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Wiener Morgenzeitung · 1923-07-29 · Heft 1602 (29.7.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1602 (29.7.1923)
Date
1923-07-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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QnzshnunmerKINO Wien: Zum Abhblen in der Expedition, II., Taborstr. 1-3, oder meiner Verschleisitelle (Trafik) monatl. K 28.000 Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 28.000 Tschech o-Slowa kei: Mon. K17. Jugoslawien: . Mon.Dinar40. PolenrMon. Mk.30.000.D ent sehland: Mon.Mark 50.000. F r a n k r., Belgien: Monatl. Frcs. 8 HP Naehiahluns-en bei PreiierhShungcn vorWialteo Tsch«clio-Slewak«l« tijchtch. K fielt a I i e n: Monatl. 10 Lire, Rumänien Mon. 90 Lei, Bulgarien Mon. 75 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Fres. 3 Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19. ab6Uhrabda.l9-483,16-301 Tel-Adr.: .Morgenzeitung“ Wien Oesterreichisches Postspar* kagtfen-Konto Nr. 150.69!' Nr. 1602 Wim. Sonntag. 29. Salt 1923 S. Irr 11. zionistenkongreb in Karlsbad. Re Lngrsordnnng. Karlsbad, 28. Ml. (Del. d. „Wr. MorgeMitung".) £>le Tagesordnung deS am Montag den 6. August zusammentretenden 13. Zi-onistenkongrefses ist die folgende: Eröffnungssitzung, Montag den 6. August, 8 Uhr abends. 1. Eröffnungsreden. 2. Begrüßungen. 3. Nachruf für Dr. Max Nor Vau. 1. Wahl -es Präsidiums. Dienstag den 7. August. Bormtttagssitzung, halb 10 Uhr. 1. Entgegennahme des Berichtes des Kongreßgerichtes über die^Kongreßwahlen. 2. Einleitende Berichte zur Generaldebatte. a) Die Tätigkeit in Palästina. (Referent Herr M. Ussischkin.) b) Zionistische Bewegung und Organisation. (Referent Herr R. Licht he im.) e) Die Tätigkeit unserer Wirtifchaftsinstitutionen. (Referent Herr Dr. G. H a l p e r n.) d) Der Keren Hastssed. ^Referent Herr Dr. B. Feiiwel.) 3. Generaldebatte. Nachmittagssttzung. 1. Fortsetzung der Generaldebatte. 2. Wahl des Resolutionsausschusses. Mittwoch den 8. August. - : Fortsetzung der Generaldebatte. Nachmittags. 1. Fortsetzung der Generaldebatte. 2. Wahl der folgenden Kommissionen: a) Kommission für Weltkongreß und Iewish Agency. (Hierzu wird beantragt, daß dcr Perms nenzausschuß als Kommission ''r diese Fragen fungiert.) b) Politische Kommis s i o n. c) P a l ä st i n a - K o m m i s s i o n, die i hrcrseitS Unterkomuriffionen für landwirtschaftliche und städtische Kolonisation, Immigration, Schulend Sanitätswesen bildet. d) Budgetkommissio n. e) Organ isationsk om Mission. Berlin, 28. Juli. (Tel. der „Wiener. Movgenzeitung".) Es scheint, daß in der letzten Minute sich dennoch einige entschlossene Köpfe gefunden haben, die, allerdings mit dem Mut der Verzweiflung, das untergchende Staatsschiff retten wollen. Das rätselhafte Stillschweigen und die vollkommene Untätigkeit der Regierung 'haben heute das Zentrum zu einem Vorstoß gegen die Regierung veranlaßt, dem bald auch der Uebergang der Soziald e m o k r a t e n in die O p p o s i t i o n folgte. Sowohl au8 den Zentruinsangrifffen wie auch ans den sozialdemokratischen Stimmen schließt man, daß der kommenden Tagung des Reichstages über die Steuergesetze hinaus erhebliche politische Bedeutung zukommt. Der „B o r w ä r t 5" meint heute, daß man sich nicht mit einer negativen Politik begnügen könne. Wenn das Zentrum der Überzeugung sei, txife das Kabinett Cuno nicht mehr zu halten wäre, dann müßten daraus die Konsequenzen gezogen werden. Dann müßte, aber auch schon Klarheit darüber herrschen, welches Kabinett an die Stelle der Regierung Euno treten soll. Denn, wenn hyüe eine politische Revolution käme, so. würde sie. weder Freiheit noch Friede noch Brot-bringen. Auf dem Bürgerkrieg in Deutschland warten die R h e i n l a n d p o l i 1 i k e r in Frankreich. Der Parteivorstarid der sozialdemokratischen Partei wird Montag zu, einer Sitzung zusammentveten, run sich mit der politischen Lage zu befassen. Zweifellos wird der linke Flügel der Partei, der für eine scharf« Opposition gegen das Kabinett Cuno ist, die Oberhand gawms) Keren Hajessod.