Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1597 (24.7.1923)
- Date
- 1923-07-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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- t Elnzeinü&iiner KlOOü Wien: Zum Abholen in der, Expedition, II., Jaborstr. 1-3, oder in einer Versclileisstelle (Trqfik) mdnatl. K, 28.000 Mit Postyersand für Wien us O esteirr. mbnatl. fC 28.000 ’ T$checho-S 1 owaJcei: Mon; Kl7. Jugoslawien: Mon. Dinar40. Polen.: Mon. Mk.30.000. D eutscli land: . Mon.Mark 50.000. F rankr., Belgien: Mönatl. Pres. 8 Qf* Nachzahlungen "SS bei Preiserhöhungen- Vorbehalten Nr. 1597 >n1.} -r ■<? •;!V Getier Me». Dienstag, 24. 8«ii 1928 Tschecho-S|owefc«l tschech. K 1.-r lt allen: Monatl.'lO Eirt Rumänien Mon, 90Lef Bulgarieh Mon. 75 Lewa Schwel z , und das übrig/ Ausland monatlich Pres. ‘ Redaktion u. Ädministratio» Wie», II.,Taborstrass$l—f Telephone: 44-0-38,43-3*19 ab6 Uhr abds.19-483,16*30: TeL-Adr,: ,Morgenzeituögf Wien * O österreichisches Postspar kassen-Konto Nr. 150.$9? - 5. gohrsMg MiseMifches WeLttaufe«. - kn. Wien, 24. JE. / Die drei Parteien, die. gegenwärtig das österreichische Parlament und sonnt den österreichischen Bundesstaat beherrschen, die Christlichsozialen, Sozialdemokrate<wid Grohdeutschen, haben sich ein Wahlrecht gezimmert, durch welches sie den Versuch unternehmen, auch die ttmfttcie Nationalversammlung nach dem Ebenbilde der gegenwärtigen zu /gestalten. Der Wettlaus, der nunmehr begonnen hat, bezweckt bloß noch, einander ein bis zwei Mandate abzujagen, iM eine Verschiebung der'' heute bestehenden völlig unklaren Machtverhältnisse hevbeizuführen. Daß es sich bei dom bevorstehenden Wahlkampf zwischen den Parteien nur um Mandatjägerei und nicht um einen prinzipiellen Kampf handelt,' beweisen schon die ersten Vorgefechte, welche diese Parteien einander liefern. Vergebens sucht der Bundesbürger auch nur den Schein einer großen Idee für die Wiederaufrichtung Oesterreichs aus sich heraus, fiir ein. politisches, moralisches Samerungswerk, das hen Parteien für den Fall ihres Sieges vor schweben würde. Alles, was bisher aus den Dunkelkammern, der Parteien ans Tageslicht gekommen ist, hat ein und denselben Refrain: der Iud'! Ms ob die' kommenden Wahlen darüber zu entscheiden hätten, welche Partei perjudeter sei, fliegen die Anwürfe von der einen zur anderen Seite, daß die andere die weniger antisemitische ist. Großdeutsche und Sozialdemokraten sowohl, wie' die ChrMichfozicrlen haben einander nichts anderes vörzuwersen, als daß sie im Dienst«'des Judentums stehen Und von ihm ausgchalten werden. Jetzt ist die Reihe an den Sozialdemokraten.' Ihre erste. Wahkbroschüre beschäftigte sich nicht etwa mit den politischen und wirtschaftlichen Problemen'der Zukunft, sondern mit der Frage, ob die : Chvistlichsozialen und Deutschnationalen es mit ihrem Anttsemitismus ehrlich meinen. Den Sozialdemokraten ist der Antisemitismus ihrer politischen Widersacher zu gering, sie verlangen einen wirkungsvollen, einen aktivn Antisemitisnms. Die Wahlbroschüre „Der Iudenschwindel" zeigt so deutlich die Heuchelei, von welcher die Judenpolitik der österreichischen Sozialdemokratie seit jeher gekennzeichnet wird. Auch wir beklagen es aufs' tiefste,' daß unsere Groß- und Bankjuden sich in den Dienst der. offenkundigen Judenfeinde ^stellen. Wir haben dieses unwürdige Verhalten wiederholt gegeißelt. Und auch wir waren uns dessen stets bewußt, daß der Antisemitismus der führenden Judenfeinde in der Politik nichts, anderes als niedrigste Geschäftspolitik ist, die sich von den reichen Juden bezahlen läßt, wx aus den armen kleinen Juden hinhauen, zu können. Wer die Einstellung des von der „Arbeiterzeitung" , zur politischen Hetze verarbeiteten Materials ist nicht' miüder hinterhältig und nicht minder antisemitisch wie der'Antisemitismus der Christlichsozialen und Großdeutschen. Uns sagen die übrigens altbekannten Daten , der Broschüre etwas anderes, was gleichfalls bekannt' ist, aber von niemanden: zugegoben werden will. Uns gemahnt dieses Material daran, daß die Juden, auch in der