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Wiener Morgenzeitung · 1923-07-31 · Heft 1604 (31.7.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1604 (31.7.1923)
Date
1923-07-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
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* r> .y/. v.y*.j *. * 'M ■' ■ '-r^r ^Tr>\vv: EtozelOTmerKIOOO Wien: Zum Abholen in der Expedition,II.,Taborstr.1-3, oder in einer Verschleisstelle (Trafik) monatl. K 28.000 Mit Postversand für Wien u, Oesterr. monatl, K 28.000 Tschecho-S Iowakei: Mon. K17. Jugoslawien: Mon.Dinar40. PoI en:Mon. Mk.30.000.D eut s chl a n d: Mon.Mark 50.000. F r ankr., Belgien: Monat!« Frcs. 8 BV* Nachzahlnn^en bet ' Prelaerhohungren Vorbehalten lener mcnecnoauicsaKti > tseheeh. K C.— Italien: Monatl. 10 Iire, Ru ma ni e n Mon. 90 Lei, Bulgarien Mon.75 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 3 Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1—3 Telephone: 44-0-38,43-3*19, ab 6 Uhr abds.19-483,16-301 Tel.- Adr.:,Morgenzeitung" Wien Oesterreichisches Postaparkassen-Konto Nr. 150.693 Nr. 1604 Wien. Dienstag, 31. Sali 1923 Der Trümmerhausen. -y. Wien, 31. Juli. Der deutsche Reichstag ist für Mittwoch den 8. August einberufen. Die Regierung Cuno, die das Wort an die Volksvertretung übergibt, wird, wenn sie an diesem Tage noch im Amt sein sollte, einen schweren Stand haben. Sie steht vor der unmöglichen Aufgabe, das was sie versäumt -hat, zu rechtfertigen, und es ist schon denkbar, daß sie noch vor dem Beginn der Tagung den Platz räumt. Der deutsche Reichstag ist.in dieser Situation mehr als eine Volksvertretung. Er muß die Energie aufbringen, die Koalition der-auf dem Boden der Republik stehenden Parteien durchzuführen und aus ihnen einen Kabinett zu bilden, das den Mut zur Tat hat. Die Regierung muß ungesäumt den Verzicht auf die passive Resistenz im Ruhrgebiet aussprechen und damit die Vorbedingung für Verhandlungen erfüllen. Sie muß die Lebensmittelversorgung der großen Städte sichern, den bäuerlichen Wucherern entgegentreten. Das ist bei -der Situation, xti der sich Deutschland heute befindet, ein sehr reichhaltiges Regierungsprogramm, das an die Fähigkeiten der Regierungsmitglieder und an die innere Ädhäsiionskrast der Parteien ungeheuerliche Anforderungen stellt, das aber unbedingt ansgeführt werden muß. Tritt eine Verzögerung ein, dann ist der Zerfall Deutschlands eine Tatsache. Mmr ist nicht mehr weit von dieser Tatsache entfernt, und es ist im Augenblick fraglich, ob ernoch aufgehalten werden kann. Die Gegensätze im deutschen Volk find so.weit gediehen, daß in den führenden Organen aller Parteien die Sachverständigen des Kriegshandwerkes der Aufmerksambeit ihres Auditoriums sicher stick/ . Aarchführung. eines Bürgerkriegesvon rhÄm' militärwifftnschaftlichen- Ständpunkt aus untersuchen. Es ist symptomatisch-, daß das -sozialdemokratifche Zentralorgan mit dieser Art von Aufsätzen dön Anfang gemacht hat, offenbar um einem Bedürfnis 'der Zeit zu entsprechen, in der die Parole „Nie wieder Krieg!" in Tausenden von Versammlungen von Müttern und Frauen den Männern ins Ohr gerufen wird. Deutschland hat nicht abgerüsttet, obwohl gerade dieser Staat dies gm leichtesten hätte tun können, und obwohl die Erfüllung