-KoMmi'sfion. g) NationalfonVskommission. Donnerstag den 9. August. Bormittazssitzung, halb 10 Uhr. Fortsetzung und Schluß der Generaldebatte. Nachmittags. . Keine Plenarsitzung; Sitzungen der Kommissionen. Freitag den 1V. August. Vormittagssitzung, halb 10 Uhr. Referat über „Weltkongreß und Iewrsh Agency". (Reserent Herr Dr. M. S o l o w e i t s ch i k,) Nachmittags. Keine Plenarsitzung; Sitzungen der Kommissionen. Sonntag den 12. August. Bormittagssitzung, halb 10 Uhr. Referat über „Piomertum und berufliche Heranbildung für Palästina". (Referent Herr S. R u b a s ch o w.) Anschließend Aussprache. Nachmittags. Keine Plenarsitzung; Sitzungen der Kommission:'-. Montag den 13. August. Vormittagssitzung, halb 10 Ahr. Bericht der NationalfonMommission und anderer Kommissionen sowie Abstimmung über ihre Anträge. Nachmittagssitzung. Berichte weiterer Kommissionen und - Abstimmung. Dienstag den 14. ÄüMst.' Dormittagssitzung, halb. 10 Ahr. Pc richte weiterer Kommissionen und Abstimmung. Nachmittagssitzung. Berichte weiterer Kommissionen und Abstimmung. Mittwoch den 15. August. Bormittagssitzung, halb 10 Uhr. Bericht des Permauenzausschusses als Kom-mission für die Frage der I e w i s h A g e n c Y. Debatte. Nachmittagssitzung. Fortsetzung der Debatte und Abstinnn:: Abendsitzung. Wahlen und Schluß des Kongresses. nen und es wird daher bei der bevorstehenden Rmchsiagssession mit einem scharfen Borstoß der Sozialdemokraten gegen das Kabinett Euno zu rechnen sein. In den übrigen Parteien ist die Mißstimmung gegen . Euno gleichfalls sehr groß, jedoch ist noch kein Beschluß gefaßt worden. Wie sich die Funktionäre zu einem M r ßtrauensvotum Verhalten werden, ist ungewiß, um so mehr, als die meisten maßgebenden Parteiführer von Berlin abwesend sind. Die Unzufriedenheit mit den Maßnahmen, oder besser gesagt, mit der Untätigkeit der Regierung nimmt nnmer mehr zu und bei der bevorstehenden Feriensession des Reichstages dürfte der Kanzler und seine Minister recht!harte Worte zu hören bekommen. Ob es zu einer Regieru'ngsk ris e kommen wird, läßt sich heute noch nicht sagen. Jedenfalls dürste die bevorstehende kurze Session des Reichstages weittragende Folgen 'haben. Ler Fuder um 48-3 Prozent gestiegen. Die von der „Industrie- und Handelszeituing" berechnete Metzziffer der Lebenshaltungskosten in B-evlin ist in der letzten Iuliwoche von 26.005 auf 38.055, das heißt um 48,3 Prozent gegenüber der Vorwoche gestiegen. §>ie Tanevungsgiffer für die letzte Juli- Woche liegt sonnt bereits um 351 Prozent über dem Durchschnitt des Juni. ,-y. SBiett, 29. Sttfl. Man hatte im Verlauf dieser Woche wieder einmal Gelegenheit zu einem tiefen Blick in die antijüdische Propaganda der Tat, wie sie in der alten Kulturstadt Wien betrieben wird. Der Ostara-Pvozeß, der zum zweiten Male das Gericht beschäftigte, brachte noch mehr als der erste Prozeß Aufklärung darüber, wie der Idealismus der Jugend aussieht, die gleichfalls von Idealisten in Geheimversammlungen auf die große Tat ihres Lebens vorbereitet wird, den volksschädlichen Einfluß des Judentums auf die radikalste Art zu beseitigen. Gegenstand des Prozesses war ' die Mrttr Februar erfolgte Sprengung eines Vortrages des Pazifisten Nicolai, der, wie bekannt, von der völkischen Hetze aus Berlin nach Südamerika vertrieben . worden ist. Die Beweisaufnahme hatte ergeben, daß die Manifestanten von einer Organisation bereitgestellt worden waren, die nach Sprengeln gebildet ist und die ihre Angehörigen für die Zwecke der Demonstrationen mit