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Wiener Morgenzeitung · 1923-07-22 · Heft 1595 (22.7.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1595 (22.7.1923)
Date
1923-07-22
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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\ ' Nr. 1592 Wien, SoyiMg Wiener Morgenzeitnng. 22. Juli 1923 führen kann.. Unsere Edeljuden aber zeigen, daß die ‘ UÄertvindrmg hinreißender Leidenschaften: uns sehr wohl möglich'ist, undunserenützt mehr zu bestreitende Votmachtstellung 'in allen Kulturländern beweist, daß uns, im allgemeinen - wenigstens, die Leidenschaft kein Sein beim- Emporkttmnien .gestellt hat; vielmehr hat -unsere Wesensart, und unsere Weltanschauung unleugbar schon die ganze .Welt-durchsäuert, unstzr nervöses Tempodeq Lebens sie hingerissen! Nach wenigen Iah«zehnten d»er Juden befrei ung ist die Welt — wir dürften e-s jetzt frei sägen! — in die^ j^diW>e Vp-o-che ein getreten." AMnger taucht wieder auf. 'Er will Rahbiner in Brasilien werdell. New-Aokk, 20. Juli. (I. C. B.) Der Täufling T i li iitg er, der als kacholischer Priester in Oesterreich zur Zeit des Hilsner-Prozesse s in seinen Schriften behauptete, daß die Juden für rituelle Zwecke Christenblut benötigen und der in Amerika sich wieder als Rabbiner ausgab, wurde vor einiger Zeit/entlarvt und mußte New-Iork verlassen Er ist nun in iNew-Orleans wieder aufgetaucht und steht unter dem Schutze eines presbyterischon Priesters. Er bestrebt sich/einen Paß für Brasilien zu erlangen, ivo er einen Rabbinerposten zu erhalten hofft. » Auf der Rabbinerkonferenz in New-Dork, rvo Tillinger seine Schuld eingestand, hat er unter Eid erklärt^ nie wieder einen religiösen Posten zu bekleiden. Er behauptet nun, daß die gegen ihn von den Rabbinern geführte Untersuchung von ' Atheisten und Bolschewiken eingeleitet worden und darum für ihn nicht maßgebend sei. Tillinger erhebt jetzt eine Klage gegen den Redakteur des „Jetvish Lodger", , Dr. Mendel Silber, der ihn entlarvt hat. Als TMnger nach seinem Verhör plötzlich aus New-Zork verschwunden tpar, wurde mitgeteilt, er habe Selbstmord begangen. > ' 1 i»v 1} l, ■ •,, BBW8I Seite. L Schuhe! Strengste MHyahMl gegen Nadir. Graz, 21. /Juli. (Del. d. ,Mr. Morgenzeitu-ng".) Die ,Mrgespast" berichtet aüs Belgrab: Im gestrigen Minister-' rat wurde in eitler' lebhaften Debatte die politische Lage in Kroatien erövtert.-Der Mnisterrat vertritt den Standpunkt, Mß man gegen R a d i e mb seine A-nihä-nger die strengsten Bestimmungen des Gesetzes anw ende n s o l l, aber die Richtlinien des Gesetzes nicht: -ivbevschreiten dürfe. Nach der gestrigen Sitzung des üDlW nistevrates ist Minister des Innerw Bujeie nach Agram ab-' gereist. Die - von Belgrad hierher entsendeten Funktionäre. haben die Ausgabe, alles vörtzukehren, damit W der Verhaftung des Abgeordneten Rabie die öfsentliche Rühe nicht gestört werde. . In der letzten Sitzung des Immun.iMsausschu.fses 'wurde die Auslieferung des deutschen Abgeovdneten Franz j Schauer v "'rv " Sefteneich. Bundesrat. Einspruch gegen die Nachtacheit im Backergewerbe. Der Bnndesrat hat gestern nicht weniger als 32 Beschlüsse des Nationalrates in VerhaMung gezogen.' Gegen die Novelle zum Bäckerfchutzgesetz,, das den Beginn der geweMichen Vorarbeiten, statt wie bisher auf fünf, auf drei -Ahr morgens festsetzt, wurde von sozialdemokratisch.er Seite Eiinlsprnch erhachen, dem infolge der Siimmenverhälinisse — die ' Sozialdemokraten habm irmBu-ndesrat die Hälfte der Mandate rüne — stattgegeben werden nmßte. Die'ülbrigen einu-nddreißig Nationalratsdeschlüfse wurden genehmigt. Bei Verharldlung des Gesetzes über die Ausdehnung der Schulpflicht im Burgenlaüde kam es zu einer l.