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Wiener Morgenzeitung · 1923-08-07 · Heft 1611 (7.8.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1611 (7.8.1923)
Date
1923-08-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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XIII. Zionlstenfeongress (Kongressausgabe). MrsIvMMrLIVVO Wien: Zum Abholen in der Expedition,II.,Taborstr.1-3, oder in einer Verscbleisstelle (Trafik) monätl. K 28.000 Mit Postversahd für Wien u. Öesterr. monätl. X 28.000 Tschecho-Slowakei: Mon. K 17, Jugoslawien: Mon.Dinar4Q. PoIemMon. Mk.30.000.veut sehland: Mon.Mark 50.000.F rankr., Belgien: Monätl. Frcs. 8 BQT Nachzahlungen 8 bei Preiserhöhungen Vorbehalten Nr. 1611 Men, Liemtag,?.A«guft 1923 T sehecho -Slowakotf | fschech. K 1.20 Italien: Monätl. 10 Lire, Rumänien Mon. 90 Lei, Bulgarien Mon.75 Lewa, Schwei z und das iibrijja Ausland monatlich Frcs. 3 Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse l-~ 3 Telefone: 44-0-38,43-3-19, aböUhrabds.19-483,16-301 Tel.- Adr.: .Mcrgenzeitun g“ Wien Oesterreichiscbes Postspar» kassen- Konto Nr. 150.693 5. Fahrgang WchMMS Md Gskolows (Dpezialbericht der „Wiener Morgenzertung".) Die tmditiouelleu Hammer schlüge opltn das Zeichen zur Eröffnung des 13. Zionisteukonqresses. Urner Vorantritt des Präsidenten Werzmann zogen die Exekutive und das Aktionskomitee ein. Der ülffcfüllte Saal, der ein faszinierendes Bild bot, bereitete dem Präsidenten stürmische Ovationen, denen Weizmamr durch noch- : maLige Hammerschläge ein Ziel setzte. Er ergriff sodann das Wort und hielt die Eröffnungsvedr, die mit atemloser Spannung angehört wurde. Er tei&mit in hebr äiseher Sprache und setzte in deutscher Sprache fort. Seine Rede ist bemerkenswert dadurch, das; er die Notwendigkeit der Erweiterung' der Jewish Agency ankündigte, sie jedoch ans' dem Kraftgesühl der zionistischen Organischion erklärte. Wir seien früher fähig gewesen, und wären es nun mehr. Wenn wir es nicht wären, so würden die anderen kein Bündnis mit uns eingehen. Das Hoch auf das jüdische Volk und Palästina, mit dem der Präsident seine Rede schloß, wurde vom Kongreß mit lang andauernden Ovationen beantwortet. Die 'Rede des Präsidenten Weizmann hat folgenden Wortlaut: Hoher Kongreß! Es ist mir eine große Ehrung, diese Tagung, die dreizehnte unseres Parlaments, eröffnen zn können, das vor mchr als 26 Jahren aus dem Willen des Volkes geschaffen wurde. Ich kann Sie, die legitimierten Vertreter des Kongresses ans allen Teilen der Welt, nicht ■ besser bowWoymiM, M .mit, MG«^.,mvergleichlich.. -schvichten und reinen Miß: S ch al onü Die Begrünung ist uns zugleich sin Symbol für die schönste Annäherung von Mensch zu Mensch, für ein Sichbegegueu im Zeichen des Fried e n s und der B r ü d e r k t ch k e i t. In diesem Geiste wollen wir uns jetzt die Hand reichen, in diesem Willen, verbunden miteinander und zugleich mit den Millionen unseres Volkes, für deren Geschick wir die selbstgewählte Bevantwovtung tragen, wollen toir die ernste imd schwere Ausgabe vollbringen, die vor uns.stvht. In dieser Wsrnnung wollen wir, nachdem unsere Beschlüsse uns die Wege der Arbeit gewiesen. haben, voneinander scheiden und doch zusammeribleiben in einer Gemeinsamkeit des Ideals Und