Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1596 (23.7.1923)
- Date
- 1923-07-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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% rach«cho-8lowak«l i Ischecüi. K 1«— 11 a l i e n: Monat]. 10 Lire* Ru mäni e n Mon. 90 Lei, Bulgarien Mon.75 Levya. S c h w e i 4 und das übrige Ausland monatlich Frcs. 3 Einzelnummer K 706 Wien: Zum Abholen in der Exp edition, II.,Taborstr. 1 *3, o der in einer Verschleisstelle (Trafik) monatl, K 28.000 Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 28.000 Redaktion u. Administration Wien, lk.» Taborqtrasse 1 —3 Ts che c h o-Slowak ei! Mon. K17. Jugoslawien: Mon.Dinar40. Polen:Mon, Mk.30.000.Deutschland: Mon.Mark50.000. Fr ank r., Belgien: Monat!. Frcs. 8 Telephone: 44-0-38.43-3-19. :pm ab 6 Uhr abds.19-483,16-301 Tel.-Adr.: .Morgenzeitung“ Wien Oesterr eichisches Postspar kassen-Konto Nr. 150.693 Nachzahlungen!i«i Preiserhöhungen Vorbehalten s. liichrgang Nr. IS»« »er 8«halt auf Wunsch Poincares geheim gehalten. - Das erste Mo. — FranMsch'belgksches Lnsammengehen. I Die Blätter schrerb'M, daß die Verhandlungen lange dauern dürften-,-Md bemerken, die , französische Regierung verharre urmachgiebig auf der Forderung, daß die passive Resisten^ aufgegeben werde. Die amerikanische Auffassung. Washington, 22. Juli. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Im StaatMeMrtement weigert man sich, die englischen Dokumente zu ko m m e n t ie r e n. Man teilt mit, daß ein Auszug derselben .dem Präsidenten H a rding sunk-entelegraphffch übermitteltworden sei. Der vollständige TexL wird erst überreicht werden, sobald der Präsident von feiner Mise nach San Francisco zurückgekehrt sei. An politischen Kreisen, erfährt man, Laß der erotische Vorschlag zur Einberufung -einer S-ach-verftä n big cnko nserenz von der mnerikanischen Zdegierrmg besonders günstig ausgenommen worden sei. Der letzte Ausweg: Völkerbund. London, 22. Juli. Der diplomatische Berichterstatter des „Observer" schreibt, man evlvarte keine Antwort vor Ende der Woche. «Ällte aber der Reparationsstreit noch immer ungeregelt sein, vMn am 3. September die Böllerbundversamml-ung zujaMwLntrete, dam: würde der London, 22. Juli. (Tel. der „Wr. Morgenzeitnng".) In politischen Kreisen erklärt man, daß das Geheimnis überdie englischen Dokumente auf besonderes Ersuchen Poine ar e s bewahrt worden sei. Es entspreche aber nicht dem Geschm-ak zahlreicher englischer Politiker, und man glaubt deshalb, daß sich heute im Unterh au se einer der sozialift'ischen Abgeordneten darüber beschweren wird. Eine französische Stimme Äber die englische Note. Paris, 22. Juli. (Tel. der „Wiener Morgeuzeitung".) Das „Journal" meint, wenn auch der Text der englischer t Dokumente streng geheimgehalten werde, so sei doch ihr allgemeiner Inhalt bekannt. England nehme den deutschen -Antrag, eine Sachverständigenkommission mit der Prüfung der deutschen Vorschläge zu beauftragen, an. England wird zubasfen, daß neutrale S a ch v e r ft ä n d i g c an dieser Prüfung teilnehmeu. England sei der Ansicht, daß die von Deutschland angeüotonen Garantien der Prüfung würdig seien. Sie würden zwar nicht allgemein genügen, aber doch als ein ernster Schritt zur Lösung bezeichnet. Mit Bezug aus den dritten Vorschlag Deutschlands, die Einberufung einer Sachverständigenkommission nach London, macht England Vorbehalte. Der Begleitbrief güjt an, wie das Kabinett Baldwin die fuichamerttalen Forderungen Frankreichs und Belgiens über die Einstellung des passiven Widerstalches mit her Haltung Englands §u vevsöhueu. grdeM. Das.MemovÄ:dr.M-Krttrvickelt die ArgümeNie der Erklärung Bv'lÄwrns im Unterlsause. Es weist auf die Gefahren der französischbelgischen Methode und aus die Vorteile einer raschen Losung hin. Es enthält keine neuen Vorschläge über die Annullierung der alliierten Kriegsschulden. Frankreich bleibt unnachgiebig. Paris, 22. Juli. (Havas.) In.einer Unterredung nrit Pressevertretern erklärte Ministerpräsident Poincare, wie „Echo de Paris" meldet, er könne bezüglich der englischen Note keine Aeußer-ung machen. Tagesordnung der BölkerbUndversa:mmlung gv bracht wrrd'en. Die Erkenntnis dieses Ümstandes werde Frankreich vielleicht veranWey, seinL -EMHe-Wng-Zu-.beschlmmgen. * - : ’ ' '^.5 ' - - - Gemeinsame Stellungnahme Frankreichs und Belgiens zur englischen Note. Paris, 22. Juli. (Havas.) Ministerpräsident Poincare hatte heute abends eine Besprechung mit dem britischen Geschäftsträger. Wie verlautet, habe der Ministerpräsioent ebenfalls im Laufe des Mends dem Brüsseler Kabinett seine Meinung bezüglich der englischen Schriftstücke Zur Kenntnis gebracht. Der Gedankenaustausch Mischen Paris und Brüssel wird fortgesetzt, um eine gemeinsame Antwort formulieren zu können. Poimare über das ReparMoasproblem Der gefährliche industrielle Mlitarlsmns Deutschlands. Paris, 22. Juli. (Wolfs.) Ministerpräsident Poineare hielt heute nachmittags bei der Enthüllung eines Kriegerdenkmals in Villers-Cotterets eine Red'e, worin er sich wiederum mit dem Re Para Lions Problem beschäftigte. Nach einer eingehenden Schilderung der Ereignisse des Jahves 1918, in dem die Gemeinde Billers- Eotterets im Mittelpmckt stand, ging der Ministerpräsident dazu Wer, von den angeblichen Z ersto rungsmethobcn des üeutischen Heeres M sprechen. Er sprach von baut Programm der wirtschaftlichen Vernichtung, das der deutsche Generalstab von Spezialisten habe aufstellerr lassen und von dein die srairzösische Regierung einige authentische Exemplare besitze. Alles hätte vernichtet werden sollen. Während in Deutschland nicht ein Schornstein vernichtet sei, weigere sich das Reich, feine Verpflichtungen eimzuhaltei: und vie angerichteten Schäden wieder gutzumachen. Diesen Augenblick habe der ehenMge Premiiermmister einer Eierten Nation ausgesucht, um zwischen Deutschland und Frankreich Verwirrung aiHuvichten und zu erklären, die verwüsteten Gebiete Frankreichs feien wieder aufgerichtet und man habe nicht das Recht, sich über die Ausgaben der deutschen Regierung zu befchlveren. Was ivvllte Lloyd George damit sagen, wenn Deutschland feine Handelsflotte wieder aufächtet, neue KaMe baue, sein EisenbaPrnetz entwickle? (Handle es sich da nicht nur eine Verbesserung, geschehe es nicht zum Schaden der Forderungen der Alliierten? Dies könne für Llohd «George amüsant sein, Mr Frankreich aber sei es traurig und sogar unerträglich. Wenn man Fra-nkreich' tadle, feine industriellen Gebiete nicht nach den: alten Wstem aüfge- 'baut M haben, lvolle man ikrnx nicht. §u seinem Ruin auch das Verbot der AusnÄtzung des Fortschrittes hinzUZAgen^ Die Engländer würden gut daran tun, wenn sie ihre Beunruhigung auf näheÄiegmde ÄMe Vichsteten. Wammt seien sie nicht eingchrmtgen? Sie würden dann vielleicht besser die wahren Gefahren der Zukrrnft erkennen; sie ntüßten sie in der fürchterlichen Organisation der d e u t s ch e n I n d nst ri e finden. Das mußte sie beunruhigen und zum Nachdenken bringen. Es feien nicht nur die ungeheuren Kartelle, die großen Syndikate, die weitgehenden horizontalen Organisationen, die die Unternehmer gleicher Produkte gründen, es seien jetzt auch die anderen Instrumente industrieller Konzentration, die ungehmren Kombinationen, die nicht nur die Produzenten eines und desselben Artikels, sondern von oben bis unten alle Fornren der Prodtcktiou von Rohnratevialielt bis zu Fertigprodukten unter öent Namen „Konzerne" einander näherbrachken. Das seien ungeheure Kräfte, verstärkt durch Einheit der Leitungen, die Berg- und Stahlwerte, -<,rymelzereien, die Trausportnlittel zu Wasser und zu Lande besäßen und so das Monopol des nationalen Vernwgens in Jeden Drg setz teil sie sich mähr an die - Stelle des Staates. Sie beherrschten ihn, sie würden il>it beiseite schieben, sie seien die Herren der deutschen Presse und der deutschen Regierung. Sie machtet: die deutsche RepiMk einer neuen Kaste untertan, die eberlso hochmütig sei wie die der Junker u-nd die sich ebenso heftig gegen die Freiheiien des Volkes wende. Solle dieses System wirtschaftlicher und . sozialer Uutevdvückllug als uatiirlicher Verwandter der nÄftärifchen Reaktion sich -endgültig in: Herzen Europas 'festsetzen? ..Gäbe es.etwas, was dem demokratischen Gedanken Edglands mehr zwwiderlaufe, als deren beste Hüter sich M jetzt die beiden großen toüftlichei: Demokratien bezeichnet ^halben? Wenn ina:: jetzt die UnWugheit besäße, die Zahlungsfähigkeit des Deutschen Reiches in einen ..festen und rmabäuderüchel: Rahrnen