österreichischen Republik auf allen ihren Wegen in Handel und Industrie aus der Suche nach ihrem; Recht nur dann zum Ziele gelangen, wenn sie sich der . Patronanz einer einflußreichen Persönlichkeit versichern. In der Monarchie war es ein Angehöriger des i Hochadels, der seinen Namen als Aushängeschild oder 1 als Fürsprecher verkaufte. Jetzt muß ein Jude, mag er die beste Idee haben oder noch so sehr im-Rechte sein, ( einen Parteimann der gerade-an der Macht befindlichen politischen Gruppe gewinnen,' wenn er Erfolg haben )rill. Darin sind sich alle gleich, der Bankjude, der In- , dnstriegvünder. oder der mn sein. Aufenthaltsrecht kämpfende kleine Jude. Einmal sind es Chrfftlichsoziale und Großdeutsche, die hoch im Kurse stehen, fän andermal wieder vermag man nur, wenn mansich.politisch e , den Sozialdemokraten verkauft, zu einem Rechte zu gelangen, das mau der Intervention eines jüdischnatwnalen Mandatars verweigert hat. / , ,Im Innern sind sie sichalleglchch. Iedemristder Antisönritismus des anderen , zu gering, jede Gruppe schnüffelt nach Juden bei der anderen,' und gelingt es ihnen gar: einen Ostjuden zu erhaschen ürw den Geg-. ner mit ihm zu kompromittieren, dännskennt der Jubel , kerne Grenze. So wird von allen Parteien die . ^udenfvage zur Wahlparole gestempelt, und jede Partei glaubt, wenn, sie: in diesem antisemiüschen Wettlaus als Sieget landet, auch den Wahlsieg zu erringen. Sie. treiben dieses Spiel mit der Judensrage ohne Skrupel. Jede Gruppe rechnet mit der Würdelosigkeit jüdischer Wähler. M „ . Bor der französischen Antwort. Gemeinsames Borgche» mit Mißie«. - Der NafAve Widerstand Deutschlands muß bedin Mngsias eingestM werden. - Forderung «ach garantierten Fahresrahlnngen. Paris, 23. Juli. (Hades.) Die britischen Dokumente - über die Reparationsftage sind im Auswärtigen Amt einer Prüfung unterzogen worden. Man glaubt, daß dieses auf dem gewöhnlichen diplomatischen Wege seine Eindrücke nach Brüssel Mitteilen werde. Sobald dann die belgische Regierung ihre Anschauung bekanntgegeben haben werde, werden -sich die beiden Regierungen Wer die an das britische Auswärtige Amt zu richtende Antwort ins Einvernehmen setzen. Die Pvüfung der Reparationsfrage. London, 23. Juli. (Wolfs.) Zur Frage der an den 'englischen Dokumenten i vorgenommenen, Äendevungen schreibt „Daily Telegraph", Poincare Woche a u f keinen Fall in durchaus negativem Mnne antworten, um nicht England die Möglichkeit zur Veröffentlichung der Vor-, schlüge und damit zu einem moralischen Aufruf an/die. Welt zu geben. Die Haupteinwendtmtzen Frankreichs seien, abgesehen von der Frage der Ruhrbesetzung und des Passiven Widerstandes, vorläufig folgende: . Die Franzosen verlangen, daß an der g e p l an 't en Sach v e r st ä n d ig e n k o n f e r e n z nur, alliierte . oder auchayierlkanische Mitarbeiter teilnehmen - und' daß diese ^N'H'^DparatiörÄ-. kommission berichten sollen. Die Hanzofew erMen 'tveitev Einwendungen dagegen,' "daß die-KomMission die ZählungsfäWkeit Deutschlands! fMMemsokl. Fewver wolle Frankreich,:: daß >sich, GroMitanmen in' die verschiedenenwirtschaftlichen und nUitärrschen' Körperschaften, die . die- Wlichtzn'WÄder BeMMr vertreten lasse. Endlich hielten die Franzosen an dem utf daranderlichen Minimum.von A und B-Äon» für Frankreich fest und seien dafür, daß ^ie Frage de! C-Bons und der alliierten Schulden an 'Großbritannien und Amerika für eine Periode von mindestens zehn JahW zurückgestellt werden sollten. Offiziöse Meinungen. Paris, 23. JE. (Tel. der ,M. MorgenzeiLuug".. . Der Korrespondent des^ „Temp's" in Brüssel meldet daß der b e l g i sch e. Min i st e r ra t heute mch«, mittags zusamrnentreten werde, um eine erste Prüsunj» der englischen Dokumente:vorzunchwen. . In offiziellen.Kreisen bewahrt man nach w!< vor' str e n gst e s Stil l sch tv e i g ««/.Über den JnW X der englischen Vorschläge. Man eMärt über gleichwohl ' daß die Regierung der Forderung, .daß der p a s s i b ( Widerstand eingestellt werden müsse, bevor ad Un^erhaMungen mit Deutschland gedacht' werden könn^ treu bleiben' werde. Man erklärt ferner, daß die bei gi-sche Regi'er\ing einer Entschädigung siir di» Einstel'l.