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Wiener Morgenzeitung · 1923-08-08 · Heft 1612 (8.8.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1612 (8.8.1923)
Date
1923-08-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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'Einzelnummer K1000 Wien: Zum' Abholen in der Expedition,II.,Taborstr.l-S, , oder in einer Versohleisstelie (Trafik) monatl. K -48.000 Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 28.000 T$ ch e^lj o-S 1 p wa k e i: Kon. ft 17. Jugoslawien: Mon. Dinar 40. Polen: Mon, Mk.45.000.Deutschland: Mon. Mk. 150.000. F r a n k r„ Belgien: Monatl. Pres. 8 BV Naehrahlunsen bei Preiserhohuttjren Vorbehalten reuet Tscheche-Siowak«lt . tschech. EC 1.20 Italien: Monatl. 10 Lire« Rumänien Mon. 90 Lei, Bulgarien Mon.75 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Pres. 3 Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1—3 Telephone: 44*0-38,43*3-19. ab 6Uhrabds. 19-483,16-301 Tel.-Adr.: .Morgenzeitung“ Wien Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 Nr. 1612 Wie». Mittwoch. 8. August 1828 * Mis -«fleht «ntl Hie Mmt> Leklamtto« anetf ernten. London» 7. August. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung-.) Die von -er englischen Regierung zur Prüfung -er Palästina-Frage eingesetzte ministerielle Kommiss ron Hat beschlossen« daß in -er bisherigen Palästinv- Polititz Keine Aendernng vorzvnehmen ist. Wie in politischen Kreise» bekannt, hat die englische Regierung Sem König & u f f e t n mttgeleist, -atz von einem -esiuiliven DerlragsaSschlutz Keine Re-e sein Karen» ehe nicht -ie Balfonr-Deklar«rivn seinersetts in formeller Form akzeptiert ist. Um die frage der UM Asemd. (Bon unserem Spezialiorresporrdenten.) Karlsbad, 7. A-ugnst. Me HLUptfmge des Kongresses ist bie Frage der Her- LnZlsh-ung nichtzromstischer Kräfte in der Form der Erweiterung der Ickvifh Agency. Die ameriikMischeri Vorschläge verlangen heLcMMch, daß der künftigen Execkutive mrbeschrLMe Völlmmcht LeMlich -der Erwortevnng und Konsti-. tuierung KLZeVen wird. Die Opposition richtet sich nicht, gpgtzn Ae Idee der Erweiterung rnch HeranzichMg wcht- AonisKscher .PevsöMchLtzlten, sondern sie'verlangt, daß sie unter A-li.fr echterhalturrg Der demokratischerr Prinzipien und der Kontr^llle ,Lurchdie Zionistische OrganSsation^geschche^-' Äs-' Sitimtion ist rmn so, daß wohl für die «meEebnischenVost- - Möge, für die PMident Weizmann mit-seiner'ganzen. Autorität eiattritt, eine Mehrheit $t LHielen wäre,. doch fyti diese Mehrheit und insbesondere Ltie ameckLmische De-, ^gation im Laufe der Vorberatungen mit den verschiedenen Gruppen in Karlsbad Märt, Laß der Plan nicht Äurchzuführen ist, wenn er gegen eim starke Minorität in Kam p.fa b st i m nr u n g durchgescht tvüvdv. Soweit die Lage 'heute zu WerWcken ist, dürfte die überwiegende Mehrheit der MdÄMonen und mit ihr die ganze pal ästinensis che Delegationwelche , aus zirka vi-erzchn Mann Vestcht, ' ferner - eine - Gruppe von etwa der Hälfte der in den Landsmannschaften vereinigten allgemoingn Zionisten imbedingt ach der Kontrolle dmch die Organisation und ans der Aufrechtevhaltung des demokratischen Prinzips dchtchen, also