Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1923-08-02 · Heft 1606 (2.8.1923) · p. Seite 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1606 (2.8.1923)
Date
1923-08-02
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2979076-2980477-2980687--15629-3002472
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

DM 8 . Me«, DoMerSW " " Mmzigmal so groß ist wie seine Zlussuhr und das im Verhältnis zu den eingchührten . (naturgemäß viel teureren) FertiKvare« nur den zehnten Teil in Rohstoffen importiert, LAars dringend der Entwicklung und Ausgestaltung seiner Industrie und seines Gewerbes. Einen weiteren Passivposten, der zur Gänze beseitigt werden konnte, bildeten Tabak und Spirituosen. Was ersteren betrifft, so wurden bezüglich des Tabakanbaues bereits.Vorkehrungen getroffen, die sich möglicherweise schon in den ÄußerchrndelHiffern für das Jahr 1923 bemerkbar machen werden. Ler Umtausch der Aktien der Sesterreichssch« «usarischra Bank. Frist bis 1. November. Nachdem die Vollversammlung der Aktionäre der Oesterreichisch-nngarischen Bank am 21. Juli 1923 das Ueberein- | kommen betreffend die Ueberlaffung der den Mtionären zuge- | sprochenen Sachgüter aus der Liguidationsmasse sowie des Manzmätzigen Vermögens der österreichischen Geschäftsführung an die Oesterreichische Nationalbank mit überwiegender Majorität genehmigt hat, wird von der Nadionalbank nunmchr im Sinne dieses Uebereimwrmnens mit dem Umtausch der Oe-sterreichrsch-ungarffchen Bank-Aktien gegen Nationalbankaktien, bezw. Mt der Bareinlösung der ersteren begonnen. Für den Umtausch, welcher im Verhältnis von einer Oesterreichischungarischen Bank-Wtie gegen eine B ie r t e l a k t.i e der Oesterreichischen Nationalbank vorgenommen und be' -er Hauptanstalt der Oesterreichischen NationMank in m gegen Einkieiserung der mit Bianko-Giro versehenen Ak:'. ,:r Oösterreichisch-ungarischen Bank durchgeführt wird, ist eine Frist bis 1. November 1923 festgesetzt, wahrend der Anspruch auf Dareinlösung mit 365.060 österr. Kronen Pro Mtie ohne Zirrsenvergütung bei der genannten Hauptanstalt bis längstens 1. Juli 1924 geltend gemacht werden kann. Die «kkheren Modalitäten für diese Einlösung sind in einer in der ,Miener Zeitung" vom 31. Juli d. I. und in den offiziellen Landesblättern veröffentlichten Kundmachung enthalten. Die Aeudermrg der Luxusstenerabfindung für den Parfümerichaudel. Durch die Verlegung der Luxusstenereinhebung für Parfümeriewcoren in die erste Hand, das ist zum Produzenten. beziehungsweise zum Importeur, ist eine Verschiebung der Zahlungspflicht bezüglich der Warenumsahsteu-er in dieser Branche eingetreten, daher müssen auch die diesbezüglichen ÄbffndunMätze geändert werden. Die FachseLion der Parfümeure hat im Wege des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft mit der Finarrzverwaltung Fühlung genommen, damit es möglich werde, im Wege einer Vereinbarung diesen geänderten Verhältnissen Rechnung zu tragen. Beratungen der Fachsektion über diesen Gegenstand haben bereits stattgefunden. Mirrdepgchalte i« Handelsgewerbe für den Monat Juli 1923. Die paritätische Kommission