üng des' passiven Widerschndes in Form . BeeändeMng des Besetzungsregimes oder'der Räunumz - der Rnhv^^ niH't'zustimme.n könne... Der -Frage-de»; EMsetzüch einer Sä chd e rstä n d r genko mmi ss.i o i gegenüber, pan; fordere sn f.o.r« . -e- 'JäW äs.z achll üm-g-e.m :die -durch die; .'A . s pHarrde r gä^rarrtre r t: werden würden. ' v Unverletzlicher Friede und ewige FrenMchaft. LMsittme, 23. IM. Jsmet Pascha und der pol- N'vsche GesaMe in Bern haben heute einen Freundfchaftsvertrag sowie ein Handels- und ein Nieperlassu n g sab komme n unterzeichnet. Der N-LVUndlsHafLsvertLaT IbestMMt, daß zwischen den beiden Staaten unverletzlicher Friede und e w i g e Freund sch a f t herrschen und daß die diplomatischen, Beziehungen wieder h e r g est e l l t tverden sollen. Das Handelsabkommen worin die beiden Minder einander das Meiftbegünstignngsre'chL einräumen, tritt einen M on at nach der RaHfizier n n g in Kraft. Es ist auf - e i n Jahr ab g e-. schlossen und bleibt weiter, rn Kraft, wenn es nicht vorher geküMgt wird. Das gleiche gilt für das Niederlassung sab kommen. Die Unterzeichnung der Meerengenkonvention. Konstantinopel, 23. Juli. Die McerengenkoA vention wird wahrscheinlich in Len ersten Tagen drl August auf Prinkipo von dem Vertreter der Sowjet rigierung Jozdauzky unterzeichnet werden. Zusammentritt -er neuen türkischen Kammer am 2. August. , Konstantinopel, 23. Juli. Die neu gewählte türk i, sch e K a m m e r ist für den 2. August' nach Angora rinberufen. Keine Umwandlung -er Banqne Ottomane in eine Staatsbank. Konstantinopel, 23.' Juli. Der Direktor der Banque Ottomane, Steeg, ist nach Paris abgereist. Er erklärt, daß ihm keine Mitteilung der türkifcherr Regierung Airgekommtztt sei, wonach die U m w a n d l u n g d e r Banque Ottomane in eine Staatsbank beabsichtigtwäre. englischen London, 23? Juli. Im Unterhaus brächte heute nachmittägs der Aweiterführer'Raükfay M uc d o na ld' unter lautem Beifall, seiner Parteifreunde eine' Entschließung zugunsten der A b r ü st u n g ein. Sie besagt, das Unterhaus ' beklage die r i e s i g e n und z un e h m en d e n; A u s g a b e n für pie Streitkräfte zur See uüd in der Luft und andere militärische V.o r ber -e itunge n, die wieder den Beginn eines RüstuNgswettbewerbes bodeüten und Mittel ver- -Vrau^Ln./' die ^-für ^Unterricht,- Gesüwdheitswosen und ähnliche, soziale und humane Zwecke verwendet jverden sollten^ Sie erinnert an die Bebsprechungen Politischer Führer' und' an die Erwartungen - der Nation, daß der große Weltkrieg der letzte.Krieg sein' sollte. Die.Regie- Bankjuden und auf einen Teil der jüdischen Indusftiellen, die Dritten; auf den; KilMi Mann, der, wie sie hofftn^' mit PUidhdft' geschlagen, ist. Alle werden. recht behWn,' Mstn sich der jüdiAe Wähler wirklich so würdelos erweist. Es ist Höchste Zeit, daß pon jüdiicher KM diesem frevlen SvA M M Ruhe rmd I iif'i ,ruugi wird aufg efordert, unverzüglich Schritte zu tun, MN eine inter N a t i o n a 1 e Ko nf e r e uz emzüberufen, damit diese ein Programm der nationalen ' Sicherheit erwäge, das von der Grundlage auszugeheu hatte, daß Her Friede und die Frevheit der kleinen wie der' großen Nationen mir durch Mrüstung gesichert ■ werden könne. M a c d o n a l d erklärte in seiner Begründung, es sei überaus beklagenswert, daß die Ausgaben, die der Vorbereitung des uäch>sten Krieges die- ' neu, so riesenhaften Umfang angeusmmen hätten. Je mehr eine Natron für Verteidigungszwecke ausgebe, um so mehr vernachlässige sie die moralischen und sozialen Pflichten. In den Jahren 1914 und 1915 hätten die politischen Führer zum Antritt in das Heer aufgefordert, uw ihm Kriegen ein Ende zu machen. Man müsse fragen, ob dieses Versprechen nicht eingehakter wewen solle. Exsitenz des jüdischen Bürgers dadurch ein Ende bereitet werde, daß die Juden sowohl den Schutzavier als - auch die Patronanz der antisemitischen Sozialdemokraten abschütteln und sich auf ein eigenes, klares, jüdisches Wahlprogramm einigen, daß .alle r"v;\'cn ' WüWr Mckckt.