dieser Aufgabe ihm cmt raschestens dazu hätte helfen können, sein moralisches Prestige wiederzugewinnen und zu befestigen. Gerckde unter der Regierung Cuno ist aber das Gegenteil davon geschehen, und alles., was Heute in Deutschland an UMl sich zusammenballt, was heute Deutschland und mit Hm der europäischen Gemeinschaft droht, ist in der Amtszeit dieser. Regierung getan worden. Es mag sein, daß die Mitglieder der Regierung den besten Willen . hatten, aber sie haben aus einer falschen gedanklichen . Instradier'^ng heraus Frankreich zu einer militärischen Tat provoziert und damit die Grundlage geschaffen, auf der sich dann alles aufbaute, was der französische Imperialismus zum Schrecken der europäischen Oeffentlichkeit im Rührgebiet angestellt hat. Deutschland muß abrüsten, in jeder Beziehung und so rasch als möglich. Die deutsche Regierung hatte den passiven Widerstand augeordnet. Sie mußte wissen, genau so, wie man das in Paris sofort gewußt, hat, daß dieser.passive Widerstand einmal in einen aktiven nmschlagenaüuß. und man hat sich m Frankreich nur über den Augenblick getäuscht, in dem diese Erscheinung einficitt Die französischen Agenten hatten viel Geld und Mühe aufzuwenden, .ehe die Münchener Geheimgesellschaft ihre Leute in das Rnhrgebiet schickte, wo die Bevölkerung, der Arbeiter und Kleingewerbetreibenden den offenen Konflikt mit hott S. Fahrgans offenen Konflikt mit den Okkupationsnegern vermeiden wollte. Als dann die Sabötageäktx und die Brnckensprengunqen einsetzten,'- vermied, die-^Berliner Regierung es ängstlich, ein .Wort der Warnung zn sprechen, und sie beging sogar die lächerliche Mrhe'it, Mtglreder, des Kabinetts zur Ermunterung der Bevölkerung über die Grenze/zu. schicken.-' Die^Regierungffankffonierte damit alles,.-was-.-hie,..-fx-ayMche.n MieMpvichte iir der Folge an Scheußlichkeiten verübten, ütt.fc siegab ■ der Pariser- Hetzpresse, immer '.wiedep.-w.iMommeuen>Stoff für Hundstagsphantgsten. Dig mcitionM Begeisterung aus den Augusttagen des Jahreswurde. Mdet .aufgeputscht, Spitzel und KenunMntm 'mit dem Hakenkreuz im Knopfloch taten das ihre>.und'die^Herren der Kohlengruben Verdienten , fett unddick. Wenn die Regierung Cuno .zurücktritt, :fo hiyterläßt sie einen rauchenden Berg von Trümmern, unter dem - die deutsche Mark und mit ihr das Lebensglück und die Lebens- «Mt tmr MMnsy MMchen HsjMmikgL Klärung in JeutMW 8mio «IE. - Psrtelverhandwngen über eine grsße - LebensmUM' knMheit la Berlin. -i-^ - 61ne Beratung der Gewerkschaftler. Berlin, 30. Juli. (Tel. der ,M. Morgentzsttung".) Spät, aber hoffentlich noch nicht zu spät, hat man sich in politischen Kreisen , zu einem EnWuß durchgerungen. Die T a t's a ch e besteht. Kuno ist satte« gelüsten. Seme Amtsdauer zählt - nur nach Stunde n, nach Stunden, die noch zur Bildung des NachsolgeDaibinetts notwendig sind. Schon diese Tatsache allein hat z i e mliche Entspannung im gesamten Loben hervorgevuifen, die in schr ruhig geführten' Verhandlungen zwischen allen Parteien von links nach rechts Ausdrück findet. Die Möglichkeiten' einer Koalition von der Deutschen Volkspartei bis' zur Sozialdemokratie werden, von Stunde zu Stundeaussichtsreicher. Bestärkt in dieser Hinsicht-wird man durch die heute im Reichstag statt tgefundene Sitzung des Vorstandes der Sozialdemokratischen Partei, in der Hermann Mül l e r für - eine Regie rungskoalition mit der Volks Partei eintrat, während NM wenige Abgeordnete sich, wenn-'auch nicht dagegen, so doch mehr für eine w.ohlwollende Neutralität gegenüber einer bürgerlichen Regierung aussprachen. Die endgültige Entscheidung über die Haltung der Sozialdemokraten soll in einer Fraktionssitzung entschieden werden.