des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft hat die Veränderung der Lebenshaltungskosten gegenüber dem Monat Juni 1923 mit 5 Prozent minus festgesetzt. Die Mindestbezüge betragen sonach für den Monat Juli 1923 während der ersten sechs Monate der Praxis 471.205 K. Nach der Freisprechung im zweiten Halbjahre der Praxis 518.4333 K., nach einjähriger Praxis 565.659 K>, nach zweijähriger Praxis 635.430 K., nach dreijähriger Praxis 706.271 K., nach vierjähriger Praxis 777.112 K., nach einer länger als fünfjährigen Praxis 847.954 K. Angestellte (Anfänger), welche mindestens einen zweijährigen Tageskurs einer Handelslehranstalt mit Erfolg absolviert haben, erhalten die oben angefühtten Bezüge nach einer dreimonatlichen praktischen Betätigung. Während diesen: Zeit erhalten sie ein Entgelt von 423.977 K. Die Mindestbezüge für Lehrlinge im Monat Juli 1923 betragen: Im ersten Halbjahr der Lehrzeit 85.869 K., im zweiten Halbjahr der Lehrzeit 107.337 K., im dritten Halbjahr der Lehrzeit 128.802 K., im vierten Halbjahr der Lehrzeit 150.271 K., im fünften und sccbsten Halbjahr der Lehrzeit BMMMWWBWMMMBWMnPyyir-» -? •*. > ■1 ixlWt iWBBMWBM——BWM——— Copyright 1923 Nachdruck verboten. byR.Löwit-Verlaj'jWien-Leipzif. (53. Fortsetzung.) Zn Mtb iälbent. Roman von I. Opatoschu. Autorisierte Uebettragung aus dem Jüdischen von Sie gfri ed Schmitz. ,M>er Panie, Panie!" wandte sich der Sohn, der auch halb betrunken war, an Mordechai und die anderen Umstehenden und faßte den Vater unterm Arm. „Schieß' ihn nieder, schieß' ihn nieder!" lallte der Alte in eine-nrfort und versuchte, sich loszureißen. ,/Märe nicht -die Hure Ester'ka gewesen, so hätte Hamcm schon alle Juden ausgerottet ... Ta hätte Abramek keine Schenke hier und die Juden würden nicht das Adelswappen der Karpinski beleidigen; wäre nicht die Hure Esterka . . Empört verließ Mordechai die Schenke; es gab ihm keine Ruhe, daß der Schwache, wenn ihn der Feind angrrff, noch den Kopf beugen, es für Liebe nehnren und dankbar sein mußte, ßi haderte mit Gott und konnte nicht begreifen, wo da die Gerechtigkeit war; wenn das Gerechtigkeit sein soll, dann wollte er von solcher Gerechtigkeit nichts wissen. Er wußte nicht, wohin ihn seine Schritte trugen. Er fühlte, daß Schmiel ein Netz um ihn geworfen hatte, das sich von selbst um ihn schlang und m dem er sich immer stärker verfing. Es verdroß ihn, 'daß er sich so leicht ergeben und nicht einmal versucht hatte, sich zu wehren. Aevger ergriff ihn, weil er sah, wie alle um ihn wußten, 'was sie wollten, Boden unter ihren Füßen spürten und ihrer selbst so sicher -waren, daß sie alles, was sie unternahmen, ausführten. Nur er, Mordechai, war nie seiner sicher, war fast mit jedermann einverstanden; er fühlte, es fehlte ihm die Anmaßung, sich sicher zu fühlen und selbstzufrieden zu sein, es war ihm stets, als schwebe er .in der Luft. Und doch, obwohl er dadurch sehr litt..und sich oft quälte, 'hätte er mit niemandem tauschen wollen; er fühlte — ein Schmiel, fei er noch so erfolgreich, hatte doch nichts in sich als die Fähigkeit eines der Hunderte von Kleinkrämern und Maklern und Vermittlepn, die immer um Lemen Later im WaMMwörugeL. .