einzuschließen, danr: -würde es sich rasch den Maßnahnren der Alliierten cntchichen und bald unter den: Einfluß der außerordentlichen Entwickktng der industriellen Kräfte sich ungeahnt emporarbeiten. Deutschland würde dadurch den wirtschaftlichen Vorrang eroberi: und zu gleicher Zeit in der Welt den Skandal rückständigster und unmoralischester politischer Beherrschung aufrichten. Um diese Gefahr zu beschwöre::, müßten sich Euglaild, Belgien, Jtalieir und Frankreich enger dem: je zu einer gleichen Anstrengung vereinigen. Sie müßten sich den Realitäten geg'enüberstellen, sie müßten es verstehen, unter der Maske die Wahrheiten anszustöbern. Sei es denn so schwer, den alliierten Regierungen die Elemente eines lehrreichen Vergleiches und die Motive einer Entscheidung zu liefern? Genüge es nicht, um sie vollkommen aufzuklären, daß sie erst das Aisne-Gebiet besuchen und daun eine Reise nach dem Ruhvgebiet unternehmen? Wenn sie das. gesehen hätten, dann wären sie aufgeklärt. Wünschen wir, schloß Poincare, daß keiner unserer Freunde diese kurze Enquete unterlasse, die weder finanzielle Studien noch internationale Experten erfordert, die aber alle Menschen mit gesundem Verstand durchführen können. Hoffen wir, daß mau unter dem Vorwände, eine:: unglücklichen Schuldner zu schonen, nicht den Betrug und die UngereHtigkeii ermutige, daß rnan nicht die glorreiche Erinnemng des geineinsam errungenen Sieges vergesse und damit nicht für die Zukunft den Triun:ph einer fremden Plutokratie vorbereite. Wünschen wir, daß die geschlossenen Augen sich vor dm Taffachen öffnen und daß niemand es später zu bereuen habe, in der entscheidenden Stunde die erleuchteten Warnungen Frankreichs überhört zu haben. ' _ fine «brSftungsdebatte im Anterhans.;... - London, 22. Juli. (Tel. der „Wr. Morgenzertung".) In: Unterhaus wird heute eine Debatte iiber die A brüstung stattsinden. Ramsay Macdonald wird eine Entschließung Vorschlägen, . worin die, Regierung auf den Rüstungswettlauf hiugewiesen und vingeladen wird, eine i n t e r n a t i o n a l e. K o n s e r e n z einznibcrusen, um über die Abrüstung zu beraten. Als Redner ist u. a. auck Asquith cingeschvieben. Annahme der ttalienischen WMreform. Eine geheime Abstimmung. Rom, 22. Juli. (Stefan:.) Die Kamrner hat die Beratung des Wahlresormentwurses beendigt und denselben nrit Ausnahme geringfügiger Aenderungen in der Fassung des Regrerultgsentwurses angenommen. Die geheime Aibsttmmung über den Gesetzentwurf ergab 223 Stinrmen für und 123 Stmmren gegen dei: Enttvurf. Das Ergebnis der Abstimmung wurde mit lebhaftem Beifall begrüßt. Die Ausschreitungen in Bresla«. Die Lage außerordentlich gespannt. Breslau, 22. Juli. (Tel. der „Wr. Morgenze:- tung".) Der verschärfte Ausnahmszustand ist noch nicht aufgehoben worden, weil die Situation noch immer außerordentlich gespannt ist. Die Truppe n, die die öffentlichen Gebäude besetzt hielten, sind auf die Drohung der Arbeiterschaft, sofort den Generalstreik zu erklären, wenn die ReichÄvehr aktiv emgreisen sollte, z u r ü ck g e z o g e n tvordem Von seiten der Arbeiter wurde eine neuerliche allgemeine D e n: o n st r a t i v n gegen die rechtsradikalen H e tz e r angekündigt. Man sieht dieser- Kutldgobimg mit großer Unruhe entgegen und trifft alle Vorbereitüngen zur schleunigen Schaffung eines bürgerlichen Selbsffchutzes. Der O b e r p r ä s i d e n t der Provinz will jedoch alle Rüst:u:gen, sowohl der Arbeiter wie der Reattionäre, verbieten. Der Wrhardt-drozeß. Berlin. 22. Juli. (Tel. d. „Wr. Morgenztg/tz ^torgeu begiur^t vor dem Staatsgerichtshof in Leipzig der Prozeß gegen Ehrhardt, zu dem allerdings der Hauptangeklagte, Ehrhardt, selbst fehlt. Auf der Anklageväuk tvird lediglich die-fetzt erst anläßlich seiner Flucht verhaftete Prinzessin Ho heuloh e-O eh ringen sitzen, mit der, jvie heute bekannt wird, Ehrhardt intime Beziehungen unterhat. Er hat der Prinzessin die Ehe versprochen, wobei er ihr verschwieg, daß er bereits verheiratet sei. So sei Ehrhardt, wie mau heute allgemein erzählt, zwei- Jahre hindurch „Stipendist" der Prinzessin gewesen, die ihm bald auch aus politisches Gebiet folgte und manche Dienste für ihn versah. Wie es heißt, hätte em Mtgsted dwFamilie der Prinzessin vor: Ehrhardt 'Satüs-f'akstkon verlangt.