Men die HonoMiiiorenPoliM stinmwn. Das würde citoe' Minorität von etwa vierzig Prozent des Kongresses ergeben. Unter dem Eindruck dieser. Erkenntnis ist eine weftrw' lich konzMautere Stimmung auf beiden Seiten M konstatieren. Ans dem, Was bisher aus den Ve-chanÄlungender OppositwussiHrer mit Wen Vertretern Ler MchHeitsgruPPe verlautet, kann man schlichen, haß Wohl den grundsätzlichen Wünschen der Minorität Rechnung getragen werden wird. Mit der Losung dieser Frage und der - Anbahnung eines Einverständlnsses wäre der ruhige und gedeihliche Verlach des.Kongresses gesichert. Zur Klärung dieser Frage ist für heute abendö eine Beratung.sämtlicher Landsmannschaften mit' dem Präsidenten Dr. We-rzmann emberuiftn worden. ' / . . Eine Noeitere Sorge des Kongresses LÄdiet die Frage der rü ns t i ge % Exek n ti v e, wobei darauf Rücksicht genommen wird, daß es sich als unbedingt notwendig erwiesen hat, in die ExeLultive außer Weizmann und Sokolow nur solche Persönlichkeiten zu entsenden-, denen der Verkehr mit den Rcgievrrngen, Vox allem, aber mit der englischen Regierung^ übertragen werden könnte. In der englischen zionistischem Organifation befindet sich nun ein Mann, der hierzu befähigt wäre, Sir-Alf red Mond, Handelsmmister und -jch!M-. führiendes. Mitglied ' der Ziberawn Partei. Bisher.konni-e. Sir Mond dem Wunsche ' der OrganisaKon nach seinem GiMtvist-indie ExÄnDve nicht entsprechen, weil er^, als getwesener ■ Minister und als N'chrer seiner Partei unter den kritischen Verhältnissen der errgtischön RnterlMsPolM feinen pMWen Posten nicht verlassen tonnte. A)ie Bemühungen der Leitung, Sir Mond zu bewegen, sich ganz in ihren Divnst zu stellen, werden aber jetzt'mit vermehrter Energie geführt. Dies-wird dadurch unterstützt,./daß Sir Mond unbe-dtW auf dem jüdisch-, nationalen BekeMtms steht und selbst einsicht, daß er bm Rufe des Kongvefsss folgen und M dvs jüdische VE das WwM Wer muß.- fett. (Dienstag-Vormittagssitzung.) Wahl des Prüfidiums.—BerWerung der Mandate. — Ae Referate. . (Spezialbericht per „Wiener Morgenzeituug^.) Karlsbad, 7. August. Ähne weiteres Zeremoniell trat der 13. Zionisten-' kongreß unter dem Vorsitze Sokolows um 10 Uhr 30 Min. vormittags m die. ErlMgung seiner Tagesordnung-ein. Oberrabbiner Dr. C h a j e s (Wien) erstattete in hebräischer Sprache die Vorschläge für die Wahl des Präsidiums. Es wurden mit Mlamation gewählt: Zu Vizepräsidenten: Ben -Z w i,. Rabbi ißteir Berlin, Dr. Schnrarjaihu L ew i u, Louis Lipsky, Leo Motzk ht, Abg. Färb st ein und Eliezer Kaplan; zu Beisitzern: QberraM-iner Iakoiö Meir (Jerusa-lem), Dr. Da ich es, Dr. Gelber (Men), Rosenbaum, Temkin, Dr. Kohan-Bernstein, Raw Dajan und' Dr. Josef Lbwenherz (Wien). Die KoNigreßdelegat.iM der Zeire Zion erklärt, daß-sie sich an der^ Wahl des Präsidiums nicht beteilige. Sodannhielt Präsident ^okoilow..dem verfwr'benen Präsidenten der. Bereinigten Staaten, - Halbing, einen Nachruf, in-welchem er sagte: Wr nähmen Auteiil an der allgemeinen Trauerdenn er war unser, treuer Freund. Ammsisten siB^ unsere, amerjkamschen FrÄlicke dazu - berufen, Msiihlm^u^uch gebe,- vou-denen der ZionPe;^ Del.' RliUv.