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Wiener Morgenzeitung · 1923-08-05 · Heft 1609 (5.8.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1609 (5.8.1923)
Date
1923-08-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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jLm* EittzelmimmerKlOOO Wien: ZumAbholen in der Expedition, II.. T aborstr, 1-3, oder in einer Verschleisst eile (Trafik) nronatl. K 28.000 Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monatL fC 28.000 Tis che c h o-S 1 owäik e! : Mon. K17. Juffoalawien: Mon.DjnaT.40. Poleh:Mon. Mk.30.000.D euts'chland: Mon.Mark 50.000. Fr an k r„ Belgien: Monat!. Fres. 8 BF N«cli*«hlanjfen '■i bei Preigerhöbungei», . Vorbehalten Tscheche» -Slowa h«K t tschsch. K 1.20 1t ali en: Monatl. 10 Lire, Ru m an i e n Mon. 90 Lei, Bulgarien Mon. 75 Lewa, S c h w e! z und das übrige Ausland monatlich Frcs. 3 Redaktion u. Administration Wien, II.,Taborstrassei--3 Telephone: 44-0-38,43-3*19, ab 6 Uhr abds. 19-483,16-301 Tel-Adr,: »Morgenzeitung“ Wien Oesterreichisches Postsparkassen-Ronto Nr. 150f93 S. Jahrgang r rifsni' Nie i Bon Julius MWH. Morgen tritt in Karlsbad die jüdische Nationalversammlung -Mammen. Auch diese 13. . Nationalversammlung tagt noch nicht auf heimatlichem Boden. In dieser Beziehung stehen.wir noch immer dort, -wo. wir in Basel begonnen haben. Um wie viel aber sind wir seit Basel unserer Heimat näher geßommen! Wir haben in diesen 25 Jahren manche Rückschläge erfahren. Aber bei aller notwendigen - Kritik - wollen - wir doch nicht ungerecht gegen uns. sein, denn jÄter. Kongreß seit dam Ärhre 1897 bedeutet eine wichtige Etappe aus unserer Wanderung durch die Wüste. Wir mutzten uns erst wüsteren, wir mußten uns dann ordnen, organisieren» sichern, das Ziel feststellen und dann alle unsere Kräfte zusammenfassen, um es auch zu erreichen. Das aus der Heimat vertriebene Volk mußte wieder Volt werden. Vor der Entstehung des politischen Zionismus hatte das VE das Galuthbewußtfein zur Weltanschauung erhoben. Es hatte seinen Zustand mit der Passivität des Fatalisten hingenommen, ^erwartete' alles von äußern weil es der inneren Kraft entbehrte. Die Energien waren immer vorhanden, aber sie wurden entrveder durch fremde Zwecke gebunden oder man wußte sie nicht zu. gebrauchen. Erst mit dem Wiedererwachen des VolkHewußtseins, erst in dem Augenblick, da der erste Kongreß unser Programm als nationales Programm festlegte, stellten wir uns wieder auf den Boden der Wirklichkeit. Wir traten wieder in die Geschichte ein. Die Judenfrage war nicht mehr eine philanthropische Frage, deren Milderung von; dcjm Wohlwollen einiger gütergesegneter Glaubensgenossen äb- ^»K«E«eyiDa-e'.Äard..znL jüdischen, Fxage, ist D gebliÄen 'und wird - es bleiben. Me.eMKpMWW für das jüdische - GemÄMnesen war gWasfen: ' das Mische Volk. . . . Zwei Jahrtausende Geschichte, irr der Verbannung sind an diesem Volk. spurlos vorülbergegangen und sicherlich sind die Wirkungen der heimatlosen Zeit, viel tiefer und mächtiger als wir ahnen. Kein Mensch kann sich den Einflüssen seines Milieus entziehen. Die Macht der Umgebung ist so stark, daß sie den Menschen nicht bloß körperlich, sondern auch in seinem Bewußtsein umzusonnen Vermag. Ist der Mensch das Produkt der Verhältnisse, so ist es in erhöhtem Maße die Gemeinschaft. In ihr multiplizieren sich die fremden Einflüsse, die wohltätigen sowohl wie die schädlichen. Vermag es aber der starke Wille des Einzelnen, seine Persönlichkeit zu retten, so 'kann dies eine organisierte Gemeinschaft in noch viel höherem Maße. Für sie ist das Volksbcwußtsein gleichzeitig Schutzdamm gegen Ueberflutung und ein Kräfteakkumulator, um die Energien zur Gestaltung ihres eigenen Schicksals zu gewinnen. Sein eigenes Schicksal aber kann ein Volk nur auf seinem eigenen Boden formen. Es ist wohl möglich — und der Zionismus erbringt den Beweis dafür —,. daß die Grundlagen für ein nationales Gemeinwesen noch aus der Fremde gelegt werden können. Aber all das ist nur Vorbereitung für das neue. Leben. Das eigentliche Däsein des. 