- - , gsienct 271.737 K. lieber eine ab 1. Juli 1923 rückwirkende Erhöhung der Mindestbezüge für Angestellte und Lehrlinge schweben auf Grund des Beschlusses der Delegiertenvsrsammlung des Gremiums vom 28. Juni d. I. Verhandlungen zwischen dem Gremium der Wiener Kaufmannschaft und dem Gehilfenausschusse. Von Heren Ergebnis wird die Kaufmannschaft rechtzeitig verständigt werden.' Löschung der Notierung der Kriegsanleihen im Kursblatts. Im Zusammenhänge mit der Rückzahlung der Kriegsanleihen verfügte die Börsekammer, daß die Löschung der Preisveröffentlichungen über Staatsschatzscheine der österreichischen Kriegsanleihen, und zwar der 2., 3., 6. und 8. im nichtamtlichen Teile des Kursblattes am 1. August 1923 erfolgt. Hinsichtlich der Notierung der Schuldverschreibungen der fimfeinhalbprozentigen 40jährigen omortisablen 4. und 8. Kriegsanleihe tritt vorläufig noch keine Aenderung ein. Bevorschussung des ungarischen Mehlexportes. Aus Budapest wird gemeldet: Me verlautet, hat der Bevollmächtigte der ungarischen Regierung, Generaldirektor Stutz, mit einer holländischen Grirppe in Amsterdam vorläufig Abschlüsse wegen Bevorschussung des ungarischen Mchlexpovtes erzielt. Die holländische Gruppe ist geneigt, einstweilen einen Vorschuß von fünf Millionen holländischen Gulden zu gewähren. Wiener Börse. Im Eroffnungsstadium der gestrigen Börse bewirkten größere Käufe für Prager Rechnung, welche namentlich in den Bankenwetten und in den Alpineaktien zur Ausführung gelangten, eine ausgesprochen feste Haltung. Nebst Meinungskäufen wurden auch vielfach Deckungen der Koutermtne beobachtet. Stimulierend wirkte auch die wesentliche Erleichterung der Geldverhaltnisse. Im weiteren Verlaufe des Verkehrs berttngerten sich die Umsätze auf der ganzen Linie. Durch Gewinnsicherstellungen und Abgaben der Spekulation wegen der herannahenden Versorgung trat eine ALschwächung ein und ging ein Teil der anfänglichen Erhöhungen wieder verloren. Dennoch blieb die Grunbstimmung des Marktes bis zum Schluffe airdamrnd fest. Gegenüber , dem letzgemeldeten Stand blieben Bankverein um 5000 K., ungar. Kredit um 25.000 K., Unionbcmk um 21.000 K. und Zivnostenska um 43.000 K. im Borsprung. Alpineaktten verließen mit einer Steigerung von 30.000 K. den Markt. Mehr Beachtung fanden nebst den tschechischen Wetten auch die ungarischen Kategorien, von denen Salgo Kohlen 130.000 K. und Rima 29.000 K. profilierten. Im Schranken stiegen Nordbahn um 1,400.000 K. Don den Bauwerten erhöhten sich Unionbau um 50.000 K., KönigShofer um 346.000 K., Perlmooser um 190.000 K. Auch einzelne Holzaktien wiesen Besserungen aus. Die Nachftage nach den Aktien der Sigl Lokomotiv hielt nach wie vor an und wurden dieselben abermals um 99.000 K. höher bezahlt. Bezugsrechte. Bank für Oberästerreicki und Salzburg 8500 K., Home 2000 K., Siersaer Montan 100.000 K., Rikola 700 K., Ost. Exvott und Import 1200 K., Sascha 1000 K. und Vita Film 300 K. Auf dem Renten markt ergaben sich nur gettnge Veränderungen. Von den Exoten uotietten: Anzeigen-Ges. 148.000 bis 150.000 K., Apollo-Film 24.000 K., Epple und Buxbaum 74.000 bis 85.000 K., Vaterl. Holzverk. 