Wirkens Wer alle Lander und Meere hinweg. Geehrter Kongreß! Seit der letzten Tagung ist das Mandat des Völkerbundes an Großbritannien, das die Errichtung des jüdischnationalen Heimes in Erez Israel zum Hauptinhalt hat, geschichtliche Tatsache geworden. Die Erteilung des Mandats erfolgte UMnitteMr vor der letzten zionistischen JahresSonftrenz, die das Ersiguiis voll gewürdigt und in einer Reihe von Resolutionen unsere grundsätzliche politische Stellungnahme Lund-gegeben hat. Es ziemt sich, in einer Sache von schicksalsschwerer Bedsu'tung für die Zukunft unseres VoM Mit aller Offenheit , zu. reden. Vielleicht gegen unseve Wünsche hat es sich erwiesen, daß die Mandatserterlunig, obwohl sie das polrtische Fundcmrent rechtsverbindlich gelegt, doch nicht alle politischen SchwieviAeiten beseitigt hat. Sie wissen alle, daß sich eine QppositrM gegen Geist und Inhalt des Mandats von Anbeginn im Lande geltend umchte,.die sogar zu schweren An sschreitnngen geführt hat. Diffe haben sich glücklicherweise nicht wiedecholt/ äber die politische Gegnerschaft der Extremen isb darum-nicht minder heftig geworden. Im vergangenen Jahre ist die Regierung der Baffour« Doblamtion zurückgetvetsn.' Die netwe Regierung hat die Politik ihrer Borgängovin ohn«- AWvN'sau^MMnren- und bestätigt, a»ber dieser M der Regrevung hätte nicht die Wirkung, die man von ihm hätte erhoffen können, für Palästina das Gefühl einer dauernden Sicherung der WerhaUMfft zu schaffen, wohl hcmptsächlH.Hamm, weil dje Negierung andie Bekräftigung der PckM ihrer Vorgängerin die Bomerkn>ng, knüpfte, daß sie an' die P r üs n n g d e x G e s um t si tuat rv n No n ' Pal aff i n a ohne Vorurteil he ran treten wolle. Eine bald darauf erfolgte Erklärung des- 'britischen Ministers für koloniale Angelcgenheiten, des Dn'ce of Dev onshire, tvar frei hon jeder Einschränkung dieser Art. Sie lautete a u s d r ü ck l i ch, daß die bvitiffhe Äegievung die dem WM» AG. MrM erhalte. In dieser Hinsicht ist es von Interesse, daß auf einem vor einigen Tagen in London abgehaltenen öffsntlichen Meeting Sir Herbert Samuel in bestimmter Form erklärte, daß die britische Regierung volles Verstand nis für die Aufrechterhaltimg einer kontinuierlichen Politik in Palästina habe. Die Stellungnahme der neuen britischen Regierung hat ihre Wirkung auf die Dinge in Palästina nicht verfehlt. Sie Hai die positive . Haltung derjenigen Teile der arabischen Bevölkerung, die geneigt sind, das Mandat als fait accompli anzunchwen, gefördert, und man darf hoffen, daß düse Linie der Entwicklung sich fortsetzen wird, wenn sich die politischen Verhältnisse stabilisieren. Auf der anderen Seite allerdings hat gerade die Tatsache der Wiederherstellung der Mandatspolrtik durch eine neue Regierung die Leidenschaften der extremen Elemente in»gesteigertem Maße entfacht, was unvermeirdlich war und wvmit wir Politisch fertig zu werden haben. Soweit, die öffentliche britische Meinung in Presse und PavlanWt von dieser Situation beeinflußt wird, ist es unsere Aufgabe, sufklärend zu wirken und mit EntschiederGeit' für unser Re chtJ einzutreten. Mit DanGarke.it dürfen wir der Unterstützung gedenken, die wir bei einer Reihe "von Staatsmännern .und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebsns gesunden haben. Die M-uerliche Bevölkerung der Fellachen in Palästina hat mrs im allgetnsjnen. die fveunAiche Hosin- . rknng--bswahL^chie sst - mrs' stets. KzeigtHatMtw es bestehen' aus g e zeichnete B e z i e h u n. gen' zwischen den jüdischen Kolonien und den'benachbarten arabischen Dörfern. Das gilt ebenso'für die neuen Siedlungen'ill Em e k. Als. ein Symptom dieser Beziehung darf man daran erinnern, daß vor Lnrzem in feierlicher Weise der Friede besiegelt w-nvde zwischen' P e t a ch T i k w a h und den benachbarten Arabern, mit denen die Bezichnngen nach den Zufammenstößen vor zwei Jahren abgebrochen worden waren. Die Frisdenszersmomen fanden in Petach Dikwah selbst statt und waren van einer Bnßezahlung begleitet als Zeichen dafür, daß die Schuld nicht auf seiten der Inden gelegen war. Es ist unnötig zu sagen, daß die politische Lage ans alle unsere Tätigkeit in Palästina Einfluß hat und nicht zum wenigsten ans die Einwanderung. Die Mndatsregievung ist verpflichtet, uns in dieser Frage s ö rd erud zur Seite zu stehen. Die Judenheit rechnet darauf, daß die Regierung in Loyalität diese Verpflichtung alusführen wird wie alle anderen, zu gleicher Zeit sind wir «uns voll bewußt von unserer eigenen Verpflichtung, die wirtschaftliche Aufnahmsfähigkeit Palästinas in solchem Maße zu enl- Wickel n, daß sie geeignet ist, die Immigration in immer w a ch s e n d em Um fang zu absorbiere n. Der wirtschaftliche Faktor wird die natürliche Begrenzung der Einwandermrgsnröglichkeit bilden. Er ist bedingt durch nmbänderliche Gesetze des Gemein-- schastslebens, ohne.Rücksicht darauf, was sonst darüber im Weißbuche oder in anderen Dokumenten gesagt ist. Wir haben uns deswegen zu bemühen, zu einem Wirtschaftssystems vorzudräugen, das, gesund und erfolgversprechend'zugleich, die wirtschaftliche Aufnahtnsfähigkeit des Landes immer weiter entwickelt. Dieser Ausgabe haben wir . alle uns'zur Verfügung stehenden Mittel zu widmen. Trotz einer beinahe a l l g e m e i n e n ö l-o nonii sch e n Krise wahrend der letzten Jahve sind wir doch in dcr Lage gewesen, die.Einwanderung während der letzten zwei Jahre' aus der st e te n H öh e v o n '.etwa 1000 P e rsoneu monatlich zu erhalten. Daß dies möglich ivar, ist nicht zuletzt der Aufopferung unserer Arbeiter in Palästina zu danken. Man .darf hoffen, daß die Bemühungen, .die j^tzt angrstellt werden, um industrielle nnd landwirtschaftliche Mivüät in Palästina auzuregen, es ermöglichen , werden, einer g e st e i g e r t e u E i n w a n d e r u n g die Wege zu Karlsbad,' 6. August. strielle Entwicklung gesagt wird, gilt auch für die K o l s» nisation. Der Bericht .über die landwirtschaftlichc Kalomsation zeigt Ihnen, welch ausgezeichnete Er-' gebnisse in unseren neuen Siedlungen in E m e k I es re e i erzielt wurden, wie das Werk, das vor kaum -wer Jahren unter den schwierigsten Bodenverhältnissen begonnen wurde, jetzt vorgeschritten ist bis zur Einbringung einer vorzüglichen Ernte. Was hier erreicht wurde, werden wir in Zukunft zu vervielfältigen haben. Während wir an unserem wirtschaftlicheu Aufbau arbeiteu, haben wir daran vergessen, daß die Wirtschaft nur der G r u u d ist, auf dem sich die neue Kultur unseres Bö-l- . kes in Ercz Israel aufz-ubauen hat. Manchem erscheint