'Gemeinweseüs kann nur beginnen, wenn Volk, und Land zur Einheit werden. Wir stehen an der Schwelle zur Erreichung, dieser zweiten , Voraussetzung. Der Boden ist uns bereits zugewiesen und nun haben wir uns darüber klar zu werden, wie wir uns auf' diesem Boden einrichten sollen/ Auch au der uns entrissenen Heimat ist die Geschichte nicht spurlos vorübergegangen und es' gchort miü zn unserer Aufbauarbeit, daß wir uns zu den jetzt dort. Wohnenden in Harmonie schen. Wir kommen nicht als Eindringlinge, nicht als Eroberer. Wir kehren in die Heimat zurück. Wir stehen auf. unserem Recht. . Wer^ das ist die Quelle für eine gerechte, billige' und menschliche Regelung unserer Verhältnisse zu unseren Nachbarn m Palästina, die ja uns nicht Fremde sind, sondern Brüder aus alter Zeit her, FanMengenossen, die. von dem gemeinsamen Feind gegen uns mißbraucht' werden. Mt ihnen gemeinsam müssen wir unftr Lands zur Blüte bringen.' Dieses Zusammenwirken wird um' so leichter vor sich. gehen, st klarer die beiderseitigen' Rechtsshhären äbgegrenzt sind,. und hier, muHn) wiv^ fördern, daß das" Mandat, hinter dem die Autorität ■ des großen Völkerbundes steht, tatsächlich so ausgeübt wird, wie es gegeiben worden ist: Für die Einrichtung Palästinas als jüdrschnatioNales Heim auf. der Grundlage der historischen BeckiMing des jüdischen Volkes ^rit seinem Vaterland. über die Lage im Kve ChUitzr Meirchänn weilte gestern mit feiner GÄM Mf fät inMen und ist von hier amAhMd nach Kiavlsbad nbgereM. VZeizmnnn^ -cheWemMe Gekegenheit seines kurzen Aufenthaltes Senützte, um einen hiefigey Apzt weEe» ÜneZ rhenmatifchen Anfalles zu konsnttievetL, äußerte, sich im GefPrS^H. mit einem nMveo Redakteure über seine auf seiner ÄeÄekampagne in Ame rika gesammelten WfahrNttgen. Dr. Weizmann veurteitt die Situation in Amerika recht o p tim ist is ch urch betont, -aß bei entsprechender Arbeit, sehr große Geldmittel für den Aufbau Palästinas aus Amerika zu gewinae» seien. Das abgelaufene Jahr sei für -äs PÜWttna-WßMseM kritisch gewesen nnddir tzitnätiondürf eftchnre mehr wiederholen, daß das Aufbausioerk in Palästina infolge Ge^mängels insHtMeN gerate; solche tzeMttet, das gesamte Zionistrseßv Merk aufs empfindlichste zu treffen. Audie Frage unseres Redakteurs, wie sich die uichtziöniftischen Weisem Amerikas zum WalSstLtz^Pr»Mm/-vMMen, erklärte Professor W e l z mÄ.n.N,/l>Oß.EW.'ideü Vereinigten Staaten eins l ü st reich c ' u i ch tzionisLische Kreise gebe, welche Wert darauf legen würden, in ein konkretes Verhältnis zur zionistischen Organisation zu treten und an der K e. r e n Haje s s o d - A rbeit teilzunehmen. Auch für Engl and gelte ähnliches, obgleich der Kreis der englischen nichtzionistifchen Persönlichkeiten Natürlich recht enge sei. Es sei jedoch daran zu erinnern, daß die Heranziehung der nichtzionistischen Repräsentanten des englischen Zudpntums eine p o l i L i s ch e B e den tu ng hahe, die man sticht übersehen dürfe. Die im Vergleich zu früheren Kongressen' geringere Anzahl von Delegierten werde,, so hofft Dr. Weizmann, eine ruhigere und reibungslose Arbeit des Kongresses ermöglichen, was angesichts dep wichtigen Probleme^ die der Kongreß zu erledigen habe, sehr zu begrüßen wäre. Wie aber auch die Beschlüsse des Kongresses lauten mögen, das W i ch t i g st e bleibe, daß der Kongreß alles in seinen Kräften Liegende tun müsse, daß sich ErDeinungen wie die in der verflossenen Periode nicht wiederhnley^; Es komme darauf an^. unbedingt ein rascheres Kempd in die 'Üluf b'a ii är v e _ PmUaP'i-n äz n- Br^i;ng^e'n..und .zionistifchen Stützpunkte nichf ainetMugenblirk ohne die Mittel zu lassen, deren sie gegenwärtig Noch bedürfen. Zer 13. NoMenkongreß Versuche zur Mduns einer Arbeitsgemeiuschuft. (Speziäkbericht der „Wiener Morgenzertung".) Heute treffen auf Einladung der deutschen und . eines Teiles der Polnischen Landsmannschaften diejenigen Delegierterr zusammen, welche uicht Fraktion e n angehören. Es wurde prinzipiell die Bildung einer A r