versengtes Stroh. Er fühlte, wie' er alles von sich abfchüttelte, sich besteitc, ein andere» wurde. Und wenn das Feuer sich so attsbreitett wird, daß von den Trimmtertt leine Spur mehr übrig bleibt, was dann? Was -dann? Sie Komarowski sind glücklicher . . . Kapitel 7. Gäbe es wenigstens Sicherheit . . . Ms Mordechat am Morgert-erwachte, kaut ihnt in den Simt, es iväre am 'besten, Polett KU verlassen. Er hatte keinen Plan und. dachte nicht daran, woher er das Gellt idchmtzn würde, sondern er hatte nur das eine Berlatigen — sich von dieser Umgebung losztt reißen. Mit jedem Tage wurde dieser Gedanke in ihm stärker,' Tag um Tag fühlte er sich beengter int Hanse des Oheims/ Und wenn Niordechar mit dem Oheim sprach und seinen Redenzuhörte, seine Augen sah, die voll Weisheit waren, da wüßte er nicht, wie (chm geschah; er verstand kein Wort von dent, was der Oheim sprach, sondern dachte nur daran, daß Felicia ihn. betrog, daß die Kleider an seinem alten, vertrocknetert Leib wie Säcke herabhingen, und daß er mit seiner ganzen Weishüit jeden Augenblick zerfallen könne. - Ihm, Mordechai, kcmren auch 'böse Gedanken in den Sinn, dämm begattn er dem Oheim auszuweichen. Felicia begegnete ihnr noch ftenMicher, sie nahm ihn jetzt unter ihreir Schutz nnd zeigte das deutlich, wenn Gäste im Hanse waren; der chasfidifche Bursch wurde uicht Mehr blaß und rot, wenn sie chm ihre Hand Mit den länglichen Fingern zum Kusse cntgegeitstreckte. Er küßte die Hand und hatte dabei jedesmal den Wunsch, sich auf das Weih zn werfen und den biegsamett ^Leib M zevbreclMt; sonst wiird'e es ein anderer in.)). sFortfetzMU. ßMO -

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