ö;«xg: ^Menkwar:Miaust vichtlgsr Fround der zion istfschen Sache. EZ tvar hauptsächlich ihm zu verdanken, daß beide Häuser des'Kvngresses der-Vereimgten Staaten einstimmig Resolutionen' für die . jüdischn-Ätional^ Heimstätte in'Palästina'annchmew Kurz - nachdem er Präsident geworden war, empfing er' Mördnungen ' der Zionistischen Organisation, der er seine volle UebereiM-mmüng mit unseren Zielen auHprach. Wir teilen die Trauer, m die unser Land so grausam und so unerwartet versetzt tvovden ist, tvir haben einen edlen Präsident en,' die Menschheit hat einen wahren FreM veÄoren. - . Hreräuf Mt Präsident Sökolow (hebräisch) de-ln verstorbenen Schriftsteller Bä n Ieh U da einen NachrUs und gedenkt sodann der' Toten Wer'Organisation seit der letzten Jahveskonfevenz, m besonders feierlicher Weife gedenkt er des vevstovbenen Dichters'Morris R'osen«feld. Bor Eintritt -in die ÄgenKiche DagesovdMNg rcherisrie Senator Dr. Ringel (Polen))'namens VeS KongreßHerichtes, das^.Mch als MandatSprüsungschisschuß fungiert,- Mr die Verifizierung der Mandate. Gr teilt folgenden Stand der Mandate mit: Amerika 11, Argentinien 2, O eist erreich 1-3, PetzarMen 2, BraMen 1," BMviim.S, Bulgarien 3,, Kanada 6, Chile 1, DanKg 1, A«Mten 1, .Englack> 7, Estland l, Frankr>chch 1,'OstgMien.il, WestgaWen 7, Deutschland 13, Russischer Verband in Deutschland ll, Griechenland.2, Holland 1, Italien 1, 'Jngofl-altvien 3, Lettland 2, Litauen (Mono) 3, Litauen (Wilna) 3, Mchöpoia- Men 1, PMsti-ya 2, Polen 39, Rumänden 8, SMtten-: (Schanghai) 1, SüdaifÄka 6, Transshlvanien 5,4 Melbourne i, Persien 1, vom Order öf Maceabeans 3, §ufaan>men 171. Bon den'SonderveMrchen haben die Misrachi 70, die Paale Zion 9,.HitaW.lth 33, Zeive Zion 0-DeiWe^e;.zusam-men.'wurdenalso i.- - i 292 Delegierte gewählt, Die Zähl der' B i r i-li st e n -' beträgt 48, im ganzen sind daher 384 stimmberechtigte Mitgl-ied'er, 8 Mandate'Mbden aumiMerk 1 ' ‘' Präsident So kolow spricht dem Referenten des - Ausschusses den Dank des Kongresses aus/ worauf der Delegierte :Jeä» i -Fis-cher (Antwerpen) die Gedenkred'e für Ale x a Kd er M a r m o r e k . hält. Delegierter M b r e- M i-n Z kh -- vdrlängt, - '-daß' die Referate in hebraischdr - oder jüdischer Spräche gehalten werden. Der Vorsitzende etiteilt nünmehr das'Wort dein'Leiter der Zionistischen Exekutive in Palästina, - ' - M. Ussischkin, zu seinem Referate über die Tätigkeit in Palästina.. In den letzten zwei Jahren war unsere Arbeit aus. p olitis ch en und sin L-n zie l'l Lü Gründen sehr ' e rschwert. Die Verwirklichung der Verpflichtungen der engli- . scheu Regierung, die M auS dem Mndat vrgeben, tvar nicht imnrer deutlich zu sehen, im Gegenteil, es gab oft Störungen, die wir überwinden mußten. Was die finanzielle Frage betrifft, so haben wir von der Zionistischen Organ:- sätion das nicht bekommen, was uns auf dem zwölften Kongreß und auf der Jahreskonserenz zugesagt Wörden war. Und das, was wir erhielten, ging uns verspätet zu. Es konnte deshalb nicht.alles so aufgebaut werden, wie wir es wollten. Wir haben eine ' <*-- Armeleutewirtschaft geführt, was imnrer sehr teuer ist. Trotzdem kann ich mit Genugtuung sagen, daß wir einen guten Schritt nach vorwärts getan haben. Mit uns zusammen hat der große Jude Baron Edmond Rothschild, der auch mit der Ica arbeitet, ferner der Joint und die Brandeis-Gruppe gewirkt. Redner erwähnt weiter den Cconomical Board in London, die Alliance, die Anglo Jewish Association. Aber auch die Privatinitiative hat sich gezeigt. In der Landwirtschaft arbeiten einzelne Gruppen aus Amerika, England und Rumänien. Bezüglich der Industrie und des Handels ist das große Sy n'dikat sunt ersteh men in Jaffa, zn bemerken, das seine Krise hoffentlich. .