ä rau enden Auseinandersetzung zwischen Sozialdemokraten /und EhrMchsozialen, die einander mit Zwischenruselt wie „jesuitische Verdrehung" und' „jüdischer D r eh" bewarfen. Franziisisch-Werreichisihes Mrtfchasteablommen. Paris, 21. Juli. (Hadas.) Das Amtsblatt veröffentlicht ein Dekret, womit das am 22. Juni 1923 in Paris u-nterzeichete * französisch-österreichische Wirt s cha f t sü b e r e i nk o <m m e n publiziert und provisorisch in Kraft gesetzt wird. Ae HmchWadt des Burgealandes. Die Frage der Landeshauptstadt dtzs Burgenlandes bereitet ziemliche Schwierigkeiten, die ihre Hauptuvsache darin haben, baß mau nicht über die zur.Unterbringung der Lanldesvegievuing und der Beamten notwendiger: RÄnuEchkeiten Perfügt. In allen in Betracht kommenden Orten mutzten diese Unterbringungsmöglichkeiten erst mit großen -Kosten geschaffen /werden. Zur Lösung dieser Schwierigkeiten ibeantva-gt der Abgeordnete Mora Witz im Sinne des bürgerlichen Gesetzbuches die Enteignung des dem Fürsten Paul Esterhazy gehörendes Schlosses in Eisenstadt. Die Erlischädigung wird i-u Anwendung der Bestimmungen des Gesetzes über die einmalige große Vermögensabgabe vom Gericht ermittelt. Außerordentliche Session der Tiroler Laudtages. Beratung Wer die Einführung der Wahlpflicht. Da eine.Auzcchl von Mitigliiedevn des Innsbrucker La-rvdkages M Bevitfung ans Paragraph 16 der Landesordnmlg de» ZusMmentvrtt des Landtages verlangt hat, hat der Landeshauptmann den Tiroler- Landtag fiir -den 2t. d. zu einer außerorideuMchen Session einberufen. Es soll über die Einführung der Wahlpflicht für die NationÄEswahlen in Tirol beraten Werdern ..,/.. Ser MrSall der WafserkrSste. - Innsbruck, 21. IM Der Gemeinde Innsbruck, wurde, die Konzession für /den Bau eines großen Aachense e- K raftwerke Zerteilt. . / . Bersarbeiterftrell i« Trisail. Graz, 21. Juli. Wie die ,Tagespost" aus Laibach meldet, sind gestern früh die Bergarbeiter in Trisail ist^ien, Ausstand getreten. Im ganzen streiken 15D00 Bergleute. Der Ausstand begann, vorgestern um 6 Uhr abends in Sagor uwd breitete sich dann über Trisail, Rastnigg, Reichenburg und Gottfchee aus. Die Ursache des Streiks liegt in Lohnforderungen, Venen die Trisailer Bergwevksgefellschaft trotz des vermittelrÄen Eingreifens der Regiemng nicht stattgogeben hat. zweierlei Maß der Bethleu-Regienmg. Budapest, 21. Juli. (Del. d. Mr. MorKnzeitüng".) In der Donnerstagsitzung der Nationawersammlung Me der Abgeordnete Moritz^^RoMenHeiM an der Finanzpolitik der Regierung scharfe KMk. Hierauf warchtt sich der Redner 'einer Reihe' politischer Fragen zu und wies dem MmistevPräsMnten BUt h len nach, daß seine jmvgst w'Nhiregyhc^a gehaltene. RM nichts aüderes war als eftre . Irreführung des Auslandes. W Beweis hierfür führte' er' die Konfiskation des ,/NePszava" an und -warf die- Frage auf, warum die Regiievung, «wenn sie so um die Ruhe im - Lande besorgt se^ nicht jene"Matter konfisziere, die tag- -, täglich blutrünstigste Pogromhetze treiben. Als krassestes Beispiel dient Rothenstvin mtt dem Fall des Blattes ,Matrnar es Bereg", welches in einer von Juden dicht bewohnten Gegend erscheint. Dieses Blatt hat fast zur selben Zeit der Matzregelmrg des ,Ir«pszava" unter dem Titel ,Mbrechmrng mit derr Mischen Roten" behauptet, daß jeder Jude ohne Ausnahme ein Feind der nngarischtzn Nation fei und deshalb mit den äußersten Mitteln bÄälmPft und bestraft werden müsse. Weshalb ist es der Regierung nicht eingefallen, dieses antisemitische Hetzblatt zu konfiszieren oder einzustellen? Die Regierung; mißt eben mit zweierlei Maß. Gegen die Juden und die Arbetter ist alles erlaubt Md wird alles begünsttgt. Nur wenn sie sich rühren, setzt sich der ganze Anterdvückungsapparat in- Bvwegrmg. Zum Schlüsse brachte der Redner abermals die Zustände im Intermertenlager von. Zaläegerszog, die sich noch immer nicht gebessert haben, zur Sprache und forderte eim gerechtere Handhabung des Vereins- und Versammlungsrechtes. ' Alm. Vltor antisemitisch. Warschau, Li. IM, (Del. 