30.000 bis 32.000 K., Jttag 340.009 bis 358.000 K., Mrazniea 275.000 bis 285.000 K., Tepege 145.000 bis 150.000 K., Universale, Bau 31.000 bis 32.500 K., Wiener Waffen 33.000 bis 35.000 K. Wiener HolibSrse. Die gesttige Holzbörse wies mäßigen Besuch auf und Interesse war für Rundholz in der Rinde fast asttein 27 Zentimeter auswärts 3 bis 6 Meter lang, frisch geschlagert, vorhanden Zum Abschlüsse gelangten vonNadelholz-Schnittmaterial Kistenware, 13 Millimeter 8 bis 17 Zentimeter zu 340.000 K. ab niederösterreichischer Landesbahn sowie 13 Millimeter-Bretter von 14 bis 30 Zentimeter zu 590.000 K. ab Wien. Außerdem wurde exekutiv gedeckt Spretselholz zu 170 K. pro Kilogramm ab Wien. Ausgeboten wurden Buche tschecho-slowakische trocken zu 3,400.000 K. ab Wien, rumänische Scheiter zu 3.500.000 K. ab Wien Brennholz trocken tschecho-slowakffcheS zu 3,550.000 K. ab Wien, und weiches Schlägerung 1922/23 zu 2,200.000 K. ab Wien, Spreisellholz. zu 210 K. pro Kilogramm ab niederösterreichischer Station, von N a d e l h o l z-S chnit ——jummum t——amtmgaai in—nnn—11 ..in— 2. Augusi 1923 M. IM m a t e r i a l 20 Millimeter-Bretter von 10 bis 30 Zentimeter Durchschnitt 18 zu 450.000 K. ab niederösterreichischer LandeSbahn, 24 Millimeter-Bretter von 10 bis 92 Zentimeter 29 zu 460.000 K. ab niederösterreichischer Landesbahn, von Nadelholz-Rundholz Langholz 8 bis 11 von 16 aufwärts zu 320.000 K. ab nieder österreichischer Station. * Wiener Warenbörse. Zum öffentlichen Verkauf gelangen am 3. d., V41 1!hr, 14.000 Kilogramm französischer Harz I. K. Börse sür landwirtschaftliche Hrodnlte. (Eigenbericht der „Wiener Morgenzevtung".) Eine Rekordernte bevorstehend. Auf dem ganzen Erdenrund wird eine Rekordernte erwartet. Die Be eichte lauten nachgebend. In Oesterreich steht gleichfalls ein sehr großer Ertrag in Aussicht. Die Ernte in Brotgetreide und Gerste ist bereits unter Dach und Fach, die letzten Regen waren der Entwicklung der Herbstfrüchte außerordentlich förderlich. Das Auslandsgeschäft entwickelt sich heuer sehr schwerfällig, an ein Transitgeschäft nach Deutschland ist nicht zu denken, trotzdem dort Bedarf besteht und die Offerte marktmäßig sind, allein die Devisenbeschaffung im Reiche draußen scheint ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Die S u k ze s s ion 8staalen sind mit Rücksicht auf die eigenen glänzenden Ernteaussichten abgabswillig, allein auch da gestaltet sich das Geschäft sehr schwierig, da zwischen Forderungen und Geboten große Divergenzen bestehen. Speziell die Offerte aus Jugoslawien sind undiskutabel. Das Geschäft an der Mittwochbörse hielt sich unter diesen Umständen in sehr bescheidenen Grenzen. Naturgemäß ist Bedarf vorhanden, jedoch schreiten Interessenten nur dann zu Abschlüssen, wenn hinsichtlich der Preislage Entgegenkommen gezeigt wird. In Mais stagniert das Geschäft, Neubezüge aus Rumänien und Jugoslawien rentieren kaum. Die Preise sind nachgebend. obwohl keineswegs , belangreiche Lager hier sind. Hafer ist stärker offeriert und auch in diesem Artikel kann man unter Vorwochennotiz ankommen. Sehr flau liegt das Mehlgeschäft, trotzdem