Gummiknütteln und Elsenstangen ausrüstet. Die jungen Leute, Die man zu dem Vortrag beordert chatte, waren damit geködert worden, daß ihnen das Plündern freigestellt wurde. Der Selbstschutzverband, über dessen nähere Daten die Angeklagten die Auskunft verweigerten,' worauf sich das Gericht nicht weiter interessierte,- hatte den Leuten auf einem Kameradschaftsabend in einem Kloster milteilen lassen, die Aktion biete ihnen Gelegenheit, „etwas zu erwischen". Professor Nicolai sollte über die Friedensfrage sprechen und es wäre immerhin erklätlich, wenn sich enragierte Kriegsbegeisterte, die. vermöge ihrer Jugend den: Krieg nicht gesehen haben, gegen seinen Vortrag wehrten, weil sie - darin eine Herabsetzung ihres Molochkitttes erblickten. So wurde die Sache auch nach7dezn-.H^E^Mn antrsemitischchMschen Presse aller Richtungen bargestellt.. Bor Gericht ergab sich ein. anderer Grund: . Ma.n.hgtte,., den Leuten das Plündern versprochen nndfiekamen, um zu plündern. Die Polizei vereitelte diese Absicht. . . Das Gericht, das im Namen der Republik über diesen Sachverhalt zu urteilen hatte, sandte den einen der Angeklagten, einen Arbeiter, für sechs Monate in den Kerker. Sein Genosse auf der Anklagebank, ein . gewesener Offizier, wurde sreigesprochen, mit der merkwürdigen Begründung, es sei zwar wahrscheinlich, daß er von dem Plünderungsbefehl gewußt habe, aber ein strikter Beweis sei nicht erbracht worden. Die Wahrscheinlichkeit, von der das Urteil spricht, geht aus den Aussagen beeideter Zeugen hervor. Trotzdem hatte sich das Gericht f{iir Milde entschieden. Es mag hierfür wohl die Anschauung mitbestimmend gewesen sein, daß auch dieser Offizier nur ein Werkzeug in der Hand jener geheimnisvollen Gesellschaft war, bezüglich welcher weder die Richter noch der Staatsanwalt die sonst zu ihrem Beruf gehörende Neugierde an den Tag gelegt hatten. Diese Gesellschaft tritt unter den verschiedensten Namen ans, veranstaltet unter den verschiedenartigsten Vorwänden Straßenaufläuse und - blutige Krawalle, trotzdem aber konnte ihr bisher das Handwerk mot getegi werden, weil niemand den 90M aufbringt, die hochgestellten Protektoren zu fassen, deren Einfluß bis tief in die leitenden Kreise dieser sogenannten Republik hineinreicht. Die Personen, die da die Marionetten tanzen lassen, sind entweder monarchistlich-klerrka! oder arischvölkisch, manchmal vielleicht beides. Sie stimmen in ihren politischen Endzielen nicht überein, soweit sie solche besitzen, wenn sie nicht etwa selbst Werkzeuge einer noch geheimeren Verschwörerbande sind — gemeinsam ist ihnen "allen das antisemitische Bekenntnis in seiner exzessivsten Form. Sie haben dem Judentum den Krieg erklärt und halten-sich an die Kriegsregel, die besagt, es sei Pflicht, den Feind auf jede mögliche Art zu schädigen. Es wird also den einen Tag der Pogrom gepredigt, den anderen Tag die gesetzliche Zurückdrängung des' jüdischen Einflusses, die Vertreibung der jüdischen Jugend von den Hochschulen, die Aberkennung der staatsbürgerlichen Gleichberechtigung für die Juden. Und dann kommt einer, der die Kriegsregel so auslegt, wie er es im Krieg bei soundsovielen Gelegenheiten, etwa in Schabatz oder in Mine, gesehen hat. Er geht plündern. Das ist auch, eine Art, . den jüdischen Feind zu schädigen. . Dieser Krieg gegen das Judentum gilt als Vorbereitung für die weitere höhere Stufe des entfesselten Nationalismus. Der Geist der Gewalt wird durch diese Reizungen immer frisch und lebendig erhalten; die Jüdengasse ist das Exerzierfeld, auf dem die idealistische Jugend für den Tag geschult wird, an dem sie das Gelernte verwerten und der Judendemokratie den Gar« Gegen Kuno. Segtanenber Stannin»! gegen die Regierung. — Mgemeine Erregung. — Ae Lebemmitteltatastrovhe.

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