es rmaugenchm, daß wir im Anfang unserer Siedeluug schon an eine Universität denken. Sie verkennen die ungeheure geistige, moralische und politische Bedeutung, die Vas Bestehen einer jüdischen Stätte höchster Geisteswissenschast ftir uns und die gesamte Judcnheit'besitzt. Es war ein Ereignis von symbolischer Bedeutung, daß dev größte Gelehrte unseres Volkes, Albert Einstein, . . (Stürmischer Beifall) zwei Vovlcsungen über die 0te- - lativitätstheorie in Jerusalem im. Namen der künftigen .jüdischen Universität hielt. Dieses Ereignis eröffnete weite Perspektiven für die.Möglichkeit einer, wissmschastlichew EntwiSlirng, die Ms dein Heyzen. Palästirlas'. ausstrshlen'wird in die-Welt. '' Seit kurzem sind unter Leitung von Professor. F o d o t Vorbereitungen für die Eröffnung' des M i kr o b i o l o g is ch e n I ltftitu ts im Gange, während die Bemühungen amerikanisch-jüdischer Aerzte um die Eröffnung des medizinischen Forschungsinstituts im Fortschreiten begriffen sind. So wie unser wirtschaftlicher Fortschritt tm engen ZusammLnhaug stcht mit unserer politischen Lage, so wird auderevseits unsere politische Geltung — cs tväre verhängnisvoll, nur für einen AugeMick daran zu vergessen — bedingt nicht nur von der Kraft, die wir in der direkten Form von politffchen und diplomatischen Aktionen emsetzen, sondern mindestens e&eitfo viel wirkt das Argument d e r. T a t s a ch e n, die QuaRtät und das Tempo unserer a u s b a u e u d e n A r b e i t in Palästina. Indem wir das Werk vollziehen, die Wiederausrichtung Erez Israels, wirken wir zugleich am besten für die Erstarkung unserer politischen Rechte. Jede neue Kolonisation, jede kulturelle, jede soziale Neuschöpsung zeugt für die friedvolle Hingabe, den unbeirrbaren Glauben an die Gerechtigkeit unserer Sache, jeder e-inzelne Einwanderer, der die Kelle, den Spaten oder die Pflugschar gebraucht, ist-wahr!ich für uns ein starker E i d e s h c i f e r, hrmdertmal be. redter als die geschri-eberten Worte v.w der Mandatsmacht, vor dem Bunde der Völker, vor den arabischen Nachbarn, ein Zeugnis von unserem Wollen. Es gilt, jedes Recht aus dem Mandat mit der B ü v g s ch a f t int sere r ehrlichen Leistung zu v e r starken, die ein Beweis ist für unsere produktive Kraft, siir unser Vermögen, das Land zu neuer Blüte zu bringen zum Nutzen aller seiner Bewohner. Darum ist nichts so gefahrvoll für uns, wie ein Stocken unseres Wirtschastswsrkes, n i ch t s so f o r d e rli ch nach innen und außen wie ein st e tig e s' s y st e matisches Forts ch reiten! unserer friedlichen Niederlassungen rm Lande, und darpm bedmtet Geld so viel für uns. Nicht weil wirieine Kolonisationsgesellschaft sein wollen, verewigen tvir soviel Arbeit in Keren Hajessod, sind wir so eifrig bedacht au/unsere finanzielle Ausrüstung. Geld ist für uns nicht dass gewöhnliche Mttel, Güter p’ erwerben, es ist ein / Lösegeld, um u/chren Boden zu erlösen, ein Wertmesser der Fähigkeit unseres Volkes zum letz Urv Opfer und zugleich ein Maßstab für feine Schöpferkraft. ebnen und zu gleicher Zeit die normale Arbeitslosigkeit, die Nie konnten tpir das fo deutlich sehen wie im W«' WMn.M WchMWEfm> WM über die mdut ga«gvmn zu wenig, Mtesien an den Rot-

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