b e i t s g e nr e i n s ch a f t ^schlossen, vochehaltlich der Zustimmung der einzelnen Landsmannschaften. Diefe^ Arbeitsgemeinschaft soll eine stärkere Körperschaft werden als es der Block ans dem zwölften Kongreß war. Di.e gesamten Landsmannschaften, nicht. bloß Vertreter derselben, sollen zu einer Plenarsitzung Wsammentreten, um eine e i n h eit l ich e Meinung zu bilden. Zum Vorsitzenden wurde Dr. Felix Rose n b l ü h t (reichsdentsche Landsnmnnschast) gewählt. Die Debatte behandelte zunächst die I e w i s h A g e n e y. Dr. Sol o w e i t s ch i k, der das ei-nloitende Referat erstattete, stellte fest, man müsse sich darüber klar, sein, daß jede Erweiterung der Jewish Agency eine Mlmd.e rung der Bedeutung der Z i on t st i s-ch e n O r g a n «isnti o n für' das Palästinawerk. mit sich 'bringe. iDfe Kraft, der Zionistischen OMN'isation a l s - s o l che werde: Mr I durch die, BetMgnng' von' Nichtz'ionisten an. der. Jewifh Agency n i ch t vermindert Weichen. Nicht o b die'Jvwifh Agency zu erweitern sei, soll diskutiert werden, sondern Wie sie - zu erweitern ^sei. Als wichtigstes Postulat erachte er, daß nicht.die Juden der' ointzelnen Länder auf Läüdevkonsevenzen.dlrekttPetsoneir zu jenen.-Konferenzen entsenden dürfen, 'welche den nicht-; Zionistischen Teil' der Jewish Agency ivählen, es nmsfe vielmchr eme 'ZwifHenkörpersichaft,: böstohend ans. Zionisten^ und•: Nichtzionisten,' geschaffen^ lwLrden," welche die 1« h l e n für die Jewish Agency vornehmen soll.' l :. -. •. ' . ' St r,i ck'er (ÄZien) fordert, daß die' ArbeitSgömein- - schüft der ■ LandMWnHästen r^chtMistg eWre^ 'was'die ' Exekutive, insbefpndeve was Dr. Weizmann wolle, damit der Kongreß nicht wieder in die Lage versetzt werde, bei der Wahl deb'Leitung BchingnWn der Führer zn' Wptikven, die erst i>n ernenn.vorgerückten Stadium der KongreßderhaMungen bekanntgegeben werden. Namens der L-mörstaMchen LandMannschast erläutern.die Dele- Karlsbad, 1. Ang-nst. gierten L i p s k y, G o l d b erg und N e n in a n n die in der bekannten Denkschrift der amerikanischen Zionisten de>m Kongreß erstatteten Vorschläge. Sie verwahren sich dagegen, daß eine Verminderung der Kraft der Zionistischen Organisation beabsichtigt sei oder hevbeigesührt werde. Die Jewish Agency verbleibe in der Hand der Zionisten. Die Vertreter jener nichtzionistifchen Gruppen, die für Palästina arbeiten wollen, werden lediglich eiugeladen, in die Jewifh Agency einzntreten. Man dürfe die politische Bedeutung ihrer Vorschläge nicht verkennen. Die Juden des englischen Hanptlandes seien nicht genügend aktiv. Die Judenschaft der englischen D onr i n i o n s mrd A nr e r i k a s rmrsse durch Aktivität in Palästina die öffentliche Meinung zugunsten des Mandats beeinflussen. , Namens jener Gruppen der polnischen Seite, welche für die Erweiterung der Jewish Zlgency sind, sprach Dr. Gottlieb. Das Verantwortlichkelitsgefühl für den Aufbau gebiete, neue Kräfte heranzugiehen. Der Führer .der polnischen Opposition, Abg. Grünbaum, erklärt, die amerikanischen Vorschläge a'bgülehuen. Es sei keines- Ivegs sicher, ob durch die beantragten Maßnahmen, die dem zionistischen Kongreß das Budgetrecht nehmen, das ' Palästina-Budget tatsächlich gedeckt würde. Zrr seiwul und j zu unserem Glück sei Herzl von den Notabeln verlassen; und gezwungen worden, eine andere Meinung zu akzeptieren. Der Preis, den die Amerikaner zahlen wollen, : ist z u g r o.ß. Nur auf dem Weg über den jüdischen W e l tjfüngreß oder die jüdWen Landerkonferenzen können wir weiterkommen, nicht aber mit der Notabeln- ' Wirtschaft. Kurt Blumen seid (Berlin) weist auf den Envst i der. Situation hin. Dort, wo die Arbeit für den Keren -Hajessod mit Glück dürchgesührt wurde, hat man gute Erfahrungen gemacht. Dürch die Znsamnlenarbeit mit mchtgionistischen Palästina-Frenriden wachst die Kraft und .ÄktionsfähigbLit der Zionistischen Organisation. Die Ber- -haMungen wurden sodann unterbrochen und iverde« spät abends fortgesetzt

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