- Auch die \ , ’ 1 Deuffche Volkspartei < hielt heute eiMS^Mg ab, in» -exsich S t r e f e.mären für eine g r o ß e' K o a't r t -i o naussprach Md die 'Bereitwilligkeit seiner Partei laut -zum Ausdruck -rächte, ' mit allen in Bettacht kämmenden Parteien zur Rettung des Staates vor dem U.-Mergang unterschiedslos zusamme nzua rberten.? .. Das Zentrum hat in.einer kleinen Vorstandssitzung sich mit der Möglichkeit eines Eintrittes in die neue Regierung beschäftigt und ist grundsätzlich geneigt, an einer, breiten KoaTittion teilzunehmen. Als kommende Männer werden Loebe, Severrng, Hilffe rd i ng, Dr. Stresemanu, ja auch B r e i t s ch e i d genannt. - Jedenfalls kann mit einiger Sichecheit angenommen werden, Saß b i s zum Zusammentritt des Reichstages eine neue Regie r u n g nn Amte fein wird. kinberusung der deutschen Reichstages. Berlin, 30. Juli. (Wolfs.) Die nächste Sitzung des Reich stag e s findet Mittwoch den 8. August um 2 Uhr nachmittags statt. eine* Kabiaettsberatung. Berlin, 30. Juli. Das R»ichSkabm«tt beschäftigte sich heute mit den neuen Steue rprojekten. Die Beratungen sollen so schnell wie möglich zum Abschluß gebracht werden. Das gestern von der Reichsregievung angekündigte Ruhr- und Rheinopfer soll in der Erhebung einer Exportabgabe in der Höhe. von zwei Prozent, ferner in einer besonderen Automobilst« ue r und in der einmaligen Erhebung des doppelten Betrages der Steuer vo rau szahlungen, 'die am 1. Fsbruar, bWohungsiweise am 1. November . Mig Iverden^ bsstchen. Die, Referentenhevatungen im Reichsfinanzministerium.über die' geplante wertbeständige' Reichsanleihe 'sind noch nicht, zum Abschlußgelwngt: ' , Die stanMch-belgische Anttvort. - P-ris, 30.i Juli. (Havas.) Die Botschafter F r a n kreichs und Belgiens werden heilte nachmittags . im. Foreign Offike die französische und belgische Antwort auf die letzte Mitteilung Lord Curzons überreichen.- Die b e lg is ch e^ Regierung erklärte sich bereit, in ihrem Antwortschreiben jene lAenderü-ngen vorzunehmen, die von P o in--' care vorgesHägen würden. .^ /. - Die londoner Wochenschrift „Outlook" glaubt-iw der. Lage zu sein, über^ die französische' Antwort bereits nähere Mitteilungen zu machen.L)emyach enthalte die fränzösische- Note'vier P-unEte, und zwar: 1. Völlige E-ri»-. stelllung 8'eH p^asfiven Widerstandes vor der Einleitungdirekter oder indirekter Verha-ndlwnOn; 2.