die Preise von Tag zu Tag zurückgehen. In Weizenmehlen ungarischer, französischer wie auch in hervorragenden amerikanischen Marken kommt es noch zu einigen Abschlüssen, dagegen ist das Geschäft 'in Brot- und Roggenmehlen wenig befriedigend. E8 notieren pro Kilogramm ab Wie« (exklusive der Pauschalwarenumsatzsteuer): Weizen inländischer 3150 bis 3300 K., Roggen inländischer 2075 bis 2175 K., Gerste inländische 8400 bis 2600 K.. tschecho-slowakische 2500 bis 2700 K. (1.05 bis 1.20 tfchech. K.) March egg, Mais 2750 bis 2850 K., Cinguantin 3300 . bis 3400 K., Hafer 2750 bis 2850 K.. Hirse 2750 bis 2850 K.. Brein 5000 bis 5400 K., Mohn 14.500 bis 15.200 K., Weißbohnen ungarische 5000 bis 5400 K., Kartoffeln inländische weiß 1600 bis 1100 K., Rosen 700 bis 800 K., Zwiebeln Makkoer 1300 bis 1400 K., Preßheu österreichisches 1650 bis 1700 K., neues lose 1000 bis 1100 K., Schaubstroh 1200 bis 1350 K. ab Station, Malz rumänisches 4300 bis 4400 K., Malzkeime 1700 bis 1800 K., Biertrebern 1450 bis 1550 K., RepS 2.26 bis 2.30 tschech. K., Rübsen inländische 4700 bis 4800 K., Zuckerrübenschnitten entlaubt 1300 bis 1400 K., Leinsaat 5600 bis 6000 K., Hanffaat 6800 bis 6100 K., Weizenmehl inländisches 5500 bis 5700 K.. ungattsches 4600 bis 4900 K.. Brotmehl inländisches In 4200 bis 4300 K., Futtermehl la 2100 LiS 2200 K., Roggenmehl inländisches l» 3600 bis 3700 K>, tschechoslowakisches 60°/,ig l.60 bis 1.60 tschech. K. Baumwollmarkt. Aew-Borlt» 31. Juli. Baumwollzufuhren in beit atlant. und Golfhäfen 13.000, im Innern 300,0. Ausfuhr nach Großbtttannien —, nach dem Kontinent 4000. Lokalmarkt middling: 22.45 (gestern 22.50). Tendenz r Kaum stetig. — Termine: Juli —.—, August 21.65, September 21.55, Oktober 21.21, November 21.10, Dezember 21.03, Jänner 20.81, Februar —, März 20.90, Apttl —, Mai 20.81 Juni —. Berliner Börse. Berlin, 1. August. Die Anpassung dxs Kursstandes fast aller Effekten an die Markentwertung setzte sich in beschleunigtem Tempo fort. Die Aufträge waren so überwiegend, daß bei der von Tag zu Tag schärfer hervortretenden Materialknappheit erneute Kurssteigerungen im Durchschnitt von 100.000. bis 1-1,000.000 Prozent mad für die fchtveren Montan- und Jndufttie- Kapitel^ 4. Der Letzte. Reb Jrfsel Strahl hielt im Schreiben in ne und betrachtete den beschriebemn Bogen mit den runden, hebräischen Lettern und den halbmondförmiA geboffenen Zeilen. Er las Zeile um Zeile nochmals durch, setzte da einen Schnörkel und dort eine Schlinge hintzu und war sicher, seine Uebersetzung sei nicht schlechter als das Original. Er übersetzte Goethes ,/Fcrüs^; jahrelang arbeitete er schon daran und hatte noch nicht einmal den ersten Teil beendet. Bor ihm lag eine Weimarer Ausgabe, in Deiches Leder göbwMn. Die dicken, ^haarig aussehenden Blätter, in Vie Kronen und Monogramme als Wasserzeichen eingearbeitet >waren, waren mit Tabakflecken getränkt. Reb Jossel nahm einen neuen Bogen, bezeichnet ihn mit roter Tinte als Seite 307 und las im Original weiter. Und als er zu d:r Stelle kam, wo der Satan den Frauen zuruft: ^„Für euch sind zwei Dinge , Bon köstlichem Glanz, Das leuchtende Gold Und ein glänzender . . da b.ichlcß er, diese Stelle nicht ins Hebräische zu übersetzen; er berief sich darauf, >daß sie auch in späteren deutschen Ausgaben weggelassen worden war. Einige Male überlas er die vier Zeilen, lächelte, legte seine silberne Tabaksdose auf das Buch und setzte sich tiefer in seinen Fauteuil. * , Er hätte doch nicht in seineir alten Tagen heiraten sollen. Hätte er lvenigstens ein einfaches Müdchtzn genommen, so hätte sein Reichtum sie zufrieden gestellt. Felicia kann nicht zufrieden sein, sie hat sich ja für die Eltern geopfert. Wäre ihr Vater nicht vor dem Bankrott gestanden, so hätte er ihm nie die Tochter gegeben. Er hatte sie damit gekauft, daß er ihres Vaters Schulden bezahlt hatte. Er ist ihr ein Fremder geblieben. Er fühlt es. Obwohl sie alles tut, was er verlangt. Sie lädt ihn jeden Abend in ihren Salon ein — auch heute wird sie wohl noch kommen —, sie will, daß er sich mit ihren Gästen unterhalte . . . Doch wie Mt er, der alte, vervnnzelte Jude, gegeyüber den liberalen Edellouten und den jungen jüdischen Herrchen aus? Jeder, der ihn in Felicias Gesellschaft sieht, muß sie bedauern und >daran denken, es sei wohl nicht schwer, eine so junge, schöne Dame einem alten Shhlock zu entführen. . . Deshalb geht er nicht hin, sondern blei'bt in feinem Zimmer und liest, bis es ihm. vor den Augen schwindelt. Mag'dort geschehen, was da wollet Er schämt sich vor ihr, schämt sich sogar zu seufzen. Er we'H nicht warum, aber wie er sie sieht, hat er den Wunsch, jünger auszusehen . . . Seit Monaten schon lebt er nicht mit ihr . . . Und sein Reichtum? Sie ist ja im Reichtuni geboren . . . Goethe hat recht. Reb Jossel schob die Brille auf die Stirn und blickte durch das breite offene Fenster auf -den Wieprz, dessen Wellen sich still und goldig in 'den Strahlen der untergehenden Sonne kräuselten. Reb Jossel vergaß an alles; er öffnete den eingefallenen Mund und schaute in die untergehende Sonne, die dem Flusse immer näher kam, sich in ihm spiegelte und >den Rand des Himmels in Gold und Kupfer hüllte. Ein Auge hatte Reb Jossel geschlossen, das andere blickte unbeweglich auf den hinstevbenden Tag, der gesenkten Hauptes seinem Ende zueilte und nur >den einen Wunsch hatte, ungestört seiner Ruhe zuzugehen. Als die Sonne verschwunden war und am Himmel nur da und dort leiuchtende Streifen standen, seufzte der Alte aus.. Er hörte einen Wagen vor dem Hause Vorfahren und machte in der Richtung, woher das Geräusch kam, eine Handbewegung, wie um jemanden zu bitten, ihn nicht zu stören. Die beschriebenen Papierbogen 'legte er langsam in die Schveibttschlade. Da er nichts zu tun 'hatte, machte er in der Lade Ordnung; .er zog ein Paket Briefe hervor, das mit einenr Maschenband umwickelt ivar, und öffnete es. Lange blickte er auf die verblichenen Adressen; er wußte auswendig, was in jedem Briese stand. Die schmalen, gefalteten Briefe mit den Siegellackflächen waren aus Zolkiew gekommen, einenr entlegenen galizischen Städtchen, in dvs aus ganz Polen und Galizien die Aufklärer zu ihrem Rabbi Nachniau Krochmal gepilgert waren. tLMMna iolaQ

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.