überwüpden.hat. Fern« die große Mühle in Haifa,- , hie„pM.PyWchild gegründet wurde, sowie esne Reihe kleinerer O.r.g a n i'sa Ü o n trotz, ihr 'Mittel ins Land...ä-Ük&g£i:hrt .Hat, als alleanderen Organisationen zusammen. Sie i^ ebenso mächtig, wie alle anderen. Besonders hat sie das Menschenmaterial . gegeben.. Redner bespricht nun ausführlich ‘ die Tätigkeit der sechs zionistischen Institutionen, und zwar des In di sch en- Nationalifonds, der Anglo-Palestine-Coinpany, der Palestine Land' Development Company, des Keren Hajessod, der HypothekarbMk und der Arbeiterbank, und fährt sodann fort: Von der Regierung haben wir nichts bekommen und wir find überzeugt, daß wir nichts bekommen werden. Die Hauptlast für den Bodenkauf ruh: auf d^r 'Zionistischen Organisation und ans dem I ü di s ch e n Ration« ls o n d s, dessen jetziger Besitz 100.000 Dunam beträgt. Damit ist das Eigentum des jüdischen Volkes v er» fünf ff acht. Der Referent legt eingehendes Material über die Bödenkäufe vor, die er . im einzelnen bespricht. Aus die Heranziehung des- Mnschenlnaterials übergehend, bemerkt Redner: Trotz aller Schwierigkeiten sind in den letzten zwei Jahren über 20.00 0 jüdische Menschen ins Land gebracht worden, der größte Teil von ihnen , hat festen Fuß gefaßt. Die Zahl.der Rückwanderer betrug in den letzten drei his Vier,Monaten 10 bis Io Prozent. Die Zahl der Arbeit § los.en stieg nmnals über 8000. Die Rückwanderung ist' nur unter, psychologischen Gesichts-Punkten zu 'betrachten. Die.große politische Enttäuschung .hat zu einer inneren R e.a'k t.i o n 'geführt, die 1 nur eine' v o r übergehe n d e KranHeit ist. Der Geist der gesunden - und starken Momente wird dgs übeuwinden. Dabei konstatieren wir, daß jetzt viel m e h r^F am i l i e n k o m >m e n ä l s früher, das hat die gute, Äite, daß sie rascher an das Land gebunden werden, das hat ciber auch die Wechte Seite, daß die Arbeitsbedingungen für die jungen, ledigen Legte erschwert werden. Die Chaluz-Bewegung hat sich überall kräftig entwickelt, nur nicht in Amerika. Dü oithod0.xc I \igc ud ist in' Palästina sehr ln e n ig vertreten. Mit der Arbeitsv-crmiitlnng besasstn sich drei ziönistische' Äemter,'-ferner die 'Pärt'eiorganisationen der Ar» heiterscha-st -und die Misrachi. Das Wdeitsproblem ist. nur bei gutem Willen so zu lösen,- daß die j ü d i s ch e n Arbeiter insidbu. jüdischen- Kolonien Avbeit.finden. Der größte Teil der EhÄluzim könnte -bei städtischen Ünt-wnehmungen untevgebvacht werden.. Wenn unsere PMisn politisch und finanziell nicht schwierig' werden soll, müssen immer nerlte Menschen herein. Das Wort Aegrenz-uu^ der Einwanderung muß ans dem zionistischen Lexikon gestrichen werden.

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