'der „Wiener Aiorgenzeittmä".) Alvgeisichts -der fortwährenden Niederlagen,^ die die gegenwärtige Regievung auf fast sämtlichen GebietÄr des Staatslebelis er- HM, greift Wttos nach denr Ätbewähr-ten Mittel der 'Judenhetze. In den -letzten Tagen hat das Hauptorgan feiner Partei „Wola' Lutzu" eine heftige Hetzkampagne Men die Dlden begonnen. In einem Artikel, „In jüdischer Sklaverei", tverden die Juden in der nichvigsten Art beschimpft und.ängegriffen. Mrter anderem werden die Bauern aufgefordert, ihren Gebeten -den Satz emzufugen, haß sie nicht nur vor Hnnger und Sturm, sondern' auch '.'vor ,/der jüdischen SUavwsi" beschützt' werden. Das polnische Volk lebe seit Jahren in „jüdischer Gefawgettschaft". Die Juden sind daran schuld,, daß Polen i m.An slaNde keine Anleihe Lekommen hgt, Die schlechte val'Utarische Lage/des Staates 'haben ebenfalls'die Inden verschuldet. Es sei' daher Pflicht, Polen von der jüdischen SWavSvei zu befiieien' ' .Es. ist wi-rkfich fraglich, ob es Wttos - gelingen / wird, auf diese Art. das ftn Ansl-mche seit langem bsstchende -'UUd letztens noch sehr' gestöigerte -Mißtrauen gegen seine Regierung, zir zerstreuen? Das Beispiiöl Ungarns soll ihn belühren,/ daß die Indcnhetze niemals die erhofften Vorteile bringt/ . Ae NatiovMemokraten verleuguenWitor. > Warschau, 31. Juli. (-Del. dar „Wilener Morigenzertung^l ,Mtrier Polski" zitiert ein Zirkular der NatipMwWokw-tischen jPartei, in denr di^ Organifatiion-en aufgLforäsvt, werden, apgesichtS der wachsenden Unzufiiedelcheit..-ist-^ASMs.fen mit. der gegenwärtigen Regiemng überall den Standpunkt zu - v>ertveten, /daß- .die gegenwärtige Regierung keine nationaldenwkratische, ' sondem eine arisgesprochene Äitos-Regierung sei.- Dile Nationaldemokraten werden erst -dann üh^r die Regiemng ganz verfügen, ivenn sie W-itos e;nd seine Leute >loS werden können. Es ist fraglich, ob die Volks-Massen dieser Erklärung Gla-rrben schenken werden, da es jedermann bekannt ist, daß der heutigen Regiemng nicht weniger als fünf führende Mitglieger der Nationalde>mokratischen Pa-rtei a-ngehören. Sikorstis Reise «ach Paris. Warschau, 21. Juli. (Del. der ^Wiener Morgenzeltung*.) -Der gewesene Min-istierpräisident General Sikorski hat sich, . wie -berichtet, auf Einladung des französischen FÄdmarschallS Foch nach Paris begeben. Wie -in hiesigen politischen Kreisen verlautet, soll .die' Witos-Reg-ierung versucht-haben, General Srkorski zu ^bewegen, in Frankreich eine Propaganda zugnnsten der gegenwärt-igen Negierung zu entfalten. General Sikorski lehnte diesen Vorschlag a-b. Die Rechtsparteien dagegen kolportieren da^ Gerücht, , daß Sikorski in Paris eine Propaganda gegen die jetzige. Regilem-ng zu entfalten beabsichtige. ProteMwegung gegen den Numerus rlausu». London, 20. Juli. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Der Verband der polnischen Juden in Englmtd hat sich auf seiner letzten Tagung mit der Frage des „Numerus clausus" in Polen beschäftigt. Nach. einer längeren Debatte tr-urden Protestresolutionen gegen den Numerus elausus gefaßt. Es wurde auch eine besondere Kommission gewählt, die eine Mtion zur Verhinderung des' Numerus clausus durchzuführen hat. An der Spitze des Verbandes stcht-gegenwärtig der bekannte jüdische Maler Pili ch o w s ki. RÄrvteMerWe «lf F«de«. .Lemberg, Ä. Juli. (Del. d. ,,Wiener Mor-genzeiiuug*d In letzter Zeit häufen sich abermalsUeberfälle von Rekruten auf Juden. So haben letzthin in Jawo r.o w Rekruten einige Mische Häuser überfallen und jüdische Geschäfisläden geplündert/ Der Posizei ist es gelungen, zwölf Plünderer zu verhajften. Ntthe im polaischen Zndustnegebiet. Warschau, 21. Juli.. (Tel. der'„Wiener MorgenzerLung".) Nach den gestern und vorgestern verbreiteten Alarmnachrichten über die wachsenden Unruhen und die drohende Prollamieru.ng des Generalstreiks in ganz Polen wird heute amtlich Mgestellt, daß alle diese Nachrichten übertrieben würden. In Iren 'Textiliüdustriegebieteü von Lodz' Und Czenstochau ist die Ruhe allmählich wichet" znrückgekehrt. Heute vormittags^ kamen die Vertreter der Arbnlerschast und der Arbeitevgeber zusammen und es wurde eine Regelung 'der Arbeiterlöhne durch einen TeueruNgsindex vereinbart. Die Verhandlungen über die Einzelheiten dieser Veveinbamng werden weitergeführt. Man hofft, daß sie heute ihren Abschluß finden werden, so daß bereits morgen oder übermorgen die Arbeit in der Dextllindustrie wieder äufgenormnen werden könnte. Auch in anderen Dextilindusttiegebieten, wie B^iel -i tz, Bi a l a und Bia-lystock werden Verhandlungen im selben Sinne geführt. Wie aus Warschau gemeldet wich, herrscht im garrzerr Lande 'Ruhe und Ochnung, Die gestern und vorgestern vorgekommenden Zwischenfällen sind auf die Propagandatätigkeit unverantwortlicher, kommunistischer Elem e n t-e zurückzuführen. Der besonnenere Teil der Arbeiterschaft drängt auf eine Beendigung des Streiks und fordert nur eine Regelung der Löhne. Von der Met all in Lustrie in Warschau ist nur ein Teil der Arbeiter in Streik getreten. Zwischen den Industriellen und den streikenden Metallarbeitern werden ebenfalls Verhandlungen geführt und man hofft, daß auch dieser teilweise Streik baVd beendet sin wich. Bei den gesttigen Zusammenstößen in Lodz ist' ein Arbeiter getötet, einige. Arbeiter und Polizisten sind verwundet worden. Der Arbeitsminister und der Minist-'r des Innern sind in Lodz.eingetroffen, um zwischen den Arbeitern und Arbeitgebern zu vermittele Da die Ruhe bereits im ganzen Lande hergestellt wurde, wich die Reg-iemng keine, besonderen Maßnahmen unternehmen. V- WWrm. PEstina-Fragen im englischen Unterhaus. London, 20, Juli. (I. L. B.) Im Untechaus fragte am 16. Juli Colonel Sir Gharles Uj a te -den Uuterstaatssekretär für die Kolonien, ob angesichts der Tatsache, daß die britiische Regierung für die Palästin a -Ankeilh e "mchl verantwortlich ist, und -die Palästina-Anleche ohne Zustimmung der paWinensischen Bevölkerung ausgoschrje'ben wurde, der Zeitpunkt angegeben werden kann, wann die bisher vocheschossene Summe boit 1^65.000 Pfund zurückgezahlt werden wi-vd. Mr. Ormsby Gore antwortete: „Es wurde keine Anleihe ausgeschrieben, r^ch würden, seitens der britischen Regierung der Regierung von Palästina i r -g e ud w e l ch e V o rschüsse gewährt. Die Summe, die Gi-r Charles Wate nennte ist fur die Kro nagenten für die Kolonien vorgeschossen. woÄen und wichvom Ertrag der Paläst'i-na-Anllei'he, sobald diese auAgeschvichen wich^ ausgezahlt werden." - ' :; Regenmantel » K 185.000 Lelnenwaren, Waschwaren"““ Stoffe, Wäsche,sehrbllllg II., TaborstraBe48 Telephon 47.-1-79, Engros Endetet

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