- keine völlige Räumung der Ruhr, bis die Zahlung auch der letzten Mmß der deutschen Schlllld erfolgt' ist; 3. Keine KUygülMe 4 Berlin, 30. Juli. Heute vormittags traten im Reichs» die Vertreter sämtlicher Spitzenorganrsation^'N der Gewerkschaften zusämnveu und eiwgten sich nach längerer Aussprache cruif.ein kurzes Programm, das'sich mit der Steuer-, der Währungs- und der all gemeinen Wirtschaftspol i t i k beschäfttgt. .. Sie Lebrnsmittelnot. Die Lebensmittelnot in Berlin hat - sich noch . ver» schärft. Der größte Teil der Verkaufsstände ist den Markthallen ist geschlossen. Die Fleischzufuh r hat sich verschlechtert, die Einfuhr von Bu t ter und Eiern vom'Land ist vollkommen eingestellt. In Berlin ist kau» ein Ei und nicht ein Stückchen Butte r auszutreiben. Auch - Gemüse und Obst wurden weniger angeliefert als am Samstag, di« Verteuerung macht 'entsetzliche Fortschritte. Daher hat,,anschließend au die Mahnung de s Rei ch s k a nzIers an die ländlichen Produzenten, heute auch der Präsident des Landwirtschastsrates, Dr. Brandes, diese angesichts, der d r i ngenden Lebens m itte l not in den Städten aufgefordert, soweit es der ' Reifezustanid' der Kartoffeln^ Müßt) die rascheste'B-elieferung der Stadt mit F rüh kar-t.offe ln 'm die Wege zu leiten. München) 30?'Huli.^DüA/KörrZBirr-.1' 'In dtzv-hew Ligen 'Sitzung des ländtages kam die Teuerungsinterpel- ' lätion dex SozraMmokrä.ken zur Sprache. Landwirtschafis-' minister Wutzeihofer erklärte, , für die nächste Zukunft - sei in Bayern hinsichtlich der B r o t -v e r s o r g n n g nichts zu'befürchten. 'Die Frage, ob es möglich sei, die Ernte 1923 rechtzeitig auf den Markt zu bringen, werde nur . zu lösen sein, wenn es bis dahin gelungen sei, eine geeignete Währung zu schaffen. Er habe gestern mit dem,Reichs-er>nährungsmimster über diese Frage verhandelt und ihm nahe gelegt, wenigstens für die notwendigsten Lebensmittel wert-. beständige Zahlungsmittel zu schaffen. Der Reichsernährungsminister habe. das Versprechen gegeben, mit dem Reichsflnanzminister über diese Frage in Unterhandlungen zu treten. Notgeld im Ruhrgebiet. Köln,. 30.. Juli. Me. dve. ,„Kölnische Bolkszeitung^ meldet, sind mehrere Städte im. R u h r g e b i e t zur Ausgabe .von Notg eldscheinew in großem Maßstrb geschritten. Do hat die Stadt Essen, um dem herrschenden Zahlungsnnttelmang'ol abzuhelfen, beschlossen,. vi e rh u n d e rst. M i l l -i a-r d « n Notgeld herauszugsben.. .. .. Blutige zusammenstötze in Rosenhcim. Berlin, ,30. Juli. Ziach einer Blättevmeldn-ng aus München ist es. gestern in ..Rosenheim -zu Zu-, sam menstöße u zwischen SöZiast'rsten und Rechtsradikalen gekommen. ,RationaTsozialisten und Angehörige vaterländischer Verbände stürmten abends das Gewerkschaftshaus. Dabei würde ein Metallarbeiter so schwer verletzt, daß er noch im 'Laufe der Nacht gestorben ist. Mehrere andere 'Personen erlitten leichtere VevletzungeN' Festsetzung der Reparationssumme. und 4. Widerspruch gegen dieTeilnahme eines neutralen Mitgliedes. in der Sachverständigenkommission. .; Sie belÄsche Note überreicht.; ' Brüssels 30. r Juli. (Havas.) Die bel-gische^ Antwortnote ist - heute, ^nachmittags durch den Botschafter Baron L o uchechr dem brstMen-.Auswärtigen- Amte überreicht worden. Sie enthält -ketne Aen d e rung hin sich tlich - der -.BiLs-etz.Mg-.'de-s- RuhrgebLetes.- - ' Hinsichtlichideb Wiedergutmachungen bezieht sie sich auf -Mstähnischen.:-^arbeiten, die bereits in Paris, ^London und Rom unterbreitet worden sind, und bringt.gewisse Erwägungen hinsichtlich der Lösung dieses Problems-vor-Man glaubt,^ daß die belgische -Antwort in-diesem Belange di» .epres, A'usbauPlaneK enthält. . '

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